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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg »ud Kirchhain
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Erstes Blatt
England in Nöthen.
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'er auf das Vorhaben einging.
Ja,.fort wollte er, so bald als möglich, am
einen Augenblick in der seinen hielt. Wenn es ihr auch Keiner sagte, was diese plötzliche Abreise bedeutete, so ahnte sie doch die Wahrheit. Sie sah sehr blaß aus in diesen Tagen und war stiller als sonst. Nur wenn, was täglich geschah, Herr v. Uttrecht auf Buchecke vorsprach, schien sie heiter und liebenswürdig. Kurt 'hmt bei den Besuchen Uttrechts niemals zugegen gewesen, er hatte dann stets sehr viel zu schaffen außerhalb des Hauses, und fand immer einen Vorwand, um sich zu entfernen.
Da saß er meist schweigend, den Kopf in die Hand gestützt, drüben bei Heßfeld in dessen Junggesellenheim und wartete die Zeit ab, wo Uttrecht sich entfernte.
Heßfeld störte ihn nicht. Er ließ den Freund, — denn ein solcher war ihm Kurt in den letzten Tagen worden, — ruhig gewähren.
Wenn dann der Abend heriedersank, und die Bewohner von Buchecke sich in Tante Marthas gemüthlichem Zimmer versammelten, gab es freundliche, trauliche Stunden. Kur" war auch hier meistens nur stummer Zuhörer. Isa vermied es, den Jugendfreund nach dem Grund seines veränderten Wesens zn fragen, sie fürchtete sich vor der Antwort, und wich einem Alleinsein mit Kurt stets geschickt aus. —
Nun war er abgereist, und auf Buchecke flössen die trüben Herbsttage in ruhigem Gleichmaß dahin. Isa war beschäftigt, die Verlobungskarten an die nicht eben zahlreichen Bekannten zu verschicken. Dem Vater hatte sie einen ausführlichen Brief geschrieben, worin sie ihm ihre Verlobung mittheilte und dem Gedanken Ausdruck gab, daß sie bis zu ihrer Verheirathung, die voraussichtlich im Frühjahr stattfinden
würde, nach der Residenz zurückkehren wollte um die Aussteuer zu besorgen. Sie ließ dabe j einfließen, daß ihr Verlobter das Haus nei, möblieren möchte, selbstverständlich sei das Sach, der Braut. Es koste das zwar viel Geld, doll hosse sie, der Vater werde nicht knausern.
Graf Tennewitz schien von diesen Nachrichter' sehr wenig erbaut zu sein. Er schrieb umgehen! an seine Tochter:
— „Das trifft fich alles sehr schlecht jetzt/ hieß es da unter Anderem. „Du mußt Dill vorläufig gedulden, denn ich bin gezwungen, ii der nächsten Woche die geplante Reise anzutreten die mich auf unbestimmte Zeit sernhält. E- sind bereits alle Vorbereitungen getroffen, id kann es nicht mehr ändern. Wenn ich zurück komme, wollen wir alles miteinander besprechen bis dahin bleibe, wo Du bist. Hättest Di Dornbusch geheirathet/ hieß es weiter, „fi wärest Du längst versorgt. Don einer Aus steuer war bei ihm gar nicht die Rede."
Mißmuthig warf Isa das Blatt aus bei Tisch.
„Immer dieser Dornbusch," sagte sie zn sic selbst. Der Vater schien sich von seinem Lieb lingsplan gar nicht trennen zu können. Dai er wegen der Aussteuer auch nur ein Wor verlor, befremdete sie fast, denn in seinen Ver hältnissen, bei seinem Reichthum konnte da doch keine Rolle spielen. Der Vater hatte ih auch eine Summe Geldes geschickt „für etwaigi besondere Ausgaben," wie er schrieb. Isa war das Geld ungezählt in den Kasten zu der andern. Es war ihr völlig gleichgültig, wi viel sie besaß. Sie hatte, so lange sie in Buck ecke weilte, noch keinen Psennig gebraucht, ma
olge erzielt zu haben. Bor Lichtenberg wurde der Burengeneral Lemmer getvdtet.
Die Lage in Komatipoort ist für die Engländer ernst. Eine 1500 Mann starke Burenstreitmacht befindet sich in der Nähe. Die Engländer erwarten einen Sturmangriff auf Komatipoort. Britische Kavallerie ist nach dem Sabieflusse abgegangen. Alle englischen Truppen haben Befehl, in Bereitschaft zu sein.
HUS,,lU)l, Falle von Verwundung oder rankheit erbarmungslos sich selbst überlassen i bleiben oder in die Typhusspitäler gepfergt »werden, in denen es keine Pflege und Nahrung, gegen aber Rohheiten und Brutalitäten die llle giebt, in einen Zustand der Erbitterung b des passiven Widerstandes gekommen, der chst gefährlich für die Armee ist. In all den hlreichen Soldatenbriefen, die mit jeder Afrika- )ft eintreffen, lautet der Refrain immer und imer wieder: wir können nicht mehr und
wenig geröthet. Er entwarf Pläne und traf Dorbereitungeu, seine Gedanken wurden dadurch abgelenkt, was einen sehr wohlthätigen Einfluß hatte.
Es war sehr spät geworden, als man fich endlich zur Ruhe begab.
* ♦
Abschiednehmend stand Kurt einige Tage später vor der Schwester, die muthig die Thränen zurückdrängte. Sie wollte dem Bruder nichu zeigen, wie schwer ihr die Trennung von ihm wurde. Wie lange er fortbleiben würde, wußte er noch nicht, aber wahrscheinlich würde er so bald nicht wiederkommen.
„Wie ich schon sagte," wandte er sich an Susanne, . „mit der Hochzeit wartet nicht cm: mich, sondern feiert sie in Gottes Namen ohne mein Beisein. Ihr braucht ja nicht viele Gäste einzuladen, äußeres Gepränge macht das ®Iüc: nicht aus. Also folgt meinem Rat, und schließt Euren Herzensbund recht bald. Wenn ich zurückkomme, feiern wir ein fröhliches Wiedersehen. Bis dahin, lebt wohl!"
Susanne weinte nun doch. Sie hing fich an den Hals des Bruders, und schluchzte, als sollte sie für immer von ihm Abschied nehmen.
Heßfeldt suchte sie zu beruhigen.
„Bin ich Dir denn gar nichts mehr, mein Schatz?" sagte er treuherzig. „Bedenke doch, daß Kurt als ein völlig Anderer wiederkehren wird. Du mußt Dich darein zu finden suchen, Liebste!"
Sie trocknete ihre Thränen und zwang ein Lächeln aus die blassen Lippen. Auch in den schönen Augen Jsa's schimmerte es feucht, als sie dem Jugendfreunde die Hand reichte, die er
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allein in den Stand fetzte, den Krieg anzu- angen, die moralische Unterstützung der eng- ischen Nation, verloren und wenn im vorigen Jahre dieselbe Stimmung im Lande geherrscht )ätte, wie heute, so wäre, wie der „Rh. C." meint, der Krieg nie zu Stande gekommen.
Jetzt handelt es sich darum, den Krieg sort- zuführen, und die Aufgabe ist heute so schwer wie die vor einem Jahre. Die Unterstützung vom Mutterlande ist nicht mehr zu haben und die 20 000 Mann, um die Roberts vor wenigen Wochen so dringend bat, sind nicht abgesandt worden. Die Summen, die für das Heer geordert wurden, sind bewilligt, aber die Sitzung, n der das geschah, ließ keinen Zweifel darüber, baß die nächste derartige Forderung auf Wider- tand stoßen wird, und daß für die zweite oder brüte Nachforderung, und diese müssen und werden kommen, vielleicht kaum eine dürstige Majorität zusammen zu bringen sein wird. Und zu alledem kommen nun noch die Nachrichten von einer empfindlichen Schlappe der Engländer.
Während im Süden Dewet wieder einmal einen Verfolgern entschlüpft ist, haben im Norden die Engländer eine Niederlage erlitten. General Clemens wurde am 13. dss. bei Tagesanbruch bei Nooitgedacht am Magalisberge von den Kommandos Delareys und Beyers, insgesamt 2509 Mann angegriffen. Lord Kitchener meldet darüber: „Der erste Angriff der Buren wurde abgeschlagen. Es gelang den Buren indessen, den Gipfel des Magalisberg es zu nehmen, welcher von vier Kompagnien der Northumberlander Füsiliere vertheidigt war. Die Buren beherrschten somit, das britische Lager, und General Clements zog sich von Heckport zurück und nahm auf einem Berge mitten im Flußthale Stellung. Der Kampf war sehr heftig Ein Oberst und drei Hauptleute wurden getödtet. Verstärkungen sind von Pretoria abgegangen. Die Brigade Broad- woods stand im Norden des Magalisberges, sieben Meilen westlich von der Division Clements." Der Schauplatz des Kampfes liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Pretoria. Daß die -Niederlage der Engländer recht schwer gewesen ist, geht schon daraus hervor, daß Kitchener über die Verluste an Mannschaften nichts mit- theilt.
Auch sonst liegen für die Engländer schlechte Nachrichten vor. Die Buren rühren fich überall. Nach einem Telegramm Lord Kitcheners aus Pretoria vom 13. Dezember haben die Buren die Orte Lichtenburg, Bethlehem, Wred und Vryheid angegriffen, ohne bis jetzt Er-
Umschau.
Zur Ernte-Statistik.
ve. Wer fich der ungünstigen Witterungs- ' Verhältnisse im letzten Frühjahre unt der Befürchtungen erinnert, welche daraus vielfach für die diesjährige Ernte hergeleitet wurden, wird , einigermaßen durch die Thatsache überrascht worden sein, daß nach den amtlichen Erhebungen trotz ungünstiger Ergebnisse in einigen östlichen Landstrichen der Gesammtaussall der Ernte der wichtigeren Getreidearten, wenigstens in Preußen, nur ganz unbedeutend hinter der ungewöhnlich günstigen Getreideernte der Jahre 1898 bis 1899 zurückblieb. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß zu dieser günstigen Entwickelung nicht zum Wenigsten die Fortschritte beigetragen haben, welche der Getreidebau in den letzten Jahren bei uns gemacht hat. Die Lehren der Wissenschaft und die Erfahrungen der Praxis haben die Technik des Getreidebaues sehr wesentlich gehoben, und die techn. Verbesserungen sind in immer weitere Kreise der landwirth- schaftlich thätigen Bevölkerung vorgedrungen. Es unterliegt, wie dies ja neuerdings auch von wissenschaftlicher Seite unbedingt anerkannt wird, keinem Zweifel, daß die deutschen Getreidebauer sich durch die Verminderung ihres Zollschutzes in Folge der Handelsverträge und der damit zusammenhängenden Verschlechterung der Rentabilität des Getreidebaues nicht haben ent- muthigen lassen, sondern aus eigener Kraft energisch den nachtheiligen Wirkungen der Zoll- Herabsetzung entgegengearbeitet haben. Diese energische Selbsthilfe verdient zweifellos vollste Anerkennung, und es kann nur mit Genug-1 thuung begrüßt werden, wenn die deutschen: Getreidebauer in verhältnißmäßig guten Getreideernten die Belohnung für ihre Arbeit erlangen Nichts aber wäre verkehrter, als der von freihändlerischer Seite aus dieser Thatsache ge-j zogene Schluß, daß, weil der deutsche Getreidebau sich redlich und nicht ohne Erfolc bemüht hat, die nachtheiligen Wirkungen bei Zollherabsetzungen einigermaßen auszugleichen
(Nachdruck verboten.)
Wahre Liebe.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
„Ich dächte", sagte sie, „es wäre das Beste, hi gingst längere Zeit auf Reisen; Du lernst um andere Menschen kennen, findest Anregung nb Zerstreuung. Die Welt ist ja so groß und hön, das Stillsitzen und Grübeln taucht nicht ir Dich, zumal jetzt der Winter vor der Thüre A, nd draußen die Natur schlafen geht. 6 sitzest Du zu viel zwischen Deinen^ vier wänden. Schüttle Dein Leid ab, mein Sohn, inb sammle in fremden Ländern neuen Muth l neuem Leben. Für das, was Du hier
<p . «fähig; ganz beträchtliche Kontingente frei- :d. L öliger Hilfstruppen aus den Kolonien sind [ifintbk «fach wieder in ihre Heimath gefahren einzun ^erdings verließen wieder 1800 Kanadier i apstadt) und England kann die Kolonien nicht i «durch brüskiren, daß es die Leute zwingt, ti bei Fahne zu bleiben. Die Verlustlisten sind mte so groß wie nur je in den ersten Monaten ö Krieges und die böseste Zeit des südafrika- fchen Klimas ist jetzt im Begriff, wieder einsehen, und das bedeutet eine weitere Steiger- ng' der Verluste. Dazu kommt, daß die Kimmung im englischen Heere so schlimm ist, ie sie überhaupt nur sein kann. Die Leute ab durch das ewige frucht- und wie ihnen heint, sinnlose Hin- und Hermarschiren, die j und Bekleidung, und
ist spät, aber endlich doch das englische Volk elbst zum Nachdenken gekommen und es findet, daß das, was es sieht, schlecht ist. Es ist zuviel vorgekommen, was die patriotische Begeisterung herabmindern mußte. Wir haben gesehen, daß das englische Volk in den schweren Tagen zu Ende des vorigen und Anfang dieses Jahres gelassen und zuversichtlich blieb Damals gingen die Wogen in Schmerz und Freude gleich hoch, aber das ist jetzt anders geworden.
So steht das englische Volk dem Kriege gegenüber heute zum großen Teil auf dem Standpunkt, daß er ein unpraktisches, langwieriges und außerordentlich kostspieliges Experiment ist, dessen Ausgang unsicher und dessen endlicher Nutzen für die Nation nach der Beendigung mindestens zweifelhaft ist. Dann giebt es noch einen Kreis in England, und dieser hat in den letzten Monaten ganz ungeheuer an Imfang zugenommen, von solchen Leuten, die diesen Krieg überhaupt für ungerecht halten. Man hat sich mit Händen und Füßen dagegen gesträubt, zu glauben, daß Rhodes und die anderen Mitglieder ü>er internationalen südafrikanischen Finanz-Clique an der Anzettelung des Krieges beteiligt waren oder Vorteile von demselben erhoffen konnten. Man hat sich weiter mit aller Kraft dagegen gesträubt, auch nur den Verdacht zu hegen, daß der verantwortliche Minister für Südafrika, der Kolonialsekretär Joseph Chamberlain, jemals von anderen Motiven, als denen der „Pax Britannien", 8er 'riedlichen Wahrung und Förderung englischer Interessen, geleitet worden sei und man hat schließlich niemals gezweifelt, daß alles, was in Südafrika englisch und auf der Welt gerecht ist, Englands Politik in Südafrika billigen müsse, wobei man, wohl zu verstehen, immer überzeugt war, daß England sich in der Defensive befand, und daß die Buren einen Raubzug zur Eroberung der reichen Provinz Natal unternommen hatten. Diese Illusion ist jetzt verschwunden. 140 Abgeordnete, die ebensoviel Tausende von englischen Bürgern vertraten, haben am Montag vor dem Parlament erklärt, daß die Beziehungen des Ministers bei diesem Kriege nicht rein waren, und ist in derselben Weise die Ernennung Milners zum Gouverneur der Transvaalstaaten getadelt worden. Das ist ein ungeheurer Umschwung gegen die Tage kurz vor dem Kriege und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß dieses Erkenntniß von den wahren Ursachen des Krieges und bon den geringen Aussichten, die er bietet, immer weitere und weitere Kreise im Volke durchdringen wird. Die Urheber des Krieges haben das, was sie
ückläßt, brauchst Du ja nicht zu sorgen. !ir haben eine starke Stütze; aus Fritz Heßfeldt Knust Du Dich verlassen, er besorgt alle Ge- Hüfte, wenn Du fort bist, nicht wahr?"
-2-"‘ Sie winkte Heßfeldt zu, ihr beizustehen und
„Ich finde den Plan der verehrten Tante v-'-J dsgezeichnet", stimmte Fritz bei und auch Manne freute sich, als sie sah, daß Kurt mit
eilen nicht mehr. Und über diese Soldaten- tiefe, die in alle Schichten der Bevölkernng langen, denn Offiziere und Beamte schreiben i genau demselben Sinne, wie die Gemeinen,
Hs steht schlecht mit dem südafrikanischen ÄMschäfte, sehr schlecht sogar, und das Ende ist ttlllwt abzusehen. Die beiden tapferen südafri- II UMnschm Republiken sind immer noch nicht MMworfen, nnd während die Zuversicht und aufmE der Buren in ganz unerwarteter fise und Stärke zurückkehren und wachsen, #n die Unternehmer des Krieges ihr Ansehen --. nb ihre Macht rapide sinken. Das Maximum j An, was England ins Feld stellen konnte, ist 1 , Südafrika, aber es hat sich gezeigt, daß die unberte von Regimentern nicht ausreichten 1 ch bäß immer mehr neue Mannschaften nöthig itb. Anstatt aber die Stärke des Heeres zu Alt Mehren, muß England sehen, wie die Armee IIII «gsam, aber sicher zusammenschmilzt. Einige y ober 60000 Mann sind tot oder kampf-
. im H iebsten gleich, und recht weit fort. Man könnte res 1 Hw ja das Nöthige nachschicken, und Heßfeldt das - h’ürbe alle geschäftlichen Anordnungen treffen, Fraim st gehörte ja jetzt zur Familie, Kurt wollte «hin völlig freie Hand lassen.
; | Der junge Mann war aufgesprungen und M mit großen Schritten im Zimmer auf und $b. Seine bleichen Wangen hatten sich ein
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