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ÄedoHito- Mt Zelle 96 (Bfg.
Marburg
Mittwoch. 13 Februar 1901.
Eklchetm lagtiq nutzer en iSerhagen nach tvonn- uno getertageu. DouutagSbeilage: Jlluftrirle» Souutagsbiatt.
Druck nnb Rering: Iah. Lug, Koch, Uukerfitätt-Buchbruckerrt jSerbnre Markt 91. — Telephon 5S
36 Jahrg.
I Der südafrikanische Krieg.'
I Dom Kriegsschauplatz
ILpt eine ganze Reihe Berichte über blutige Mipse vor. Zunächst ist Botha bei Bothwell !^den Engländern zusammengestoßen. Ein j-rshtbericht der „Tgl. Rdsch." aus London L|btt darüber:
1 Pach Berichten aus Pretoria leitete Botha Msönlich einen glänzenden Angriff von 2500 Ettn auf die Brigade Smith-Dorrien bei M^well. Die Engländer zogen sich nach sechS- Ebigem Kampfe mit 29 Tobten, 74 Verödeten zurück; 22 Engländer waren ge- Lm. Die Verluste der Buren waren schwer: k Kommandanten, 2 Feldkornets, 20 Mann Eden getödtet, über 50 Mann sind ver- Eidet. Eine andere Abtheilung der Engländer Mhte ohne Kampf Ermelo. Die Buren gingen Mck und nahmen bei Amsterdam eine feste Wung ein.
M Lord Kitchener meldet über daffelbe Ge» Mt aus Pretoria vom 9. Februar: „Die im Men operierenden britischen Truppen- Mheilungen haben am 6. Februar Ermelo K geringem Widerstand des Feindes einge- ■mmen. Ten Friedensunterhändler, welcher Du Lode verurtheilt ist, und die übrigen Ge- Mgenen haben die Buren mitgenommen; alle Eichte besagen, daß die Buren sehr erbittert M. 50 Buren haben sich den Engländern er- M'n. Am 6. Februar, 3 Uhr Morgens, hat MS Botha mit 2000 Mann den General Wich-Dorrien bei Bothwell angegriffen, wurde Wrnach schwerem Kampfe zurückgeworfen. M eingegangenen Meldungen zufolge hat der Wsche Vormarsch nach Osten alle Berech- Wyen des Feindes um gestoßen (?) und in ■em Gebiet eine regelrechte Panik erzeugt. (?) ■Wet scheint südlich der JagerSfontein-Straße ■ Bahnlinie überschreiten und dann gen Wen marschieren zu wollen. Es ist ihm nicht Wmgen, durch die Driften östlich von Bethulie ■ Uebergang über die Bahnlinie zu bewerk- Wigen. — Calvinia ist am 6. Februar von Mille besetzt worden. Der Feind zieht sich M Kenhardt zurück. Das im Innern der ■Monte operierende Kommando wird gegen- Mtig nach Norden über Aberdeen hinaus WÄckgetrieben."
| Zur Kritik fordert Kitcheners Bemerkung M, daß infolge dieser Operationen im süd- Wichen Transvaal unter den Buren eine Panik ■gebrochen sei; die Thatsache, daß Botha mit MV Mann noch am 6. ds. einen überlegenen
1 (Nachdruck »erbeten.)
k Schwester Katharina.
4 Roman vo» O. Elster.
I (Sortierung.)
r «Ich werde daran denken, Vater," ent- Rnete der junge Offizier mit fester Stimme. Wr seine Wangen überflog eine leichte Bläffe M um seine Lippen zuckte es schmerzlich.
| .Ich habe Dein Wort, Hennning?" | .Du hast es, Papa."
W.Jch danke Dir, mein Junge! Verzeih mir, ■*R ich Dir vielleicht Schmerz bereitet habe, M es ist beffer, frühzeitig eine liebe Hoffnung Mteime zu ersticken als sie im Herzen wachsen W tiefer wurzeln zu lassen, sodaß sie nur mit Whr des ganzen Lebensglückes zu entfernen W Wir verstehen uns jetzt, mein Sohn. Laß N nun nicht mehr über die Angelegenheit Mchen. Du bist jung — genieße Deine Wend harmlos, aber vergiß dabei nie, daß Du Fibern Rock Deines Königs ernste Pflichten frommen hast. Und nun geh zu den jungen We» — ich möchte ein wenig ruhen." tDer junge Offizier führte in ehrerbietigem rfc die Hand des DaterS an die Lippen, der F zärtlich über daS lockige, blonde Haar strich. Mn erhob er sich und schritt langsam die der Veranda hinab, während der Oberst T bie Kiffen zurücksank und mit ernsten Augen fdas bunte Blättergewirr über seinem Haupte Wvrstarrte.
^Hennings Herz krampfte fich in tiefem Weh ™tomen. Des Vaters Worte hatten eine ^iche Hoffnung geknickt, welche in den letzten f-chen n seinem Herzen emporgekeimt war.
oder jedenfalls schneller Hilfe sichern Gegner angreifen konnte, sieht nicht nach Panik aus. Auch andere Ereignisse in diesem Theile Transvaals zeigen im Gegentheil große Unternehmungslust der Buren. So find an der Linie Dolks- rust-Johannesburg seit dem 6. ds. nicht weniger als vier Eisenbahnzüge zum Entgleisen gebracht worden, und zwar sämmtlich int Rücken der auf dem Marsche nach Osten befindlichen britischen Abtheilungen: der erste zwischen Grehliug- stad und Dlaksontein, die anderen drei in der Nähe von Dlaklaagte zwischen Standerton und Greylingstad, ein Postzug, ein Zug mit Eisenbahn-Material und ein Proviantzug. Im übrigen scheint das Kesseltreiben insofern fehl- geschlagen, als nur eine Abdrängung der Buren nach Osten, die vermuthlich nur vorübergehend sein wird, nicht aber eine Einkreisung, wie sie beabsichtigt war, stattgesunden hat.
Eine kleine Schlappe haben die Engländer in der Kapkolonie erhalten. Reuter meldet aus Cradocks: Bei einem Kampfe, der am Freitag in der Nähe von Klipplat Junktion stattfand, verloren die südafrikanischen leichten Reiter zwei Tobte, fünf Verwundete und 15 Gefangene. — Offenbar hat dieses Gefecht mit einer Niederlage der Engländer geendet.
Die Mission in Südafrika.
a. Die Verlegung des südafrikanischen Kriegsschauplatzes in die Kapkolonie hat nun auch für die dort zahlreichen Missionsstationen eine empfindliche Störung ihrer Friedensarbeit mit sich gebracht. Don deutschen Missionsgesellschaften find die Berliner, die Rheinische und die Brüdergemeinde daselbst vertreten. Sie haben zusammen etwa 40 Stationen in der Kapkolonie liegen mit 38 000 eingeborenen Christen, die theils zu den Hottentotten-, theils zu den Kaffernstämmen gehören. Die Missionare fürchteten schon beim Beginn des Krieges, daß die kaum gebändigten wilden Naturtriebe der Koffern wieder hervorbrechen würden, wenn der Krieg zwischen den Weißen die bisherige Ordnung in der Verwaltung des Landes lockerte. Sie waren um so mehr erfreut, als in ihren Gemeinden Alles ruhig blieb, und bezeichnen das mit Recht als eine in die Augen fallende Frucht der Missionsthätigkeit. Die noch heidnischen Kaffern dagegen benutzten die allgemeine Aufregung zu wilden Beutezügen. Die- in der Kapkolonie liegenden Stationen hatten im ersten Theil deS Feldzuges nur insofern zu leiden, als die Eingeborenen vielfach für den Fouragedienst in Anspruch genommen wurden. Dadurch waren manche christliche Niederlassungen zeitweilig ganz von der männlichen Bevölkerung
Zögernd schritt er weiter. Das fröhliche Lachen, welches vom Tennisplatz herüberschallte, schnitt ihm ins Herz. In einiger Entfernung blieb er stehen und beobachtete die schlanken jugendlichen Gestalten, welche im munteren Spiel fich die Bälle zuschleuderten. Seine Schwestern Emmi und Elfriede waren eben erst der Schule entwachsen, mit fliegenden Locken, heißen Wangen und blitzenden Augen gaben sie sich dem Spiele hin und lachten hell auf, wenn Kurt von Werferling, der al» Kadett die Einberufung zu seinem Regiment in dem väterlichen Hause erwartete, einen ungeschickten Schlag that. Der jugendliche Uebermnth seiner Schwestern stand in einem gewissen Gegensatz zu dem ernsteren Wesen Kitth'S, deren große, tiefblaue Augen öfter nach der Veranda hinüberschweiften, wo sie Henning wußte. Jetzt erröthete sie leicht, als ihre Blicke denen des jungen Dragoners begegneten.
„Wollen Herr Leutnant meine Stelle einnehmen!" fragte der Kadett höflich.
„Ich danke Ihnen — fpielen Sie nur weiter."
„Das Spiel ist gerade aus — eine neue Parthie beginnt."
„Ich bin etwas müde", sagte Kitty. „Möchten wir nicht ein wenig pausieren?"
„Gewiß — wenn Sie es wünschen, Kitty. Kurt, Sie wollten uns doch auf den See hinausrudern!" meinten die Schwestern Hennings.
„Mit dem größten Vergnügen", erwiderte der Kadett galant und alle drei eilten davon.
Lächelnd blickte Kitty ihnen nach, dann nahm sie auf einer Bank unter einer breitästigen Platane Platz.
verlassen. Jetzt, wo sich die Kämpfe weiter im Süden abspielen, werden viele der oben erwähnten 40 Gemeinden auch direkt betroffen. Carnarvon, eine Station der Rheinischen Mission, hat schon viel zu leiden gehabt. Auch in Herrnhut sieht man der weiteren Entwickelung der Dinge mit neuer Sorge entgegen.
Umschau.
Zölle und Kanäle.
Trotz der, zumal von konservativer Seite sehr stark ausgesprochenen Absicht, die Kanalfrage völlig zu trennen vom Zolltarif und von der Frage der höheren Getreidezölle, scheint doch eine nicht zu unterschätzende Strömung vorhanden zu fein, die diese beiden Dinge verkoppeln und das Schicksal des einen abhängig machen möchte vom Schicksal des anderen. So finden wir beispielsweise in den offiziös bedienten „Verl. Pol. Nachr." neben dem Hinweis auf die bekannte Resolution des Jndustriellen- verbandes, die sich für die Zollerhöhung ausspricht, folgenden Wink, der an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig läßt:
Man wird in den Kreisen der deutschen Land- wirthschast, deren Vertreter ja auch im Abgeordnetenhause einen großen Einstuß ausüben, sicher nicht vergessen, daß der Zentralverband deutscher Industrieller an demselben Tage auch einstimmig sich mit größter Entschiedenheit für die wasserwirthschastliche Vorlage, insbesondere sür die Herstellung der großen Wasserstraßen zwischen den Osten und Westen der Monarchie ausgesprochen hat. ... Es liegt auf der Hand, daß es in den industriellen Kreisen, die hinter dem Zen- tralverbande deutscher Industrieller stehen, e m - pfindlich berühren müßte, wenn gerade diejenigen Parteien des Abgeordnetenhauses, in denen die landwirthschaftlichen Interessen besonders stark vertreten sind, die Durchführung dieses von der I n- dustrie so lebhaft gewünschten ersten Schrittes zur Verbilligung der Trans- portkosten vereiteln wollten.
Das heißt mit anderen Worten: Geben wir Euch die Zolle, so gebt uns die Kanäle. — Sonst . . .! Wie diese Drohung wirken wird, bleibt vorderhand noch abzuwarten. In Centrums- kreisen scheint wenig Neigung vorhanden zu sein, auf den Tauschhandel einzugehen, denn in auffallendem Drucke verkündet die „Köln. Volks- ztg.": „Das Centrum wird sich nicht dazu hergeben, die politischen Nebenabsichten zu unterstützen, welche die Liberalen mit der Kanalvorlage verbinden, es wird vielmehr die Vorlage sachlich prüfen, und über das, was ihm annehmbar erscheint, sich mit der Regierung zu verständigen suchen, wie e» nach ihrer Erklärung auch die Konservativen thnn wollen. Ja, daS Centrum geht sogar noch weiter und
„Ihre Schwestern sind allerliebst", sagte sie zu Henning aufblickend.
„Junge, übermüthige Dinger, welche noch nichts von des Lebens Sorge wissen!"
„Wie ernst Sie das sagen! Von des Lebens Sorge zu sprechen, das klingt etwas seltsam in dem Munde eine» jungen, flotten Offizier»," setzte fie schelmisch hinzu.
„Ich komme vom Krankenbett meines Vater», das hat mir wohl die ernsten Worte in den Mund gelegt. . . verzeihen Sie — eS ist allerdings kein Gesprächsstoff für eine junge Dame —"
„Halten Sie mich für so oberflächlich?"
„Ö nein — gewiß nicht — indessen — Sie find ja umgeben von des Lebens Freude und Glanz, wie sollten Sie da solche ernste Gedanken hegen?"
„Und doch denke ich oft über des Lebens Ernst nach. Ich gehe wahrlich nicht blind durch da»; Leben, um nicht auch dessen Schattenseiten zu sehen."
„Für Sie, Daroneffe, soll da» Leben nur die sonnigsten Seiten hervorkehren! Sie verdienen alle» Glück — alle Liebe — allen Sonnenschein — '
(Er stockte. Er erschrak über seine eigenen Worte, die nur zu deutlich da» Innere seine« Herzens verriethen.
Kitty senkte daS Haupt. Eine leichte Glut überflammte ihre Wangen und wie ein leises Beben schien e» durch ihre schlanke, biegsame Gestalt zu zittern.
Henning wandte fich ab und zerpflückte einige Blätter eines tief herabhängenden Zweiges. Er sah nicht den scheuen zärtlichen Blick ihrer Augen und da» glückliche Lächeln, daS so weich
erklärt, wenn wieder „parteipolittsche Machen schäften" hervortreten, so könne die konservative Partei bei der Zurückweisung des liberalen Scharfmacherthums in der Kanalangelegenheit auf die entschiedenste Unterstützung des Centrums rechnen." ,
Die socialdemokratische ReichStags- fraction macht mobil.
In der socialdemokratischen Presse veröffentlicht die socialdemokratische Reichstagssraction einen Aufruf an das „werkthätige Volk", um — nach der Barth'schen Anweisung —den „Sturm" gegen die Getreidezollerhöhung „wie er noch nicht erlebt worden ist" hervorzurufen. Männer und Frauen sollen sich daran beteiligen, die „Agrarier" zu Paaren zu treiben. Massenversammlungen — natürlich in socialdemokratischen Hochburgen — sollen abgehalten, Massen- petitionen fabricirt werden. Man wird mit allen Mitteln des bekannten socialdemokratischen Terrorismus darauf Hinwirten, daß die Versammlungen möglichst gut besucht und die Petitionen möglichst zahlreich unterschrieben werden. Nun erst werden die Freihändler den Lohn dafür erhalten, daß sie standhaft und treu die socialdemokratischen Interessen verfochten haben.
Allein wir sehen dieser neuesten Action der „Genossen" nicht nur mit großem Gleichmut, sondern sogar mit einer gewissen Befriedigung entgegen; denn dadurch wird der unüberbrückbare Gegensatz zwischen den staatserhaltenden Elementen und der radikalen Linken auf da» klarste zum Ausdruck gebracht. Es ist ja nachgewiesen, daß die Socialdemokratie, wofern fie das Interesse der Arbeiter wirklich vertreten wollte, fchutzzöllnerifch gesonnen sein müffe. Marx selbst und seine Apostel haben sich demgemäß ausgesprochen. Aber wie Marx au» politischen Gründen fich schließlich dem Freihandel zugewandt hat, weil er darin ein Mittel sah, die gegenwärtige Gesellschaftsordnung am raschesten zu untergraben, so bekennen fich auch heute die „Genossen" zum Freihandel, um zunächst den festen Damm, der sich ihrem Eindringen auf dem Lande entgegenfteüt, zu erschüttern, weil fie hoffen, durch den Ruin der Landwirthschast den Kleinbesitz zu „proletari- ftren". Diese Bestrebungen werden nun durch den socialdemokratischen „Sturm" vor aller Welt zum Ausdruck gebracht, und daß der Freisinn hierbei gute Dienste leistet, wird im Volke nicht vergessen werden. k.
ihre Lippen umspielte. Er hörte noch die mahnenden ernsten Worte des DaterS in seinem Herzen nachklingen, ei» Seufzer entfloh seine« Lippen, bann richtete er fich energisch empor.
„Die schönen Tage von Aranjuez find nun vorüber," sagte er leicht ironisch. „Morgen geht e» wieder in den Dienst und — und — wir werden »n» lange Zeit nicht Wiedersehen, Baroneß!" -
„Sie gehen nach Berlin?"
„In einigen Wochen erst."
„Auch wir kommen nach Weihnachten nach Berlin —"
Er wollte rasch bemerken, wie er fich freue, fie bann wiederzusehen —, aber er bezwang fich und sagte förmlich: „Dann werde ich hoffentlich die Ehre haben, Sie wieder einmal begrüßen zu dürfen, Baroneß."
ES ging wie ein jähes Erschrecken über da» Antlitz Kitty». Sie mochte wohl eine andere Antwort erwartet haben. In ihren Xugen schimmerte es feucht wie von zurückgehaltenen Thränen, al» sich Henning dem Landrat zu- wandte, welcher mit Frau von Bartfeld und seiner Gattin von einem Spaziergange durch den Park zurückkehrte.
Das Gespräch nahm eine allgemeine Wendung. Kitty schritt schweigend neben den andern her; ihr war so weh umS Herz, fie wußte selbst kaum, weshalb. Wie herbstliche Stimmung schlich e» sich m ihre Seele und der Ton eines melancholischen Herbstliede» klang in ihrem Herzen wieder:
„Ach, schon blühn die blassen Malven, Und die Rosen find verwelkt ..."
(FortsHung folgt.)