für die Kreise Marbms uu6 Kirchhain.
Mark 3 L'iark
Marburg
Dienstag, 7. Mai 1901
Msrt«lt«tzr.i-,r BuagSgriiS: Sri d« SWÄirirn 9 ML, bri ata WK*6rb SM ML (t$d. Beta»»).
M 106
4
tnchq
Tlaif
•3 3)Ui>
bröu
Mark 3 Mvq nbraii Mark 3 1*1«^ tien ‘
tachriüt tätlich säget «n listitiaa«» ug touitn* und
6e«etettoeilaet: Jilustrirte« D»»«la«Sbkatt. qr?
Swl eeb Btrl«g: J»h- »«8- S»ch, Untd«rsttät»-Vr-Ädrilck«7.- ou x)ul/U|
ÄRrbira Markt 91. — L«l«phoa 56
P
Mark 3 Mark j
Merk.
3 Diark
Die Lösung der Krisis.
Das neue Ministerium
Die Ministerkrisis ist beendet; das neue Ministerium, über besten Zusammensetzung in
Mark.
3 Mark i Ha uz schnft. Porto.
iachf,
diesen Tagen viel hin- und hergerathen ist, ist bereits ernannt worden. Neber seine Gestaltung und die Ehrungen, die den scheidenden Ministern zu Tbeil geworden stnd, meldete uns heute Vor- mittag ein Telegramm, das wir sofort durch Extrablatt verbreitet haben:
'strotz,.
»Co-
Berlin, 6. Mai. 10.35 Uhr. Eine ßonder - Ausgabe des „Reichs - Anzeigers" meldet, daß den Ministern Miquel, Hammerstein und Brefeld die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienst ertheilt worden ist. Miquel ist ins Herrenhaus berufen worden, Hammerstein die Krone zum Großkreuz des
r**1*4' *
ilen.
Rothen Adlerordens und Brefeld das Großkreuz des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub verliehen worden.
ettea.
Hk. 5. „• 3. ranke.
Freiherr von Rheinbabcn ist zum
Finanz mini st er, Podbielski zum L a n d - wirthschaftsminister, der Metzer Bezirks-
l: ner ehf.
Präsident Freiherr von HammersteiU zum Minister des Innern, der Geheime Kommerzienrath Möller zum Handelsminister
(1498
und der Direktor im Reichspostamt Kretke
zum Staatssekretär des Reichspostamts ernannt
I worden.
ll (a.n
Gestern fand im Reichskanzlerpalast eine
\raf
vertrauliche Sitzung des Staatsministeriums statt.
rmc
thes zu
(1739
Das neue Ministerium bedeutet danach nicht, tote einige übereifrige Liberale gehofft hatten, einen „hörbaren Ruck nach Links"; zweifellos aber zeigt es, daß die Regierung an der Kanalvorlage, wie an ihrer bisherigen Politik festzuhalten gedenkt und daß sie danach trachtet, bind) größere Einheitlichkeit und straffere Führung an Autorität und Kraft zu gewinnen.
Vor Allem interessirt natürlich der Nachfolger Miquels. Freiherr v. Rheinbaben ist Schüler und Verehrer Miquels. Er hat früher als Vortragender Rath dem Finanzministerium
Dtttt- Mete.
und ©Pf.
Tage
angehört und bei Durchführung der Steuer- refvrmsätze ganz hervorragenden Antheil gehabt. Sei ne Ernennung bedeutet also die Fortführung bet Miquel'schen Finanzpolitik. Herr von Podbielski', selbst ein hervorragender Land-
23 (Nachdruck verboten.)
> in :ben
0 0 W 0 DO DO DO DO DO DO >00 land »ehe. chift
Das Heiumthlied.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzuoe.)
Lothar stand jetzt dicht vor der Fremden, und ließ seine Blicke musternd über dieselbe hingleiten.
„ES ist auch wichtig genug, was ich mit Sraf Düren zu besprechen hab," nahm die -Fremde das Wort.
„So?" lächelte Lothar ein wenig ironisch und nahm dem Diener die Karte ab, die dieser unschlüssig zwischen den Fingern drehte. Doch kaum hatte er einen Blick darauf geworfen, als sich sein Gesicht mit einer fahlen Bläffe über- jvg, fast schien es, als wollte er sich auf die Fremde stürzen; doch dann besann er sich, überlas noch einmal den Namen auf der goldumrandeten Karte, während eine finstere Falte zwischen seinen Augenbrauen sichtbar wurde. Inzwischen kam auch die Präsidenten neugierig herzu, um zu sehen, was es gäbe.
Lothar hielt ihr wortlos die Karte hin.
„Alice Bernhardt, Opernsängerin," laS sie halblaut, indem sich ihre Augen unnatürlich vergrößerten, und Lothar den Bedienten, der uvch da stand, anfuhr: „Was gaffen Sie hier? In die Arbeit!"
ch »eg 5,
(7891 Berlin
„Das läßt sich nicht so zwischen Thür Und Angel auseinandersetzen, es wird wahr
en gänzlich verändertem Tone, sich gewalt- l zur Ruhe zwingend, wandte er sich wieder pn die Dame: „Was wünschen Sie von dem Grasen?“
wirth, wird sich im landwirthschaftlichen Ministerium noch leichter zurecht finden, als im Reichspostamt, dem nach der geschehenen Auffrischung wieder ein Fachmann vorgesetzt ist.
Auf den reuen Handelsminister blicken die Liberalen voll Vertrauen. Geheimer Kommerzienrath Möller-Brackwede, der bekannte nationalliberale Abgeordnete, ist ein überzeugter Anhänger der Wafferstraßen. Er ist eifriger Befürworter langfristiger Handelsverträge, zugleich jener Führer der deutschen Industrie, der von Anfang an eine mäßige Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle, bei Differenzirung von Roggen und Weizen, befürwortete. Er war beim Abschlnffe der früheren Handelsverträge Referent im Reichstage, Zollbeirath beim Abschlüsse des Handelsvertrages mit Rußland und ist jedenfalls einer der sach- kundigsten Leute in Handelsvertragsdingen, die wir in Deutschland haben. Seine Ernennung dürfte allerdings den Fall des Doppeltarifs bedeuten, deffen schärfster Gegner er ist. Möller ist Nationalliberaber, aber er könnte, wie die „Tägl. Rdsch." meint, auch auf den Bänken der Freikonservativen sitzen; denn er ist sehr rechts, und in sozialer Hinsicht von Stummschen Anschauungen wenig entfernt. Ter große, hagere Mann mit dem scharfgefchnittenen, intelligenten Gesichte wird eine Ziffer im Ministerium sein, mit der man zu rechnen haben wird.
Kommerzienrath Theodor Möller ist am 10. Aug. 1840 zu Brackwede, Kreis Bielefeld, geboren, wo sein Vater eine Färberei besaß. Nachdem er seine Vorbildung auf dem Bielefelder Gymnasium und der Osnabrücker Handelsschule genossen hatte, machte er im Hause Woermann zu Hamburg eine kaufmännische Lehrzeit durch. Im Jahre 1863 errichtete er mit seinem Bruder Karl zusammen eine Maschinenfabrik in feinem Geburtsorte; 1878 übernahmen die Brüder auch die von dem Vater errichtete Färberei. Theodor Möller gehört der nationalliberalen Partei an, er ist Mitglied des Reichstages (für Duisburg), des preußischen Landtages (für Bielefeld), ferner Mitglied des Bezirks-Gisenbahnraths für Köln und Hannover, war auch eine Zeitlang stellvertretender Präsident der Handelskammer in Bielefeld.
Was nun?
Heber diese Frage gehen die Ansichten sehr weit auseinander. Auf konservativer Seite be= theiligt man sich wenig an dieser fruchtlosen Konjektionspolitik, desto eifriger aber die Liberalen. Es ist fast drollig zu lesen, wie die einen dies, die andern das von dem Wechsel im Ministerium glauben und erhoffen. Die Zerfahrenheit im Lager der Linken ist offenbar noch größer geworden, als sie bereits war und man weiß anscheinend überhaupt nicht mehr was man will. Tie einen hoffen auf die Auflösung des Abgeordnetenhauses, die anderen
scheinlich längere Zeit in Anspruch nehmen," war die in herbem Tone gegebene Antwort.
„So erlauben Sie, daß ich Sie einstweilen nach meiner Wohnung führe. Man muß den Grafen erst vorbereiten, ich fürchte, er wird Sie überhaupt nicht empfangen wollen, wenn er Ihren Namen erfährt!"
Ein trotziger Blick aus Alicens Augen war die Antwort.
Lothar hatte vorerst nur die Absicht, die Besucherin von hier fortzubringen, denn der Graf konnte jeden Augenblick zurückkehren, und dann, — wer konnte wissen, was geschah?
„Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, mein Name ist Lothar v. Düren, dies hier meine Mutter," sagte er verbindlich, um das Vertrauen Alicens zu gewinnen.
„Sie find" also Verwandte des Grafen?" fragte sie, mißtrauisch. „Hnd Sie wissen, daß mein Gatte der Sohn des Grafen ist?"
Lothar schaute sich erschrocken um, ob feiner der Bedienten etwas von diesen Aeußerungen vernommen habe, doch sie waren zu weit entfernt, um etwas verstehen zu können.
„Ich bitte Sie in Ihrem eigenen Interesse, folgen Sie mir und lassen Sie uns ruhig überlegen, ob das, was Sie von dem Grafen wünschen auch ausführbar erscheint!"
Alice folgte jetzt willig dieser Aufforderung.
Nachdem alle Drei im Salon der Präsidentin Platz genommen, begann die junge Frau ohne Umschweife: „Der Grund meines Kommens ist einfach: Ich will den Grafen bitten, unsere Kinder bei sich aufzunehmen. Ich habe ein Recht, daS zu fordern; er ist der Großvater, mag er für sie sorgen, — ich sehe mich außer
fürchten sie offenbar, weil sie einsehen, daß sie in diesem Falle genöthigt fein würden, nicht nur im negativen, sondern auch im positiven Sinne Farbe bekennen, d. h. der Regierung zu zeigen, daß der Liberalismus nicht nur im Staude sei, ihr in der Kanalfrage gute Dienste zu leisten, sondern auch als Stützpunkt eines politischen Systemwechsels zu dienen, für den man in Erinnerung an die „goldene Zeit" der siebziger Jahre ja fortwährend schwärmt. Sobald fid) aber auch nur von ferne die Aussicht eröffnet, daß man beim Wort genommen werden könnte, fühlt man sich im Bewußtsein der Unfähigkeit im Stillen vom „Gruseln" erfaßt und schiebt man den Gedanken an die Auflösung des Abgeordnetenhauses von sich, indem man sie von allerhand Bedingungen und Voraus- fetzungen abhängig macht, an deren baldige Erfüllung man selber nicht glaubt, und die sich deshalb ohne jedes „Risiko" verschieben lassen. Die Konservativen und die Kanalvorlage.
In einer parteioffiziösen Kundgebung erklärt die „Kons. Correfp.":
„Der Schluß des Landtags und die Erledigung der Kanalvorlage ohne heftigen Redekampf und ohne Konflikt hat auf allen Seiten überraschend gewirkt. Die konservative Partei hätte es lieber gesehen, wenn die Flußregu- lirungen, welche mit der Kanalvorlage eigentlich nur in losestem Zusammenhänge stehen, nicht unter den Tisch gefallen wären. Sie bedauert, daß die Sekundärbahnvorlage und die Dotation der Provinzen aufgeschoben sind; aber im Großen und Ganzen empfindet fie es dankbar, daß die Regierung dem Lande den Konflikt wegen der Kanalfrage erspart.
Der konservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses war es in hohem Grade unerwünscht, mit der Regierung in einer die Ver- kehrSpolitik betreffenden Frage in Widerspruch zu stehen, nachdem sie stets die Eisenbahnpolitik entschieden unterstützt hatte. Die Bedenken, daß durch den geplanten Mittellandkanal die Eisenbahneinnahmen, die Grundlage unserer heutigen guten Finanzlage, wesentlich geschmälert werden könnten, und daß die Konkurrenz der Kanäle die Herrschaft des Staates über die Tarife beeinträchtigen müßte, machten es der Fraktion unmöglich, ihren Widerspruch fallen zu lasten.
Nachdem die Kanalfrage nunmehr ans der parlamentarischen Erörterung entfernt ist, wird sie der übermäßigen politischen Bedeutung entkleidet, welche ihr durch eine unrichtige Be-
Stande, dies ferner zu thun. Ich kann den Kindern keine richtige Erziehung geben, es fehlt mir dazu an Zeit und (Selb, und später, wenn fie erwachsen sind, wird mir vielleicht ein Vorwurf daraus gemacht, daß ich mich nicht rechtzeitig an den allen Grafen gewandt. Er hat Geld in Fülle, und kann sich die Erziehung der Kinder schon etwas kosten lasten. Ich glaube, so am besten für sie zu sorgen. Wohl weiß ich, daß der Graf seinen Sohn verstieß um meinetwillen, aber ich hoffe, die Jahre werden ihn milder gestimmt haben, und er wird seinen Zorn nicht auf die Kinder übertragen, die ja unschuldig sind an all dem Unglück".
Lothar war aufgesprungen, nnd ging erregt im Zimmer auf und ab. Tausend Pläne durchkreuzten blitzschnell fein Hirn, ohne daß er einen festzuhalten vermochte.
Siegfried hatte also Kinder! Was bedeutete das für ihn selbst. Wenn der Graf dem Sohne verzieh, — und Lothar zweifelte nicht, daß er es thun würde, — dann war das in so sicherer Aussicht stehende Erbe für immer verloren, man würde ihn mit einem Butterbrot abfinden, er würde immer nur Diener, niemals Herr sein. Und das kam gerade jetzt, wo Beatrice endlich eingewilligt hatte, fein Weib zu werden! Durfte er mit solcher Aussicht noch feine Hand nach ihr auSstrecken? Und würde die Geliebte ihn noch wollen? Und doch war das Testament des Grafen schon zu seinen Gunsten abgefaßt; wenn derselbe heute oder morgen die Augen schloß, war er — Lothar — Herr des unermeßlichen Besitzes, der rechtmäßige Eigenthümer der Güter, die ihm Niemand streitig machen konnte. — Und nun ? — WaS war zu machen?
Handlung beigelegt worden war. Diesen Ent kchluß zu fassen, war nur eine starke und weise Regierung im stände, und das Vertrauen zu ihr wird im Lande entsprechend wachsen".
Umschau.
Aus der konservativen Partei.
Die konservative Frakrion des Abgeordnetenhauses war zu einer kurzen letzten Sitzung am Freitag in ungewöhnlicher Stärke versammell. Angesichts des Landtagc-schluffes erübrigte sich die Berathung der auf der Tagesordnung befindlichen Gegenstände.. Die Fraktion ging aber/ wie die „Kreuzzeitung" berichtet, nicht auseinander, ohne ihrem verehrten Vorsitzenden Grafen zu Limburg Stirum für seine treue, gewissenhafte, feste und taktvolle Leitung durch den Mund des Abg. Dr. v. Heydebrand ihren herzlichen Dank auszusprechen. Der einmüthige Beifall, den diese DankeSworte fanden, bekundet, daß sich Graf zu Limburg - Stirum des uneingeschränkten Vertrauens der Fraktionsmitglieder erfreut.
Der südafrikanische Krieg.
Vom Kriegsschauplatz.
Eine kleine Abtheilung der Diamondfields- fReiterei wurde von dem Buren-Kommandanten Malan in der Nähe von Cradock gefangen. Die Mannschaften fochten tapfer und ergaben sich erst, als alle Pferde erschossen und der kom- mandirende Osficier verwundet war. Oberst Scobell befreite sie später.
Aus Durban wird berichtet: Die Kolonne Calville hat am 28. April bei starkem Nebel das Lager von Hans Botha überraschr. Die Buren flüchteten und ließen den Engländern ihre Decken und Mnnitionsvorräthe zurück. Die Buren hatten geringe Verluste, die Engländer 4 Todte.
Heber die Schlacht bei Paardeberg ist nach langem Zögern ein amtlicher englischer Bericht veröffentlicht worden, nachdem der KriegS- minister Brodrick zuerst die Veröffentlichung des für ihn und Lord Kitchener höchst unbequemen Schriftstücks dadurch zu hintertreiben gesucht hatte, daß er behauptete, dasselbe nicht auffinden zu können. Was der Veröffentlichung die größte Bedeutung verleiht, ist der Umftanb, daß der Verfasser des Schlachtberichts Sir Hem y Colvile ist, der General, den der Kriegsminister Brodrick nachträglich maßregelte, indem er ihn
— Nur Zeit gewinnen, — die Angelegenheit hinaus zu schieben, dann konnte noch alles wieder gut werden.
Alice beobachtete den Aufgeregten mit scharfen Blicken. „Hoffen Sie nichts von der Nachgiebigkeit des Grafen," sagte Lothar, vor der jungen Frau stehend bleibend. „Der Haß, den der Graf auf feinen Sohn warf, hat sich mit den Jahren noch verschärft, ich sagte Ihnen schon vorhin, Sie werden gar nicht vorgelassen, wenn er erfährt, wer Sie sind."
Das kommt eben auf den Versuch an, und den werde ich auf alle Fälle machen!" lächelte Alice ruhig.
„Ich rathe Ihnen gut, ersparen Sie sich derartige Demüthigungen, Sie würden cs bereuen."
„Hnd wenn es so wäre, was kümmert Sie das?"
„Der Graf kennt sich selbst nicht mehr, wenn er in Wuth geräth," entgegnete Lothar langsam; „der Name seines Sohnes darf niemals vor ihm genannt werden, er hat es streng verboten, und Sie glauben, daß er Sie auch nur eine Minute lang anhören wird?"
„C, er kann als Kavalier einer Dame gegenüber nicht so handeln!"
„Graf Düren kann alles, wenn er in Wuth geräth! Sie kennen ihn nicht, wie ich ihn kenne."
„Ich glaube nicht baran."
Lothar fuhr sich aufgeregt mit seiner weißen, wohlgepflegten Hand durch die Haare.
(Fortsetzung folgt.)