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WSHmMHe Nsttage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
*■■** Mlnstrirtes Sonntagsblatt. ’h"dw“w * »eh' **
Die Aufgaben der Mächte.
Mit de« Einzug der Mächte in Peking und der Lefteiuug der Gesandte» ist am ein Theil der Auf gaben gelöst, die in China der Lösung harren. Rehr den» je wird eS jetzt der vollen Einigkeit der Rächte bedürfen, um die Aktion einem glücklichen Ende zuzuführen. Zunächst gilt es, gemeinsam Peking zu okkupieren, um die diplomatischen Verhandlungen mit dem nöthigen Nachdruck unterstütze» zu können. ES bleibt natürlich abzuwarten, ob die Besetzung von Peking schon genügt, um von China die uothwendigeu Garantien für die zukünftige Sicherung des fremden Handels und der fremden Interessen zu erlangen. Sollte das nicht der Fall sei», so werde» sich die Mächte auf das weiter zu befolgende milttärische Programm zu eiuigeu habe». Pemerkeuswerth ist i» dieser Beziehung eine Auslastung der „Kreuzzeitung", zumal man annehme» !m«, daß darin die Ansicht sehr beachteuSwerther «reise zum Ausdrucke kommt. Das Blatt führt aus:
.... Da ist »H» zweierlei möglich: Entweder die jetzige chinesische Regierung wird anerkauut »nd tod daS Organ des strafenden Willens der Alliirte» »der die Verbündete» erkenne» eine andere bereits koustitutrte oder zu konstitnireude Obrigkeit in Peking «18 diejenige an, mit der sie verhandeln. In beide» Men wird eine längere militärische Okkupation Pekings unerläßlich fei», einmal, uw zu behaupte», »as bisher militärisch errungeu ist, da«» aber, um nach Bestrafuvg der Schuldige» die »othweudige» Bürgschaften für die Zukunft und die Bezahlung der «geheuere» Kriegskosten zu erzwingen, die China der Welt aufgedruugeu hat. Das alles sind Dinge, die »ach einem fiegreicheu Kriege sich aus dem geltevden Völkerrecht als s e l b st v e r st ä n » d l i ch e Forderungen ergebe». Die Dauer der Otdr- patio» Pekings wird in Abhängigkeit stehe» von jenen Bürgschaften, die China zu leisten hat und die durch Stellung von Geisel» und Bese tz u « g chinesischer Häfen und anderer ßrategifch wichtiger Punkte gesichert werde» könne». Die Kriegsentschädiguug, die bei der geringen Ent- »ickluug des chinesische» Finanzwesens auf dem bisher üblichen Wege der Belastung der Zoll- Einnahmen Chinas nicht zu beschaffe» wäre, ist -der nur durch eiue gänzliche Refor- »ierung der chinesische» Finanzen zu erreiche», wie sie uur unter europäischer Leitung erreicht werde» kann. Bekanntlich ist China eines der reichsten Länder der Erde, es hat »ehr Millionäre als jedes andere Land der Welt; tob doch Li-Huug-Tschuxg, wenn auch vielleicht übertreibend, auf 2 Milliarde» Mark Vermögen geschätzt — eine Vermögens- oder eine Einkommen-
16 (Nachdruck verboten.)
Die Ehestisterin.
Bo» H. PalmS-Paysen.
■eftfcrm »»» Marietta T-nelli, Mädcheuliebe, AmMälarse, Ein Hochzeitstag re.
Sie trug dieselben in einem Tuch ix der Hand, in « andere» hielt sie ein Paar zierliche leichte Schnhe, « sie sich eben von de» kleine» Füßen abgestreist hatte, v» de» Sand daraus zu entfernen. Oben auf der Höhe srllteu sie wieder angetha» werde». Ei» lustiger, Wger Bursche, er war daS liebenswürdige Kind der Ächeu KaufmannSftau, dessen Uebermuth Neidens «ben vor Kurzem gefährdet, hatte eS jedoch ver- «mden, ihr eine» derselben heimlich zu entwenden »rd denselben de» Abhang hinunter geschleudert und
daun lachend mit seine» Genosse» davon ge- »rmt. ES dü»kte den llebermüthige» einen heillose» kpaß, daS Mädchen hernach Mit nur einem Schuh Krückkehreu zu sehe».
Ella klomm, ohne die ihr widerfahrene Tücke zu ch»en, beheude die Höhe hinauf, manchmal stehe» «eibeud, um Athem zu schöpfen, oder die eine oder *adere Kleine durch Zuruf aufzumunter», was ihr «vH vortrefflich gelang, denn plötzlich wurde es still *»b leer um sie herum, nur zwei kleine Mädchen «liebe» als Nachzügler bei ihr zurück. Daß noch ein öderer vom Strand herauf ihr folgte, daß er ei» deheimnir volles dunkles Etwas in der Hand trug plötzlich an die Lippe» drückte, als er nicht mehr do» ihr entfernt, ihre unbeschuhte» allerliebsten W vor sich die Höhe hinaufklimmen sah, hatte sie M nicht bemerkt, bis sie sich umwandte. Es ge- ^ah ehe» in dem Augenblick, da Ernst stehen blieb, ** sich voll und ganz an dem sich darbietendeu
steuer würde daher nicht nur die Mittel zur Zahlung der KriegSkoste» mit Leichtigkeit schaffe», sonder» auch, waS doch sehr wesentlich ist, der Centtalregierung die Msttel in die Hände liefern, die eS ihr möglich mache», die Wnude« des Kriegs zu heile» u»d sich von der Abhängigkeit zu emancizieren, i» der sie von de» dlutfaugerifcheu Vizeköoigeu der einzelnen Provinzen steht."
Wie man sieht, ist das ein Programm, und zwar eines, welches gewiß de» Beifall sämtlicher Mächte finde» kann. Jndeß mnß man doch auf der andere» Seite berücksichtige», daß es verkehrt wäre, durch eine allznstraff gespauute Steuer den chinesische» Handel und die chinesische Kaufkraft zu untergrabe». Ma» darf »ie aus dem Auge verliere», daß doch im Gruude genommen jede Kolonialpolitik Handels- und Wirth- schaftsinteriffeu verfolgt und daß es etter rationellen Kolonialpolitik widersprechen würde, wen» man die dauernde wirthschaftliche Fruktifizieiung eines Landes einer momentanen Ausbeutung zu Liebe aufopferte. Ma» muß, wie überall mit der Leistungsfähigkeit Chinas und der Chinese» rechne» und die reale» Ver. hältuisse mit ivbetracht ziehe», die Frage also, was China zahle» kan». Hierauf aber wirst eine ei»gkhe«de Betrachtung der kolonialpolitisch gewiß uichtS zu wünschen übrig losseudeu .Rheinisch Westfälische« Zeitung" ei« grelles Schlaglicht. Das Blatt schreibt:
.Ob China faktisch allen Mächten eine solle Kriegsentschädigung zahlen können wird daS ist sehr fraglich. ES hat bereits 11 Anleihen zu 4 bis 8 pCt. ix Höhe von 1500 Millionen Franc» gemacht, für die jährlich etwa 80 Millionen Zinsen zu zahlen sind. Japan erhielt seinerzeii für de» zweijährige» Feldzug eine Kriegs- kosten-Entschädigung von 300 Millionen Yen (1 Ye» = etwa 2,10 M.) oder etwa 770 Millionen Francs. Die verbündet!» Mächte werde» vermuthlich viel mehr Truppe« i«8 Feld führen, als Japan int Jahre 1894. Wenn sie da«» zusammen ebenfalls 770 Millionen Franken beanspruchen, so wäre das viel- leicht viel zu knapp gerechnet. Wer wird China, wo man sich jetzt so unsicher fühlt, diese Summe aber leihen? Und wie soll es die Zinsen dafür aufbringe«, die bei 5 Prozent schon fast vierzig Millionen Franken betrüge»? Denn Chinas «esammteinnahmen aus Zöllen aller Art (Seczölle») betragen rur 22V2 Millionen Haikvax (L 2,94 Mk.) oder etwa 93 Millionen Franke«, die nur zur Verzinsung der bisherigen Anleihe« reiche«, oder soll man die fünfprozeutigex Seezölle erhöhe«? Aber die .Politik der freie« Thür" würde durch solche Zollerhöhuugex wenig gefördert und die Waarenein- fuhr aus Europa erschwert werde», zum Nachtheil des Handels, dessentwegen die Mächte sich hier ja hauptsächlich nur festsetzen. Die Aussichten d e s H a u d e l S find aber für die nächste Zukunft
reizenden Bilde zu entzücken, a» ihrer süße» Gestalt, ihrem verwehte» Blondhaar, a» den bewegliche», vom flatternde« Gewände umhüllten Glieder». Ein un- wMmlicher ftohlockender Ruf entschlüpfte EllaS Lippe» bei seinem Anblick.
„O, Ernst, da find ste jal Wo kommen Sie her? Aus dem Meere, au, den Lüfte» aus dem Inner» dieses Berges?"
.Ja, und ich habe mit eine» wundervollen Schatz aus der Tiefe geholt."
Er preßte die Hand, welche de» Schuh umschloß, gegen die Brust und knöpfte de» Rock darüber.
Ella dachte in diesem Augenblick gar nicht an ihre unbekleideten Füße. Sie war allzn ftoh über sein Erscheinen und die Freude darüber leuchtete ihr aus den Augen."
.War für eine» Schatz?" fragte sie »engierig Ernst lächelte geheimnisvoll.
„Du," redete er das eine der kleinen Mädchen an, .faß mich mal an, ich zieh' Dich hinauf."
Er wünschte die Kinder am liebste» aus Eude der Welt. „Komm, Sichte," munterte er das Kind auf, .erst Du, da»» Dein Schwestetche».'
„Ich bin nicht ihr Schwesterchen," fiel die zweite Kleine ihm ins Wort. „U«d ich bleibe lieber bei Ella — ich habe Ella so lieb."
„Das glaube ich wohl," stimmte Ernst ei» und sah Ella dabei innig an.
Sie lächelte etwas verlege», blickte znr Erde und that eine» Schritt, um de» Beiden z« folge». Im selbe« Augenblick stand fie wie angewurzelt da und wurde ganz roth. Sie hatte ja ihre Schuhe »och in der Hand. Und als Ernst mit dem kleine» Mädche» den Berg hinaufeilte, merkte fie, daß eS nur einer war. Ganz bestürzt blickte fie umher,' that einige Schritte zurück und wagte sich nicht von
infolge der europäerfeindliche» Lohkottbewegung im Reiche der Mitte, durch die Ermordung der Fremden und der einheimischen Christen, durch Zerstörung der Eisenbahnen, Handelsniederlassungen und sonstige» europäische, Anlage» ohnehin recht traurig.
DaS hier entrollte Bild von der Wohlhabenheit Chinas ist recht bedenklich und zeigt, daß es verkehrt wäre de» Bsge« allzu straff zu spannen und das Land einer Verarmung entgegenzuführen, die den handeltreibenden Nationen gewiß nicht von Nutzen ein kann. DaS Handelsintercsse aber war es ja gerade, daS die europäischen und sonstigen fremde« Mächte Beziehnnge« zum ostafiatischeu Reiche an- knüpfe« hieß.
Die Wirren in China.
Graf Waldersee beim Kaiser.
Am Sonnabend Mittag 12 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Grafen Walders» in einem Wage» zum Residenzschlosse i» Cassel. Sowohl der Kaiser als Graf Waldersee trugen die Uniform der Königs- ulnniU, Als der Kaiser um 12Vz Uhr ben Saal des Schlosses betrat, bi tten die Offiziere des oft» asiatischen Oberkommandos dort Aufstellung genommen. Der Kaiser ließ sich vom Grafen Waldersee die Offiziere vorstelle» und begrüßte sie einzeln. Dan« hielt der Kaiser an de» GrafenWaldersee und seinen Stab folgende Ansprache:
„Ich begrüße Sie in dem Moment Ihrer Abfahrt aus dem Vaterland« und gratuliere Ihnen dazu, daß Sie aus- erwählt sind, als Stab unter der Führung und Leitung unseres bewährten Feldmarschalls Waldersee die Campagne in China mitmachen zu können. Lieber Waldersee! Ich spreche Ihnen Meinen Glückwunsch aus, daß Ich Sie nochmals am heutigen Tage als Führer der vereinigten Truppen der zivilistrten Welt begrüßen darf. Von hoher Bedeutung ist es, daß Ihre Ernennung zum Ausgangspunkt hat die Anregung und den Wunsch des Kaiser« aller Reußen, des mächtigen Herrschers, der weit bis in die afiarischen Lande hinein seine Macht fühlen läßt. Es zeigt dies wiederum, wie eng verbunden bie alten Waffentraditionen der beiden Kaiserreiche sind. Ich begrüße eS mit Freuden, daß auf die Anregung Seiner Majestät hin die gejammte gesittete Welt ohne Unterschied aus freiem Antrieb Euere Exceller-z nunmehr mit dem Kommando über ihre Truppen betraut hat Wir können als preußische Offiziere dankbar und mit Stolz erfüllt sein ob der Aufgabe, die Ihnen zugefallen, denn eS wird darin die einheitliche Anerkennung für unser ganzes militärisches Leben und Wirken ausgesprochen, sowie für daS militärische System und die Ausbildung der Führerschaft unserer Generale und Offiziere. Zum Zeichen Ihrer Würde über» reiche Ich Ihnen am heutigen Tag» den Feldmarschallstab, indem Ich hoffe, daß Sie ihn führen «erden mit der altgewohnten Frische, mit der Sicher- beit, die Sie immer entwickelt haben in wichtigen Augenblicken, vor allen Dingen mit Unterstützung der Rorsehuug, ohne deren Hilfe selbst der beste Soldat nichts zu leisten im Stande ist Ich schließe mit dem Wunsche, daß eS Euerer Excellenz beschieden sein möge, die Aufgaben, Wilcher
der Stelle z» tühre», als Ernst wieder bei ihr aalaugle.
„Nun kommst Du," befahl Ernst, indem er die Hände des zweite» kleine» Mädchens erfaßte, mn auch dieses hinauf zu befördern.
„Holst Du daun aber auch Ella, und gehe» wir da»» zusammen weiter?" erku»digte sich die Kleine.
Ella stand wie mit Purpur übergoffen.
„Was fange ich an," Jagte fie mit einem hilflose» BUS, de» einen unter ihre» Kleiderfalte» ver- borge» gehaltene» Schuh ei» wenig hervorziehend — „ich kan» nicht weiter gehe», nicht eher, als bis ich meinen zweiten verlorenen Schuh gefunden habe."
„O — ach," bedauerte Ernst mit einem heuchlerischen Lächeln, „da bleibt uns nichts übrig als zu suchen. Hätt' ich meinen Jagdhund hier, würde ich sagen: Diana, apporte! und Sie wäre» gleich ans der Verlegenheit."
„Liebes, süßes Gretchen," bat Ella, „such ihn mir, Du sollst morgen auch eine ganze Schachtel voll Muscheln haben."
„Und von mir eine große Bonbonniere, ob Du ihn findest oder nicht," verhieß Ernst.
„Wollt Ihr aber auch warten?" forschte die Kleine.
.Ganz gewiß, wir setze» uns da obe» i» den Sand u»d sehen Dir zu, und ich komme und helfe Dir suchen. En avant, Kleine 1"
Ernst hatte erreicht, was er gewollt. DaS Kind prang davon und begann zu suche», während Ella eine» Arm nahm, um langsam durch den Sand die etzte Strecke hinaufzuklimmen.
„So geht's schlecht," meinte er, »ahm ihr daS Tuch mit den Muscheln ab, warf das Päckchen mit
Art fi« auch sein mögen, ob langwierig oder schnell, blutig oder nicht, so zu Kisten, wie Sie es wünschen und wie wir Alle ohne Ausnahme ,s wünschen, die wir Ihnen unsere Truppen anvirtraut haben. Im Jntereffe unser,« Volke« wünsche Ich, daß unsere gemeinsame Expedition eine feste Bürgschaft gegenseitiger Anerkennung und gegenseitigen Frieden« für die europäischen Mächte werden möge, wie dies der Kaiser von Rußland im vorigen Jahre auf anderem Gebiet« versucht hat. WaS im Frieden nicht hat beschieden sein können, ist nun vielleicht mit den Waffen in der Hand zn erreichen."
Graf Waldersee erwiderte: „Eurer Majestät lege ich meinen innigsten Dank zu Füßen für die überaus guädige», mich ebenso ehrende» wie tief bewegende« Worte. Die Reihe von Jahre», die ich die Ehre hatte, unter Euerer Majestät Befehl zu stehe», find gleichbedeutend mit einer Kette von Ehrungen und von Auszeichnungen und Beweise» Allerhöchste« Vertraueus. Eure Majestät habe» mich zu dem höchsten Range der militätische» Hierarchie aufsteigen laffen. Es ist mir nur eins versagt gebliebe», daß ich meinen Dank in Thate» umsetzte. Daß nunmehr Ew. Majestät mir die Gelegenheit gegeben habe», dies zu thu», beglückt mich in hohem Maße. Ew. Majestät haben diesen wichtigen Moment benutzt, mir auch das äußere Zeichen meines Ranges zu verleihen und dadurch die Bedeutung i» hohem Maße gesteigert. Ich bitte Ew. Majestät die Derstchernng gnädigst axzu- nehme», daß solange der Arm die Kraft behalte» wird, diese» Stab zu halten, ein Befehl zum Rückzug über meine Lippe» nicht komme« wird. Ich bitte Euere Majestät zu glauben, und ich darf das im Namen des ausgezeichnete» Stabes, de« Euere Majestät wir gegeben habe», aussprechen, daß alle Herren mit mir einmüthig find, unser Letztes daran zu setze«, Euer Majestät treu zu bienen nab ben letzte» Blutstropfen einzusetzen für Eurer Majestät nnb Deutschlands Ehre".
Inzwischen war auch die Kaiserin, bie mit der Gräfin Waldersee in einem Wagen fuhr, im Schlosse avgelangt, worauf sofort das Festmahl zur Feier des Geburtstages des Kaisers Franz Josef seinen Anfang »ahm. Nach dem erste« Gauge erhob sich der K a i s e r u»d trank auf das Wohl seines erhabene» Freundes und Buxbesgeuosse«, den Kaiser Franz Josef von Oesterreich. Um 21/, Uhr war das Mahl beendet. Der Kaiser unterhielt stch lebhaft mit bim österreichischen Botschafter, während die Kaiserin sich von bem Grafe« Waldersee verabschiedete nnb um 2^2 Uhr ba8 Schloß verließ, um nach WilhelmShöhe zurückzukehren. Bo» 3 Uhr ab begax» bie Abfahrt der Gäste, die sich theils in ihre Hotels zurück begaben, theils zum Bahnhofe. Die Straßen nach dem Bahnhof und zum Königsplatz, wo die großen Hotels liegen, waren von einer dichten Mensch ert
eiltem geschickten Schwung hinauf, erbat sich dann den Schuh, de» er mit einem kleinen boshaften Lächeln in die Tasche steckte, und reichte ihr hiernach beide Hände. Fest seine Füße in den Sand stampfend, zog er ste, rückwärts gehend, Gesicht gegen Gesicht gerichtet, ihre weiche», kleine» Hände fest in de» seinigen haltend, langsam, sehr langsam hinauf.
Die kleine, kecke Ella überkam eine ungekannte Befangenheit. Sie blickte bald seitdwärts, bald vor sich nieder mit dem Empfinden, daß Ernst kein Auge von ihr wandte mit jenem nnertrSzlichen Bewußtsein, dar wir habe», wenn uns jemand lange und beobachtend ansieht, auch wenn der eigene Blick nach der entgegengesetzten Seite hingewendet ist.
Ernst sah von ihrem tiefgebeugte» Söpfche» nur ein verlorenes Profil. Was er diesen Augenblick empfand, war ihm fiemb, er hatte niemals Leidenschaft gekannt. Sein Herz schlug schneller, Gedanken und Empfindungen drängten zum Ausdruck und doch kam kein Sterbenswort über seine Lippe. Er war eS schlecht gewöhnt — anderes als in der an» erzogenen Subordination des Dienstes —, sich zu beherrschen, und am liebsten hätte er fehle ganze Liebe und Zärtlichkeit für dieses Mädchen ohne Worte, allein dadurch kund getijan, daß er eS ix feine Arme gezogen und ihm Augen und Lippe» ge» küßt hätte. So fiegeSgewiß war er diesmal jedoch nicht. Im Gegeutheil — die jüngsten Erfahrungen hatten ihn scheu und nnficher auf dem Gebiete der Herzensempfindungen gemacht.
„Ich ermüde Sie — ich gehe zu schnell, nicht wahr Ella?" fiagte er, obgleich beide wie die Schnecke» schlichen. Er wollte durchaus ibre» Blick zu sich aufzwingeu. Und als dies geschah,' blieb er stehe».
(Fortsetzung folgt)