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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

35 Jahrg.

Zweites Blatt

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(Nachdruck verboten.)

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dem Herrn Oberst aufgefallen war.

Ließ sich denn da garnichts machen? ter hätte dem Freunde und Fräulein Elschen gern geholfen, Regimentsadjutanten sind ja dazu da, alle möglichen Unannehmlichkeiten wieder ms richtige Geleis zu bringen. Wenn er nun diesen Leutnant Hövel doch noch herbeischaffte?

Wie war denn eigentlich der Rondengang? Richtig, Hövel sollte um Mitternacht die Wache und die Posten dadrüben in der Schanze Nr. 12 revidiren! Das war ja kaum zehn Minuten von der Villa Klinggräff entfeint Vielleicht

Hrichrtnl täglich außer an ÜUerttugen imaj «t-jiur- uns> tfeterUwn.

Sonntagsbeilage: JUnstrrrtes Sonntagsblatt.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdrucker«

JCiatbura Marti 21. Televdon 55

tut chtmast. en.

Ans Nah nnb Fern. Einbrecher überfielen Nachts in Kiel einen Wachtposten an der Kaiserwerft, den Musketier Tumforde aus dem Hannoverschen. Sie stürzten denselben von derGuaimauer in das Meer Tumforde ertrank. Die Verbrecher flüchteten; die Verhaftung eines Verdächtigen ist gelungen.

Spitzen.

Trr gestohleneKaiserhase". Gelegentlich der jüngsten Kaiserjagd beim Kammerherrn und Schloßhanptmann v. Alvensleben soll sich, wie nachträglich aus Neuhaldensleben gemeldet wird, der folgende eigenartige Zwischenfall abgespielt haben. Der Kaiser hatte soeben einen Hasen geschaffen, als plötzlich ein anständig gekleideter Alaun, der sich bis dahin in der Nähe ver­

borgen gehalten hatte, auf die Jagdbeute zu­stürzte und mit ihr querfeldein das Weite suchte. Die Verblüffung der Umstehenden war im Augenblick so groß, daß sie verabsäumten ,

I dem Fremden nachzusetzen, weshalb dieser mit seinem Raube glücklich entkam. Erst später gelang es einem ausgesandten reitenden Boten, das Jagdstück, auf dessen Wiedererlangung der Jagdherr eine Belohnung von 100 Mark auS- b gesetzt haben soll, mitsammt dem Freibeuter, einem Einwohner aus Magdeburg, zurück zu bringen. Ob es sich im vorliegenden Falle um einen dreisten Diebstahl handelt, oder ob der Thäter, der vielleicht nur ein Andenken an seinen Kaiser besitzen wollte, in plötzlich auf­wallendem Patriotismus sich den feisten Hasen angeeignet hat, konnte bisher nicht in Erfahrung

gebracht werden.

Vermischtes

Zu der Hochzeit der Königin Wilhelmine wird aus dem. Haag berichtet: Seit der An­kunft des Herzogs Heinrich von. Mecklenburg- Schwerin im Haag, der zum Besuch bei seiner Königlichen Braut weilt, hat sich im Haag das Interesse wieder voll der bevorstehenden Hochzeit zngewandt. Die Holländer bekunden ihre An­hänglichkeit an ihre jugendliche Königin weniger

ließ sich da etwas machen.

Regimentsadjutanten sind erfinderisch in allen Verlegenheiten und so begab sich denn auch Leutnant Willgerodt zum Oberst und hatte mit ihm eine kurze Unterredung.

Der Oberst lachte.Sie sind ein Tausendsassa, Willgerodt", sagte er dann.Sie bringen Alles fertig. Nun, meinetwegen, versuchen Sie Ihr Heil. Können ja dem Hövel sagen, daß ich hier seinen Rapport erwartete..."

Gegen Mitternacht entfernte sich der Adjutant unbemerkt aus der Gesellschaft.

(Schluß folgt.) .

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1 I zu dürfen.

1 In hochachtnngsvoller Verehrung Ihr ergebenster Albrecht von Hoevel,

durch große Demonstrationen; aber wenn von Mund zu Mund das Gerücht eilt:Die Königin fährt in den Wald", so stürzen sie alle dahin, um einen Blick auf sie und ihren Bräutigam zu werfen. Bei Hofe haben große Empfänge

stattgefunden. Die Königin, die Königin- Mutter und der Herzog haben die Glückwünsche der offiziellen Persönlichkeiten, der Diplomaten, Mitglieder der Generalstaaten, Offiziere des Heeres und der Marine u. s. w. entgegen;

genommen. Die Hochzeit wird wahrscheinlich einige Tage verschoben werden und erst Anfang Februar im Haag stattfinden, die Eiviltrauung in Gegenwart von sechs Zeugen im Palast

vorguckte.

Der arme Mensch! Wie er bei der bitteren Winterkälte frieren mußte. Und nun erst in der Nacht und ihr Albrecht sollte dahinaus durch Schnee und Eis um Mitternacht, während alle anderen Menschen es sich bei Punsch und Pfannkuchen wohl sein ließen. Das Soldaten- ; leben war doch furchtbar hart und grausam.

Elfe seufzte tief auf. Aber zum laugen

Nachdenken fand sie am heutigen Tage keine

! Zeit. Sie mußte ihrer Mama und der Köchin und dem Hausmädchen helfen, Alles auf die Sylvestergesellschast herzurichten. Der Herr

: Oberst tarn und noch mehrere Offiziere nut Damen sowie ohne Damen und Herr und Frau : Landgerichtspräsident und einige Assefforen und E Referendare und mehrere junge Damen und es : sollte am Abend sehr lustig werden, wie Elses I Papa, der muntere, graiibärtige pensionirte Major van Klinggräff, meinte.

(Sine Sytvefternovellette von £). Elfte r (Berlin).

Am Sylvesterabend werden wir uns Wieder­sehen, Fräulein Else Ihr Herr Vater war ia so freundlich mich einzuladen dann wollen wir in der Stunde der Mitternacht, wo das alte flahr versinkt und ein neues Jahr irgend Mich und hoffnungsfroh emporsteigt emen Blick m j)te Zukunft thun, und ich werde den Geist jener aeheimnißvollen Stunde fragen, ob in dem neuen Jahre mein innigster Herzenswunsch er­füllt wird, Fräulein Else." ...

Ja, das hatte er gesagt, als er ihr vor einigen Tagen auf der Promenade begegnete, und hatte ihr dann so bittend und , zärtlich tu hie blauen Augen gesehen, daß sie diese erröthend niedergeschlagen und ihre Wangen von heißer Gluth überflammt wurden.

Und nun hielt sie seinen Brief an Papa in der Hand, in dem er schrieb, daß er nicht zur Sylvestergesellschaft kommen könne, da er gerade für die Shlvesternacht zur Ronde kommandirt sei und gegen Mitternacht die Außenposten auf den Festungswällen zu revidiren habe. Leider kann ich auch keinen Kameraden bitten", so schloß der Brief,mich zu vertreten, da alle an jenem Abend gesellschaftliche Pflichten haben, denen ich sie nicht entziehen kann. Ich hoffe jedoch, i sain Neujahrstage meinen Glückwunsch «ähnen j Mund Ihrer verehrten Familie zu Füßen legen

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Der Major wußte ja nichts von den Schmerzen seines Töchterchens, aber Else nahm sich vor, den Herrn Oberst, der mit ihr so gern scherzte und der heute Albrecht zur Ronde kommandirt hatte, den ganzen Abend kein freundliches Gesicht zu zeigen. Das sollte seine Strafe sein. r.

Am Abend wurde es denn auch sehr lustig in dem Salon der Villa Klinggräff. ^es Majors Bowle war ausgezeichnet; der JJtaior nnb seine Gattin waren die liebenswürdigsten Wirthe, der Herr Oberst hatte seine beste Laune mitgebracht und da sich die Herren Offiziere richten^ zeigteu^sie auch che"'ftöhlichste ! NooÄ'e1nde,"ünd die kirchliche Zeremonie in der I Sümmuuq un es Herr chte bald eine fröhliche Groote Kerk die wegen ihrer Größe und der Au-Masstnheit wie man es sich nur an einem historischen Erinnerungen gewählt wurde Die ~ r, \r>niifrfipn fnnn I Brautwagen werden natürlich eine Militärische I

**) Nur Fräulein Elschen ließ das Köpfchen Begleitmannschaft haben, aber sonst soll nach bänaen vergebens versuchte der lange Regiments- dieser Richtung hm nicht viel Pomp aufgewendet adiutant Leutnant Willgerodt, die trübe werden. Einladungen an die regierenden Hauser Stimmuna Elschens durch seine allerdings nicht I Europas sind bis jetzt nicht ergangen. Man I . < fpßr Geistreichen Witze fortzuscherzeu I erwartet sehr viele Verwandte, so von Seiten nnb nnü iAnefelidi feine Bemühungen auf. der Braut die Herzogin von Albany, Herzog

Was haben Sie nur heute Abend, gnädiges Karl von Koburg, Prinzessin Alice von Albany, I ^TÄnTpi*1?" fante er Sie sind so ernst ge- mehrere Mitglieder der Häuser Württemberg, Fraulem. ' @i' i e ^übe Waldeck-Pyrmont und Wied, von Seiten des

£TVolten bab?n " Herzogs außer seinen Geschwistern Mitglieder

l' ^nein aber ^muß heute stets an die der Familien Schwarzburg- Rudolstadt, Hessen- armen Soldaten denken, welche bei Schnee und Darmstadt und Sachsen-Weimar. Obgleich bei ®ig da draußen Posten stehen müssen. . ." I holländischen Hochzeiten allgemein Sitte ist, I

-> las ist nun so", entgegnete der Regi- Brautjungfern die Braut geleiten, wird Königin

Tnrfipnb Aber der Oberst hat I Wilhelmine wahrscheinlich keine haben. Nach I

ia befohlen daß auf jeder Wache ein kleiner dem im Ballsaal eingenommenen Frühstück wird

Svlveftervunfch den Soldaten verabreicht das neuvermählte Paar sich nach Het Loo be-

1ff- geben. Die Fahrt nach dem Bahnhof wird tu

M Das finde ich sehr nett von dem Herrn einer prächtigen Staatskutsche, einem Geschenk Oberst Aber die Offiziere, die heute Nacht der Bürger Amsterdams vor sich gehen, sodaß Ronde gehen müssen^ haben eine schlechte die Holländer reichlich Gelegenheit haben werden, £Xft,St " ihre Königin zu sehen. Das größte Interesse

0y Der Regimentsadjutant .blickte mit einem erregt natürlich das Hochzeitskleid. Es wird I feilten Erstaunen in Elsens Gesichtchen, His vielleicht das prächtigste Brautkleid fein, das fid) mit einer seinen Röthe überzog. Aber man in neuerer Zeit gesehen hat. Die Zeich- schlau wie nun einmal alle Adjutanten sind, nung dazu ist von Nicaud, in Paris entworfen; ging ihm mit einem Male ein Licht auf. dort wird es auch fertig gestellt. Die prächtigen hnn knebel batte gar dringend ge- Stickereien werden m der Königlichen Schule S LÄ -ich' 3UT für KuüMtiierei, in Minbung m,t d-m

inX 2.. fommanbiren er sei zu Major von Rijks - Museum m Amsterdam, angefertigt. Klinggräff eingeladen und wollte nicht gern Das ganze Kleid ist ans wunderbar f^ieg: I abfaaen Der Adjutant hätte ihm gern den samern und feingewebtem Silbertuch, das an Gefallen qethan aber es ging beim besten jene indischen Musseline zur Zeit unserer Groß- Willpn nidit lind nun kam auch Fräulein mütter erinnert. Das Gewebe ist mit großen

ack die Ronde zu spachen? Kosten besonders zu diesem Zweck hergestellt.

® £ 1 fbab§ gab denn doch zu denken. Leut- worden. Die zweieinhalb Meter auf dem Boden nant Hövel hatte sich auf dem letzten Casino- ! lange Schleppe fällt Oon ber iaiHe herab und ball st eingehend mit Fräulein Else beschäftigt - ist von zwei breiten Streifen Stickerei umgeben ja ja daö war's. Deshalb war Fräulein Die derselben zu Grunde liegende ^dee sind Eischen heute Abend so verstimmt, daß es selbst lose Orangeblüthenzweige und Laubwerk in kunst- I hpni .fSprrn Oberst ausgefallen war. I Mischer Verbindung mtt Arabesken und Bauderrn

Jedes Blumenbuscbel hat eine vollerfchloffene Blüthe, die von mehr oder weniger entwickelten Knospen umgeben ist. Die nach holländischem Brauch für eine Staatshochzeit ausgeschnittene Taille zeigt keine Stickerei, sie wird mit Brüsseler Spitzen garnirt, von denen die Königin eine sehr kostbare Sammlung alter und neuer Muster besitzt; der Schleier ist gleichfalls aus Brüsseler

Bergmigungs- Anzeiger Repertoir-Entwurf der Frankfurter Stadttbeater.

Opernhaus.

Sonntag, 30. Dez., 3>/. Uhr: »Sneewittchen und die sieben Zwerge." 7 Uhr:Der Wildschutz.

Montag, 31. Dez., 3>/. Uhr: Sneewittchen und die sieben Zwerge." 7 Uhr:Die Geisha.

Dienstag, 1. Januar, 3>/. Uhr:Sneewittchen uni die sieben Zwerge." 7 Uhr:Tannhäuser uni der Sängerkrieg aus Wartburg."

Schauspielhaus.

Sonntag. 30. Dez., 3'/. Uhr:Rosenmontag." 7 Uhe Die strengen Herren."

Montag 31. Dez. 7 Uhr:Besondrer Umstündi halber." Hieraus:Charleys Tante.

Königliches Theater zu Cassel.

Sonntag, 30. Dezbr., 3 Uhr:Fidelio," 7 Uhr Robert und Bertram."

Montag, 31. Dezbr.:Der Hochzeitstag.Joche,

Päsel."

Dienstag, 1. Januar:Don Juan.

Mittwoch, 2. Januar:Der Kausmanx von Venedig.

Vinarigo.

Wir verfehlen nicht, unsere geehrten Leser auf Weine der Spanifchen Weingesellschaft Vinavigo nj merksam zu machen; dieselben sind von hervorragend Güte und als Stärkungsweine für Schwächliche u Kranke, sowie als ausgezeichnete Frühstücks- ul Dessertweine bestens zu empfehlen. Malaga, bunl voll, füß: Lacrimae Christi, goldgelb, hochjel sehr süß und fett, dem Tokayerwern ähnlich; Pod wein, roth, süß mit kräftig, gewürzhaftem Aroifl Portwein, weiß, füß, angenehm-milde, aromatisl Sherry, halbsüß, von angenehm-herzhaftem C schmück; Marsala, halbsüß, fernes mildes Arock Vermouth und Museal. Der Verkauf findet I Originalpreisen in der Drogerie von P. T r o m statt. Tie Flaschen tragen auf dem Etikett die gef lich deponirte Schutzmarke der FirmaVinavigo . | Verantwortlich für die Redaktion: Hans Hupst ix Marburg.

vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk.,

. on , bei allen Postämtern LL5 Mk. (excl. Bestellgeld). /

12. ov4 Juf.rti.nsg.bühr:1* -kspaltE Stile »^r iure» ««NX 10 Pf«. ^D^ntaa, 30. Dezember 1900.

Reclawen: du Zeile 26 Pfg. ° -----

k Rim war Fräulein ElfenS ganze Freude Mdahin! Aus dem Blick in die Zukunft m der aeheimnißvollen Mitternachtsstunde wurde nichts; wer wußte, wann eine solche glückverheißende Stunde wiederkehrte? Am Hellen Neujahrs- morgen, an dem die meisten Menfchen mit einem gewissen Druck im Kopf umhergehen, war wohl kaum der geeignete Moment, jene Frage an das Schicksal, jenen Blick in die Zu­kunft zu thun. Da ist alles so hell, so nüchtern, so wirklichkeitsklar, daß man unwillkürlich vor feiner solchen inhaltsschweren Frage zurückbebt.

So wenigstens dachte Fräulein Else, als sie am Sylvestermorgen am Fenster der Wohnstube stand und mit traurigem Blick auf die ver­schneiten Anlagen der Wallpromenade blickte, Lau der ihre elterliche Villa lag. Weshalb mußte denn gerade Albrecht zur Ronde kom­mandirt werden? Weshalb mußten denn über- chaupt in der Sylvesternacht die Posten revidiert werden? In einer solchen Nacht hätte man mämme die Posten doch einmal ruhig gewähren lassen ~ : können. Da drüben, wo sich die kleine Schanze

erhob, stand auch so ein unglücklicher Posten. Else konnte ihn vom Fenster aus beobachten, j wie er auf dem Walle auf und abpatrouillierte, szehn Schritt rechts, zehn Schritt links, eingehüllt ; in den dicken Wintermantel, das Gewehr auf ber Schulter, die Hände in den unförmlichen Fausthandschuhen, um die Ohren eine Ohren- i klappe, daß nur das rotgefrorene Gesicht her-

der.

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