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mit lern Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain.
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Marburg
Domiclstag, 4. April 1901.
Erscheint täglich sutzer an ebrniuge# uuu, wun- «uw jeutugen. EousraLöbeilase: JlluftrirteS Souutagsblatt.
Druck «ab vertag: Joh. Sag. Koch, UaiverfitätS-Buchdruckeret Marbura Markt 81. — Televhon 55
36. Jchrg.
Der südafrikanische Krieg.
Die Pest in Kapstadt macht immer weitere Fortschritte, und es stellt sich mit jedem Tage mehr und mehr heraus, daß sowohl die sanitären wie die Militär- und Polizei-Behörden außer Stande sind, genügende Vorrichtungen zu treffen, um den Herd der Epidemie zu beschränken und die nöthigen Absperrungen und Isolierungen gründlich durchzuführen. Seit Sonnabend Morgen find nicht weniger als 17 neue Fälle von Erkrankungen festgestellt worden, und unter den Angesteckten befinden sich sechs Europäer. Der Vorsteher und Leiter des militärischen Pest-Hospitals, ein älterer energischer Arzt, starb nach dreitägiger Krankheit an der fürchterlichen Seuche, und nunmehr find im ganzen bereits nahezu 320 Erkrankungsfälle konstatiert worden, während weiße und farbige, an der Pest gestorben sind. Die Panik in der Bevölkerung und speziell unter den Eingeborenen und Malayen vergrößert sich natürlich mit jedem Tage, und besonders die letzteren gerathen den Behörden immer mehr aus der Hand, da sie sich nicht zwingen lassen wollen, verschiedene mit ihren religiösen Vorschriften nicht vereinbare sanitäre Vorschriften einzuhalten. Es ist ein offenes Geheimniß, daß die Behörden die Gefahr so gering als nur möglich hinzustellen suchen, und es wird ihnen bereits zum Vorwurf gemacht, daß sie sogar mit den wirklichen Ziffern der Kranken und Todten möglichst zurückhalten.
Vom Kriegsschauplatz.
Nach einem aus Pretoria vom Dienstag datirten Telegramm des „Reuterschen Bureaus" streifen rings um Pretoria kleine Burenkorps, sie rauben Vieh, das sich verlaufen hat, und versuchen, Züge zum Entgleisen zu bringen Die Engländer haben Warmbad nach geringem Widerstande der Buren besetzt.
Entgegen diesen anscheinend sehr optimistisch gefärbten Berichten wird der „Voss. Ztg." aus London Folgendes berichtet: Ein Kapstädter Telegramm besagt, das Gerücht, daß Dewet zu Botha gestoßen sei, habe amtliche Bestätigung gefunden. Nach einer Brüsseler Drahtung des „Standard" ging in Utrecht am Montag eine Depesche aus Lourenzo Marques ein, wonach wichtige Ereigniffe auf dem Kriegsschauplatz bevorstehen. Botha und Dewet, die über 13 000 Mann verfügen, bereiten eine gemeinsame militärische Operation gegen die Armee des Generals French vor.
46: (Nachdruck verboten.)
Schwester Katharina.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
„Ein bischen Ruhe ist schon nöthig, Frau Baronin", meinte Herr von Schmersau. „Der Doktor hat ihm anbefohlen, sich ganz ruhig zu halten — eigentlich sollt' er auf dem Sofa liegen, aber da Sie Ihren Besuch ankündigten
„65 ist sehr unrecht von Ihnen, Herr vo« Bartfeld", zürnte die Baronin. „Augenblicklich legen Sie sich wieder nieder."
„Aber ich bitte ..."
„Wenn Sie mich nicht vertreiben wollen ..."
„Dann freilich muß ich gehorchen."
Henning fühlte sich in der That etwas erschöpft. Er legte sich nieder und ließ es ruhig geschehen, daß die Baronin eine warme, weiche Decke um ihn hüllte.
„Und nun, meine Herren," wandte sie sich freundlich an den Oberst und Herrn von Schmersau, „muß ich Sie bitten, unseren Patienten allein zu lassen. Er bedarf der Ruhe — Ihr Frühstück können Sie auf der Terasse beenden. Dyn jetzt an habe ich die Pflege unseres Freundes übernommen."
„Alle Wetter, gnädige Frau," rief Herr von Schmersau schmunzelnd, .für eine solche Pflegerin nähme ich auch einen Dolchstich gern in Kauf."
„Spotten Sie nicht, Herr von Schmersau — und — auf Wiedersehen."
Lachend empfahlen sich die Herren.
„Sie haben mir doch einen Dienst erwiesen,
General Buller.
Buller hat wieder einmal Gelegenheit genommen, eine feiner erheiternden Reden zum Besten zu geben. Jemand hatte kürzlich den für einen Engländer etwas seltsamen Einfall, an die trübselige Aufgabe zu gehen, die Leistungen der einzelnen englischen Feldherren am Kap zu vergleichen. Bei seiner traurigen Arbeit suchte er Erholung durch eine Unterredung mit dem Helden von Colenso, der sich also vernehmen ließ:
„Ich vermag nicht einzusehen, daß durch einen Vergleich zwischen Lord Roberts und mir irgend etwas zu gewinnen ist. (!) Lord Roberts hatte eine viel längere rückwärtige Verbindungslinie zu schützen als ich und hatte Südafrika vorher noch nicht kennen gelernt. Ich hatte viel schwierigeres Gelände und besaß bedeutende Kcnntniß des Landes. (?) Ich bin ganz sicher, daß er sein Bestes that und denke, daß es eine sehr gute Leitung war, und ich weiß, daß ich ebenfalls versuchte von Anfang bis zu Ende mein Möglichstes zu thun. Weshalb also Vergleiche anstellen ? Ich vermag keine Grundlage dasür zu erkennen. Können wir beide nicht unser Bestes gethan haben?"
Mit Erstaunen vernimmt hier die Welt zum ersten Mal, daß Sir Redvers Buller „bedeutende Kenntnisse des Landes" besessen hat. Es ist da bewuudernswerth, wie geschickt der große englische Feldherr bei den zahllosen bedauerlichen Unfällen, die ihm im Winter 1899)1900 in Natal passirt sind, diese Kenntnisse verheimlicht hat. Wen« im übrigen die englischen Generale um etwas zu beneiden sind, so ist es um ihre unzerstörbare Selbstzufriedenheit.
Umschau.
Die Handelskammern und der neue Zolltarif.
Die Agitation der Freihändler zu Gunsten einer Ueberweisung des Zolltarifentwurfs an die Handelskammern behufs eines Obergutachtens über die mit so großer Sorgfalt vorbereitete Vorlage wird beharrlich weiter betrieben. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, wie das Präsidium des deutschen Handelstages über die Wirksamkeit des wirthschaftlichen Ausschusses, der „unter Mitwirkung des Handelstages" eingesetzt ist, um Wünsche und Gutachten von Handelsvertretungen entgegenzunehmen, urtheilt. Das Präsidium des Handelstages hatte Veranlassung, sich gegen eine Herabsetzung des wirthschaftlichen Ausschusses durch die sogenannte „Centralstelle zur Vorbereitung von Handelsverträgen" zu wenden und erklärte am 25. Oktober 1898 u. a. das Folgende:
„Demgegenüber sei betont, daß der Wirthschaft- liche Ausschuß dazu berufen ist, die Bedürfnisse und
gnädige Frau", sagte Henning mit mattem Lächeln, „daß Sie die Herrn fortschickten. Der gute Schmersau wird leicht etwas laut und ich fühle mich in der That angegriffen."
„Sehen Sie! — Und nun liegen Sie ganz still und ruhen Sie ordentlich. Gegen Mittag komme ich wieder."
„Allein, gnädige Frau?" fragte Henning leise, bittend zu ihr aufblickend.
„Wenn Sie recht artig und — verständig sein wollen, bringe ich Kitth mit."
„O — ich danke Ihnen ..."
Sie legte mahnend den Finger auf die Lippen, nickte ihm freundlich zu und entfernte sich rasch u«b leise.
Mit geschlossenen Augen lag Henning da — halb wachend, halb im Traume — und athmete den köstlichen Wohlgeruch ein, welcher aus dem Park und von den nahen Bergen durch das offene Fenster hereinwehte. Ein wohliges Gefühl durchrieselte seine Glieder; eine innige Sehnsucht, die nichts Schmerzliches an sich hatte, beseelte ihn und in dem leichten Traum, der ihn umfing, sah er daS liebl.che Bild Kittys so deutlich vor Augen, als stände fie körperlich vor ihm.
Und dann war eS ihm, als streife eine leichte, weiche, warme Hand fein Haupt. Langsam schlug er die Augen auf — blieb ruhig, bewegungslos liegen — denn er glaubte noch im Traum befangen zu sein — Kitty stand vor ihm, ein verschämte» Lächeln auf dem reizenden Gesichtchen, dessen Wangen wie Purpurrosen erglühten.
„Gut geschlafen, Herr von Bartfeld?" fragte die Stimme der Baronin.
Wünsche aller Zweige des Handels, der Industrie und der Landwirthschast zu bearbeiten, daß der mit seiner Leitung betraute Staatssekretär des Innern aus's Bestimmteste versichert hat, es sollten alle — die großen und die kleinen — Gruppen der Gewerbetreibenden in vollem Maße beim Wirthschaftlichen Ausschuß berücksichtigt werden, und daß dessen Mitglieder, hervorragende Vertreter des Wirthschafts- lebens, für die Erfüllung der ihnen zugedachten und weit über den Rahmen ihrer eigenen Berufsthätigkeit hinausreichenden Aufgabe wohl dieselbe Gewähr geben, wie der Leiter irgend einer anderen Organisation, die mit ihrer eigenen Berufsthätigkeit auch nur eine beschränkte Zahl von Gewcrbszweigen vertreten können."
Hiernach ist, da der Wirthfchastliche Ausschuß thatsächlich in weitgehendem Maße die Gutachten aller von den Handelskammern und anderen kommerziellen Körperschaften vorgeschlagenen Sachverständigen entgegengenommen hat und da bei der Vorbereitung der Tarifvorlage alle diese Gutachten Vorgelegen und Beachtung gefunden haben, das Verlangen nach erneuten gutachtlichen Steuerungen ganz unverständlich und nur mit dem freihändlerischen Agitationsbedürfniß in Zusammenhang zu bringen. Vielleicht nimmt das Handelstagspräsidium Veranlassung, auf die obige Kundgebung zurückzukommen und der unverständlichen Agitation entgegenzutreten. k.
Italien und Deutschland.
* Reichskanzler Graf von Bülow hat eine Osterfahrt nach Venedig angetreten, wo er bis um die Mitte deS April zu bleiben gedenkt. Die Reise, die eine rein private sein sollte, beginnt einen politischen Anstrich zu erhalten. In den gestrigen Morgenblättern wurde mitge- theilt, der Reichskanzler werde mit dem leitenden Etaatsmanne Italiens, Herrn Zanardelli, eine Zusammenkunft haben. Dieses Zusammentreffen würde um deswillen bemerkenSwerth sein, weil dem Ministerpräsidenten Zanardelli dreibundfeindliche Absichten zugeschoben werden. Die „Berl. Reuest. Nachr.", denen man Beziehungen zum Auswärtigen Amt nachsagt, bringen darauf folgende anscheinend hochpolitische Note:
.An die Reise 'des Reichskanzlers Grafen von Bülow nach Oberitalien werden verschiedentlich politische Kombinationen geknüpft. Nach unseren Informationen trägt die Reise einen rein privaten Charakter. Der Reichskanzler hatte beim Antritt der Reife keinerlei Begegnungen mit politischen Persönlichkeiten im Auge, es war ihm auch keine Nachricht darüber zugegangen, daß der italienische Ministerpräsident, Herr Zanardelli, die Absicht habe, bei diesem Anlaß eine Begegnung mit ihm zu veranstalten".
Auch hier ist es der Ton, der die Musik macht; eS scheint hiernach nicht Alles zwischen den Kabinetten in Berlin und Rom zu stimmen.
Und dann sprang Henning empor. Es war kein Traum, es war holde Wirklichkeit: Kitty stand vor ihm und streckte ihm • die Hand zum Gruße entgegen.
„Fräulein Kitty — Baroneß. . ." stammelte Henning. „Verzeihen Sie, daß Sie mich schlafend fanden — aber wahrhaftig, ich träumte von Ihnen und nun glaubte ich noch immer im Traume zu sein, als ich Sie vor mir sah. Wie danke ich Ihnen, daß Sie gekommen find!"
„Ich habe Ihnen zu danken, daß Sie so treu über uns gewacht haben," entgegnete Kitty mit ihrer leisen, süßen Stimme. „Ich erschrak so furchtbar, als ich von Ihrer Verwundung hörte ..."
„Nichts »ehr von dem kleinen Unfall, Fräulein Kitty — ich denke kaum noch daran. Ich bin ja so froh und glücklich, daß ich Ihnen den kleinen Dienst leisten konnte."
„Müffen Sie das Zimmer noch hüten, Herr von Bartfeld?" fragte die Baronin. „QAisLE:
„Nein, gnädige Frau — bei diesem herrlichem Wetter? Das wäre eine Qual! Lassen Sie uns in den Park oder an den See gehen — es ist ja so schön — so herrlich hier!"
„Wir wollen auf der Terrasse frühstücken und bann eine kleine Bootfahrt unternehmen. Schließen Sie sich an?"
„Mit Freuden, gnädige Frau!"
Neues, frisches Leben schien in Henning erwacht zu sein. Jede Mattigkeit war verschwunden seine Augen leuchteten, seine Wangen glühten — ja, das war die Liebe, die wahre, echte Siebe — so jauchzte eS in feinem Herzen — die nicht
Die Demokratie und das Herrenhaus.
Alljährlich, wenn das preußische Herrenhaus seine Sitzungen beginnt, bringt die demokratische Presse Betrachtungen über die politische Bedeutungslosigkeit der ersten Kammer. Es ist schwer verständlich, daß die Herren Demokraten, die sich sonst mit Vorliebe al» Leibgarde der Verfassung aufspielen, das Herrenhaus, welches mit dem Abgeordnetenhause zusammen und verfassungsmäßig völlig gleichberechtigt den preußischen Landtag bildet, als qnantitä nSgligeable auszugeben. Die Demokratie aber geht auch in dieser Frage systematisch vor. Sie möchte das Herrenhaus ausgeschaltet wissen, um dadurch wieder eines der wichtigsten Prärogativen der Krone, aus die Zusammensetzung der ersten Kammer maßgebenden Einfluß auszuüben, zu beseitigen. Das fortwährende Bestreben, im Lande die politische Bedeutung des Herrenhauses herabzusetzen, hat nur den Zweck, allmählig den Boden für eine „Ausschaltung" vorzubereiten. Im Herrenhause selbst schenkt man den demokratischen Schmähungen keine Beachtung; ja die größte Mehrzahl seiner Mitglieder empfindet es als eine Ehre, von jener Seite geschmäht zu werden, besonders in einer Zeit, wo dieselben Blätter, die, wie die „Vosfische Zeitung" gegen das Herrenhaus hetzen, die Absicht, die Autoritäten zu schädigen, von sich abweisen. c.
Professor Ad. Wagner über das Schlagwort „Brotwucher".
Der Vorwurf des „Byzantinismus nach unten", den Professor Ad. Wagner mit Recht den Nationalsozialen gemacht hat, ist von diesen schwer übel genommen, ja als Beleidigung angesehen worden. In der „Täglichen Rundschau" verbreitete sich nun Pros. Wagner folgendermaßen über seinen Vorwurf im Vergleiche zu dem gegen ihn erhobenen Vorwurfe, als „Verteidiger des Brotwuchers" aufgetreten zu sein:
„Ich glaube (sogar) immer noch, daß ich den Nationatsozialen einen guten Dienst geleistet habe, indem ich sie darauf Hinweisen wollte, doch einmal ihre Gesammthaltung in der Arbeiterfrage und in der jetzt schwebenden agrarpolitischen und handelspolitischen daraus hin zu prüfen, ob darin nicht etwas liege, was mit jenem von ihnen mir übclgenommer.en, nicht irgend sie beleidigenden, aber fachlich treffenden Ausdruck richtig bezeichnet werde. Für mich persönlich habe ich auch nach wie vor die Ueberzeugung, daß ich mir keinen schlechten, sondern einen guten Dienst mit jener wahrlich wohlmeinenden Warnung geleistet habe. Indessen kommt dies persönliche Moment ja hier gar nicht weiter in Betracht.
Wollen die verehrten Herren jedoch durchaus in meiner Aeußerung einen sittlichen Vorwurf, eine Beleidigung sehen, so frage ich, sind andere, auch ich
fragt nach dem Woher und Wohin, die keine Bedenken kennt, keine Sorgen und Roth — nur Glück und Sehnsucht, sonniges goldenes Glück, wie der heutige, sonnige Sommertag deS Südens und innige Sehnsucht, gleich der lauen, dunklen, sternenfunkelnden Nacht.
Und auch Kitty war eine andere geworden. Jede Spur der früheren Kränklichkeit war von ihr gewichen. Sie lachte wieder wie ein fröhliches Kind, doch wenn sie allein war, versank sie in weiche schweigende Träumerei und dann füllten sich ihre braunen Augen mit glücklichen Thränen.
Das waren glückselige, wunderbare Tage, am blühenden, duftenden Gestade de» blauen Sees! Glückselige Stunden, wenn fie fich im buntbewimpelten Boot auf der leichtbewegten Flut schaukelten, wenn sie in den weinumlaubten Gängen deS Parks alter Schlösser und Dillen fich ergingen oder auf dem Gipfel der Berge standen und hinausblickten in das offene, herrliche Land. Glückselige Stunden, wenn fie Abends bei dem gedämpften Schein der Lampe auf der Terrasse saßen, schweigend auf das Rauschen der Bäume und daS leise Murmeln des Sees lauschten oder von der Heimat plauderten und in jedem ihrer Worte die versteckte Sehnsucht, die heimliche Liebe lag.
Laut durften fie ja von dieser Sehnsucht u«d Liebe nicht sprechen. Die Baronin hatte ihm daS Wort abgenommen, verständig zu sein, wie sie lächelnd sagte. „Vielleicht später, mein Freu»d," setzte sie Hinz«, „wenn sich alle Verhältnisse geklärt haben."
(Fortsetzung folgt.)