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können vor dem gewaltigen Herrscher der Welt, wenn Du bekennen mußt, das Glück Deines einzigen Sohnes aus Eitelkeit zerstört zu haben !

Siegfried hat recht, was kümmern uns die Menschen, was kümmert uns ihr Urtheil, wenn wir nur vor Gott und unserem eigenen Gewissen bestehen können."

Sie kam herzu mit wankenden Knieen, und hob die bittend gefalteten Hände zu dem Gatten empor.

Bezähme deinen Stolz, Ewald, und mache Dein Kind glücklich, laß mich meine Bitten mit den seinen vereinigen."

Finster und wortlos blickte der Graf auf seine Gattin. Einen Augenblick schien er zu schwanken. Dies nahm auch Siegfried wahr. Mit einer heftigen Bewegung warf er sich dem Vater zu Füßen, seine Knie mit beiden Armen umklammernd.

Dies bezweckte jedoch gerade das Gegentheil von dem, was Siegfried gewollt. Der Graf wurde noch wilder noch zorniger.

Steh auf," schrie er wüthend indem sein Antliß sich dunkelroth färbte,es geziemt sich nicht für einen aus unserem stolzen Geschlecht, um eines Weibes Willen sich in den Staub zu werfen."

Er wies gebieterisch nach der Thür.

Geh, und komme mir nicht wieder vor Augen, bis Du Deinen Sinn geändert hast und mir Gehorsam geloben willst! Ich werde mich durch Dich nicht vor der ganzen Gesellschaft blamiren lasten!--"

Er rang nach Athem, doch stand er da wie aus Erz gegoflen, stolz und hoch aufgerichtet, ein Bild der ungebrochenen Kraft, wie eine

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der andere sich ein Bein abschneidet, nun auch ein Bein abschneiden wollte. Wer das britische Volk kennt, wußte längst, daß die Engländer auch ihre Freihandelstheorie nur für den Ex­port wie ihre meisten Waaren berechnet hatten. Das britische Volk kennt nur sein eigenes In­teresse; es war radikal und rücksichtslos schutz- zöllnerisch, so lange dies ihm nützlich war, und ging erst zum Freihandel über, als es annahm, daß es dabei am besten Geschäfte machen würde. Sein freihändlerischer Clobden-Club unterstützte durch Geld und gute Worte im englischen In­teresse überall die fteihändlerischen Bestrebungen.

Das Bild hat sich gewendet. Das englische Interesse deckt sich nicht mehr ganz mit dem freihändlerischen, und nun wird über Nacht die alte Theorie von der alleinbeseligenden Macht des Freihandels umgestoßen. Von unserem deutschen Standpunkte wünschen wir, daß die Engländer nur vorübergehend zu Zöllen kommen. Wir fürchten freilich, daß es anders kommt. Unsere guten Landsleute können sich aber ans dem englischen Beispiele die Lehre entnehmen, daß wirthschaftliche Fragen nationale und Interessen- nicht aber Parteifragen find.

Eiche, die der Sturm umtobt, und die dem wilden Brausen Trotz zu bieten vermag aus' eigner Kraft. .

Siegfried war jäh auf die Füße gesprungen. In seinen Augen loderte ein unheimliches Feuer man sah es ihm an, er war entschlossen, den Kampf um sein Glück nicht aufzugeben, koste es, was es wolle. Er war der stille Träunier von ehemals nicht mehr, den der strenge Vater durch eine Handbewegung, durch einen Blick einzuschüchtern vermochte.

Die ausgestreckte Hand des Grafen zeigte noch immer nach der Thüre. Siegfried konnte dies Letzte, Aeußerste nicht begreifen. Konnte der Vater es wirklich übers Herz bringen, seinen einzigen Sohn für immer gehen zu heißen ? Auf diesen Ausgang des Streites war Siegfried allerdings nicht gefaßt gewesen. Heiß quoll die Liebe zur Heimath in seinem Herzen empor, es war als würgte ihm etwas an der Kehle, brennend stieges ihm in die Augen, und unfähig, sich länger zu beherrschen, schlug er die Hände vor das Gesicht.

Ha, Du Memme, Du Feigling," schrie der Graf, den diese Bewegung auf das Aeußerste erboste, fort, hinaus, aus meinen Augen,"

Vater, nimm dies Wort zurück,' rief Sieg­fried, es müßte uns für immer trennen, nimm es zurück!"

Nichts nehme ich zurück! Geh, und wenn Du Dich auf Dich selbst und aus das, was Du Deinen Eltern schuldest, besonnen haben wirst, wenn Du gewillt bist, zu thun, was ich von Dir fordere, dann kehre zurück, ich werde dann versuchen, Dir zu verzeihen!"

i-'So möchten Sie Siegfried lieber als einen Lügner und Verräther, als einen Heuchler fchen?" wandte der Fürst ein.

Geschehe was da wolle, nicktS, gar nicht? wird im Stande sein, meinen Entschluß zu ändern! Siegfried, ich frage Dich zum letzten Mal, wirst Du mir gehorchen, und Dein Wort zurückfordern?"

Nein, Vater, niemals!"

Der Graf war seiner nicht mehr mächtig. Der Zorn und die Wuth packten ihn dermaßen, daß er, sich umwendend, einen auf dem Kamin­sims stehenden, schweren silbernen Armleuchter ergriff und die Hand hob, um denselben nach dem Sohn zu schleudern. Die Gräfin schrie laut auf, sank halb ohnmächtig in einen Sessel und bedeckte das leichenblasse Gesicht schluchzend mit den Händen. Fürst Santoff fiel rasch ent­schlossen dem Wüthenden in den Arm und ent­wand ihm den schweren Gegenstand.

Ich bitte Sie, Graf, mäßigen Sie sich. Wollen Sie zum Mörder an ihrem einzigen Sohn werden? Denken Sie doch an Ihre arme Gemahlin!" raunte er ihm zu.

Ich weiß nur so viel", schrie der schwer gekränkte Vater,daß ich den ungerathenen Jungen lieber todt zu meinen Füßen sehen will, als daß ich meine Einwilligung zu dem Schritte gebe, den er vorhat! Er durfte mir überhaupt eine solche Zumuthung nicht stellen!"

Ich bitte Dich, Ewald, versündige Dich nicht!" schluchzte die Gräfin.Sind wir nicht vor Gott alle gleich, König oder Vetter? Reiche oder Arme? Alle müssen wir einst vor seinem Richtstuhl erscheinen und Rechenschaft ablegen von unserem Thun. Wirst Du dann bestehen

Oben ix.

General.

9.

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Unklarheit; die Nachrichten darüber widersprechen sich völlig, sodaß man in parlamentarischen Kreisen zu dem Mittel einer Interpellation greifen will, um Gewißheit darüber zu er­langen, ob die Regierung langsam eine Schwankung in ihrer wirthschaftspolitischen Stellungnahme vorbereitet. Auch das Schicksal der Kanal Vorlage ist noch sehr ungewiß. Besonders gegen den Mittellandkanal macht sich in der Kommission eine Opposition geltend. Andererseits hat die Negierung auf das Be­stimmteste erklärt, daß sie an diesen Theilen der Kanalvorlage unbedingt festhalte. So scheint die innerpolitische Situation sich mehr und mehr zuzuspitzen.

Der Reichstag arbeitet fleißig und rasch. Die Zeit des Dielredens scheint bis auf weiteres überwunden zu sein. Kein Wunder; denn wo die Zuhörerstreiken", hört das Reden auf, auch dem selbstbewußtesten Wortführer Spaß zu machen. In je einer verhältnißmäßig kurzen Sitzung ist das Süßstoffgesetz und die Branntwein st euernovelle in erster Lesung berathen und an ein und dieselbe Kom­mission überwiesen worden. Ob beide Entwürfe noch in dieser Session, die bekanntlich vor Pfingsten geschlossen werden soll, erledigt werden, steht dahin. Möglich wäre es; allein eS scheinen sich bei der Branntweinsteuernovelle Schwierigkeiten zu entwickeln, die namentlich in der Centrumsfraktion ihren Sitz haben. Die beiden konservativen Parteien und die National­liberalen stehen auf dem Boden des Entwurfes; das Centrum aber als ausschlaggebender Faktor zeigt ein rätselhaftes Gesicht, sein Redner wandte sich namentlich gegen den Denaturierungszwang. Hoffentlich gelingt es, in der Kommission zu einem annehmbaren Ergebnisse zu gelangen. Daß Freisinn und Sozialdemokratie grund­sätzliche Gegner der Vorlage sind, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, und daß diese Parteien wieder mit den alten thörichten Liebesgaben"- undWucherphrasen operirten, ist nicht zu verwundern, da die Linke überhaupt auf das blanke Phrasen-Nivean herabgesunken ist.

Im Abgeordnetenhaus ist der konser­vative Antrag auf Errichtung einer obligatorischen SchlachtviehversicherungeinerKommission überwiesen worden. Das Abgeordnetenhaus sprach sich mit sehr bedeutender Mehrheit für die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt mit staatlicher Beihilfe anS und auch der Regierungs­vertreter, der anfangs einige Bedenken gegen den obligatorischen Charakter der Versicherung geäußert hatte, schien sich am letzten Ende mit dem Anträge zu befreunden. Es ist mit Sicher-

Umschau

Zur innerpolitischen Lage.

Unser parlamentarischer a-Mitacbeiter schreibt uns aus Berlin am gestrigen Tage:

Hebet die weitere geschäftliche Behandlung der Kanalvorlage tauchten heute in politischen Kreisen zum Theil recht sensationelle Gerüchte auf. In Abgeordnetenkreisen erzählt man sich, daß dec Reichskanzler verschiedene Abgeordnete empfangen und mit ihnen eingehende Be­sprechungen über die Aussichten und die weitere Behandlung der Kanalvorlage gepflogen habe.

Im Anschluß daran verlautet, daß der Landtag sich vor Pfingsten vertagen solle und daß damit auch die Kanalvorlage bis zur nächsten Session zurückgestellt werden soll. Im Zu­sammenhänge damit wollte man ferner wissen, daß der Reichstag vor Pfingsten geschlossen und bereits im September oder Oktober zur ersten Lesung der Zolltarifvorlage zusammentreten werde. Nach der ersten'Lesung soll die Vorlage einer erweiterten Kommission überwiesen werden und der Reichstag sich bis zum Januar ver­tagen, um der Kommission Zeit zu ihren Ar­beiten zu lassen. Wie weit es sich hierbei um thatsächliche Vereinbarungen oder nur um Kom­binationen handelt, bleibt abzuwarten.

Inzwischen wird die innere Lage immer verworrener. Eine Sensationsnachricht jagt die

heit zu erwarten, daß die konservative Initiative ein positives Ergebniß zeitigen wird.

Im Auslande brachten die letzten Tage wenig Bemerkenswerthes. Die Engländer haben aus Südafrika wenig Rühmliches zu be­richten. Don militärischen umfassenden Ope­rationen hört man garnichts mehr. Lord Kitchener scheint in demSäubern des Landes" ein Haar gefunden zu haben. Mit der Wieder­aufnahme der Friedens-Verhandlungen in Trans­vaal scheint es daher nunmehr ernst zu werden. Der gestrenge Ceusor in Pretoria läßt neuer­dings Nachrichten über den Draht nach London gelangen, die, obwohl jede Art von officieller Bestätigung bis zur Stunde noch fehlt, sogar schon die Konferenz zwischen Lord Kitchener, General - Kommandant Louis Botha, General Delareh und sonstigen Burensührern für Ende dieser Woche als arrangirt melden. Auffällig erscheint es immerhin, daß diese Meldungen von der Wiederaufnahme der Friedensverhand­lungen mit der Abreise Sir Alsred Milners so prompt zusammenfallen, und wie weit diese beiden Ereignisse vielleicht in thatsächlichem Zusammenhänge stehen, wird sich wahrscheinlich in den nächsten 14 Tagen ergeben. In London werden der Stimmen immer mehr, die da un­umwunden zugeben, daß mit MilnersErhol- ungs-Hrlaub" das hauptsächliche Hinderniß aus dem Wege geräumt ist, welches etwaige weitere Verhandlungen mit den Buren bis heute er­schwerte oder unmöglich machte, und wer weiß, ob nicht Lord Kitchener herzlich froh ist, unge­hindert von einem Civil-Vorgesetzten weiter mit seinen braven Feinden in Verkehr treten zu können.

In England würde man gewiß herzlich ftoh sein, wenn man zu einem Halbwegs anständigen Frieden käme. Man ist des Krieges und der hohen finanziellen Kosten desselben schon lange überdrüssig. Die bittere Nothwendigkeit, immer wieder neue Geldmittel aufzubringen, gefällt den britischen Patrioten herzlich wenig. In­teressant aber ist die Art, wie die Engländer das Geld aufzubringen gedenken. Gewiß ist es als erster Schritt der Umkehr von den bis­herigen wirthschaftspolitischen Prinzipien be­deutungsvoll, daß das britische Parlament einen Einfuhrzoll auf Zucker beschlossen hat. Bis dahin ging die britische Lehre von der Volks- wirthschaft dahin, daß jeder Zoll eine Thorheit und ein Verbrechen sei, selbst die höchsten Zölle des Auslandes dürften keine Erwiderung finden; denn wenn das Ausland sich selbst durch seine Thorheit schädige, so dürfe man dies nicht nach­machen, das wäre so, als ob man sich, weil

<13-33 Ufer des Rheins geweilt, sich wieder dorthin jurücksehne, daß der Zauber der Rheinromantik W sich als freundliches Bild in seine Träume mische und ihn sein ganzes Leben hindurch be-

lNachdruck verboten.)

Das ßeimathlied.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

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Wieich Siegfried kenne," fuhr Santoff fort,

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würde er lebenslanb ein unglücklicher Mensch »erden, wollten Sie ihn mit Gewalt von Der- migen trennen, die für ihn wirklich das ebensglück bedeutet. Er knüpfte das Band licht aus Langeweile, sondern aus wirklicher iebe."

Sie bestärkten wohl meinen Sohn noch in einem Ungehorsam gegen die Eltern?" fuhr er Graf wild und heftig auf.

Ich? O nein, Herr Graf!"

Fürst Santoff sprach ruhig und ohne jede Empfindlichkeit:Ich stellte mich Siegfrieds wünschen lange und fest entgegen, ich hielt ihm llles vor Augen, was ich nur einigermaßen ls stichhaltig erfinden konnte. Ich sah die ietdenschaft in seinem Herzen immer mehr und «ehr wachsen, und mußte schließlich zu meinem eid einsehen, daß ich nichts ändern konnte, ch war machtlos. Alles Zureden, alle Dor- eklungen meinerseits erwiese« sich als ftucht-

Bestellungen

für die Monate Mai und Juni auf die Hberhefsifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- ain und Neustadt, sowie von allen Post- nstalten und Landbriefträgern entgegen- enommen.

Wochenschau.

Die Immatrikulation unseres Kronprinzen n Bonn, und die sich an diesen Akt schließenden Festlichkeiten stehen im Vordergründe des Interesses. Den Höhepunkt der studentischen Feiern bildete der große Commers, bei dem der Kaiser eine längere Ansprache an die akademische Jugend hielt, die den ungeteilten Beifall aller nationalen Elemente findet. Sämtliche Blätter ohne Unterschied stimmen dieser Rede, in der der Kaiser die Festigkeit des neuen Deutschen Reichs auf nationaler Basis und die Aufgaben der Gegenwart betonte, ungetheilt zu.

Was Simrock einst sang, daß jeder, der am

uner Rede, die er gestern in der Beethoven- salle zu Bonn im Kreise der Studentenschaft er alma' mater gehalten, klang es hervor, nie lieb ihm jene Zeit war und ist und stets ein wird, die er vor vierundzwanzig ^Jahren in den sonnigen Gestaden des Rheins in un­getrübter Jugendlust verlebt hat, und wie er len innigen Wunsch hegt, daß seinem Sohne eineebenso glückliche Studienzeit" zu Bonn Geschieden sein möge.

Wenn der Kaiser sodann betont, daß die Festigkeit des neuen Deutschen Reiches auf lationaler Grundlage beruht,' so darf man offen, daß dieser Satz auch auf wirthschaftr lchem Gebiete Anwendung finden wird. Nur Denn wir auch in wirthschaftlicher Beziehung m der nationalen Grundlage festhalten, wird ke wirthschaftliche Entwickelung des Reiches eine gedeihliche werden.

lieber den Stand der wichtigsten wirth- chastlichen Frage, über die Gestaltung unserer Krustigen Zolltarife herrscht noch völlige

9V*» leinen Bitten, meinem Flehen nicht gelang, etl^ geschieht ein Unglück". _

täglich aiifett en ititrßag«« aacg tonn» sns ijtttrtegui.

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mit lern KreMlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Mit finsterem Gesicht hatte der Graf zugehört.

Jetzt ist es genug, ich kann und will nicht ►geben, daß mein Sohn aller Familientradition ls Gesicht schlägt, er soll entsagen, und muß «in Wort, das er nie geben durste, zurück- irdern."

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