«u dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhai«.
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Wenn die Behauptung wahr wäre, daß die
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[etiien. ES verlohnt sich deshalb der Mühe, rie zahlreichen Kundgebungen, welche in jüngster Jeit aus den verschiedensten Erwerbszweigen erauS über die Frage einer Erhöhung der
-rkennen, ob jene Behauptung irgendwelche Berechtigung hat.
Nochmals die Erhöhung der Getreidezölle.
für seine Erzeugnisse, auch die landwirthschast- lichen Arbeiter, die ja selbst in der Regel etwas zu verkaufen haben, sei eS Getreide, seien eS Schweine u. a. m., und dann, wenn ihre Arbeitgeber etwas verdienen, habe sie auch angemessene Löhne zu gewärtigen."
Das ist eine nicht mißzuverstehende Kundgebung aus rein bäuerlichen Kreisen. Und daß sie nicht künstlich gemacht ist, wie die von den freisinnig ' sozialdemokratischen Agitationsver- fammlungen stets „einstimmig" beschloffenen Resolutionen, dafür bürgt die Thatsache, daß von der süddeutschen demokratischen Volkspartei welche wahrlich keine Neigung verspürt, den ostelbischen Junkern Vorteile zuzuwenden, dennoch sechs Mitglieder im württembergischen Landtage für eine Erhöhung der Getreidezölle gestimmt haben, weil die unter ihren ländlichen Wählern herrschende Stimmung sie dazu zwang. Mit dem unlösbaren Widerspruch zwischen Großgrundbesitz nnd Bauernstand ist es also nichts.
Wie steht nun die Industrie zur Forderung der Landwirthe? Daß die Delegiertenversammlung des „Centralverbandes deutscher Industrieller" am 5. Februar d. I. mit allen gegen eine Stimme sich für eine ausreichende Erhöhung der Getreidezölle" erklärt hat, ist bekannt. Indessen die Mitglieder dieses Verbandes find ja in den Angen der Siemens, Barth und Genosien ohnehin schon ketzerische Abtrünnige; ihr Votum mag daher unberücksichtigt bleiben. Anders liegt die Sache aber mit den Verhandlungen des Deutschen H a y d e l s t a g e s. Zwar hat diese Versammlung sich schließlich gegen jede Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel erklärt, aber das ist überraschender Weise nur mit einer Mehrheit von drei Stimmen bei 291 Anwesenden geschehen. Offenbar ist eine so verschwindende Mehrheit noch keine genügende Unterlage für jene Behauptung der verbündeten Kommerzienräthe, der Beschluß verliert aber für dieselbe vollends jede Beweiskraft, wenn man die demselben vorauSgegangenen Verhandlungen an der Hand des stenographischen Berichts Prüft.
Da zeigt es sich, daß der Generalsekretär Rogaczy, als Vertreter der H a n d e l s k a m m e r zu Metz und Saarbrücken, sich für eine mäßige Erhöhung der Getreidezölle und zugleich für die von agrarischer Seite geforderte Aufstellung eines Maximal- und Minimaltarifes ausgesprochen hat. Dasselbe that der Vertreter des industriellen Handelskammerbezirkes Bochum, Herr BehrenS, mit der Begründung: „Wir alle erachten die Aufgabe, die Land-
vtirteljährlichir «,,n,Sprits: bei bet eptbition s ML, bei «B«n P-stämtrw 2L5 ML (epL »etzellgeld).
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Marburg
Mittwoch. 13 März 1901.
Die Reiter drängten sich um ihn — da fiel fein Arm schlaff herab, er schwankte, knickte zusammen nnd sank bewußtlos in die Arme Wilhelm DubeS, der ihn sanft auf den Rasen niederlegte.
12. Kapitel.
In Windhoek, dem Sitz des Landeshauptmanns und der Regierung, rief die Nachricht von dem WiederauSbruch deS Aufstandes an der Grenze große Erregung hervor. Die weißen Ansiedler traten theils als Freiwillige in die Schutztruppe ein — die der Landeshauptmann, Major Leutwein, eilig zusammenzog, um sie dem Feinde entgegen zu führen — teils schloffen sie sich zu einer Art Bürgerwehr zusammen, um Windhoek gegen etwaige Angriffe aufrührischer Hereros zu verteidigen. Freilich schloß sich sowohl der Oberhäuptling der Hereros wie auch Wittbooi der Kapitän der Wittbooi-BastardS, dem Kriegszuge gegen die aufständischen Khaua- Hottentotten an, aber im Bunde mit diesen waren auch Stämme der Hereros und einzelne Bastards, sowie die Buschleute der Wüste, sodaß vor allem Vorsicht geboten war.
Eine rege Thätigkeit herrschte in dem Lazaret und dem neuen Krankenhaus, das mit jenem vereinigt war. Unter Leitung einer Oberdiakonissin waren mehrere Schwestern aus Deutschland eingetroffen, welche jetzt alles zur Aufnahme der Kranken und Verwundeten vorbereiteten.
Die Ankunft der Letzteren sollte nicht lange auf sich warten lasten. Fast zugleich mit der ersten Meldung der Aufstandes langten auch :>ie in den Kämpfen von Rietsontän Verwundeten an, unter ihnen Henning von Bartfeld,
(Nachdruck verboten.)
Schwester Katharina.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
In erster Linie richtet sich der Vorstoß der reisinnig-sozialdemokratischen Agitation gegen - «X >ie Großgrundbesitzer, besonder» gegen die „ost- T." Ibischen Junker". Sie sollen allein den Vor- Eiskn $eiI bon ben Getreidezöllen haben, während ie ie Bauern und Kleinbesitzer davon nur ge- chädigt werden. Hier liegt also wohl der erste .unlösbare Widerspruch". Wie aber steht e»
wenn da von den Sozialdemokraten und Gegnern der Getreidezölle behauptet wird, der kleine Bauer habe doch nichts von der Erhöhung der Getreidezölle."
So steht es mit den übrigen Erwerbszweigen. Die Bauern, die Industriellen, die Industriearbeiter, soweit sie nicht im Banne der Sozialdemokratie stehen, sind völlig einig in der Be- urtheilung der Nothwendigkeit, die nothleidende Landwirthschaft durch wirksameren Zollschutz wieder zukräftigen und konsumfähiger zu machen. -r.
_____itt Wahrheit widerspricht, daß nur der Groß- M irundbesitz Vortheil von Zöllen habe, nicht aber er Mittel- und Kleinbesitz. DaS wisten wir ^uern besser! Wir haben alle ohneAus- lahme, vom Großgrundbesitzer bis her- >b zum kleinsten landwirthschaftlichen tagelöhner, einen Vortheil von dem Schutze inserer Arbeit durch landwirthschaft- iche Zölle, jeder an seinem Theile und nach )erhältniß seiner Besitzes, ja die kleinen Besitzer oft mehr al» die großen.
seder, der Landwirthschaft treibt, hat auch twaS zu verkaufen, sei eS was eS wolle, wo- : pjt soll er sonst seine. Steuern und sonstigen
Ein wildes Handgemenge entspann sich. In )öberi tchtem, untwirrbarem Knäuel jagte die Reiter- laffe über die Ebene — Schüsse krachten, Peere flogen, hin und wieder, die Sonne 3 Set änzte auf den blanken Klingen der Reiter — Ste inn löste sich der Knäuel in einzelnen Gruppen “f; die Trompete rief zum Sammeln, den kranke • emporschwingend hielt Henning
(171 ltt dem Trompeter auf einer kleinen Anhöhe, ____. ® ihn sammelten sich seine Reiter, kampfer- tzt, blutend, mit blitzenden Augen, auf schänmen- M Rosten.
rffiteJÜ schreckt blickten die braven Burschen Hause »f ihren Offizier. Er schwankte im Sattel nfflW ■feine Wangen wurden totenblaß — noch »enl'-Sly“1 raffte„ er sich empor: „Sergeant larterre -Herr Leutnant?"
-Ich bin verwundet — ich sterbe, übernehmen Kbar Kommando
«Herr Leutnant — — —"
«Leute — Kameraden — noch einmal — eS 'e der König . . . Hurra —"
Nach allen Richtungen jagte der geschlagene ML rinb auseinander und verschwand in der weiten ----- A>Pe. Jetzt konnte man einige Stunden un- Mört den Marsch fortsetzen und dann war «n in Sicherheit.
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100 „in unlösbaren Widerspruch zu allen übrigen ßrwerbszweigen" setzen, dann wären die Barth und Genosten nicht so ganz im Unrecht, wenn ie sich in ihren Agitationsversammlungen al» Vertreter der Gesammtinteresten der Nation
Erscheint täglich außer en Werktagen nach toonn» und Feiertagen.
So«,tagsd«Uage: Jllnstrirte» Sonntagsblatt. qr
D«ck nnb «erlag: Iah. Hug. «och, UniverfitätS-vuchbruckerei Oö xltlljly.
Jlarburq Merkt 21. — Telephon 55
Umschau.
Zum Geburtstag des Priuzregenten von Bayern.
Zu einer frohen, hehren Feier hat sich Baiern gerüstet: Am heutigen 12. März begeht der Prinzregent Luitpold fein 80. Geburtsfest. Mußten auch auf den Wunsch des hohen Jubilars gar viele prunkvolle Huldigungen unterbleiben, das Land hat es sich doch nicht nehmen lasten, an diesem denkwürdigen Tage seiner Liebe und Verehrung, die sich ja nimmermehr durch Pracht und Prunk ersetzen ließen, auch durch tausend festliche Veranstaltungen aller Art äußerlichen Ausdruck zu verleihen. Und von hellem Jubel, wie er nur dem Herzen entquillt, wird das kleinste Dorf, die kleinste Hütte widerhallen. Freudig bewegt nimmt das ganze deutsche Volk an dem bayerischen Familienfeste — denn ein solches in des Wortes schönster Bedeutung wird es sein — vollen Antheil; freudig sendet eS die ehrfurchtsvollsten Wünsche Baierns edlem Regenten, der zu seinen verehrungswürdigsten und verehrtesten Fürstengestalten gehört, der noch als einer der Wenigen lebendes Zeugniß giebt von den großen Tagen, da das Deutsche Reich unter ihrer treuen Mitarbeit zusammengeschmiedet wurde.
Mit den Bayern blickt auch das ganze deutsche Volk zu dem Prinzregenten voll Ehrfurcht empor als zu dem leuchtenden Beispiel aller Tugenden, als zu dem Dorbilde schlichter Einfachheit, wahrer Ritterlichkeit, bayrischer und deutscher Gesinnung. Möge Prinzregent Luitpold in gottbegnadeter Frische und Rüstigkeit wie bisher noch lange im Lichte der Sonne wandeln, möge er noch viele Jahre in kraftvoller Milde die Geschicke Bayerns leiten, diesem und dem Reiche zum Heile!
Der „Reichsanzeiger" schreibt: Seine könig« lrche Hoheit Prinz Luitpold, deS Königreichs Bayern Verweser, vollendet am 12. März sein achtzigstes Lebensjahr. Wird dieses seltene Geburts-
,,Schwester — Katharina — aber 'wahrhaftig gnädiger Fräulein, eS fällt mir sehr schwer — e» fällt mir sehr schwer — e» geht wirklich nicht!"
„Nun, Sie muffen sich schon daran gewöhnen."
Kopfschüttelnd entfernte sich Wilhelm Dube. ES wollte ihm durchaus nicht in den Sin«, daß feines Herrn frühere Braut, das reiche und vornehme Fräulein Käthe Gehrmann, hier in dem wilden Lande einfache Krankenwärterdienste versah.
Nach und nach erwachte Henning zu neuem Leben. Da» Fieber wich mehr und mehr, und wenn auch noch eine große Schwäche zurückblieb und die äußerste Ruhe nöthig war, so erklärte der Arzt doch, daß eine unmittelbare Gefahr nicht wehr vorhanden fei. Freilich erheische die verwundete Lunge eine sorgfältige Nachkur und längeren Aufenthalt in einem milden Klima.
Mehr träumend, als wachend ruhte Henning aus feinem Lager. Durch da» offene Fenster des Zimmers trug der laue Wind die Düfte de» Gartens, der das Hospital einfchloß, er säuselte in den Kronen der Akazien und Kameldornen und raschelte in den harten Blättern der Kakteen und Mimosen, welche die Hecke de» Garten? bildeten.
Henning sann über eine Erscheinung nach, toeltöe er in letzter Nacht gesehen zu haben glaubte. Es war ihm gewesen, als habe sich Käthe Gellrmann über fein Lager gebeugt al» )abe ihre weiche, kühle Hand sich sanft auf eine Stirn gelegt und als hätten ihre Lippen ihm einen freundlichen Gruß aus der Heimat zugeflüstert. (F-Rfetzung felgt.)
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Ifin Agrarier sich mit ihrem Verlangen nach Er- »an-! Höhung der jetzigen landwirthschaftlichen Zölle
— Dor uns liegt die Eingabe, welche der Bayerische Bauernbund" und der Hes- ische Bauernbund" soeben an die deutschen (13 fürsten, den BundeSrath und den Reichstag gerichtet haben. Da wird „ein gleichmäßiger ® Zoll von mindestens 7 Mark auf alle Haupt- "*letieibeaiten" gefordert. Zur Begründung JJiefer Forderung heißt eS dann wörtlich:
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Kittel flentlichen Lasten und Abgaben bezahlen. Jeder stauch interefsirt an auskömmlichen Preisen
wirthschaft gesund zu erhalten, für eine der vornehmsten für alle, die berufen find, an diesen großen wirthschaftlichen Fragen mitzu«irbeiten." Endlich erklärte Dr. Beumer namens des „Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Jnteresten in Rheinland und Westfalen" und der „Norddeutschen Gruppe de» Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller", daß die Industrie höhere Zölle fordere: „weil wir nach den Erfahrungen, die wir an der Industrie haben, der Begründung nicht beizutreten vermögen, daß jeder Getreidezoll eineVertheuerungoderHerabdrückung der Lebenshaltung in sich schließt." Dr. Beumer "fügte noch hinzu, die Industrie habe ein großes Interesse an einer konsumkräftigen Landwirthschaft. Deßhalb wüßten auch die Arbeiter in seinem Bezirk die Getreidezölle anzusehen, nicht bloß vom sozialdemokratischen Gesichtspunkt auS, sie wüßten vielmehr, daß auch der Laudwirth leben muß, und begriffen sehr Wohl, was eine konsum- kräftige Landwirthschaft für die Industrie bedeutet.
Für die Richtigkeit dieser seiner Beurtheilung der unter den Industriearbeitern herrschenden Stimmung hat Dr. Beumer soeben aus Arbeiter- kreisen selbst eine vollgiltige Bestätigung erhalten. Der „Bergknappe", das Organ des „Centralvereins der christlichen Bergarbeiter", spricht es mit großer Entschiedenheit aus, daß „die Industriearbeiter ein bestimmtes Interesse daran haben, wenn der Landwirthschaft durch angemeffene Erhöhung der Getreidezölle aufgeholfen wird." Diese verständigen, vorn Terrorismus der Sozialdemokratie nicht beherrschten Arbeiter haben den Kern der Frage richtig erkannt. Sie wiffen, daß alle Organisationen an der Thatsache nichts ändern können, daß sich der Lohn nach Angebot und Nachfrage richtet. Und weil, wie der „Bergknappe" ausführt, „die Arbeiter, welche den Industrie - Arbeitern aller Branchen die Löhne durch Angebot ihrer Arbeitskraft herabdrücken, zum-weitaus größten Theile aus der Landwirthschaft kommen, deshalb sind sich alle Industriearbeiter darüber völlig einig, daß diese au8 den ländlichen Gegenden kommenden Lohndrücker vor Allem fern gehalten werden muffen. „Die Landwirthe, fo heißt es weiter, „müssen in den Stand gesetzt werden, selbst höhere Löhne zahlen zu können. Das wird ihnen durch die angemessene Erhöhung der Getreidezölle ermöglicht werden. Denn es ist Unsinn, welcker außer einem Schuß durch die Schulter einen tiefen Speerstich in die Brust erhalten hatte. Durch den Stoß war die Lunge verletzt und der Stabsarzt Doktor Richter zweifelte an dem Aufkommen des jungen, tapferen Offiziers.
In heftigem Fieber sich umherwälzend oder apathisch daliegend, ruhte der Verwundete auf seinem Lager, von Wilhelm Dube und den Schwestern Marie und Antonie gepflegt. Auch die Vorsteherin des Krankenhauses saß oft an Hennings Lager, doch entfernte sie sich stets, sobald der Verwundete aus seinem Fieberschlummer erwachte.
Wilhelm Dube erschrak nicht toeuig, als er die Vorsteherin zum ersten Mal erblickte. Sprachlos starrte er mit seinen ehrlichen Augen auf ihr blaffe« durchgeistigte» Antlitz, über deffen Züge ein flüchtiges Erröthen huschte.
„Sie wundern sich, mich hier zu sehen?" fragte sie freundlich.
„In der That, gnädige» Fräulein" — stammelte der wackere Wilhelm Dube. „Gnädiges Fräulein in dieser Kleidung ..."
„Sie dürfen mich jetzt nicht mehr gnädiges Fraulem nennen," fuhr die Oberin fort. „Ich bin hier nur Schwester Katharina, nicht mehr als Schwester Marie und Antonie. Sagen Sie aber Herrn von Bartfeld noch nicht, daß ich jier bin. Die Ueberraschung würde ihm un- bebihgt schaden. Wenn er sich wieder mehr gekräftigt fühlt, werde ich mich ihm selbst entdecken."
„Wie Sie wünschen, gnädige» Fräulein ...' Sie drohte ihm lächelnd mit dem Finger. „Wie sollen Sie mich nennen?"