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Bierteliährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mi., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
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Marburg
Sonntag, 30. September 1900.
Erichcint täglich außer an Wertingen hul.) sonn- und Feiertagen.. Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt.
Druck und Lerlag: Joh. Slug. Koch, Univenitäts-Buchdruckerei Marbnro Markt 21. — Televbon 55
35 Jahrg.
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chen Nachrichten-Expedition des Deutschen Flotten-
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insvaal wird die „Oberhessische Zeitung", ge-
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b, das nicht einen über ein weites Gebiet dünnen Leserkreis hat, sondern das mit seiner ganzen
in Marburg und der näheren Umgebung erscheinenden Zeitungen hat, kann sie als Jnsertiousorgan bestens empfohlen werden.
Der Abonnementspreis der „Oberhessischen Zeitung" beträgt wie bisher bei allen Postämtern 2,25 Mk., in der Stadt Marburg 2 Mk. pro Quartal.
Redaction und Verlag der „Oberhessischeu Zeitung".
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Jusereute« bietet die „Oberhessische Zeitung" eile eines gut eingeführten Provinzialblattes.
Umschau.
Erhöhung der Ruhegehälter.
Die vor dem 1. April 1897 in den Pensionsstand übergetretenen Beamten haben von neuem eine Petition an den Reichstag angeregt, worin
Wochenschau.
Die Einweihung des Denkmals der Königin Luise zu Tilsit hat während der verflossenen Woche den Blick zurückgelenkt auf jene schweren Zeiten, da die eiserne Faust eines freckden Gewalthabers auf Deutschland lastete. Sie hat uns aber zugleich auch erinnert, daß alles Heil am letzten Ende nächst Gottes Fürsorge aus den Tiefen der Seele quillt und daß es auch in äußerer Roth keine stärkeren Stützen giebt als die Kräfte des Innern, als herzinniges Gottvertrauen, als selbstverleugnenden Muth, als opferwillige, felsenfeste Königs- und Vaterlands-Liebe. Möchten diese Kräfte Deutschlands Volke allezeit erhalten bleiben und möchte es immerdar deutsche Frauen geben, die sie gleich jener hochherzigen Dulderin auf dem preußischen Königsthrone in unermüdlicher Treue zu hüten und hegen wissen. Das sind die Wünsche, welche die Tilsiter Feier nahegelegt und welchen Kaiser Wilhelm, wie immer so auch diesmals der berufene Dolmetsch der Volks-Empfindungen, in seiner Weiherede Ausdruck geliehen hat.
Auch die Gegenwart verlangt große Eigenschaften von unserem Volke. Auf Chinas Boden erstrahlen die soldatischen Tugenden deutscher Truppen in hellstem Lichte. Eine wichtige Kriegsthat der Verbündeten war neuerdings vor Allem die Einnahme der Peitang- Forts. Dadurch ist die Sicherung der Schiffs- Landestellen an der Peiho - Mündung bei Taku wie der Eisenbahn-Derbindungs-Linie Tongku— Tientsin vollzogen. In Zukunft aher wird sich der Kreis der nothwendigen militärischen Unternehmungen ohne Frage noch wesentlich erweitern, und mit der nunmehr glücklich erfolgten Ankunft des Oberstkommandierenden der verbündeten Truppen, des General-Feldmarschalls Grafen von Waldersee, dürste die eigentliche Kriegsperiode erst recht beginnen.
Was die neben den kriegerischen Ereignissen einherlaufende diplomatische Thätigkeit betrifft, so hat der Vorschlag der deutschen Cirkular- Note, vor Eintritt in Friedensverhandlungen die Auslieferung der Rädelsführer des Aufstandes zu verlangen, bei allen Mächten außer
bei den Vereinigten Staaten von Amerika grundsätzliche Zustimmung gefunden. Nordamerika ist auf dem Wege selbständige Verhandlungen einzuleiten. Daß eine solche Londerpolitik nur geeignet ist, dem Widerstande der Chinesen neue Kraft zuzuführen, liegt auf der Hand. Als ihre erste Folge ist es wohl zu betrachten, daß Prinz Tuan, das Haupt der fremdenfeindlichen Bewegung, von der Kaiserin in das erste Staatsamt berufen wurde. Die Chinesen täuschen sich aber in ihrer Berechnung auf die Uneinigkeit der Mächte. Das Werk der Vergeltung wird durch das Beiseitestehen Amerikas in keiner Weise gehemmt werden.
Unter dem Zeichen der Wahlbewegung stehen gegenwärtig in Europa zwei Länder, Oesterreich und England. Aus der österreichischen Wahlbewegung dürfte als wichtigste Thatsache zu verzeichnen sein, daß die katholische Dolkspartei das Band mit den Czechen zerschnitten hat. In England bildet naturgemäß die südafrikanische Frage den Mittelpunkt der Wahlkämpfe. Lord Salisbury und Chamberlain suchen für ihre Politik in Südafrika eine parlamentarische Mehrheit zu gewinnen, und es dürste ihnen dies auch unschwer gelingen.
Noch ist es freilich verfrüht, in Bezug auf die Buren mit Lord Roberts von „marodierenden Bantstrn zu sprechen, noch dauert vielmehr der Kriegszustand fort, aber der Widerstand der südafrikanischen Republiken ist doch dem Erlöschen nahe, und über kurz oder lang wird ihre Annexion eine vollendete Thatsache sein. Präsident Krüger schickt sich an, auf einem holländischen Kriegsschiffe die Reise nach Europa anzutreten. Die Sympathien des gesammten europäischen Festlandes sind ihm sicher, aber Sympathien vermögen an der Macht der Thatsachen nicht zu rütteln.
In Frankreich endlich hat sich das große Festmahl der Bürgermeister zu einem Triumphe des republikanischen Gedankens gestaltet. Präsident Loubet feierte in längerer Rede die Republik, deren Grundsätze die Ehre und der Ruhm Frankreichs seien. Begeisterte Kundgebungen folgten dieser Rede. Die Niederlage der Klerikalen und Nationalisten ist für diesmal offensichtlich, indessen Volksstimmungen sind wandelbar und in Frankreich vielleicht noch mehr
'Z Originalberichte ans China
ror» t5, die mit der oMcielle« Berichterstattung ans '— .auptguarticr des Grafen Waldersee betraut
statt h^. Sie hat Verbindungen mit der vst- mit* • -
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er) 16 mzelte Leser in fremden Provinzen können dem
----«auf ihre Verbindung mit der Continental-Tele- llc *n-Corn agnie, wie bisher ihre Leser sorgfältig richten. Auch hier bürgt die bisherige Bericht-
' tuns für zuverlässige und schnelle Meldungen.
i alt in Marburg und den nahegelegenen Orten um» reitet wird. Da das bei der „Oberhessischen :, fe: ing“ der Fall ist und sie die größte Auflage der
|n der inneren Politik wird das neue Viertel- wieder reges Leben bringen. Mit dem Wieder-
, ist der Parlamentszeit werden der „Oberhessischeu inh tviedA regelmäßige Berichte ihrer Berliner lr_ laibeitei zugehen.
um eine der Gehaltsaufbesserung der aktiven Beamten analoge Aufbesserung des Ruhestandsgehalts der alten, pensionirten Beamten ersucht wird, wie sie im Königreich Sachsen bereits eingetreten sei. In der zur Begründung der Forderung beigesügten Denkschrift des Ausschusses der alten Ruhestandsbeamten heißt es unter Anderm:
Die Königlich sächsische Staatsregierung hat sich hinsichtlich eines Ausgleichs im Pensionswesen aus einen offenen und ehrlichen Standpunkt dch praktischen Lebens gestellt.
In diesem Bundesstaate sind nicht allein im Jahre 1874 die Staatsvensionen den Preis- und Zeitverhältnissen angemessen geregelt worden, sondern im Jahre 1892 ist gelegentlich der Gehaltserhöhung der activen Beamten von der ersten und zweiten Kammer des Landtags das Gesetz über Erhöhung der Pensionen mit 12,5 pCt., bezw. mit 10 pCt. und 7,6 pCt. — je nach der Höhe der bisher bezogenen Ruhegehälter von 80 pCt. des früheren Einkommens — zu Beginn des neuen Etatsjahres (1892) einstimmig beschlossen worden. In der Begründung dieser Vorlage ist unter anderem angeführt, daß derselbe Grund, der sür die Gehalts- Verbesserung spricht, auch für eine Pensionserhöhung maßgebend ist. Es läge überhaupt kein Grund vor, von einer Pensionserhöhung abzusehen, weil die Pensionäre dieser Verbesserung in Folge der andauernden Preissteigerung dringend bedürsen.
Ebenso hat dieselbe Staatsregierung in Folge der Preissteigerungen in den letzten neun Jahren nach einiger Zeit ein Gesetz der ersten und zweiten Kammer über Bewilligung von Wohnungsgeldzufchüssen auch an Ruhestandsbeamte zur Beschlußfassung vorgelegt; beide Kammern haben sich bereit erklärt, im nächsten Jahre die Mittel hierfür zu bewilligen.
In gleicher Weise hat der Landtag in Württemberg auf die Petitionen der im Ruhestand befindlichen Volksschullehrer allgemein die Geneigtheit ausgesprochen, im nächsten Jahre einen Pensionszuschuß zu bewilligen, und die Staatsregierung zuoesagt, die erforderlichen Mittel in den nächsten Etat einzustellen.
Auch in Preußen ist man mit ähnlichen Ruhestandsgehalts - Verbesserungen gefolgt, indem beim Landtage die Berathung eines Gesetzes über Ruhegehälter für Organisten, Küster und Cantoren stattgefunden hat. Gleichfalls soll sich die Staatsregierung bereit erklärt haben, eine Gesetzesvorlage über Erhöhung der Ruhegehälter der evangelischen Geistlichen nach noch einzuholender Zustimmung der Gcneralsynvde dem Landtage zu unterhreiten. Ferner sind von Seiten des Herrn Kriegsministers dem nächsten Reichstage neue und verbesserte Pensionsgesetze sür Offiziere, sowie über Versorgung der Unteroffiziere und deren Witwen und Waisen zur Beschlußfassung in Aussicht gestellt.
Wohl keine Klasse aus den breiten Schichten des Volkes ist in eine so hilflose und bedrängte Lage versetzt worden, als die alten Ruhestandsbeamten, diese sind die einzigen, die von allen Zuwendungen der Neuzeit ausgeschlossen und nur dazu verurtheilt sind, durch Zahlung Höherer Preise die Lage der übrigen Volksschichten erträglicher machen zu helfen.
Bei Ablehnung unserer Bitte führt man stets die hohen Kosten an, die et), eine Pensionserhöhung erforderlich machen könnte, ohne aber einen solchen Betrag zu ermitteln oder zu nennen.
Nach unserem Dafürhalten können die Kosten für die wenigen alten Beamten nur verhältnißmäßig
■ << t für Marburg erworben. Die „Oberhesstsche ng“ kann daher ihren Lesern rascheste und zu- kcrsh sigste Orientirung über die Ereignisse in China ?chen. Ueber den weiteren Verlaus des Krieges
M Tas neue Vierteljahr
inb mit ihm die Nothwendigkeit für unsere Leser, sie unsere Zeitung durch die P o st beziehen, die j—: erneuern, damit in dem Weiterbezug
' wohnten Seetüre feine Unterbrechung entsteht. • ierteljahrswende bietet uns aber nicht nur An- der Bitte an alle unsere Leser, uns auch künftig- Le« ii Wohlwollen zu erhalten, sondern auch zu dem )lrns( >en, unser Blatt in ihren Bekanntenkreisen änzei npfehlen und uns dadurch in dem Bestreben _ terstützen, unsere Zeitung mehr und mehr aus-
e f Kitten nichts nützen; er wird naturgemäß den tat Erfolg seiner Anzeigen bei einem Blatte
t; wir werden bestrebt sein, den Kreis unserer ^Ual« ™eitei mehr und mehr zu erweitern und rasch alle Vorgänge in der Umgebung Marburgs zu
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m neuen Vierteljahr werden jedenfalls die Er- se in China im Mittelpunkt des allgemeinen 'M stxhen. Der Wichtigkeit der Vorgänge in So«i en hat die „Oberhessische Zeitung" Rechnung ge- d 6! t, indem sie neben der bewährten Berichterstattung i eisl die Continental-Telegraphen-Compagnie sich auch
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tu Roman von Ada Dörner.
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'Wirft Dich ferJ? entsinnen.
meiner Mädels auch kaum
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(Fortsetzung.)
adurch, daß Hagendorf Stein ins Gespräch und später sogar aufforderte, an der rasch en Tafel Platz zu nehmen, wies er seinem egesährten von vornherein eine bevorzugte ng an.
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(Nachdruck verboten.)
Treue.
’rogtf doch, die eine war damals ein bild- iches Kind mit blonden Locken nnd blauen
! Margot hat alle Deine Reise- werungen förmlich verschlungen — doch ent- ldige — Du lauerst also drei Nächte ver- uch aus den Tiger?"
teeJ* ».Deine Töchter? Verzeihe, lieber Stetten, flache nne ein echter Egoist immer nur ie*nt und fragte gar nicht nach Deiner
8ald perlte der Wein in den Gläsern, und ^Mtigfeit, mit der der Freiherr die Unter- ng führte, hätte einem Jüngling Ehre ge- i. Er war noch immer ein schöner Mann, ln auch die scharf gezeichneten Falten in ; " ’etn Antlitz verriethen, daß eine bewegte * 'öängenheit hinter ihm lag.
rft Egendorf schilderte eben ein aufregendes terA Abenteuer, als Stetten ihn lebhaft unter- 3.40! »Das mußt Du meinen Mädeln er-
„Das war Margot, denn Grete kam damals kaum aus der Kinderstube heraus," entgegnete Stetten. „Beide sind liebe, gute Mädchen, mein Stolz und meine Freude. Wirst sie ja kennen lernen, das heißt, sobald man Dir Zeit dazu läßt, denn es giebt viele die vor Ungeduld darauf brennen, Dich wieder zu begrüßen. Du gehörst wahrlich nicht zu den Vergessenen, lieber Hugo. — Stoßen wir noch einmal auf diese glückliche Rückkehr an!"
„Möge Dich die Heimath nun für immer sesthalten, Onkel!" rief Leo lebhaft, der ganz gegen seine Gewohnheit bis jetzt auffallend schweigsam gewesen war.
„Ein schöner Wunsch, dessen Erfüllung mir jedoch sehr zweiselhast scheint."
„So sprichst Du kaum zwei Stunden nach Deiner Rückkehr?!" warf Stetten vorwurfsvoll ein.
„Du kennst ja mich und mein ruheloses Naturell. Als ich da draußen in den Tropen so völlig verlassen im Fieber lag und schon glaubte, die Heimath niemals wiederzusehen, packte mich Plötzlich das Heimweh. Ich mußte zurück. Die schäumenden Wellen trugen mir das Schiff viel zu langsam dem heimathlichen Ufer zu! — Nun bin ich ja endlich da — doch eine innere Stimme sagt mir, daß meines Bleibens hier nicht lange sein wird. Und wenn ich bettelarm gewesen wäre, so würde ich mich doch durchgeschlagen haben, um die Heimath zu erreichen, aber sesthalten — nein — sesthalten wird sie mich nicht!"
„Wir wollen der Zukunft nicht vorgreifen," sagte Stetten, als man sich jetzt vom Tische
erhob. „Daß ein Mann in Deinen Jahren noch kein Ruhehedürfniß kennt, begreife ich wohl; doch auch auf Deinen Besitzungen erwartet Deiner eine reiche Thätigkeit."
„Ab — Du willst mich daraus vorbereiten, daß ich Loschitz nicht im besten Zustande finde? Es geht ja gewöhnlich so, wenn man sein Eigen- thum fremden Händen anvertraut."
Die im herben Tone gesprochenen Worte begleitete ein argwöhnischer finsterer Blick.
„Aber ich bitte Dich, nichts beabsichtige ich weniger, als eine derartige Andeutung!" versicherte der Major, der mit ehrlichem Bedauern Hagendorfs tief eingewurzeltes Mißtrauen in diesen Worten wieder erkannte. „Auf den alten, braven Eckert konntest Du Dich verlassen. Er ist einer der tüchtigsten Verwalter und die Rechtschaffenheit in Person."
„Desto besser. Ich hänge zwar nicht am Besitz, kenne aber gegest Unredlichkeiten nicht die geringste Nachsicht.
„Niemand kann Dir das verdenken", pflichtete Stetten bei, „doch Dein Mißtrauen geht zu weit!"
„Derartige Bemerkungen, pflegen den Herrn Baron zu verstimmen," flüsterte Stein Herrn von Kronek zu, der diesen Wink auch sofort beachtete, und mit den Worten: „Willst Du nun nicht den Park besichtigen, lieber Onkel?" weitere Erörterungen abschnitt.
„Dein Neffe wünscht das wohlverdiente Lob zu ernten", scherzte der Major. „Er hat sich auch redliche Mühe gegeben und war der Schrecken der gesammten Dienerschaft."
Arm in Arm mit Hagendorf ging Stetten den wohlgepflegten Parkweg entlang, während Leo seine Schritte absichtlich verlangsamte, um mit Joseph Stein hinter den andern zurück- zubleiben. Vielleicht leiteten ihn dabei noch andere Gründe, als der rücksichtsvolle Wunsch, das erste Beisammensein der Freünde nicht zu stören.
Leo v. Kronek war eine jener Naturen, die kein höheres Ziel als die Befriedigung ihres Ehrgeizes kennen, und denen jedes Mittel recht ist, das ihre Zwecke fördert. Sein Scharfsinn sagte ihm, daß es von Vortheil für ihn sein würde, sich mit dem Sekretär seines Onkels auf einen guten Fuß zu stellen. Auch hoffte er, durch diesen über die verschiedensten Dinge Auskunft zu erhalten, die für ihn von Werth waren.
Mit der ihm eigenen Gewandtheit begann er das Gespräch auf feinen Onkel zu lenken.
„Sie kennen die Eigenheiten meines Onkels, Sie sind sein Freund."
„Es wäre Anmaßung von mir, mich den Freund des Barons nennen zu wollen," lehnte Stein bescheiden ab. „Ich bin nichts weiter, als der ergebene Diener meines Herrn!"
„Sie sind zu bescheiden, lieber Stein! Wer seit fünf Jahren das Vertrauen eines, wie ich von vielen Seiten hörte, so sehr zum Argwohn neigenden Mannes besitzt, darf wohl Anspruch auf eine andere Bezeichnung haben."
„Solcher Ehrgeiz liegt mir fern. — Der Herr Baron ist keineswegs argwöhnischer als mancher andere. Er verfügt allerdings über einen scharfen Blick und große Menschenkenntniß.