noch in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Und ohne Zweifel: Seine weltwirthschaftliche Monopolstellung, die daraus hervorgehende Möglichkeit von hohen Geschäftsgewinnen für Industrie, Bergbau, Handel ist in entschiedenem Rückgänge begriffen. Warum? Warum trotz seiner Kolonien, seiner Suprematie zur See, seinem Kapitalreichthum, seinem technischen Geschick, seiner Wirthschaftsenergie? Weil eben die Bedingungen für den gesummten Absatz seiner Fabrikate ungünstiger geworden sind, — dank der wachsenden Industrie anderer Länder, die es einst mit seinen Fabrikaten fast allein verfolgte, und die nunmehr nicht nur ihren eigenen Marktbedarf decken, sondern den Engländern selbst auf deren eigenem Markt, in ihren Kolonien, in dritten Ländern wachsende Konkurrenz machen, ihnen den Absatz nehmen oder doch erschweren und d?n Gewinn dabei reduzieren."
„Andere Industriestaaten," auch Deutschland, erleben — so fährt der hochgeschätzte Gelehrte fort — ja schon ähnliches. Die fremde, schutzzöllnerische Handelspolitik (Nordamerika, Rußland u. s. w.!), wesentlich ja nur ein Mittel in den „Kollektivkämpsen" der nationalen Dolkswirthschaften, wirkt natürlich in derselben Richtung. Die Verbesserung, die Verwohlfeilerung der Verkehrsmittel, der Produktionsmethoden bieten Hilfe, aber sie sind ja kein Monopol des einzelnen Industriestaates. Der Privatkapitalismus scheut sich zudem nirgends, wo sich ein Vortheil für ihn bietet, konkurrierendeKapitalanlagenanders- w o zu machen, wo z. B. billigere Arbeitskräfte, wohlfeilere Rohstoffe zu finden sind. Er wird, wie Oldenberg richtig sagt, der eigene Totengräber der heimischen Industrie und damit der Zerstörer seines eigenen Ursprungs. Zeitweise, durch gesteigerten Maschinenexport nach Rußland, Lstasien, mag wieder eine größere Blüthe der heimischen Industrie eintreten, wie jüngst in England. Aber natürlich vollends von ephemerer Dauer, — bis die exportierten Maschinen sich im Exportlands fest eingebürgert und eine leistungsfähige Konkurrenz-Industrie sich entwickelt hat. . ; . . Kurz, die Chancen der industriellen und weltwirthschaftlichen Entwickelung sind prekärer, als die optimistische Ansicht vsraussetzt und voraussetzen muß, um nicht Lügen gestraft zu werden."
„Nun kommt aber endlich auch noch ein Punkt in Betracht. Wenn aus die Dauer den occidentalischen Volkswirthschaften keine hinlänglich hohen Absatzpreise ihrer Fabrikate und damit hinlänglich hohe Löhne unfern Arbeitern gesichert werden können, fo bleibt auch der Nutzen wohlfeiler fremder Agrarprodukte aus.
wenn er Isa in dieser Minute fragte, ob sie die Seine, sein angebeteteS, vergöttertes Weib werden wolle, wenn er der Gesellschaft da unten verkündigen durfte: „Sie ist meine Braut, — ist es soeben geworden, sie gehört nun mir, — mir ganz allein,--"
Dann mochten es Alle erfahren, was ihr Vater war, wie tief er herabgestiegen, und Rang Stand und Namen als werthlose Dinge von sich geworfen, mochten sie dann doch zischeln und flüstern, was kümmerte es ihn? Es würde ihn nicht stören in seinem namenlosen Glück. Dann mochte Gras Dornbusch es aller Welt verkündigen, — Kurt würde ihn nicht daran hindern.
Aber da tauchte vor den Augen Jsa's strahlendes Gesicht auf, wie er es heute im Walde gesehen, als sie Herrn v. Uttrecht zulächelte, — und damit kamen wieder die bangen Zweifel, die ihn den ganzen Nachmittag gequält hatten. Ob Isa den Andern liebte? Kurt vergegenwärtigte sich nochmals alles, was er fürchten und hoffen durfte, und immer trübere Schatten zogen herauf, sein Gesicht verdüsterte sich wieder. — Nein, er mußte erst abwarten, wie das Herz der Geliebten sich entscheiden würde, er wollte keinerlei Zwang ausüben. Aus freiem Entschluß sollte sie sich ihm hingeben. Wenn aber dennoch der Andere als Sieger hervorging? Denn daß Jener Isa liebte, darüber konnte Kurt nicht mehr im Zweifel fein. Er hatte, von Eifersucht gequält, Uttrecht genau beobachtet, er hatte die heißen, liebevollen Blicke wohl bemerkt, mit denen sein Nebenbuhler um die Gunst des schönen Mädchens warb.
Selbst wenn wir dauernd sicher und wohlfeil fremde Agrarprodukte genügend einführen können, wenn wir dank den angedeuteten Umständen, aber auch infolge gegnerischer industrieller Hochschutzzollpolitik (Rußland, Nordamerika) für unsere ausgeführten Absatzfabrikate feine genügenden Preise erzielen, so schwebt die ganze bedeutsame industriestaatliche Entwickelung in der Luft, und die Massen haben — vielleicht billiges Brot, aber wenig Geld, um es zu bezahlen. Das ist die K e h r s e i t e der Sache, die mich wenigstens bestimmt, einen genügenden agrarischen Schutz, auch einen höheren als den gegenwärtigen, im nationalen Gesammtintereffe zu vertreten, auch wenn dadurch die Jndustrie- staatsentwickelung — nicht völlig gehemmt, wohl aber zu allseitigem Dortheil der Arbeiter und der deutschen Volkswirthschaft und — vielleicht auch die Dolksvermehrung verlangsamt wird."
Jemehr unsere seitherige Entwickelung die manchesterliche Wissenschaft ad absurdum geführt und gerade für Deutschland erwiesen hat, welcher Segen einem wirksamen Zollschutz für das Gemeinwohl entsprießt, desto beachtens- werther ist das vorstehende Zeugniß eines Gelehrten, der gelegentlich wohl schon als Gegner der „Agrarier" aufgetreten ist. Die Folgen der Kornmerzienrathspolitik sind in vorstehendem klar gezeichnet; den Freihändlern wird es schwer werden, die Darstellungen Wagners zu widerlegen. Mit den landläufigen von den Vätern ererbten Phrasen aber ist gegen dieselben nichts auszurichten.
Umschau.
„Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts in der Welt."
Den zur Begrüßung des Präsidenten Krüger nach Köln gereisten Bonner Studenten wurde, wie der „Tägl. Rundsch." gemeldet wird, auf Betreiben der Kölner Polizei-Verwaltung verboten, Kouleur anzulegen, sowie Benutzung geschlossener Wagen zur Vorschrift gemacht, die mit zwei Minuten Abstand folgen sollten. _ Die Studenten sind ersucht worden, diese beschämende Thatsache der Oeffent- lichkeit vorzuenthalten.
So erzieht man bei uns die deutsche Jugend zur Bethätigung von Gesinnung, Charakter und Nationalstolz.
Waffenlieferung für England.
Die Fabrik en des Geh. Baurath Ehrhardt in Eisenach und Düsseldorf (Gießereien) liefern, wie der „Frkf. Ztg." gemeldet wird, gegenwärtig 18Batterien der neuenSchnell-
Und Isa? Sie schien fich glücklich zu fühlen, als sie neben dem stattlichen Manne saß. Wenn auch sie ihn liebt? Dann — fühlte Kurt in diesem Augenblick, — hatte das Leben keinen Werth mehr für ihn, dann versank ihm die Welt in Nacht und Dunkel. —
Susanne mochte wohl ahnen, was in der Seele des Bruders vorging. Sie bemitleidete ihn, denn sie sah, wie er mit sich kämpfte. Warum sprach er das entscheidende Wort nicht aus? Warum zögerte er so lange, bis ein Anderer kam und ihm den Schatz stahl, den er so heiß begehrte?
Vielleicht störte ihn ihre Gegenwart. Susanne hätte viel darum gegeben, wenn sie unbemerkt hinausfchlüpfen und die Beiden dort hätte allein laffen können.
Am Ende fänden sie dann das erlöfende Wort! Sie kam fich recht überflüssig vor und versuchte, zu entkommen.
Doch Isa blickte rasch auf.
„Wo willst Du denn hin, Susanne?"
„Ich — ich möchte, — ich wollte — zur Gesellschaft zurückkehren."
„Ja, es wird am besten sein, wir kehren zurück," meinte Isa und schaute fragend auf Kurt, der wie aus einem TrMm erwachend, den erhobenen Arm sinken ließ.
„Fühlst Du Dich wohl genug?" fragte er.
Das Mädchen nickte und nahm Susanne's Arm, sich leicht auf denselben stützend.
Als die Drei den Saal wieder betraten, erhob sich Herr von Uttrecht mit leuchtenden Augen und eilte Isa entgegen.
seuergeschütze, System Ehrhardt, nach England für die dortige Kriegsverwaltung ab. Ferner werden geliefert 900 Munitionswagen und 54 000 Schuß. Der Kontrakt wurde nicht direkt von der englischen Kriegsverwaltnng, sondern durch Vermittelung der Charteret» Company (Cecil Rhodes und Genossen) im Monat April abgeschlossen. Es ist dringend erwünscht, daß amtlicherseits schleunigst eine Ausklärung der Angelegenheit erfolgt, denn eine derartige Waffenaussnhr würde zweifellos eine Verletzung der Neutralität bedeuten.
Die Wirren in China.
Die deutschen Truppen.
Das „Bureau Laffan" meldet aus Peking, die Deutschen ergreifen energische Maßregeln, um ihre Leute vom Plündern abzuhalten. Sie haben bereits in Tientsin einen Soldaten erschossen, der trotz strengster Befehle plünderte.
Die Nachricht scheint uns doch von dem Haß der Engländer eingegeben zu sein.
Der Kriegskorrespondent der „Pall Mall Gazette" meldet: Am Nankowpaß bei Swen- huafu eroberte die deutsche Kavallerie das Gepäck einer chinesischen Truppe; 30 Manu der chinesischen Wache wurden ge- tödtet und 20000 Taels genommen.
Eine seltsame Nachricht.
Im Kriege mit China leben wir bekanntlich offiziell nicht, es handelt sich um ein bewaffnetes Einschreiten gegen anarchische Zustände. Wie dem auch sei, seltsam muthet die Nachricht der Londoner „Morning Post" aus Schanghai an, daß die deutschen und englischen Kriegsschiffe vor Chingkiang den Geburtstag der Kaiserin- Witwe durch einen Salut gefeiert haben. Im Uebrigen meldet das „Bureau Laffan", daß selbst in Peking der Geburtstag der Kaiserin von den Chinesen nicht gefeiert worden ist.
Präsident Krüger in Deutschland.
Zur Abreise Krügers sind behördlicherseits die größten Absperrungsmaßregeln getroffen worden. Alle zum Bahnhofsvorplatz führenden Straßen bleiben abgesperrt. Der Straßenbahnverkehr in diesen Straßen wird eingestellt. Die Eisenbahndirektion verfügte, daß Bahnsteigkarten sowohl als Fahrkarten nach nahegelegenen Orten bis nach Abfahrt Krügers nicht zur Ausgabe gelangen. Nach langen Verhandlungen ist es erst gestattet worden, daß 3 Herren auf dem Bahnsteig Krüger einen Gruß zum Abschied entbieten
„Ah, da find sie ja wieder, meine Gnädigste! O, wie ich mich freue! Ich fürchtete schon, auf das Glück, Sie noch einmal zu sehen, verzichten zu müssen! Hoffentlich sindSie nun wieder ganz wohl!"
VI.
Der Schwarm der Gäste hatte Buchecke ver- laffen. Still und friedlich lag das alte Herrenhaus inmitten der dunklen Tannen und halb entblätterten Buche«, die es umstanden wie treue Wächter. Ein trüber Herbstmorgen dämmerte herauf und das matte Licht der Sonne konnte nicht durchdringen.
Susanne stand am Fenster ihres Zimmers und blickte in den wogenden Nebel draußen. Fast wehmütig streifte ihr Auge über die gelben, am Boden liegenden Blätter hin. Der Herbst stimmte sie immer traurig. Im Hause war noch alles still. Sie horchte hinüber nach den Zimmern Jsa's, die neben den ihrigen lagen, doch auch dort regte sich nichts. Die Freundin schlief wohl noch. Leise, um Niemand zu stören, schlich sie die Treppe hinab, und stand dann wieder im Empfangssalon am Fenster, halb verborgen von den schweren Gardinen. Warum sie eigentlich heute so früh aufgestanden, wußte sie selbst kaum. Eine unerklärliche Angst und Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt, sie sah im Geiste immer die traurigen, treuen Augen des Bruders vor sich, wie sie gestern wieder an Isa hingen, und einen' sreundlichen Blick zu erhaschen suchten. Doch Isa hatte es wahrschein-- lich kaum bemerkt, da Herr v. Uttrecht ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
(Fortsetzung folgt.)
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ei bemerkt schon manches Loch bekommen — verdankt, so bezieht sich auch Prosessor er auf Großbritannien, aber als auf ein reckendes Beispiel. Er äußert: „England, durch seine insulare Lage so einzig beizt ist, einen so enormen Vorspruug vor Kontinent in der industriellen und merken Entwickelung, einen solchen Reichthurn iedenartiger Kolonien, eine solche grandiose m- und Eisenproduktion hat, zeigt es ja
ist.Chi.if9cigt heute eine kleinere Quote des Welt- els in Fabrikaten als um die Mitte und
Bi«rt«ljähr!icher Bezugspreis: bei der Expedition 2 M., bei allen Postämter» 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
JnserttonSgebühr: di« gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.
Reclamm: di« Zeil« 25 Psg.
Marburg
Freitag, 7. Dezember 1900.
(Nachdruck verboten.)
Wahre Liebe.
Lriginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
.8as willst Du damit sagen, Kurt?" fuhr erschrocken auf, „Du — Du willst Dich mit Mbusch schlagen?,,
rt erwiderte nichts, und Isa nahm sein eigen für Zustimmung.
wirst Du nicht thun,. Kurt! Bitte versprich es mir, daß Du eS nicht thun — — Du? Und um meinetwegen? — ich sterbe vor Angst!"
«urt legte unbewußt den Arm' um die ^e Gestalt der Jugendfreundin, uud sah ihr Vi die Augen,
ko würde es Dir nicht gleichgiltig sein, — die Kugel jenes Menschen mich träfe?" er mit verschleierter Stimme, „es würde
.)
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t „TeatäfW schon, wie schwierig es ist, sich auch nur der erreichten Höhe zu erhalten. Nicht lut oder nur vorübergehend und gering ist m seinem Ausfuhrhandel zurückgegangen, v aber ohne Zweifel, d. h. seine Industrie
izm ^er Konjunkturen, die Uebertreibungen i Konkurrenz, die Produktions- und Absatz- ifen Unruhe und Unbehagen verbreiten und $ neueste Heilmittel, Trusts, Kartelle, Syn- ifate, Privatmonopole zur Ausbeutung auch nArbeiter wie der Konsumenten, zur Stärkung ö Privatkapitalismus und schlimmster Formen Plutokratie führen, wie die Welt sie noch i gesehen."
Weisen unsere Freihändler mit Vorliebe us hin, welch bedeutende wirthschaftliche chritte England seiner „konsequent" ver-
Ter; statte?
Die Gefahren des Jndnstrie-
Min , staates
pi Professor Adolf Wagner in einer Ham- —Zeitschrift „Der Lotse" u. a. in folgenden ^-igenswertheu Darlegungen geschildert: wird namentlich gar nicht berücksichtigt, ’ jjf sehr die industriestaatliche Entwickelung die ^Heilung des Volkseinkommens und Volks- W* Eggens beeinflußt, die Klassengegensätze von 1 M und Arbeit steigert, — trotz, ja zum hfil wegen verbefferter Lage der Jndustrie- । jeiter und weiter der Arbeiter überhaupt —, K die Entvölkerung des platten Landes, die Pertrophic der industriellen Gegenden, das Mrkopfthum der großen Städte, die Ent- mpfoMi Mutig extremsozialistischer Ideen und über- --> Etil«, vpt eine Menge wirthschaftlich, sozial, ethisch, i.8obi,* Msch bedenklicher Erscheinungen die noth- ', endigen Begleiterscheinungen der in- iwkertii Kriestaatlichen und weltwirthschaftlichen Ent- Mung sind; wie Plutokratie, Pleonexie (Ge- Msucht), Profitgier, spekulatives Treiben, hwam Mariat, Neid, Wühlerei, Unzufriedenheit, nNack xsturzbestrebungen aller Art selbst bei, ja jeder trotz theilweiser Verbesserung der ma-
zenp Dck «erif.
Map, md T« I in bN .Plu»- :
r. tn iswah; ickung.
Erfcheiur täglich mer cn 2Serft?.gcn nach fcoruv uns Feiertagen.
SonntagsbeUage: Jlluftrirtes Sountagoblatt. ok c^nr.rn
Druck unb Verlag: Joh. Aua.«Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei
Dlarburo Markt 21. — Telephon 55
km wenig wehe thun, Isa?" — —
Ne Angeredete schauderte leise zusammen. > 6d» m /Eliie Du nur so fragen kannst, Kurt, — »NÄ. iunreife Dich nicht. Versprich mir, daß Du zu nicht schlagen wirst!"
»:®ut- ich verspreche es Dir".
S»!®' ä ° schlug die schönen, großen Augen dank- itbr«* F ju ihm auf; um ihren immer noch blassen "Evid spielte ein schattenhaftes Lächeln. Sie ^Kurt so nahe, daß er sich nur zu bücken ^chie, um ihren süßen Mund zu küssen. *5 feinen Kopf jagten tolle Gedanken.
^enn er dies holde Kind jetzt an fich