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mit lern KreisSlatt für die Kreise Msrhurg uud Kirchhain.

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Marburg

Freitag 3. Mai 1901.

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CeeeteeHdlaat: Sflnftrirtt» Soautagsblatt.

Bn< mb Verla«: J»h. Mag. Sech, UoiverfitätG-Bachdrackerei

Äarkar« Merkt 81. Telephon 56

36 Jahrg

Umschau.

Die Krisengerüchte.

Mit dem Rücktritt des Ministers Miquel Wird fast allgemein gerechnet. Heute kann man fast in allen Blättern lesen, daß ein Rücktritt Miquels von seinem Amt bevorstehe. Der »Hamb. Korr." giebt eine Zuschrift aus Berlin wieder, worin es heißt:

Ob das Interesse des Kaisers an der Kanal­vorlage noch so lebhaft ist wie im Sommer 1899, möchten wir bezweifeln, andererseits hat aber Minister­präsident Graf von Bülow die ganze Autorität seiner Regierung für die Kanäle in die Wagschale geworfen und wird deshalb kaum in der Lage sein, ein Scheitern bei Vorlage ruhig hinzunehmen. Zunächst sind wir indcß noch nicht so weit. Die Plenarentscheidung des Abgeordnetenhauses steht ja noch aus. Erfolgt diese in dem Sinne, daß nur ein Torso an das Herrenhaus acht, so dürfte allerdings für diejenigen Minister, die bet kanalseindlichen Rechten am nächsten stehen und trotzdem keinen bestimmenden Einfluß auf sie zu üben vermocht haben, der Zeitpunkt des Rücktritts ge­kommen sein. Wir glauben jedoch nicht, daß Herr v. Thielen unter diese Minister zu rechnen ist und euch bei Herrn Breseld scheint es uns einigermaßen zweifelhaft. Schon das Ausscheiden der Herren von Miquel und Freihcrrn v. Hammerstein würde sicher­lich den Herren der äußersten Rechten zum Bewußtsein bringen, woher der Wind weht, und es bliebe dann abzuwarten, wie das Herrenhaus zu der großen Frage sich stellt.

Hier erscheint ja nun die Lage in einer offiziös zugespitzten Darstellung, aber auch diese Beleuchtung zeigt, wie die Auffassung über das Vesen der jetzigen Krisis im Grunde überall die­selbe ist. Daneben gehen natürlich Bestrebungen >er, die Krisis in einem bestimmten Sinne auszu- leuten, Bestrebungen, die hauptsächlich auf eine Wiederbelebung des Kaprivismus hinauslaufen. Jgo erzählt dasKleine Journal" Freiherr von Marschall sei der kommende Mann. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß im Auswärtigen Amt starke Strömungen für und gegen die Berufung vorhanden seien. Wenn mit dem Namen des Herrn v. Marschall ein ganzer Kreis von kommenden Männern in Betracht zu ziehen wäre, so dürste, wie das genannte Blatt meint, sicher zu diesem auch Excelleuz Graf August Dönhoff-Friedrich st ein gehören.

Im Anschluß hieran sei eine Meldung der Deutschen Warte" wiedergegeben, wonach der Gedanke, den preußischen Landtag vor Pfingsten zu schließen oder bis zum Herbst zu vertagen, bisher im preußischen Staatsministerium nicht einmal erwogen wurde. Es besteht vielmehr die feste Absicht, die Berathungen in der Kanalvorlage nicht nur in der Kommission fortzusetzen, sondern auch eine Entschei düng in dieser Angelegenheit vor dem Plenum des Landtages herbeizuführen.

20 (Nachdruck verboten.)

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Das Heimathlied.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Ba Kein Wort der Anerkennung fand sie für das, was offenbar für sie hergerichtet war, nicht ^"mal "ne Entschuldigung, daß sie den Gatten so lange warten ließ. Siegfried empfand dies als Kränkung, und ein leiser Vorwurf drängte sich in seine Worte, als er sagte:Nach mir fragst Du natürlich nicht! Ob ich mit dem Essen aus Dich warte oder nicht, das ist Dir Keinerlei. Ich wollte Dir heute eine Extra- !Freude bereiten, bestellte Wein, Blumen, Alles

Dich, während Du mit Anderen speisest!" Mein Gott, Du hättest das Geld sparen können," entgegnete sie herb.Man könnte gl oasselbe zu etwas Nützlicherem verwenden, Du Meijjt doch, daß wir das Geld sehr nöthig haben, _ tz! tvozu diese unnützen Ausgaben?"

E Siegfried senkte den Kopf. Wenn Alice g Euch den Vorwurf, daß er nichts verdiene, nicht v «ussprach, er fühlte ihn dennoch heraus. Das 5 Mar es ja, was ihn so niederdrückte, daß er J, Vnthtäig zusehen und sich von seiner Frau er- ® Söhren lasten mußte. Alles, alles wollte er hl s ihnn, um nur diesem unerträglichen Zustande ^*in Ende zu machen. Freilich war es nicht seicht, Abhilfe zu schaffen. Das Einzige, was hm die Möglichkeit gab, etwas zu erwerben, «er, var, Musikunterricht zu ertheilen. Doch davon ^llte Alice nichts wissen. Es sei ein Hunger- B tot, sagte sie stets. Musikstunden würden viel

Wir neigen der Ansicht zu, daß dieses Re­gierungsprogramm das richtige ist. Mag nun die Entscheidung über die Kanalvorlage für oder gegen den Mittellandkanal ausfallen, noth wendig ist jedenfalls eine Klärung der kritischen Situation.

Die Geschäftslage im Reichstage ist und bleibt eine unsichere, daran ändert der jetzige Ausnahmszustand der Beschlußfähigkeit ganz und gar nichts. In parlamentarischen Kreisen, das heißt in den Kreisen derjenigen Abgeordneten, die ihr Mandat pünktlich auszu­üben pflegen, giebt man sich darüber, daß der Besuch der Sitzungen bis zum Sessionsschluste ein so reger wie seit Ansang dieser Woche bleiben werde, keinen Illusionen hin. Zudem ist das Beratungsmaterial noch ein so reich­liches und der Schwierigkeiten keineswegs er­mangelndes, daß es an sich der Anspannung aller Kräfte bedarf, um es zu erledigen. Ob dies überhaupt noch vor Pfingsten möglich sein werde, ist neuerdings zweifelhaft geworden; nach Pfingsten aber ist ein beschlußfähiger Reichstag überhaugt kaum noch zusammenzu- halten. Recht müßig ist der Versuch einiger Blätter, für denAbsentismus" bestimmte Parteien verantwortlich zu machen; will man nicht als ächter Pharisäer erscheinen, so muß man doch zugeben, daß in allen Parteien gleich­mäßiggeschwänzt" wird. Das Axiom, wonach die Zahlung von Tagegeldern das Haus füllen würde, verliert immer mehr an Anhängern; dagegen wird vielfach die Anwendung von Disziplinarmitteln", wie Veröffentlichung der Präsenzliste, Druck der Wählerschaft auf die Mandatsträger u. a. m., ins Auge gefaßt. Wir meinen, solange den Abgeordneten zugemuthet wird, endlose, wiederkäuende Reden anzuhören, werde es überhaupt nicht möglich fein, einen besseren Besuch der Reichstagsver­handlungen herbeizuführen. k.

Die Taktik der Kornzollgegner.

c. Welchen Landwirt!) sollte es nicht rühren, wenn er in derFrankfurter Zeitung" liest, es sei aus allgemeinen Gründen und im Interesse der Landwirthschaft bedauerlich, daß die Getreide­ernte in großen Theilen des Reiches wenig aus- fichtsvoll erscheine; allein die Nutzanwendungen, die das demokratische Organ schmunzelnd an diese trüben Aussichten knüpft, zeigen, daß die vorstehenden Worte nur eine heuchlerische Ein­leitung zu dcm taktischen Vorschläge bilden, bei einer etwaigen Mißernte doppelt kräftig gegen die Getreidezölle anzustürmen. Zur Freude der

zu schlecht bezahlt und regten die Nerven auf. Eo unterblieb auch da§ immer wieder. Alice fühlte wohl, daß ihr Gatte zum Erwerb nicht zu gebrauchen war. Auch fürchtete sie in der That für feine Nerven, da er sehr erregt war. Sie wollte nicht, daß er Verdienst suchen sollte, weil sie unbeschränkt über ihn herrschen wollte.

Don wem sind die Blumen?" fragte Sieg­fried, auf das Bouquet deutend, das Alice eben in ein Glas mit frischem Wasser stellte.

Ein Geschenk Baron Römers," sagte sie leichthin.

Wie oft habe ich Dich schon gebeten, von diesem Herrn keine Blumen anzunehmen!"

Ach, und warum sollte ich eS nicht thun? Du kannst mir doch keine Blumen kaufen!"

Siegfried fuhr heftig auf.

Schon wieder dieser Vorwurf; ich sage Dir ich ertrage datz nicht länger!"

Nun, so ändere es doch!"

Alice spielte gleichgiltig mit einer Rose, die sie aus ihrem Gürtel gezogen, und fuhr in spöttischem Tone fort:Es ist nun einmal so, wie es ist. Ich dachte, als wir uns kennen lernten, auch nicht daran, daß es so kommen würde. Damals warst Du der reiche Graf Düren-Ehrenbach, ein glänzender Kavalier, der mir leichtgläubigem, dummen Ding blendende Märchen erzählte, von einem schönen, herr­lichen Schloß, in dem ich als Herrin Hausen sollte, von Reichthum und Glanz und Pracht, von einem sorgenlosen Leben, und von weiß Gott, welchen wunderschönen Dingen. Ich lauschte gern diesen Schilderungen, aber

Frankfurter Zeitung" aber kommt noch eins: Die Lage der Industrie hat sich geändert, die Exportziffern gehen zurück, Arbeiterentlassungen und Beschränkungen des Betriebes finden statt. Man mufj- es unter diesen Umständen so schreibt aufathmend das Frankfurter Blatt als ein Glück Preisen, daß die Entscheidung über den Zolltarif erst später erfolgt und nicht unter dem Einfluß einer industriellen Hoch­konjunktur." .

Gesegnet fei der wirthschaftliche Nieder­gang, " so empfinden die Freihändler; allein sie schlagen sich damit mit ihren eigenen Waffen. Hieß es doch, erst die Zollerhöhungen würden zu einem wirthschaftlichen Niedergange führen, behauptet man doch, die Handelsverträge garan­tieren die wirthschaftliche Hochkonjunktur. Nun zeigt es sich, daß gerade in Folge der Aus­nutzung der Verträge durch die Amerikaner unsere wirthschaftliche Lage immer schlechter wird; nun wird besonders die Industrie er­kennen , daß die Erhaltung des heimischen Marktes und die Kaufkraft der ländlichen Be­völkerung für sie doch das wichtigste bleibt. Für den Handel und das Großkapital freilich ist es gleich, ob sie sich für in- oder ausländische Produkte engagieren, verdient wird von beiden. Die nationale Produktion ober hat das Hauptinteresse an der Fernhaltung der aus­ländischen Konkurrenz vom heimischen Markte, und das ist eine Thatsache, die allerdings unter dem Einflüsse einer industriellen Hochkonjunktur schwer erkannt und noch schwerer zugegeben, der man sich aber jetzt kaum verschließen wird.

Cecil RhodeS abgeblitzt!

Die Budgetkommission des Reichstages hat die Berathung des Garantiegesetzes für die ost- afrikanische Eisenbahn begonnen, doch nur un­wesentlich gefördert. Man kam über allgemeine Bemerkungen nicht hinaus. Das interessanteste Moment lag in der Erklärung des Staats­sekretärs Frhrn. v. Richthosen, daß Cecil Rhodes bei seinem Besuche am Berliner Hofe vor einigen Jahren sich erboten habe, in der deutschen Kolonie eine Eisenbahn von Osten nach Westen zu bauen. Das auswärtige Amt wollte jedoch warten, bis sich deutsches Capital für die Bahn intereffire und habe den Rhodes'schen Vorschlag abgelehnt. Das war wohlgethan. Denn wenn auch derun­gekrönte König von Südafrika" dabei haupt­sächlich sein eigenes Geld riskirt hätte, so wären doch die deutschen Interessen am schlechtesten weggekommen. Der Handel Ost­afrikas würde auf die britischen Bahnen im Süden und Norden des Schutzgebietes über­

sie blieben, was sie waren, ein Märchen. Statt des vornehmen Grafen bekam ich"

Einen Bettler," ergänzte Siegfried aufge­regt, als Alice schwieg.Ja, ja, ich weiß. Ich hätte Dein Lo»s nicht an das meine fetten sollen, es war ein Unrecht, das sich nun bitter rächt! Aber ich war in dem Wahn, daß Deine Liebe stark genug sei, all die Widerwärtigkeiten zu ertragen, welche die Aenderung meiner Lage im Gefolge hatten. Leider sah ich mich bald genug bitter enttäuscht! Das Opfer, das ich nm Deinetwillen brachte, war umsonst gebracht, das erhoffte Glück sand ich nicht! Heimath, Familie, alles habe ich verlassen, um Dich be­sitzen zu können. Wir haben uns Beide getäuscht, Alice, und müssen nun die schwere Kette mit uns herum schleppen, lebenslang! Ja, der Mutter Segen baut den Kindern Häuser, aber dek Vaters Fluch reißt sie nieder. Das muß nun auch ich erfahren."

Alice gab keine Antwort, sie lachte nur spöttisch auf.

' * *

*

Seit jenem Abend waren Jahre vergangen. Das Verhältniß zwischen den Gatten hatte sich nicht gebessert, auch dann nicht, als nacheinander zuerst ein Mädchen, dann ein Knabe das Licht der Welt erblickte. Siegfried hatte nun freilich diel zu thun. Er versorgte die Kinder in der Zeit, wo die Mutter fern war, er trug sie im Zimmer umher, wenn sie weinten, fang ihnen wohl auch vor und tändelte mit ihnen. Die Kleinen ließen sich am leichtesten beruhigen, wenn er ihnen auf seiner Violine vorspielte'

geleitet worden fein, so daß die Deutschen am Ende nicht mehr Herren im eignen Hause ge­wesen wären. Man kennt ja die geschickten Praktiken des Herren Rhodes zur Genüge.

Deutsches Reich

Berti«, 2. Mai

Das Befinden des Herzogs von Anhalt, Bbt zu ernsten Befürchtungen Anlaß. Es handelt anscheinend um einen Schlaganfall. Wie man aus Dessau telegraphiert, lautet der am 1. Mai ausgegebene Krankheitsbericht: Der Zustand des Herzogs ist nicht wesenllich verändert. Die Schwäche der linken Körperhälfte besteht fort.

Wie dasLeipz. Tagebl." mittheilt, wollte der von den National-Sozialen im ersten weimarischen Wahlkreis als Reichstagskandidat in Aussicht genommene Redakteur Damaschke in Apolda über das Thema: Was wollen die National- Sozialen? sprechen. Die Versammlung kam indes nicht zustande, da auch nicht ein einziger Zuhörer erschienen war.

t Zur Abwehr der Pestgefahr vom deutsch- südwestafrikanischen Schutzgebiet ist nach demDeutsch. Kolonialbl." Anfang März in Swakop- mund eine Ouarantänestation errichtet und die Lüderitzbucht für den direkten Verkehr von der Kap- kolonie gesperrt worden. Jetzt ist der Oberarzt Tr. Blümchen, mit einem kompletten bakicriologiscken Laboratorium nach Deutsch - Südwestafrika ent- fandt worden.

- An Kriegsinvaliden der Unter­klassen giebt es aus dem Kriege 1870/71 noch 39 365 und zwar 1209 Feldwebel, 4 520 Sergeanten und 33636 Gemeine. Von der Gesammtsumme ent­fallen 31124 auf Preußen, 1604 auf Sachsen, 8js auf Württemberg und 5815 auf Bayern. Aus den Kriegen vor 1870 stammen noch 8 476 Kriegsinvaliden, wovon 7 285 auf Preußen, 433 auf Sachsen, 114 auf Württemberg und 644 auf Bayern kommen. Außerdem stammen 524 aus der vormaligen holsteinischen Armee. Die Gesammtsumme der Kriegsinvaliden der Unter­klassen beläuft sich auf 48 365, wovon 1401 Feld- Webel, 5 588 Sergeanten und Unteroffiziere und 41376 Gemeine. Auf Preußen entfallen 30409, auf Sachsen 2040, auf Württemberg 933 und auf Bayern 6 459.

Parlamentarisches.

Reichstag.

a. Berlin, 1. Mai.

Zu Beginn der Sitzung erbat und erhielt Präsi­dent Graf Ballestrem die Genehmigung, dem Kron­prinzen zu seinem bevorstehenden Geburtstage die Glückwünsche des Hauses auszusprechen. Daraus wurde die dritte Lesung des Gesetz-Entwurfs betreffend das Urheberrecht bei der Specialdiskussion fortgesetzt. Anlaß zu einer längeren Debatte gab der Paragraph, der die Fälle festsetzt, in denen die Vervielfältigung von Werken der Litteratnr und Tonkunst zulässig sein soll. Hier liegen eine ganze Reihe von Abänderungs­anträgen vor, die sich aber von einander nicht wesent­lich unterschieden. Angenommen wurde schließlich der Antrag Dr. Hasse (nl.) mit den Abänderungsanträgen Müller-Meiningen (fr. Vp) und Dr. Oertel- S ch r e m P f (t.). Nach diesem Beschlüsse wird also

Dann lauschten sie mit offenen Mündchen den süßen Tönen, legten den Finger an das Näschen und wagten kaum zu athmen. Alice kümmerte sich wenig um die Kleinen, sie hatte dazu weder Zeit noch Lust. Die Kinder ahnten nicht, was die Mutter so oft und so lauge vom Hause fernhielt. Siegfried hütete streng das Geheimniß vor ihnen, daß die Mutter Sängerin war. Er hoffte durch die Kinder, wenn diese größer gsworden, seinen Vater ver­söhnen zu können. Um ihretwillen wallte er feinen Stolz bekämpfen, und den harten Mann um Verzeihung bitten. Vielleicht, daß sich auf diese Weise den Kindern eine glänzende Zukunft öffnete. Vorläufig hütete er sich wohl, zu ihnen davon zu sprechen, sie würden ihn auch gar nicht verstanden haben. Siegfried fühlte zu­weilen eine solch namenlose Sehnsucht nach der Heimath, daß er sich kaum der Thränen ent- wehren konnte. Dann verfiel er in eine Melancholie, die oft wochenlang anhielt. Er verkehrte mit Niemand.

Fürst Santoff kam Wohl jedes Jahr, den Freund zu besuchen, doch immer nur auf kurze Zeit. Es entging ihm dabei die traurige Ver­änderung nicht, die mit Siegfried vorging. Die beiden Freunde standen im lebhaften Briefwechsel miteinander. Sie berichteten sich gegenseitig von ihren Verhältnissen, Santoff konnte sich gar nicht genug thun, von feinem geliebten reizenden Jungen zu erzählen, der ihn mit fo festen Banden an die Heimath fesselte, daß sich der glückliche Vater immer nur auf ein paar Wochen zu trennen vermochte.

(Fortsetzung folgt.)