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mit dem Kreisblatt für die Kreife Marbura und Kirchhain

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Die Wirren in China.

Die Bestrafung der Boxerführer.

Margot wurde immer blasser und stiller. Manchmal schweiften die Blicke des Majors, wenn er sich unbeachtet glaubte, zu seiner Tochter hinüber. Ihr Zustand ängstigte ihn, ohne daß er es sich Anfangs gestehen wollte. Das Kind, an dem er mit der ganzen warmen Liebe seines Daterherzes hing, litt weit mehr als er gedacht hatte, und das schnitt ihm tief ins Herz. . .

Er hatte ja nie geglaubt, daß sie mit solcher Liebe an Hagendorf hing, und nun, wo er es sich nicht mehr verschweigen konnte, quälten ihn Selbstvorwürfe und Selbstanklagen, daß er sein Kind nicht bester gehütet hatte.

Er hätte alles darum gegeben, Margot glück­lich zu sehen, nur das eine konnte er nicht thun, weil er nicht daran glauben konnte, daß es ihr Glück sein würde. Und selbst den Fall gesetzt, daß er sich irrte, er konnte nicht den ersten Schritt zur Versöhnung mit Hagendorf thun das war Sache des Barons, der ihn beleidigt hatte. Mit solchem Opfer das Glück seines Kindes zu erkaufen, das doch immer in feinen Augen ein äußerst sragliches Glück blieb, dagegen sträubt, sich die Edelmannsehre in ihm.

Wenn Hagendorf Margot wirklich so liebte, wie er es vorgab, dann mußte er es auch über sich gewinnen, dem schwergekränkten Freund als erster die Hand zur Versöhnung zu reichen doch vergeblich wartete der Mojor darauf.

Baron Hagendorf kämpfte einen, harten Kampf. Stolz und Liebe stritten in ihm mit einander: Sein Stolz, der sich nicht dazu entschließen konnte, Stetten gegenüber den ersten Schritt zur Versöhnung zu thun und dem alten Freunde, den er so ungerecht und schwer be­

leidigt hatte, die Hand zu reichen; seine Liebe die nicht von Margot lasten wollte, und wem er über dem klaffenden Zwiespalt in sich z: Grunde gehen sollte.

Tagelang erwog er unschlüssig bei sich, wa er thun sollte; zu Stetten hingehen, ihn ur Verzeihung bitten und sich möglicher Weif einer neuen Demüthigung aussetzen? Neir um keinen Preis, der ganze Stolz seiner Edel mannsnatur bäumte sich gegen diese Mögliä feit auf.

Und that er es nicht, schlug er seine Bruc! über die Kluft, die zwischen ihm nnd Stette durch seine Schuld sich aufgethan hatte, dan war Margot für ihn auf immer verlöre Peinigt ihn schon der Gedanke, seinen Sto beugen zu sollen, so war ihm die Vorstellun von Margot lassen zu müsten, unerträglic Aus und ab schwankte die Wage seiner Gefüh und Empfindungen.

Oft, wenn der alte, starre Trotz in ih aufwachte, dann war er nahe daran gewese Margots zerknittertes Briefchen, das er ste bei sich trug, in die Flamme zu schleudern ui so das Letzte, was ihm von ihr geblieben w als ein sichtbares Zeichen ihrer Liebe, zu ve Nichten. Aber ein dunkles, unbestimmtes Etw in ihm, das stärker uud mächtiger war als selbst, hielt ihn jedesmal davon zurück.

So verstrich eine Woche nach der andere ohne daß der peinvolle Zwiespalt in sein Brust sich löste. Hagendorf war zu schwa eine kraftvolle Entscheidung herbeizusühre ohnmächtig ließ er sich von den streitend Leidenschaften in seinem Busen hm- und h

zerren. Er nahm sein wildes zügelloses Leb

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Die Expedition nach Paotingfu Graf Walderfee.

Es bestätigt sich, daß Paotingfu noch nicht in den Händen der Verbündeten ist, daß viel­mehr erst am heutigen Freitag die Expedition dorthin aufbrechen foll. Ein Telegramm der ostasiatischen Nachrichtenexpedition des Deutschen Flottenvereins meldet uns nämlich:

Tieutfi«, 9. Okober. Am 12. Okober wird eine größere Truppen-Abteilung, bestehend aus deutschen, englischen, französischen und italieni­schen Truppen unter französischen Oberbefehl den Marsch von Tientsin nach Paotingfu antreten.

Gleichzeitig setzen sich gemischte Truppen von Peking aus unter englischem Oberbefehl in Marsch.

Der Vormarsch bis zum Eintreffen in Pao­tingfu wird eine Woche in Anspruch nehmen. Alsdann ist eine gemeinsame Aktion beider Heersäulen beabsichtigt.

Ein Reutertelegramm meldet ferner, daß die aus Tientsin aufbrechenden Truppen 5000 Mann stark sein und unter dem Befehle des Generals Baillodel stehen werden. Die von Peking auf­

brechende Kolonne wird etwa gleichstark sein und von General Gaselee befehligt werden. Vier französische Bataillone, die am 4. Oktober unabhängig von dieser Expedition von Yangtsun ausgebrochen sind, wurden

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geschlagen haben und aus Hongkong marschiren. Zahlreiche Dörfer wurden geplündert.

Auch derDaily Expreß" läßt sich aus Hongkong Ungünstiges über die Zustände im Süden kabeln. Es walte keinen Zweifel mehr über einen im November drohenden A u f st a n d des Triadenbundes. Dieser bezwecke den Sturz des Mandschus und die Wieder­einsetzung der chinesischen Dynastie. Die Lage ist beunruhigend geworden, daß Sir Henry Blake 10 000 Truppen aus Indien kommen lasse und die britische Besatzung in Samchun um 2000 Mann verstärkt wurde. Die Regier­ung wurde von einem Mitglieds des Tiraden­bundes benachrichtigt, die Reformpartei warte nur auf das große Signal, um die Fahne des Aufruhrs zu entrollen. Zweitausend Mann chinesische Truppen wurden von den Bogneforts abgesandt, um den Ausstand an der Kanlun- grenze im Keime zu ersticken, auch ein deutsches Kanonenboot sei flußauswärts gesandt worden. Zwei weitere Dörser wurden geplündert, «vie kaiserlichen Truppen sind in allen bisherigen Treffen mit den Rebellen geschlagen worden.

st bei beding u Der!

Die auch von uns wiedergegebene Meldung derKöln. Volksztg.", daß der bisherige Kom­mandant des KanonenbootsJtlis", Kor­vettenkapitän Lans, bei seinen ersten Gehversuchen nach Abnahme des Gipsverbandes das Unglück gehabt habe, das verwundete Beui zu brechen, bestätigt sich erfreulicher Weife nicht, wie aus einer inzwifchen eingegangenen persönlichen Nachricht des im Marinelazarett m Yokohama liegenden Offiziers hervorgeht. Der schützende Gipsverband konnte vielmehr neuer­dings entfernt werden, da der Heilungsprozeß im Laufe der Woche erfreuliche Fortschritte ge­macht hatte. Nach Entsernung des Verbandes stellte sich im Interesse einer regelrechten Heilung nur die Nothwendigkeit eines kleineren opera­tiven Eingriffs in der Gegend der stehen- gebliebenen Knochenbrücke heraus.

Die bisherigenVerluste derchristlichen Missionen in China

lassen sich jetzt annähernd übersehen. Die Ver­folgung der Fremden geschah in der nun be­endeten ersten Periode der Wirren hauptachlich in den drei Nordprovinzen des chinesischen Reiches Tschili, Schansi und Schantung, sowie in der angrenzenden Mandschurei, die in einem losern Zusammenhang mit demReiche der Mitte" steht. Der amerikanische Generalkonsul Goodnew hat jüngst zusammengerechnet, daß 5t Missionare, (34 englische und 22 amerikanisches ermordet wurden. Das Schicksal von sieben unddreißig anderen ist noch ungewiß. Das stift aber nur die Sendboten der evangelischen Mis sionsgesellschaften. Die Zahl der Hingemetzeltei Katholiken ist jedenfalls noch größer, einmal weil die katholifchen Mifsionspriester um Nonnen im Norden Chinas zahlreicher find, al

(Nachdruck verboten.)

Treue.

Roman von Ada Dörner.

(Fortsetzung.)

war unmöglich! Das konnte nicht sein! Doch den bösen Zweisel, diese Ungewißheit, daß jetzt im letzten Augenblick doch noch irgend etwas seine Hoffnungen vereiteln und seine Pläne durchkreuzen "könnte diese unbestimmte, böse Ahnung konnte er nicht los werden. Gestern Abend noch hatte er alle Trümpfe des Spiels in den Händen gehabt und nun war alles so plötzlich in Frage gestellt!

Im Hause des Majors begannen schlimme Tage. Stetten kam mit seinen Kindern sasr nur noch bei den Mahlzeiten zusammen, und da saßen sich Margot und der Datei stumm gegenüber. So sehr sich auch Tante Dorothea bemüthe von diesem und jenem zu reden, immer wieder mußte sie den wohlgemeinten Versuch, eine harmlose Unterhaltung in Gang zu bringen, aufgeben, wenn keine oder doch höchst einsilbige Antworten erfolgten. Grethe fchien ihr fröh­liches Kinderlachen auch verlernt zu haben und fah aus wie ein ängstliches Vögelchen, das am liebsten den Kopf unter die Flügel stecken möchte. ,

Margot wartete beständig aus etwas, was nicht kam. Sie meinte, Hugo würde ihr zu Liebe seinen Stolz beugen und den ersten Schritt zur Versöhnung mit ihrem Vater thun. Aber nichts dergleichen geschah.

So schlich ein Tag nach dem andern traurig dahin, und jeder der vier Menschen, die bis da­hin ein so ungetrübt ruhiges, zufriedenes Leben geführt hatten und ganz ineinander aufgegangen waren, sagte sich:So kann e5 nicht weiter gehen," aber keiner sah Mittel und Wege, dem unerträglichen Zustande ein Ende zu machen.

Die Lage im Süden gestaltet sich allem Anschein nach immer be­drohlicher.

Uns geht darüber folgendes Telegramm der ostasiatischen Nachrichten Expe­dition des Deutschen Flottenvereins zu:

Schanghai, 10. Oft. Die Lage in Süd- China ist eine sehr fritische, es wurde ein Angriff gegen zwei Handelsschiffe gemacht und dabei zwei Leute schwer verwundet. Der Distrift Huna befindet sich in Aufruhr.

Auch andere Nachrichten bestätigen, daß ein allgemeiner Aufruhr zu befürchten ist, der auch Schanghai und Hongkong gefährden würde. DieDaily Mail meldet, daß die Rebellen im südlichen China sich in Hongkong uud Sangantin stark verschanzt haben. 5000 Aufftändische sollen die chinesischen Truppen

schäften k anzugreifen. Ter Name des dritten der angeblich zum Tode verurtheilten Manda­rinen, Yinghien, ist uns bisher nicht begegnet; vielleicht ist damit der berüchtigte Yühsten, Gouverneur von Schansi, der sich von je her durch feinen Fremdenhaß hervorgethan hat, oder auch Tschinhsin, der fremdenfeindliche Fi- nanzminister, gemeint. Die angeblich bestraften Mitgelieder des kaiserlichen Hauses sind außer dem Prinzen von Tuan, dessen Rolle bekanick ist, ebenfalls wenig genannt worden, doch scheinen es Prinzen des ersten Grades zu fein, die in direkter Linie von Söhnen der beiden Gründer der Dynastie Taitsu und Tattsung abstammen. Bei der Bestrasuug des Prinzen von Tuan wird nicht angegeben, ob er lebens­länglich oder nur zeitweilig verbannt ist die

Nebenstrafe der Zwangsarbeit, die ihm auserlegt sein soll, wird sehr häufig mit der Verbannung verknüpft. Es fehlen übrigens noch viele Namen, deren Träger als Hauptschuldige im Laufe der Unruhen genannt worden sind; fo Tungsuhstang, der bekannte General der Kansutruppen, der den Sturm auf die Gesandtschaften leitete, Lilalsu, der Häuptling der Boxer, Yunglu, der Ober­befehlshaber, dessen Rolle immer noch nicht klargestellt ist, der Großsekretär Hsütung, der freilich einem Gerüchte zufolge gestorben sein soll, der Herzog Tschuugyi, Schwiegervater des Kaisers Tschungtschi und andere. Der ameri­kanische Gesandte Conger soll denn auch bereits zehn oder zwölf weitere Mandarinen, deren Be­strafung zu fordern sei, bezeichnet haben.

Auf eine energische Niederhaltung aller Auf­

ruhrgebiete lasfen die aus dem Süden kommen­den Nachrichten nicht schließen.

angehalten. Sie warten aus die Haupt truppen. Amerikaner, Russen und Japaner nehmen an der Expedition nicht Theil Trotz aller Versicherungen der Chinesen vom Gegen- theil rechnen die Befehlshaber der Verbündeten mit Widerstand.

Ueber den jetzigen Aufenthalt des Grafen Walderfee meldet uns ein Tele­gramm :

Xflttt, 9. Oft. Graf Walderfee wird am nächsten Sonnabend nach Peking abreisen, die Deutschen warten Verstärkungen in Tientsin ab. Dann erst sollen weitere Maßnahmen ge­troffen werden. Die deutsche Telegraphen- Verbindung zwischen Tientsin und Peking ist hergestellt.

Kapitän Laus.

| Als er beim Baron eintrat, entdeckte sein scharfes Auge sofort auf dem Schreibtisch den erbrochenen Brief mit dem schmalen Umschlag.

Wir reisen vor der Hand nicht treffen Eie demgemäß ihre Anordnungen!" Mit einer kurzen, ungeduldigen Handbewegung war er entlassen. _ .

Ob es ihm gelungen war, seine Bestürzung zu verbergen, wußte Stein nicht, als er das Zimmer des Barons verließ. Er war ja an Leberraschungen hinlänglich gewöhnt und hatte es gelernt sie als etwas Gewöhnliches hmzu- »ehmen, ohne das geringste Erstaunen zu äußern, aber so wie heute hatte Hagendorf noch niemals seine Vorausfetzungen durchkreuzt. .

Stein war ein kluger Mann und hatte tn seinem Leben gelernt, aus den kleinsten Um­ständen heraus das Wesentliche jeder Situation, in die er gebracht wurde, zu kombinieren, heute aber schien es ihm, als sei all sein 'Scharf­sinn vergebens.Wir reisen vor der Hand nicht'" hatte der Baron entschieden also endgültig war die Reise nicht ausgegeben. Wo­von hing es nun ab, ob sie ausgeführt werden würde ober würde Hagendorf am Ende doch bleiben? Was war vorgefallen? was stand ,d di-i " 'n dem Brief. So sehr Stein hin und her W) * I dachte er fand keine Lösung des Rathsels, Eine quälende Angst beschlich ihn, daß er doch | vielleicht ZU früh triumphitt hatte. Aber das

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Ericheinl täglich außer an Werktagen uaa) äomv u,l£, ^rta9' o_ Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes «onntagsblatt. Zo Juhlg.

Druck und Verlag: Joh. Slug, Koch, Umverütats-Buchdruckerei

DlaTbnro Markt 21. Telephon 5R _____________

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (e$d. Bestellgeld).

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Wir haben gestern in unserem Telegramm ieber eine chinesischen Quellen entstammende

chncht über die Bestrafung der Anstifter der rren veröffentlicht. Man wird die er und glichen Meldungen gegenüber einige Vorsicht men lassen müssen. Vor allem wird daran ihubülteit sein, daß es Sache der diplomatischen _ J Freier in China ist, zu prüfen, ob die nam-

,sj gemachten Persönlichkeiten die wirklich und -J e alleinigen Schuldigen sind, ob die ihnen zu-

6 Machte Strafe ausreicht und'ob die th ats a ch l t ch . <- ollzoqen worden ist. Zwei der angeblich zur

bcrflei ntbauptung verurtheilten Mandarinen, Kangyi ,g^ nd Tfchaoschutfchiao, sind von Anfang an als £ s läupter der fremdenfeindlichen Bewegung ge-

fcnnt worden. Kangyi war Gouverneur von ichansi (1885), Kiangsu (1888) und Kwantung - 1892) nach Beginn der vom Kaiser Kuangsa

nfflt mterstützten Reformbewegung wurde er nach

Atting berufen, und er foll es gewesen sein, Partei itr der Kaiserin die Gefahr der Reformen -7 »erstellte und sie sür die Anschauung zu gewinnen vuhte, daß alles Fremde im Reiche ausgerottet H oerben müsse. Um die Geldmittel sür diesen ll stldzug auszutreiben, wurde er als besonderer ,-U 4 wmmissar nach Kiangsu und später nach Kanton 7 jefanbt und zeichnete sich durch das finaneielle änfanj beschick aus, mit dem er diese Aufgabe zu losen nperm mi) ^er Centralregierung neue Geldquellen zu

schließen verstand. Seine Hauptstütze bei der eine 3 Vorbereitung der Fremdenhetze war der aus t entfp pchcnsi gebürtige Tschaoschutschiao, der ebenfall lnd la. ,m Ja^e 1892 als Taotai von Wentschou m W Tschekiang nach Peking in die Umgebung der ermiti Kaiserin berufen wurde, Minister im Tiung- oefl. £ lihamen und Gouverneur von Peking war. Ge- senst'i Neinsam mit Kangyi soll er die Boxer veranlaßt haben, in Peking einzudringenund die Gesandt-

irbel,

Bfer das 4. Quartal 1900

1 Bestellungen auf dieObcrhcff. nebst ihren Beilagen von unserer Edition (Markt 21) unseren Ausgabestellen Holm, Kirchhain und Neustadt, sowie von Postanstalten und Landbriefträgern ent- laCl enaeiwmmen. DieOberhessische Zeitung" et nach wie vor 2 Mark, durch die Post be- >t H en 2.25 Mk. vierteljährlich.