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Sonnabend, 20. Aprll 1901. " db" ^8-
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Zum Eintritt des Prinzen Adalbert in die Marine.
a. Prinz Adalbert von Preußen, der dritte Sohn unseres Kaiserpaares, ist mit dem gestrigen Tage, dem Beispiel seines Oheims, des Prinzen Heinrich folgend, in die Marine eingetreten. Die Tradition des Hauses hat ihn seit srühester Jugend für diesen Beruf bestimmt; die Erziehung des Prinzen aber hat Bedacht darauf genommen, daß die Neigung für die See in dem Hohenzollernsohn geweckt und daß er mit den Vorbedingungen seiner Thätigkeit nach Möglichkeit vertraut werde. Der Prinz, der am 14. Juli 1884 geboren ist, war ursprünglich ein zartes Kind; man hat eine Zeitlang geglaubt, daß er den Anforderungen des Seedienstes nicht gewachsen sein werde. Aber die kräftige Luft Plöns hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Ein körperlich und geistig gesunder, gut entwickelter Jüngling ist es, der gestern auf S. M. Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." vor dem mit der Kriegsflagge bedeckten Altar den Fahneneid geleistet hat.
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Der Bildungsgang des Prinzen hat in Potsdam begonnen und ist in Plön zum Abschluß gelangt; dort hat er zu Ostern sein Fähnrichsexamen mit Ehren bestanden. A» den Gestaden des Plöner Sees hat er auch die ersten Anregungen sür seinen künftigen Beruf empfangen. Ein Maat der Marine, Gallmüller, ertheilte ihm den ersten Unterricht im Klettern an einem hohen Flaggenmast; das Aufentern wurde dort nach allen Regeln der Kunst gelehrt. Dann ging es hinaus auf den Landsee, bei Wind und Wetter. Rudern und Segeln war die Parole. Aber auch die Lehrer, die hohe Anforderungen stellen mußten, waren mit dem Prinzen wohl zufrieden. Profeffor Esterneaux und Oberlehrer Sachse standen an der Spitze des Kollegiums, das dem Prinzen Unterricht in den verschiedenen Disziplinen ertheilte. Religionslehrer war der Militär - Oberpfarrer Goens aus Berlin. Als der Prinz in Homburg am 18. Oktober v. Js., dem Geburtstage des Kaisers Friedrich, konfirmiert wurde, mußte vor seinem Vater ein besonderes Examen in der Religion ablegen, durch welches sich dieser außerordentlich befriedigt erklärte. Als später der Kaiser bei der Tafel sein Glas auf das Wohl des Prinzen hob, führte er in seiner Ansprache aus: „Du mußt als Seemann einen doppelten Anker in der Religion haben!"
Nun find die Tage glücklicher Kindheit zu Ende; von dem User des friedlichen Landsees
9 (Nachdruck Verboten.)
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Das Heimathlied.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth. lFortsetzawg.)
„Nun", fuhr Graf Düren eifrig fort, „Beatrice und Siegfried waren schon als Kinder für einander bestimmt, die beiden Familien verband von jeher eine innige Freundschaft. Rhonsdorff hat nur die einzige Tochter, die er abgöttisch liebt und nur schweren Herzens würde rr in eine Trennung von dem Kinde willigen. > Deshalb kommt ihm eine Verbindung mit uns 1 ehr gelegen. Dabei muß auch in Betracht gezogen werden, daß Beatrice offenbar in Siegfried verliebt ist, — ja, verliebt, ich bleibe babei", wiederholte der Graf, als sein Sohn eine heftig abwehrende Bewegung machte, und erregt dvn demSeffel aussprang. „Wenn dieComteffe als wohlerzogene junge Dame sich auch nichts merken üßt, so geht ihre Liebe für Siegfried schon daraus hervor, daß sie sich so eifrig und so oft nach ihm erkundigte, daß sie sich in seine Reise- fchilderungen förmlich vertiefte, kurz man konnte W leicht aus hundert Kleinigkeiten wahr- vehmen. Dazu kommt noch, daß Beatrice gar ein Jnterefle für Lothar zu haben scheint, der feine Bewunderung für sie offen genug zur Schau trägt. Sie sieht nicht, oder will Vicht sehen, wie seine Augen an ihrem Gesicht hängen, wie er sie mit den Blicken verfolgt, wohin sie sich auch wendet. Wenn die Sache wich durchaus keine Gefahr hat, so meine ich bvch, xz wäre an der Zeit, daß Du mit Deiner Werbung bald öffentlich hervorträtest, damit
geht es hinaus in das schäumende Weltmeer. Mögen freundliche Winde das Schifflein des Kaisersohnes geleiten.
Die Feier des Diensteintrittes des Prinzen Adalbert in die Kriegsmarine begann Donnerstag Vormittag 10 Uhr mit einem Gottesdienst an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II. Die Kaiserin war mit dem Prinzen Adalbert und den aus Plön eineingetroffenen Prinzen- Söhnen kurz vorher auf dem Kriegsschiff angekommen. Auf dem mit Segeltuch bespannten und mit Flaggentuch geschmückten Achterdeck des „Kaiser Wilhelm II." versammelten sich Ihre Majestäten, die Prinzen - Söhne und Prinzessin Heinrich, die Mitglieder der Gefolge der Generalinspektor der Marine, der Staatssekretär des Reichs-Marineamtes, der Chef des Admiralstabes, die in Kill anwesenden Flaggoffiziere, die Kommandanten der Kriegsschiffe, die Kommandeure der in Kiel und Friedrichs- ort garnisonierenden Marineteile, der Direktor der Marineschule, der Stab des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II." und eine Abordnung von Deckosfizieren und Manschasten dieses Schiffes, die unmittelbaren Vorgesetzten des Prinzen Adalbert, der Kommandeur des Plöner Kadettenhauses, die früheren Lehrer des Prinzen Adalbert Profeffor Esterneaux und Oberlehrer Sachse, der Berliner Garnisonpfarrer Goens und alle Seekadetten der „Charlotte". Den Gottesdienst hielt Stationspfarrer Rogge ab unter Assistenz des Schiffspfarrers der „Charlotte", Marinepfarrers Philippi. Nach Beendigung des Gottesdienstes trat Prinz Adalbert bedeckten Hauptes an den mit einer Krie^sflagge bedeckten Altar und leistete den Fahneneid, dessen Formel der Chef des Marinekabinetts vorsprach. Nach erfolgter Eidesleistung meldete sich Prinz Adalbert bei dem Kaiser und hierauf bei dem Generalinspektor der Marine, dem Kommandanten der „Charlotte" und seinen Vorgesetzten. Gegen 11 Uhr war die Feier beendet.
Umschau.
HaltlvseVorwürfegegendieMilitär- verwaltung. —
Die Angriffe, die von einem Theile der TageSpreffe gegen die leitenden Stellen unseres Expeditionskorps vom Beginn ihrer Thätigkeit an gerichtet worden sind, haben sich bekanntlich nicht nur auf angeblich übermäßig strenges Vorgehen in China beschränkt; hat doch schon der Seetransport dazu herhalten müssen, um Kommandoführer und Verwaltung in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. So wurde Klage
die Geschichte zum Abschluß kommt und Lothar die Nutzlosigkeit seiner Bemühungen einsehen lernt.
Siegfried war an das Fenster getreten. Er kehrte dem Vater den Rücken zu, und so konnte der Graf nicht bemerken, wie es in den Zügen des Sohnes arbeitete. Röthe und Blässe wechselten jäh auf seinem Gesicht, er trommelte mit den Fingern nervös auf die Scheiben und suchte mit äußerster Anstrengung Herr seiner Aufregung zu werden. „Für heute hat Lothar allerdings seinen Zweck verfehlt," fuhr Graf Düren, der das Gebühren Siegfrieds auf seine Weise deutete, ruhig fort. „Hätte Lothar mir sein Vorhaben mitgetheilt, so würde ich ihm wenigstens gesagt haben, welchen Weg unsere Gäste einschlagen. Denn da die Damen ebenfalls zu Pferde find, nehmen Sie die bequemere Straße durch das Lautenthal, den Lärchenwald entlang, während Lothar, so viel ich bemerken konnte, die Allee hinunterritt und den direkten Weg nach Rhonsdorff einschlug. So muß er die Gesellschaft unbedingt verfehlen."
Siegfried hatte während dieser Rede seine Fassung wiedergewonnen. Mit anscheinendem Gleichmuth kehrte er zum Frühstückstisch zurück. Sein Gesicht war zwar etwas bleich, doch seine Stimme klang sehr ruhig, als erfragte: „Und wie dächtest Du Dir ein solches Zusammenleben, Vater, wenn Beatrice meine Frau wäre, und Lothar, wie Du selbst sagst, wie toll in sie verliebt ist. Er könnte doch nun und nimmer ruhig neben uns dahinleben und zusehen, wie Diejenige, die er so heiß begehrt, an der Seite eines Ändern lebt?"
„Ach, das wird sich finden; Lothar muß eben vergeffen lernen."
geführt über angeblich zu schwere Dienstorganisation, unzureichende und schlechte Verpflegung, über Vorenthaltung der Liebesgaben und deren ausschließliche Verwendung für die Offiziere. Das beliebte Beweismittel der .Originalbriefe" sand auch in diesen Fällen ausgiebige Anwendung. Daß aber in Ansehung der Glaubwürdigkeit auch dieser Briefe Vorsicht ebenso am Platze gewesen wäre, wie bei _ den im Reichstage als unrichtig nachgewiesenen brieflichen Angaben über Ausschreitungen und Grausamkeiten, erhellt aus dem jetzt vorliegenden Ergebniß der amtlichen Ermittelungen über die behaupteten Mißstände. Darüber schreibt die „Berl. Corresp."
Körperliche llebungen sind nothwendig, wenn vermieden werden soll, daß eine Truppe, die bedeutenden Marschleistungen und sonstigen Anforderungen eines Krieges entgegengeht, durch Nichtsthun während einer sechswöchentlichen Tropenfahrt erschlafft und dadurch operationsunfähig wird. Diesem Zwecke ist Rechnung getragen worden durch ein richtiges Maß von Hebungen : Scheibenschießen, Turnen, Griffeüben. Ferner ist den der Ordnung und Disziplin abträglichen Folgen von Langweile und von Mißbehagen, zu dem das eintönige Leben an Bord mit der Zeit führt, vorgebeugt worden durch angemessene sonstige Beschäftigungen: Jnstruktions-, und Gesangstunden, Gesellschaftsspiele rc. Wegen der Hitze ist der Dienst durchweg in die frühen Tages- und späteren Abendstunden gelegt worden. An Bord herrschte ein fröhlicher Geist. Diejenigen freilich, die ihre Aufgabe in süßem Nichtsthun erblickten, sind nicht aus ihre Rechnung gekommen; bei diesen hielt der Mangel an Diensteifer meistens gleichen Schritt mit ihrer sonstigen Führung. Unter diesen Leuten mögen auch die Briefschreiber zu suchen sein.
Die Verpflegung war reichlich, gut und nach Möglichkeit abwechselnd, sodaß die Liebesgaben für den Aufenthalt in China aufgehoben werden konnten. In dieser Hinsicht verdient übrigens ein Umstand Erwähnung, der auf die Glaubwürdigkeit der erwähnten Briefe das hellste Licht wirst. Es ist gelungen, einen der Briefschreiber zu ermitteln, der über schlechte Verpflegung, Dorenthaltung von Liebesgaben geklagt und Offiziere beschuldigt hatte, Liebesgaben zu ausschließlichem Gebrauch für sich selbst genommen zu haben. Der Briefschreiber hat zugestanden, daß er die Behauptungen nur aufgestellt hat, um zu Hause Mitle id zu erregen und Geldsendungen zu erlangen.
„Und denkst Du Dir dieses Vergessen so leicht und einfach?"
„Wenn man dazu gezwungen wird, ganz gewiß."
„Das wäre keine echte Liebe, die so leicht alles vergeffen könnte!
„Zerbrechen wir uns doch darüber den Kopf nicht. Wenn es nicht anders geht, soll Lothar einige Zeit fort von hier," sagte der Graf ungeduldig.
„Und Du glaubst, wenn er dann zurück- kommt, ist alles gut? Welchen Begriff machst Du Dir von der Liebe, Vater?"
„Ich muß hier unbedingt Siegfried beistimmen," schaltete Fürst Santoff ein, „es würde ein recht unerquickliches Zusammenleben werden."
„Wenn man Lothar eine größere Reise machen läßt —"
„Je ferner man ihm den Gegenstand seiner Neigung rückt, desto mehr wird die Leidenschaft wachsen !" fiel Siegfried dem Vater in die Rede.
„Wir werden doch nicht um Lothars willen unfern Lieblingsplan aufgeben sollen?" rief Gras Düren unb runzelte die Stirn.
„Wenn sich aber Ihrem Plane andere, schwerwiegende Hinderniffe in den Weg stellen, was bann? fragte bei Fürst unb schaute gespannt bem alten Herrn in bie überrascht blickenden Augen.
„Andere Hinderniffe —, unb welche, Fürst?"
„Nun, nehmen wir an —" Santoff machte eine kleine Pause —, „nehmen wir an, Siegfried liebte eine Andere, sein ganzes Lebensglück stände auf bem Spiel, würben Sie auch dann noch an Ihrem Plan festhalten?"
Die Wirren in China.
Der Brand in Peking.
Gestern Abend meldete uns noch ein Telegramm, daß außer der Wohnung des Geueral- seldmarschalls noch bie Wohnungen bet Offiziere bon Groß, von Gayl, von Boehm, Brixen, von Wilberg und v. Rauch niebergebrannt sind. In einem uns vom Wolfschen Telegraphenbureau übermittelten Telegramm des Grafen Waldersee wird das, wie auch unsere früheren Nachrichten über den Brand bestätigt. Graf Waldersee tele- graphirt aus Peking vom 18. April:
Der beste Theil des Winterpalastes ist in der vergangener Nacht durch Feuer zerstört. Generalmajor von Schwarzhoff hat dabei den Tod gefunden. Die Ursache des Brandes ist noch unaufgeklärt. Die französische Garnison und die Japaner leisteten uns bereitwillig Hilfe. Generalmajor v. Gahl, Oberstleutnant Boehm, Major Lauenstein, Hauptmann Wilberg, Leutnant v. Rauch, sowie ich, haben fast unsere ganze Habe verloren.
Man darf wohl ans diesen Berichten schließen, daß der Brand sofort mit elementarer Gewalt eingesetzt hat, und daß es den Bewohnern des Hauses sowie den von außen Hinzugeeilten nicht möglich war, einzugreifen oder irgend etwas zu retten. Daher muß wohl auch mit dem unersetzlichen Verlust wichtiger Dokumente, Papiere, Tagebücher u. s. w. gerechnet werden. Ob Brandstiftung oder Fahrlässigkeit vorliegt, läßt sich naturgemäß von hier aus nicht be- urtheilen, wenn auch die Annahme naheliegt, daß man es mit einer Büberei der Chinesen zu thun hat. Sicher festgestellt ist das aber nicht; stellenweise wird angenommen, daß der Brand durch einen Ofen im Anrichtezimwer neben der Küche des Oberkommandos entstanden ist. Man wird natürlich nähere Nachrichten aus Peking abwarten müssen.
Wie uns das Wolff'sche Telegraphenbuikaii weiter aus Peking meldet, ist der Leichnam des Generals v. Schwarzhoff gefundeu. Bei den Nachforschungen stieß man zuerst auf Knochenreste, herrührend von dem Hunde des Generals. Es wird vermuthet, daß v. Schwor;hoff in der Absicht, den Hund zu retten, in das brennende Gebäude zurückkehrte und durch einen niederstürzenden Balken erschlagen wurde.
In dem General v. Groß, genannt v. Sckwarz- hofi, so schreibt man der „T. R.' von hochgeschätzter Seite, verliert die deutsche Armee einen hochbegabten Offizier, der nun gleich dem Obersten Grafen Dort nicht dem Feinde, sondern einem tragischen Unglücks- fall zum Opfer gefallen ist. Er war als Sohu des langjährigen kommandirenden Generals des 3. Armee-
„Nun, ich denke, dieser Fall ist ausgeschloffen. Siegfried weiß, daß Comteffe Beatrice ihm zum Weibe bestimmt ist, und er wird darnach handeln!"
„Das heißt, er darf keine andere lieben, darf sein Herz nicht sprechen lasten?"
Der Graf zuckte unmuthig die Achseln und, den strengen, forschenden Blick fest auf Santoff richtend, sagte er im harten Ton: „Ich fürchte fast, ihre Worte bedeuten etwas, es verbirgt sich dahinter ein Geheimniß. Aber ich muß Ihnen im Voraus bekennen, — Ihnen und meinem Sohne, daß eine Aenderung meines Planes unmöglich ist! Graf Rhonsdorff hat mein Wort, und ich gedenke es unter allen Umständen zu halten. Siegfrieds Werbung wird im Hause meines Jugendfreundes als etwas gang Sicheres erwartet, Beatrice ist mir unb meiner Frau ans Herz gewachsen, wie ein eigenes Kinb; ihre Erziehung war bie denkbar sorgfältigste. Wenn Sie die Comteffe erst kennen gelernt haben," — seine Stimme klang jetzt viel weicher als vorher, — bann werden Sie auch begreifen, daß der Mann sich glücklich schätzen darf, der sie als Gattin Heimfahrt. Er nennt dann eine köstliche Perle sein eigen. Nein, — nein, Fürst," wehrte er ab, als er sah, daß Santoff Einwendungen machen wollte, „sagen Sie mir nichts mehr in dieser Sache; wenn Sie bie Comteffe gesehen und gesprochen haben, dann werde ich Sie nochmals fragen, ob Siegfried eine bessere Wahl treffen könnte."
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