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mit dem Kreisölatt für die Kreise Martzurg und Kirchhain.

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Donnerstag, 9. Mai 1901.

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36. Jahrg

Umschau.

Zur Umbildung des Staats- mi nisteriums.

An den Rücktritt der Herren von Miquel, Wh Hammerstein und Brefeld knüpfen sich wie gewöhnlich eine Menge von Gerüchten, welche, rote üblich, theils auf freier Erfindung beruhen, iheils davon herrühren, daß halb richtige oder unvollständige Informationen durch willkürliche Kombinationen ergänzt wurden. So viel ist sicher, daß der Kaiser Herrn von Miquel unter ausdrücklicher Hervorhebung seines wiederholten ßntlasiungsgesuches den Kaiserlichen Dank für seine großen Verdienste um das Vaterland, seine Person und sein Haus in den wärmsten Aus­drücken ausgesprochen hat. Das betreffende - Handschreiben an den Minister hat nach dem .Reichsanzeiger" folgenden Wortlaut:

Ihren wiederholten Gesuchen um Ent- laffung aus den Aemtern als Vizepräsident des Staatsministeriums und als Finanzminister habe Ich durch den Erlaß vom heutigen Tage Folge gegeben. Mit Bedauern sehe Ich Sie aus Ihren bisherigen Stellungen scheiden, worin Sie sich so große Verdienste um Mich , und Mein Haus, sowie um das Vaterland ; erworben haben. Wenn es bisher gelungen i ist, den großen und neuen Aufgaben auf ; allen Gebieten der Staatsverwaltung gerecht zu werden, ist dies nicht zum geringsten Theile Ihnen zu verdanken, indem Sie mit . sachkundiger, glücklicher Hand die neue Finanz- - grundlage für den preußischen Staat ge­schaffen haben, auf deren Festigkeit auch in Zukunft gebaut werden kann. Es ist Mein herzlicher Bedürfnis, Ihnen für die treue und segensreiche Arbeit, Ihre auf­opfernde Hingebung, womit Sie Ihres verantwortungsvollen Amtes gewaltet haben, Meinen wärmsten Dank auszusprechen. Um aber Ihre große Erfahrung und hervorragende Kraft dem Staate auch ferner zu erhalten, habe Ich Sie als Zeugnis Meines besonderen " Vertrauens auf Lebenszeit inS Herrenhaus berufen. In steter Dankbarkeit ver­bleibe Ich alle Zeit Ihr wohlgeneigter ; Krnig Wilhelm B."

Es ist weiterhin zu melden, daß der Unter« laatssekretär Fritsch im Reichspostamt seinen Abschied nachgesucht hat. Der neue Landwirth- chaftsminister v. Podbielski hat sich von den Beamten seines Ressorts verabschiedet und die Ge- chäfte als Landwirtschaftsminister übernommen. Die von dem Finanzminister Dr. v. Miquel tinegehabte Stellung eines Vizepräsidenten ie§ Staatsministeriums wird bis auf weiteres licht besetzt werden, da Graf v. Bülow auf fine derartige Entlastung verzichten zu muffen jlaubt. ______________

25 (Nachdruck verboten.)

Das Helmathlied.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung^

Und wo befinden sich die Kinder jetzt?" stagte Lothar.

3d) ließ sie mit ihrer Wärterin drunten im L-tädtchen zurück, das am Bergabhang liegt. Die Wärterin ist eine sehr neugierige Person, auch wollte ich nicht, daß die Kinder, die keine Ahnung haben, um wass es sich handelt, die 6jene mit anhören sollten. Ich konnte ja nicht tviffen, wie ich hier ausgenommen werden würde, jedenfalls ging eS ohne heftige Worte nicht ab, "und diese taugen nicht für das Ohr eines Kindes. Deshalb wollte ich vorerst allein hierher gehen, nm das Terrain zu prüfen."

Die Kinder wissen nicht, daß sie zu ihrem Hroßvater gebracht werden sollen?" warf Lothar ein.

tRein, die Kinder wissen gar nichts, weder ftafj sie hier Verwandte haben, noch daß ihr $ater sich einst Graf Düren nannte. Sie sind ja auch noch viel zu klein, um dergleichen be- gteifen zu können. Wir führten den einfachen, bürgerlichen Namen Bernhardi, was sollte uns ier stolze TitelGraf" ? Mein Gatte suchte

* Konservative Kanalpolitik.

Es ist eine alte Fabel, die wir nicht bloß inparteilosen" und offiziösen Organen ver­breitet finben, daß die Konservativen nicht eine rein fachliche Kanalpolitik getrieben, sondern daß sie sich hätten von parteitaktischeu Gründen leiten lassen. So lesen wir in einem zweifellos inipirirten Artikel, der die Runde durch einen Theil der halbamtlichen Provinzial- preffe macht, Folgendes:

Das ganze Verhalten der Kanal-Opposition, die das weitgehende Entgegenkommen der Staats-Re­gierung in nichts erwiderte, vielmehr durch immer neue Wünsche und Forderungen die Vorlage derart überlastete, daß die Aussicht auf ihr Zustandekommen endlich völlig schwand, zwingt vielmehr zu der An­nahme, dahauch p a r t e i t a kt is che Gründedieses Verhalten erheblich mitbestimmten. Das ist nament­lich in Bezug auf die konservative Partei be­denklich und bedauerlich, die durch die geschichtliche Entwickelung in erster Linie dazu berufen ist, die Unterlage für eine gesunde Fortentwickelung der innern Politik in Preugen zu bieten. Es ist selbst­verständlich, dah die Staats-Regierung nach wie vor, nnbeeinflutzt von der Stellung einzelner Parteien, eine streng sachliche Politik zum Wohle des Vater­landes führen wird, eine langanhaltende Divergenz zwischen der Regierung und der konservativen Partei muß aber naturgemäß ein wirklich harmonisches Zu­sammenarbeiten der staatserhaltenden Elemente hemmen oder doch bedenklich erschweren. Die Haltung der Konservativen hat in erster Linie die Regierung dazu gezwungen, in der Kanalfrage den Knoten zu durch­hauen, statt ihn zu lösen."

So sehr wir die Erkenntniß würdigen, daß die konservative Partei in erster Linie dazu berufen sei, die Unterlage für eine gesunde Fortentwickelung der inneren Politik zu bieten, für so selbstverständlich wir es halten, daß die Regierung nach wie vor eine streng sachliche Politik zum Wohle des Vaterlandes, also keine Politik derRevanche", zu führen entschlossen ist, so entschieden müssen wir der Anschauung widersprechen, daß die konservative Partei sich durch andere als durch sachliche Gründe in der Kanalfrage hätte bestimmen lassen. Es ist auch eine durchaus unrichtige Darstellung, daß die Haltung der Konservativen in erster Linie" die Regierung gezwungen habe, den Knoten zu durchhauen. Den Ausschlag bei der plötzlichen üblen Wendung in den Kommissionsberathungen hat bekanntlich das Centrum gegeben, und es kann durchaus nicht als feststehend gelten, daß ohne diese durch das Geschrei der liberalen Preffe veranlaßte Wendung im Centrum nicht doch noch der wafferwirthschaftlichen Vorlage ein etwas günstigeres Schicksal deschieden worden wäre. Zur richtigen Beur- theilung der Sachlage ist es dringend nöthig, von der erwähnten alten Fabel, die sich nicht auf Thatsachen, sondern auf falsche Darstellungen der liberalen Presse stützt, abzulassen. Wollte man sich etwa auch jetzt noch auf die bekannten Aeußerungen des Freiherrn von Zedlitz, der leider die Kanalfrage mit dem neuen Zolltarif in Verbindung gebracht hat, berufen, so wär^ daö illoyal; denn von konservativer Seite ist

schon vor unserer Vermählung bei der betreffenden Behörde um diese Namensänderung nach, und es wurde ihm gewährt. Graf Düren braucht nicht zu fürchten, daß sein hochtönender Name auf dem Theaterzettel zu lesen war, nein. Niemand weiß, daß ich ein Recht hätte, mich Gräfin Düren zu nennen!"

Es klang eine grenzenlose Bitterkeit aus den Worten der jungen Frau, welche jetzt der Thüre zuschritt.

Und nun bitte ich Sie, halten Sie mich nicht länger auf," sagte sie dabei.

Lothar vertrat ihr den Weg.

Hören Sie mich ruhig an," begann er, seine Hand auf ihren Arm legend.Daß Ihre Forderungen berechtigt sind, sehe ich ja ein* aber die Sache braucht Zeit, soll etwas Gutes dabei herauskommen. Fasten Sie doch Vertrauen zu mir, ich meine es gewiß aufrichtig, und habe ihr Bestes im Auge. Der Gras ist eine jäh­zornige, hitzige Natur, dazu ein eingefleischter Aristokrat, der feinen Zoll breit von seinen Grundsätzen abgeht. Erzwingen läßt sich bei ihm gar nichts. Weist er Sie jetzt ab, so haben Sie die Möglichkeit verloren, Ihren Vor­satz auszuführen, kann man ihn aber nach und nach vorbereiten, ihm die Sache so schonend als möglich beibringen, so barf man eher auf Er­folg rechnen. Ich kenne den Grafen durch und

gegen diese Verquickung auf das Entschiedenste protestirt worden, und es wird auch sonst da­für, daß die konservative Partei sich durch andere als sachliche Gründe zu ihrer Haltung in der Kanalfrage hätte bestimmen lasten, fein Schatten eines Beweises zu erbringen sein. Dagegen verdient eS festgestellt zu werden, daß gerade ein kanalfreundliches Blatt, derHann. Courier" vor den bekannten Aeußerungen des Frhrn. v. Zedlitz für eine Verquickung der Zölle mit dem Kanal Stimmung gemacht hat.

Der südafrikanische Krieg.

Der Krieg geht wie feit Monaten hin und her. Meldete Lord Kitchener gestern die Anzahl der von ihm getöbtetcn und verwundeten Buren, so muß heute die amtliche Liste ihrem Lande verkünden, daß im Monat April allein 31 britische Offiziere und 421 Mann theils gelobtet, theils verwundet und gefangen find. Da heben sich die Verluste ziemlich auf; nur in Hinsicht auf die geraubten Rinder und Schafe sind die Briten den Burenüber!"

Die Operationen, die General French in den Südost di strikten des Trans­vaals ausführte, waren nach derMorning Post" äußerst schwieriger Natur und scheinen nicht gänzlich gewürdigt worden zu sein. Er hatte sich ntit enormen Transportmitteln zu versehen, um seine große Armee verproviantirt zu halten. Die Operationen wurden bei be­ständigen Regengüsten ausgeführt, wodurch die Wege in Schlammseen, durch Bäume und Fels­blöcke unterbrochen, verwandelt und die Trans­portschwierigfeiten noch vermehrt wurden. Die Wagen saufen wiederholt in den Schlamm ein und an manchen Stellen mußten die Ochsen­gespanne volle Wagen bergauf ziehen. Unter solchen Bedingungen ging es natürlich nur langsam vorwärts. Manchmal nahm das Ueber- schreiten einer Furt vier Tage in Anspruch. Mit dem Vorrücken der Truppen wurde bas Laub von Bewohnern unb Viehgesäubert." Tausenbe von Schafen, die den Kolonnen nicht zu folgen vermochten, kamen um. Diese Operationen wurden trotz beständiger Belästig­ungen durch die Buren ununterbrochen ausge­führt. Viele Buren legten die Waffen nieder und eine große Menge Munition wurde er­beutet. Kleine Abteilungen Buren folgten General Smith-Doriens Kolonne bis 4 Meilen von Wonderfontein. General French beschloß sein Werk, indem er durch Detachements alle nicht zu besetzenden Dörfer von Dorräthen, Möbeln, Kochgeräthen und was dem Gegner von Nutzen sein könnte, säubern ließ. Die Häuser wurden jedoch unberührt gelassen. Bei uns wird diesSäubern" etwas anders benannt. Die Schilderung giebt ein anmuthiges Bild, woher French die vielen Tausende von Vieherbeutet" hat, von dem eine Menge un­

durch, und deshalb mache ich Ihnen den Vor­schlag: Ueberlasten Sie es mir, ihn zu ver­söhnen, es ist der einzige Weg, der zum Ziele führt."

Und was meinen Sie, daß ich thun soll?" fragte Alice, schon halb überzeugt.

Sie legen alles getrost in meine Hände. Wenn Sie durchaus "keine Zeü haben, abzu­warten, bringen Sie die Kinder einstweilen zu mir, ich werde solange für sie sorgen, bis der Graf sich bereit finden läßt, dieselben als feine rechtmäßigen Enkel anjuerfennen. Ich gebe Ihnen die Versicherung, den Kindern soll es an nichts fehlen, Sie brauchen sich deswegen keines­falls zu beunruhigen."

Einverstanden!" rief Alice, der die Sache schon zu lange dauerte, und die sich vor eine Reihe von Widerwärtigkeiten gestellt sah. Durch ihre Adern floß echtes Künstlerblut, Vater und Mutter hatten demselben Stande angehört, und Alice war von jeher etwas leichtsinniger Natur. Aus den Kindern hatte sie sich nie viel gemacht, sondern sie meistens Andern überlassen. Sie war nicht an dieselben gewöhnt, daher wurde ihr auch jetzt der Abschied nicht schwer. Die Meinung, genügend für die Kinder gesorgt zu haben, beruhigte sie vollständig. Sie liebte das Theater und daS freie Leben, das sie zu führen gewohnt war, mehr als die Kinder, deshalb

nütz verendete! Das ist englische humane Kriegführung.

lieber einige neueren Scharmützel wird a is Standerton vcm 7. Mai berichtet:

Vorgestern sind von hier einige britische Kolonnen abgegangen, um sich mit der von Platrand aufgebrochenen Kolonne zu vereinigen. Während des Marsches unterhielten die Buren ein ständiges Feuer. Die Platrandkolonne er­reichte in derselben Nacht Welteoveden, wobei der Feind einigen Widerstand leistete. Am nächsten Tage wurde das Burenlagen bei Uitfpf , von Oberst Colville? Kolonne aus Heidelberg überrumpelt, wobei 3 verwundete Buren ge­fangen genommen und 4 Wagen, 13 Pferde, 500 Stück Vieh und MunstionSvorräthe erbeutet wurden. Der Nebel machte die Verfolgung des Feindes unmöglich. Die Kolonne setzte sodann ihren Marsch nach Süden fort und griff ein anderes Surenlager an, ohne Widerstand zu finden. Ein Maxim- und ein Nordenseldt-Ge- schütz, sowie einige Wagen mit Vorräthen fielen in die Hände der Engländer. Inzwischen ging die Platrandkolonne gegen Woal vor. Am 5. ds. griffen die Buren energisch die Stellung an, die jedoch von den Engländern mit einem Verlust von 3 Todten und 2 Verwundeten behauptet wurde. Schließlich wurde der Feind vertrieben. Nach einer Burenmeldung schloß sich das Kommando Brity in einer Stärke von 250 Mann demKommandanten Christian Botha, an, dessen Truppe an sich 350 Mann und 2 Geschütze zählt. Das vereinigte Kommando steht jetzt östlich von Wetrokfontein Oberst Bullock hatte gestern ein Gefecht mit dieser Kolonne, das Ergebniß ist noch unbekannt^

Deutsches Reich

Berttu. s Mai

Ter Seniorenkonvent des Reichstags trat Dienstag vor Beginn der Plenarsitzung zusammen und wurde dahin schlüssig, daß der Reichstag sich am 14. Mai bis zum 3. Juni vertagen soll. Bis zum 14. Mai soll soviel als möglich erledigt und alsdann nach den Pfingstferien weiter gearbeitet werden.

Im Laufe dieses Jahres toerbex es fünfund­zwanzig Jahre, daß fünf Mitglieder der freikon- servativen Fraktion: der Landrath Hansen, v. Kardorff, Regierungspräsident z. D. v. Tiedemann- Bromberg, der Hüttenbesitzer Richard Popelins und der Freiherr v. Zedlitz-Reukirch dem Abgeordneten- hause als Mitglieder angehören. Die beiden frei» konservativen Fraktionen haben dieses Jubiläum durch ein Festessen gefeiert.

Als eine kleine Erhöhung des Bierzolles zweck­mäßig erschien, erhoben die sreisinnigenLolitiker ent­schiedene Einsprüche und stellten sich auch in höchstem Grade entrüstet infolge des Gerüchts, daß eine Er- Höhung der staatlichen Biersteuer in Aussicht ge- nrmmen worden sei. Wenn es sich aber um Stadt- berwaltungen handelt ja, Boxer, das ist ganz was anderes. Bekanntlich erheben verschiedene frri- finnige Stadtverwaltungen, die aus Wunsch des tandelsvertragsvereins gegen die Erhöhung der ebensmittelzölle petitioniert haben, wie München, Breslau, Nürnberg. Mannheim u. s. w., besondere Abgaben auf Getreide, Hülsenstüchte, Mehl, Vieh,

athmete sie auch jetzt erleichtert auf, da ein Anderer ihr die Sorge für die Zukunft ihrer Kinder abnahm. Die goldene Freiheit winkte ihr wieder, sie würde in Zukunft Niemand mehr Rechenschaft zu geben brauchen von ihrem Thun und Lasten. DaS erschien ihr überaus ver­lockend, und sie nahm sich fest vor, den,, dummen Streich", den sie durch diese Heirath gemacht, sobald als möglich wieder zu vergessen. Das konnte sie am ersten, wenn sie im Ausland ihr Glück versuchte.

Bester konnte eS gar nicht gehen, meinte sie für sich, beim in dem Falle, daß Graf Düren sich geweigert hätte, ihren Anforderungen zu entsprechen, wäre bie Sache nicht so einfach ge­wesen. Mochte dieser junge Mann doch zusehn, wie er mit dem altenEisbär" fertig wurde, sie selbst betrachtete die Sache als abgethan, und glaubte ihrer Pflicht vollständig genügt zu haben.

Es wurde verabredet, daß der Verwalter die Kinder in feinem Wagen abholen sollte, Alice, die ihren Haushalt bereits aufgelöst hatte,, wollte bann unverzüglich Weiterreisen. Sie schüttelte Lothar und besten Mutter zum Abschiede so herzlich die Hand, als hätte sie dieselben schon jahrelang als gute Frennbe gekannt.

(Fortsetzung.folgt.)