mit dem Kreisvlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Ausland
vier Mann getöbtet,
Mann werden ver-
Deutsches Reich
Berlin, 29. Oktober.
— Bezüglich des Bueckschen Briefes, den die „Leipz. Bolksztg." zuerst veröffentlichte, und der nach ihrer Angabe am 3. August 1898 geschrieben sein sollte, giebt das Blatt zu, daß ein „Schreibfehler" vorliegen und der Bries aus dem August des folgenden Jahres stammen könne.
thun. Couturier legte ein vollständiges Ce- ständniß ab dahin, er sei von Nimes gekommen, wo er der dortigen Electrieitätsgesellschaft 2500 Francs gestohlen. Er habe das Geld dazu benutzen wollen, sich nach Paris oder Lyon zu begeben, wo Loubet demnächst eintreffen sollte, um für einen Anschlag die gelegenste Zeit abzuwarten. Die Pariser Polizei erhielt, wie das Blatt hinzusügt, hiervon Zeugniß. Hunard, Sousches der Sicherheitspolizei, kam nach Orange und stellte Erhebungen an. Darauf wurde strenger Befehl nach der Grenze übermittelt betreffs Ermittelung niehrerer Anarchisten, welche an der Verschwörung theilgenommen haben sollen. Nach verschiedenen Richtungen sind Sicherheitsbeamte entsandt worden, welche als gefährlich bekannte Anarchisten überwachen sollen. Der Mittheilung des Lyoner Blattes wird in Paris nur wenig Glauben beigemessen.
Sipido, der s. Z. das Attentat auf den Prinzen von Wales ausführte ist in einem Vorort von Paris jetzt verhaftet worden. Sipido setzte seiner Verhaftung keinen Widerstand entgegen. Es heißt, es sei ein Dolch bei ihm gefunden worden. Er wurde an Belgien ausgeliefert und ist bereits in Brüssel eingetroffen. Der „Massager de Bruxelles" theilt mit, ! Sipido habe in Paris Beziehungen zu A n a r ch i st e n unterhalten und sich während des internationalen Sozialistenkongresses an mehreren Kundgebungen betheiligt. Man habe ihn in Paris für einen Anarchisten der That geholten. Die französische Regierung habe wegen seines Verhaltens seiner Auslieferung nach Belgien zugestimmt.
Vereinigte Staaten. Die Position der Amerikaner auf den Philippinen wird an-
I scheinend wieder schwieriger. Eine Depesche des Generals Mae Arthur aus Manila vom
Umschau.
Die nothwendige Verstärkung der Schutztruppen.
Vor kurzem wurde gemeldet, daß der Kommandeur der Schutztruppe in Kamerun, Major v. Kamptz, nachdem es nicht gelungen, in den englischen Kolonien Westafrikas Mannschaften für die Schutztruppe anzuwerben, Schritte ge- than habe, um anderwärts genügend Leute zu erhalten. Dazu wird jetzt erklärend mitgetheilt, daß er sich deshalb nach Togo und nach dem Kongostaat gewendet habe. Mit einer gewissen Zuversicht nimmt er, wie verlautet, an, daß er bald die nöthigen Maunscyasten beisammen haben werde. Wie nothwendig die Vermehrung der Schutztruppen ist, das beweisen auch die neuesten Nachrichten aus Ostasrika. Im Kili- mandscharogebiete, wo sich schon zu Moschi seit 14 Jahren eine deutsche Station immer befindet, die das tiefliegende Land weithin beherrscht, brechen immer neue Ausstände aus. Die Schutz- truptpe daselbst muß fortdauernd neue Verstärkungen erhalten. Noch viel schlimmer ist es in Kamerun, wo unsere Herrschaft noch neu und Unruhen in allen Theilen an der Tagesordnung sind. Auch in allen fremden Kolonien braucht man Jahrzehnte, ehe die Eingeborenen zu voller Unterwerfung gebracht werden. Wenn der Major v. Kamptz die Mannschaften zur Ergänzung der Schutztruppe bekommt, fo läßt sich auch im nächsten Jahre der Zug durch Ada- maua bis zum Benutz hin erwarten, der ohne Verstärkung der Truppe unmöglich gewesen wäre.
und kaiserlich chinesischen Truppen nördlich von I Paotingfu scheint es sich lediglich um eine I glücklich verlaufene Erkundigung deutscher Vor- I truppen gehandelt zu haben. Wenigstens wird I dem „Bert. Lokalanz." darüber aus Nganfu I vom 18. Oktober folgende? gemeldet: Den I heutigen Ruhetag verwandte die Marinebatterie I des Hauptmanns v. Blottnitz zur nothwendigen I Auffrischung ihres Pserdebestandes. Hauptmann v. Blottnitz ging demgemäß mit seinen Offizieren und 50 berittenen Kanonieren frühmorgens südwestlich vor. Der Generalstabsmajor von Marschall, der bekannte Herrenreiter Graf Königsmarck, Oberleutnant v. Willanowitz und I ich machten die Expedition mit. 5 km südwärts erwischten unsere Reiter einen chinesischen Cavalleristeri, welcher dem Dolmetscher v. Tettenborn eingestand, im Dorse Taiiwang, 15 km südwestlich, wären viele Pferde und Manlthiere; aber auch eine starke chinesische Truppenab- theilung sei dort statiouirt, Infanterie wie auch Cavallerie und Artillerie. Hauptmann von Blottnitz beschloß, hinzureiten, und wir'erreichten um Vs 11 Uhr Vormittags Taiiwang. Unsere Spitze unter Oberleutnant Rempe traf dort das chinesische Militär in vollem Abzug begriffen an, als er vorsichtig in das Dorf einritt. Die Cavallerie, 300 Reiter, war schon fort,
I ein Bataillon nnd zwei bespannte Geschütze befanden sich aber noch im Dorf. Wir überraschten sie vollkommen, wurden jedoch mit einigen Schüssen empfangen, die sofort erwidert wurden. Hierbei wurde ein Chinese erschossen, einer schwer verwundet Der korn- mandirend'e chinesische Major erklärte, auf jede unserer Bedingungen einzugehen. In Anbetracht der sür uns ziemlich kritischen Lage begnügten wir uns mit der Fortnahme der beiden Geschütze, ferner von acht Fahnen, 100 neuen Gewehren, 25 Pferden und einer Menge
I Munition. Darauf traten wir den Rückmarsch an und langten mit sämmtlichen Trophäen um 5 Uhr nachmittags wieder hier an. Die Geschütze sind Kruppsche Hinterlader. Morgen marschiren wir nach Paotingfu weiter.
Heber ein zweites Gefecht
I der deutschen Truppen geht uns folgendes Tele- 1 gramm des Deutschen Flottenvereins zu:
Tientsin, 26. Okt. Eine kleine deutsche Truppen-Abtheilung hat ein Lager der Boxer bei Wanglking angegriffen und I dasselbe ohne erheblichen Widerstand genommen.
Der ea. 25 km von Tientsin entfernte Ort wurde niedergebrannt; mehrere chinesische Mandarinen sind erschossen worden.
Frankreich. Angeblich ist ein anarchistischer Anschlag gegen Präsident Loubet entdeckt worden. Das Lyoner Blatt „Le Nouvelliste de Lyon" berichtet über den angeblichen Anschlagsversuch mißt, folgendes: Auf dem Bahnhof von Orange wurde I auf 150 Mann geschätzt, dieser Tage ein Electricitätsarbeiter Namens I Spanien. Der derzeit spanische Minister- Couturier verhaftet. Er kam von Nimes und I Präsident, General Azearraga, hat vor den Be- führte Pläne und Schriften bei sich, welche die I amten des Marineministeriums die Erhaltung Vorbereitung eines Anschlags gegen Loubet dar- I des Gleichgewichts im Budget als eine Aufgabe
heit verträgt — als Deiner innersten Ueberzeugung entstammte."
„Wieso?"
Die Frage klang barsch; fast herausfordernd.
„Dieses unerwartete Wiedersehen machte einen Eindrück auf Dich, der sich nicht Hinwegleugnen läßt."
„Versuche ich etwa, das zu leugnen?" erwiderte Hagendorf schroff. „Du kennst mich schlecht, mein Kind. Ich stelle nichts in Abrede was seine Richtigkeit hat, möchte aber nur sehr entschieden gegen jede falsche Auffassung protestieren. Daß mich das plötzliche Erscheinen Ilkas erschütterte, ist natürlich. Mit ihr stieg die ganze Vergangenheit wieder vor meinen Augen auf und mit ihr Zweifel und Reue."
„Reue?" Wie ein Schreckensschrei klang es von Margots bleichen Lippen.
„Ja, denn wenn man nicht noch im Angesicht des Todes lügt, so tödete ich einen Menschen, der frei von jeder Schuld vor mir stand."
„Er hätte ebensogut Dich tobten können. Chancen unb Gefahr waren gleich. — Wo bleibt benn meine geträumte und erhoffte Macht, Dir ben Frieben mieberjubringen, wie soll ich nicht an uns beiben irre werden, wenn der bloße Anblick dieser Frau, die freiwillig von ! Dir ging, solchen Aufruhr in Deiner Seele wachruft?"
। „Sprich von Dir selbst! Nicht ich bin aufgeregt. Du bist es!"
„Hugo — ich stand heute Nacht stundenlang vor Deiner Thür, hörte Dich auf- und ab- fchreiten, aufseufzen wie unter namenloser Qual, I litt mit Dir, unb vielleicht noch mehr als Du,
9 Mann verwundet; vier Mann werden ver- Der Verlust der Aufständischen wird
Bestellungen
die Monate November und Dezember die „Oberhesf. Zeitung" nebst ihren lagen werben von unserer Expebition arkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- in unb Neustabt, sowie von allen Post- kalten und Landbriefträgern »ntgegen- onunen.
Freitag meldet: Eine Abtheilnng von 100 Amerikanern griff die Aufständischen .in der Nähe von Narvigan an; sie sand eine starke Stellung vor, die von 1400 Ausständischen besetzt war. Es entspann sich ein verzweiselter Kampf. Die Amerikaner waren angesichts der großen Uebermacht des Feindes gezwungen, nach Narvigan zurückzukehren. Auf ihrer Seite wurden ein Leutnant und
(Nachdruck verboten.)
| Treue.
| Roman von Ada Dörner.
I (Fortsetzung.)
I 15. Kapitel.
Als Hagendorf fo grußlos fortgeritten war, ! ° stand es in Margot fest, daß eine offene üssprache nicht länger zu vermeiden fei. Sie toren es sich selbst und ihrer Liebe schuldig, feit und frei von dem zu reden, was zwifchen nen stand. Was half es denn, davon zu Zeigen?" Das liebel wurde nur schlimmer »durch.
Während seiner Abwesenheit nahm sie es sich K, muthig zu fein unb standhaft, mochte tonten, was wollte.
Als er ihr aber nach ein paar Stunden egeitüberstand, müde und blaß und wie zernagen, da wurde es ihr doch fchwer, ihre ippen zu öffnen und von dem zu sprechen, to» ihnen beiden so weh that. Er that ihr •ib, aber auf der anderen Seite machte sie die versucht auf Ilka härter, rücksichtsloser, als >e es eigentlich sein wollte.
, .Immer noch niedergeschlagen?" fragte «gendorf, als er neben Margot stand, unb rich ihr leicht mit der Hand über das wellige War.
„Hugo, ich bitte Dich, wie kannst Du fo tagen! Wozu dies feige Umgehen? Nennen ir doch die Dinge lieber beim rechten Namen. *it wir uns kennen, glaubte ich fest und un- frbingt an jedes Deiner Worte, aber Du magst Wch mehr gesagt haben, als sich mit der Wahr
Die Wirren in China.
3ur Sage.
aaut einer amtlichen japanischen Meldung «Tauf den 26. Oktober die erste Zusarmnen- jjt der Gesandten und chinesischen Bevoll- chtigien anberaumt worden. Der erste Pro- immpunkt der Verhandlungen ist bekanntlich , ^f Grund des deutschen und englischen aschlages zu erzielende Sühne durch Be- lsunz der Schuldigen. Frankreich hat zu dem be die Köpfe der Prinzen Tuan und Tschuang, ; mohammedanischen Generals der Kansü- ippen, Tungsuhsiang, des sremdenseindlichen mverneurs von Schansi, Dühsien, der noch r kurzem 50 Missionare ermorden ließ, des rrzogs Lan und der beiden Anstifter der ixerunruhen Tschaotschntschiao und Kangyi ordert. Daraufhin haben die chinesischen Uerhändler die harmlose Mittheilung gemacht, c Kaiser habe bereits einige Prinzen bestraft, ian und Tschuang befänden sich nicht bei dem ose - sie sollen in Schangsi zurückgeblieben ji -, Kangyi sei tot und Yühsien habe Selbst- orb begangen. Das soll mit andern Worten ißen, es blieben wr Bestrafung nur wenige irig und an dieseüvenigen wird der Hof sich nnuthlich nicht heranwagen, da sie, vor allem vngsuhsiang mit feinen Truppen, das Heft ib ben Kaiser noch in der Hand zu haben »einen. Zugleich dauern die fremdenfeindlichen unbgebungen des Hofes fort: Pütschang, einer >t wildesten Fremdenhaff er, wird als Gouver- eur in Hupeh dem fremdenfreundlichen Tschangt- litung" in dessen eigenem Amtsbezirk vor die afe gesetzt, und kaiserliche Truppen fechten ich wie vor bei Paotingfu gegen die Verödeten. Was danach von den Friedensver- mblungen zu erwarten ist, liegt auf der Hand.
Bin Gefecht deutscher Truppen.
Sei dem durch eine Reutermeldung bekannt öoorbenen Zusammenstoß zwischen deutschen
wagte aber dennoch nicht einzutreten. Das war! „Du sprichst wie eine Fiebernde," erwiderte feige von mir und ein Unrecht. Ich hätte an I Hagendorf, sich unmuthig abwendend.
Deine Seite gehört, um mit Dir zusammen I Margot meinte, es fei ihm peinlich, daß sie den Kampf gegen den gemeinsamen Feind, der I mit scharfem Blick in seiner Seele gelesen habe, uns drohte, auszufechten. Ich hätte Dich in I Schmerz, verletzter Stolz, das Weh tieffter Ent- meine Arme schließen sollen und zu Dir sagen: I täuschung rangen in ihr mit dem starken Willen, ! „Hier steht Dein Weib, das Dich liebt und I der allem Widerstand zu bieten entschlossen ist.
Dir Treue geschworen hat bis in den Tod, das I Leo von Kroneks Eintritt machte der Unter- nicht von Dir lassen wird bis zum letzten I redung ein Ende. Er überbrachte der Baronin Athemzng. Rette Dich in meine Arme, ich I einige Rosen und sagte zu Hagendorf: „Graf will Dir helfen, will an Deiner Seite bleiben, I Hiller von Schönstätt theilt mir eben mit, daß will Dir alles geben, was jene nicht geben I Du bei dem nächsten Rennen mit zu starten konnte, weil Du ihr niemals warst, was Du I gedenkst, Oheim."
mir bist. Nun wollen wir gemeinschaftlich I „Ja, meine „Jngwelde" soll sich im Hauptkämpfen und 'den bösen Geist der Erinnerung Jagdrennen versuchen. Sie hat schon einmal besiegen. Halte fest zu mir, wie ich zu Dir auf der Hindernißbahn hübsche Erfolge erzielt." halte, und wir sind stark, sind mächtiger als I „Glückauf! Ich hoffe Dir zu einem glänzenden die Vergangenheit." — Siehst Du — das hätte I Siege gratuliren zu können."
ich thun sollen — aber ich that es nicht — I „Ich fürchte wenigstens kein Fiasko. Willst weil ich nichts weiter als ein schwaches, zag- I Du Margot begleiten?"
Haftes Weib war. Aber jetzt steh ich vor Dir, I „Wenn ich um einen Platz in Ihrer Eqni- rufe Dich und breite die Arme aus. Jene! page bitten darf, gnädigste Tante?" Fran, die gestern plötzlich wieder auftauchte, I „Gewiß," erwiderte sie erftreut.
verließ Dich in den schwersten Stunden Deines I „Bleibst Du zu Mittag, Leo?" fragte der
Lebens, und wenn Du damals gefehlt hattest, I Freiherr.
so trieb Dich die heiße Leidenschaft dazu, und „Entschuldige —"
I Ilka hätte sich sagen müffen: „Um meinetwillen I „Hindert Dich irgend eine andere Abhat erben anderen getödtet, aus Liebe zu mir!" I machung ?"
— Aber sie ging, um den Todteu jammernd, I „Nein."*
I sie ging, weil er ihr alles war, wie sie Dir I „Also, dann fei unser Gast."
alles gewesen ist. — Jetzt kommt sie wieder, I „Vorausgesetzt, daß die Frau Baronin es
und Du stehst wie damals unter ihrem Bann. I gestattet."
Was hilft es mir, daß ich an einer neuen I (Fortsetzung folgt.)
I Zukunft für Dich baute ? Die Längstverschollene !
| schreitet darüber hinweg, und unter ihrem Fuß'I ------------
I bricht alles zusammen." |
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