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Rücktritt des Reichskanzlers.

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Man muß diese Nachricht, auch wenn eine

siche Bestätigung bis jetzt nicht vorliegt, für

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Tas Scheiden des Fürsten Hohenlohe aus seiner

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Der Versuch muß jedenfalls gemacht

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(Fortsetzung folgt.)

scheinen zusagte.

i Daß diejenigen im Rechte waren, die 8,al§ Vorboten des Rücktritts auffaßten, be-

Schon lange trug sich Fürst Hohenlohe mit lktrittsgedanken. Wiederholt liefen Nach­en durch die Preffe, daß der Fürst in lkficht auf sein hohes Alter den Bitten seiner ntlie folgen und sein schweres und verant- ctungsvolles Amt niederlegen wolle. Wenn

gezeigt haben, daß er körperlich nicht r die Frische und Elasticität besitzt, das Amt des verantwortungsvollen'Leiters deutschen Politik nun einmal erfordert.

und mehr trat der Reichskanzler in den gründ, immer seltener hörte man von

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ch weniger, als sein Nachfolger die Reichspolitik c^ten Zeit nach außen hin vertreten hat. Dazu

-haben Sie 10 Minuten für mich übrig, l Professor?"

Gewiß, bitte sehr! Was verschafft mir die Ehre?" Der Mann sprach mit schwerer lallender Zunge.

Stein trat ein.

Ich habe verschiedene Gemälde von Ihnen gesehen, die sämmtlich aus srüherer Zeit stammten und möchte nun auch eine von Ihren Arbeiten hesitzen."

Schön, schön! Das heißt, ich konnte in den letzten Jahren nichts Neues schaffen mein leidender Zustand erlaubte es mir nicht."

O, das bedaure ich sehr. Ich würde gern etwas an gekauft haben und wäre es nur eine flüchtig entworfene Skizze gewesen. Ja, da bleibt mir nichts übrig, als für die Störung um Entschuldigung zu bitten."

Ein Ausdruck der Angst leuchtete in den matten Augen des alten Malers auf.Verzeihen Sie, es wird sich wohl was finden, wenn Sie sich nur gedulden mollen. Helene, Helene, die große, blaue Mappe!" rief er in eine Neben­stube hinein und sagte dann verlegen lächelnd: Ach meine Tochter ist weggegangen, während ich ruhte."

Ich kann ja ein anderes Mal kommen."

Bitte recht sehr zu bleiben. Die Mappe wird gleich zur Stelle geschaft sein. Nur einen Augenblick.

Suchen Sie bitte in aller Ruhe. Ich habe nichts zu versäumen," erwiderte der Sekretär. Es war ihm willkommen auf diese Weise Zeit zu gewinnen.

Der alte Mann hatte einen charakteristischen Künstlerkopf und feingeschnittene, vornehme Züge aber die fahle Gesichtsfarbe, die matten um­florten Augen, die zitternde Hände verriethen den Trinker. Nur das Gefühl seines Elends und der Wunsch es abzuschütteln, schien noch in dem Alten zu leben.

Sie haben eine Tochter?" fragte Stein.

Ja, ich habe eine aber wo kann denn nur"

Zu solch später Stunde sollte sich 'eine junge Dame eigentlich nicht mehr allein, auf die Straße bemühen."

Sie haben Recht, aber sie mußte eine Ar­beit abliefern, und so lange es hell ist, sitzt sie am Stickrahmen."

Eine traurige, wenig lohnende Beschäftig­ung. Die Einnahme steht in keinem Verhält­nis zu der mühsamen, zeitraubenden Arbeit."

Der Maler hatte inzwischen die Mappe, die mit Skizzen und Entwürfen gefüllt war, gefunden und begann die einzelnen Blätter auf den Tisch auszubreiten.

-Stein rückte in die Ecke des alten Sophas.

Setzen Sie sich zu mir, Herr Professor. Wir wollen alles durchsehen. Das heißt, wenn Sie noch Besuch erwarten sollten, so will ich Sie nicht aushalten."

Nein, nein, heute kommt Niemand, und Helene, meine Tochter, hat einen weiten Weg, sie wird uns nicht stören!"

Langsqm lies Stein Blatt um Blatt durch seine Finger gleiten und hörte theilnahmslos den Erläuterungen des Professors zu.

worben. Seine Thätigkeit als Aussöhnungs­und Vermittelungspolitiker vollzog sich zwar mehr im Stillen nnd sprang nicht sogleich in die Augen. Darum war sie aber nicht minder werthvoll und das Vertrauen, das man im deutschen Volke ihm entgegenbrachte, nicht weniger gering. Schon dadurch, daß der damals 75 Jahre alte Fürst sich in bewegten Zeiten dazu hatte bereit finden lasten, der Nachfolger Caprivis zu werden und sein ruhiges und ehrenvolles Amt als Statthalter in den Reichslanden mit dem exponirten Posten des Reichskanzlers zu vertauschen, hat er sich den Dank der Nation erworben. Wenn daher jetzt Fürst Hohenlohe nach sechsjähriger Amtsführung in das Privat­leben zurücktritt, so kann er das in dem Be­wußtsein thun, daß das deutsche Volk dankbar auch seines dritten Reichskanzlers gedenkt.

Freilich soll und kann dabei nicht ver­schwiegen werden, daß die heutigen politischen Verhältnisse als Träger der Reichspolitik einen t hatkräftigeren Mann erfordern, als es nach der ganzen Lage der Dinge Fürst Hohenlohe sein konnte. Wir wollen hier ganz davon ab­sehen, daß die Verwaltung des Reichskanzler­amts im bisherigen Sinne der Befestigung des monarchischen Gedankens nicht sonderlich dienlich war, da professionelle Unruhestifter durch sie die Gelegenheit fanden, gegen die Person des Monarchen selbst ihr Gift zu spritzen. Was wir hier im Auge haben, ist vor allem die innere Politik; hier fehlte es an einer ener­gischen Hand. Unschlüssigkeit und Schwankungen haben da gar manches verdorben und tragen an der wenig erfreulichen inneren Entwicklung manche Schuld. Wenn wir hier den weiten Blick und die geschickte Hand spüren, die in den letzten Jahren sich in der Behandlung unserer auswärtigen Angelegenheiten bemerkbar gemacht hat, dann dürste in dieser Beziehung manches besser werden. Ob Gras von Bülow, der Nachfolger des Fürsten Hohen­lohe, auch in der innern Politik die be­währten Eigenschaften, bethätigen wird, die ihm in seinem bisherigen'Amt das Vertrauen des deutschen Volkes erworben haben, ist eine offene Frage. Wir hoffen es aber; zu dieser Hoffnung berechtigt nicht nur die Art, in der Graf Bülow das Schifflein der auswärtigen Politik gesteuert hat, sondern auch die erfolgreiche Vertretung seiner Politik vor dem Reichstag. Wie der erste Kanzler des deutschen Reiches hat er habet oftmals das rechte Wort getroffen, das starken Widerhall im deutschen Volke fand. Das Ge­fühl, mit dem man von dieser Erledigung des Kanzlerwechsels im Volke Kenntniß nehmen wird, dürfte daher allenthalben das hoher Be­friedigung und voller Genugthuung sein.

uen, das er bei dem Kaiser genoß, den msch nach Ruhe noch auf einige Zeit zurück-

Befestigungwerke von Taku und der anderen Forts zwischen Tientsin und dem Meere; Ver­bot der Einfuhr von Feuerwaffen; Errichtung einer ständischen Schutzwache für die Gesandt­schaften; Abschaffung des Tsungli-Pamens; Er­nennung eines Ministers des Auswärtigen; Suspendirung der staatlichen Prüfungen auf fünf Jahre in allen Provinzen, wo Ausländer ermordet worden sind; schließlich die Bestimmung, daß ein geregelter Verkehr mit dem Kaiser er­möglicht werde. Es wurde Uebereinstimmung darüber erzielt, daß alle diese Forderungen in formellen kaiserlichen Dekreten bekannt zu geben seien.

~ Nicht ohne Einfluß auf diese energische Forderungen wird Wohl die Thatsache gewesen sein, daß das Edikt, das die Bestrafung der an den Unruhen betheiligten hohen Beamten verfügt, in Peking für eine Fälschung gehalten wird. Prinz Ching und Li-Hung-Chang sollen jede Kenntniß von dessen Existenz in Abrede stellen. Es besteht Grund zu der Annahme, daß das Edikt ersonnen ist, in der Hoffnung, den Vormarsch der Verbündeten auf Paotingfu zu verhindern.

Nach alledem scheint uns die Eröffnung der Friedensverhandlungen noch nicht so sehr nahe bevorzustehen, wenn auch nach einer Meldung aus New-Iork Frankreich den sofortigen Beginn der Friedensverhandlungen vorgeschlagen haben soll, da alle Mächte mit der Note Delcasss's einverstanden seien. In ein wesentlich anderes Licht würde aber die Lage gerathen, wenn sich eine Nachricht bewahrheitete, wonach der amerikanische Gesandte Cong er nach Washington telegraphirt habe, der Kaiser von China werde unter amerikanischem Schutze nach Peking zurückkehren. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt aber vorder­hand in keiner Weise vor.

Die Lage in Südchina wird sehr pessimistisch geschildert in einem Hongkonger Telegramm des Daily Expreß" von gestern, in dem es heißt:

11 'Die Situation int Süden kann nicht ernster fein. Der ganze riesige Distrikt jenseits der Grenze von Kaulung ist in Händen der Rebellen. Die Behörden sind ohnmächtig, und die R e v o l t e wächst mit überraschender Schnelligkeit. Die Reformpartei bezeichnet sich als das Todesge­läute der Mandsch-Dhnastie. Der Torpedozer­störerHardh", der die Grenzwache A nach den aufständischen Bezirken führte, beschoß 2000 Rebellen, die auf Schamchun marfchirten; 40 Mann wurden gedtödtet uud etliche Hundert verwundet. Verstärkungen, aus 400 Mann indischer Truppen bestehend, wurden gestern

KtrlM i 18. Okt. Eine Extra - Ausgabe Köln. Ztg." meldet aus Homburg v. d. H. , 17. ds.: Der Kaiser vollzog heute die Er-

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Umschau

D ie Einberufung des Reichstages.

Wir haben in gestriger Nummer bereits die Nachricht veröffentlicht, daß der Reichstag am 14. November einberufen werde. Damit dürste der Blätterkampf, der feit Monaten in der ge­sinnungstüchtigen Preffe tobt, wenigstens in der Tonart ein Decrescendo erfahren.

Gleichzeitig mit dieser Nachricht wird eine offenbar officiös angehauchte Nachricht lancirt, wonach der Kaiser den Reichstag mit einer Thronrede eröffnen werde, welche die China­politik zum Gegenstand der Erörterung habe. Daß der Kaiser in dieser Angelegenheit das Wort ergreifen wird", ist zweifellos. Es kann sich hierbei selbstverständlich nur um eine Aus­lastung über die Gesammtpolitik der Reichs- regierung handeln; man wird dann endlich bei dieser Gelegenheit erfahren, was an dem Ge­rede von der differirenden Haltung süddeutscher Staaten der Chinapolitik des Reichs gegen­über Wahres ist, ein Gerede, das die schon erwähnte Presse mit mehr Behagen als Witz männiglich breit getreten, um so dieBettel­suppe" zu bekommen, deren sie zur politischen Abfütterung ihres Publikums bedarf. Man wird, auch ohne Prophet zu fein, ohne weiteres behaupten dürfen, daß an diesem ganzen Gerede so gut wie nichts ist. Wenn auch der bayerische Partikularismus erfahrungsgemäß die seltsamsten Blasen treibt, so glauben wir doch nicht, daß er sich zu einem Gegensatz zur Politik der Reichs­regierung verdichtet, insonderheit, da Bayern ja genügend stark im Bundesrath vertreten ist und außerdem die nicht preußischen Mitglieder des Bundesraths so zahlreich sind, daß sie Preußen, das ja nur 17 Mitglieder von 51 besitzt, be­quem majorisiren könnten. Wir glauben, wie gesagt, an denGegensatz" desSüdens" zur Chinapolitik" des Reiches nicht.

Die Wirren in China.

Zur Lage.

Aus dem heutigen Telegramm erscheint vor allem eine Meinungsäußerung der diplo­matischen Vertreter der Mächte in Peking be- merkenswerth. DieTimes" meldet aus Peking vom 12. ds.: In einer Versammlung der noch hier befindlichen Vertreter der fremden Mächte wurde die Grundlage der Verhandlungen besprochen, und man kam, ohne einen formellen Beschluß zu fassen, überein, daß die Forderung, auf deren Erfüllung man bringen müsse, um­fassen müsse: Bestrafung der schuldigen Beamten; Zahlung einer Entschädigung; Schleifung der

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str der Reichskanzler sich noch nicht dazu Mk. an, Mosten hatte, diese Gedanken in die That übersetzen, so mag das unumschränkte Der-

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«a eigenartig, daß ein Wechsel in dem Amte igcoula« Reichskanzlers auf diese Weise der Be- t. K. s.! letung mitgetheilt wird.

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Nach längerem scheinbarem Schwanken ent­schließt er sich für eine größere Skizze und bot dem Maler eine größere Summe für das Blatt. Gierig flogen die Augen des alten Mannes jeder feiner Bewegungen, als er nach der Brieftasche griff, derselben die Banknoten zu entnehmen und sie auf den Tisch zu legen. Mit zitternden Fingern griff Röder danach; seit Monaten hatte er nicht mehr eine solche Summe sein eigen genannt.

Und noch eine Bitte, Herr Professor," be­gann Stein.Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie mir Ihren Abend schenken wollten, um bei einer Flasche Wein ein paar gemüth- liche Plauderstunden mit Ihnen zu verbringen. Schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab, Herr Professor!"

Röder willigte ein und so begaben sich die beiden in ein nahes Weinhaus.

In einer behaglichen verschwiegenen Ecke nahmen sie Platz und bald perlte der Sekt in ihren Gläsern.

Stein erhob seinen Kelch, um mit dem Maler anzustoßen.

Auf eine bessere Zukunft, lieber Professor!"

Langsam schlürfte der Maler sein Glas aus, und als er die prickelnden Schaumperlen auf feiner Zunge fühlte, wurde die Erinnerung in ihm wach: die Erinnerung an die Tage feines Ruhmes, an feine Glanzzeit, als er in den ersten Familien der Residenz verkehrte, als man ihn feierte und sich glücklich schätzte, wenn er, der berühmte Professor, der große Künstler sein Er-

(6a sängt haben. Die letzte politisch aus's pßerste bewegte Zeit mag ihm aber aus's

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954 ten nur auf diesem Wege konnte das 9^ zerrissen werden, in das Günther verstrickt

io« alt mung des Staatsministers Grase» vo« ®mf* ilflW zum Reichskanzler, Preußischen e Gum, lliisterpräfidenten und Minister der aus- rügen Angelegenheiten.

«berget.

__* ßine im gegenwärtigen Augenblick uner- tätssti ntete Kunde bringt uns der Telegraph. Eine ebinguit ne früh bei uns eingetroffene Depesche, die les H , wfort als Extrablatt verbreitet haben,

®Q«t agt nämlich:

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tot noch, daß die Kanzlerschaft des Fürsten hmlvhe von vornherein den Charakter des krregnurns trug. Zweifellos hat sich der d Kanzler des deutschen Reiches während « Amtsführung bleibende Verdienste er-

3O'i tznes Abends, während Hagendorf bei feiner 35'N tt weilte, fuhr Stein nach der nahen Stadt, - 'tot Professor aufzusuchen.

«raußen in einem der Armen Winkel hatte A7>» «ne armselige Wohnung. Fest entschlossen kPlan auszuführen, stieg Stein die morsche, 98£ tte Treppe empor. Erst nach mehrmaligem S7'» |^n wurde ihm geöffnet.

89» ®°r ihm stand ein gebückter Mann, eine 98*» «lende Lampe in der zitternden Hand. 90* r hing ihm das lange weiße Haar um die

«ein rechnete mit der bedrängten Lage des - ® Malers. Vielleicht ließ der sich fammt - k eitlen, vergnügungssüchtigen Tochter durch " 1 größere Summe abfinden, die ihre Existenz _ einem andern Orte vor der Hand sicher

(Nachdruck verdaten.)

Treue.

Raman von Ada Dörner.

(Fortsetzung.)

Ericheint täglich aufcer an Werktagen nach tz-onn- uni> Feiertagen.

SouutagsdeUage: Jltustrirtes LonutagSblatt. qx

Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, Universitäts-Buchdruckerei JRarbiiro Markt 21. Telephon öü

lUZ.

- 18. b mde. )er Sotf tritt ertheilt rfvelstr.

90>i. Jßofjnt hier wohl Herr Professor Röder?" ,$er bin ich."

Sontiok- Stein hielt es für nothwendig, dem Maler ng. W W>er fein Inkognito aufrecht zu erhalten, -'(keifr sich deshalb unter einem fremden N ten vor.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25Mk. (excl. Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psa, <-y < »rxrxrx

Reelamen- di. Zell. 25 Pf«. * Fl ettag, 19. Oktober 1900.