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die Monate November und Dezember i dieOberheff. Zeitung" nebst ihren Lagen werden von unserer Expedition arkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch - in und Neustadt, sowie von allen Post­alten und Landbriefträgern entgegen- ommen.

(Nachdruck verboten.)

Treue.

Die Wirren in China.

Der deutsch-englische Vertrag.

Hinsichtlich des deutsch-englischen Abkommens [bet ein Londoner Berichterstatter desBerl. gebt": Ich erfahre aus einer Quelle, die nicht unbeachtet lassen kann, daß das eng- sch-deutsche Abkommen thatsächlich eine Heime Abmachung zu Artikel 3 enthalte, t sich auf China und Afrika bezieht. Wenn die China betreffende Klaufel, so sagte mir en Gewährsmann, unbeanstandet veröffent- sst werden kann, so sei eine Publikation doch igeii der Afrika betreffenden Klausel vorläufig ftt angängig.

[$on offiziöser Seite ist der Annahme, daß een dem veröffentlichten englisch-deutschen Ver- ig noch geheime Abmachungen zwischen den ben Mächten bestehen, lebhaft widersprochen cden. Auch nach den Informationen der igl. Rundsch." soll thatsächlich der Vertrag m 16. Oktober 1900 noch einige Para- aphen enthalten, die nicht verössent- )t sind und die sich auf die Eventualitäten «Artikel 3 beziehen. Dieser Umstand kann nn dazu beitragen, das Vertrauen zu dem Msch-deutschen Abkommen zu erhöhen.

MLie osfizielle Antwort Japans auf die Dfizirung des deutsch-englischen Abkommens || 16. Oktober ist hier eingetroffen. Japan Umt demselben bedingungslos zu.

r Ueber den Grafen Waldersee

Vrmt nach langer Pause wieder einmal eine «kwürdige Meldung aus englischer Quelle. H: Tientsiner Berichterstatter derDaily Mail" »ährt, Graf Waldersee, dessen Befinden sich »effert habe, pflog eine zweistündige Unter- jbung mit dem britischen Gesandten Macdonald K deffen Abreise von Peking. Die Eisen- »hnfrage bildete den Hauptgegenstand der «erredung. Graf Waldersee finde es schwierig, I dieser Angelegenheit seine Autorität geltend I machen. Zum Beispiel weigerten sich die

Roman von Ada Dörner.

(Fortsetzung.)

:: ?Kam Dr. Heller auch hierher?" fuhr Hagen- rf fort.

Wöchentlich zweimal", antwortete Stein.

Und wie lange blieb er?"

In der fchlimmsten Zeit oft ganze Nächte »durch."

So? Kommt er noch?"

Er ist eben vorhin eingetroffen. Die lädige Frau ging ihm entgegen."

Ah

Hagendorf lehnte fich in dem Rollstuhl »rück und schloß die Augen. Er war doch och immer sehr müde und erschöpft.

Die Frau Baronin und der Herr Doktor!" leldete Stein, fich tief vor den Nahenden ver- kigcnd.

Margot eilte auf ihren Gemahl zu und um- hlang ihn zitternd vor freudiger Erregung: Hugo, bitte öffne die Augen! Hier steht unser etter, hier steht der Mann, dem -ich nächst ott am meisten danke, dem ich nie genug «gelten kann, was er für mich that. Hier eht Bruno Heller, der Gefährte meiner Kind- rit, der mich einst vom Tode errettete und it jetzt noch mehr ach, tausendmal mehr ib, indem er mir mein Theuerstes erhielt."

Der Freiherr schlug die schweren Lider auf, »er ein eigenthümlicher Blick sprühte unter nen hervor.Sie weihten mir Ihre kostbare leit in aufopferndster Weise, Herr Doktor."

Russen, den Briten zu gestatten, ihre Flagge in Shanhaikwan zu hissen trotz seiner aus­drücklichen Befehle. Es läßt sich schwer beurteilen, was an dieser Meldung Wahrheit und was Dichtung sein mag.

Zum Verhalten der verbündeten Truppen.

Der Sonderberichterstatter des mailändischen Corriere della Sera" giebt Schilderungen, wonach die internationalen Truppen in China in fürchterlicher Weise gehaust haben sollen. Während seiner Fahrt auf demPeiho" von Matao nach Tongtfchau sah er angeblich den Fluß mit Leichen umgebrachter Chinesen jeden Alters bedeckt. Auf den Feldern fielen Hunderte flüchtiger, unbewaffneter, halbverhungerter Ein­geborener unter den Schüssen der europäischen Soldaten, die dem Jagdvergnügen nachzugehen schienen. In den Ortschaften und Landhäusern war fürchterlich gehaust worden, namentlich durch Kosaken, denen der Berichterstatter thierijckieRohheit nachsagt. Nur die italieni­schen Soldaten haben nach seinen Angaben die Gesittung nicht ganz verleugnet. Bisher ist von allen Seiten das gesittete Verhalten der deutschen Truppen bei den Ausschreit­ungen der anderen Kontingente hervorge­hoben worden. Man wird abwarten müssen, wieweit sich diese Schilderungen bestätigen.

Die chinesische Beamten-Hierarchie.

m. Es werden jetzt in der Presse öfters chinesische Beamtenbezeichnungen gebracht, deren eigentliche Bedeutung auf europäische Ver­hältnisse übertragen im Allgemeinen unbe­kannt sein dürfte. Das WortMandarin" soll unter den Chinesen selbst völlig unbekannt fein; die Europäer bezeichnen hiermit die Beamten überhaupt. Es ist saft unmöglich, sich selbst an der Hand des ofsiziellen BuchesLi-ki" (Die Zeremonien) ein klares Bild von den dort auf- gefübrten Beamtenklassen zu machen. Für die Bedürfnisse des Zeitungslesers genügt aber wohl die Kenntniß der Derwaltungsbeamten inner­halb der Provinzen. Der Gouverneur führt den Titel Fu-huen, steht er als Generalgouver­neur zwei Provinzen vor, den eines Tschung-tu. Unter ihm stellen, als seine nächsten Organe, der Studiendirektor (Hsio-tsching), der Finanz­direktor (Tao-tai), der Schatzmeister (Pu-tsching) und der Oberrichter (Nyan-tschok). Wenn sie zuweilen auch mit dem gemeinsamen Titel Ta-schen" bezeichnet werden, so beruht dies auf einem Jrrthum.Ta-schen" (Großer Mann) ist etwa entsprechend unseremExcellenz", die jenen Beamten zukommende Anrede.

Offen gestanden, vernachlässigte ich viele andere Patienten, sorge aber für die beste Ver­tretung."

Und das geschah mir, dem Ihnen ganz Fremden zu liebe?"

Nein, wohl aber stand ich seit Jahren der Familie Stetten so nahe, daß ich es als schönste und höchste Aufgabe betrachtete, meine ganze Kraft, mein ganzes Können einzusetzen, um den Tod von der Schwelle zu bannen. Noch einige Monate vollständiger Ruhe, dann werden Sie hoffentlich ganz hergestellt fein.*

Heller vollendete den letzten Satz zögernd. Er hatte etwas Flackerndes, Unstätes in den Augen feines Patienten wahrgenommen, das dieser Ueberzeugung Hohn zu sprechen schien.

Früher als sonst verabschiedete er sich.

Margot geleitete ihn durch den Garten.

Nicht wahr, jetzt dürfen wir das Beste hoffen?" fragte sie.

Ja"

Das klingt so kühl."

Weil ich noch nicht ohne Sorge bin."

Was befürchten Sie denn?"

Nur ruhig! Wir werden jeden Feind be­kämpfen", erwiderte er ausweichend und war zu keiner näheren Mittheilung zu bewegen, sagte aber dann, wie um das Gespräch auf einen an­deren Gegenstand zu lenken:Ist dieser Stein ein zuverlässiger Mensch?"

Er war mir sehr unsympathisch, aber Hugo hielt immer unendlich viel auf ihn, und wirklich gab er in diesen traurigen Tagen Beweise einer Anhänglichkeit, der gegenüber ich mich meines Mißtrauens und meiner Abneigung schämen muß. Wann sehen wir Sie wieder?"

Die Städte werden in 5 Klassen eingekeilt. Je nach der Bedeutung des von ihnen ver­walteten Ortes führen die Bürgermeister den Titel eines Fu-tai, Tohifu-tai, Tuugttchi, Tschi- tschnu, Tschi-Hsien. Angeredet werden sie mit Ta-to-ye. Der Dorfälteste führt den Titel Sinn-kien. Der Truppenkommandeur (Komman- dirende General) in jeder Provinz heißt der Ti-tai; der in gewißem Sinne als Vertrauens­mann der Krone geltende Kommandirende der Mandschu (Fahnen)-Truppen Tschang-kiang.

Umschau.

Medicinifche Doctorpromotion.

Die über die medicinifche Doctorpromotion an den deutschen Universitäten getroffene Ver­einbarung wird jetzt amtlich publizirt. Die Grundzüge stellen nur Minimalerfordernisse aus und es bleibt den einzelnen Promotionsord­nungen überlassen, die Anforderungen an die Promotion zu verschärfen. Die Durchführung der Neuordnung soll so beschleunigt werden, daß sie auf alle sich nach dem 1. Oktober d. I. zur Promotion meldenden Kandidaten zur An­wendung gelangt.

In der Hauptsache stellen die Grundsätze solgende Normen aus: Der medizinische Doktorgrad dars nur verliehen werden auf Grund einer durch den Druck veröffentlichten Dissertation und einer mündlichen Prüfung. Eine Promotio in absentia findet unter keinen Umständen statt. An Stelle der zur Ge­nehmigung ungedruckt vorzulegenden Dissertation kann nach Ermessen der Fakultät auch eine bereits durch den Druck veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit des Kandidaten treten.

Die Zulassung von Inländern darf in der Regel erst erfolgen, nachdem sie die Approbation als Arzt für das Reichsgebiet beigebracht haben. In diesen Fällen beschränkt sich die mündliche Prüfung auf ein Colloquium vor dem Dekan oder seinem Ver­treter als Vorsitzenden und zwei gewählten Mitgliedern der Fakulität. Wird in Ausnahmefällen ein Mediziner vor feiner Approbation zur Promotion zugelassen, so tritt anstelle des Colloqium das Examen rigorosum. Diese Prüfung zerfällt in einen theoretischen und einen praktisch-klinischen Theil. Die theoretische Prüfung hat sich auf folgende Fächer zu erstrecken: 1. Anatomie, 2. Physiologie, 3. patalogische Anatomie mit Einschluß der allgemeinen Pathologie, 4. Hygiene. Inder Woche vorher findet die praktisch-klinische Prüfung in der Inneren Medizin, in der Chirurgie und in der Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenbette statt. Hat der Kandidat die mündliche Prüfung nicht bestanden, so muß er sie ganz wiederholen. Das kann frühestens nach 3 Monaten (Rigorosum) geschehen. Die Gebühren betragen mindestens 450 Mark.

Auf Ausländer, welche die ärztliche Appro­bation für das Deutsche Reich erlangt haben, finden bezüglich der Promotion dieselben Vorschriften An­wendung, wie auf die in gleicher Lage befindlichen Inländer. Ausländer, welche die ärztliche Approbation für das Deutsche Reich nicht besitzen, haben sich bei

Nächsten Donnerstag."

Grüßen Sie mir meine Lieben! Und nicht wahr, jede Gefahr ist jetzt beseitigt?"

Ich hoffe - ja!"

Als Margot zurückkehrte, ging Hagendorf, auf Stein gestützt, langsam im Zimmer auf und nieder. Jetzt sah sie erst, daß ihm die Krankheit jeden Rest der Jugend genommen hatte. Schwer lehnte er sich auf den Arm des Sekretärs, sich mit schleppenden Schritten mühsam vorwärts schiebend. Tas immer noch üppige Haar war grau geworden.

Bitte, das ist jetzt meines Amtes, Herr Sekretär", sagte die junge Frau.

Wie Sie befehlen, Frau Baronin," er­widerte er, aber der Freiherr fiel mit gereiztem Tone ein:

Laße nur! Du bist zu schwach und zu zart, als daß ich Dir solche Last aufbürden dürfte. Ich bedarf einer kräftigeren Stütze und die bietet mir mein erprobter, treuer Diener."

Bestürzt sah sie auf. Wohl regte sich ihr Stolz, aber die Liebe war stärker und flüsterte ihr zu:Du mußt Geduld mit ihm haben."

Im kleinen, weißen Salon wurde der Thee eingenommen. Dem Tisch gegenüber hing ein venetianischer Spiegel.

Der Sekretär wollte sich zurückziehen, folgte indeß Hagendorfs Aufforderung zu bleiben. Er schlürfte eine Taffe Thee, bat aber bann, ihn zu entschuldigen, da er noch vieles zu ordnen habe.

Ja, ja, alles ruht in Ihren Händen, lieber Stein, und ich weiß ja, daß ich mich auf Sie unbedingt verlassen kann. DaS ist mir jetzt

der Fakultät behufs ihrer Zulassung zur Promation darüber auszuweisen, daß sie bte entsprechende Vor­bildung besitzen.

Die 12000 Mark-Affäre.

Wie man sich erinnert, hat sich die durch die 12 000 Mark-Geschichte hervorgerufene Lage dahin zugespitzt, daß man annehmen mußte, dasReichsamt des Innern" habe in mehr als in einem Falle von Interessenten Geld ge­nommen, um die Agitation für ' gewisse Vor­lagen der Regierung zu besorgen. Herr Dr. Schönlank in seinerLeipziger Volkszeitung" be­hauptete steif und fest, düß das Datum des be­rüchtigten Brieses vom Jahre 1898 echt sei. Wenn also das Ministerium des Innern sich in seiner Erklärung auf Vorgänge im Jahre 1899 berufe, fo fei der Beweis erbracht, daß noch eine Geldentleihung stattgefunden, das also das Ministerium wiederholt sich in den Dienst einer Gruppe gestellt habe.

Selbst mit der gestern veröffentlichten Er­klärung des Herrn Bueck war derVorwärts" immer noch nicht zufrieden. Er vermißt nämlich in ihr die ausdrückliche Bekundung, daß der bewußte Brief nicht am 3. August 1898 geschrieben sei; Herr Bueck habe vielmehr, so führt er aus, nur bekundet, daß die Angelegen­heit, auf die sich die Angriffe der sozialdemo­kratischenLeipziger Volks-Zeitung" beziehen, sich im August 1899 zu getragen hat. Wir haben nun für diese Versuche, die Bedeutung der bündigen Erklärung des Herrn Bueck in Zweifel zu ziehen, keinerlei Verständniß, glauben auch, daß es allen, welche sie mit nüchternem Blicke und ohne bösen Willen durchlesen, ebenso gehen wird. Die jetzige Haltung desVorwärts" wird uns nur durch das Bestreben verständlich, die Presse durch Fortsetzung der Erörterung der 12 000-M. Frage in Äthern zu halten. Um aber allen Mißdeutungen seines Briefes den Boden zu entziehen, hat Generalsekretär Bueck jetzt folgende Erklärung veröffentlicht:

Der sozialdemokratischen Presse genügt meine gestrige Erklärung nicht. Ich bin gerne bereit, sie dahin zu ergänzen, daß der von derLeipziger Volks­zeitung" veröffentlichte B r i e f das Datum3. August 1899' trägt. Ein Brief von mir gleichen oder ähn­lichen Inhalts aus dem Jahre 1898 existirt nicht.

Berlin, den 31. Oktober 1900.

H. A. Bueck, Generalsekretär des Zentralverbandes deutscher Industrieller.

Der Versuch desVorwärts", durch sophistische Deutungsversuche der Erklärung des Herrn Bueck doch noch herauszuklügeln, daß der Brief im August 1898 geschrieben sei und das Vor­

gerade eine stete Beruhigung", sagte der Guts­herr.

Ich wollte Ihnen Vorschlägen, einen ver­läßlichen zweiten Verwalter zu engagiren, Herr Baron, denn dem alten Eckert, der auch schon recht hinfällig und bequem ist, wird die Sache zu schwer. Er war gewöhnt, Ihnen alle Rech­nungen einzusenden und Sie brieflich wegen jedes Abschluffes zu befragen. Das konnte er nun feit Monaten nicht. Die Arbeit hat fich angehäust, die Verantwortung ist schwerer ge­worden. Er wünscht, daß ihm eine tüchtige Kraft zur Seite gestellt wird."

Nein, nein! Nur kein neues Gesicht!" wehrte der Freiherr nervös ab.Sagten Sie mir nicht einmal, daß Sie vor Ihrem Engage­ment bei dem Grafen von Redern auch als Ver­walter fungierten?"

Allerdings. Ich bekleidete diesen Posten aushilfsweise auf dem Kielmannseck'schen Gute in Mähren."

Nun also. Daun unterstützen Sie den alten Mann vorläufig. Ich lege alles in Ihre Hände."

Was denn: aber?"

Ich bin den Leuten hier unbekannt. Sie gehorchen mir nicht."

Sie werden, wenn ich eS befehle!"

Man betrachtet mich, den Fremden, mit einem gewissen Mißtrauen, Herr Baron."

Ich vertraue Ihnen, und das dürfte ge­nügen. Gegen meine Bestimmungen wagt wohl Stiemanb etwas einzuwenden."

(Fortsetzung folgt.)