gefolgt ist. Aussichten auf chinesische Nachgiebigkeit vermehren sich oder nehmen ab, genau in demselben Verhältniß, wie die Einigkeit unter den europäischen Mächten stärker und schwächer zutage tritt. Von diesem Standpunkte aus ist es ersreulich, daß England sein langdauerndes Schweigen gebrochen und sein Einverständniß mit der deutschen Note erklärt hat. Die Verzögerung dieser Antwort war angeblich auf die Einholung eines Gutachtens zurückzuführen, das von Sir Claude Macdonald eingefordert worden war. Wenn jetzt aus London berichtet wird, "daß Macdonald sich durchaus im Sinne der deutschen Vorschläge ausgesprochen und als Vorbedingung und Grundlage einer gedeihlichen Entwicklung die exemplarische Bestrafung der Hauptschuldigen verlangt habe, so kann dies nicht überraschen. Wir wissen seit langem, daß alle diejenigen Personen, die die Brutalität des chinesischen Vorgehens an sich selbst erfahren oder ihm in der Nähe beigewohnt haben, in dieser Beziehung einer Ansicht sind und eine rücksichtslose Bestrafung der Hauptschuldigen für unumgänglich halten. Wenn sich den Chinesen die Ueberzeugung aufdrängte, daß auch die Mächte unerschütterlich auf dieser Ansicht bestehen, so würde das Friedenswerk einen großen Schritt vorwärts gemacht haben.
Zu erwähnen ist auch eine Meldung aus Schanghai, wonach die Vizekönige des Aangtse- gebietes gemeinsam eine Denkschrift an die Kaiserin-Wittwe richteten, in der sie jede Ver- an t w o rtlichkeit für einen geregelten Transport von Lebensmitteln während des Krieges ab lehnen, falls der Hof nach Singanfu verlegt wird. Die Vizekönige sollen den Hof nachdrücklich aufgefordert haben, nach Peking zurückzukehren, und angekündigt haben, daß sie sich im andern Falle gezwungen sähen, ihre Entlassung zu geben. — Einige Zweifel an der Richtigkeit dieser Meldungen wird man wohl hegen dürfen.
Amerika verstärkt seine Seestreitkräfte in Ostasien.
m Zur Verstärkung seiner Geschwader bei den Philippinen und an der chinesischen Küste werden in nächster Zeit fünf kleine Kreuzer und Kanonenboote sowie ein Linienschiff von Amerika abgesandt werden. In Norfolk rüstet dazu das Kanonenboot „Vicksburg", zu League Island (Pa.) das Hilfskanonenboot „Dorothea" aus, während an der füdatlantifchen Station der kleine Kreuzer „Wilmington" und vom Mittelmeer aus der neue, sehr schnelle Kreuzer „Albany" nach China und Manila ab-
sich die Thür hinter Heller schloß, und ein paar verstohlene Thränen rollten in seinen grauen Schnurrbart. Auch er hatte die frohe Hoffnung seines Alters begraben.
Vergeblich hatte Hellers Mutter ihren Sohn zu Tisch erwartet. Als die Dämmerung bereits herein gebrochen war, klingelte es — aber es war Grethchen, die zaghaft und mit scheuem Blick über die Schwelle trat.
„Allein, Grethchen, wieder allein? Und wie siehst Du aus! Kind, was fehlt Dir?" fragte die Pastorin besorgt, als sie GrethchenS blaffes und ängstliches Gesicht sah. Sie setzte sich auf ihren Seffel, der in der Fensternische stand und zog das Mädchen dicht neben sich.
„Grethchen, was fehlt Dir!" und leise streichelte sie mit ihrer Weichen Hand über ihren blonden Scheitel.
Aber noch ehe Grethe etwas sagen konnte, that sich die Thür auf, und Dr. Heller trat ein. Er ging auf seine Mutzer zu und begrüßte sie wie sonst mit seiner warmen Herzlichkeit.
Aber das Mutterauge erkannte sofort, daß irgend etwas ihren Sohn drückte, unter dem er litt. Er sah so blaß und ernst aus und vermied es, sie anzusehen.
„Kinder, was habt Ihr? Ihr beide seid so anders als sonst?" fragte die Pastorin besorgt.
„Grethchen, haben Sie der Mutter noch nichts gesagt?"
„Nein — ich konnte es nicht!" und plötzlich brach das Mädchen in leidenschaftliches Schluchzen aus und barg ihr Köpfchen im Schoße der alten Frau, die all die Jahre bei ihr so treu und liebevoll Mutterstelle vertreten hatte.
gehen. In New - Port wird zugleich das neue Linienschiff „Kentucky" für die Fahrt nach China vorbereitet. Wahrscheinlich wird nach dem Eintreffen dieses Schiffes in Ostasien das Linienschiff „Oregon" nach San Francisco zurückberufen werden, um die von seinem Auslaufen im Golf von Pechili herrührenden schweren Beschädigungen zu Hause gründlich zu repariren. An „Oregon" sind die Havarien des Schiffsbodens im Juli und August zu Kure in Japan nur provisorisch ausgebessert worden. Indessen ist im nördlichen Stillen Ozean schon jetzt ein neues amerikanisches Linienschiff, die auf den Union Works in San Francisco fertiggestellte „Wisconsin", verfügbar, die ihre Probefahrten im Winter bis nach Honolulu ausdehnen soll, von wo sie jederzeit nach Ostasien hinüber dampfen kann.
Einzelheiten.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Den Familien der in das ostasiatischeExpeditionskorps freiwillig eingetretenen Mannschaften des Be- urtaubtenstandes steht bei vorliegender Bedürftigkeit Anspruch auf Gewährung der im Gesetz vom 28. Februar 1888 vorsehenen Unterstützung zur Seite.
Der Gefreite Hummel, der in Peking eine Schußwunde erhalten hatte, ist später an der Verwundung gestorben. Kanonier Wodke, der an der Ruhr erkrankte, ist an Herzschwäche gestorben. Beide gehörten zur Feldbatterie.
Umschau.
* Ueber wirtschaflichen Rückgang äußert sich die „Königsberger Hartungsche Zeitung" u. a. folgendermaßen:
„Aber bedarf es denn wirklich noch für irgend jemanden, der sehen will, eines besonderen Nachweises dcüür, daß die fetten Jahre vorüber sind und daß wir — einstweilen wenigstens — uns auf magere Jahre gefaßt machen müssen? Um diesen Stand der Tinge zu verkennen, muß man das Beispiel des Vogel Strauß nachnahmen und den Kopf in den Sand stecken."
Danach scheint es, daß die Handelsverträge, die bekanntlich noch etwa drei Jahre laufen, doch nicht die Ursache des wirtschaftlichen Aufschwunges und die Gewähr guter wirtschaftlicher Verhältnisse sind.
* Im Freisinn plätschert es weiter mit Anträgen zum Parteitage. Zur Hebung der bisherigen Dürre des Freisinns ist nün einmal der Hahn aufgedreht und unaufhaltsam
Und während das Mädchen still fort weinte, erzählte Heller seiner Mutter von der Unterredung mit dem Major, die er am Vormittag gehabt hatte.
„Mein armer, armer Junge!" war alles, was die Pcfftorin über ihre Lippen brachte, und dabei streichelte sie mit ihren welken Fingern seine Hände, wie man ein Kind streichelt, um es zu trösten.
„Mutter, gräme Dich nicht um mich! Ich muß es verwinden und werde es thun! Sei unbesorgt! Das Leben mit seiner Arbeit und seinen Pflichten, die auf mich warten, wird mich zu vergessen lehren. Margot ist frei und war es immer. Sie hat kein Versprechen verletzt und kein gegebenes Wort gebrochen, denn ich habe sie noch nie gefragt, ob sie mich liebte. Sie liebt einen andern, und ich habe kein Recht, ihr einen Vorwurf zu machen. — Nur eins, um was ich auch Herrn von Stetten gebeten habe, und um was ich jetzt Grethchen und Dich ebenso bitte: — Niemand soll es erfahren, daß ich Wünsche und Hoffnungen hegte, die unerfüllt bleiben mußten." Er hatte das ruhig und mit sicherem Tone gesagt, aber seine Mutter hatte es gefühlt, wie fchwer es ihrem Sohn geworden war. Still legte sie ihre Hand in die feine und schaute ihm mit einem langen, lieben Blick in die Augen, wie es nur eine Mutter thun kann.
Dann ergriff Heller Gretchens Hand und drückte sie warm.
„Und zwischen uns bleibt alles beim alten, Gretchen, nicht wahr?" sagte er herzlich. „Sie sind der Sonnenstrahl, ohne den meine Mutter nicht leben könnte! Sie bleiben uns treu!
fluthet der wässerige Inhalt in die stillen Räume der bestürzten Parteileitung. Nun dauert es noch über eine Woche, bis der sogenannte Parteitag in Görlitz zusammentritt, es kann also wirklich noch eine Ueberschwemmung entstehen, wenn es so weiter plätschert. Wie wird sich der Parteitag dann retten? Zum Glück erfolgt die Verhandlung über die Fluth von Anträgen hinter verschlossenen Thüren, man sorge nur, daß die Schlösser des Versammlungslokals auch fest und daß Doppelthüren vorhanden sind, damit nicht doch noch etwas von den „Be- rathungen" in die Oeffentlichkeit dringt, was nicht die „Parieiplombe" erhalten hat.
Deutsches Reich
Berlin, 10. Oktober.
— In der letzten Sitzung des Staatsmini st eriums soll eine Erörterung über die Einberufung des Reichstags stattgefunden Haben, schlüssig hat sich freilich das Staatsministerium endgültig noch nicht gemacht, welcher Termin dem Kaiser in Vorschlag zu bringen sei, im Allgemeinen aber ging die Ansicht dahin, daß nach Lage der parlamentarischen Vorbereitungen und der Aufgaben, die dem Reichstag und dem preußischen Landtag in dem nächsten Winter zu unterbreiten sind, die Mitte des November als Termin zur Einberufung des Reichstags in Aussicht zu nehmen sei.
— Wie eine Correspondenz mittheilt, wird von der Regierung ein Gesetzentwurf vorbereitet, betreffend Maßregeln zur Verbefserung der Wohnungsverhältnisse.
— Die goldenen Fünfmark st ücke, deren Ausprägung schon seit dem Jahre 1879 eingestellt ist, gelten bekanntlich seit dem 1. Oktober d. I. nicht mehr als Zahlungsmittel, bei den Reichs- und Landeskassen werden sie icdoch noch bis zum 30. September 1901 zum Rennwerthe angenommen. Diese Anordnung hat zur Folge gehabt, daß im Monat Septemher noch ein beträchtlicher Theil der halben Kronen zur Einziehung gelangt ist. Es sind jetzt nur noch für 4,4 Millionen Mark halbe Kronen in Verkehr geblieben. — Von den ferner zur Einziehung gelangenden Münzsorten, den silbernen und Nickel-Zwanzigpsennigstücken, hat sich die im Verkehr befindliche Summe in der Zwischenzeit nicht wesentlich geändert. Von den silbernen Z w a n z i g p s e n n i g st ü ck e n, die in einer Gesammt- summe von 35,7 Millionen Mark geprägt sind, liefen Ende September noch für 7,7 Millionen und von den Nickelzwanzigpsennigstücken noch fast der ganze zur Ausprägung gelangte Betrag in Höhe von 5 Millionen Mark.
— Die Bildung neuer Truppentheile der deutschen Armee ist in diesen Tagen vor sich gegangen. Nach dem Gesetz vom 25. März 1899, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, ist das deutsche Heer eingetheilt in 23 Armeecorps, und zwar 18 preußische, 3 bayrische und 2 sächsische, mit insgesammt 495000 Mann. Außer der Neubewaffnung und Neuformirung der Feldartillerie und der Verkehrstruppen, die zumeist schon am 1. April und 1. Oktober 1899 erfolgte, wurden am 1. Oktober 1900 noch die nachbenannten Neubildungen
Sie muffen meiner Mutter über die Einsamkeit weg helfen, wenn ich jetzt aus Reisen gehe, um mich auf meine neue Stellung vorzubereiten! — Wollen Sie mir daß versprechen?"
„O, wie gern will ich das!" ries die Kleine strahlenden Auges. „Jst's mir doch immer, als wären sie mein eigenes Mütterchen. Ich bin ja hier wie zu Hause und werde mich in dieser lieben, traulichen Stube einnisten. Und, nicht wahr, Herr Doktor, Sie gehen mit ungebrochenem Muth in die Welt hinaus und glauben, daß auch Ihnen noch das Glück begegnen wird?"
„Gewiß glaube ich das, Gretchen. Ich nehme es überhaupt viel zu ernst mit dem Leben und seinen Pflichten, um zum melancholischen Kopfhänger zu werden, weil mir ein schöner Traum unerfüllt blieb! —
10. Kapitel.
Baron Hagendorf hatte noch am selben Morgen, als er von Stetten kam, seinem Sekretär aufgetragen, alles zur sofortigen Abreise zu rüsten. Dann hatte er sein Pferd satteln lasten und war fortgeritten, ohne zu hinterlasten, wann man ihn zurückerwarten sollte.
Es war Stein schwer geworden, den Ausdruck der Freude, der über fein Gesicht hufchte, zu verbergen als ihm Hagendorf den Auftrag gab, die Koffer packen zu lasten.
Wie von einem Alp befreit, athmete er auf. Also noch war es nicht so weit, wie er gefürchtet hatte, Leo von Kronek hatte doch Unrecht gehabt, und seine Befürchtungen waren überflüssig gewesen. „Auf Reifen", das hieß für ihn soviel als gerettet sein. Nun war er dem Baron
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Die Wirren in China.
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tut. k tzine in New-Iork eingetroffene Depesche aus ing vorn 7. Oktober meldet aus angeblich --ibwürdiger chinesischer Quelle, die K a i s e r i n hri in Taiyuenfu ernstlich er krankt, der Kaiser
Kft 5tfc, so sind vorläufig auf diese Nachricht nicht h ^Mgwße Hoffnungen zu setzen. Es ist in inöra durchaus nichts seltenes, daß ein Groß- mträger, dem ein ungnädiger kaiserlicher Ernst und Würden abspricht, einige Tage nachher bei zu seiner alten Stellung erhoben wird, sei nur daran erinnert, wie vor einigen ren Lihungtschang die gelbe Reitjacke in nabe abgenommen und gleich darauf wieder iehen wurde. Ein solch fprunghaftes Vor- etdS m gehört derart zu den chinesischen Gewohn- "Ä kn, daß man sich dort nicht mehr darüber '-N Wenn die Erklärung des Kaisers von genw« na, er wolle seine Friedensliebe dadurch be- sbsäMkn, daß er selbst seine eigenen Verwandten schone, gewiß mit Genugthuung auf- U ((men ist, so wird man doch abzuwarten i. en, ob dieser Willensäußerung auch die it folgen wird oder ob sie gar schon
’Z. x daher in der letzten Zeit freie Hand in den idenh mtsgeschäften. Eine zusagende Antwort auf ’ deutschen Forderungen sei durch Lihung- Ifche, ang übermittelt worden. Danach sollen Aing- i «vielleicht eine Entstellung aus Tschinhsin), Lr’trgj igqi und Tschaoschutschiao enthauptet, Prinz lSW ,n>aug, der Herzog Tsailan und Prinz Dih , b g edenslänglichem Kerker verurtheilt und Prinz == pt nach den kaiserlichen militärischen Post- ihieni tzen an der sibirischen Grenze verbrannt ! als weitere Strafe für die Unterstützung,
mddab. er den Boxern angedeihen ließ. Aus dem ctlaut dieser Depesche geht zunächst nicht «franci hervor, ob die Hinrichtungen urd Bestrafet nur angeordnet oder bereits vollzogen Da man in chinesischen Dingen noch I als bei andern Vorsicht walten lassen
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(Nachdruck »erboten.)
Treue.
heller um eine kurze Unterebung gebeten.
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von er mit der ihm eigenen Willensstärke feine Selbstbeherrschung wieder und er r mit Fassung und Ruhe dem zu, was tten ihm sagte. Er wollte dem alten Freund ks Vaters die Stunde nicht noch schwerer
Roman von Ada Dörner.
(Fortsetzung.)
andern Vormittag hatte der Major
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len, als sie ohnehin war, und so kämpfte apfer gegen den Schmerz an, der ihn unter kr Wucht fast erdrücken wollte.
der Major geendet, drückte et dem alten
■tn, der gebrochen und um Jahre gealtert, ____ ihm stand, fest die Hand, und der stumme g=(?oni bedruck sagte Stetten mehr als Worte, isung. 6e Silbe des Vorwurfs kam über Hellers sti, nur das eine bat er, daß nie ein Dritter die Sache erfahren solle.
nb d« .Ein braver Junge! Warum mußte sie lsesl 1 andern Heben?" murmelte der Major, als
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toar in seinem Leben wohl die bitterste — abe, als er dem jungen Mann, den er so — Hschätzte und wie einen Sohn liebte, mit- ~ len mußte, daß er machtlos sei, sein Wort _ Biöfen, daß er Margot nicht zwingen könne 96-/. Schritt zu thun, für den er sich doch dem 95-- ar gegenüber verbürgt hatte.
Einen Augenblick war Heller zusammenge- , wie von einem furchtbaren Schlage ge- Äen — aber als er sah, wie der alte Herr kr dem litt, was er ihm mitzutheilen hatte,
35 Jahrg.