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MchiW

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchbai«.

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>».> Sie wäre verhindert zu kommen, schrieb sie, der Vater, der in der letzten Zeit leidend sei, bedürfte ihrer, sie könnte unmöglich abkommen. Welcher Art ihre Beschäftigung war, schrieb Isa nie, trotzdem Susanne schon mehrmals brieflich eine darauf hinzielende Anspielung ge­macht hatte.

Sie fühle sich zufrieden/ hieß eS in jedem Schreiben, »dem Vater eine wirkliche Stütze sein zu können, sie habe Arbeit, und diese ge­währe immer Befriedigung.'

Doch versäumte sie nie, innigen Dank beizu­fügen für die Freundschaft und Liebe, die sie auf Buchecke gefunden, und bat, ihr dieselbe auch ferner zu erhalten, vielleicht füge es ein gütiges Geschick, daß sie die lieben Menschen einmal Wiedersehen dürfe. Vorläufig sei daran nicht zu denken, doch auf die Fragewarum' müße fie die Antwort schuldig bleiben.

Nie unterließ Isa, an Kurt herzliche Grüße beizufügen, falls er fie noch nicht ganz ver- geflen habe.

Susanne weinte nach Empfang solcher Briefe immer heiße Thränen. Sie hoffte, der geliebte Bruder möchte doch endlich, zurückkehren, um sich sein Glück zu sichern. Sie war fest über­zeugt, daß Isa ihn nicht abweisen würde, wenn er käme und fie zum Weibe begehrte. Aber wer konnte sagen, was geschah, wenn er noch lange fernblieb? Isa war jung und schön, leicht könnte ein anderer kommen und sie holen. Susanne zitierte bei diesem Gedanken. Wenn fie nur an Kurt irgend welche Nachricht ge­langen laffen könnte, daß daheim ein Glück auf ihn wartete, von dem er fich nichts träumen ließ.

Leutnant Düsterberg machte 50 Meter vor der Colonne Halt und rief seinen Reitern zu: Meldung an Major v. Mühlmann!", vergaß aber einem bestimmten Reiter den Auftrag zu geben. Als er darauf dichter an die Colonne heranritt, bemerkte er, daß alle drei Reiter zwecks Erfüllung des Auftrags weggeritten waren. Kurz entschlossen machte er darauf vor der Wagencolonne Halt und gab ein Zeichen, daß sie ebenfalls halten sollte. Der Führer schüttelte verneinend den Kopf und setzte seinen Weg fort. Leutnant Düsterberg machte darauf dem Führer eine Handbewegung, daß er «ach Südwesten fahren sollte. Wieder schüttelte der 1 Chinese den Kopf und wies nach Nordwesten. Unterdessen waren die chinesischen Reiter an den Wagen von vorn gekommen. Leutnant Düster­berg machte noch einmal dieselbe Handbewegung, indem er zur Unterstützung seiner Aeußerung seinen Revolver erhob. Als der Chinese sich auch dieser höflichen Aufforderung gegen­über ablehnend verhielt, gab Düsterberg auf 10 Meter Entfernung Feuer. Der chinesische Führer schrie auf, fiel nach vorne über; sein Pferd raste im Galopp mit ihm fort, die sämmtlichen Reiter und Wagen hinterher. Leutnant Düsterberg folgte und gab noch etwa sechs Schüsse auf die Fliehenden ab So ging die wilde Jagd etwa 6 km weit und schließlich durch ein Dorf hindurch. Unterdessen waren zwei Reiter zu Leutnant Düsterberg zurück­gekommen und gaben aus ihren Karabinern Feuer auf die Chinesen. Etwa sechs Mann wurden von den Pferden und Wagen herab­geschossen, und dadurch kamen vier Wagen zum Stehen, während die anderen Wagen ilnd die Reiter weiterrasten. An eine weitere Ver­folgung war nicht zu denken, da die Pferde vollständig erschöpft waren; eins davon starb den folgenden Tag an der Anstrengung. Leut­nant Düsterberg mußte sich deshalb mit dem Fange der vier Wagen begnügen.

Nach während der Verfolgung waren von der überall auS den Dörfern und Maisfeldern auftauchenden Landbevölkerung die tobten und verwundeten Chinesen nebst Waffen weggetragen t worden.

Jetzt entstand für Leutnant Düsterberg die große Schwierigkeit, mit den Wagen sei« Detachement, von dem er weit ent­fernt war, wieder zu erreichen. Zunächst requirirte er vier Chinesen als Wagenführer; von diesen mußte er unterwegs einen, der davonlaufen und aufHalt!" nicht stehen wollte, erschießen. Dann marschirte er ohne genaue Karte und ohne fich bei der Bevölkerung, in

Kreise gefeiert werden, so wollte e§ die junge Braut, aber eS gab dennoch ungeheuer viel zu thun, zumal Susanne nicht recht zu gebrauchen war.

Sie hatte für nichts Anderes Sinn, als für ihre» Fritz, so daß Tente Martha öfters den Kopf schüttelte. Sie hatte ja ihre« Seligen gewiß auch lieb gehabt, und er fie ebenfalls, aber so ein verliebtes, glückliches Paar meinte sie in ihrem Leben noch nicht gesehen zu haben.

Nur Eine» fehlte S«sanne, um ihr Glück voll zu machen: Sie hätte es gar zu gern gehabt, daß Kurt an dem Feste theilgenommen. Des­halb war die Hochzeit immer noch hinauSge- schoben worden. Aber keine Kunde von dem geliebten Bruder war eingetroffen. ES schien fast, als fürchte er fich davor, Nachrichten von den Seinen zu empfangen, und Susanne meinte das Richtige getroffen zu haben, wenn fie annahm, er wolle fich dadurch zum Vergessen zwingen. Wo er weilte, wußte Niemand.

Zu Susanne'« unbeschreiblicher Freude war, etwa vierzehn Tage nach Jsa's Flucht ein Brief von ihr eingetroffen, worin fie die Freundin und Tante Martha nochmals um Verzeihung bat, und den Wunsch beifügte, man möge ihr die zurückgelassenen Sachen nachfchicken. Seitdem schrieb Isa wohl zuweilen, doch glaubte Susanne eine gewisse Schwermuth zwischen den Zeilen herauslesen zu müssen, und eS that ihr Weh, daß die geliebte Freundin nicht offen ihre Ver­hältnisse darlegte, in denen fie jetzt lebte.

Susanne hatte Isa herzlich eingeladen, ihr Hochzeitsfest mitzufeiern, doch diese antwortete ausweichend.

Susanne schrieb zwar an die Freundin nichts von alledem; denn wenn fie auch überzeugt war, daß Kurt, dessen treues Herz sie genau kannte, nie eine Andere lieben würde, so mochte sie doch dem Bruder nicht vorgreisen und Isa Andeutungen machen.

An all das dachte Susanne, während fie in ihrem Mädchenstübchen am Fenster stand, und in den von goldenem Sonnenlicht überflutheten Garten hinausblickte. Träumerisch schweiften ihre Augen über die frischgrünenden Bäume und Lüsche hin, als ein leises Klopfen fie er­schreckte. Es war die Jungfer, die der jungen Herrin bei der Toilette helfen wollte. Sie trug einen Karton mit Kranz und Schleier in der Hand, über den Arm die Weiße, aus Atlas und Spitzen gefertigte Brautrobe, und legte alles behutsam, damit eS nicht zerknittert werde, auf den Divan. nieder. Susanne betrachtete mit glücklichem Lächeln den Staat, und dachte daran, ob fie ihrem Fritz Wohl gefallen werde. Dan» begann sie langsam daS reiche Haar aufzulösen, setzte fich auf einen Schemel und überließ sich ihren Gedanken, während die Jungfer die Frisur ordnete.

Tante Martha steckte den Kops zur Thüre herein.

Nun, ist unser Dräutchen noch nicht bald fertig?" sagte sie mit ihrer Weichen freundlichen Stimme.Der Bräutigam wartet unten schon eine ganze Weile in begreiflicher Ungeduld. Du mußt Dich ein wenig beeilen, Susannchen, ich habe meine liebe Noth mit dem Fritz, weißt ja, wie toll er es treibt, wenn Du nicht da bist Tansendmal hat er mich schon gefragt: Kommt Susanne denn noch nicht bald, ist Susanne

Umschau.

Von derGneisenau".

Der DampferAndalusia" mit den ge­retteten Mannschaften derGneisenau" ist, wie wir schon gestern kurz meldeten, uw Mitternacht zu Mittwoch in Wilhelmshaven eingetroffen. Der schwere Schneesturm am Reujahrstage hatte das Einlaufen in den Jahde- bufen verhindert, und fo mußte dieAndalusia" den Neujahrstag hinter Helgoland vor Anker liegen bleiben. DieAndalusia" bringt 406 Gerettete heim: 14 Offiziere, 7 Deckoffiziere, 53 Seekadetten unb 332 Mann. Mittwoch früh würben sie burch bie DampferKraft" und Boreas" an Laub gebracht. Elf Kranke würben auf Tragbahren nach bem Lazareth geschafft, bie Leichtverwunbeten, unter benen sich auch die beiden Schiffsärzte befinden, konnten sich zu Fuß dorthin begeben. Die gesunden Mann­schaften wurden in den Kasernen untergebracht. Nach der Landung fand um ll1/, Uhr im Exerzierschuppen der zweiten Matrosendivifion ein Begrüßungsappell statt, an den sich eine gottesdienstliche Feier anschloß, bei welcher Marineoberpfarrer Goedel die Predigt hielt. Das Aussehen der Mannschaften ist gut; sie werden zunächst wieder neu eingekleidet.

Heber die Lage deS Wracks liegen jetzt nähere Nachrichten vor. Nach diesen ist das Schiff gleich gerichtet zur Ostmole gesunken; das Heck ist dem Lande, der Vorsteven der offenen See zu gekehrt. Bei der geringen Ent­fernung deS Wracks von der Ostmole, ber auf

Marburg

Freitag 4 Januar 1901.

Die Wirren in China.

Eine Meldung Graf Walderfee's.

Feldmarschall Gras von Waldersee meldet euS Peking am 31. Dezember: Kolonne Grüber ist am 29. auf Pangtsun zurückgekehrt. Kolonne Madai ist auf Meldung, daß bei Mi-hüu noch chinesische Truppen stehen, von Tungtschau nach Norden abgebogen. Zwei weitere Marine- Infanterie -Kompagnien find gestern über Tungtschau nachgesandt.

Die Lage im Norden ist noch immer durch Boxerunrichen bedroht. AuS der Umgegend von Peking unb von der Eisenbahnlinie Peking-Paotingfu sind Ansamm­lungen von Boxern gemeldet; um Ueberrasch- ungen zu vermeiden, sind die Posten verdoppelt worden. Oberst Guillot mit 500 Mann wird bei Schingtingfu von mehreren tausend Mann regulärer Truppen bedroht. General Boilloud ist zu seinem Entsatz aufge­brochen.

lieber die Plünderungen in Peking schreibt die LondonerDaily Mail":Rach der Befreiung der Gesandtschaften, als die Soldaten anderer Staaten alles, war ihnen unter die Hände kam, bedingungslos nut Beschlag belegten, erliefe Sir A. Gaselee das strenge Verbot an seine Leute, sich an den Plünderungen zu be­theiligen. Während andere Truppen so die kostbarsten Seidenstoffe unb Pelze, Elfenbein, Gemälde, Bilbhauerwerke, Golb- unb Silber­arbeiten unb andere werthvolle Gegenstände in ungezählten Mengen an sich nahmen, standen die Briten mit leeren Händen dabei «nd hatten das Vergnügen, ihnen zuzuschauen. Es war dies, wie fich leicht denken läßt, etwas hart für unsere Truppen, gleichviel ob weiße oder indische, und so entschloß sich denn General Gaselee, einen geeigneten Weg zu finden, der sich mit der Disziplin deckte und die Leute wenigstens in etwas entschädigte. Während er den Einzelraub streng untersagte, gab er die Erlaubniß, daß besondere Abheilungen ver­lassene Häuser innerhalb des den Engländern zustehenden Viertel» nach Beute durchstöbern könnten. Die gefundenen Gegenständen wurden zu billigen Preisen veräußert; sowohl Offizieren wie auch Gemeinen war die käufliche Erwerbung gestattet. Aber die Nicht­briten hatten die erste Auslese, und unsere Leute wußten mit dem Uebriggebliebene* vorlieb nehmen." Diese intlressanten Mittheilungen, auS denen ungeschminktes Bedauern über den

Unkenntniß der Sprache, erkundigen zu können, nur der Himmelsrichtung folgend, darauf los, und erreichte Abends glücklich in An-chou sein Detachement wieder.

Sein Fang erwies sich als ein nicht zu ver­achtender. Unter etwa 50 rothen Soldaten- decken, die jetzt unfern Reitern gute Dienste thun werden, lagen zwölf Kisten mit kleineren Silberklumpen und zwei Säcke mit Silberschuhen (ein Schuh Silber 50 Haikwan TaelS), Alle» in Allem etwa 60000 Mk. Das Geld wurde an die Intendantur abgeliefert.

Einzelheiten.

Eti-hai, der Mörder des deutschen Gesandten Frhrn. v. Ketteler, wurde Montag Nachmittag um 3 Uhr an der Mordstelle mit dem Schwerte hingerichtet.

Die Gräfin Walderkee emufing folgendes Telegramm ihre? Gemahls:Endlich Aussicht auf Frieden. Hurrah!"

geringen englischen Antheil an Beute sehr ver­nehmlich klingt, werden wohl nicht ohne Er­widerung von anderen Seiten bleiben. Deutsche Truppen sind bekanntlich an der Einnahme Pekings unb an ben oben geschilderten Vor­gängen nicht beteiligt gewesen. Es sinb zweifel­los Fülle von Plünberung vorgekommen; immer aber werben es einzelne Leute gewesen fein, bie gegen bie Befehle ihrer Vorgesetzten auf Plünber­ung ausgegangen waren; bie organisirte Plünber­ung unter bem Befehle eines Generals verbleibt nach obigem Bericht englische Einrichtung. Man fragt sich, ob bie englische Regierung anbers über Kriegsbeute benkt, als bie franzö­sische, bie soeben durch bie Zurückweisung ge= plündertet Schätze bas beste Beispiel gegeben hat. Die englifche Erzählung muß übrigens, so schreibt mit Recht bie'Köln. Ztg.", überall ben Wunsch steigern, enblich bie Vorfälle un­parteiisch untersucht und das Ergebniß ver­öffentlicht zu sehen.

Ueher die Wegnahme einer chinesi­schen Kriegskasse

durch einen deutschen Officier bringt der Ostasiat. Lloyd" einen ihm vom Nachrichten­bureau des deutschen Flottenvereins zur Ver­fügung gestellten Bericht. ES heißt in diesem Bericht:

Das Detachement des Majors von Mühl­mann, bestehend aus der 2. und 3. Kompagnie des 3. ostasiatischen Infanterie-Regiments und zwei italienischen Gebirgsgeschützen, war am 19. Oktober früh von Pung-tsing-hsien aufge­brochen, um die Kolonne Kettler in An - chon wieder zu erreichen. Leutnant Düsterberg mit drei Reitern, einem chinesischen Dolmetscher und einem Italiener, der auch als Dolmetscher diente, bildete die Kavalleriespitze und war dem Detache­ment weit voraus.

Plötzlich, gegen Mittag, sah er vor sich eine große Staubwolke und bemerkte dann durch das GlaS einen Wagen; u g, der durch mehrere Reiter eseortirt wurde, in einer Entfernung von 2 km nach Nordwesten ziehen. In vollem Galopp ritt er mit ben 3 Reitern über Sturzacker hinweg auf bie Colonne zu. Diese bestanb aus 9 ober 10 Wagen, jeher mit 4 Tieren bespannt. Auf jebem Wagen saßen 2 Solbaten, bie ihre Gewehre neben fich liegen hatten Neben ben Wagen ritten 20 bis 30 Reiter mit Karabinern. Ob es Boxer ober reguläre Truppen waren, war nicht erkenntlich. Der Führer ritt vor bem Zuge; nach ber Be­schreibung von Leutnant Düsterberg ist eS nicht unmöglich, baß eS der vom Detachement ver­folgte General Fang selbst gewesen ist.

(Nachdruck »erbeten.)

Wahre Liede.

Sriginal-Romau von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Zwitschernd schoflen die im Hellen Sonnen­licht glänzenden Schwalben um daS alte Herren­haus. Tausend und abertausend Thautropfen glänzten an dem jungen frischen Grün der zarten Blätter, an den Blüthenknospen, die freudig ihre Kelche der Sonne öffneten. Tief­blau war der ganze Himmel, nirgend» ein Wölkchen zu sehen.

Trotz der frühen Morgenstunde quoll auS dem Schornstein schon bläulicher, feiner Rauch, unb stieg kerzengerade, von keinem Windhauch bewegt, hinauf in die lichte Höhe, wo er in Nichts zerfloß. Heller und heller wurde es. Wie in goldenen Duft getaucht lag das HauS, vor besten Haupteingang zwei Särinerburschen eine Menge duftender Blumen geschickt zu einem reizenden Füllhorn ordneten, das von einem großen, von Buxbaum und Heidelbeerblättern gebildeten Viereck umrahmt wurde.

Eine außerordentliche Emsigkeit machte sich überall bemerbar. Für einen Augenblick erschien Tante Martha's Kopf mit bem Spitzenhäubchen an einem ber Fenster, verschwand aber sofort wieder.

Susanne'S Hochzeitstag war heute, und da gab e» natürlich für bie gute, alte Dame sehr viel zu schaffen unb anzuordnen. Man brauchte ihren Rath bei der Zusammenstellung deS Menü» sowohl, als auch beim Aufstellen ber Tafel im Speisesaal. DaS Fest sollte zwar nut im engsten

Lrlcheint täglich auBer an Werktagen nach tonn- und Feiertagen.

Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt. Q<?

Dmck und Verlag: Joh. Slug. Koch, Universitäts-Buchdruckern JJlarbura Markt 21. Televbon 55