hatten die städtischen Behörden sich aufgestellt, während die Schüler des Seminars Reihen bildeten. Wieder begannen die Glocken zu läuten und nun wurde der mit Blumen, mit Helm und Degen des Entschlafenen bedeckten Sarg in einem mit dunklem Tannenreisig überdeckten Güterwagen gehoben, worauf der Zug langsam den Bahnhof verließ. Auf dem Dresdener Hauptbahnhof hatte sich vor dem Königssalon eine zahlreiche Menschenmenge angesammelt. Langsam fast lautlos fuhr der Zug in die Halle; ebenso lautlos wurde der Sarg aus dem Wagen getragen und auf den bereitgestellten sechsspännigen Prunkleichenwagen gehoben. Dann brach der Leichenwagen von berittener Polizei geführt und beschlossen, nach dem Palast des Prinzen Georg auf. Ueberall waren die Straßen mit Theilnehmenden gefüllt, die fchweigsam in tiefernster Stimmung das Haupt entblößten, im Austrage des Kaisers von Sesterreich wohnte Erzherzog Otto der Beisetzung bei. Um unseren Kaiser bei der Trauerfeier zu vertreten, hat sich Prinz Friedrich Heinrich Mittwoch nach Dresden begeben. Die feierliche Uebcrführung der Leiche des Prinzen Albert von Sachsen vom Dresdener Palast des Prinzen Georg nach der katholischen Hofkirche sindet Mittwoch Abend 8’/g Uhr statt.
lieber den eigentlichen Anlaß zu dem Unfall wird Folgendes gemeldet: Der Wagen des Prinzen Braganza, der das Gefährt des Prinzen Albert kurz vor Wölkau überholte, hatte Gummirüder, nur an der Deichsel einige tönende Schellen. Durch das säst lautlose Herannahen und dann plötzlich Klingen und Vorsausen des Gespanns scheu gemacht, prallten die Pferden des Prinzen Albert nach links zur Seite und gingen durch. Leibfäger und Kutscher wurden beim Sturz vom Bock nur unbedeutend verletzt, ebenso die Pferde. Hut und Koffer des Prinzen fand man später auf der Landstraße.
Die Wirren in China.
Die Note des Grafen Bülow.
Wie in Deutschland, so ist auch im Ausland die Note des Grafen Bülow fast durchgängig mit Beifall aufgenommen. Wie die Antwort der Kabinette lauten wird, steht natürlich noch nicht sest. Doch scheint sich Großbritannien bereits mit dem deutschen Vorschag einverstanden erklärt zu haben. Lord Salisbury soll angeblich die Botschafter der Großmächte vertraulich benachrichtigt haben, daß England Deutschlands Forderung beitrete, nach der die Bestrafung der Anstifter und Hauptschuldigen an den Boxergreueln die Vorbedingung sür den Friedensschluß sei; ebenso erachte Eng
land die Rückkehr des Kaisers von China nach Peking für unumgänglich nothwendig. Bedarf auch diese Nachricht noch der Bestätigung, so ist doch die Stellungnahme Englands sehr scharf in einem Telegramm Salisburys präzisirt worden, welches Lihungtschang vor seiner Abreise nach Schanghai erhalten hat; in diesem Telegramm erklärt Salisbury, daß die britische Regierung die Rückkehr des Kaisers Kwangsu nach Peking als sehr wesentliche Vorbedingung Her Friedensunterhandlungen betrachte. Die Anwesenheit des Kaisers in der Hauptstadt sei nothwendig, um 5ie Auflösung des chinesischen Reiches zu vermeiden, die sonst unvermeidlich sein würde; die Mächte würden dem Kaiser denselben Schutz gewähren, der jetzt dem Prinzen Tsching seitens der verbündeten Truppen in Peking zu theil werde. Der Hauptwunsch der Verbündeten gehe dahin, China zu erhalten, aber nichts würde sie ablenken von ihrer erklärten unwiderruflichen Absicht, Jene zu bestrafen, die verantwortlich sind für die Ausschreitungen, die Namens der chinesischen Regierung oder in anderer Weise verübt worden sind ; nöthigenfalls würden die Verbündeten diese Personen durch ganz China v erfolgen l a s s e n.
In den englischen Blättern findet das Rundschreiben de^Grasen Bülow durchweg vollste Zustimmung und entschiedensten Beifall.
Die „Times" beglückwünscht Deutschland herzlich, weil es zuerst die darin angekündrgte, einer großen Nation würdige Politik eingeschlagen, und bedauert nur, daß England gezögert habe, sich die Ehre des Vortritts zur Wahrung der Rechte der Gesittung zu sichern. Im weitern zweifelt das Blatt nicht, daß die in dem Rundschreiben so fest und klar nieder- gelcgte Richtschnur sich allen den Mächten empfehlen werde, die im chinesischen Reiche nur geschäftliche und Missionszwecke verfolgen. Daß der gemachte Vor- schlag von derjenigen Macht ausgche, deren Gesandter wirklich ermordet wurde, während bei. den übrigen der Mord nur geplant war, gebe dem Vorgehen Deutschlands den Charakter des besonders Passenden. Wenn ans irgendwelchem.Grunde eine oder andere der Handclsmächte Anstand nehmen sollte, Deutschland zu unterstützen, so würden sie nicht nur ihre Ehre, sondern aus die Dauer auch ihre materiellen Interessen schädigen. Deutschland nehme mit Recht eine unbedingt richterliche Haltung ein; es sordere nur eine echte gründliche Untersuchung und Strafe ohne Ansehen der Person und des Ranges. Diese Forderung sei ebenso gerecht wie politisch, und es stehe ernstlich zu hoffen, daß sie nicht nur die schnelle und herzliche Unterstützung Englands, sondern auch der übrigen verbündeten Mächte finden werde. — Auch „Daily Telegraph" begrüßt den deutschen Vorschlag als einen, der alle Spitzfindigkeiten beifeite schiebe und direkt sich auf die Hauptsache richte, auss wärmste und erklärt es als moralisch sicher, daß er die Zustimmung Englands und der Mehrheit der Mächte erhalten werde. „Standard" äußert sich ebenso entschieden: Der deutsche Vorschlag ruht auf vernünftiger Beur- theilung der Lage wie auf gerechter Entrüstung und
In den ersten Wochen ihrer Ankunft auf. Loschitz waren beide, noch unter den Druck ernster Zerwürfnisse leidend, 'neben einander hergegangen, jetzt begegneten sie sich in dem Wunsche, das alte Glück wieder zu finden. Das war wie ein stillschweigendes Ueberein- kommen.
Es war gegen Ende des Monats August, als die Baronin von einer in der Residenz lebenden Freundin erfuhr, daß Prinz Georg die diesjährige Jagd in F. abzuhalten gedächte. Sie las diese Mittheilung mit einem seltsamen Gemisch von Freude und Schrecken. Als der Baron ins Zimmer trat, verschwand das zierliche Briefchen rafch zwischen den Seiten eines Modejurnals. Sie wußte ja, wie unerwünscht ihm diese Nachricht wäre und fürchtete einen neuen Sturm.
„Ist Dir etwas?" fragte Hagendorf. „Deine Hand brennt ja förmlich!"
„Mein Gott, bei dieser Hitze —"
„Bei dieser Hitze? Der Regen tropft ja noch von den Bäumen."
, „Ja — aber im Zimmer —"
„So gehen wir ins Freie."
„Wie Du willst, Hugo."
Hastig raffte Ilka das Journal zusammen.
„Lass' es doch liegen."
„Jenny ist zu neugierig. Ich mag es nicht leiden, daß sie meine Sachen durchstöbert."
Das Blatt flog in eine Lade des Schreibtisches. „Haft Du etwas besonders Hübsches gesunden? Soll ich es Dir- kommen lasten,
Liebchen?" fragte der Baron zärtlich. „Wir wollen heute zusammen die Blätter durchsehen."
„Aber ich bitte Dich! — Männer verstehen doch nichts davon."
„Aber ich war doch bisher immer so glücklich, Deinen Geschmack zu treffen."
„Allerdings. Doch heute habe ich es mir in den Kopf gesetzt, Dich zu überraschen."
Er sah sie erstaunt an, und unter seinem Blick stieg ihr das Blut in die Wangen. Warum hatte sie ihm das Schreiben nicht gleich gegeben? Jetzt war es zu spät. Ihr Zögern hätte sicher eine falsche Auslegung erfahren.
Erregt trat Ilka an's Fenster. „Du hast recht, draußen weht eine wahrhaft erquickende Luft. Gehen wir ins Freie!"
Und stürmisch eilte sie die Schlotztreppe hinunter, die nach dem Park führte.
Hagendorf folgte.
„Frierst Du nicht, Ilka?" fragte der Baron, die Hand seiner Gattin ergreifend. Und als sie verneinte, hob er die junge Frau in seine Arme und trug sie über die vom Regen durchnäßten Gänge dem türkischen Pavillon zu. „Deine Füßchen sollen nicht naß werden."
„Wie gut Du bist, Hugo!"
„Es ist doch weder gut. noch schlecht, wenn man feinen theuersten Schatz behütet!"
Sie lehnte sich an seine Schulter und drückte ihm zärtlich die Hand. Doch ihre Augen mieden die {einigen.
(Fortsetzung folgt.)
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
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’n. Doch dürfen die beim Ladenschluß noch lull pejenben Kunden bedient werden. Darüber
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„Den habe ich. An mir soll es wahrlich 't liegen, wenn der Friede dennoch wieder wird," versicherte die Baronin.
M war ihr ernst damit. Sie bemühte sich ich; aber es giebt Erinnerungen, die nicht inben, wie es Wunden giebt, die nicht heilen.
Eifersucht verblendet hat ihr Hagendors ade das zum Vorwurf gemacht, wofür sie seine WUankenlose Dankbarkeit forderte: Die Flucht dem Vaterhause, das energische Hinopsern Familienbeziehungen. Wohl sagte sie sich: ttjat es in überstarker Leidenschaft, die jede legung ausschließt," allein eine wunde e, die nicht vernarbte und empfindlich blieb es nun doch in ihrer Seele — eine zer- che Saite, die beständig gitterte und mißtönend ingen mußte, wenn man auch noch so leise der hinstreisie.
indelsgewerbe.
Bon neun Uhr Abends bis fünf Uhr Morgens ssen offene Verkaufsstellen für den chäftlichen Verkehr geschlosfen
Von einschneidenster Bedeutung sind .
1 Oktober in Kraft tretenden Vorschriften ^ Ladenschluß und Ruhezeit im
hr
, an
boten, soweit nicht die Ortspvlizei Aus- Mnen gestattet.
lieber die gesetzliche oder statutarische Zeit resp. 8 Uhr Abends) hinaus dürfen Verkaufs- Een für den geschäftlichen Verkehr in solgen- Fällen geöffnet sein: 1. sür unvorhergesehene Wlle, 2. an höchstens 40 von der Orts- izei zu bestimmenden Tagen und spätestens 10 Uhr, 3. nach Bestimmung der höheren üvaltungsbehörde in Städten unter 2000
(Nachdruck verboten.)
e neuesten Änderungen der Reichs- Gewerbeordnung?)
Von Amtsrichter a. D. W. M a n t e h.
II.
Während der Zeit, in der die Verkaufsstellen „ Moffen sein müssen (also je nachdem zwischen rertrtj hr Aden s und 5 Uhr Morgens oder zwischen “'N Abends und 7 Uhr Morgens), ist das ilbieten von Maaren aus öffentlichen Wegen, raßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen ten ober ohne vorherige Bestellung von Haus Paus im stehenden Gewerbebetriebe nicht äber als im Gewerbebetriebe im Umherziehen
ten Geschäftsinhabern bestehen dürfen, dafür, kann die längere Ruhezeit eingeführt werden.
Und was diese Zurückgezogenheit betrifft — manche Frau, die sich vernachlässigt sühlt, ' । deren giebt es leider genug, würde jauchzen,
*fteB 1 kn es ihrem Gatten einfiele, sie einmal auf stilles Fleckchen zu entführen und dort mit an zu umgeben, was das Auge erfrNien kann, inmt erst der Winter, dann hält es Hagen- f ohnedies nicht mehr hier aus; dann treibt schon fein unruhiger Geist fort. Also Kopf
, ') Vergleiche den Artikel in gestriger Nummer.
: apjü -— --- — ---
(Nachdruck verboten.) .
Treue.
Roman von Ada Dörner.
(Fortsetzung.)
aus darf die höhere Verwaltungsbehörde für , Dber einzelne Geschäftszweige einer Ge- inbe oder mehrerer örtlich zusammenhängender einben anordneu, daß die offenen Verkaufswährend des ganzen Jahres oder während zum inunter Zeiträume im Jahre auch zwischen und neun Uhr Abends und zwischen fünf sieben Uhr Morgens sür den geschäftlichen skuMchr geschlossen sein müssen. Solche Ver- '^Ztungsauordnung ist indessen , nur auf An- von mindestens zwei Dritteln der beizten Geschäftsinhaber zulässig. Doch hat _ höhere Verwaltungsbehörde schon auf Antrag i, mindestens einem Drittel der beteiligten । jchäftsinhaber eine Abstimmung über die Eiu- nung der längeren Ruhezeit (acht Uhr Abends sieben Uhr Morgens) zu veranlassen. Er- ien sich auch nur zwei Drittel der Ab- mmenden, die aber lediglich aus bethei-
Einwohnern, sowie in ländlichen Gemeinden, sofern in denselben der Geschäftsverkehr sich vornehmlich auf einzelne Tage der Woche oder auf einzelne Stunden des Tages beschränkt. — Wer außer diesen Fällen als Geschäftsinhaber Morgens zu früh oder Abends zu spät den Laden offen hält, wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mk. oder mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Es muß ferner den in offenen Verkaufsstellen, in Kontoren und in Lagerräumen beschäftigten Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens zehn Stunden gewährt werden. In Städten von mehr als 20 000 Einwohnern beträgt die Pause nach der Arbeit bei zwei oder mehr Gehilfen und Lehrlingen mindestens elf Stunden. Außerdem steht allen für das Geschäft Angestellten eine angemefsene Mittagspause zu, und zwar von mindestens 11/2 Stunden, wenn sie ihre Mahlzeit außerhalb des die Verkaufsstelle enthaltenden Gebäudes einuehmen. Diese Ruhe- bestimmungeu dürfen nur außer Acht gelassen werden: 1. bei dringenden Arbeiten zur Verhütung des Verderbens von Maaren, 2. in Zeiten des Umzuges, der Inventur und Neueinrichtung, 3. an jährlich höchstens 30 von der Ortspolizei bestimmten Tagen. Sonst trifft den Geschäfts- Herrn, der den Vorfchrifteu über die Ruhezeit zuwiderhandelt, Geldstrafe von 3 Mk. bis zu 2000 Mk. und bei Unvermögen Gefäugniß von einem Tage bis zu sechs Monaten. *
Das sind in kurzen Umrissen die wesentlichsten Neuerungen des Gewerberechtes, die am 1. Okt. 1900 in Kraft treten.
Umschau.
Znrn Tode des Prinzen Albert von Sachsen
wird noch geschrieben: Einen ergreifenden Eindruck wachte die Ueberführung der Leiche von Wölkau nach Dresden. Von Wölkau aus wurde der Metallsarg mit der Leiche unter dem Geläute der Glocken auf sechsspännigem Wagen nach der Station Nossen gebracht. Den ernsten Zug eröffnete eine Abtheilung Ulanen, dann folgten der Leibjäger des Prinzen und zwei Hofbedienstete mit Kränzen und Blumen. Hinter dem Wagen ritt der Bruder des Verunglückten, Prinz Friedrich August und das Offiziercorps des Ulanen-Regiments Nr. 17, bei dem der Prinz gestanden, mit feinem Kommandeur an der Spitze. Bei Nossen schlossen sich noch mehrere Vereine mit trauerumflorten Fahnen, sowie eine weitere Ulanenabtheilung dem Zuge an, der sich nach dem Bahnhos bewegte. Hier
Tie gefürchtete Berührung erfolgte nicht, Hugo trug seine junge Gemahlin förmlich auf den Händen. Wäre es möglich gewesen, die Sterne am Himmel herunter zu holen und gleich schimmernden Diamanten auf ihren Weg zu streuen, so würde er es gethau haben. In Allem, was er tfjat und sprach, offenbarte sich die überschwengliche, reizvolle Thorheit dieses heiß- liebendeu Mannes.
Beiden schien es, als befänden sie sich wieder auf der Hochzeitsreise und sie hätten an einem versteckten Plätzchen Haft gemacht. Das verflossene Jahr mit den häßlichen Bildern unaufhörlichen Zwistes begann in nebelhafte Ferne zu rücken. Ter süße Rausch, welcher Hagendors beherrschte, erfaßte auch Ilka. Sie fing an, wieder Gefallen au diesem innigen, jedem fremden Blick verschlossenen Zusammenleben zu finden. Die Aussahrten zu Zweien kamen ihr nicht mehr eintönig vor, und noch mehr liebte sie es, von Hagendorf, einem der kühnsten Reiter, begleitet, auf feurigem Roß dahin zu sprengen und mit einer Art wilder Koketterie die gesährlichsten Hindernisse zu nehmen.
„Schade, daß hier nicht eine Laube steht, in der man Rast machen könnte", sagte sie einst, aus eine große, dicht von Nadel umgebene Wiese deutend.
Als sie nach einigen Tagen vorbei ritten, stand eine solche da, aus Tannenreisig erbaut. Tisch und Bank waren mit Blumen umwunden.
Tie junge Frau jubelte vor Freude aus, und als Hagendorf sie vom Pferde hob, schlang sie beide Arme wild um seinen Hals. „