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Damen ruhig und würdevoll, immer ohne ein Wort des Widerspruches dem grausamen Befehl, sich zu beeilen, nachkamen, sprangen unsere „Gentlemen in Khaki wieder wie die Schnapphähne im Hause herum und schleppten als gute Beute hinaus, was ihnen gefiel; einer band sogar eine alte Geige unter Hohnworten und schlechten Witzen an seinen Sattel — und die Frauen . . wenn diese Burschen von britischen Soldaten nur einen Funken von Ehrgefühl im Leibe gehabt hätten, so wären sie zusammengeschrumpft vor der schweigenden Verachtung und dem hoheitsvollen Zorne, der die bleichen Gesichter dieser Burenfrauen bewegte, und aus ihren großen blauen Augen strahlte. Wahre Heldinnen, die der Vernichtung ihrer Heimath in bewunderungswürdiger Weise zusahen, ohne nut der Wimper zu zucken. — Ich hatte dabei nur den einen Gedanken, ob es denn wirklich durchs Kriegsrecht nöthig gemacht wird, daß man sich als Engländer vor den Frauen seiner Feinde so unsäglich klein und . . gemein vorkommen muß. — Als ich dem einen jungen Mädchen behilflich sein wollte, eine, schwere Kiste hinauszutragen, sah sie mich so verwundert an, daß ich es auch ohne Worte verstand, wie sehr sie über diesen einfachen Höflichkeitsakt seitens eines Engländers geradezu überrascht war. ^Dann brachen die Flammen aus den Fenstern und aus dem Dache hervor, und draußen standen die drei Töchter und versuchten die zusammengebrochene Mutter mit leisen Worten und Liebkosungen zu trösten, während ihnen selbst die schweren Thränen die Wangen hinunter liefen. — Die arme alte Dame mit--" ihren grauen Haaren "* und die blonden jungen Mädchen mit den bleichen Gesichtern und den überströmenden Augen — ich kann's nicht vergeffen, dieses Bild des Jammers — und — Widerspruch erheben ? dort an Ort und Stelle oder später? — darauf Hinweisen, daß wir australischen Männer nicht übers Meer gekommen sind, um solche Kriegführung zum höheren Ruhme des britischen Weltreiches mitzumachen, — wozu? — Außerdem ist es nicht sehr vergnüglich, im Lager und bei den englischen Kameraden als Pro-Bur zu gelten. — Mag das Mutterland seine eigene schmutzige Wüsche auswaschen und verantworten." —
So ein australischer Freiwilliger, ein unparteiischer Zeuge.
Der südafrikanische Krieg.
Wie nahe die Unternehmungen der Buren dem großen Hauptquartier kommen, zeigt die Meldung der „Daily Mail" aus
Pretoria unter dem 15. ds., daß eine Proviantkolonne von 12 Wagen (6 Farm- und 6 Regierungswagen) mit Proviant für die Truppen in Rhenoster Kop von Brackhorst Spruit Kop unter Bedeckung von 20 Buschmännern aufgebrochen und etwa 6 Meilen vom Kop die Bedeckungsmaunschaft Plötzlich von 300 Buren angegriffen worden sei, die sich auf einem Hügel, den die Kolonne zu passiren hatte, in Hinterhalt gelegt hatten. Die Buschmänner hielten die 300 Buren eine Stunde lang in Schach. Als 2 Mann getödtet und 11 verwundet waren, ergaben sie sich.
Die Nachricht beweist ferner, daß in der That Buschmänner im Dienste der Briten sich befinden.
Wie umfaffend die Offensive der Buren ist, geht auch aus einer Meldung aus Standerton hervor, wonach fünf Burcnkommandos — dreitausend Mann, sechs Geschütze — überraschend von Ermelo auf Wakkerstrom an der Natalgrenze heranmarschieren. Eine Jnv asio n nach Natal scheint demnach beabsichtigt. Die schwachen englischen Garnisonen gehen auf Newcastle zurück.
Bekanntlich meldeten die letzten englischen Gefechtsberichte niemals etwas von englischen Verlusten. Jetzt kommt der hinkende Bote nach. Das Kriegsamt veröffentlicht eine Verlustliste woraus hervorgeht, daß 12 Mann bei den letzten Gefechten gefallen sind und 14 verwundet wurden, darunter 3 Offiziere. 8 Mann, darunter 4 Offiziere, werden vermißt. Außerdem sind an Krankheiten 19 Mann gestorben. Wahrscheinlich.werden wohl noch einige Er-, gänzungslisten herausgegeben werden müssen.
Eine amüsante Zusammensteblung der vor wenig Wochen gefallenen Aeußerungen der jetzigen Minister bringt nach der „Kriegs-Korr." die „Westminster Gazette":
Herr Balfour sagte in Manchester: „Der Krieg neigt sich glücklicherweise seinem Ende zu." Herr Chamberlain in Birmingham: „Unter der kundigen Führung des Lords Roberts sind alle Schwierigkeiten überwunden worden. Sir M. Hicks-Beach in Bristol: „Der Krieg in Südafrika ist, soweit organi- sirter Widerstand in Betracht kommt, einem erfolgreichen Abschluß zugeführt worden." Lord George Hamilton in Ealing: „Der organisirte Krieg ist, Praktisch genommen, vorüber"; Herr Ri tchic in Croydon: „Es ist Sache der Wähler, zu bestimmen, ob die Regelung (ber südafrikanischen Angelegenheiten) in die Hände jener gelegt werden soll, die diesen Krieg erfolgreich zu Ende geführt haben"; Herr Walter Lang in Bristol: „Es ist alle Aussicht vorhanden, daß der Krieg seinem schleunigen Ende entgegengeht"; und endlich machte Herr Hanbury in Preston die kühne, jetzt nicht am wenigsten erheiternde Aeußerung: „Die Angreifer sind aus unseren Gebieten vertrieben worden und haben überdies ihre eigenen verloren."
Die englischen Kriegskosten für de» südafrikanischen Krieg belaufen sich in absolute» Ziffern schon auf 2 Milliarden 320 Millionen Mark; die relativen Kosten aber sind bedeutend höher, von den ideellen Kosten gar nicht zu reden l
Umschau.
Rückkehr verbannter „Genossen".
c. Gegen die „Genossen" Bernstein und Motteier hat in Deutschland seit Jahren ein Strafverfahren geschwebt, dessen Verjährung durch Erneuerung der Anklagen und durch Erlaß von Steckbriefen stets rechtzeitig vorgebeugt worden war. Die beiden „Genoffen" waren darum bis jetzt verhindert, deutschen Boden zu betreten. In diesem Jahre sind jedoch die Steckbriefe nicht erneuert worden, die Anklage ist mithin verjährt und Bernstein wie Motteler steht es frei, in Deutschland Wohnung zu nehmen. Beide „Genossen" beabsichtigen, von der am 1. Februar in Kraft tretenden Aufhebung der „Verbannung" Gebrauch zu machen. Der „Vorwärts" kündigt die Rückkehr der „beiden tapferen und verdienten Vorkämpfer des Proletariats" bereits an. Ob die Sozialdemokratie gerade dem „Genossen" Bernstein Ehrenpforten bauen wird, möchten wir aber bezweifeln. Vielleicht hofft man jedoch, den Ketzer zur Umkehr bewegen zu können, wenn man ihn nur erst unter den Fingern hat.
Deutsches Reich
Berlin, 19. Januar.
. — Korvettenkapitän Lans, der heute in Wesel ein traf, ist auf dem dortigen Bahnhof von den Oberbürgermeister nebst Stadtveroneten begrüßt worden. In einer Ansprache feierte der Oberbürger, meister Lans als den Helden von Taku, wie die Geschichte ihn einst benennen werde. Beim Einzug in die Stadt wurden Lans stürmischeOvationen dargebracht; die Stadtve ordneten haben ihm zu Ehren einen Trinkbecher gestiftet.
Ausland
England. Meldungen über die mißliche Gesundheit der Königin treten mit größerer Bestimmtheit auf. Zwei Aerzte sind nach Os- borne berufen worden.
Vereinigte Staate«. Zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela ist ein Konflikt ausgebrochen wegen der großen venezulanischen Asphaltlager. Die Konzessionäre der „New- Dork and Perumtets Company" sind von ihre» Asphaltkonzessionen in Venezuela vertrieben
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nialen Freiwilligen über die Art und Weise ken, in welcher der Krieg selbst gegen die jien und Kinder und die friedlichen Heimsen der Buren geführt wird:
genen Klasse angehörten. Ein Korporal t grußlos an sie heran und schnauzt: „Ihr
geschmückt war und in jeder Weise Bild behaglichen, friedlichen Wohsstandes des guten Geschmackes bot. Während die
Das sehr loyale, in Perth, Westaustralien, .einende Blatt „Morning Herald" veröffent- » den Privatbrief eines Offiziers, der in der tralischen Freiwilligentruppe in Südafrika fiefochten hat. Dieser Brief giebt gleich-
Si»rtrtiährltch«r Bezugspreis: bet der Expedition 2 ML, bei allen Postämtern 2,SS Mk. (cxcl. Bestellgeld).
Iuserti»nr-edühr: di« gefraltaie Zeile oder bee» Kam w Pf» Sieclsmen! di, Zeil» 26 Pfg.
Vorwurf gingen die Damen ins Haus und eiten stillschweigend die wenigen Sachen, sie fornehmen konnten. Ich folgte ihnen, behilflich zu sein und um sie vor Roheiten ätzen, und saud sie meinem großen, vornehmen n, der mit weichen Teppichen, geschnitzten emnöbeln, Klavier Musikstünder, mit n Bildern und Stahlstichen Bücher-
Erjchriut täglich audcr an Weittagen naiq »oum uns Feier lagen. SouvtagSbeilage: JllnftrirteS SouutagSbtatl.
Dr»ck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioerfitätS-Buchdruckerei Marbura Markt 21. — Televhon 55
hr 6g uStoär
Marburg
Sonntag. 20 Januar 1901.
-^ch kam auf meinem Ritt in ein kleines £ und gleich am ersten Hause in der kleinen aße stand neben einem kleinen Haufen von ien Len und Sachen, die gewöhnlich eine Heim- te gemüthlich und behaglich zu machen pflegen, l« . schwarzgekleidete Frau mit einem jungen hr stai bchen, die beide thränenden Auges zusehen ten, wie unsere Tommies, deren Taschen Brotbeutel bereits zum Platzen mit Beute ßt waren, mit Lachen und rohen Scherzen und her rannten und schließlich unter großem oh das Haus in Brand steckten. Die beiden ten entfernten sich nicht, denn wir ich hörte, ten sie eben nicht wohin sich wenden, und ,welche Art ihre wenigen geretteten Hab- ,ketten fortschaffen. Der Sergeant der
ise stand eine ältere Dame mit drei schlaft ;en Mädchen, die auf den ersten Blick ten, daß sie einer gebildeten und wohl-
ndr^ TW. ensiti n in
Jlorgei t zehn Minuten Zeit, um herauszutragen is W ; jhr braucht und dann wird die Bude an- ■ eckt." — Ohne einen Aufschrei, Widerspruch
Den
Am
(Nachdruck verboten.)
Forsthaus Eulenruf.
deutsche Familiengeschichte von L. M. Paul.
(Fortsetzung.)
n die
Q Jon® trat im Oktober als Einjährig - Freister in die damals in S. garnifonirenbe, 7 U sichen zu einem etatsmäßig vollen Bataillon des ä weiten 4 Jägerabtheilung ein. Die Eltern ten aber nicht, daß Hans von da auS ' 8 nach H. fuhr, wo Adelheid Lieber den
ten Winter im im Hause einer Schwester isnkar i Vaters verlebte, und auch dort sehr bald 050' • den Glanz ihrer Toilette auf den Bällen „ blr :e°i, und durch ihre blendenden Schönheit bst ehen erregte, und wiederholt Anlaß zu eilnah reien gab.
*° kaä so vielseitig umschwärmte Mädchen --mit Männerherzen wie die Katze mit unfern Hans, der dies auch wohl llUk !”te' .tou6te die herzlose Kokette immer und wieder hinzuhalten; ein verschwiegener 'wie 1 "sbruck, ein zärtlich geflüstertes Wort, be- rriseik ” 6on einer wegwerfenden Bemerkung über igg 8 "der jenen besonders zudringlich auf- Bewerber genügte, um Hans wieder ^chigen und seine wiederholt aufflammende Mcht niederzudrücken. — — —
Da in der Zwischenzeit Mama MÄhilde dem Ableben ihrer Eltern in den Besitz |Q\ 8 nicht unbedeutenden Erbes gekommen war, 'Uv ! Papa Werner keine SchwierigkeiteH die kn ber weiteren Laufbahn des Sohnes zu a eiten.
IV.
In dem nächsten Jahre sandte das Försterpaar die Tochter Olga zu längerem Aufenthalt in das Haus einer Jugendfreundin von Mama Mathilde. Jene, als Wittwe in einer süddeutschen Stadt lebend, hielt in einer ihr gehörigen kleinen Villa mit großem Garten ein zwar nicht schablonenmäßig betriebene- Töchterpensionat, aber sie hatte doch stets 2 bin 3 Töchter von ihr verwandten ober befreunbeten Familien um sich, um benselben in einem in ber Regel eineinhalb bis zwei Jahre bauernben Kursus eine abgeschlossene Bilbung in wissenschaftlicher gesellschaftlicher unb hauswirthschaft- licher Hinsicht zu Theil werben zu lassen. Olga hatte vorher noch ein Jahr im Elternhause und dessen so gesunder Umgebung vollständig ungebundene Freiheit genossen und war in der Zeit zu einer blühenden, in frischer Fülle prangenden Jungfrau herangewachsen, deren Antlitz zwar keinen Anspruch auf klassische Schönheit machen konnte, deren ganzes Aeußeres aber in dem Schmuck des jugendlichen Schmelzes so beschaffen war, um den Männeraugen sehr zu gefallen. Wohl schmerzte Olga der Abschied vom traulichen Vaterhause, von den hochverehrten, inniggeliebten Eltern, zu denen sie nach wir vor dankbar aussah. Wohl wußte sie, daß sie 18 Monate lang vom Vaterhause fern bleiben müsse, aber sie verschloß sich dem Ziele nicht, was die Eltern ins Auge gefaßt hatten, da sie wuße, daß es zu ihrer völligen Ausbildung diente. Aeußerlich ruhig reifte Olga ab. HanS wurde inzwischen in verschiedenen Oberförstereien beschäftigt, im
zweiter Jahre nach seiner aktiven Dienstzeit wurde er als Reserveoffizier einberufen. Im Herbst desselben Jahres, als Olga aus ber Pension zurückkehrte, und Hans die vorerwähnte Dienstleistung beendet hatte, trafen die früheren Geschwister im Vaterhause nach fast zwei Jahren zum ersten Male wieder zusammen. Obgleich Hans von ber nun voll entwickelten Schönheit Olgas überrascht und recht angenehm berührt würbe, so war boch sein ganzes Denken unb Fühlen von den bämonischen Reizen Abelheibs, — bie jeboch bamals nicht in Eulenried anwesend war, — zu sehr eingenommen, als daß er in Olga mehr, als die unter seinen Augen ausgewachsene Pflegeschwester gesehen hätte. Im kommenden Winter war Hans mit den Vorbereitungen zu der ihm im Frühjahr bevorstehenden Prüfung zum Forstassessor völlig in Anspruch genommen. Trotz der ihn beherrschenden Leidenschaft zu Adelheid Lieber bestand Hans das Examen mit ber Note I. und der erfreute Vater war bereit, ihm bie Mittel zu einer größeren Reise zu bewilligen, als bie bamals eintretenbe Mobilmachung des preußischen Heeres einen Strich durch die Rechnung machte.
Mit welchen Gefühlen Eltern und Pflegeschwester den Sohn und Bruder in das Feld ziehen sahen, und mit welcher Sorgfalt die Beiden bie erforberliche Ausrüstung herrichteten, werben alle beutschen Frauen begreifen, welche bamals nur wenige Jahre später in derselben Lage gewesen find.
Das Regiment, dem HanS angehörte, zog mit nach Böhmen, er wurde schon in der ersten Woche Offizier. Am 4. Juli wurden seine
Angehörigen durch ein Telegramm erschreckt, daß er in ber Schlacht bei Königgrätz durch Granatsplitter am rechten Oberschenkel schwer verletzt fei! —
Da zog schweres Leib in das stille Forst- haus und in die Herzen der Eltern und Schwester ein. Der Jammer wurde erst 14 Tage später durch einige, von Hans selbst geschriebene Zeilen gemildert, aus denen die hocherfreuten Angehörigen ersahen, daß die anfänglich nöthig scheinende Amputation unterblieb, und das Befinden des Patienten ein den Umständen nach befriedigendes sei.
Nun hatte der gut besorgte Vater aber keine Ruhe mehr. Er nahm Urlaub, reifte ab und fand den Sohn Wohler, als er erwartet hatte. In dem die Oberaufsicht führenden Stabsarzt fand Werner einen alten Bekannten, der während seiner eigenen Dienstzeit als junger Assistenzarzt bei ber früheren 4. Jägerabtheilung Dienst gethan hatte. Da ber Förster die Mittel unb bie Möglichkeit nachweisen konnte, dem Sohne in ber Privatpflege minbeftenS dieselbe Sorgfalt zuwenden zu können, die demselben im Militärlazareth zu theil geworden wäre, erlangte er durch Vermittelung und unter Fürsprache des Arztes bie Erlaubniß, ben ver- tounbeten Sohn mit nach Hause nehmen zu dürfen. Acht Tage nach Werners Ankunft im Lazareth konnte die Abreise Beider erfolgen, die freilich nur in kurzen Tagestouren unb mit einer zweitägigen Ruhepause in Dresden vor sich ging. Doch überstand Hans die lange Fahrt verhültnißmäßig gut und Mutter und Schwester war nicht wenig erfreut, de»