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am abzuhelfcn und für die Zukunft die Wiederkehr otcher Mißstände zu verhüten?" — Wie verlautet, oll die Interpellation sür nächsten Montag auf die Tagesordnung gesetzt werden.
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Englisch-russische Häkeleien.
Die „Times" erfährt: Die russische
„Solche erbärmliche, herzlose Menschen, stieß hervor, „da haben sie dem armen Thierchen
dings im vorigen Jahre mit großer Frische und mit unermüdlichem Eifer das deutsche Reich als erster Bevollmächtigter auf der Friedenskonferenz im Haag vertreten, aber bald darauf im Okt. 1899 hatte er das Unglück, während eines ge- egentlichen Aufenthalts in Berlin seine älteste Tochter Comteste Marie, die seit 30 Jahren die Stelle der Hausfrau vertreten und ihm stets zur Seite gestanden hatte, durch den Tod zu verlieren. Dazu kam im Laufe des Sommers eine Lungenentzündung, deren Nachwirkungen wohl noch nicht ganz überwunden sind, und so ist es wohl begreiflich, daß der verdienstvolle Diplomat der in einem Monat sein 80. Lebensjahr vollenden wird und heute wohl der Nestor der gesamten europäischen Diplomaten sein dürfte, sich nach Ruhe fehnt und in ,'ben Ruhestand tritt. In seiner langen diplomatischen Lausbahn hat sich Fürst Münster hervorragende Verdienste erworben um Kaiser und Reich.
Umschau.
Fürst Münster.
Fürst Münster tritt von dem Pariser Botschafterposten zurück. Die Nachricht kommt nicht unerwartet. Der Fürst hatte aller
Ericheim ragUch äuget an Werktagen naa, Donn- un» Feiertagen. Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonatagsblatt.
Druck und Verlag: Joh. Aug, Koch, UniversitätS-Buchdnnkcrel Marbnra Mark! 21. — Telephon 55
Die Wirren in China.
je diplomatischen Verhandlungen.
ßs wird wahrscheinlich, daß in der China- e eine Verständigung unter den Mächten der Grundlage erheblich abgemilderter
edensbedingungen erzielt werden wird. In bon ist, wie die „Voss. Ztg." von dort bet, die Nachricht verbreitet, daß sämmtliche fchte den Staatssekretär Hay in Washington inbigten, daß sie einverstanden seien mit Vorschläge Amerika?, China kein U l t i - tum zu stellen, bieHinrichtung hoher chine- r Würbenträger nicht zu verlangen unb e übertriebene Entschäbigung von China zu ein.
Daß auch bie beutsche Regierung bent Zuge milberen Friebensbebingungen nicht wiber- t, dürste folgenbe Auslassung zeigen, bie in der „Post" finden:
.Wenn hier unb ba Bebenken laut werben, sich empfehle, bie Forderung der Tobes- e für die Rädelsführer der fremdenfeind- n Bewegung in der seitens der Mächte zu reichenden Kollektivnote unter bie „decision vocacble" aufzunehmen, so muß bemerkt en, baß solche Bebenken burchaus nicht auf chten ber Humanität zurückgeführt werden [en, indem man vielleicht vermuthet, die eine andere Macht halte eine solche Strafe für och. Thatfache ist vielmehr, daß alle Staaten n überzeugt sind, daß die Rädelsführer die sstrafe verdient haben, daß jedoch auf vertonen Seiten die Frage erhoben wird, ob eine e Maßnahme vom politischen Zweckmäßig- andpunkt aus auch opportun sei, und hier i man allerdings verschiedener Ansicht sein.
Deutschland betrifft, so hat es sich von »herein nicht auf die Hinrichtung bestimmter önlichkeiten kaprizirt, sondern es hat wieder- erklärt, daß es den Hauptwerth daraus daß die Bestrafung der Schuldigen über- mmend von allen Mächten gefordert werde.
Diese Haltung entspricht ja auch dem leitenden Grundsatz der deutschen Politik, die vor Allem die Einigkeit der Mächte zu wahren strebt, damit alle Forderungen des Coneerts auch sämmtlichen acht Großstaaten gestellt und
Ausland
Fraukreich. Die äußere Persönlichkeit des Präsidenten Krüger hat den Franzosen sehr hohe Achtung eingeflößt. Die Franzosen sind ja, wenn auch kein kleiner, so doch auch kein übermäßig großer Menschenschlag. Nun kommt Ohm Krüger zu ihnen, dessen Erscheinung wahrhaft hünenartig ist; sie hat nichts, aber auch nicht das Geringste gemein mit dem plumpen Zerrbilde, das die englischen illustrirten Zeitungen stets von ihm geben und die ihn wie einen poltersüchtigen alten Pächter barstellen. Auf einer hohen, breiten Gestalt sitzt ber Kopf eines alten Löwen. Gesunbe, kluge, energische Züge kennzeichnen ihn. Er sieht aus wie ein hoher Fünfziger — keine Spur von Alters- mübigkeit, ber lange, fpitz zulaufende Bart ist noch halb blonb, bas blaue Auge blickt listig, aber scharf, durchdringend unb willensstark. Es ist ein Kopf, ben man nie wieder vergißt, besten herrlicher Ausbruck einem in Erinnerung bleibt wie ber Bismarcks ober Richard Wagners. Krügers Erscheinung streift gewiß nicht an das Danbythum feines Gegners Chamberlain, aber sie ist weit entfernt von jener saloppen Uneleganz, in ber man ihn ost abgebildet sieht — ber Ueberrock, ber Chlinber: alles ist vornehm unb tabellos, burchaus ber Würbe eines Staatsleiters entsprechend.
Präsident Krüger hatte Mittwoch Vormittag Besprechungen mit Dr. Leyds und den •Dtitgliebern ber Burenmission unb begab sich Mittags nach ber Kunstschule, um bort ben Entwurf bes Denkmals für ben Obersten Ville- bois - Mareuil zu besichtigen. Die Menge brachte bem Präfibenten auf bem ganzen Wege Huldigungen dar.
England. Die englischen Truppen haben eine sonderbare Austastung von Disziplin, und em recht nettes Beispiel hierfür wird von dem australischen Kolonial-Kontingent, das augenblicklich in China aktiv ist, erzählt. Als das Korps in Hongkong eintraf, wurde es vom Kommodore Powell inspizirt. Als er die Linien auf- und abging und die Leute prüfend ansah, spielte die Kapelle ganz unvermittelt ein bekanntes Couplet, dessen Text ungefähr lautet: „Natürlich kannst Du niemals so forsch fein, wie wir, aber gieb Dir nur Mühe uns so gut nachzuahmen, wie Du kannst." Der Kommodore konnte nichts Anderes thun, als zu diesem kleinen Scherz der australischen Volunteers, die
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ten und Lanbbriefträgern entgegen;
turnen.
„Ja, thue bas," rief Kurt eifrig unb zog Jsa's Arm burch ben feinigen. „Nicht weit von hier ist eine Bank, bort wollen wir ein wenig verschnaufen."
Susanne toanbte sich zum Gehen, einen lächelnben, ermuthigenben Blick aus ben Bruber wersenb.
Doch bieser bemerkte es nicht, er hatte nur Augen für bas liebliche Kinb an seiner Seite, bas so unbefangen neben ihm hinschritt. „Ob Isa burchaus nichts ahnt?" fragte er sich beklommen.
Um sie her wogte ber Herbstnebel in phantastischen Gebilden, weit hinten hämmerte noch ein Specht und ertönte ber lockenbe Ruf eines Rehbockes. Leise rauschte in ben hohen Kronen ber Bäume ber Abenbwinb. Hie unb ba flatterte ein gelbes Blatt zur Erde. Ein Häslein lief eilig über den Weg, dem sicheren Versteck zu. Sonst war es todtenstill in dem herbstlichen Walde. Das dürre Laub knisterte unter den Tritten der Beiden, die stumm nebeneinander dahinwandelten, von den verschiedensten Gedanken bewegt. Dem jungen Manne klopfte bas Herz.
Was wollte er bem Mäbchen alles sagen, von Liebe unb Treue, — einer Treue, bie bis übers Grab bauern würbe, von Glück unb Seligkeit ber herrlichen Zukunft. Ob bies Kinb ihn verstehen würbe?
Isa, ber bies Schweigen befrembet erscheinen mochte, blickte ihren Begleiter mehrmals von der Seite an. Es war ihr etwas ganz Ungewohntes, daß sie mit Kurt allein im Walde spazieren ging. Immer war Susanne oder
(Nachdruck verboten.)
Wahre Liebe.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
«Sieh mich einmal an," lachte Isa, bin ich ein Kind, das von Räubern gestohlen könnte? O, ich würde schon so laut ien, daß sie mich gern wieder laufen . Oder was meinst Du, was mir sonst
wieder die Mutter weggesangen, es muß elend zu Grunde gehen, wenn man sich nicht seiner annimmt. Wir wollen es mit nach Hause tragen."
„Ach ja " rief Isa, in die Hände klatschend, „aber das hier," — dabei strich sie leise mit dem Finger über Kurts Stirn, die noch immer tiefe Falten zeigte, — „das muß weg, hörst Du, es gefällt mir nicht!"
Wäre Isa nicht noch so kindlich unbefangen gewesen, oder hätte sie eine Ahnung von bem gehabt, was in Kurts Seele vorging, bann hätte sie sich wohl auch ben heißen Strahl zu deuten gewußt, der aus seinen Augen brach. So aber lachte Sie ihn an, und schürte damit unbewußt bie Gluth, bie in ihm brannte. Er wollte schon ben Arm um sie schlingen unb sie an sich ziehen, ba, — trat eben Susanne herzu. Sie ärgerte sich über ihre eigene Ungeschicklichkeit, benn sie fühlte, baß jetzt eben ohne ihre Dazwischenkunft bas entscheibenbe Wort gefallen wäre.
Kurt ließ ben Arm toieber sinken, während er, Jsa's Hand erfasfenb unb leise brütfenb, zwischen ben Zähnen hervorstieß:
„Ach, — Isa, — ich möchte Dich etwas fragen."
„So," lachte biefe, unb bückte sich, bas junge Reh aufzuheben, Susanne war ihr indessen zuvorgekommen. Das Thierchen, das sich kaum sträubte, lag so bequem als möglich auf ihrem Arm, unb sie lächelte Isa zu: „Bleibt nur noch ein wenig hier, ich geh' inzwischen, unb sehe, daß ich bem armen, halbverschmachteten ®inc| ein wenig Nahrung einflößen kann."
Bestellungen
den Monat Dezember auf bie
Parlamentarisches
— Beim Empfange des Präsidiums des Reichstages unterhielt sich der Kaiser überaus huldvoll mit jedem der drei Herren über deren persönliche und landsmannschaftliche Beziehungen. Mit Ballestrem sprach der Kaiser über dessen schlesische Besitzungen. v. Frege gegenüber äußerte der Kaiser seine Freude, daß das Befinden des Königs von Sachsen nunmehr ein besseres sei, mit Büsing unterhielt er sich über den jungen Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Die Politik wurde in keiner Weise berührt.
— Die Kohlen-Jnterpellation des Centrums ist am Dienstag im Reichstag eingegangen. Sie lautet: „Was gedenken die Verbündeten Regierungen zu thun, um der bestehenden, weite Volkskreise schwer bedrückenden Kohlentheuerung teilt-
gierung hat ihren Beschluß, bie Schanhaikwan- Bahn zu räumen, toiberrufen unb ber britischen Regierung rnitgetheilt, bie Räumung hänge von ber Zahlung ber ihr währenb ber Besetzung ber Bahn erwachsenen Ausgaben ab. Nun ist wohl bekannt, baß bie Russen, solange sie bie Bahn im Besitz hatten, fast nichts für biefelbe thaten unb nur geringe ober gar keine Grunblage für bie Forberung auf Zahlung ber Auslagen besitzen. Außerbem hätten biefe Ausgaben, wenn eine solche Forberung überhaupt berechtigt ist, auf Rechnung ber internationalen Armee zu * gehen unb müßten in Verbinbung mit ber allgemeinen Entschäbigungssrage erörtert werben. Die russische Forberung scheint, so schreibt bas englische Blatt, ungeheuerlich unb ein Treubruch, aber es empfiehlt sich, sie mit Vorsicht unb kalten Blut zu behanbeln. Die auf bem Festlanbe geltenbe Ansicht ist, baß bie Rechtsfrage ber provisorischen Besetzung ber Bahn, obgleich sie ursprünglich burch bie Noth- wenbigkeiten bes Krieges bestimmt würbe, gegenwärtig ben Oberkommanbirenben nichts angeht, fonbern ben ©egenftanb eines Rechtsstreites zwischen ben Engländern unb Russen zu hüben hat.
Einzelheiten.
Die Stiftung einer China-Medaille nach dem von Deutschland angegebenen Beispiel ist am Mittwoch im französischen Ministerrath beschlossen worben.
Der amerikanische Gesandte in Peking, Songer, soll abberufen werden und an seine Stelle nach ber „Morningpost" Denby, ber srühere Gesanbte in Peking und persönliche Freund ber Kaiserin-Witwe, zum amerikanischen Gesanbten in Peking ausersehen sein. Conger hat anscheinend zu sehr bie Nothwenbigkeit energischer Maßnahmen gegen China betont. Damit war man am grünen Tisch in Washington nicht einverstanden.
Deutsches Reich
Berlin, 29. November.
— Im Auftrage des Kaisers traf der Flügeladjutant Sr. Majestät, Oberft Graf M o l t k e, Mittwoch Vormittag in Dresden ein und überreichte dem Könige von Sachfen einen Interims- Feldmarfchallstab.
— Eine interessante Reminiscenz erwähnte Pros. Felix D a h n in seiner letzten Vorlesung über „Deutsches Reichsverfassungsrecht" in Breslau. Er gedachte einer Unterredung mit dem Für st en Bismarck über das Wahlrecht: Auf seine Bemerkung, die Schaffung unseres gegenwärtigen Wahlrechts sei ein schwerer Fehler gewesen, und die in diesem Wahlrechtsmodus gewährte Gleichberechtigung Aller vollständig unbegründet, habe Bismarck erwidert: „Ja, was wollen Sie? Wir waren damals sehr schwach; wir mußten den Partikularismus bekämpfen durch den Liberalismus !" Auf die weitere Frage, wie gerade er zu diesem an die Zeit des deutschen Bundes erinnernden Wahlgesetz gekommen sei, habe der Fürst geantwortet: „Ich fand es auf dem Frankfurter Tisch vor. Und zudem habe ich gemeint, wenn es schadet, kann man es bei Gelegenheit wieder abschaffen."
Tante Martha babei, unb bie Unterhaltung brehte sich um allgemeine Dinge. Isa blickte sich um, unb sah gerade bas letzte Zipfelchen von Susannes Kleib zwischen ben Bäumen verschwinden.
„Warum sie mich nur hier gelaßen hat?" buchte bas junge Mäbchen unb tounberte sich über sich selbst.
„Du", begann Kurt eben mit seltsam beklommener Stimme, — doch Isa unterbrach ihn rasch: „Ich möchte doch gar zu gerne babei sein, toenr Susanne das Kitzchen füttert, es ist ein gar zu niedliches Ding, Du kannst Deinen Spaziergang ja ganz gut ohne mich machen, ich laufe Susanne nach!"
Sie hatte schon ihren Arm aus dem feinigen gelöst, unb ehe Kurt, — der vergebens versucht hatte, der Bewegung Herr zu werden, — es verhindern konnte, sprang sie davon und lachte: .Du bist heute so schweigsam", — und wie sie als Kind immer gethan, rief sie auch jetzt über- müthig zurück: „Hasche mich doch, wenn Du kannst!"
Kurt machte eine Bewegung, als wollte er sie zurückhalten, dann besann er sich und folgte ihr langsam nach.
IV.
Es war einige Tage später. Für Kurt hatte sich keine Gelegenheit gefunden, Isa allein zu sprechen. Susanne schmollte noch ein wenig mit ihm, daß er das Alleinsein zuerst nicht zu einer Ansprache benutzt hatte. Es wollte ihm beinahe scheinen, als ginge Isa einem Alleinsein geflissentlich aus dem Wege, und diese Wahr-
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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk-, «)}z»»♦ I*it 1»
bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). wrlWl V
JofertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pf-, on mnn
R-clamm- di. Zelle 25 Pfg. Freitag, 30 November 1900.
stillen, friedlichen Wald begegnen könnte?
k thut Keiner etwas, bin ja schon ein großes n. Gerade ba gefällt es mir am besten t es ringsum so still ist und man nichts
immt, als das Rauschen ber Baumkronen,
sich etwas zu erzählen scheinen, — unb hie ba so eine zwitschernde Vogelstimme. O,
15 ist zu köstlich, wenn man so durch den Wald
& R"* ^sin kann, fern von allem Geräusch der Welt, Cad*1 * * * * & * 1 fühle ich mich wirklich glücklich."
Ihre Augen blickten träumerisch nach oben, idöfe» ~ dann, sich plötzlich auf den eigentlichen Zweck
|te» Hierhereilen? besinnend, zog sie Kurt wieder herd» «t sich um daraus bei einer kleinen
^tung Halt zu machen. Sie zeigte auf ein fpaS8 Boden liegendes ganz junges Reh, das vor 'ül* schwäche nicht mehr auf den Füßen zu stehen
Mochte, und sie mit den braunen Augen so Mich unb hilfesuchenb anblickte, baß Isa bie "Hünen kaum zurückhalten konnte.
। Heber Kurts Stirn zog eine Wolke bes
[Titv -erhefsische Zeitung" nebst ihren
. * \ ,iagen werben von unserer Expebition unseren Ausgabestellen in Kirch -
n, Stüj
j« und Neustadt, sowie von allen Post-