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Marburg
Donnerstag, 28. März 1901.
Erscheint täglich äuget an Lierriugrit naa, ci>an> une Hererlag*. Sonntagsbeilage: JllnftrtrlrO SonutagSdlatt.
Drnck and Verlag: Iah. Bug. Nach, UoiverfitätS-Buchdrucketel iR«rtmre Markt 91 — Televdoa 55
36 Jahrg.
In einigen Tagen
ist das erste Quartal dieses Jahres zu Ende. Mit chm läuft das Abonnement auf die „Qberhefstfche Zeitung" ab. Wir dürfen uns daher wohl an unsere Leser mit der Bitte wenden, so bald als mög. lich, die Beftellnug z« erneuern, damit in dem Weiterbezug der gewohnten Lektüre keine Unter» brechnng entsteht. Die Vierteljahrswende bietet uns aber nicht nur Anlaß zu der Bitte an alle unsere Seser, uns auch künftighin ihr Wohlwollen zu erhalten, sondern auch zu dem Ersuchen, unser Blatt in chren Bekanntenkreisen zu empfehlen und uns dadurch in dem Bestreben zu unterstützen, unsere Zeitung mehr und mehr auszubauen.
Das neue Vierteljahr wird nicht stiller werden alS daS alte. Die letzten Ereignisse in Ost- af ien haben bewiesen, daß dort sich schnell Reibungsflächen zwischen den Mächten bilden und daß leicht auS kleinen Reibungen ein großer Brand entstehen kann. Mit Aufmerksamkeit wird man daher der Entwirrung der chinesischen Angelegenheit folgen müffen. Auch der Burenkrieg wird jetzt nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen aufs Neue und in verstärktem Maße das Jntcrefle an sich fesseln. In der inneren Politik wird nach wie vor reges Leben herrschen. Hier wird vornehmlich der Kampf um die Handelsverträge dem Vierteljahr das Gepräge geben. So wird es für jeden eine Nothwendigkeit sich aus einer gnt unterrichteten und schnell bedienteuZeitung zu orientiren. Die bewährten Verbindungen der „Oberhesstscheu Zeitnng" bürgen dafür, daß sie diesen Anforderungen entspricht und rasch und zuverlässig ihre Leser auf dem Laufenden erhalten wird.
Nach wie vor werden wir auch dem lokalen und provinziellen Theile volle Aufmerksamkeit und besondere Pflege schenken; wir werden bestrebt fein, den Kreis unserer Mitarbeiter mehr und mehr zu erweitern und bitten unsere Freunde, uns in diesen Bestrebungen zu unterstützen. Anerbietungen nach dieser Richtung hin sind uns stets angenehm.
Für Inserenten bietet die .Oberhessische Zeitung' die Vortheile eines gut eingeführten ProvinzialblatteS Bereinzelte Leser in fremden Provinzen können dem Inserenten nichts nützen; er wird naturgemäß den größten Erfolg feiner Anzeigen bei einem Blatte haben, das nicht einen über ein weites Gebiet dünn- gesäten Leserkreis hat, sondern das mit seiner ganzen Auflage in Marburg und den nahegelegenen Orten verbreitet wird. Da daS bei der .Oberhefsifchen Zeitung' der Fall ist und sie die größte Auflage der in Marburg und der näheren Umgebung erscheinenden Zeitungen hat, kann sie alS Jnsertionsorgan bestens empfohlen werden.
Der AbounemeutSpreiS der .Oberhefsifchen Zeitung' betrkD Whe bisher bei allen Postämtern 2,25 Mk., in der Stadt Marburg 2 Mk. pro Quartal.
Redaktion und Verlag der .Oberhefsifchen Zeitung'.
Umschau.
Nochmal? die Erhöhung desGetreide- zolles.
np. Wie die sozialdemokratische Preffe sehr gegen ihre Absicht bereits durch den Hinweis darauf, daß der Preis deS Getreides auf dem Weltmärkte eine fortdauernd fallende Tendenz zeigt, und daß demzufolge ein Zollsatz von 9 Mk. für den Doppelzentner Weizen und 7 Mk. für den Doppelzentner Roggen schon nach 10 Jahren kaum mehr zur Aufrechterhaltung deS jetzigen Jnlandpreises auSreichen würde, die Forderung einer wirksamen Erhöhung, der jetzigen Zollsätze für Getreide als berechtigt nachgewiesen hat, so enthalten auch die Leitsätze, von denen der wissenschaftliche Hauptvertreter der sozialdemokratischen Anschauung Carl Kautsky bei Besprechung der Landwirthschaft in seiner Broschüre „Handelspolitik und Sozialdemokratie" auSgeht, eine beweiskräftige Rechtfertigung der in Aussicht genommenen Verstärkung des Zollschutzes für die deutsche Landwirthschaft. Der sozialdemokratische Nationalökonom hält es für volks- wirthschaftlich unerläßlich, einem Verfall der deutschen Landwirthschaft nach Kräften entgegenzuwirken. Er erkennt offen die Nothlage der deutschen Landwirthschaft an und spottet weidlich über den liberalen Optimismus in der Be- urtheilung der landwirthschastlichen Verhältnisse und über dessen ebenso sinnreiche wie bequeme Methode, die landwirthschastlichen Verhältnisse durch Berechnung der Zahl der Champagnerflaschen zu studiren, die einzelne Großgrundbesitzer bei Dreffel leeren sollen. Er schätzt die Bedeutung der Erhaltung der an den Agrarzöllen direkt interessirten landwirthschaftlichen Betrieben für die Gesundheit unseres Volks- körperS und unseres Erwerbslebens so hoch, daß er nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn jahraus jahrein 500 Millionen Mark zur Hebung der Landwirthschaft verwendet würden. Wenn er ferner selbst zugesteht, daß die von ihm zur Hebung der Landwirthschaft in Aussicht genommenen Maßregeln keine baldige Wirkung versprechen, und wenn insbesondere er selbst es auSspricht, daß an die von ihm allein vom sozialdemokratischen Standpunkte alS erstrebens- werth bezeichnete Nationalifirung des Grund und Bodens, das heißt der Beseitigung des Eigenthums an Grund und Boden, auch nicht entfernt zu denken ist, so folgt aus seinen oben zitirten Leitsätzen mit Nothwendigkeit, daß man zur Erhaltung der deutschen Landwirthschaft zu dem einzigen alsbald wirkenden Mittel, der Verstärkung de» Zollschutzes, greifen muß, wenn man das von ihm selbst al5 im Interesse unseres Volks- und Erwerbsleben- nothwendig zu erreichende Ziel, die deutsche Landwirthschaft vor dem Verfall zu bewahren, thatsächlich er
reichen will. So erweist sich denn in Wirklichkeit die erste volkswirthschaftliche Autorität der Sozialdemokratie als der wirksame Ver- theidiger der von der politischen Vertretung der Sozialdemokratie so scharf bekämpften Verstärkung des Zollschutzes für die deutsche Landwirthschaft.
Der Dreibund.
Die Frage, ob der Dreibund noch in alter Festigkeit bestehe, bez. ob er mit seinem Ablauf erneuert werden wird, ist neuerdings wieder Gegenstand lebhafter Preßerörterungen gewesen. Ursache dazu bot die letzte KabinetskrifiS in Italien, deren Ergebniß die Ernennung PrinettiS zum Minister des Auswärtigen war, dem man dreibundfeindliche Neigungen nachsagt. Neuerdings hat ein amerikanisches Sensationsblatt eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Zanardelli veröffentlicht, in der diesem gleichfalls unfreundliche Aeußerungen in Bezug auf den Dreibund in den Mund gelegt werden. Daß die Angelegenheit in politischen Kreisen nicht unbeachtet geblieben ist, beweist eine Note in der „Nordd. Allg. Ztg.", die augenscheinlich der Reichskanzlei entstammt und wie folgt lautet:
„Der Dreibund ist, namentlich in der Pariser Presse, in letzter Zeit zum Gegenstand vieler, aber meist unzutreffender Erörterungen gemacht worden.
Zunächst kann konstatirt werden, daß die Verbündeten Italiens zu keiner Zeit diesem Bedingungen oder auch nur Wünsche wegen der Verwendung der italienischen Armee auferlegt haben.
Ferner läßt der Dreibundvertrag allen drei Verbündeten volle Freiheit hinsichtlich der Festsetzung ihrer Land- und Seestreitkräfte. Falls einer der Verbündeten eine Verminderung seiner Armee durch seine eigenen Interessen für geboten hielte, würde dies weder dem Geist noch dem Buchstaben deS Vertrages widersprechen. Jeder der drei Theilnehmer am Dreibunde hat, sowohl für sich, wie auch für die beiden Verbündeten, an dem Grundsätze festgehalten, daß die Bestimmung der Heeresstärke lediglich eine innere Angelegenheit des betreffenden Staates ist.
Es ist zeitgemäß, auch diese Thatsache hervorzuheben gegenüber der von manchen Seiten geflissentlich verbreiteten Legende, daß die finanziellen Schwierigkeiten Italiens mit den vom Dreibunde auferlegten Verpflichtungen Zusammenhängen. Solche Verpflichtungen giebt es nicht.
Kämpfe der Eingeborenen in Südafrika.
Der Telegraph meldet unS fast jedes kleine Gefecht zwischen Buren und Engländern. Aus den jetzt eintreffenden, freilich immer noch sehr
spärlichen Berichten der auf dem Kriegsschau, platze gebliebenen Missionare ist aber zu er- sehen, daß die erst halb christianifirten Kaffer» und Bassutostämme die allgemeine Verwirrung benutzen, nach ihrer Väter Weise sich gegenseitig zu überfallen. So berichtet z. B. der Schweizer Missionar Thomas von Schiluwane am Olifantfluß : Als die Buren hier ausrückten, nahm der Befehlshaber de Villiers von Leydenburg den versammelten Häuptlingen das Versprechen ab, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen. Sie gaben es und haben es auch in der Mehrzahl gehalten. Aber Sikororo, der über einen Stamm der Bapedi herrscht, schickte nach einigen Tagen heimlich Boten zu seinen Gesinnungsgenossen, darunter Sekukuni IT., und forderte sie zu einem gemeinsamen Kriegszug auf. Er hatte es auf Schiluwane abgesehen, daS er denn auch bei Nacht mit etwa 1200 Mann über« fiel, noch ehe die christlichen Häuptlinge Maaghe und Mohlaba Kenntniß von seinen Plänen erlangten. Inmitten der Dörfer dieser 'beiden Häuptlinge liegt die evangelische Missions- statron. Im Missionßhause erwachte man durch den Ruf: „Die Dörfer brennen!" Gleich daraus klopfte eS am Thor. Die christlichen Eingeborenen kamen und baten um Munition. Der Missionar hatte glücklicher Weise vom Gouvernement 500 Patronen zu seiner Vertheidigung erhalten. Die gab er her. Sogleich begann der Kampf zwischen den brennenden Dörfern. Bald flogen die Kugeln um das Missionshaus. Von allen Seiten kamen Flüchtlinge herbei, die der Missionar in die Kapelle schickte. Die Christen schlugen sich besser, als die Feinde erwartet hatten. Als der Angriff glücklich znrück- gewiefen war, stellte sich heraus, daß sie nur ganz wenige Verwundete hatten, während von den Angreifern 50 Leichen und zahlreiche Verwundete den Kampfplatz bedeckten. Bezeichnender Weise schoben die Heiden hernach die Schuld am Mißlingen des Ueberfalls auf den Missionar. Sie behaupteten, sein Gebet, das er mit den Flüchtlingen in der Kapelle gehalten, habe eine Menge Feinde zu Boden gestreckt.
Deutsches Reich
Bertt«, 27. März.
- Der Herzog-Regen t Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin empfing am Sonntag in Schwerin die Vertreter der LandeS-Universität Rostock zur Abschieds-Audienz. Er vcrab- schiedete sich — schreibt man unS — mit herzliche» Worten und hob hervor, daß die Sorge um die Landes-Universität ihm immer am Herzen gelegen habe. Zum besonderen Zeichen dafür habe er sich- noch kurz vor seinem Scheiden entschlossen, die an der Landes-Universität bestehende Professur für Ohren-, 1 Nasen- und Kehlkopfkrankheiten in ein O r b i n a r i a t zu verwandeln. Der Rektor Prof. Dr. Langendorff sprach für die Universität seinen Dank au8 und theilte
Damen 40)
(Nachdruck verboten.)
iteinisch
Er
c. 25.
(1888
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strich
„Ich holte den für keinen Gentleman, der Son gewerbsmäßigem Spiel lebt!"
„Ah — der Marchese ist ein Spieler?"
„Als solchen kennt man ihn in den Kreisen der Hauptstadt und — man geht ihm dort wie iter aus dem Wege."
„Wie man solche Leute eben kennt!"
„Er ist kein Gentleman?"
Der Kolonel zuckte die Achseln und sich feinen starken weißen Bart.
Sinn, Sifen, ie ge°
Schwester Katharina.
Roman von O. Elster.
(Fortfehmrs4
„Ich danke Ihnen — aber ich möchte doch dem Herrn etwas schärfer auf die Finger sehen." „WaS haben Sie für ein Interesse daran? — Derartigen Menschen geht man lieber auS dem Wege."
„Sie kennen den Marchese?'
Henning stieg dar Blut in die Stirn. fühlte, daß sich die Zwei auf seine Kosten lustig «achten. Das Treiben des Marchese kam ihm mit einem Male doppelt verdächtig vor und er trat näher an den Tisch heran.
Da legte sich eine Hand auf feinen Arm. Der alte italienische Kolonel stand neben ihm. „Ich rate Ihnen mein junger Kamerad, sich mit dem Marchese nicht einzulaflen, sagte der Oberst leise in warnendem Tone.
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:g 1- sein ' zum affe 14.
„Ich bin Ihnen außerordentlich verbunden für Ihre Mittheilungen, die mich nun jedoch veranlassen, dem Herrn näher zu treten."
„Wie Sie wollen, Herr Kamerad — ich habe Sie gewarnt."
Damit begab sich der Kolonel in das Lesezimmer und vertiefte sich in die Abendzeitungen.
Henning trat wieder an den Spieltisch heran.
„Noch immer hier, Herr von Bartfeld?" rief ihm der Marchese zu.
„Wie Sie sehen," entgegnete Henning ruhig.
„Wollen Sie nicht Platz nehmen?"
„Ich danke."
„Aber Sie sehen, daß Sie die Mitspielenden genieren!'
„Ich hoffe nicht —'
Henning trat einen Schritt zurück, behielt jedoch den Marchese scharf im Auge. Sein Verdacht gegen denselben war durch dessen Worte nur noch gesteigert worden. Er bemerkte wohl den Ausdruck des UnmuthS und des AergerS auf der Stirn des Bankhalters und sah deutlich, wie dieser immer heftiger und nervöser die Karten mischte.
Das Spiel nahm seinen Fortgang. Aber je§t_ schien das Glück den Marchese merkwürdigerweise zu meiden; das Gold vor seinem Platze verminderte sich zusehends. -
Plötzlich — als er wieder einen hohen Satz verloren — sprang er auf und warf erregt die Karten auf den Tisch.
„Diable!" — knirschte erzwischenden Zähnen. „Ich muß Sie bitten, Ihren Platz zu wechseln mein Herr!' rief er Henning zu.
Aller Augen wandten sich dem jungen Deutschen zu.
„Ich wüßte nicht," entgegnete Henning ruhig, „was mich veranlassen sollte, ihrem seltsamen Wunsche nachzukommen.'
„So starren Sie mich gefälligst nicht so an!'
„Ich starre Sie nicht an — im klebrigen verbitte ich mir diese Art und Weise Ihres Benehmens."
„Diable! Ihr Blick geniert mich — Sie spielen nicht mit — infolgedessen haben Sie hier nichts zu suchen. Ich ersuche Sie, da- Zimmer zu verlassen!"
„Mit welchem Recht?"
„Mit dem Recht eines Gentleman einem — Spion gegenüber!"
Henning war bleich geworden. Er merkte, daß der Marchese mit Arficht Streit suchte, er wäre einem solchen unter anderen Umständen wohl auS dem Wege gegangen, doch die grobe Beleidigung durfte er um keinen Preis auf sich fitzen lassen.
So trat er dicht an den Tisch heran, mehrere Damen wichen scheu vor seinem festen Auftreten zurück.
„Ein Gentleman würde nicht handeln, wie Sie, Herr Marchese ..."
„Ah — Sie — Sie beschimpfen mich!"
Wütend streckte der Marchese dem ruhig dastehenden Henning die Fäuste entgegen. Die Damen schrieen auf und flohen auS dem Zimmer, mehrere Herren warfen fich auf den Wütenden der nur mit Mühe zurückgehalten werden konnte.
„Laßt mich," knirschte Righetti, „ich schlage den Schurken nieder ..."
„Marchese, ich bitte Sie — beruhigen Sie fich — der Herr wird Ihnen Genugthuung flebm — Sie haben ihn zuerst beleidigt, Eie find ihm Genugthuung schuldig..."
So klang eS wirr durcheinander und allmäh- lich schien fich der Marchese zu beruhigen. Der Wirth und der Oberkellner erschienen mit verstörten Gesichtern und baten Henning, fich zurück- zuziehen. Der Skandal sei unerhört — ihr Hotel sei ein» der ersten in dem Orte — eS dürfe von dem Streite durchaus nichts bekannt werden . . .
„Ich bitte Sie, mein Herr, beziehen Sie ein anderes Hotel ..."
Henning lächelte.
„Ich habe den Streit nicht provoziert, Herr Wirth," sagte er ruhig. „Ich habe daher auch keine Veranlassung, jenem Herrn aus dem Wege zu gehen. Wenn dem Herrn Marchese meine Anwesenheit nicht behagt, so mag er gehen!'
„Eie hätten dem Menschen schon lange die Thür toei|en müssen, Herr Wirt," mischte sich jetzt der alte Kolonel in daS Gespräch.
(Kmcksetznng s»lgt.)