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wtt lern KreMlatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain.
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Freitag, 19. April 1901.
Teiche lot täglich eufcrr tn SBettiugea aaq e. w ans Fetertazeo. Vonntagssetlage: Jllnfirirtes So««t-gSblatt.
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Die Gegner der Getreidezollerhöhung führen in ihren Agitationen eine große Zahl von Ein- Mnden ins Feld; sie scheinen zu glauben, die Stenge ihrer Argumente sei die Hauptsache und auf deren Güte komme es nicht an. Das ist aber ein Jrrthum; denn gerade aus der Menge der Einwände ergeben sich Widersprüche, durch die jeder einzelne Einwand unhaltbar wird. Es sind namentlich folgende Argumente, mit denen gegen einen besseren Zollschutz für die Amdwirtschaft angekämpft wird:
Die Widersprüche der Kornzoll- Gegner.
1. Die Lebensmittel würden um die volle H^he des Zolles für das Volk verteuert.
2. Die Zufuhr des Getreidezuschusies, den unser Land unbedingt bedürfe, werde erschwert.
3. Die deutschen Müller und Bäcker brauchten russischen, kleberreichen Roggen, um gute Waare liefern zu können, und würden durch die Zollerhöhungen beeinträchtigt.
4. Das Ausland würde zur Eingreifung von Repreffalien genöthigt, um sich billigere Kornzölle, ohne die vernünftige Handelsverträge nicht möglich seien, zu erzwingen, und dadurch würde
5. unser Handel und unsere Industrie auf das empfindlichste geschädigt.
Diese Argumente widersprechen einander rllkommen. Bedarf unser Land einer starken (etreidezufuhr, so muß dieselbe stattfinden.
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■ Ja kommt dabei auf den Preis erst in zweiter i Sink an. Die Auslandsproduzenten werden . ilso nicht nur kein Jnteresie an niedrigen, -----andern ein solches an hohen Getreidepreisen rf ! » Deutschland haben und sich hüten, die Preise >ei uns zu drücken. In diesem Falle würde reine! Rußland gewiß auch nicht zögern, die Getreide- msfuhr zu organisieren, um bessere Erträgnisse ms ihr zu gewinnen.
Wäre es zudem noch wahr, daß unsere Be- «ölkerung den vollen Zoll trage, so hätten daS lusland erst recht keinen Grund, sich über die ?öhe der Tarifziffern aufzuregen; denn wenn Deutschland des Zuschusses an Getreide bedarf inb — wie freihändlerischerseits versichert wird I- nicht über den Bedarf hinaus einführt, so tcukn.|at das Ausland nichts weiter zu thun, als zu ß-‘ liefern und braucht sich um den Zollzuschlag ir nicht zu kümmern. Insbesondere könnte is Roggen produzierende russische Reich ange- hts der Berlegenheit, in die unsere Müller ib Bäcker kommen würden, wenn ihnen daS
kleberreiche Korn entzogen würde, unserer Zolltarifreform gegenüber ganz gleichgiltig bleiben.
Auch der Einwand, der Handel würde durch die Getreidezollerhöhung geschädigt werden, erscheint ganz absurd, wenn es feststeht, daß nicht mehr Getreide eingeführt wird, als zum Verbrauch bei uns erforderlich ist. Daß zu dem Preise für den Bedarf noch der Zoll zugeschlagen werden müßte, kann nur als nebensächlich angesehen werden; denn die Menge des Handelsumsatzes müßte die gleiche bleiben. Aus demselben Grunde ist es unerfindlich, wieso das Zustandekommen von Handelsverträgen durch die Getreidezollerhöhung erschwert und unsere Industrie in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
Wie stehen denn nun aber die Sachen in Wirklichkeit? Der Getreideimport beschränkt sich keineswegs auf den Bedarf unseres Konsums, sondern er dient dazu, bei unS und dadurch im Auslande die Preise zu drücken. Während in Deutschland namentlich die Kleinbesitzer für ihre Ware nur schwer Absatz finden und Getreide vielfach als Biehfutter verwenden muffen, kaufen die Agenten im Auslande billiges Korn zusammen. Nicht um billige Volksernährung ist es ihnen begreiflicherweise dabei zu thun, sondern um möglichst hohen Profit, und ein solcher ist desto schwerer zu erzielen, je höher das Risiko der Zollauslagen sich stellt.
Als durch die Handelsverträge unser Getreidezoll um fast ein Drittel ermäßigt wurde, hat kein Producent davon Vortheil gehabt; die Zolldifferenz blieb im Handel stecken. Aber die Getreidepreise sanken, und auch das Ausland hatte unter dem Preisdruck, der keineswegs durch die erhöhte Einfuhr eingebracht wurde, zu leiden. Man sehe also nur den Thatsachen ins Gesicht und beachte die Widersprüche in den Argumenten der Getreidezollgegner, dann wird man sich im In- und AuSlande mit der Erhöhung unseres landwirthschaftlichen Zollschutzes befreunden. c.
Umschau.
Der Kronprinz inWien.
Wenn die Reise des Kronprinzen nach Wien auch keinen ausgesprochen politischen Charakter trägt, so kann ein Zweifel heute darüber nicht bestehen, daß sie von günstigen Folgen begleitet sein wird. Bei jedem sich darbietenden Anlaß sind in bestimmtester Form die engsten Beziehungen zwischen den beiden verbündeten Reichen betont worden, und das ist im gegen
wärtigen Augenblicke um so werthvoller, als jene Mächte, die stets an einer Lockerung deS Dreibundes arbeiten, in letzter Zeit eifriger als je am Werke waren. Wir erinnern nur an gewisse Aussprüche des italienischen Ministerpräsidenten Zanardelli und an den Umstand, daß der italienische Minister des Aeußeren Prinetti ein ausgesprochener Gegner des Dreibundes ist. Wir weisen ferner auf gewisse Vorgänge bei den Seefesten von Toulon hin. Heute kann ein Zweifel darüber nicht mehr bestehen, daß eine Aufkündigung des Bündnisses zwischen Deutschland und Oesterreich außerhalb des Bereichs des Möglichen liegt, da die Interessengemeinschaft beider Reiche zu groß, die Beziehungen beider Staaten viel zu enge sind. Auch wachen sich heute bereis die Folgen dieses Besuchs in der Richtung einer Stärkung des Deutschthums in Oesterreich bemerkbar. Im übrigen tritt unser Kronprinz in Wien mit einer für fein Mer bemerkenswerthen Sicherheit und Zurückhaltung auf, und es scheint begreiflich, wenn man hüben und drüben die Wiener Besuchstage mit dem größten Interesse verfolgt.
Ein deutscher General in China verbrannt.
Aus China kommt heute wieder einmal eine Trauernachricht. Abermals hat ein deutscher Offizier sein Leben durch eine Büberei der Chinesen auf eine schreckliche Weise verloren und Graf Waldersee selbst ist mit genauer Noth einem gleichen Schicksal entgangen. Ein Telegramm, das wir sofort durch Extrablatt verbreite: haben, meldete uns darüber das Folgende:
Berlin, 18. April. Wolffs Bureau meldet aus Peking vom 18.: Der von Waldersee bewohnte Theil des Kaiferpalastes einschließlich des Asbesthauses ist völlig abgebrannt. Waldersee wurde mit knapper Noth durch das Fenster des Asdesthanses gerettet. General vou Schwarzhoff wird vermißt. Er ist anscheinend beim Wiederbetreten der Brandstätte umgekommen, nachdem er bereits ins Freie entkommen war. Sonstige Unglücksfälle find bisher unbekannt. Das Feuer soll in der Wohnung des abwesenden Majors Lauenstein ausgekommen sein. Brandstiftung wird vermuthet.
„Made in Germany“.
Sin Beispiel dafür, daß die englische Industrie sich gern und häufig mit fremden Federn
schmückt, enthält ein uns abschriftlich zur Verfügung gestellter Brief eines in Dar-es Salaam lebenden Deutschen:
.... Eine englische Firma in Sansibar, deren Inhaber ein Goanese Namens de Souza ist, hat dvtt Papierfaseranzüge als praktische» Tropenkleid cinge- führt und sie auch dem Sultan des Jnselreiches vorgeführt. Ueberall fand dieses unter englischer Flagge segelnde Erzeugniß Freunde und Abnehmer, und da ich mir vor meiner letzten Ausreise schon in Berlin einen solchen .Papier-Anzug' zugelegt hatte, versuchte ich es nun auch mit einem .englischen'. Schon beim Einkauf des letzteren fiel mir seine verdächtige Stehn» lichkeit mit meinem Berliner auf, und als ich den .englischen' Anzug in Dar-es-Salaam genauer be- sichtigte, fand ich am Beinkleid außer englischen Knöpfen auch einen Knopf mit der Firma Baer Sohn, Berlin! Kein Zweifel, der Anzug war deutschen Ursprungs, wurde hier aber als englisches Srzeugniß ausgegeben und verkauft!
Aehnliche Beispiele, daß unsere englischen Kolonialvettern in Sansibar deutsche Waaren zu erhöhten Preisen als „englische" verkaufen, sind schon wiederholt vorgekommen, leider aber nicht festgenagelt worden.
Unsere Handelsbeziehungen zu Amerika
verschlechtern sich unter der Herrschaft des Meistbegünstigungsverhältniffes von Jahr zu Jahr. So meldet selbst der „Vorwärts", in Amerika habe der eben gegründete Stahltrust, „um eine Überschwemmung deS amerikanischen Marktes mit der deutschen Elsen-Ueberproduktion im Voraus unmöglich zu machen", den Preis für Manganeisen derart herabgesetzt, daß that- sächlich an eine deutsche Einfuhr nicht mehr zu denken sei. Dabei wirken natürlich- die hohen amerikanischen Schutzzölle mit. Während aber die deutsche Einfuhr nach der Union immer mehr erschwert wird, sind unsere deutschen Auslandsfreunde besorgt, daß bet amerikanische Import nur ja nicht gestört, sondern womöglich gefördert werde. Sie bringen auf Beibehaltung der jetzigen landwirthschaftlichen Zölle und des Meistbegünftigungsver- hältnifses um den Amerikanern nach wie vor Möglichkeit zu geben, daß sie mit ihrer Ueber- produktion an Fleisch und Getreide unser Land überschwemmen. Sie erhoben ein Wehgeschrei darüber, daß es etwa der Unionsregierung ein- fallen könnte, .den Deutschen gegenüber zu Repressalien zu greifen, während uns ein Verhältnis auf Gegenseitigkeit mit Amerika vollständig ermangelt. Tatsächlich aber bildet die Neuordnung unserer Handelsbeziehungen gerade Amerika den springenden Punkt bei unserer Zolltarif- und Handelsvertrags - Reform, und wer sich dieser Reform widersetzt, zeigt die Ab-
(Nachdruck verboten.»
iiltt Das Hkiwathlied.
Qbta Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
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Fleis-d gasic 3.
(Fortsetzung^
„Meine Güter liegen ziemlich einsam," hob c wieder an, „hart an der österreichischen flenze, wer weiß ob eine Frau sich dort glück- ch fühlen würde, ich selbst bin ein stiller Hann geworden, und wenig geeignet, den Gesellschafter einer anspruchsvollen Frau zu fielen."
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Es amüfirte ihn, die Präsidentin so in Eifer ffkl- «athen zu sehen.
~~ “i „Ja, müssen Sie denn gerade eine „anspruchr- vlle Gattin wählen?" fragte sie sanft.
„DaS kann man doch im Voraus gar nicht fisten, außerdem sind alle Frauen mehr oder »'»der anspruchsvoll, das stellt sich gewöhnlich ch nach der Hochzeit heraus."
„O, Sie find boshaft, Fürst, und thun den ttnen Frauen Unrecht."
Lothar stand mit auf der Brust verschränkten ßrmen und finsterem Gesicht dabei. Er bemerkte sehr wohl den spöttischen Blick, den ffontoff mit Siegfried tauschte, und fühlte, so- ^ich heraus, daß die Beiden sich über seine “utter luftig machten. Er kannte genau ihre schwäche, die auf eine nochmalige Verheiratung fnautzlies.
„Du wolltest Doch vorhin mit mir einen o»g durch den Park machen, Mama," suchte 1 sie abzulenken, doch sie wies den Sahn ganz Asetzt ab.
„Wo denkst Du hin, Lothar, jetzt ist es viel zu kühl geworden: um keinen Preis möchte ich noch den Park aufsuchen."
Wiederum zuckte es verrätherisch um die Mundwinkel SantoffS.
„Aber uns Beiden könnte eine kleine Promenade im Mondenschein nicht schaden," wandte er sich an Siegfried. „Was meinst Du, wenn wir noch ein wenig frische Luft schöpften? Ich liebe daS und man schläft auch besser.
„Ich bin bereit, Alex."
„So komm."
Als Lothar bemerkte, daß seine Mutter sich anschickte, trotz der „Kühle" ebenfalls mitzugehen vertrat er ihr energisch den Weg.
„Du bleibst hier," flüsterte er. „Fühlst Du denn nicht, wie Du Dich lächerlich machst?"
Laut fügte er hinzu: „Komm, Mama, wir wollen jetzt unsere Zimmer auf suchen, es ist spät geworden."
Dabei reichte er ihr den Arm und fühtte sie hinaus.
„Die Alte ist köstlich," raunte Santoff Siegfried zu.
Noch lange wanderten die Freunde Arm in Arm durch den mondbeschienenen Park. Sie sprachen wenig, nur hie und da blieben sie stehen, um irgend eine Gruppe alter Bäume, eine Statue, oder die seltene Pracht der gärtnerischen Anlagen zu bewundern. Sie athmeten in vollen Zügen die reine Luft dieser köstlichen Sommernacht.
IV.
Am folgenden Morgen kam die Sonne golden und majestätisch hinter den Bergen hervor. Siegfried hatteseine alten Zimmer wieder bezogen,
in denen alles unverändert geblieben war, und die sich in dem runden, mächtigen Thurm befanden. Er liebte von allen Gemächern im Schlöffe gerade diese am meisten, und behauptete stets, es seien die schönsten, weil man von da aus eine herrliche Fernsicht genoß. Der Blick konnte ungehindert hinausschweifen über die gesegneten, grünenden Fluren, bis zu den blauen Bergen, die dort drüben den Horizont begrenzten. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich heute in Millionen von Thautropfen, die an Gräsern und Blumen hingen. Siegfried war früh aufgestanden. Er schob die seidenen Gardinen zurück und öffnete das Fenster, dessen runde, in Blei gefaßte Scheiben den anheimelnden Eindruck noch vermehrten, den man beim Betrachten der ganzen Einrichtung empfand. Der junge Mann schaute entzückten AugeS auf die Herrlichkeit, die sich unten ausbreitete. Eine fast weihevolle, andächtige Stimmung kam über ihn, und unwillkürlich fettete er die Hände, wie er als Kind immer gethan, wenn er Morgens an dieser ©teile stand. Sein Blick gog hinauf zum wolkenlos blauen Himmel, so verharrte er eine' Weile unbeweglich. Dann bog er sich weit hinaus. Er sah, wie einer der Stallknechte ein gesatteltes Reitpferd hinausführte.
„Wer reitet denn so früh schon aus?" murmelte er erstaunt, doch noch mehr verwunderte er sich, als er gleich darauf seinen Detter Lothar aus dem Portal des Schlosses treten sah.
„ »Wohin willst Du denn in aller Morgen- rühe, Du bist doch wahrhaftig nie ein solcher Frühaufsteher gewesen?" rief er hinab.
Ter Angerufene schien ein wenig verlegen.
»Der schöne Morgen lockte mich, — ich weiß selbst noch nicht, wohin mein Weg mich führt!"
Dabei schwenkte er grüßend den hellgrauen Hut gegen den jungen Grafen, und dem Pferde die Sporen gebend, ritt er davon. Kopfschüttelnd schaute Siegfried dem Reiter nach, der es sehr eilig zu haben schien, den „schönen Morgen" zu genießen.
Erst später, beim Frühstück wurde Siegfried die Sache klar, denn als er zufällig dem Vater seine Verwunderung über Lothar und dessen ungewohnt frühe? Aufstehen auksprach, lachte Graf Düren auf: „Die Sache ist doch einfach. Lothar hörte gestern von mir, daß die Comteffe Rhonsdorff heute zum Besuch hier ertoartet wird, und da ist er ihr entgegen geritten, um sie schon unterwegs zu begrüßen."
„Aus purer Höflichkeit sollte Lothar seinen Morgenschlaf opfern?" äußerte Siegfried ungläubig.
„Na, felbstverständlich ist dabei noch etwas Anderes irn Spiel, ich merkte schon feit längerer Zeit, daß Lothar in Comteffe Beatrice wie toll verliebt ist. Aber es ist ihm doch bekannt, was zwischen mir und ihrem Vater beschlossen ist, und er sollte sich darnach richten. Ich weiß nicht", wandte sich Graf Düren an Santoff, >er ihm gegenüber saß, „ob Siegfried mit Ihnen )avon gesprochen hat, daß er und Beatrice ein Paar werden sollen?"
„Ja, allerdings", nickte der Fürst und betrachtete dabei angelegentlich seine glänzenden Fingernägel, als wäre daran etwas Besonderes wahrzunehmen.
(Kartsetzung felgt.)