JK 113
Set fcn » Ät,
W ata XMi ihm XH 3». :«je!
Seta«wet«MHr: Hi e**tat ZMe tte Ne« %*w ie ta, Werie**: N, HM« » Ais-
Warburg
Mittwoch 15 Mai 1901.
ta&int täglich *u|ti en äitan^i. -» * .■'• aas ^eUttaees G#naue<6tt1aet: Jllnftrlrre» SanutagSblatt.
Saat «tb B«riM: Iah. lag. Sach, Univerfitatä-Vuchdrxkim
Aarbar« SRattt 81. - Tüephoo 56
36 Jahrg.
Tie landwirthschastiichm Zölle.
* Im Anschluß an unsere gestrigen Mittheilungen über die konservative Versammlung, die am letzten Sonntag stattgesunden hat, sei hier der Vortrag kurz skizzirt, den Herr Dr. Stähl y-Cassel über die Nothwendigkcit eines landwirthschaftlichen Schutzzolls gehalten hat:
Ter Redner wies zunächst darauf hin, daß sich in Deutschland Landwirthschaft und Industrie zum System des Schutzzolls aus rein praktischen Gründen bekannt haben; nur der Handel sträube sich gegen diesen höhere Schuh der landwirthschastlichen Produkte.
Redner, verkenne keineswegs die hohe volkswirth- schaftliche Bedeutung des Handels, es sei aber ungerecht, wenn der Handel beanspruche, daß seine Interessen wichtiger seien als die der nationalen Produktion. Nach einer kurzen historischen Betrachtung über die wirthichaftliche Entwicklung Deutschlands wies der Vortragende aus die Gefahren hin, die eine Entwicklung Deutschlands zum reinen Industriestaat mit sich bringen würde. Eine solche Entwicklung wäre nur dann gutzuheißen, wenn wir im Stande wären, unsere Beziehungen zum Ausland, sei es in Güte oder mit Gewalt, zu sichern. Das aber werde nie der Fall sein. Der Export von Maschinen, auf den vielfach großes Gewicht gelegt werde, bedeute im letzten »runde eine Stärkung der ausländischen Industrie Dabei drücke sich diese Tvdtengräberarbeit in außerordentlich hohen Zahlen unserer Ausfuhr aus. Folgen der künstlich gesteigerten Expvrtiudustrie fei es auch, daß letztere zeitweise gezwungen sei, nach dem Ausland erheblich billiger zu liefern, als nach dem Inland. So berechne z. B. das Drahtstift- Syndikat imJnlande einen Einheitspreis von 25 Mk., während es im Ausland nur 14 Mk. erhalte. Der Gewinn imJnlande habe daher im gleichen Zeitraum über 1 Mill Mk. betragen, während tm Auslande mit einem Verlust von 859000 Mark gearbeitet wurde. Sodann kam der Redner auf die Nothlagc der Landwirthschaft zu sprecheu. Der Vorwurf, daß die Betriebsweife der Landwirthfchaft zu einfach wäre, sei ungerecht. Die Technik der Landwirthschaft sei vollkommener und rationeller geworden; Produktion und Leistungsfähigkeit seien ungeheuer erhöht worden.
Als springendes Zeichen der Nothlage der Landwirthschaft seien zwei Dinge besonders hervorzuheben: die steigenden Pachtrückstände und die Zunahme der Verschuldung. So haben die Pachtrückstände allein bei den Domänen hier in Hessen von 1893/94 bis 1898/99 pro Jahr betragen: 24000, 34000, 63000, 87000 und 102000 Mk., also eine rapide Steigerung! In gleicher Weise haben sich die ländlichen Hypotheken vermehrt von 1893 bis 1897 : 228000, 237000, 264000, 274000 und 321000 Mark. Dabei sei aber keineswegs im gleichen Ver- hällnisie eine Steigerung der Grundstücks-Werthe ein- zetretcn. Ferner sei an dieser Verschuldung Groß- und Kleingrundbesitz im gleichen Maße betheiligt.
Die Lage der Landwirthfchaft sei eine mißliche und unhaltbare geworden und eine Besserung sei dringend nothwendig, wie von allen Seiten gefordert werde, denn wenn die Landwirthschaft zu Grunde «ehe, dann verliere Deutschland den krästigsten Theil feines Mittelstandes. Nun werde die Landwirthschast auf eine Aenderung ihrer Betriebsweise hingewiesen;
es werde ihr die Ausdehnung von Spczialkultureu empfohlen Tie Einnahmen aus diesen Kulturen würden aber nicht bedeutend sein: das Rückgrat der Landwirthschaft bleibe immer der Getreidebau. Auch werde immer Selbfthülfe empfohlen; gerade die Land- wirthschaft habt sich aber in ausgedehntemMaße der Hülse bedient, die im Genvsienschaftswesen liegt Bei den Handelsverträgen habe die Landwirthschaft die Zeche bezahlen müssen, ohne daß das beabsichtigte große Ziel, ein'europäisches Zollbündniß, erreicht worden sei. _ Redner geht dann auf die Form der abgeschlossenen Tarif- und Meistbegünstigungsverträge mit Amerika, Argentinien u. s. tu. über und hebt hervor, daß Deutschland überall den Kürzeren gezogen habe, weil es sich die Hände gebunden hätte, während Amerika z. B. sortwährend je nach feinem Interesse die Zölle änderte und erhöhte. Hierdurch sei die Selbstständigkeit Deutschlands vollständig verloren gegangen. Ziffernmäßig weist Redner nun nach, wie Deutschlands Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten von Jahr zu Jahr ganz erheblich sank und in gleichem Maße, um das 2'/-fache, die Einfuhr von Amerika nach Deutschland stieg.
Der Redner weist nunmehr auf die vielen Gründe hin, welche die Landwirthschaft zwingen, einen größeren Zollschutz zu fordern, wolle sie nicht zu Grunde gehen. Jetzt müfse sie unter den Selbstkosten verkaufen, ein Anderes sei e$ aber bei erhöhten Zöllen, dann sei sie auch wieder ein besserer Abnehmer für die Industrie, würden die ländlichen Arbeiter auch höhere Löhne erhalten und eher zu Hause bleibeu als jetzt. Sodann weist Redner den vielfach gehörten Vorwurf zurück, daß man mit Hülse der Zölle Brvtwucher treiben wolle, denn die Landwirthschaft erbringe auch dann noch keinen hohen Gewinn. Wie fehr jetzt die Getrcidepreise darnieder liegen, gehe aus der Preis-Entwickelung hervor. Die Tonne Weizen kostete durchschnittlich 121 Mark in den 20er Jahren, 138 in den 30er, 168 in den 40er, 211 in den 50er, 205 in den 60er, 217 in den 70er, 191 in den 80er und 165 in den 90er Jahren. Im Jahr 1900 sei der Weizenpreis dann weiter auf 152 Mark gefallen. Wie haben sich aber nun im Gegensatz zu den 1840er Jahren seither die Unkosten gesteigert, die Steuern, Löhne, socialen Lasten rc. Man könne jedenfalls ruhig sagen, daß noch niemals so hohe Löhne einem so niedrigen Getreidepreise gegenüber standen als jetzt. Hierauf widerlegte der Redner noch die hauptsächlichen Argumente, die von den Gegnern einer Zoll rhöhung gewöhnlich geltend gemacht werden; er schloß mit dem Hinweis, daß nationale Gründe die Erhaltung der Landwirthschast fordern.
In der Diskussion erläuterte Herr Fabrikant Schäfer inwiefern die Industrie gezwungen sei, zeitweilig billiger ins Ausland zu liefern als für das Inland. Er giebt aber Herrn Dr. Stähly zu, daß eH sehr bedenklich sei, wenn einzelne Industriezweige diese Preisdifferenzen fast ständig aufweisen Darauf aber kommt es bei der Beurtheilung der Frage an. Herr Klingelhöfer, Hof Fortbach, wies auf die Nothwendigkcit hin, daß Industrie und Landwirthschaft Hand in Hand gehen, wenn etwas Gutes ans den Verhandlungen über die Zollfragen heraußkomrnen soll.
30 Machdruck verboten.)
Das Heimathlied.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
kFortfetzung.)
Die Frau Präsidentin blickte sehr ernst.
„Und wenn die heimlich durchgegangene Tochter eines schönen Tages reumüthig zurückkehrt — was dann?" fragte sie, einen forschenden Blick auf den Sohn werfend.
„Aber es fällt ihr ja gar nicht ein."
„Weißt Du das so bestimmt?"
„Jawohl, Mama!"
„Aber so erkläre doch!"
„Mutter," sagte Lothar, ganz nahe herantretend, „kannst Du mich im Ernst für so — unklug halten, zu sagen, die Tochter des Verwalters wäre gestorben, wenn die Möglichkeit Vorlage, dieselbe könnte noch einmal zurückkehren? Na, da säße ich ja schön in der Tinte! Nein, das glaubst Du doch selbst nicht! Liesbeth wird nie wiederkommen, denn sie ist wirklich tobt! Darin wenigstens habe ich nicht gelogen."
„Du sagtest mir ja gar nichts davon!"
„Ich dachte doch nicht, daß Dich so etwas interesfiren könnte. Ich erfuhr es nur durch Zufall, und hatte es bald wieder vergessen. Damals ahnte ich freilich nicht, daß mir die Sache von so großem Nutzen sein würde."
„Ist das aber auch ganz gewiß?" fragte die Präsidentin, noch immer zweifelnd.
• „Ja, Mama, zu Deiner Beruhigung sollst Du erfahren .ich weiß es von Baron Rottner, der reist ja das halbe Jahr in der weiten Welt uuther, dabei traf er einmal die Lisbeth, die er
flüchtig hier gesehen, als sie noch bei ihren Eltern lebte. Sie war schon krank, und später erfuhr er, daß sie gestorben sei."
Die Frau Präsidentin ließ sich nun näheren Bericht erstatten über die Verhandlungen mit dem Verwalter.
„Gut, sehr gut," nickte sie mehrere Male. „Vorläufig ist die Gefahr beseitigt, das Weitere findet sich. Es heißt eben klug und vorsichtig sein."
„Aber jetzt gehe hinüber, Mama,"-drängte Lothar, „und sage meiner Braut, mir wäre nicht ganz wohl, ich würde aber später den Thee drüben nehmen, für jetzt möge sie mich entschuldigen, ich muffe frische Luft schöpfen."
IX.
Die Nacht war schon hereingebrochen, als der leichte Jagdwagen am Hinteren Parkthore hielt. Lothar, der heute ohne jede Begleitung, selbst ohne Kutscher gesahren war, sprang vom vorderen Sitz herunter, und half die beiden Kinder, die mit großen, erstaunten Augen all das Neue rings umher betrachteten, aus dem Wagen heben. Frau Betty, die den Augenblick kaum erwarten konnte, wo sie die „Enkel" ans Herz drücken durste, kam eilig herbei, um sich derselben zu bemächtigen, während Trautmann den Koffer vom Kutschersitz herunternahm. Lothar hatte schon vorsichtshalber alles Gepäck, )as die Kinder mit sich führten, sorgfältigst lurchsucht, ob es nichts enthielt, das ihm zum Derrather werden konnte. Doch es befanden sich in dem Koffer, den ein starker Lederriemen zusammenhielt, nur Kleider, Wäsche, Schuhe und Sonstiges, zwei Schachteln bargen Hüte
Umschau.
An den Rücktritt des Finanzministers Dr. v. Miquel
hat sich bereits ein reicher, mehr oder weniger gehässigen Absichten entspringender Sagenkreis geknüpft. Um derartigen Legenden entgegenzutreten, bringen die „Berliner Neuesten Nachr." jetzt eine Note, die offensichtlich von amtlicher Stelle herrührt. Sie lautet:
„Gegenüber den fortgesetzt durch die Presse laufenden unrichtigen Versionen über den that- sächlichen Hergang beim Ausscheiden des Ministers v. Miquel darf nunmehr als festgestellt gelten, daß, nachdem in der Besprechung vom 2. d. M. der Herr Ministerpräsident den Ministern von der beabsichtigten Schließung des Landtages Kenntniß gegeben, Herr v. Miquel sofort erklärte, daß nunmehr der Augenblick für ihn gekommen sei, den Abschied zu nehmen. Die am anderen Tage erfolgte Entsendung des Herrn Geheimrath v. Wilmowski an den Minister seitens des Ministerpräsidenten hatte lediglich den Zweck, festzustellen, ob Herr v. Miquel auf seinem Vorsatz beharre. Die Antwort fiel bejahend aus."
Hieraus ergiebt sich, daß der Minister v. Miquel einem Schluß des Landtags vor der endgültigen Entscheidung über die Kanalvorlage nicht zugestimmt hat. Folgerichtig mußte Herr v. Miquel seinen Abschied nehmen. Der Reichskanzler hat dieser Note zufolge nichts gethan, den Minister von seiner Rücktrittsabsicht zurückzubringen.
Deutsches Reich
Berlin, 14. Mai
— Die Ernennung des Abg. Möller, der sich wiederholt gegen den Maximalarbeitstag im allgemeinen und die Bäckereiverordnung im besonderen ausgesprochen hat, zum Handelsminister, wollen die Bäckermeister zu einer erneuten Kundgebung gegen die Bundesrathsverordnung über die Regelung der Arbeitszeit im Bäckereigewerbe benutzen. Sie wollen den bevorstehenden Verbandstag des Eentralverbandes deutscher Bäcker-Innungen zu einer großen Protestkundgebung veranlassen und hoffen von dem neuen Handelsminister die Abschaffung bezw. Abänderung der Verordnung zu erlangen.
— Dem sozialdemokratischen Abgeordneten Hoch wurde die Behauptung zugeschiieben, daß in den Höchster Farbwerken für 6000 Arbeiter nur ein Fabrikarzt vorhanden sei. Nach dem amtlichen Stenogramm hat et allerdings etwas Anderes gesagt. Seine Aeußerungen bezogen sich darauf, daß das Benzinlager in nächster Nähe der andren Anlagen und der Arbetterwohnungen befindlich sei und daß der
und Mützchen. Weiter nichts, kein Bild, kein Stückchen Papier, kein beschriebenes Blatt. Frau Betty, die das kleine Mädchen an der Hand führte, ging voran, Lothar folgte mit dem Knaben, aus dem schlechterdings kein Wort herauszubringen war. Er verzog das Mündchen, und begann zu weinen.
„Wie heißt Du denn?" fragte Frau Trautmann das Kind. „Erika" antwortete dieses rasch, „und mein Brüderchen heißt Reinhold, er k»nnö aber nicht sagen."
„So, und Deine Mutter, die hieß Lisbeth, gelt Erika?"
Lothar, der diese Frage gehört, fühlte, wie ihm eine Blutwelle in das Gesicht stieg.
„Diese alberne Fragerei," murmelte er, „da werde ich freilich noch viel zu thun bekommen."
„Meine Mutter ?" machte das Kind erstaunt, „meine Mutter hieß gar nicht Lisbeth."
„O doch — doch, besinne Dich nur, Du weißt das eben nicht," mischte sich Lothar ein.
„Meine Mutter hieß nicht Lisbeth," beharrte die Kleine.
„Nun freilich, wie soll sie denn sonst geheißen haben?"
„Meine Mutter hieß doch Mama!"
Alle lachten über die drollige Kleine. Lothar athmete auf.
„Ich bitte Sie, die Kinder nicht mit vielen Fragen zu quälen," sagte er gepreßt, „ich werde Ihnen noch mancherlei erzählen, die Kleinen find müde."
Man war unterdeß in dem hell erleuchteten Wohnzimmer angekommen. Frau Trautmann betrachtete die reizenden Gesichtchen der Kinder mit forschenden Blicken.
Fabrikarzt die traurigen Zustände mit seinem amt- llchen Charakter decke. Hiernach sind die Folgerungen, die an die falsch wiedergegebene Stelle geknüpft wurden, in diesem Falle hinfällig.
Parlamentarisches.
Reichstag.
a. Berlin, 13. Mai
Bei gut besuchtem Hause erledigte der Reichstag heute debattelos die noch ausstehenden dritten Lesungen von kleineren Gesetzentwürfen und ging dann über zn dem sogenannten Nothantrag zum Branntweinsteuergesetz. Jm^enioren-Konvent war beschlossen worden, mit dem Saccharin - Gesetz, dem Schaumweinsteutr- Geseh und anderen Entwürfen auch das neue Brevn- steuer-Gesetz bis zum nächsten Arbeitsabschnitt im Winter zurückzustellen und zum Branntweinsteuer- Gesetz nur einen Antrag anzunehmen, damit die Brennereisteuer, die nach dem alten Gesetz am 1. Oktober d. I. wegsallen würde, weiter besteben bleiben kann.
Die Kommission, der das Branntweinsteuer-Gesetz überwiesen worden war, hat diese Vereinbarung dahin erweitert, daß zum Schutze der Brennerei - Industrie das Kontingent der neueren Brennereien von 80(>00 auf 50000 Liter herabgesetzt werde. Hierüber kam es zu einer längeren und hitzigen Debatte.
Abg. Fischbeck bekämpfte den Vorschlag,als den Ausfluß der „Jnterefsenwirthschast der ostelbischen Brenner". — In längerer ausführlicher Rede trat ihm der
Abg. Frhr. v. Wangenheim <Bund der Land- wirthe) entgegen. Er legte dar, daß es sich hier nicht um Sondervortheile, sondern um eine Wahrung der gesummten Interessen der landwirthschaftlichen und mbuftrieHen Brennerei handele. Es wäre ein Unrecht den alten Brennereien gegenüber, wollte man neuen Brennereien dasselbe Kontingent geben. Die Folge davon wäre eine Ueberproduktion und die Vernichtung eines landwirthschaftlichen Nebengewerbes.
Denselben Standpunkt vertraten die Abgg. Paasche lnl.) und Holtz lRp.), während die Abgg. Pachnicke, Wurm und Richter ihn bekämpfen.
Die Anträge der Kommission tetr. Beschränkung des Kontingents für neue Brennereien und Fortdauer der Brennsteuer werden hierauf mit überwältigender Mehrheit gegen die Stimmen der Sociatdemokraten, des Freisinns und eines kleinen Theils der Nationalliberalen angenommen.
Nächste und letzte Sitzung Mittwoch früh 9 Uhr.
Dritte Lesung des Handelsprovisoriums mit England, dritte Lesung des Brannlweinsteuergesetzes.
Ausland
China. Nach einer Schanghaier „ Times Meldung soll am 4. b. M. ein kaiserliches Edikt erlassen sein, welches die Strafen ausspricht, die in Verbindung mit den Metzeleien in Tschutschau verhängt sind. Der Gouverneur von Tschekiang Liuschutang und der Taotai General Pao werden ihrer Aemter entsetzt. Jungtsching, der Schatzmeister der Provinz, wird zu lebenslänglicher Zwangsarbeit an den Poststraßen, und der Hauptmann der Leibgarde
„Ich weiß nicht", sagte sie seuszend, „die Kinder haben aber auch nicht einen Zug von meiner seligen Lisbeth an sich. Merkwürdig, was das Mädel da für schöne, blaue Augen hat, gerade wie Vergißmeinnicht, und Lisbeth hatte so dunkle. Die Mädchen gleichen doch gewöhnlich der Mutter".
„Ach was", meinte Trautmann gutmüthig, „bie Lisbeth glich Dir doch auch nicht, Alte, im Gegentheil, sie sah mir sehr ähnlich, so wird es hier auch fein".
Frau Betty verglich nun schweigend die Gesichter der Kinder mit dem des Gatten, dann schüttelte sie den Kopf, „Nein, von Dir haben sie auch keinen Zug. Wenn ich nur wüßte, an wen mich das kleine Mädel da erinnert", fuhr sie sinnend fort, „diese blonden, krausen Haare, und vor Allem diese Augen--"
„Ach, darüber zerbrechen Sie sich nur nicht den Kopf, lächelte Lothar, „so etwas täuscht oft sehr".
Das kleine Mädchen, das eine quecksilberne Natur zu haben schien, lief unterdeß von einem Gegenstand zum anderen, und unterzog alles einer genauen Besichtigung. Die Goldfische in dem großen Aquarium, die Kanarienvögel, denen Erika das „Piep, Piep" sogleich nachahmte, die große Schmetterlingssammlung, alles erregte ihre Bewunderung und ihr Interesse. Doch als ihr Frau Betty eine allerdings alte, aber doch ziemlich gut erhaltene, noch von Lisbeth her- stamwxnde Puppe hinhielt, nahm sie dieselbe und schleuderte sie heftig auf den Boden.
„Die ist häßlich, die mag ich nicht," rief sie wbei, und trat mit dem Fuße darauf.
(Fortsetzung folgt.)