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Marburg
Sonntag, 10. März 1901.
Grlcherm rägttch außer en Werktage« nach tos an* unb Feiertagen. Sonntagsbeilage: JllnftrtrteS Sonntagsblatt.
Dmck unb Verlag: Joh. «ug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckeret jRerburfl Markt 81. — Telephon 65
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„Zeitunksstimmen des Auslandes"
.bilden nicht ganz mit Unrecht eine stehende iztubrik in der deutschen Tagespresse. Es ist nicht selten von Wichtigkeit, das deutsche Lesepublikum über die Auffasiung aufzuklären, welche den auswärtigen Blättern über die deutsche Politik zu Tage tritt; auch ist es sicherlich nicht uninteressant, zu erfahren, wie das Ausland Erklärungen und Kundgebungen auf-
mcht bloß von der schutzzöllnerischen, sondern auch von der freihändlerischen Presse Deutschlands als durchaus hinfällig bezeichnet und in
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Der Verfasser der in Rede stehenden Petersburger Artikel hat sich die Anschauung und M Beweisführung der deutschen Freihändler in so vkklU hohem Maße angeeignet, daß, allerdings mit _ sich 1 Unrecht, in der deutschen Presse die Dermuthung :it (7» hervortrat, diese Artikel seien von den journalisti- m BoU schen Vorkämpfern des Widerstände- gegen die Politik des Schutzes der nationalen Arbeit in hen b» das rufsische Blatt lancirt. Umso unliebsamer dürfte der Verfaster überrascht gewesen sein, als er erkennen mußte, daß fein Haupttrumpf
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nimmt, welche von Zeit zu Zeit von autoritativen deutschen Stellen erfolgen. Insofern Aeußerungen der ausländischen Presse die Stimmung und Auffasiung von Kreisen widerspiegeln, welche als internationale Machtfaktoren für unsere Beziehungen zum Auslande von Bedeutung find, hat deren Mittheilung in der deutschen Presse auch ihre besondere Berechtigung und ihre Kenntniß für das deutsche Publikum auch besonderen Werth. Anders verhält es sich mit den Versuchen, solche Preßäußerungen deS Auslandes gegen die Wirthschaftspolitik des eigenen Landes in dem Sinne zu verwerthen, daß auS Preß- äußerungen, wie den jüngst viel besprochenen russischen, gefolgert wird, Deutschland fei wirth- „-X schaftlich vom Auslande abhängig und müsse seine Zoll- und Handelspolitik dessen Wünschen anpasien. Solche Bestrebungen entbehren angesichts der Thatsache, daß Deutschland sowohl als Producent, wie als Consument stark genug ist, sich allein sein eigenes Interesse zur Richtschnur seiner Zoll- und Handelspolitik dienen und sich darin durch keinerlei ausländische Preßkanonade beirren zu lassen, jeglicher thatsäch- lichen Unterlage. So werden auch jene russischen Preßäußerungen, so sehr ihre etwas sensationelle.Aufmachung die Aufmerksamkeit zu erregen bestimmt schien, doch nur die Bedeutung eines solchen immerhin interessanten Stimm-
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(Nachdruck »erbeten.)
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Schwester Katharina.
Montan von Ö. Elster.
(Fortsetzung.)
Freilich, eine Paradetruppe im Sinne deS Exerzierreglements war diese Schar kampfgewohnter Reiter nicht, aber man sah es auf den ersten Blick, daß sie vor keiner Gefahr zurückschreckten und es mit einem zehnfach überlegenen Feinde aufzunehmen gewohnt waren.
Hier, in diesem wilden Kriege barbarischen Völkerschaften gegenüber, in dem Lande ohne Weg und Steg, bald unter freiem Himmel bei brennender Sonnenglut oder heftig niederströmendem tropischen Regen ruhend, bald in elenden Lehmhütten der Bastards kampierend, bald dahinjagend über endlose Steppen hinter dem fliehenden Feinde, bald sich mühsam den Weg zwischen dem Felsengeröll des Gebirges bahnend — hier entwickelten sich die höchsten, wahrhaft kriegerischen, soldatischen und menschlichen Tugenden, denn hier war nicht nur ein jeder auf seine eigene Kraft angewiesen, sondern die eigenartigen Verhältnisse schufen auch eine weit innigere Kameradschaft, als in den Ver- hältnisien eines großen, auS allen möglichen Elementen zusammgesetzten Heeres.
Voll Vertrauen überflog auch jetzt Hennings Auge seine kleine Schar, die ruhig seine Befehle erwartend dastand, ohne mit der Wimper zu zucken angesichts der drohenden Gefahr.
.Wir werden wahrscheinlich einen heißen Kampf zu bestehen haben, Kameraden," sagte
leweiskräftiger Weise zurückgewiesen wurde. Völlige Uebereinstimmung bestand in der deut- chen Presie beider Richtungen darüber, daß die Behauptung jener Artikel, Rußlands Getreideeinfuhr sei von dem deutschen Markte unabhängig und auf die Erhaltung des letzteren mithin nickt nothwendig Rücksicht zu nehmen, ein Scheinargument ohne jegliche thatsächliche Interlage ist. Bei der geographischen Lage Rußlands ist Deutschland das für seinen Mitbewerb mit den außereuropäischen, Getreide ausführenden Ländern weitaus günstigste Absatzland. Aus )en anderen europäischen Märkten konkurriren diese mit Rußland unter weit günstigeren Bedingungen, sodaß die russische Getreideproduktion große Opfer zu bringen haben würde, um ihre Konkurrenz zu bestehen. Vor Allem aber ist Deutschland der einzige Hauptkonsument für den Ueberschuß des russischen Roggens, England und Frankreich kommen für Roggen so gut wie nicht in Betracht, und Hollands und Skandinaviens Bedarf reicht nur für einen kleinen Bruchtheil deS russischen Ausfuhrroggens aus. Die Verschließung des deutschen Marktes wäre ,aher für die rufsische Getreideausfuhr ein geradezu vernichtender Schlag.
Das scheint man allmählich auch in Rußland einzusehen. Nach den neuesten Nachrichten beginnt die russische Presie bereits abzuwiegeln. So sagt die .Nowosti": .Man müsie im Interesse beider Länder sich nach Kräfte« bemühen, den Ausbruch eines gefährlichen schädlichen Zollkrieges zu verhüten. Dies könne erreicht werden, ohne daß die Abhängigkeit der Mächte darunter litte. Wenn die Getreidezollerhöhung nur unbedeutend sei, so sei auch die Erneuerung des Handelsvertrages möglich." Auf einer solchen Grundlage werden sich die Verhandlungen mit Rußland ermöglichen lasten. Sache der Verhandlungen selbst wird dann die Festsetzung der Zollhöhe sein. Da Rußland jetzt einzusehen scheint, daß ein Zollkrieg nicht seinen Jnteresien dient, wird eine Verständigung auf mittlerer Linie Wohl möglich sein. Jedenfalls aber bedeutet die obige Aeußerung des russischen Blattes ein Eingeständniß, daß der auf eine hinfällige Operationsbasis gegründete Feldzugsplan ein Fehlschlag im vollsten Sinne deS Wortes war. u
Umschau.
Zum Attentat auf den Kaiser.
Zu dem gestern von unS mitgetheilten Bulletin wird der .Nat.-Ztg." geschrieben:
Henning. „Ich schätze die Schar der Feinde auf etwa zweihundert! Wenn sie uns in der That angreifen! gilt es unsere Standhaftigkeit und unfern Muth aufs Beste zu beweise«, doch ich brauche Euch ja nicht erst zu ermahnen! Ihr kennt ja den Kampf mit diesen Wilden und wißt, daß es vor Allem gilt, kaltes Blut zu behalten."
Ein flüchtiges Lächeln huschte über die gebräunten Gesichter der Männer. Sie hatten gelernt, jeder Gefahr ruhigen Blutes in das Auge zu schauen.
.Sergeant Müller," wandte sich Henning an den bärtigen Unteroffizier, .reiten Sie mit drei Mann dem Feinde entgegen und suchen Sie seine Absicht zu erkunden. Auf ein Gefecht lasien Sie sich aber nicht ein. Sollten die Gegner überraschend angreifen, so ziehen Sie sich unter fortwährendem Schießen zur Station zurück. Wir wisien dann, woran wir find."
.Zu Befehl, Herr Leutnant," entgegnete der Sergeant, wählte sich drei tüchtige Reiter aus und nach kurzer Zeit galoppierte er mit ihnen in die Ebene hinaus, bald hinter der nächsten wellenförmigen Erhebung verschwindend.
„Ihr Anderen," befahl Henning den Zurückbleibenden, .begebt Euch auf die Euch bekannten Posten. DaS vordere Thor wird geschlosien, das hintere bleibt vorläufig unverschlosien. Die Pferde stehen bereit! Vorwärts — auf Eure Posten!"
In wenigen Augenblicken hatte die Besatzung die schon vorher bestimmten Stellungen an der Umfassungsmauer der Station eingenommen. Die „boys" (Diener und Pferdewärter) standen bei den ansgezäunten und gefältelten Pferden
Das für die Beurtheilung der Verletzung wichtigste und erfreulichste Moment ist, daß kein Wundfieber eingetreten ist. Die behandelnden Aerzte hatten befürchtet, daß in Folge der Verwundung und des unvermeidlichen Chocs, der eelischen Erregung deS Kaisers vielleicht auch >urch zunächst nicht absolute Reinhaltung der Wunde ein.Wundfieber eintreten könnte. Das Alles ist aber glücklicher Weise an der kräftigen und gesunden Natur des Kaisers abgeprallt, und er hat auch bereits seinen Humor wiedergesunden. In einem Telegramm, das der Kaiser gestern an den Prinzen Heinrich nach Bremer- javen sandte, sagt er: „Ich sehe aus, als wenn ich aus China käme". Diese humoristische An- pielung auf die chinefischen Boxerkämpfe bezieht ich vermuthlich auf den Verband, den der Kaiser trägt. Die rechte Gesichtshälfte ist dem aus weißen, aseptischen Gazestreisen bestehenden Verbände vollständig verdeckt und, damit er sich nicht verschiebt, sind weitere Verbandstreifen um Kopf und Kinn kunstvoll geschlungen. Frei vom Verbände sind nur die linke Gesichtshälfte und das linke Auge. Das sieht schreckhafter aus, als es in Wirklichkeit ist. Doch ist hier ein Zuviel immer bester und nützlicher als ein Zuwenig. Geheimrath von Bergmann hat den Grundsatz, den er auch seine Schüler in der Klinik stets lehrt, jede Wunde wie eine infizirte zu behandeln, sobald auch nur der geringste Verdacht vorliegt, daß sie mit irgend einem unreinen Stoffe in Berührung gekommen sein könnte. Erweist es sich im weiteren Verlaufe der Behandlung, daß keine Jnfizirung der Wunde stattgefunden hat, um so besser für den Patienten und um fo vortheilhafter für die fchnelle Heilung. Nach diesem bewährten Grundsatz hat Geheimrath v. Bergmann auch die Wunde des Kaisers behandelt, und es läßt sich nach dem Befinden des Kaisers mit Gewißheit sagen, daß eine Infektion in keiner Weise stattgefunden hat und daß die Schließung der Wunde in durchaus normaler Weise erfolgen wird.
Die Geschäftslage des Abgeordnetenhauses.
Die zweite Lesung des Kultusetats nimmt, wie zu erwarten stand, wegen der bei diesem Etat zur Erörterung stehenden verschiedenen wichtigen Fragen (Schulreform, Kreisärzte, Schulaufsicht u. s. w.) eine fehr lange Zeit in Anspruch. Daher wird die zweite Berathung deS Etats höchstens am Schluß der nächsten Woche zu Ende geführt werden können. Die dritte Lesung kann dann in der Woche vom 18. bis 23. März stattfinden und bleibt dem
und die Hereros waren zu Fuß in das Vorterrain und die Berge gesandt, um sich gegen überraschende Angriffe zu sichern. Wie Leoparden glitten die braunen Hererokrieger durch die Büsche und das hohe Gras, das sich kaum bewegte und über den Dahinkriechenden zu - sammenschlug, wie die Wellen des Meeres über dem Taucher.
Tiefe, feierliche Stille herrschte ringsum — das Schweigen der Wüste, der unendlichen Grassteppe. Glühend heiß brannte die Sonne von dem wolkenlosen stahlblauen Himmel nieder kein Lüftchen regte sich, kein Blättchen, kein Grashalm bewegte sich. Die Tiere der Steppe lagen in ihren Schlupfwinkeln verborgen, selbst die Vögel schienen unter der Schwere der glühenden Lust lautlos und still unter dem schattigen Blätterdach der Büsche und Bäume zu kauern.
Henning hatte schnell eine kleine Stärkung zu sich genommen und stand jetzt auf der Plattform des Blockhauses, wo er durch den Krimstecher aufmerksam den in Dunst gehüllten Horizont beobachtete, während Wilhelm Dube mit dem Karabiner iy der Hand hinter seinem Herr» stand.
Henning wußte, daß die Bastards und Hottentotten während des Tages kaum die Station offen angreifen würden. Sie kannten die mörderische Wirkung der Repetierkarabiner und wußten, daß die wohlbefestigten Stationen von muthigen und thatkrästigen Männern ver- theidigt wurden.
Station Rietfontän war außerdem so angelegt, daß sie etwa tausend Meter vor sich freies Schußfeld hafte, während sie sich im Rücken an
Herrenhaus für seine Etatsberathungen die Woche vor Palmarum. Dastelbe hält seine nächste erste Sitzung am 23. März ab. ES wird also die rechtzeitige Fertigstellung des Etats mit genauer Roth gelingen.
Nach der Erledigung des Etats steht dem Abgeordnetenhause zunächst nur noch wenig Arbeitsmaterial zur Verfügung und ist anzunehmen, daß die Osterferien etwa am 27. März wginnen werden.
Nach Ostern wird im Allgemeinen für dar Plenum viel freie Zeit bleiben und die Hanpt- arbeit in den einzelnen Kommissionen (für die wafferwirthschaftliche Vorlage, die Provinzial- wtationen u. s. w.) liegen. Gegen Pfingsten wird der Bericht der Kommission über die wafferwirthschaftliche Vorlage erwartet und die zweite und dritte Berathung deffelben dann im Plenum beginnen. Wie viel Zeit die zweite und dritte Berathung dieser Vorlage erfordern wird, steht dahin. Da überdies die Aussichten der Vorlage in den beiden Häusern durchaus ungewiß find, ist der Schluß des Landtags kaum vor Ende Juni zu erwarten, und in welcher Form der Schluß der Berathungen eintreten wird, ist ebenfalls noch völlig unsicher.
Wie die Demokratie unsere Handelsverträge „verbessern" will.
Die , Franks.-Ztg." schreibt: „Gewiß, die bestehenden Verträge find verbefferungsfähig und verbefferungsbedürftig. Wie sie zu ver- beffern sind, das haben wir durch die inzwischen gemachten Erfahrungen ziemlich genau kenne« gelernt. Was heißt aber hier: Verbesserung? Es bedeutet nichts anderes als Erleichterung unserer Warenausfuhr. Auf eine solche Erleichterung hat unsere Industrie schon deshalb Anspruch, weil sie allein den jährlichen Bevölkerungszuwachs, aufnimmt. Eine solche Erleichterung erfordert aber eineHerabsetzung der Zölle, die wiederum nur durch Konzessionen zu erlangen ist." Wie lange wird man aber bann wohl noch irgend etwas „konzedieren" können, wenn sogar noch unter die vor zehn Jahren gemachten Konzessionen herabgegangen werden soll, während die ausländischen Staaten ohne Ausnahme ihre Zolltarife erhöht haben? Für unsere ausländifchen Konkurrenten mußte es freilich eine Lust sein, mit Unterhändlern, die derartige national-wirthschaft- liche Grundsätze haben, zu verhandeln. c.
steile, kaum ersteigbare Felsen anlehnte. Wohl verproviantirt und mit Waffer versehen, konnte man einem Angriff schon ruhig entgegensehen.
Das einzige Bedenkliche lag in der Möglichkeit, daß die Feinde die Quelle, welche die Station mit Waffer versorgte und die etwa zwanzig Minuten entfernt in dem Gebirge entsprang, entdeckten und ableiten konnten. Zwar war stets ein gefülltes Wasserreservoir in der kleinen Festung, aber der Verbrauch an Waffer war auch der Pferde wegen ein fehr großer. Ohne Waffer hätte man sich kaum einige Tage halten können, wenn man nicht Pferde opfern wollte.
Doch vorläufig war an eine solche Eventualität noch nicht zu denken. Wenn sich die Hottentotten erst einmal blutige Köpfe bei einem Angriff auf die Station geholt hatten, würden sie recht bald wieder verschwinden.
Langsam und träge schwanden die Stunden dahin. Schon glaubte man, daß die wilde« Horden von einem Angriff Abstand genommen hätten, als gegen Abend an zwei Stellen einer das Schußfeld begrenzenden Terrainwelle kleine Dampfwölkchen aufstiegen und zwei schwache Detonationen vernehmbar wurden.
„Unsere Patrouille hat geschaffen, Herr Leutnant!" rief Wilhelm.
Im nächsten Augenblicke erschienen auch schon Sergeant Müller und die drei Reiter auf dem Kamme der Bodenwelle, schossen nochmals ihre Karabiner ab und jagten in gestrecktem Galopp auf die Station zu.
„An die Gewehre!" ertönte das Kommando Hennings, während er selbst an das Thor eilte, um Sergeant Müller und seine Leute z«