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die Manege geritten, und das Publikum empfing seinen Liebling mit einem Kranz- und Blumenregen, mit Händeklatschen und Bravorusen. War es doch für lange Zeit das letzte Mal, daß man den gefeierten Künstler bewundern konnte. Stolz wie ein Fürst nahm der kühne Reiter alle Huldigungen entgegen. Seine ernste Miene heiterte sich dabei nicht auf, fast finster flog sein Blick über die Menge hin. Die Blumen, welche die Damen ihm zuwarfen, alle die duftenden Rosen, die um diese Jahreszeit eben nur in der Großstadt für theures Geld zu haben waren, sie blieben unbeachtet liegen und starben unter den Hufen deS feurigen Pferdes. Kaltblütig fah der stolze Reiter zu, wie das Thier darüber hinschritt, und wie die Diener sich mühten, die kleineren und größeren Bouquets vom Boden aufzulesen, um freie Bahn zu schaffen.
Die hohe Gestalt deS Reiters stand aufrecht auf dem Rücken deS Pferdes. Er trieb daffelbe durch ein kaum merkliches Schnalzen mit der Zunge zu immer rascherer Gangart an.
HanS von Uttrecht hielt entsetzt den Arm seines Begleiters wie mit Eisevklammern umspannt.
»Wach' ich, — oder träum' ich?" rief er so laut, daß ihm Graf Dornbusch rasch ein Zeichen gab, um ihn zum Schweigen zu bringen.
»Nehmen Sie sich zusammen, man wird sonst aufmerksam", raunte er dem Aufgeregten ins Ohr.
»Ist das Graf Tennewitz, oder neckt mich ein Trugbild?" sagte Uttrecht, sich gewaltsam fastend.
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hatte auf ihn wie ein Zauber gewirkt, dem er sich nicht zu entziehen vermochte. Mit der Erkenntnis, daß er sich einem Mädchen angelobt, daS nichts besaß als seine Schönheit, kam auch die Ernüchterung, — schwand die Liebe rasch dahin.
Graf Dornbusch snß unbeweglich. Nur hie und da streifte ein rascher Blick das ernste Gesicht seines Begleiters, und dann irrte kaum wahrnehmbar, ein leises, spöttisches Lächeln um die schmalen Lippen. Er ahnte, was im Innern dieses Mannes vorging, und daß es keine freundlichen Gedanken waren, die ihn beschäftigten.
»Ich glaubte Ihnen Offenheit schuldig zu sein", murmelte der Graf und bemühte sich, recht traurig und theilnahmsvoll auszusehen, waS ihm indeß nicht ganz gelingen wollte, denn in seinem Herzen herrschte Heller Jubel, weil er sah, daß die Liebe Uttrechts stark ans Wanken kam. Löste dieser die Verlobung, so bestand die beste Aussicht für ihn, bei der spröden Schönen doch noch in Gunst zu kommen, wenn sie seine selbstlose, opferwillige Liebe erkannte. Er war im Stande, ihr wie dem Vater ein sorgenfreies Leben zu bereiten. Wie oft hatte er mit Lennewitz davon gesprochen, und ihm die Zukunft in den heitersten Farben gemalt, wenn er — Tennewitz — es dahin zu bringen wüßte, daß das eigensinnige Töchterchen das kleine Wörtchen „ja" aussprach. Isa mußte ihm schließlich noch dankbar sein, wenn er ihrem Vater für alle Zeiten aus der Geldmisere half.
AuS ihrem Sinnen wurden die beiden Männer durch einen wahren Beifallssturm geweckt. Der Jockehreiter Johnson war eben in
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früh - ins Grab gesunkenen Männern und Jünglingen.
Der König von Italien sandte aus Anlaß des Unterganges des „Gneisenau" an den Kaiser ein Beileidstelegramm. Ein ebensolches sandte der Marineminister Morin dem Staatssekretär des Reichsmarineamts, Vizeadmiral v. Tirpitz.
Der französische MarineministerLaneffan hat an den Staatssekretär des deutschen Reichsmarineamt ein Beileidstelegramm gerichtet.
Der deutsche Konsul telegraphiert auS Malta an den Staatssekretär des ReichS- Marineamts:
„Der britische Admiral und die Mittelmeerflotte bitten, inniges Beileid entgegen zu nehmen. Zwei Schiffe durch Admiral nach Malaga entsandt."
Im spanischen Senate gedachte Polancr mit Worten ehrender Anerkennung der spanischen Seeleute, die bei den Rettungswerken ihr Leben einbüßten, sowie die übrigen Seeleute, welche sich au dem Rettungswerke betheiligten, und brachte einen Antrag ein, in welchem der Minister des Auswärtigen aufgefordert wird, der deutschen Regierung die Gefühle de? Senats aus Anlaß der schrecklichen Katastrophk zum Ausdruck zu bringen. Die spanische Presst widmet dem heldenmütigen Kommandanten des „Gneisenau", Kapitän Kretschmann, ehrenvolle Nachrufe.
Einzelheiten.
Kapitänleutnant Werner meldet auS Malaga: Sobald der Seegang dies gestattet wird das Schiff durch Taucher unter sucht; ein Bergungsdampfer ist eingetroffen Die Arbeiten beginnen morgen. Das Befinden der Geretteten ist gut.
Don anderer amtlicher Stelle wird gemeldet Für die Pflege der Verletzten ist gut gesorgt die meisten Fälle sind ungefährlich.
wird fich nicht irre machen lassen in ihrem stolzen Berufe des Kampfes und des Ausharrens, was Gottes Wille auch bringt; dessen bin Ich gewiß. Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur Kenntniß Meiner Marine zu bringen.
Neues PalaiS, den 17. Dezember 1900. (gez.) Wilhelm I. R.
U eber die Ursachen, die zumScheitern der „ Gneisenau"
beitrugen, wird der „Vost. Ztg." von sach- männischer Seite geschrieben:
Nach den Meldnngen des geretteten Kap.- Lts. Werner erweist sich der Verlust des Schiffes als eine Kette widriger Umstände. Am Vormittage des Unglückstages lag der „Gneisenau" auf der Rehde vor dem Backbordanker, der indessen bei dem Einsetzen des Sturmes auf dem Meeresboden nicht hielt, da er „schlippte", wie es in den amtlichen Meldungen heißt. Für einen derartigen Fall ist an Bord unserer Kriegsschiffe sofort ein zweiter Anker „klar zum Fallen", wie es auch bei dem „Gneisenau" zutraf. Aber dieser zweite ausgewvrfene Anker konnte allein das bereits treibende Schiff von der Molle nicht mehr fern halten. Es hätten nun noch die beiden großen Reserveanker, womit jedes Schulschiff ausgerüstet ist, in Wirksamkeit treten können; aber diese hätten erst mit den Ankerketten verbunden werden müsten, wozu es während der Katastrophe sicher an Zeit gefehlt haben wird. Außerdem versagte während des Treibens des Schiffes die Maschine, d. h. sie konnte nicht in Bewegung gesetzt werden, da während der kurzen Zeit des Unfalls nicht genügend Dampf aufgemacht werden konnte Gerade die Schulschiffe, als ältere Fahrzeuge unserer Flotte, brauchen aber, um unter Dampf manövrieren zu können, verhältnißmäßig recht lange Zeit, da sie noch mit den sogenannten Kofferkesseln ausgerüstet sind. Die Maschine des „Gneisenau" war eine liegende, einfache Expansionsmaschine mit 3 Chlindern und Trunkkolben, die nur eine Schraube zu treiben hat, während sich auf allen neueren Schiffen unserer Flotte zwei bis drei getrennt eingebaute Maschinen befinden, die ebenso viele Schrauben in Bewegung zu setzen haben. Daß das Schiff aber während der Katastrophe von seinen Segeln hätte Gebrauch machen können, um auf diese Weise die hohe See zu gewinnen, muß als ausgeschlosten bezeichnet werden, da das „Unter Segelgehen" einer großen Fregatte selbst bei dem Personal von einigen hundert Köpfen während eines Sturmes immer ein überaus schwieriges Manöver ist, zumal wenn ein großer
„Er ist es selbst, und nun werden Sie woh meinen Worten glauben muffen".
»Aber ich begreife daS Alles nicht, Graf!' »Und es ist doch so einfach. Tennewitz sal! fich gezwungen, etwas zu verdienen, und da dai Reiten von jeher feine Hauptpasfion war, uni fein vornehmes Auftreten sowie die schöne Gestal ihm sehr zu statten kam, überlegte er nich lange und nahm das Anerbieten des Direktors an. Sie sehen, es hat keiner der Beiden eil schlechtes Geschäft gemacht".
„Das Alles wußten Sie und erzählten mi nichts davon? O, das ist wenig ehrenhaft ge handelt, Graf, Sie hätten mich doch warnet sollen, denn Sie wußten, daß ich die Tochte diesesKunstreiters liebte, Sie dursten ei nicht zur öffentlichen Verlobung kommen laffen"
L ®Taf Dornbusch lächelte.
„Wenn ich hätte ahnen können, daß Sie di Sache so alterirt, hätte ich gesprochen, wenn gleich ich voraussetzen mußte, daß Sie mi nicht glauben würden. Denken Sie an Ihr vorigen Zweifel, mein Freund! Sie mußten fit erst mit eigenen Augen überzeugen, nun hoffent lich genügen Ihnen jetzt meine Beweise. Uri noch etwas hielt mich ab, Ihnen zu erzählen was ich selbst nur durch Zufall erfuhr. Jc habe nämlich Tennewitz mein Wort gegeben mit Niemand über die Sache zu sprechen. Al- ich ihn das erste Mal im Circus sah, war ic ebenso erstaunt, wie Sie. Bei unserem spätere: Zusammentreffen leugnete er mit solcher Ent fchiedenheit, im Circus aufgetreten zu fein, da' eS ihm gelang, mich zu täuschen. Ich wurd thatsächlich irre, und glaubte, dieser Jokeyreite Johnson sehe dem Grafen Tennewitz eben nu
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17.
Umschau.
DaS Offenbacher Eisenbahnunglück.
Die hessische zweite Kammer beschäftigte sich vor einigen Tagen auch mit einer Interpellation über das Offenbacher Eisenbahnunglück
In der Beantwortung der Interpellation erklärte Ministerialpräsident Gnauth, ein endgültiges Urtheil über die Ursache des beklagen? werthen Unglücks nicht abgeben zu können, dc die gerichtliche Untersuchung noch in der Schwebt sei und auch vor Ende des Jahres sicher nicht abgeschloffen werde« dürfte. Eine Prüfung bei;
Theil der Besatzung aus jüngeren Kadetten und Schiffsjungen besteht, die fich noch nicht ein Jahr im Dienst befinden. Nach den Erfahrungen, die man mit Hebungsversuchen untergegangener großer Schiffe gemacht hat, muß angenommen werden, daß der „Gneisenau" nicht geborgen werden wird. Die aufzuwendenden bedeutenden Kosten würden kaum im richtigen Derhältniß zu dem Werth des Wracks stehen, zumal dieses in nicht unbedeutender Tiefe liegt (da ja nur noch die halben Masten nach dem Untergang ans dem Wasser ragten) und während der Strandung der Schiffskörper arg mitgenommen sein wird. Ein Theil der Ausrüstung dürfte sich dagegen bergen lassen, zumal wenn man nicht zu lange Zeit bis zur Sprengung des Wracks verstreichen läßt. Wenn der „Gneisenau" auch ein älteres Fahrzeug unserer Flotte war, so dürfte der Verlust des Schiffes für die Marineverwaltung fich doch immer auf 7 bis 10 Millionen Mark stellen.
I« Malaga.
Außer dem spanischen Kanonenboot „Nuova Espana".trifft auch der englische Kreuzer „Black" zur Beerdigungsfeier in Malaga ein. Auch der deutsche Bergungsdampfer „Neva" langte mit Tauchern dort an. Der Hafenkapitän behauptet, rechtzeitig das Warnungsfignal gegeben zu haben. Am Sonntag sollte an Bord des „Gneisenau" ein Abschiedsfest zu Ehren der deutschen Kolonie stattfinden. Der Hafenkommandant hatte den Kapitän Kretschmann auf die Gefahr aufmerksam gemacht, im Außenhafen zu entern. In Malaga sind die Zeichen der Trauer allgemein. Die deutsche Kolonie bereitet ein prunkvolles Begräbniß für die unglücklichen Opfer vor.
Die Leiche des Kommandanten der „Gneisenau", Kapitän zur See Kretschmann, wurde Montag Nachmittag an die Küste gespült. Die Beisetzung soll Dienstag auf dem englischen Kirchhof erfolgen. Die Leichen der übrigen Umgekommenen find bisher nicht geborgen.
Trauerkundgebungen.
Der Kaiser richtete an Prinz-Regent Luitpold von Bayern folgendes Telegramm:
Deine warmen Worte der Mittrauer um den schweren Verlust, der unsere aufstrebende Marine betroffen hat, verpflichten Mich Dir zu aufrichtigem Dank. Ich zweifle nicht, daß die Mannschaft im Kampf mit den Elementen ebenso ihre Schuldigkeit getha« haben wird, wie im Kampf mit dem Feind die Tapferen, die Ich gestern im Beifein Deines Enkels bei ihrer Heimkehr begrüßen konnte. Ehre den so
Untergang der „Gneisenau".
Glücklicherweise ist der Schlag, der die irische Marine getroffen hat, nicht ganz schwer, als man nach den ersten Nachrichten achten mußte. Es liegt auch heute keine ünzung der Verlustliste vor, so daß man fen darf, daß die Katastrophe keine weiteren er gefordert hat, als die gestern von uns elbeten. Den Schmerz, den das deutsche Ik über das große Unglück empfindet, lindern igermaßen die Beweise aufrichtiger Theil- e, die ihm von allen Seiten zu- men; am meisten aber geht uns das alten der fpanischen Behörden und der wohnerschaft von Malaga zu Herzen. Das ne Leben haben die Wackeren aufs Spiel etzt, um unsere Landsleute aus Seenoth zu eien, und eS scheint, daß einige von denen, fich an dem Rettungswerk betheiligt haben, ein Opfer ihrer Nächstenliebe geworden . Wir werden den Edelmuth der Spanier so weniger vergessen, als er lebhaft korr- stirt mit den widerlichen Szenen, die sich pielten, als im vergangenen Sommer deutsche ifie und deutsche Matrosen im Hafen von -Jork in Noth waren.
ine Berichtigung ber Derlustliste. Die Namensliste der Vermißten ist noch zu inzen durch die Namen der Matrosen Speck- n und Schlichtmann (oder Schliesmann). frühere amtliche Liste ist dahin zu berich- n, daß vermißt werden der Schiffsjunge edrich Möller, nicht Friedrich und Möller, rr der Matrose Wilhelm Meyer, nicht ebn und Meyer. Hiermit ist die Ver- tenliste abgeschloffen, die also 38 Todte thlt.
Eine kaiserliche Ordre.
Der Kaiser hat nachstehende Ordre laffen:
(Nachdruck verboten.)
Wahre Liebe.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
lFortsetzung.)
„Ich glaube nicht an das, was Sie erzählen «f! ES sind Märchen, nichts als Märchen, h weiß. Sie haben von Komteffe Isa einen b erhalten, und wollen sich nun dafür rächen, habe sogar auS dem Mund meiner Braut
n einmal eine Anspielung gehört, daß ihr er ein großes Vermögen besitzt."
»Graf Tennewitz hat nicht nur Alle, die ihm verkehrten, sondern auch seine eigene ter über seine Vermögensverhältniffe ge- scht. Komteffe Isa hat bis heute keine Ahn- , daß ihrem Vater das Meffer an der le saß, daß er den alten Stammsitz feiner er verkaufen mußte, wollte er nicht erleben es von anderer Seite zwangsweise geschah, zog eS ihn wirklich nach der Residenz. — hält fich für eine reiche Erbin und meint mjenigen zu beglücken, dem sie ihre Hand t. DaS Erwachen auS diesem Traum wird
ecklich sein!"
Uttrecht saß da, wie vom Donner gerührt, seinem Hirn wälzten sich die Gedanken hin her, er sah und hörte kaum, was ringsum ging, es wogte ihm wie ein Nebelmeer vor
Augen. Eine mittellose Frau wollte er lcht heimführen, sein im Grund selbstsüchtiges sen lehnte sich dagegen auf. Dadurch wäre gezwungen gewesen, sich mancherlei Einschränkungen auszuerlegen. Fast bereute er, sich so -sch und unvorsichtig an Isa gebunden zu ti>en, aber die Nähe deS holden Mädchens
Während Ich am gestrigen Tage die Freude tte, den heimgekehrten Offizieren und Mann- aften Meiner Marine im Zeughaufe zu Berlin eine Anerkennung für ihr tapferes Verhalten China auszusprechen, tobte ein schwerer türm bei Malaga, welcher sür Mein Schul- iff „Gneisenau" verhängnißvoll geworden ist. i« Schiff hat der Gewalt der Wogen erliegen äffen und mit ihm fein braver Kommandant, Uvie ein Theil der tapfer kämpfenden Be- jung, der hoffnungsvolle Nachwuchs Meiner oiine. Eine erschütternde Fügung, auf die j mit tiefer Wehmuth blicke! Meine Marine t wiederum schwere Opfer gebracht, aber sie
Liirteljährlicyer Bezugspreis: oet der sxpevmou n -vrr» Erichetn! lagUch nutzer an Werlwgen naui -utuv uiu> ^ettnagen.
1/n 9Q7 bei aller, Postämtern 9,26 Mk. (ejd. Betz^lgeld). Sonntagsbeilage: Jllujtrirtes Sonntagsblatt. »ri
</■=• “v! Jnsertioutzgebühr: di« gespaltene Zeile oder deren Rmn» 10 Pfg, nn innn Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdrnckerei
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