Deutsches Reich.
• Berlin, 18. Septbr.
— Eine Meldung der „Westminster Gazette* von einem bevorstehende» Besuche des Deutschen
nachschleppenden, weiße» Gewände über de» Korridor »nd Hopste a» Hagendorfs Thür.
„Wer ist da?* fragte er ra»h.
„Ich, ich bin'Sl*
Die Thüre flog e«f. „Du? — Du kommst zu mir 8*
„Ja, weü ich Dir sage» will, daß ich mtt allem einverstcmde» bi», daß ich Dir ger», sehr gern »ach Loschitz folge, daß D« mich gleich morge» hinführe» kannst.*
„Ilka!* jubelte er. „Ist eS wahr? Willst Du wirklich um für mich lebe»?'
„Nur für Dich! Nichts verlauge, »tchtS erflehe ich als Dei» Glück »»d Dein Bertranen, und nichts werde ich vermifle», wen» es wieder so zwische» n»S würde wie einst.*
„Ganz anders soll er werde»! Biel besser! Jede» Wunsch, jede Laune will ich Dir a» de» Ange» absehen. Jeder Tag soll eine neue Ueber- raschuug bringen!*
„Ach, da» meine ich ja garnicht.*
„Ja, ja, ich weiß schon, waS Da meinst, Doch, wie tonnte ich jetzt noch an Dir zweifeln, mein Lieb, mein Alle», mein heiligstes Eigenthnrn!*
Sie fühlte sich von starke» Arme» umfaßt. Ihr Mu»d, ihre Wa»gen bra»nteu unter seinen Küsse».
„Hugo! — DaS ist ja, als ob Da mich zermalme» wolltest, Du böser, lieber Ma»», de» ich liebe und doch fürchte.*
„Fürchte»? — Er stellte sie sa»ft, als wäre ste aus zerbrechlichem Stoff geformt, auf den vodm. „Fürchten, vor mir, der feine Seele hiugebe» möchte? Weiß Du nicht, daß ich rS thäte?*
(Fortsetzung soll.)
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Mf gUbBttfag: Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdmckerei in Marburg. (5^,rt "tt 1 5 f Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur Hans Hupfer in Marburg.
Expedition: Marit 21. — Telephon 55. <t)»*il|**'**'tv** wVIWHUJjvVlwll* Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
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dästig entgegi»getreten werde» und zwar auSfolgeu- grfaben. ES ist nämlich in Betracht zu ziehen,
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itn Lay sofern man die Händler zwinge» wollte, um 8 Uhr
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। tt ohne Gehilfen oder um mtt Familienangehörige» Hm m Ladengeschäft betreibt, muß mtt jeder Stunde 11 ■ ib mit jedem Käufer rechnen. Er wäre eS, bei
nt Schaden von einer solche» Bestimmung haben
'/634( »Ich bitte Dich, bleibe mhigl Ich bin ger» i »ter frohe», heitere» Me»sche» und habe die Ein-
keinen Werth für mich, bettachte meine» Vorschlag
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Schloß zu mache». ES wäre also ein ganz einseitiger Akt sozialpolttischer Gesetzgebung, wenn dem
Noch ist aber das Gesetz nicht in Kraft getreten schon regt sich eine kräftige Agitation zur Herbei- mg deS Acht-Uhr-LadeuschlufseS. Diese« Unter» men aber muß, um gleich be» Anfängen zu wehren,
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>taes Vaters herrschte ja reger Verkehr. Aber Mvl es fein muß —*
- »Muß! Ich zwinge Dich nicht. WaS Du als Mer betrachtest nnb nicht freudigen Herzen thust,
£S«n wie weiches Wachs, dem man jede beliebige Mm gebe» kann? — „Nein, »ein, nein!* schrie eS
Die Nervofiiät steckt an. Auch JenryS gewandte «de zitterten, denn wenn die Auge» der gnädige»
daß fast die Hälfte der Ladengeschäfte ohne Hilfs- personal betrieben wird. In kleine» Städte», in des Dörfern würde eS gar nicht verstanden werden,
Der „Normal-Ladenschluß"»
I» das Gesetz betreffend die Abündernng der Güverbeorduung, daS »ach laugwiekigen Beratungen j, bei letzte» RrichstagSsesfion verabschiedet worden, M bekanntlich die Bestimmung aufgenommen, daß Kian alle offenen Verkaufsläden Deutschlands nm ggB Uhr abends geschlossen werden müssen. Die ßmisnvative» haben sich von vornherein gegen diese attvbcstimmung ausgesprochen und hat dabei —
, Jacabskoetter war bet Wortführer — in der ex Lesung u. a. auch auf bie Bäckereiverorbuuug ewiesen, um auf bas Unzuträgliche solchen blonifierenS aufmerksam zu machen.
Im RegierungSentwurf war bekanntlich bie Fest- asg einer bestimmten Labeuschlnß-Stunde nicht in zficht gekommen; eS war ein Minbestmaß der zeit für bie HaubelSangestellten festgesetzt und Labeninhabern oder deren Mehrhett an iacm Ort überlasse», über die Schluß
be sich setb st zu rutsch ei den. Die chstagsmehrheit aber beschloß, die Normiruug der chäftkzett von offenen Läden auf dir neunte Stunde nlegen, und auch bie Konservativen haben sich, daS sehr wichtige und wohlthätige Gesetz nicht Frage zu stelle», mtt dieser Bestimmung abge- en.
9 «v^züdon eine Ermäßigung ihrer Spesen nnb haben “ Ausfälle zu befürchten, wenn die Konkurrenz
e ist 5*8« al» einem Jahr. War das der Ehe gettäurntes vefel-öffdülk? Sollte sich das Weib immer schmiegen und
ebenfalls zu derselben Stunde die Thören zumacht. Der kleine Geschäftsmann aber, namentlich derjenige,
DM 2 m”^nien Verlangen nachgegeben werden würde.
’ ES ist begreiflich, daß große Geschäfte sich mit km Achtuhrschlusse befteunden; denn sie erwarten
Im nächste» Moment stand sie allein, de» Mund mb geschlossen, dir Blick» vor sich hin gewandt. | ~°ie hatte nicht einmal Zett gefunden, de» Fort- .Munendeu zurückzurufen. So ging es nun seit
LNachdruck verboten.)
Treue.
Noma» von Ada Doruer.
lFortsetznug«)
h - Man trägt bei derartigem Schablonifiren den (cMt Verhältnissen im kaufmännischen Ladengeschäft viel '> . i wenig Rechnung. Die Thättgkett darin ist thstr.1» igt anderen Berufsgeschäften gegenüber wesentlich
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suchten nugednldig die Haken des Kleides zu ÜkFl^ Men, vermochte» es aber »icht. Die Spitze» zer- Uffe» mit scharfem, unangenehme» Geräusch. Die Laroviu war es nicht gewöhnt, sich allein zu bediene». M , De» Schlaf au» den hübsche» Auge» reibend, . । die Kawmerjungfer herbei. Sie hatte nur im ^kstnhl ei» wenig geschlummert. In diesem Hanse Da» ja auf alles gefaßt sei» und durste nicht * biuhe denke», so lange noch Licht oben brannte.
HW» «um« — „am», nun, neun |n$ic c» 1 asteL« «f in ihr, ganz wie damals, als der Vater mit auWt ^hen Worte» Gehorsam forderte. Die schlanke»
verschiedene. Außer hinsichtlich der Thätigkeit in kaufmännischen Schreibstuben kann von einer intensiven Arbeit in den Ladengeschäften, die den ganzen Tag hindurch anhiettr, nicht gesprochen werde». Wohl giebt eS i» großen Geschäften sehr anstrengende Stunde», allei» auch dort ist in stillerer Zeit wieder Gelegenheit zum AnSruhen gegeben. Ebensowenig aber wie man sich befugt halten kann, den großen Geschäften, deren Personal tagsüber stark angestrengt ist, vorzuschreiben, daß sie mehr Gehilfe» anstelle», ebensowenig kann man n» solcher einzelnen Betriebe wegen, vorschreiben wollen, daß auch die kleinere» Ladengeschäfte, in denen eS nur zeitweise lebhaft zugeht, um 8 Uhr schließen, oder daß gar die ohne Personal wirthschaftenden Händler gegen ihre» Willen frühzeitig Feierabend mache». c.
Umschau.
Die Einberufung deS Reichstages soll, wie ei» Berliner Börsenblatt meldet, be» 23. Oktober bestimmt erfolgen. Soviel wir wissen, ist bei Einberufungstermin so genau noch nicht festge- üellt; ba er aber auf die litzteu Wochen des Oktober oder die ersten der November falle» muß und dabei immer nur ei» Dienstag in Frage kommt, ist eS nicht gerade sehr riskant, einen bestimmte» Termin zu nennen, der ja bann nur schlimmstenfalls nur um 8 Tage vorwärts ober rückwärts verschoben zu werben braucht. Daß bei Reichstag sich in erster Linie mit China-Kredtte zu befasse» und lange Kampfrede» bei radikalen Linken über sich ergehen zu haben wirb ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist eS aber, baß bie Mehrheit ben beuöthigten Kredit anstandslos bewilligen und daS Vorgehen in Ostafien billigen wird. ES darf schon jetzt die Erwartung ausgesprochen werden, daß bei be» wichtigen ReichStagssttzunge», von Venen bie radikale Linke sich große Dinge verspricht, jeder Abgeordnete zur Stelle sein wird. k.
Gegen unredlichen We'ttbewerb richtet sich ein Gesetzentwurf, der dem Bundesrathe vorliegt und in dem bestimmt wird, daß Garne aller Art nur in bestimmten, auf der Verpackung genau angegebene» Einheite» deS Gewichts verkauft werde» dürfe». I» verschiedenen Maaren- Häuser» find nämlich Garne zu „erstaunlich billigen Preisen* fellgehalte» morde», aus bereu Verpackung bie Angabe ber Meterlänge und des Gewichts fehlte. ES hat sich nun herauSgestellt, daß diese Garne bis zn V5 leichter bezw. kürzer waren als bie bisher im reellen Verkehr feilgehaltenen, nnb bezeichnenderweise find er die Fabrikanten gewesen, die auf diese Manipulation aufmerksam gemacht haben. Der Gesetz-
Frau gleich Irrlichtern flackerten, so bedeutete daS immer Schlimmes.
Ungeduldig stampfte» Ilkas zierliche Füße auf, und als die goldig schimmernde Robe auf be» Teppich sank, trat sie achtlos ober vielleicht absichtlich darauf herum. „Ew. Gnaben — das kostbare Kleid —* wagte bie Zofe schüchtern zu erinnern.
„Fort damit! Ich will eS nicht Wiedersehen!* Jenny hüllte ihre Herrin in ein gesticktes Nachtgewand, zündete die Ampel im Schlafgemach an, raffte, auf eine» erneute» Wink, de» schwere», seidene» Stoff zusammev nnb glitt leise hinaus, kaum fähig, ihre Freube zu verberge». Um solchen Preis konnte man ihre Launen schon ertrage». Ilka saß grübelnd da und sah in be» gegenüber hängende» Spiegel. War es nicht Wahnsinn, mtt allen Reizen der Jugend ge» schmückt von der Welt und ihren Freude» Abschied zu »ehme»? Sie blockte umher. Eine Fürstin hätte es nicht schöner habe» könne» — aber welche Herzens- öde und Lerlafsenheit auch irmtite» oller Pracht. Wie schnell war das finnbethöreude Glück ihrer junge» Ehe verrauscht. So lange sie mit Hugo bald zu Land, bald zu Wasser von Ort zu Ort reiste, da war es, als flöge» sie beide i» einen Himmel ungetrübter Seligkett hinein, doch später folgte ein ewiger, aufreibender Wechsel heftiger Szene» u»d kurzer FriedeuSschlüsse, nnb je häufiger diese Auftritte fich wiederholte», desto weniger kam eS zu einer wahre» Versöhnung.
Bei Gelegenheit eines HofballeS war Illa dem Adjutant des Prinzen Georg vorgestellt worden, ei» vortrefflicher Gesellschafter und vollendeter Kavalier, dem sie seitdem oft wieder begegnete. Sie liebte eS, fich mit ihm zu unterhalten; man sah ihn HS, fig o» ihrer Seite. Er zollte der schöne» Fra» de» Tribut der Bewunderung, wie e» andere auch «Haie»,
entwurs ist mit großer Genugthuuug zu begrüße», weil er derartige, dem Publikum unbekannte Ueber- vortheilungeu unmöglich macht.
Telegrammwechsel.
Der Kaiser hat nach ben letzten Wirbelstürmen i» TexaS an be» Präsidenten bei Vereinigten Staaten von Amerika in englischer Sprache ein Telegramm gerichtet, baS in deutscher Uebersetzung wie folgt lautet:
„An den Präfideuten der Vereinigten Staaten von Amerika Washington.
Ich möchte Eurer Excellenz den Ausdruck Meiner tief empfundenen Theilnahme an dem Unglück übermitteln, das über di« blühende Stadt und deu Hafen von Galvefion und über manch» anderen Thetle von Texas herein gebrochen ist, und Ich dauere mit Ihnen und dem Volk« der Vereinigten Staaten über den großen Verlust an Leben und Eigenthum, deu der Orkan verursacht hat. Ebenbürtig aber der Größe des Unheils ist der unbezwingbare Geist der Bürger der Neuen Welt, di« sich in ihrem langen Ringen gegen feindliche Naturgewalten siegreich bewährt haben. Ich hege die aufrichtige Hoffnung, daß Galveston zu neuem Wohlstand emporblühen wird. Wilhelm, I. R.“
Hierauf ist von dem Prästdenie» Mac Kinley folgende in deutscher Sprache abgefaßte Antwort eingegangen:
„Seiner kaiserlichen und königlichen Majestät Wilhelm II. Swinemünde.
Dir von Eurer Majestät der Regierung und dem Volk der Vereinigten Staaten übersandte Botschaft der Theil- uahm« und Mitl«idrb'z«uguvg ist höchst wohlthuend und angenehm, und im Namen des Volker und der Regierung sowohl, als der Tausend«, di« durch dar Galvestovkr Unglück unersetzlich«» Verlust und Schaden erlitten, statte ich Eurer Majestät verbindlichen Dank ab.
William Mac Kinley '
Die Wirren in China.
AuS Peking.
Wie wir gestern berichtet haben, ziehen bie Russen thatsächlich ihre Truppen aus Peking zurück nnb lassen sie in Tientsin überwintern. Neuerdings werbe» Versuche gemacht, auch bie anbei» Mächte dazu zu bewege», ihre Truppe» aus Peking zurückzuziehen. Dazu bemerkt nun bie „Times*: Das wäre aber ein grabezu ungeheuerliches Verbreche», ben» baS hieße alle eingeborenen Christen unb alle bie Chinese», bie während der Belagerung zu deu Fremde» gehalten habe», einer nnvermeidlichen Nieder- metzelung preisgebe». Die eingeborene» Christen und eine große Zahl von Chinesen habe» an der glückliche» Vertheidigung der Gesa»dtschaste» mitgewirkt, sie habe» tapfer gekämpft und wuthig »eben den Fremde» a» der Vertheidigung theilzenommen. Die Zurückziehung der Truppe» würde bie Unterzeichnung ihres Todesurtheils bedeuten; keine gesittete Macht könne das zulassen.
tanzte ger» mit ihr und ritt nicht feiten neben ihrer Equipage her. DaS hatte genügt, um Hagendorfs Eifersucht wie einen Fenerbrand auflodern zu lasse». Dieser Verdachte reizte Ilka. Sie fitzte ihm stummen Trotz entgegen nnb würbe ebenfalls heftig.
Heute aber buchte sie nach und hiell Einkehr in bie eigene Seele. Es erging ihr wie vielen Menschen, bie eine harte Beschuldigung leidenschaftlich zurückgewiesen habe» und bann doch darüber nachdenke» u«d grübeln müssen, um endlich an fich irre zn werden. Unb ba war er ihr plötzlich, als würbe ber Schleier von etwas zerrissen, was ste fich bi» dahin Sorgfältig verborgen gehalten, dem sie keine Berechtignng zugestehen wollte, und das doch vielleicht eine hatte. Regte fich nicht längst eine warnende Stimme, die fie mit Lachen und Scherzen zu übertöne» suchte, i» ihrem Inner»? Krankte die einst so innige Liebe nicht wirklich an der Wurzel? War ihr nicht zuweile» der fteilich immer e»ergisch bekämpfte Gedanke gekommen: „Mtt Schack wärst du glücklicher geworde» als mtt dem finstere» Hagendorf?* Hatte fie die Toilette von mattem Gelb und die flarnmendrothe» Blüthen nicht gewähll, weil der Graf diese Farben liebte? ,
Unwillkürlich, ganz absichtslos, blickte ste wieder in de» Spiegel und erschauderte leise, ben» er zeigte ihr baS Bilb eines Weibes mit glutübergoffme» Wange», Sie wandte fich ab, tonnte aber des Eindrucks nicht lebig werde», als kröche aus jedem Winkel etwas hervor, etwa» Nebelhaftes, Hnbe. stimmteS, Entsetzlicher, eine Gefahr, vor der fie Schutz suche» mußte — nnb wer konnte ihr biefen Schutz gewähren, wen» nicht bet Man», dem fie für Zett und Ewigkeit angehüre» sollte?
I» Eilschritte» huschte Ilka in ihrem lang»
Ueber bie Schuld ber chinesischen Regierung werden neu belastende Einzelheiten gemeldet:
Nach Aufhebung der Belagerung wurde von hohen chinefische» Beamte» festgestellt, daß am 10. Juni ei» Ultimatum au die Gesandte» geschickt worde» war, das diese» befahl, Peking innerhalb 24 Stunde» zu verlasse», und daS freies Geleit bis Tientfin versprach. ES war aber schon vorher vou der Kaiserin auf Rath deS Generals Tungfuhfiang beschlossen worden, sämmtliche Gesandten während bei Reise nach Tientsin zu Übten. Als bie Gesandten daS Ultimatum empfangen hatte» nnb um eine Unterredung mit dem Tsungliyame» für den 20. Juni ersuchten, änderte man die Ansicht nnb man beschloß, bie frernbenGesandten während der Sitzung deS Tsungliyame» zu ermorde». Die Ermordung deS Herrn v. Kettel« am Vormittag desselben TageS war verfrüht »nd wnrde von der Kaiserin und ihren Rathgeberu bedauert, weil dieser Mord ohne Zweifel daS Leben der ander» Gesandten gerettet Hai und vielleicht sogar die ganze Fremdenkolonie von Peking.
Prinz Tsching besuchte am 7. Sept, die Gesandtschaften in Peking. Der italienische Gesandte empfing ihn in der Ahnenhalle der Dynastie, einem geheiligte» Gebände, das bisher »ie von einem Fremden betteten wurde, und in dem fich jetzt die italienische Gesandtschaft befindet. Prinz Tsching schien unfähig fich die Lage seines Landes klar zu machen und er bat um die Erlaubtüb, daß die chinefische» Beamten ihre Funktionen in Peking wieder aufnehmen dürfen. Er ist der Ansicht, alle Beteiligten Mächte feien durch Schadenersatzleistungen zu befriedige». Dari» dürste er fich allerdings irre». UebrigenS fei bei dieser Gelegenheit mitgetheilt, daß Li Hnng-Tschang i» Schanghaivon dem deutsche» Gesandte» empfangen worde» ist. Der deutsche Gesandte hat das lediglich zum Zweck der Prüfung seiner Vollmachten getan, um dem deutsche» Kaiser berichten zn tonnen.
In Peking schwer krank zurückgelassen find »ach in Kiel eingegangenen Meldungen: a) Vorn Detachement Pohl: FenerwerkSmaat Beek von „Kaiserin Suansta*, Bootsrnaunsmaat Schröder von „Hertha*, Obermatrose Walbecker unb Matrose Kruse von „Irene*, Mattosen Reeberg und Frick vo» „Hansa*, d) Vom Detachement Soden: Seefolbaten Frenze! und Klaus. Meistens find es typhöse Fieber, an denen die Soldaten erkrankten.