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27

Lothars

Stolz,

hüteten

stehen.

(Fortsetzung folgt.)

Lothar machte eine Pause, um die Wirk­ung seiner Worte zu beobachten. Der Verwalter starrte vor sich hin, Frau Betty führte den Zipfel ihrer Schürze an die Augen, doch schien

es, als ob sie sich durch die Lobreden geschmeichelt fühlte.

„Das Mädchen war freilich unser meinte sie leise.

Abermals Friedens- Verhandlungen?

Die Friedensunterhandlungen sind wieder ausgenommen — einaeleitet von Lord Kitchener. Die Thatsache ist noch nicht amtlich verlautbart, aber ministerielle Kreise machen, wie eine Londoner Korrespondenz schreibt, ebenso wenig Geheimniß daraus, wie die Parteiführer der Mehrheit in der Lobby des Unterhauses. Der von General Botha fallen gelastene Faden ist von Lord Kitchener wieder aufgenommen, einfach weil es so nicht mehr weiter geht, weil alle Scheinerfolge des britischen Heeres sich als wirkungslose Schläge in die Luft erweisen, gerade so wirkungslos wie die noch nicht ver- gesienen ununterbrochenen „Niederlagen", die General Weyler den kubanischen Rebellen unter Garcia und Gomez beibrachte, während der spanische Obergeneral trotzdem nicht einmal die Vorstadt der Hauptstadt Havanna vor den Ueber- fällen der ewig fliehenden Kubaner zn schützen

unter meinem ehrlichen Dache nichts mehr zu suchen habe, daß wir zwei nichts mehr mitein­ander zu thun hätten. Denn wenn ich auch nur ein ganz einfacher Mann bin, auf Ehre und Reputation in meinem Hause habe ich alleweil gehalten, das ging mir über alles Und mit meiner Tochter, die sich solch einem Abenteurer, einem Glücksritter, einem solchen Vagabunden an den Hals werfen konnte, will ich nichts mehr zu schaffen haben. Auf der Kirmeß wars, drunten in der Stadt, wo sie ihn kennen gelernt hat. Es war ja freilich nicht schwer, daS Herz des arglosen, jungen Mädchens zu gewinnen, er wußte die Lisbeth zu bethören, hinter dem Rücken der nichts ahnenden Eltern. Seine Zauberkunststücke, die er auf dem Markt der erstaunten Menge zeigte, imponirten der Lisbeth derart, daß sie ihre Bewunderung für ihn offen zur Schau trug. Er verschlang sie förmlich mit seinen Blicken, das sah ich Wohl. Doch wo sich die beiden nachher getroffen, weiß ich bis heute noch nicht. — kurz, eines schönen Tages trat sie in ihrer resoluten Weise vor mich hin und verlangte kurz und bündig, daß ich sie jenem Gaukler, von dem ich nicht einmal den Namen kannte, zum Weibe geben sollte, sie habe sich mit ihm verlobt! Als ich ihr darauf in das Gesicht lachte, wandte ftc sich kurz um, und ließ mich

inzwischen damit vertraut gemacht, so durfte man erwarten, daß der Reichstag wenigstens im Herbst recht früh zusammentreten werde, damit neben dem obligatorischen Berathungs- stoff, Etat u. bergt., Zeit zur Durchberathung und Verabschiedung des Zolltarifs bleibe. Der 26. November ist in Anbetracht des unerledigt gebliebenen Arbeitsstoffes, den der Reichstag in den neuen Arbeitsabschnitt hinübernimmt, ein außerordentlich später. Ermuthigt werden hier­durch nur die Freihändler, die ihren Kampf gegen jeden höheren Zollschutz und für die Ver­längerung der geltenden Handelsverträge mit neuer Kraft und neuer Hoffnung aufnehmen werden.

Die so plötzliche Abänderung des Arbeits­planes bringt die Abgeordneten inbezug auf unsere Handelsbeziehungen zu England genau in dieselbe Lage, vor die sie sich vor einem Jahre gestellt sahen. Das Handelsprovisorium mit England läuft ab, und die Regierung muß wohl oder übel dem Reichstag eine neue Vor­lage zur Verlängerung des Handels-Provisoriums unterbreiten. Im vorigen Jahre kam die Vor­lage an den Reichstag, als die Abgeordneten bereits mit dem Packen der Koffer beschäftigt waren, sie verzichteten auf die so nothwendige eingehende Berathung und behielten sich dieselbe für dieses Jahr vor. Diesmal tritt derselbe Fall ein, wiederum werden die Abgeordneten erst kurz vor Thvresschluß die neue Vorlage erhalten. Die Engländer werden sich vergnügt die Hände reiben, daß dem Reichstag nicht die Gelegenheit geboten wird, sich mit dieser so wichtigen Frage eingehend zu beschäftigen. Zur Erhöhung des Ansehens der gesetzgeberischen Faktoren im Deutschen Reiche dient dieses Ver-

„Gut, Sie sollen einen neuen haben!"

„Einen neuen?" jubelte Frau Betty, „ach, einen solchen blau und weiß, mit Messing­einfassung und einer Bratröhre, wie ihn meine Gevatterin drunten im Städtchen besitzt? Ja? O, wie mich das freut! — wie mich das freut!"

Es Hütte nicht viel gefehlt, sie hätte Lothar die Hand geküßt. Er wehrte ihr fast verlegen. Jetzt mußte sein Plan gelingen, er mußte das Eisen schmieden, so lange es warm war.

„Sie hatten doch eine Tochter," begann Lothar, langsam und bedächtig. Er fixirte da­bei die Gesichter seiner Zuhörer sehr scharf, und es entging ihm nicht, daß sich die buschigen Brauen des Alten unmuthig zusammenzogen, während Frau Betty's eben noch so strahlendes Antlitz einen traurigen Ausdruck annahm.

„Sie thun nicht gut, Herr uns daran zu erinnern," sagte Trautmann finster.

„Es war ein schmuckes, resolutes Mädel," fuhr Lothar unbeirrt fort, „ein blitzsauberes, junges Ding, flink, wie ein Reh, mit Augen, wie ein paar schwarze Kirschen, ich hatte immer meine Freude an dem herzigen Geschöpf., Wenn ich der Lisbeth begegnete und sie mich mit den dunklen Augen ansah, gab es mir immer ordentlich einen Stich in s Herz. Sie war immer so nett gekleidet und schien nur so dahin zu schweben."

Mardrrra

Sonnabend, 11. Mai 1901.

Die Vertagung des Reichstags.

Die Ueberraschung des heutigen Tages ist die Vertagung des Reichstages vom 14. d. Mts. di8 zum 26. November. Diese einschneidende Abänderung des Geschäftsplanes ist sozusagen über Nacht gekommen. Dor wenigen Tagen noch beschloß der Seniorenkonvent, am 14. Mai Ferien zu machen und am 4. Juni die Arbeiten wieder aufzunehmen behufs Verabschiedung des vorliegenden Arbeitsstoffes. Gestern. Donnerstag, Mittag hatte der Reichskanzler eine Unterredung mit dem Präsidenten Grafen Ballestrem. Im Verfolge der Besprechung berief dieser noch während der Sitzung auf 3 Uhr den Senioren­konvent zusammen und theilte ihm mit, daß die Regierung in Anbetracht des Umstandes, daß der vorliegende Arbeitsstoff in der vor­gerückten Jahreszeit doch nicht mehr erledigt werden könne, die Absicht habe, die Session bis zum Herbst zu vertagen; sie lege nur noch Werth auf die Erledigung einiger kleineren Vorlagen, u. a. des Entwurfs betreffend Ver­längerung des Handelsprovisoriums mit Eng­land. Im Einverständniß mit den Wünschen der Regierung beschloß der Seniorenkonvent, die Geschäfte so zu fördern, daß die Vertagung am nächsten Dienstag, den 14. Mai, eintreten könne. Die Wiederaufnahme der Arbeiten soll am 26. November erfolgen.

Die Vertagung des Reichstages bietet, abge­sehen von der Fortdauer der freien Eisenbahn­fahrt und der Immunität der Abgeordneten, den Vortheil, daß die Kommissionsarbeiten über Seemannsordnung, Süßstoffgesetz, Novelle zum Branntweinsteuergesetz und anderes mehr nicht vergeblich gewesen find, und daß die Arbeiten im Herbst wieder an der Stelle ausgenommen werden können, an der fie jetzt abgebrochen werden. Befremden aber muß es, daß der Wiederzusammentritt des Reichstags erst zu einem so späten Termin erfolgt. Die uner­ledigt gebliebenen Vorlagen sind so umfangreich an Zahl und Inhalt, daß schon deßhalb ein früherer Zusammentritt zweckmäßig erscheinen sollte. Der möglichst frühe Zusammentritt im Herbst müßte für die Regierung aber geradezu ein Gebot der Nothwendigkeit sein, wenn sie wirklich die Absicht hat, den Zolltarif rechtzeitig vorznlegen und in der nächsten Session zur Ver­abschiedung zu bringen, um aus dieser Grund­lage neue Handelsverträge zu vereinbaren. Ursprünglich erwartete man gemäß den An­kündigungen der Thronrede, daß der Zoll­tarif noch in dem laufenden Arbeits- Abschnitt an den Reichstag gelangen würde und daß dieser nach der Generaldebatte im Frühherbste, etwa im September, zu einer Eondertagung behufs Erledigung des Zolltarifs zasammentreten solle. Dieser Gedanke mußte aufgegeben werden. Hatte man sich im Lande

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unsere einzige Freude, bis — — sie sich an einen Mann hängte, dem wir fie nicht geben wollten."

„Ja, — ich weiß," sagte Lothar und blickte aufmunternd den Alten an, der wie mit sich selbst sprechend, fortfuhr:

„Und eines Tages, — zu Jakobi werden eS fünf Jahre, — da war fie fort, — mit ihrem Herzallerliebsten davongeflogen in die weite Welt, — Niemand wußte wohin!"

„Und seitdem habt Ihr nichts mehr von Ihr gehört?"

Die beiden Alten bemerkten den lauernden Blick nicht, den Lothar auf fie warf.

„Nichts, Herr als daß sie ehelich getraut wurde, und das ist mein Trost. Sie schrieb uns bald darauf, nachdem fie unS verlassen, wir möchten ihr verzeihen, fie habe nicht anders gekonnt, aber fie werde uns keine Schande machen. Ich schrieb ihr darauf zurück, daß fie

OriflinaMtoman von Irene v. Hellmuth.

Fortsetzung.»

„ES geht Ihnen doch gut, Trautmann, Sie find zufrieden hier, nicht wahr?" warf Lothar hin.

Das Erstaunen der Leute wuchs.

„Ja, ja, ganz gewiß, gnädiger Herr," be­eilte sich der Verwalter zu versichern. Sein guthmüthiges, rundes Gesicht strahlte ordentlich.

„Wenn Sie irgend einen Wunsch haben, sagen Eie es nur, ich möchte, daß Ihnen nichts fehlt. Sie find ein pflichttreuer Mann, und solche Leute weiß ich zu schätzen."

Das Lob schmeichelte tffem guten Alten doch sehr. Noch nie hatte Jemand von der „gnädigen Herrschaft" so mit ihm gesprochen.

Frau Betty faßte sich ein Herz und rückte mit einem Anligen heraus, das ihr schon längst auf der Seele lag.

„Gnädiger Herr — der Heerd in unserer Küche — —" sie stockte erschrocken, weil ihr Mann fie verstohlen von hinten am Rocke zupfte.

„3hm, nur heraus, was ist's mit dem Heerd?" ermunterte Lothar.

„Ach, er brauche nothwendrg eine Reparatur!"

gekommen waren, wurden fie durch englische Pompom- und Maximgeschütze gezwungen, sich zurückzuziehen, wobei sie 6 Todte verloren. Tie Engländer nahmen die Verfolgung auf und zwangen die Buren, ihren ganzen Troß im Stiche zu lassen, der darauf erbeutet wurde. Das Fort Klipdam, der Wohnplatz des Einge­borenen Kommissars Kapitän Dahl, wurde vom Oberst Grenfell angegriffen und nach hartem Kampfe, wobei 9 Buren fielen, eingenommen. Die Engländer machten 45 Gefangene und er­beuteten Munition.

Ein Besuch bei Botha.

In der „La Plata-Zeitung" schildert ein Mitkämpfer der Buren, G Maennchen, aus seinen Kriegserinnerungen sein erstes Zusammen­treffen mit Botha. Er führt etwa folgendes aus: Anfangs habe er Botha nur wenig zu Gesicht bekommen, erst nach feiner Ernennung zum Kommissar der deutschen Korps sei er mit ihm persönlich bekannt geworden. Seine erste Begegnung mit dem Generalkommandanten sei ihm unvergeßlich. Da die deutschen Korps seit 3 Tagen kein Schlachtvieh erhalten hatten, ritt er in Bothas Hauptquartier, um mit ihm diescr- halb Rücksprache zu nehmen. Das Hauptquartier bestand aus mehreren Zelten, einigen Wagen, Pferden, Ochsen und einer kleinen Gruppe Buren. Auf feine Frage, wo der General fei, bedeutete ihm ein Bur, daß sich dieser in einem der Zelte befinde. Von diesem Zelt schreibt der Deutsche: „Ich sah hinter dem Zeltvorhange ein Paar Füße, deren Hacken und Zehen eben so weit ans den Strümpfen herausschauten wie bei mir." Botha schlief, er ließ ihn wecken und verhandelte mit ihm. Eine Anfrage Bothas, ob er deutscher Offizier sei, bejahte Maennchen, worauf ihm Botha volles Vertrauen schenkte und ihm einen Brief übergab mit dem Auftrage ihn bei allen Kommandos vorzulesen. Dann fährt der Deutsche in seinem Berichte fort: „Als ich mich mit kräftigem Händedruck verabschiedet hatte und wieder auf meinem Gaul faß, war mein Erstes, den Brief zu lesen. Er war vom Lord Roberts und sicherte Botha für den Fall, daß er binnen acht Tagen die Waffen nieder­legte, eine einmalige Gratifikation von 50 000 Pfund (1 Million Mark) und bis an fein Lebensende eine jährliche Rente von 10000 Pfund (200000 Mk.) zu. Meinem Auftrage gemäß las ich allen Kommandos den Brief vor. Ich machte in den nächsten beiden Tagen mög­lichst ausgiebigen Gebrauch von dem Briefe und brachte ihn am dritten Tage Botha wieder zurück.'

(Nachdruck verboten.)

Das Heimathlied.

„Ja, ja," nickte Trautmann, „wir die Lisbeth wie unseren Augapfel, sie war

vermochte Und gerade so erfolglos und aus­sichtslos wie desselben Generals Weyler Recon- centrado-Politik hat sich Lord Kitchener? Versuch erwiesen, das ganze Land der beiden Buren- Republiken von Viehherden, Lebensmitteln, Pferden und Waffen und zuletzt von den Menschen darin einschließlich der Greise, der Weiber und Kinder zu säubern, um so den Verteidigern ihres Vaterlandes die Möglichkeit, im Lande selbst ihren Unterhalt zu finden, zu nehmen. Lord Kitcheners Truppen sind trotz der Opfer­freudigkeit und der die letzte Kraft seiner Truppen auszehrenden Parsorce-Operationcn im Osten wie im Norden des Transvaals wieder auf die Eisenbahnlinien zurückgedrängt, und ihm stehen in Ermelo Louis Botha, bei Klarksdorp Delarey, und in dem Oranje-Freistaat De Wet mit ihren Unterführern heute gerade so stark gegenüber, wie vor sechs Monaten und seine eigenen Truppen sind gebrochen bis zur Erschöpfung kriegsmüde und zur energischen, kraftvollen Operationen nicht mehr zu ver­wenden. Diese Thatsache bescheinigt jetzt selbst ein bis dahin so optimistischer Augenzeuge wie der Sonderberichterstatter der „Times" beim Hauptquartier, der ein Bild von dem britischen Okkupationsheere entwirft wie es trostloser kaum gedacht werden kann. „Die Armee braucht sechs Monate Rast oder fortwährenden systema­tischen Ersatz". So resümiert jener die Lage und er charakterisiert sie damit ihrem innersten Kerne nach. Das britischeHeer, so wie es heute in Südafrika steht, ist nicht mehr aktionsfähig, und die Regierung ebenso wenig in der Lage, es durch steten regelmäßigen Nachschub zu neuer Aktionsfähigkeit zu beleben und so zu erhalten. Dazu kommt, daß die Lage in der Kapkolonie, so wenig dort heute wie vordem die Rede von einem allgemeinen Aufstand der Kapholländer sein Fann, wachsend kritischer wird, so zwar, daß niemand geringer als Herr Cecil Rhodes selbst bei der Regierung direkt und wie zuverlässig verlautet, in den dringendsten Ausdrücken- vorstellig geworden, damit einer Lage ein Ende bereitet wird, deren schwere Gefahr niemand mehr ungestraft ver­kennen dürfe.

So wird denn Lord Kitchener noch einmal versuchen, die Buren für ein Kompromiß zu gewinnen und es fragt sich nur, ob es richtig ist, was kürzlich in ministeriellen Kreisen ver­lautete, nämlich: daß der englische Obergeneral wirklich bevollmächtigt ist, nach bestem Ermessen Friedensunterhandlungen „aus der Grundlage für beide Theile ehrenvoller und berechtigter Bedingungen" einzuleiten! . . .

Dom Kriegsfchauplatz.

Reuters Bureau meldet einige kleine Erfolge der Engländer. Danach wurde das Lager des Generals Beatson von Viljoen mit 500 Buren angegriffen. Als diese in Schußweite heran-

Deutsches Reich

Berlin, 10. Mai

— Zu Ehren der ausscheidenden Staats­minister Dr. v. Miquel, Freiherrn v. Hammerstein und Brefeld fand bei oem Reichskanzler

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