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„£> doch — doch, gnädiges Fräulein," war die rasche Antwort. „Herzensgute und Anmuth steht so deutlich auf Ihrem Gesicht geschrieben, daß Jemand, de» Eie näher kennt, doch nur Gutes von Ihnen berichten kann."
Die Komtesse senkte erröthend den Blick. Doch gleich darauf lachte sie wieder lustig auf: „ES ist doch zu schön, daß Du wieder da bist, Sigi, denn wenn Onkel und Tante Lei meinen gelegentlichen Besuchen auch alles aufboten, sich nichts merken zu lassen, ich wußte eS doch, sie sehnten sich sehr nach Dir. ES war rührend, wie sie sich bemühten, um sich gegenseitig ein wenig aufzuheitern, und —" fügte sie mit leisem Seufzer hinzu — „eS war manchmal recht still und einsam hier, ich kann eS nicht leugnen, wir - - haben Dich alle recht vermißt, besonders Deine Mutter. Sie bat mich immer so dringend, doch ja recht oft zu kommen, damit wieder etwa- Leben werde in dem stillen Schlöffe, denn sie hatten gerade in der Zeit Deiner Abwesenheit so wenig Besuch, wie sonst nie. Und ich kam. immer wieder, manchmal begleitete mich der Vater, aber oft kam ich allein."
So plauderte der kleine Mund der Comteffe weiter. Sie schien gar nicht zu bemerken, daß der Jugendfreund so auffallend still und nachdenklich neben ihr herging, und daß nur der Fürst fich_ an der Unterhaltung beteiligte.
»Du siehst etwas blaß und angegriffen aut", begann Beatrice nach einer kleinen Pause von Neuem, und schaute forschend in Siegfrieds Erficht, „hast Dich gewiß auch gesehnt nach dem heimischen Neste, weil Du so unvermuthrt
letzten Tage die britische Regierung an dem Freihandel-Prinzip festgehalten, so nahe auch Herr Chamberlein, der eigentliche Leiter der heutgen englischen Politik, jenen größerbritischen Kreisen steht.
Der 18. April ist ein Wendepunkt in der britischen Wirthschaftspolitik, besten Folgen, wie die „Tägl. Rundsch." mit Recht bemerkt, heute noch gar nicht zu übersehen sind. Herr Hicks- Beach, der Schatzkanzler, sprach Donnerstag 2l/t Stunden über die englischen Finanzen, und da§ Bild, das er von ihnen auf dem Hintergrund des unseligen TranSvaal-Feldzuges entwerfen mußte, schüchterte die Vertreter des englischen Volkes derartig ein, daß sie trotz der glänzenden Anklage Harcourts gegen das heute beliebte RegierungSshstem im Handumdrehen allem zustimmten, was das Kabinett verlangte. DaS Unterhaus bewilligte so die Erhöhung der Einkommensteuer, obwohl eben noch die ganze öffentliche Meinung und die Preste bis in die Reihen der Konservativen hinein gegen die Belastung des kleinen vermögenslosen Mannes gewettert hatten. Es bewilligte auch den Zuckerzoll, obwohl er als Nahrungsmittelzoll schon tiefe Bresche in das bisherige Freihandelssystem legte. Hier konnte aber immer noch der Gedanke an einen durch den vorübergehenden Rückgang deS Staatsvermögens nöthig gewordenen Finanzzoll aufrecht erhalten werden. Bei der Forderung von Kohlenausfuhrzöllen unterließ Herr Hicks-Beach aber jede Verschleierung seiner Absichten und bezeichnete diesen Zoll klipp unt> klar als da?, was er sein soll: als einen echten, rechten Schutzzoll. Und kein Sturm erhob sich in den ehrwürdigen Parlamentshallen; ohne Sang und Klang wurde eine Wirthschaftspolitik zu Grabe getragen, die Jahrzehnte lang als eines der vornehmsten Wahrzeichen englischer Freiheit und als das Fundament von Großbritanniens wirthschaftlicher Weltmacht gegolten.
Im Ernst wird Niemand zweifelhaft sein, daß nun auch keine Bedenken mehr gegen Stahl- und Eisenzölle vorliegen, und daß der Getreidezoll ebenso gut wieder seine Herrschaft antreten kann, wie der Zuckerzoll.
Einstweilen ist die Erregung in britischen Kohleninterestentenkreisen ziemlich groß. Man wird sich aber auch wieder beruhigen und diese Folge des Kriege? ebenso herunterzuwürgen suchen, wie man sich ja auch daran gewöhnt hat, dem Schreckgesvenst der allgemeinen Wehrpflicht ins Auge zu sehen, ohne gleich, wie früher, in Tobsuchtsanfälle zu verfallen.
Wir auf dem Kontinent und besonders in Deutschland werden durch das neue englische Zollsystem recht empfindlich berührt. Wir dürfen unS darüber aber nicht beklagen, da
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England nichts anderes thut, als von nun an der Handelspolitik zu folgen, die auch wir für uns als die heilsamste anerkannt haben. Der Zuckerzoll trifft unsere blühende Zuckerindustrie sehr hart, was für Einfluß der Kohlenausfuhrzoll auf den internationalen und besonders den deutschen Markt haben wird, ist noch nicht zu ermessen. Man müßte ja freilich annehmen, daß die britische Industrie auf Kosten der ausländischen durch billigere Kohlen günstiger gestellt wird; indesten werden diese Vortheile, wie aus den lebhaften Angriffen ersichtlich, denen Hicks Beach aus den Kreisen der englischen Kohlenindustrie ausgesetzt ist, reichlich wieder durch dos Sinken des Kohlenwerthes ausgewogen.
Dankbar haben wir aber doch dem englischen Schatzkanzler für seine Offenheit zu sein. Man weiß jetzt, woran man ist und Westen man sich von England zu versehen hat. Die von gewisser deutscher Seite mit Behagen gepflegte Legende von der unbedingten Handelsfreiheit für alle Völker unter dem Union Jack, ist mit dem 18. April gründlich zerstört. Auch an das Märchen, daß wir der Ausbreitung des englischen Imperiums ruhig zusehen könnten, da ja damit auch der deutsche Handl! neue Absatzgebiete gewinnt, auch an dieses Märchen wird man in Zukunft nicht mehr glauben!
Das verbrannte Asbesthaus
Vielfach hat man sich darüber gewundert, daß das Asbesthaus des Grafen Waldersee ebenfalls verbrannt ist. Die Hamburger Firma, die-das HauS erbaut hat, erklärt nun: „Das Tropenhaus deS Grafen Waldersee war nicht feuersicher konstruirt, vielmehr bestand dasselbe auS einem Riegelwerk, dessen Holztheile frei zu Tage traten und in Folge dessen bei Ausbruch einet Feuersbrunst anbrennen konnten. Die bei der Erbauung des Waldersee-Hauses verwendeten Asbestschieferplatten sind nur in die einzelnen Riegelfelder eingefügt worden, um die Jnnen- räume wirksam gegen die tropische Hitze resp. winterliche Kälte zu schützen und das Gebäude leicht transportiren und wieder aufbauen zu können. Aus absolute Feuersicherheit des Gebäudes war also kein besonderer Werth gelegt worden."'
Feuersicher scheint der Asbest ein solches Gebäude überhaupt nicht machen zu können. Der Redaktion deS Elberfelder „General-AnzeigerS" wurde von dem Vertreter der oben erwähnten Hamburger Firma ein Stück des AsbestschieferS überreicht. Die Redaktion ließ ein Stück des Schiefers in den Stereotypie-Ofen legen. Sie schildert das Resultat des Versuchs mit folgenden Worten:
Der Erfolg war ein unerwarteter. Der Asbest verbrannte allerdings nicht. Nach kurzer Zeit (1 oder 2 Minuten) gab es aber einen Knall, und als wir nachsahen, war der ASbestschiefer vollständig auseinandergeplatzt, so daß statt der einen Platte jetzt deren -zwei, entsprechend dünnere, Vorlagen, die an der Oberfläche weich und flockig waren wie abgefallener Mörtel. "Wir wiederholten das Experiment — daS Resultat war genau dasfelbe: mit einem lauten Knalle platzten die Platten. Bedenkt man nun doch, daß zu dem Baue des Hauses auch Holzbalken der» wendet sind, die nachher mit den Asdestschichten überkleidet wurden, so kann man sich über die Vernichtung des Hauses durch Feuer nicht mehr wundern. Verbrannt wird der Asbest bei der Katastrophe in Peking wahrscheinlich nicht sein — aber jedenfalls bildet er jetzt nichts als einen Haufen Schutt.
Mangel an Vorsicht wirft der Vertreter der "Frankf. Ztg." in einemBries aus Peking den deutschen Offizieren vor. Mit Rücksicht auf den Fremdenhaß sind gewisse Stadtviertel in Peking dem Militär einfach verboten und während der chinesischen Neujahrsfeier dursten einzelne Soldaten, selbst in bien von den Europäern besuchtesten Gegenden der Stadt und bei Tage, nicht ohne Schußwaffe auszugehen. Manche deutsche Osflziere aber lassen Vorsichtsmaßregeln außer Acht. Ich selbst, so heißt es in dem Briefe,, habe vergeblich mehrfach auf einen mir befreundeten Offizier dahin einzuwirken versucht, daß er nicht bei Nachtzeit und besonders bei völliger Dunkelheit
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Bestellungen
für die Monate Mai und Juni auf die „Oberhesslsche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Slarft 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Die Wirren in China.
Der Brand in Peking.
Gras Waldersee hat ein weiteres Telegramm über die Feuersbrunst im deutschen Hauptquartier gesandt. Er meldet in ihm:
Leiche Generals von Schwarzhoff aufgefunden, Sonnabend provisorische Beisetzung. ES ist gelungen, den Brand auf die sechs großen Gebände des eigentlichen Winter- palasteS und Asbesthauses zu beschränken, aus dem nichts zu retten möglich war. Wirksamste Hilfe unter Führung Oberstleutnants Marchand leisteten französische Truppen auch Japaner, Engländer, Italiener erschienen auf der Brandstätte. Böswillige Brandlegung scheint nicht vorzuliegen. Das Armee-Oberkommando wird auch weiter im Winterpalast Unterkunft finden können.
Private Meldungen besagen noch, Graf Waldersee leide erheblich an Nervenerschütterung. Anderthalb Morgen des Kaiserpalastes wurden vom Feuer zerstört, mit seltenen Kunstschätzen und kostbaren Geschenken für Kaiser Wilhelm. Die Feuerlöschgeräte waren unzugänglich; daS Feuer wütete bis 7,2 Uhr nacht«. Graf Waldersee verlor alles, sogar feine Papiere und Kleidungsstücke.
U (Nachdruck verboten !
Das Heiruathlied.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth, (iyetneennaj
„Siehst Du," fuhr Siegfried fort, „hier habe ich mich immer am wohlsten gefühlt! Ich kannte die behnsucht nicht, und nicht den Schmerz, ich war einzufriedener und darum ein glücklicher Mensch! och hatte keinen anderen Wunsch, als immer so fortleben zu dürfen, ich träumte oft mit offenen Äugen, wenn ich dort auf der Bank saß, und kenn nichts die Ruhe ringsumher störte.
„Ja, schön ist eS hier," bestätigte der Fürst innenb, „ich begreife nun erst Deine Liebe für tiefe? Fleckchen Erde."
»Schön ist es auch, wenn der Sturm durch tie Kronen der alten Bäume fährt, wenn es kuscht und braust ringsum, und zu erzählen cheint von längst vergangenen Zeiten, jenen .eiten, da unsere Urahnen hier wandelten, und fteude und Leid durchlebten, gleich unS. Dann «usche ich diesem Rauschen, und bringe es im Zusammenhänge mit dem, waS unsere Famriien- Itonif berichtet. Siehst Du, so konnte ich ost wnbenlang hier fitzen und vor mich hinträumen." . Siegfried bog jetzt mit seinem Begleiter in ’ue schmale Allee ein. lieber den Häuptern pt langsam dahin Wandelnden bildeten die prschlungenen Zweige der alten Bäume ein lküneS Dach, durch das kein Sonnenstrahl ? bringen vermochte. Hier schuf daS Lickt *#e leichte Dämmerung, die im Gegensatz zu ** blendenden Helle am See sehr »o$I=
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Dienstag. 23. April 1901. ="* "
thuend wirkte. Die Freunde hatten ungefähr die Mitte der Allee erreicht, als am Eingang derselben eine weibliche Gestalt austauchte, die, als sie die Beiden wahrnahm, rasch näher kam und schon von weitem Siegfried beide Hände entgegenstreckte. Es war nicht zu verkennen, die junge Dame befand sich in freudiger Erregung, denn sie nahm zunächst von Siegfrieds Begleiter nicht die mindeste Notiz, und tief mit wohlklingender, inniger Stimme: „Nun, Du Weltumsegler, da wärst Du ja wieder glücklich in der lieben Heimath angelangt! Ich erfuhr von Onkel und Tante gleich bei meiner Ankunst da? großeEreigniß, und ging Dich aufzusuchen!"
Jetzt erst schien sie sich zu besinnen, daß noch eine dritte Person gegenwärtig war. Ein leichte» Roth huschte über ihr zartes, von hellblonden Flechten umrahmtes Gesicht, als sie die artige Verbeugung Santoffs erwiderte.
Siegfried hatte herzlich die beiden Hände der jungen Dame ergriffen und sagte, sich an den Freund wendend: „Hier, Alex, daS ist meine Jugendgespielin, Komtesse Beatrice Rhonsdorff, von der ich Dir schon so oft sprach."
„So?" lachte Beatrice halb schalkhaft auf, „thatest Du das wirklich, Sigi?"
Sie verfiel unwillkürlich in den sorglosen, heiteren Ton der Kinderjahre zurück, eS stand ihr allerliebst, wenn sie lachend die zwei Reihen blitzender Zähnchen zeigte, wobei in ihren weichen Wangen ein paar reizende Grübchen erschienen.
„ES war wohl wenig Gutes, waS er Ihnen von mir erzählte ?* wandte sie sich mit leichter Schelmerei an den Firsten.
hier eintrafft ? Ja, ja, die Heimath hat auch ihre Schönheiten. Deine Mutter ist ganz glückselig, daß Du wieder da bist, ihr gutes Gesicht strahlt förmlich, ich merkte sofort bei meiner Ankunft, daß etwas ganz Besondere» das Herz der lieben Tante bewegen mußte. Lange brauchte ich ja auch nicht auf die Erklärung zu warten. Sie nahm sich kaum Zeit, mich zu begrüßen, als sie schon lachend rief: „Rathe einmal, Bea, wer gestern gekommen ist!" Wie soll ich daS rathen können, Tantchen? erwiderte ich ahnungslos. Ich dachte natürlich an irgend, einen Besuch, sie freut sich ja immer, wenn Jemand kommt. Da aber nahm sie meinen Kopf zwischen ihre beiden Hände und sagte: „Unser Sigi ist angekommen! Denke Dir nur, ganz unangemeldet!" — Ich wollte eS kaum glauben, aber ihr glückliches Gesicht belehrte mich über die Wahrheit ihrer Worte. Sie hat mir auch gleich das Lied gezeigt, das Du kom- ponirtest, ich prvbirte es in der Eile ein paar Mal durch — Du — daS mußt Du mir nachher Vorspielen, ja? — willst Du? Ich möchte eS zu gerne von Dir hören, und fingen wirst Du es auch, nicht wahr?"
„Wenn Du es durchaus willst, warum nicht?" Etwa» wie ein finsterer Schatten glitt über das heitere Gesicht Beatrice».
„Ich weiß nicht — Du — ich finde, Tn hast Dich seltsam verändert. Vorhin glaubte ich, eS wäre daS grünliche Dämmerlicht, daS Dich so blaß erscheinen ließ, aber jetzt bemerke ich, daß ich mich täuschte."
(Fortsetzung feiet.)
Englands wirthschaflliche Umkehr.
Großbritannien galt von jeher als das klassische Land deS Freihandels. Hielt auch die amtliche Politik bis in die dreißer Jahre des 19. Jahrhundets am Schutzzoll fest und begünstigte zeitweise sogar ein völliges Prohibitivsystem, so hatte doch der erste Apostel des Freihandels, Adam Smith, schon längst in der Wissenschaft eine eifrige Anhängerschaft um sich gesammelt, und die Freihandelspartei gewann im Unterhause mehr und mehr an Einfluß. Die wachsende Erregung über die Härten der Getreidezölle ließ 1838 die Cobdensche Liga gegen des Kornzölle entstehen, der eS dann unter dem Ministerium Peel 1846 gelingen . sollte, zunächst die Getreidezölle abzuschaffen, denen langsam die übrigen Schutzzölle folgten.
Ein halbes Jahrhundert hat etwa in Großbritannien die unbedingte Herrschaft des Freihandels gedauert. England war durch seine Industrie und durch seinen Kolonialbesitz allen anderen Völkern so überlegen, daß eS nur die Lortheile des freien Wirthschasttzverkehrs wahr- nahm, ohne von seinen Nachtheilen berührt zu werden. Seit dem Aufsteigen der deutschen und amerikanischen Industrie änderte sich aber daS Bild allmählich. Die Stimmen mehrten sich, die für das weite britische Kolonialreich einen gewissen Protektionismus für industrielle Erzeugnisse des englischen Mutterlandes verlangten. Die Folge dieser Bewegung war, daß im Juli 1897 die Handelsverträge mit dem Deutschen Reich und Belgien gekündigt wurden, und damit den englischen Kolonien die Freiheit gegeben wurde, britische Erzeugnisse vor anderen in ihren Einfuhrtarifen zu bevorzugen. In neuerer Zeit war es besonders der englische Imperialismus der schärferen Tonart, der bei dem wachsenden Wettbewerb der neu erstandenen industriellen Ausfuhrstaaten und bei der hier und da sogar von ihnen drohenden lieber» fiügelung eine Errichtung von Zollschranken um das ganze riesige britische Kalonlaldominium verlangte. Amtlich hat • indessen bis in die
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