mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Mission nur darum handelt, den Nachtragssachlich zu prüfen, haben doch freisinnige sozialdemokratische Commissionsmitglieder nicht enthalten können, noch einmal die im ichstagsplenum abgeschlagene Attacke mit den nenbriefen" zu wiederholen. Zu welchem e dies geschah, ist nicht recht ersichtlich, n nicht deshalb, um dadurch die Debatte ukzuziehen. Trotzdem sind die Arbeiten so vorgeschritten, daß die Kommission ihre thnngen fast völlig beendet hat.
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Herr Baron," bat er dann mit vibrirender Stimme, die eine tiefinnere Bewegung verrieth, «lassen Sie mich fort, ohne nach dem „Warum" zu fragen! Glauben Sie mir, daß nur schwerwiegende Gründe mich bestimmen konnten, eine Stellung aufzugeben, die mir nach allen Seiten hin so angenehm war. Aber eS muß sein, glauben Sie mir doch!"
„Nein, ich glaube Ihnen nicht, — nicht; eher, bis Sie mir alles gesagt haben," entgegnete Kurt mit ernster Miene, „fasten Sie Beürauen zu mir, Heßfeldt, ich will Ihr Bestes, vielleicht läßt sich eiu Weg finden, daß Sie bleiben tönen; Zwei wissen immer mehr, wie Einer!
Der junge Inspektor schüttelte mit einer verzweifelnden Geberde den blonden Kopf.
„Sie können mir nicht helfen, gnädiger Herr, Keiner kann es. Mir bleibt kein anderer Ausweg, als zu gehen!"
Susanne stand dabei mit glühenden Wangen. Ihr Athem ging rasch, und aus ihren Augen brach einwarmer Strahl. Sie ahnte, warum Heßfeldt gehen wollte, warum er heute, nachdem er sein Entlastungsgesuch geschrieben, ihr seine schönsten Rosen gebracht. Sie sann und grübelte, wie sie es anstellen sollte, Heßfeldt zu halten. Konnte sie, ein Mädchen — ihm sagen, daß er ihretwegen nicht zu gehen brauchte, daß der Grund, der ihn forttrieb, hinfällig sei? Nein — nein, — und doch, wie sollte sie die Sache in den rechten Weg leiten?"
„Wie kommst Du denn schon so früh hierher?" fragte Kurt auf einmal die Schwester, und riß sie aus ihren Gedanken.
„Ich. — ich bin sehr früh aufgestanden," antwortete Susanne erröthend, „und da ich hier
„Gnädiges Fräulein, Sie werden sich erkälten," rief Heßfeldt im Tone höchster Be- sorgniß.
Susanne schüttelte lachend den Kopf. Es that ihr so unendlich wohl, daß dieser Mann sich ihretwegen sorgte.
„Fürchten Sie nichts," sagte sie, „ich bin nicht so empfindlich, mir schadet so ein bischen Morgenkühle durchaus nichts. Ich wundere mich nur, daß Sie so früh herüberkamen. Ich habe Sie nämlich schon eine ganze Weile beobachtet," bekannte Susanne offen.
Sie mußte lachen, als sie bemerkte, welchen Eindruck ihre harmlos hingeworfenen Worte auf den schüchternen jungen Mann machten. Er senkte den Kopf und wurde sehr roth.
„Sie haben gesehen, wie — —"
„Alles," bestätigte Susanne ernsthaft, da er schon wieder innehielt.
„Alles?" wiederholte Heßfeldt mit einer Geberde des Entsetzens.
„Ja, und nun sollen Sie beichten. Wem gehören die Rosen, die Sie dorthin legten?"
Der junge Inspektor machte eine Bewegung, als ob er fliehen wollte, blieb aber doch stehen, und schaute so hiflos auf die Fragerin, daß diese wieder lachen mußte.
„Gnädiges Fräulein," begann er nach einer kleinen Pause, „Sie sagten erst neulich, daß in Buchecke die Rosen niemals so schön gedeihen, wie drüben in der Meierei, und diejenigen, die ich — dort hingelegte, find so seltene Exemplare. Ich habe sie genau beobachtet, als sie noch in der Knospe steckten, und wie sie täglich schöner wurden. Es find die letzten und da dachte ich,
— es würde — Ihnen vielleicht — eine kleine Freude bereiten," — —
„£), gewiß macht es mir Freude," — aber ich — wie sollte ich denn wisten, daß die Blumen mir gehörten? —" fiel Susanne lebhaft ein, als sie bemerkte, daß der junge Mann schon wieder zu stocken begann.
„Ich dachte, Sie müßten das wissen, Fräulein, wem sollte ich sonst Rosen bringen, als Ihnen?"
Susanne erröthete ein wenig, sie wollte etwas erwidern, als vom Hause her rasche Schritte erklangen. Kurt kam auf das Paar zu, er machte sehr erstaunte Augen, und schien in heftiger Erregung zu sein.
„Was ist denn das, lieber Heßfeldt," rief er schon von Weitem dem ihn ehrerbietig grüßenden Beamten zu, „das Erste, was mir am heutigen Morgen in die Hände fällt, ist Entlaflungsgesuch! Ich begreife Sie nun aber wirklich nicht! Weshalb wollen Sie fort, und so plötzlich? Glauben Sie, daß ich einen so pflichttreuen Beamten mir nichts dir nichts fortlasten werde? Auf Sie konnte ich mich unbedingt verlasten, was fällt Ihnen ein, jetzt auf einmal davonlausen zu wollen? Ich werde Ihren Gehalt gerne erhöhen, wenn er Ihnen zu niedrig dünkt. Oder was paßt Ihnen sonst nicht? Sie konnten es doch sagen, deshalb brauchten Sie wirklich nicht gleich zu kündigen! Nun arbeiten wir Beide schon seit zwei Jahren zusammen, und jetzt wollen Sie fort? Ja, weshalb?" f
Kurt hatte dem vor ihm stehenden Inspektor die Hand hingestreckt, die dieser hastig ergrif und eine Weile festhielt. „Lasten Sie mich fort,
Die Landtagswahlen in Württemberg sind bisher für die Demokratie schlecht ausgefallen. Im vorigen Landtage besaßen die Kolkspartei 31, das Centrum 18, die Nationalliberalen 11, die Landespartei 4, die Konservativen 1, die Socialdemokraten 1 Mandat, daneben gab es noch 4 „Wilde". Bei den diesmaligen Wahlen haben bis jetzt die Volkspartei 8, das Centrum 16, die- Nationalliberalen 5, die Konservativen 4, die Socialdemokraten 2, „Wilde" 2 Sitze erlangt; es sind nun noch 33 Stichwahlen erforderlich, bei denen dem Anscheine nach die Demokraten ebenfalls nicht besonders abschneiden werden. Die Socialdemokratie rechnet auf den Gewinn von mindestens noch zwei Sitzen.
Ein widerwärtiges Schauspiel, das gar kein Ende findet, ist der Prozeß gegen den der allgemeinen Verachtung und Entrüstung anheimgesallenen .Geldaristokraten" Sternberg. Jeder Tag bringt neue Beweise dafür, daß diesem gewistenlosen Manne alles als feil galt. Ein ganzes Heer männlicher und weiblicher Helfershelfer, eine Schande für unser Volk, war und ist noch für den schurkischen Angeklagten thätig, um Zeugen zu bestechen und Beamte von ihrer Pflicht abwendig zu machen. Was für Verheerungen in unserem Volksleben vermag ein einzelner Mann vom Kaliber eines Sternberg anzurichten! Da ist wahrlich ein gemeiner Mörder ein anständiger Mensch gegen ein solches Scheusal, das verdiente, für die Zeit seines Lebens unschädlich gemacht zu werden. Erinnert man sich, daß Sternberg in dem ersten Gerichtserkenntniß mildernde Umstände zugesprochen wurden, weil ihm eine leicht erregbare sinnliche Natur eigen sei, so erscheint dieser Richterspruch jetzt ganz unfaßbar. Unfaßbar für das Volksempfinden ist es auch, daß ein solcher Mann trotz jedenfalls glänzender Bezahlung Dertheidiger findet, die heute noch mit Eifer bestrebt find, den.Angeklagten seiner wohlverdienten Strafe zu entziehen. Es wäre nur sehr zu wünschen, daß dieser entsetzliche Sternberg-Prozeß bald sein Ende erreichen möchte.
Aus China läßt fich auch in dieser Woche wenig berichten. Eine Reihe von Strafexpeditionen sucht Ruhe und Ordnung in dem von den Verbündeten occupirten Gebiet wiederherzustellen. Mit der nunmehr fertiggestellten Reparatur der Bahn vom Meere nach Peking ist eine gewisse Sicherheit der Verpflegung eingetreten, die noch größer werden wird, wenn auch die mit Energie betriebene Herstellung der nach Schanhaikwan führenden Linie beendet ist, indem der dort in der Nähe befindliche
niederzuschlagen er seinem Nachfolger über affen muß.
Mit einer Farce hat die Zeit seiner Herrschaft geendet. Die neueste Verschwörung gegen Lord Roberts hat noch elender geendet wie die erste, bei der der unglückliche Hans Cordua britischer Hinterlist und Ungerechtigkeit zum Opfer fiel. Man hat diesmal weder Bomben, noch irgend einen Anhalt für die Aufrechterhaltung einer Anklage gefunden, sund schließlich einige Italiener des Landes verwiesen. Vielleicht hat Jemand, der deren Sprache nicht versteht, einige ihrer Worte mißverstanden!? Es ist, als wenn die Engländer eine wahre Manie hätten, sich am Kap lächerlich zu machen.
(Nachdruck verboten.)
Wahre Liebe.
Vriginal-Noman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
kinnend stand Susanne still, die Entdeckung ße da soeben gemacht, verwirrte sie fast. In Augenblick, da die junge Dame fich an-
, in's Haus zurückzukehren, hörte sie rascheln in dem dürren Laube. Sie .e fich um, — Heßfeldt stand vor ihr. Er den Hut in der Hand, als wollte er sich der frischen Morgenluft die heiße Stirn lasten, der leichte Wind fuhr kosend durch schimmerndes Haar.
Susanne gab sich Mühe, möglichst unbefangen sehen, doch seiner sichtlichen freudigen rraschung gegenüber wollte es ihr nicht gelingen. Sie bemerkte es wohl, daß die d des Inspektors leise bebte, als sie ihm ihrige reichte und lächend sagte: „Guten gen, Herr Heßfeldt, schon so früh aus den ? Machen Sie öfters solche Morgen- naden?"
Gnädiges Fräulein," stotterte der Ange- e verlegen, — „ich — ich dachte wirklich
Umschau.
13 Millionen für Schulhaus- Umbauten.
pn Zu den drückendsten Mißständen auf dem Gebiete des Schulwesens gehört es, daß der bauliche Zustand der Schulen besonders schlecht und das Baubedürfniß besonders groß gerade in solchen Gemeinden und Landestheilen ist, in denen die Leistungsfähigkeit der Schul- unterhaltungspflichtigen sehr gering ist. Aus diesem Grunde hat der preußische Staatshaushaltsetat bereits seit einer Reihe von Jahren in immer steigendem Maße Mittel zur Gewährung von Bauzuschüsten unvermögenden Schulunterhaltungspflichtigen bereitgestellt. So sind im laufenden Etat außer einem für diesen Zweck im Ordinarium aufgeführten Betrage von 1 Million Mark nicht weniger als 3 Millionen Mark durch das Extraordinarium ausgebracht worden. Bereits in der letzten Landtagssession hat aber der Unterrichtsminister angekündigt, daß die Staatsregrerung die günstige Sage der Finanzen dazu benutzen werde, Mittel in' be- sorders hohem Betrage zur Förderung des Schulhaukneubaues bereit zu stellen. Er kündigte damals an, daß etwa 10 Millionen Mark zu diesem Zwecke in den nächstjährigen Etat eingestellt werden sollten. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Etatsentwurf aber nicht nur, diese Ankündigung in vollem Maße zu verwirklichen, es soll in demselben noch darüber hinaus ein Betrag von 3 Millionen Mark zur Unterstützung des Baues von Volksschulen ausgeworfen sein, sodaß die betreffende Position des Extraordinariums fich im Ganzen auf 13 Millionen Mark, das sind um 10 Millionen Mark mehr als im vorigen Jahre, belaufen wird.
i solche Vermuthungen nicht; wir hoffen auch, iß wir wenigstens jetzt eine so starke Re- AMg haben, daß sie einem auf solche Weise i Stande gebrachten „Drucke" nicht nachgeben ifrbe. Die Freihändler freilich rechnen mit g»r schwächlichen Regierung; denn ihre Taktik Kehl ja nur darin, solche „Drucke" hervorzu-
V77 Die Commissionsberathung der "• i hinav 0 rlagehat raschere Fortschritte gemacht, ITItifi f man angenommen hatte. Wohl war von uiuuk abg dichter eine große Zahl von Ab- ngsanträgen gestellt worden; allein der NflsMiagsteller selbst sah sich genöthig, einen " seiner „wichtigen" Anträge zurückzuziehen, der Rest ist ohne erhebliche Diskussion ab- nt worden. Obwohl es fich in der
Hafen, wie wir schon erwähnten, eisfrei ist. Was die Arbeiten der Diplomaten anbetrifft ö läßt sich darüber auch diesmal wenig günstiges berichten.
Südafrika hat wieder in verstärktem Maste die Aufmerksamkeit auf fich gezogen. Ter Afrikander-Kongreß hat in Worcester getagt. Die „Freiheit des britischen Bürgers," von der die englischen Presseso oft zu singen weiß,wurde dort dadurch gewahrt, daß rund um die Stadt herum die Höhen mit Artillerie und 8000 Mann Infanterie besetzt waren, so daß den 3000 unbewaffneten Delegirten, die 120 000 Afrikander vertraten, allerdings keine Wahl übrig blieb, als, wie englischerseits mit Befriedigung gemeldet wird, „trotz heftiger Sprache jeden Gedanken an einen Aufstand abzuweisen!" Wenn trotz dieses an die Kehle gesetzten Messers die Resolution gefaßt wurde, daß die Unabhängigkeit der Republiken allein den Frieden in Südafrika sichern könne, so kann ein Blinder sehen, von welchem Geiste die Versammlung durchweht war. Die militärische Lage ist die alte. Die Engländer siegen auch unter Kitcheners Kontrole unaufhörlich, die Burengenevale scheinen fich aber daraus nichts zu machen.
Lord Roberts wird kein allzu großes Bedauern gefühlt haben, als er dem Schauplatze seiner Thaten den Rücken kehrte. Er kann, wenngleich er keine große Lorbeern nach Hause bringt, doch als Soldat mit einer gewissen Befriedigung auf seine Führung zurückblicken. Er überragte seine Vorgänger, die sich, wie alle kleineren Geister, um den Besitz von Oertlich- kciten hemmschlugen und fich dabei die Köpfe einrannten, um mehrere Kopfeslängen. Er befreite den Vormarsch von den ihm anhaftenden lokalen kleinlichen Rücksichten, suchte dagegen die Buren durch die Ueberlegenheit der taktischen Ausbildung der britischen Truppen zu überwinden, wobei ihm die gr ße numerische Ueber- zahl seiner Truppen zu Hülfe kam. Statt mit der Stirn gegen die wohlbesetzten Kopses anzulaufen und seine Leute auf diese Weise von den tüchtigen Schützen der Buren abschießen zu lassen, umging er entweder die Stellung, oder ließ die feindlichen Flügel durch so weit ausholende Kavallerie bedrohen, daß die Buren es vorzogen, die Positionen zu räumen. In dieser Weise ging er von de Aar über Kimberley, den Modder, über Bloemfontein und Johannesburg bis Pretoria vor, und erst als der Vormarsch wegen der furchtbaren Geländeschwierigkeiten ins Stocken kam, erhielten die Buren Luft und Lust zu dem erneuten Widerstände, den völlig
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-Daß hier schon Jemand auf sein würde?" ’ Susanne liebenswürdig der stotternden des jungen Mannes.
z. Heßfeldt nickte und heftete den Blick ebenso Mächtig auf sie, wie vorhin hinaus zu den ♦ Astern. Susanne war kaum noch im Zweifel, An ihretwegen gekommen war, und es durchquerte sie ein leises Gefühl der Freude.
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vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Ml., SrHeint täglich außer <ui Werktagen nach e-on-t- uns Feiertagen,
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Reclamm: di« Zeil« 25 Psg. ©DHUtflfl, 9. 1900. Marburg Markr 21. — Telephon oi
k r Die Ablehnung des Empfanges L Präsidenten Krüger seitens des LeI§ mar das Ereigniß der letzten Woche, b? ber Presse gab sich ein großes Bedauern «b eine gewisse Enttäuschung darüber kund, 6e. Majestät durch seine Dispositionen uev [Xrt war, den Besuch des schwergeprüften Kienpräsidenten zu empfangen. Daran, daß it deutsche Regierung todjritte zu Gunsten der Kren thun könnte, wird aber ernsthaft kaum tfad/t. Moralisch ist dem Präsidenten Krüger £ Unterstützung der Deutschen im größten Jifnnge sicher; materiell aber vermag eine als ös gtion wie die unserige nicht, Gefühlspolitik . । treiben. Die .Nationalzeitung" allerdings
-ssia M albe, wie es scheint, eine Ausweisung Krügers J/ K tzchub am liebsten sehen; denn sie schreibt, Üger habe hie „unverkennbare Absicht, Volks- chahmoa« ^nstrationen behufs eines Druckes auf die Mrungen zu Gunsten der Forderung eines chiedsgerichts hervorzurufen." Wir glauben