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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg mrd Kirchham.
Jahrg.
Ter Kanzlerwechsel.
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cheiden zu lassen? — Man hat sie mir
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(Fortsetzung folgt.)
■Sie sehen zu schwarz, lieber Professor, Sie deiben, einen Künstler wie Sie kann Nie- 6 um seinen klingenden Namen bringen! fen wir an aus die Wiederkehr besserer
Er hat mich zweimal aus dringender Verlegenheit^ gerettet. Ich hoffte immer, ihm das Geld bald wieder zurück geben zu können — aber wie's geht — da kam allerlei, was erst geordnet werden mußte. — Sehen Sie, solch ^finanzielle Kalamität — das ist wie ein Spinnennetz. Auf der einen Seite hat man's durchgeriffen und sich glücklich herausgearbeitet und an der andern hängt man sich wieder fest. Darum hieß es eben nachgeben. Der Schuldner meines zukünftigen Schwiegerfohnes kann ich noch eine Weile bleiben, nicht aber der eines abgewiesenen Freiers."
Stein mußte sich gewaltsam zusammennehmen, um seiner inneren Erregung Herr zu werden. Wenn der da drüben ahnte, daß es sein Sohn war, von dem er so sprach! Also an die Tochter dieses heruntergekommenen Menschen hatte sich Günther fortgeworfen, und das Geld, das sein Vater sich abdarbte, wandte er an, um dem Trinker dort die Existenz zu fristen. Nur mühsam bezwang er sich und fragte:
„ Die jungen Leute beabsichtigen also in nächster Zeit zu heirathen?"
„Daran ist ja gar nicht zu denken."
„Und wenn Sie sich Ihrer Schuld entledigen könnten?"
„So würde ich jetzt noch sagen: „Ueberzeugt Euch erst, ob Ihr wirklich nicht von einander zu lasten vermögt."
„Wer weiß, ob Sie Gehör finden. Wenn das Mädchen mit Kurzer Seele an ihm hängt —"
„Sie hat ihn gern — aber zu Grunde ginge sie wohl kaum an dieser Trennung."
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Zimm ibl.3® : Z. mit W.-u. Cab.ev. 3.,zus.°'!
.-Tie kehren nicht wieder!" Es war auf- he, ungeheuchelte Verzweiflung, die sich in R trostlosen Worten aussprach. „Sehen V ich bin ein Wrack, das auf die Klippen
„Aber ein junges Mädchen, das in so bescheidenen Verhältnissen zufrieden ist und von srüh bis spät arbeitet, wird auch eine gute Hausfrau werden."
„Sie arbeitet, weil sie muß, aber zufrieden ist sie nicht. — Wissen Sie, das ungestüme Künstlerblut kreist ihr in den Adern. Käme es auf ihren Willen an, so wäre sie längst zur Bühne gegangen".
„Warum auch nicht, wenn sie Talent besitzt?"
„Mit dem Talent allein ist's doch nicht ge- than, man muß auch die Mittel haben, es ausbilden zu lasten. Und woher diese Mittel nehmen. Eine schöne Stimme ist ein Diamant, dem aber erst der kunstgerechte Schliff den nöthigen Glanz verleiht. Soll ich etwa meine Tochter in die Reihen der Choristinnen stellen lassen? Nein, nein, nein, das geschieht nicht! Dagegen wehre ich mich mit Händen und Füßen, so lange mir noch die Möglichkeit bleibt, ein Glied zu rühren".
„Wenn Sie beide fort von hier könnten, befreit aus drückender Nothlage, dann ließen sich diese Pläne am Ende doch verwirklichen".
„Ja — wenn's mir einmal vergönnt wäre, den ganzen Sorgenbalast über Bord zu werfen, wenn ich mich von Allem losmachen könnte, was mich hier täglich demüthigt, verletzt und niederdrückt, dann — dann fände ich auch die frühere Arbeitslust und geistige Spannkraft wieder".
gerathen ist und nicht mehr loskommen kann. — Nein, schenken Sie mir nicht mehr ein, es thäte mir leid, wenn auch Sie von mir eine ungünstige Meinung bekommen sollten. Ich weiß es ja, daß die Leute sagen, ich sei ein Trinker — aber das ist Lüge, imfame Lüge!" Und doch griff noch seine Hand tastend nach dem frisch gefüllten Kelch, den er hastig leerte.
Wie zu sich selbst redend, fuhr er mit tonloser Stimme fort: „Nein — es ist aus, alles ist aus. Ich kann nicht mehr arbeiten; meine Hand zittert und kann den Pinsel nicht mehr führen!" Glanzlos starrten feine Augen ins Leere.
„Noch ist Ihnen Ihre Tochter geblieben, doch gewiß der Trost Ihres Alters," fing Stein wieder an.
„Sagen Sie lieber der Kummer meiner alten Tage! Nichts als Sorge habe ich mit dem Kinde! Mit einem armen Maler ist sie verlobt. Ein talentvoller Menfch, aber unhekannt. Was soll er, ehe er sich durchbearbeitet hat, mit einer Frau anfangen. Die Sorge wird ihn niederdrücken und seine Arbeitskraft lähmen, — das alte Lied — Hunderte von jungen Talenten sind so zu Grnnde gegangen und werden noch daran zu Grunde gehen — Künstlerelend ! Die, die in ihrem sichern Berus stehen, kennen nur den Künstlerruhm — aber hinter den Kulissen sieht es anders aus, da hockt als graues Gespenst das Elend!"
„Und warum gaben Sie Ihre Einwilligung?"
„Ja — warum thut man dies und das? Wenn einem die Noth im Nacken sitzt, dann greift der Ertrinkende nach jedem Strohhalm.
itischen Kurs. Freilich wird hie und da :tet, daß der Wechsel im Reichskanzler- weitere Personalveränderung in der ierung nach sich ziehen wird. Der tschen Tageszeitung." wird berichtet, daß Per v. Miquel nicht mehr gesonnen sei, jt einem wesentlich jüngeren Ministerenten weiter seines Amtes zu walten. Blatt fügt jedoch hinzu, es glaube kaum, Minister v. Miquel durch derartige Er- ngen sich bestimmen lasten werde, sein ihm wordenes Amt aufzugeben. Wenn die d des neuen Reichskanzlers und Minifter- nten bestimmend für die Rücktritte älterer «tssekretäre und Minister sein sollte, dann hm fast sämmtliche Staatssekretäre und ’ ifter zurücktreten, da sie fast ausnahmslos ft als der nunmehrige Kanzler und Minister- ent sind.
dieser allgemeinen Uebersicht seien end einige Preßäußerungen einzeln auf-
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Umschau.
Ein Handschreiben des Kaisers an den Fürsten Hohenlohe.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Handschreiben des Kaisers an" den Fürsten Hohenlohe:
Mein lieber Fürst!
So ungern Ich Sie auch aus Ihren bisherigen Stellungen im Reichs- und Staatsdienst scheiden sehe, so habe Ich doch geglaubt, Mich nicht länger dem Gewichte der Gründe, welche Ihnen die Befreiung von der Bürde Ihrer verantwortungsreichen Aemter Wünschenswerth erscheinen lassen, verschließen zu dürfen. Ich habe daher Ihrem Anträge auf Dienstentlassung mit schwerem Herzen stattgegeben. Es ist Mir Bedürsniß, Ihnen bet dieser Gelegenheit, wo Sie im Begriffe stehen, eine lange und ehrenvolle Dienstlaufbahn abzuschließen, für die langjährigen treuen und ausgezeichneten Dienste, welche Sie in allen Ihnen übertragenen Stellungen dem Reiche und Staate sowie Meinen Vor
fahren und Mir mit Si n g e b u n g und f lichttreue unter
Ueber die Einsegnung des Prinzen Adalbert
werden noch weitere Einzelheiten gemeldet. Die Prüfung des Prinzen in den evangelischen Glaubenslehren hatte schon am Abend vorher
lNachdruck verboten.)
Treue.
Roman von Ada Dörner.
(Fortsetzung.)
ute wollte ihn keiner mehr kennen von die ihm ihre Salons damals öffneten; Säten sie zu Hause, wenn er beiihnen vor- , und wandten den Kopf auf die andere , wenn sie ihm zufällig begegneten.
ie Unrecht that man, Sie aus ihrer tog an der Akademie scheiden zu lasten," Stein das Gespräch auf.
Zeichen Meiner Anerkennung und Meines dauernden Wohlwollens verleihe Ich Ihnen den hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten und lasse Ihnen dessen Insignien hierneben zugehen.
Ich verbleibe
Ihr wohlgeneigter und dankbarer Kaiser und König Wnlhelrn, I. R.
Homburg, v. d. H., den 17. Oktober 1900.
. o - ____ , wandte Stein liebenswürdig ein.
W "bl 3’’ Feinde, ja — aber viel Ehre — nein! föbl. 3'® guten Namen haben sie mir genommen! mm.mit1 । und Verleumdung haben mich ruinirt." h-mbum imerfte, wie der Wein bereits seine Wirkung öen Maler übte.
nc Ang, der gute Redner mit seinem konzilianten 1 ttjlt, EX§ton hat auf die Parlamentarier einen einzuÄ ffrauenerweckenden Eindruck gemacht. Seine fftcllgelt Mose geschäftssichere Behandlung aller f rlainentarischen Materien, seine bedeutende fHae Kraft, seine Redegabe verfehlen des icks nicht. Auf das Ausland wird die
...... r — Ja, ja, seitdem verfolgt mich das 2 । geschick auf Schritt und Tritt."
ächs.2H !®’e nehmen die Sache zu ernst, lieber ", Z. m. seffor, viel Feind' — viel Ehr' — sagt das
ff * Naturgemäß beherrscht der Kanzlerwechsel L dc die gejammte Presse. Im Allgemeinen ckt ■ riebt über die Ernennung des Grafen Bülow $^nthuung. Die Parteien kommen dem " — Kanzler im ganzen vertrauensvoll ent-
unermüdlicher den schwierigsten Verhältnissen geleistet haben, Meinen wärmsten Dank noch besonders auszusprechen. Möge Ihnen nach einer so thatenreichen Vergangenheit durch Gottes Gnade ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein. Als äußeres
mit der Beurtheilung des deutschen Kanzler-Wechsels. Die Blätter erkennen an daß das Alter des Fürsten Hohenlohe ein genügender Grund zum Rücktritt war; nur der „Malin" spricht die Vermuthung aus, daß der Kaiser und der Kanzler verschiedener Meinung über die chinesische Politik waren, und der „Radienl" meint, Fürst Hohenlohe habe der allzu persönlichen Politik des Kaisers nicht mehr folgen können. Im Allgemeinen herrscht die Ansicht vor, daß der Kanzlerwechsel vorwiegend die innere Politik Deutschlands beeinflussen werde, indem Gras Bülow berufen sei, den Sturmlauf der Opposition mit seiner breiten Brust abzuhalten. Der „E c I air" sagt, ein deutscher Kanzlerwechsel bewege die Außenwelt nicht mehr, denn der Posten sei an Ansehen seit Bismarck stetig gefallen, wie schon die jetzt aufgetauchten Kandidaturen beweisen. Wem auch die Nachfolge Hohenlohes zufalle, der neue Kanzler sei nichts als eine Registrirmaschine des Kaisers Wilhelm.
Die „Conserv. Correspondenz" begleitet den Wechsel im Kanzleramt mit folgenden Worten:
" „Tie konservative Partei ist dem scheidenden Reichskanzler mit vollem Vertrauen entgegengekommen, sie hat ihn auch, trotz mancher Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich seiner innerpolitischen Wirksamkeit, bis in die letzte Zeit vertrauensvoll unterstützt, soweit es ihre Grundsätze irgend zuließen. Man hat den Konservativen wiederholt nachgesagt, sie gingen darauf aus den Fürsten Hohenlohe zu stürzen. Dieser Gedanke ist an unsere Partei niemals herangetreten; dagegen wird nicht geleugnet werden können, daß diejenigen politischen Richtungen, die den Konservativen derartige Absichten untergelegt hatten, schon seit Monaten in vielfach recht taktloser, die Autorität des höchsten Beamten vollständig außer acht lassender Weise darauf hingearbeitet haben, dem scheidenden Reichskanzler die weitere Amtsführung zu verleiden und seine Person in der Oeffentlichkeit herabzusetzen. Wir haben diese Treibereien stets bedauert.
Wie seinerzeit dem Fürsten zu Hohenlohe, so bringt die konservative Partei auch seinem Nachfolger, dem Grasen von Bülow, volles Vertrauen entgegen. Der neue Reichskanzler hat auf dem auswärtigen Gebiete diefes Vertrauen bereits gerechtfertigt; hoffen wir, daß sein Wirken in der inneren Politik des Reichs und Preußens so beschaffen sein werde, daß die konservative Partei ihm jederzeit freudig ihre thatkräftige Unterstützung zu Theil werden lassen kann."
Die „Kreuzzeitung" spricht sich zunächst über den scheidenden Kanzler aus:
„Lag auch einmal bei der von Haus aus liberalen politischen Vergangenheit des Fürsten Hohenlohe und andererseits bei seiner fast ausschließlich der auswärtigen Politik gewidmeten Thätigkeit das Bedenken konservativer Kreise nahe, ob es ihm gelingen werde, die immer intensiver sich gestaltenden inneren Schwierigkeiten zu beseitigen, so brachten doch auch wir ihm das Vertrauen entgegen, er werde, mit der weisen Ruhe des erfahrungsreichen Alters alle Härten vermeidend, den stark erschütterten Frieden im Innern wieder anbahnen. Daß diese Hoffnungen und Wünsche sich erfüllt hätten, wird Niemand behaupten können. Mit begreiflicher Geflissenheit ist die liberale Presse bemüht gewesen, den Konservativen einen bitteren Haß gegen den Fürsten Hoheuhole und ein stetes Unter« miniren seiner Position anzudichten. Wir sind überzeugt, niemand, auch diejenigen nicht, welche unter feinen Maßregeln persönlich zu leiden hatten, wird für den greisen Staatsmann irgend ein dem Haß auch nur entfernt ähnliches Gefühl je empfunden haben. Dazu war er eine viel zu liebenswürdige, vornehme Perfönlichkeit..... Und Hand auss Herz: glauben
denn unfere Gegner wirklich, wir hätten im Fürsten Hohenlohe einen den Konservativen hervorragend feindlichen und gefährlichen Reichskanzler erblickt?
lieber den Grafen Bülow äußert sich das genannte Blatt:
Seinen Nachfolger, den Grafen Bülow, begrüßen wir als folchen gern. Von allem Persönlichem sehen wir dabei ab, obwohl es auch in solchen Fällen des öffentlichen Lebens nicht leicht ist, der Beziehungen von Mensch zu Mensch ganz zu vergessen. Es wird kaum einem Zweifel unterliegen, daß schon seit geraumer Zeit Graf Bülow unsere auswärtige Politik geleitet hat. Wie weit er dabei fördernd oder hindernd
fernen, man hat mich gewalsam verdrängt. St. m ku das Opfer der nichtswürdigsten Jntriguen
Mnung Bülows nicht alarmirend wirken; m weiß dort, daß der Kurs der alte bleibt: --- tendmachung der deutschen Politik und der ltjchen Interessen. Bülow bringt dieses Vgiamm nicht mit, er hat es bereits ver- jtai. Für das Ausland bedeutet also der „x Reichskanzler weder ein Dekorationswechsel, emeftetä cd ein Wechsel des Princips; Deutschland ldrefsen ibt seiner Auslandspolitik treu.
vierW« Mas die innere Politik anbetrifft, fo effen bei [(n sjch fcie Parteien dem neuen Kanzler 7’ mit 1 »artend gegenüber. Sowohl auf der Rechten jl. Z.nU t in den Kreisen der Linken verhält man sich öbl.Z.mf ^wiegend reservirt, da man keinerlei Anhalt jfl hat, welche Stellung der neue Reichs- ev m Pn $er in innerpolitischen Fragen einzunehmen mbl.Z.« «st. Er ist in dieser Beziehung noch ein ^Frdl. beschriebenes" Blatt. Man glaubt aber, it sich nach den bisherigen Preßäußerungen ilen läßt, kaum an eine Aenderung im
Biarteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mr., a Erichen:: täglich außer an Werttagen nach Soun- unö Feiertagen.
W* bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). JyVUlVUVH Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt.
</!=. JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. an nnn Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei
Reclamen: die Zeile 25 Pfg. '^DHlluuCIlD, ZU. iJlIDDCr IVvV. Marbnro Mark 21. — Telephon 55
eine geschickte und glückliche Hand bewiesen hat, werden die kommenden Monate erst deutlicher beurteilen lassen. Sein Auftreten im Reichstage hat ihm durch feine klare, aber doch auch nicht des Schwunges entbehrende Redegabe, durch seine vornehme, gefällige Liebenswürdigkeit Freunde erworben..... Graf
Bülow ist in den Traditionen seines väterlichen Hauses erwachsen, in dem die intimsten persönlichen und dienstlichen Beziehungen zum Fürsten Bismarck gehegt und gepflegt wurden; er selbst hat in seinen Lehr- jafjren in den verschiedensten Stellungen unter demselben großen Lehrmeister gearbeitet. Das ist für unser Volk doch glücklicherweise immer noch nicht bedeutungslos. Der inneren Politik hat bis jetzt Gras Bülow fern gestanden; freilich darf man das eigentlich von keinem Leiter der auswärtigen sagen und annehmen: heute weniger als je. Sind doch die beiden Sphären ernsthaft garnicht von einander zu trennen. Es stehen ihm aber in Preußen und im Reiche aste und bewährte Mitarbeiter zur Seite, die mit ihm wissen, wie die Kraft des Auftretens nach außen aussinnigste bedingt ist durch die Stärke der Leistungsfähigkeit der produktiven Stände des Volks, durch deffen Zufriedenheit und nationales Selbstbewußtsein.
Von den Blättern anderer Parteien seien folgende Aeußerungen erwähnt:
Die freisinnige „Voss. Ztg." schließt ihren Leitartikel: „Die Thatsachen müffen sprechen. Die Linke steht dem neuen Kanzler ohne überschwängliche Hoffnung, ohne grundsätzliches Mißtrauen, unbefangen und abwartend gegenüber. Sie wird ihre Haltung nicht von Rücksichten auf die Person, sondern allein von denen auf die Sache bestimmen lassen. Und hier ist Rhodus; Graf Bülow hat Gelegenheit zu zeigen, daß er springen kann". — Die ultramontane „Germania" sagt: Auf dem Gebiete der inneren Politik aber ist Gras v. Bülow ein noch vollständig unbeschriebenes Blatt. Seiner Person bringen wir ein großes Maß von Vertrauen entgegen; seiner Wirksamkeit in den neuen Aemtern werden wir wohlwollend, aber auch kritisch uns gegenüberstellen. — Die „Volkszeitung" meint, der Rücktritt des Fürsten Hohenlohe hätte zu keinem, für die R e g i e r un g ungünstigeren Augenblick erfolgen können, als gegenwärtig. Für die Opposition fei eine Situation geschaffen, die ihr die größten moralischen Erfolge bei der Nation sichert, wenn sie die Chinasrage im Reichstags mit rücksichtsloser Schärfe zur Depatte bringt. — Der „Vorwärts" schreibt: Der dritte Kanzler des deutschen Reiches hat sich von seinem Platz wegge- geschlichen. Es ist sonderbar, daß Fürst Hohenlohe sich plötzlich dazu entschlossen hat, den Kanzler- fessel zu veranlassen, noch sonderbarer aber ist es, daß er erst jetzt diesen Schritt thut. Er hätte einen würdigen Abgang in der ersten Zeit der China- Krisis gefunden. Sein Rücktritt bedeutet jetzt, wo es gilt, dem Reichstag Rechenschaft abzulegcn, die stärkste Verurtheilung der China-Politik des Grafen Bülow. — Die unparteiische „Tägl. Rundsch." bezeichnet den Grafen Bülow als den nach der ganzen Lage ’ber Dinge natürlichen, gegebenen Nachfolger Hohenlohes.
lieber die Aufnahme der Nachricht von dem Kanzlerwechsel in Frankreich liegt folgende Nachricht vor: %
Wie immer bei auswärtigen Ueberrafdjungen ist besonders die regierungsfreundliche Presse zurückhaltend