mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
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ifitl ^Eit des Publikums in hohem Grade erregten. Das half auch.
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st Attentatsversuch auf den Kaiser.
Mr haben gestern bereits in einem Theil rrer Auflage sowie durch Extrablätter über ,n Wentatsversuch berichtet, der von einer ^gestörten Frau gegen unseren Kaiser ver- worden ist. Der Zwischenfall hat sich nach > bis jetzt vorliegenden Meldungen folgender- n abgespielt:
Die ersten Meldungen über den Zwischengelangten nach Berlin in Gestalt stark über- ner Gerüchte, die große Beunruhigung Her- Kefen und die sich wie ein Lauffeuer ver- iteten. Die erste Empfängerin der Nachricht , wie üblich, die Börse, wo zuerst die tele- ische Mittheilung eintraf, ein Mann in enkleidern habe einen Mordanschlag auf Kaiser in Breslau verübt. Erst etwas kam die beruhigende Kunde, daß der unverletzt geblieben sei. Auch durch ein-
»Man muß den Leuten bekannt machen, was *°n zu leisten vermag," — pflegte der Direktor 1 sagen, — „und das kann nur durch ganz 6>f$e, in die Augen sp.ringende Reklame er= 6cht werden. Daran darf man nicht sparen,
in ganz Deutschland zum extensiven Betriebe übergeht und unser Vaterland, soweit sein Boden nicht mit Wohn- und Fabrikgebäuden besetzt ist, nur Wälder und Wiesen aufweist? Dann würden wir allerdings bezüglich unserer Ernährung vollkommen 'vom Auslande abhängig sein.
Das Bischen Sozialreform.
k. Der Tübinger Professor von Schoenberg teilte jüngst in einer Rede folgende zusammen- assende Betrachtung über die bisherigen Leistungen der deutschen Arbeiterschaft an: Die Krankenversicherung, deren Beiträge bekanntlich zu zwei Dritteln von den Arbeitern, zu einem Drittel von den Arbeitgebern bezahlt werden müssen, hat von 1885 bis 1900 etwa 1500 Millionen Mark, die Unfallversicherung, deren Kosten von den Arbeitgebern allein ausgebracht werden müffen, 17000000 Mark an Entschädigung ausbezahlt, die Jnvaliditäts- und Altersversicherung seit ihremBestehen 500 000 000 Mark, wovon je 126 Millionen durch die Arbeiter und die Arbeitgeber, der Rest durch den Staat getragen wurden. Jnsgesammt haben die Arbeiter bis jetzt rund 750 Millionen Mk. mehr an Entschädigungen herausbekommen, als sie Beiträge gezahlt haben. Daraus ergiebt sich, so schloß der Redner mit Recht, daß die arbeitenden Klaffen mehr als irgend ein anderer Stand Ursache haben, für die Entstehung des Deutschen Reiches dankbar zu sein. Was auf den Gebieten des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung in Deutschland bis jetzt erreicht worden ist, gehört in der That mit zu den größten Errungenschaften des neuerstandenen Reiches. Wie albern nimmt sich solchen Riesenziffern, wonach bereits über zwei Milliarden für die Lageverbesserung der Arbeiter nur auf dem Gebiete des Versicherungswesens aufgewendet worden sind, das sozialdemokratische Gerede von dem „Bischen Sozialreform" und die Behauptung aus, daß die Arbeiterintereffen von den „herrschenden Klaffen „verrathen" würden. _________
D i e Aufgabe der Sozialdemokratie in der jetzigen Reichstagssession.
Im „Vorwärts" ist am Schluffe einer Besprechung der Thronrede solgender Satz zu lesen: „Der sozialistischen Minderheit des Reichstages wird die Aufgabe obliegen, die Situation, der eine weltgeschichtliche entscheidende Bedeutung in der That innewohnt, aus freier Höhe weltgeschichtlich zu messen." Daß nur der geschätzte sozialistische „Situationsmeffer" nicht aus seiner
rissen die kleinen Hände am Zügel des Pferdes. Die verwöhnte junge Dame hatte es gar wohl bemerkt, daß das Jntereffe der Besucher nicht mehr ihr allein galt, sondern daß ein, seit kurzer Zeit im Circus auftretender Jokeyreiter ihr einen beträchtlichen Theil des Ruhmes streitig machte, ja, daß dieser Künstler auf dem besten Wege war, sie in den Schatten zu stellen. Sie mußte sich freilich zugestehen, die Leistungen dieses Menschen waren ganz großartig, fast unübertrefflich. Aber mehr als dieses imponirte sein vornehmes, sicheres Auftreten, feine Eleganz, die ihn weit über das Maß des Gewöhnlichen emporhoben. Man war darüber sofort einig, dieser Kunstreiter gehörte zu den intereffantesten Erscheinungen. Aber stolz war er, stolz und hochmüthig, Niemand konnte sich rühmen, von ihm beachtet zu werden; er hatte etwas in seinem ganzen Wesen, was ihn unnahbar machte, und was von keiner Seite eine Vertraulichkeit zuließ. Die Damen waren geradezu entzückt, enthusiasmirt.
Dazu kam aber noch ein besonderer Umstand.
Schon an dem Tage, da dieser Kunstreiter zury ersten Male auftrat, ging das Gerücht, er sei ein heruntergekommener Graf oder Baron, er stamme aus einer der vornehmsten Adelsfamilien des Landes, und sei bis vor wenigen Jahren auf allen Rennplätzen zu bemerken gewesen. Woher dieses Gerücht stammte, wer es zuerst verbreitet hatte, wußte eigentlich Niemand, aber Jeder hatte davon gehört, Jeder dichtete etwas hinzu. Vielleicht war auch nur das wirklich aristokratische, vornehme Auftreten diefes Mannes daran schuld, aber gleichviel — es gab ihm einen gewissen Nimbus, und das
Jntereffe, das man an seiner Person sowohl, als auch an seiner Kunst nahm, stieg von Abend zu Abend.
Und deshalb war Miß Bella im höchsten Grade ärgerlich. Sie wurde einfach in den Hintergrund gedrängt, man sah über sie hinweg, und erwartete gespannt das Auftreten dieses neuen Künstlers, dem die launische Menge solch große Gunst entgegenbrachte.
Wer war dieser Mann eigentlich, von dem Niemand vorher etwas gehört hatte, dem keinerlei Ruf vorausging? Er besaß nicht die geringsten Empfehlungen, hatte nicht eine einzige Rezension aufzuweisen. In keiner Zeitung konnte man von einem Kunstreiter Johnson lesen. Jetzt allerdings beschäftigte die Presse sich sehr viel mit ihm, aber wo mochte er vorher gewesen sein, wo sich diese Kunst angeeignet haben?
Die Gedanken der hübschen Miß Bella drehten sich fortwährend um diesen Punkt. Sie ärgerte sich unbeschreiblich über sich selbst, aber sie konnte es nicht ändern. Bei den Proben suchte sie sich an den „Kollegen" zu drängen, aber vergebens. — Er sah so stolz über sie hinweg, als bemerkte er die kleine, graziöse Gestalt gar nicht, und nach der Probe entfernte er sich fo rasch und mit solch kurzem Gruße, daß Niemand daran denken konnte, eine Unterhaltung mit diesem sonderbaren Menschen anzuknüpfen.
Miß Bella zerbrach sich vergebens den Kopf darüber, wie sie. es anstellen sollte, diesem Manne näher zu kommen, daß sie so gar nichts über ihn vermochte, reizte und ärgerte sie unbeschreiblich. Gerade ihn hätte sie gerne zu ihren Füßen gesehen, aber an dem eiskalten
suchern die Hauptsache war, über einige hübsche, graziöse Kunstreiterinnen. Besonders die eine der Künstlerinnen, — Miß Bella — besaß wohl ein Dutzend Verehrer, von denen sie regelmäßig jeden Abend bei ihrem Auftreten mit einem förmlichen Blumenregen überschüttet wurde. Die verwöhnte junge Dame hielt das zwar für etwas Selbstverständliches, etwas ihr Gebührendes, doch ließ sie sich herbei, dem Einen oder dem Andern einen feurigen, dankbaren Blick zuzuwerfen. Man lachte, klatschte eifrig Beifall, und freute sich immer auf den großen Moment, wo Miß Bella auf ihrem prächtigen, stolzen Pferde in die Manege ritt. Ein wahrer Sturm erhob sich dann jedesmal, und Direktor Conradty rieb sich schmunzelnd die dicken, wohlgepflegten Hände: „Die ver- stehts", war dabei seine stereotype Redensart. Kostete die launische, eigensinnige Künstlerin auch ein schönes Stück Geld, und verlangte sie, im Bewußtsein ihres Werthes und sihrer Leistungen fast jede Woche neuen Zuschuß, so Hütte der Direktor sie dennoch nicht gehen lasten, selbst wenn sie ihre Gagenforderungen noch höher geschraubt hätte; denn der kluge berechnende Mann wußte es wohl, daß Miß Bella die Auslagen reichlich wieder einbrachte. Jeden Abend war der Cirkus dicht gefüllt von Schaulustigen, und besonders die besseren Plätze, die viel Geld einbrachten, blieben nie unbesetzt.
Seit einigen Tagen aber befand sich Miß Bella in übelster Laune, ja sie war geradezu empört. Ihre schwarzen Augen schleuderten Blitze, keiner ihrer vielen Verehrer bekam mehr einen freundlichen Blick von ihr, ungeduldig
„freien Höhe" gar zu tief hinabfällt! In derjenigen Höhe nämlich, in der die sozialdemokratische „Weltgeschichte" verzapft wird, herrscht
Die Wirren in China.
Zur Lage.
Von der Konfusion die im Innern Chinas, noch mehr aber in der Berichterstattung über die Zustände am chinesischen Hofe herrschen muß, geben die zwei in unserem gestrigen Depeschentheil veröffentlichten aus Schanghai kommenden Nachrichten des Wolffschcn Tele- graphen-Bureaus Kenntniß, von denen die eine, dem „Daily Telegraph" folgend, berichtet, daß Prinz Tuan Befehle zum Empfange der Kaiserin gegeben habe, die andere, der „Daily News" entnommene, meldet, daß Prinz Tuan zur Verbannung und Zwangsarbeit verurtheilt worden sei. In wenigen Linien solche Kontraste! Das läßt tief blicken!
Die Regierung in Washington spielte in den letzten Monaten eine den Diplomaten nicht recht verständliche Rolle, indem sie das Bestreben zeigte, sich isoliren zu wollen. Jetzt plötzlich stimmt sie voll in den Corus der Verbündeten Mächte ein. Die Erklärung liegt auf der Hand, nämlich darin, daß McKinley sich scheute, vor der Wahl mit offenen Karten zu spielen; er durfte es weder mit den Imperialisten noch Demokraten ganz verderben, und mußte daher laviren. Da er solches jetzt nicht mehr nöthig hat, kann er ohne den geringsten Schaden die Diplomatie weiter führen, die ihm die verständigste scheint. Diese heißt einig bleiben, damit die allen Mächten allmählich lästig werdenden Expeditionen in China möglichst schnell beendet werden können.
Die chinesischen Friedensunterhändler beim Grafen Waldersee.
Aus Peking wird via Schanghai vom 12. d. M. gemeldet: Prinz Tsching und Lihung- tschang haben den Grafen Waldersee um eine Audienz ersucht. Sie werden wahrscheinlich nächster Tage empfangen werden. Bekanntlich lehnte es Graf Walderfee zweimal in Tientsin, ab, Lihungtschang zu empfangen. — Graf Waldersee beabsichtigt eine viertägige Exkursion nach dem Nankowpaß und den Minggräbern.
Eine Beschwerde des Grafen Waldersee.
Nach einer Meldung der „Agence Havas" vom 13. d. M. gaben die Rusten die Ueber- wachung der Bahnlinie Taku-Tangschan auf.
ichen Vorgang in harmloserem Lichte erscheinen. Auch die im Anschluß an die Verhaftung der Schnapka erfolgte Vernehmung der Verhafteten durch den Stattsanwalt hat außer jeden Zweifel gestellt, daß eine politische Bedeutung irgend welcher Art dem Vorfälle nicht bei- z um ess en ist und daß man es lediglich mit oer That einer Geisteskranken zuthun hat. Ins selbst gingen gestern Abend noch folgende Telegramme über den Zwischenfall zu:
Breslau, 16. Novbr. Die verhaftete Frauensperson stand in den vordersten Reihen des Publikums auf der Seite des Wagens, wo der Erbprinz von Meiningen saß. Als der Wagen vorübersuhr, schleuderte sie ein kurzes Beil nach demselben. Das Beil prallte vom Wagen ab und siel unmittelbar hinter demselben nieder. Die Menge stürzte sich auf die Frau, Schutzleute nahmen dieselbe sogleich fest.
Breslau, 16. Novbr. Die Angaben hiesiger Extrablätter, daß die während der Wagenfahrt des Kaisers verhaftete Frau eine Italienerin oder ein als Frau verkleideter Mann sei, find unwahr. Die Frau ist eine hiesige Händlerin Namens Schnapka. Die vorläufigen amtlichen Ermittelungen ergaben, daß sie offenbar geistesgestört ist.
Vor dem Eingang und an der Kaste des oßen Cirkus Conradty wogte eine bunte enschenmenge hin und her; vom Schuster- igen an, der ein Galleriebillet zu erlangen hte, bis zu den vornehmsten Kreisen waren t Stände vertreten. Jeder suchte einen
iglichst günstigen Platz für sich zu erobern. Rter den Einlaß Begehrenden bemerkte man sonders viele Officiere, die sich, wie alle nbetn, lebhaft unterhielten. Direktor Conradty ttte es aber auch verstanden, Reklame zu «hm; nicht allein, daß alle Tageszeitungen »ße, spaltenlange Inserate aufwiesen, auch 'allen Plakatsäulen und Tafeln waren mächtige 'UAdruckbilder angeschlagen, die die Aufmerk-
(Nachdruck verboten.)
Wahre Liebe.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
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bringt Gewinn, die Unkosten bezahlen sich Mach wieder. Aber natürlich muß man den Suchern auch etwas bieten."
. Und im Cirkus Conradty wurde thatsächlich geboten.
Er verfügte über ein prächtiges Pferde- aterial, ein gutgeschultes Ballet, überAtüchtige chulreiter, und, was bei den männlichen Be-
Umschaü.
Aenderungenimlandwirthschaftlichen Betriebe.
Bei der Eröffnung des schwäbischen Land- rathes hat, wie die „Deutsche Tageszeitung" aus Augsburg meldet, der Regierungs-Präsident v. Zermann gesagt, daß in den Absatzverhält- nisten des Getreides keine wesentliche Aenderung hervorgetreten sei, und im Anschluß hieran sich folgendermaßen geäußert:
Unter solchen Umständen und bei der herrschenden Leutenoth haben sich viele unserer Landwirthe entschlossen, Kulturland, das bisher unterm Pfluge gewesen, aufzuforsten und sich mehr und mehr auf die Milchwirthschaft einzurichten.
Die „Kreuzztg." bemerkt dazu mit Recht: Das hat nicht ein „ostelbisches" Mitglied des Bundes der Landwirthe, sondern ein bayerischer Regierungspräsident in amtlicher Eigenschaft gesagt. Wie man unter diesen Umständen noch die Nothwendigkeit leugnen will, durch Erhöhung der Zölle unseren heimischen Getreidebau zu fördern, ist kaum begreiflich. Oder sollte es wirklich ernsthafte Politiker geben, die den Augenblick herbeisehnen, wo die Landwirthschaft
Ns der Kaiser Freitag Mittag um 3/4l Uhr seiner Ankunft auf dem Ob erschleichen 11'lchnhose mit dem Erbprinzen von Sachsen- -rinirgen in einem offenen Wagen durch die Uhr flbt fuhr und eben au der Ecke der Gürtende angekommen war, warf eine Frau ein das sie bis dahin in ein Tuch ein- . wickelt hatte, nach dem Kaiser. Das mgi g flog gegen das Hinterrad des kaiserlichen mens und fiel zur Erde, ohne irgend welchen iuryant ^den angerichtet zu haben. Die Frau wurde J- >rt von mehreren Herren aus dem Publikum b) Ad genommen und Schutzleuten übergeben, die " nad) dem nahegelegenen Polizeirevier in Ernststraße brachten. Aus dem Wege dorthin H sie fortwährend von Leuten, die sie auf- etzt hätten. „Er hat mich ja gehauen!" rief Sie wurde nach kurzem Verhör auf dem bin dem Polizeipräsidium zugeführt. Die iu wurde ergriffen und verhaftet, als sie sich kte, um das Beil wieder aufzuheben. Das il ist in den Händen der Polizei. Der Kaiser lt nach der Kürssierkaserne weiter. Die m ist eine in Breslau wohnende Händlerin Mns Schnapka, 40 Jahre alt und katholisch. r ftS| i Publikum entstand eine ungeheuere Auf- W W ang. die Polizei hatte Mühe, die Frau vor Wuth der Volksmenge zu schützen. Es übelt sich offenbar um die That einer ifteskranken. Das Beil war noch ungebraucht.
" Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Ml.. 015 v h tt z* Erichemi täglich außer an Werktagen nach «sonn- und Selenagen.
v 971 bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). JylUVVUlfl Sonntagsbeilage: Illnstrirtes Sonutagöblatt.
M Jufertiouigebühr: die gespaltene Zeile obtt deren Raum M Psb 1ft WntlPmhPT 1900 D"l°g: Joh. Aua. Koch. llni«rsitats-Buchdruck-r-, »
Reclamen: di» Zeil» 25 Pfg. ÖDHillUy, 1O yiDUvulDcT lUUU. Marbnro Markr 21. — Telephon .->•->
Privatdepeschen wurden noch weitere Ueber- IunW^"gen verbreitet; so hieß es, das Beil habe " » Hinterrad des kaiserlichen Wagens „zer- ittert" (!). Erst die nachfolgenden aus- icheren Meldungen ließen den bedauer-