mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
Ml J« 266
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Marburg
Dienslacl. 13 November 1900.
^nchelül laglw) außer an Werktagen nach «sonn- und Feiertagen. SouutagSdeilage: Jllustrirtes LountagsbUrtt.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universlläts-Buchdruckerei
■Elatbitra Markt 21. — Telephon 55
35 Jahrg.
Eisenbahnunglücksfälle.
isse
Es giebt keine menschliche Einrichtung, die, lilll mn sie och so großartig wäre, nicht die chattenseiten ihrer Unvollkommenheit an sich öge. Alle menschliche Kunst und alle Höhe hnischer Entwickelung und administrativer stfichtigkeit vermögen diese Schattenseiten nicht
----. nz aus dem Lichtbilde des Kunstwerkes zu
jfernen.
Die»Gestaltung unserer Eisenbahnen ist ein ciumph der Technik, eines der wunderbarsten ngnisse menschlichen Erfindungsgeistes, und a Sinn für Größe hat, den muß es wunderbar Mühren, wenn er in dunkler Nacht auf schmalem Mde ein unbespanntes Fahrzeug mit rasender Hhnelligkeit auf sicherer Bahn an sich vorbei - tien sieht. Zwei Männer nur vorne auf der Heimnißvollen Maschine, die dem Koloß 'egende Schnelligkeit diktiren, und drinnen in n erleuchteten Wagen Hunderte von Menschen, -jlafenb, spielend, sich unterhaltend, im Gefühle f Sicherheit, die vor kurzem ihren Lieben eint geschrieben oder telegraphirt: „Ich :me bestimmt, erwarte mich am Bahnhofe." Vor dieser gewaltigen Erscheinung unseres gtisch-wissenschaftlichen Jahrhunderts verblaßt es, was die Alten an Kultur geschaffen, und s modernen Menschen ergreift ein Gefühl higen Stolzes, nicht ob der gemeinen „Nützlich- it" dieses Werkes, sondern weil in ihm mschlicher Erfindungsgeist und menschliche chaffenskraft einen geistigen Triumph über die dte Materie feiern.
Freilich erhält das glänzende Bild tiefe chatten, wenn Angstschreie aus dem sausenden chrzeuge unser Ohr berühren, wenn ver- immelte Leichen, zerschmetterte Gliedmaßen 18 die Unvollkommenheit alles Menschlichen
graufig vors Auge führen . . .
Die letzten Monate hatten wiederholt Eisen- Hn-Unglücksfälle von bedauerlichem größerem llfang zu verzeichnen und das letzte in Lffen- - ch trägt einen ganz besonders schrecklichen arakter; es zeigt uns das entsetzliche Bild, M ein halbes Dutzend Menschen bei lebendigem »e verbrennen mußte.
t.2)a fragt man sich denn mit Recht, wie Wen Fällen vorzubeugen sei, und man kann 2 will sich nicht mit dem fatalistischen Ein- M d begnügen, daß das Unglück eben eine Bett erscheinung des allgemein Menschlichen ist. St il hat die Betriebssicherheit auf den deutschen Mnen nicht ab-, sondern zugenommen — im M.)ältniß zur Steigerung des Verkehrs —, Mc der Unglücksfälle sind es eben immer noch »viele, daß die Oeffentlichkeit mit Recht nach
(Nachdruck verboten.)
I Treue.
Roman von Ada Dörner.
(Fortsetzung.)
Es ist daS Richtige — ja — es ist ganz viß das Richtige."
„Hier ist der Betrag Ihrer Schuld. Ich krnachte hier und spreche heute Abend wieder : Ihnen vor, um zu erfahren ob das Geld b das Schreiben abgegangen find. Dann er- Iten Sie die Mittel, diese Stadt zu verlassen." Stein hatte noch allerlei zu erledigen. Als damit zu Ende kam und Röder aufsuchte,
lt es dunkel geworden. Der Profeffor über- b ihm »en Einschreibeschein. Auf die Frage: )atten Sie einen schweren Kampf mit Ihrer
bei
»chter zu bestehen?" meinte er:
I „Sie weinte — aber sehen Sie, so ein Mädchen mit Künstlerblut in den Adern ist Me ein Vogel, der sich aus dem Käfig heraus xd nach Freiheit sehnt. Sie wird ihn ver- Msen."
I „Und er sie."
. »Ja, ja, gewiß! Morgen reisen wir nach N t ien ab. Dort habe ich alte Freunde, und $ran llene findet Gelegenheit zu lernen."
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Haspe lm.Bl
„Das wäre also abgemacht!" Ein Seufzer
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er
rrr |U werden. Er wußte, daß es ein ver-
otel zu begeben.
Auf feinem Zimmer aägekommen, suchte er irgeblich der inneren Unruhe, die ihn quälte,
. das. „
res 2. r Erleichterung hob Steins Brust. Schnellen ■ ' chrittes verließ er das Haus, um sich in sein
noch größerer Betriebssicherheit verlangt, namentlich dort, wo durch Verbesserung der technischen Einrichtungen vorbeugend gearbeitet werden kann.
Es ist aus Anlaß des schrecklichen Offenbacher Unfalles darauf hingewiesen worden, daß die I)-Wagen bester konstruirt werden müßten, damit sie sich im kritischen Moment nicht als „Todtschläger" erweisen, man hat mit Recht statt der Gasbeleuchung elektrisches Licht gefordert, und ebenso hat man mit Recht verlangt, daß am Anfang und am Schluß des Zuges ein Güterwagen als Pufferwagen laufen soll, ähnlich wie die Berliner Vorortzüge „Schutzwagen" enthalten.
Aber die Hauptschuld an diesem, wie in manchem anderen Unglücksfalle, liegt — darauf weist zutreffend der „Rh. C." hin — doch auf einem anderen Gebiet, das ist die ungenügende Räumlichkeit unserer Bahnhöfe. Fast alle Bahnhöfe der großen Stationen sind nicht groß genug, so daß sehr häufig die Züge nicht einfahren können und auf freiem Felde halten müsten. Auch im Offenbacher Unglücksfall scheint der letzte Grund in der Thatsache zu liegen, daß der dem v-Zug vorausgegangene kleinere Train nicht einfahren konnte.
Es stellt sich immer mehr als ein unabweisbares Bedürfnis heraus, daß das Geleis-Terrain auf den Bahnhöfen von nur einigermaßen verkehrsreichen Stationen erheblich vergrößert wird, denn der Bahnhof ist das Herz des Verkehrs. Die zunehmende Derkehrssteigerung bringt eine immer größer werdende Konzentration des Wagen - rc. Materials in den Bahnhöfen zustande; das Terain auf diesen muß nun von einer derartigen Aufnahmefähigkeit sein, daß es alle Maschinen- und Wagenschiebungen mit Leichtigkeit „verdauen" kann. Dadurch allein wird das Halten auf den Strecken, auf freiem Felde, das sich so oft als eigentliche Ursache von Unfällen gezeigt hat, vermieden.
Aufgabe unserer Bahnverwaltung und noch mehr unserer Parlamente wird es sein, auf diesen Umstand ein besonderes Augenmerk zu richten; insbesondere werden es sich unsere Volksvertretungen abgewöhnen müsten, bei Bahnhofsbauten die sonst bei allen Dingen vor- theilhafte Sparsamkeit walten zu lassen, eine Forderung, die sich der Eisenbahnfiskus selbstverständlich erst recht wird merken müssen.
Geräumige, vielgeleisige Bahnhöfe, die den in ihnen sich stauenden, Wagenverkehr derartig bewältigen können, daß die Strecken zu jeder Zeit frei sind, das scheint eine Hauptforderung rationeller Derkehrstechnik zu sein, und es wäre
zweifelt gewagtes Spiel war, das er spielte: er wußte, daß er alles auf eine einzige Karte gesetzt hatte, und der Einsatz galt Existens und Ehre.
Glückte das Spiel — und w«rum sollte das nicht möglich sein —, dann war er ein gemachter Mann und seine und seines Sohes Jukunft gesichert.
Verlor er das Spiel — und auch das war möglich —, dann, ja dann — nein, diesen grauenvollen Gedanken wollte er nicht zu Ende denken — er mußte das Spiel gewinnen.
So lange hatte er gearbeitet, hatte alles ge- than, um seine Jntrigue zu spinnen — sollte das alles umsonst gewesen sein;
Noch hielt er die Fäden in seiner Hand, noch war er Herr der Situation, noch besaß er Hagendorfs ungeschmälertes Vertrauen, trotz Margots Anklage gegen ihn. Und den Funken der Eifersucht in Hagendorfs Herzen wollte er schüren, bis er zur verzehrenden Flamme auflodern würde. Er kannte ja den Baron so gut und wußte, an welcher Stelle er am leichtesten verwundbar war. Es mußte ihm glücken, denn das schlagenste Beweisstück Margots Brief an Dr. Heller, hatte er selbst in den Händen gehalten. Der Schlag würde Hagendorf treffen, wie kein anderer — und dann war Margot unschädlich gemacht, die schlimmste Feindin, die seine Zukunft bedrohte, aus dem Felde geschlagen, denn in seiner Eifersucht Würde Hagendorf für seinen Zorn keine Grenze kennen.
So suchte Stein sich Muth einzureden.
zu wünschen, daß Fiskus und Volksvertretung in gleicher Weise an der Verwirklichung dieser Forderung arbeiten wollten.
Umschau.
Der Abschluß der neuen Kanalvorlage.
Die kommistarischen Berathungen über die erweiterte Kanalvorlage, an denen Kommissare des Finanzministers, des Ministers der öffentlichen Arbeiten, des Handels und der Land- wirthschaft Theil genommen haben, find laut „Hann. Cour." seit einigen Tagen abgeschlosten und haben eine völlige Uebereinstimmung herbeigeführt. Nachdem die vorläufige Drucklegung des vereinbarten Gesetzentwurfs erfolgt ist, wird die Vorlage das Staatsministeriüm beschäftigen und werden damit die Vorarbeiten ihren Abschluß finden, so daß dem im Januar zusammentretenden Landtag die Vorlage alsbald unterbreitet werden kann. — Der „H. C." hat schon des Oesteren unrichtige Meldungen über die Kanalvorlage veröffentlicht, man wird daher auch in diesem Falle eine Bestätigung abwarten müssen. ___________
Die Kosten der China-Expedition.
Dem Bundesrat ist die Kostenrechnung für die deutsche China-Expedition in Form eines dritten Nachtrages zum Reichshaushaltsetat für 1900 zugegangen. Die darin zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben geforderte vorläufige Summe beträgt 152 770000 Mk.
§ 1. Der diesem Gesetz als Anlage beigefügte dritte Nachtrag zum Reichshaushaltsetat sür das Rechnungsjahr 1900 wird in Ausgabe auf 152 770 000 Mark an einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats und in Einnahme auf 1527770000 Mk. festgestellt und tritt dem Reichshaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1900 hinzu.
§ 2. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von 152770000 Mk. im Wege des Kredits flüssig zu machen.
§ 3. Soweit Ausgaben auf die int § 1 bezeichneten Beträge zu den Verwendungszwecken des zugehörigen Nachtragsetats bereits geleistet find, werden fie nachträglich genehmigt und kommen auf den int § 2 bewilligten Kredit in Anrechnung.
Im einzelnen setzt sich die Forderung von 152 770 000 Mk. zusammen aus 119,8 Millionen Mark sür die Verwaltung des Heeres, 28 857000 Mk. für die Verwaltung der M a r i n e, 3,7 Millionen Mark für die Post- und Te le graphenv e rwaltuug, 243000 Mk. für Penfionen, Wittwen- und Waisengelder und 70 000 Mk. als Kosten einer Medaille für die Theiluehmer der Expedition.
Aber bann tauchte boch wieber ber nagenbe Zweifel an bent Sieg feiner Sache in ihm auf.
Alles war so fein ausgesonnen, so klug zurecht gelegt, alles schien den Erfolg zu verbürgen — wenn nur der Ring nicht gewesen wäre.
Dieser verwünschte Wucherer!
Was nützte Stein in diesem Augenblick das Geld, das er flüssig gemacht hatte, jetzt, wo der Ring nicht zur Stelle war.
In wessen Hände war er gelangt ? Tausende hätte Stein in diesem Augenblick darum gegeben, um den Namen des Käufers zu erfahren, denn der Ring konnte fein Verräther werden.
Kalter Schweiß perlte auf feiner Stirn, als er diese Möglichkeit erwog.
Und hier war er machtlos; das war der einzige Faden, der feinen Fingern entschlüpft war, als er so fein den Knoten schürzte, und dieser einzige Faden reichte hin, ihm zur gefährlichen Schlinge zu werden.
In ohnmächtiger Wuth ging er in seinem Zimmer auf und nieder, er hätte den Wucherer erwürgen können, hätte er ihn zur Stelle gehabt.
Warum wollte der Mensch nicht reden? Warum ließ er sich sein Geheimniß nicht abkaufen, wo ihn Stein doch sonst als einen feilen Menschen kannte, ohne Ehre und Gewisten, der für Gold jedes Geheimniß preisgab!
Irgend etwas mußte dahinter stecken, und dieses dunkle Etwas, dem Stein macht- und rathlos gegenüberstand, lastete wie ein furchtbarer Alpdruck auf ihm.
Es gab für Stein nur eine einzige Rettung, und die bestand in unverzüglichem Handeln.
Die Begründung des Etats besagt, di^ Form eines Nachtragsetats sei gewählt, um be der Unsicherheit der Schätzungen wenigstens diejenige Gliederung der Ausgaben zu bieten, welche gegenwärtig möglich sei. Der Vorlage ist eine Denkschrift beigegeben über die politische Nothwendigkeit der Expedition, über die Maßnahmen der einzelnen Verwaltungen und deren Fiuancirung. Die Stärke des ganzen Expeditions-Korps beträgt 582 Officiere, 120 Sani- tätsofficiere, 161 obere Beamte, 18 712 Mannschaften, 27 untere Beamte,^und 5579 Pferde. Ersatzsendung lür den Abgang ist nur vorgesehen, wenn die Verhältuiste eö durchaus erfordern.
Die Wirren in China.
Zur Lage.
Die militärische Erkundigung um Peking herum, die sich bis in die Berge nordwestlich von dieser Hauptstadt, bis an die chinesische Mauer und südlich bis Paotingfu erstreckte, scheint auch die militärische Aktion abgeschlossen zu haben. Bekanntlich breitet sich die Ausdehnung der Expedition bis südlich der großen Fluß- und See-Niederung, die zwischen Paotingfu bis Tientsin sich erstreckt, auf welcher Linie General Campbell mit den Briten den Rückmarsch nach letzterer Stadt antrat. Es kam überall nur zu unbedeutenden Gefechten.
Schon jetzt macht sich, wie ‘ die neuesten Nachrichten besagen, der niedrige Wasserstand für die Ladeverhältniffe fühlbar; die Sache wird noch schlimmer werden, wenn mit Eintritt des Winters der Weg nach Taku verlegt ist. Der Hasen von Schanhaikwau soll zwar eisfrei, aber die Bahnverbindung von dort nach Taku nicht einwandfrei sein, so daß die Verbindung mit der Außenwelt einige Störung erleiden möchte. Man kann wohl erwarten, daß die Behörden rechtzeitig an diese Barriere gedacht und alles vorgesorgt haben! Dennoch wird diese Absperrung an allen Ecken und Enden sich fühlbar machen.
Eine amtliche Meldung.
Das Oberkommando meldet aus Peking vom 7. Nov.: Die Ruhr nimmt allgemein ab. In Peking und Tientsin ist noch Typhus vorhanden. Zwei japanische Kompagnien sind von Peking und Tungtschau gegen die Boxeransammlungen bei Shunchsien entsandt. Eine russische Kolonne hatte am 31. Oktober ein glückliches Gefecht nördlich von Tsunhwasu. Zwei Mann wurden getödtet. Eine gemischt Kolonne von Ruffen, Franzosen
Er mußte dem Käufer zuvorkommen, und sein Spiel, so schnell es irgend ging, zu Ende spielen.
Morgen früh schon mußte er den Schlag gegen Hagendorf ausführen und ihn von Margots Briefwechsel mit Dr. Heller in Kenntniß setzen, um einen vollständigen Bruch zwischen den beiden Gatten herbeizuführen. Dann war er fürs erste gesichert und Herr der Situation. Dann würde er Hagendorf in seiner Hand behalten — und was bann geschah, war nur eine Frage ber Zukunft. Wenn Margot Loschwitz für immer Verl affen mußte, bann würbe auch bas Testament vernichtet werden, das Testament, das feine Existenz bedrohte.
Ein letzter Sieg — und alles war gewonnen.
Und von neuem richtete sich Steins Muth empor, wenn er bedachte, wie günstig die gereizte Stimmung Hagendorfs für den Plan war. Der Boden war gelockert, die Saat des Mißtrauens an Margots Treue und Liebe war aus- gefät, der morgende Tag sollte die Ernte reifen.
Aber bann keimte wieber ein neuer Zweifel in Steins Brust auf. Was hatte in Margots Brief an Heller geftanben? Vielleicht war es ein ganz unschulbiger Brief gewesen, in bem möglicherweise Margot nur um Hellers ärztlichen Rath bat? Was bann?
Gleichviel — mochte ber Brief enthalten was er wollte, ein Versuch mußte gemacht werben. Vielleicht genügte bei bem schon vor- hanbenen Derbacht auf Hagendorfs '.Seite allein schon bie Thatsache, daß Margot an Heller geschrieben, um einen Bruch herbeizuführen.
(Fortsetzung folgt.)