Einzelbild herunterladen
 

»

WSchenMche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

MO M WWOr - Zllustrirtes Sonntagsblatt.

M 151

se

8,-86 Ml. («tfl. StfleHpS), 3N«tS»$l$e>Sfc $: di« -«- i ** taM tat r» *fu Rtfisow «» M« Pf,

Marburg

Sonntag, 1. Juli 1900.

«nzrigin nehmen entgegen: di« Expedition dieser Blatter, di« Annoncrn-

Cxttnii von HaasenstÄn & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd«' nt CY/rfirrt dxra, SBUn; Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berlin, München, Kola;

$, L Daxb« * To., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris x.

Zweites Blatt.

Machdrnck verbotew)

Streifzüge durch die Pariser Weltausstellung.

Bon Paul Lindenberg.

Frankreich in d«n Palästen der Invaliden-Esplanade Der Kaufmarkt des französischen Kunstgewerbrs Kirch­liche und dekorative Kunst. Wohnungseinrichtungen Iahrhunoert-Rückblick«. Erinnerungen an den ersten Napoleon. Bronzen und Goldschmiede - Sachen. Einzeln« Sammlung«». Das Feenreich der Diamanten. Alleihand Uhren -- Die kleinsten Bücher. Gobelin-

AuSstellung. Idyllisch« Winkel.

In ben rechter Hand gelegenen Palästen der In­validen «Esplanade tummelten wir uns meist auf internationalem Gebiet umher, jene links liegenden find ausschließlich Frankreich gewidmet und zwar ben dekorativen Künsten, ben Wohnungseinrichtungen, den verschiedenen Zweigen des Kunstgewerbes. Bekannt ist ja, was gerade in dieser Hinsicht Frankreich und ttamentlich Paris leistet, aber an vielen Stellen »erben die weitgespannten Erwartungen doch noch übertroffen, hier feiert ein seit Jahrhunderten aus­gebildeter Geschmack, eine seit eben so langer Zeit emsig geübte Technik ihre höchsten Triumphe, und mit bei Freube, all' baS Schöne nnb Herrliche zu sehen, verdinbet sich die Bewunderung über den Reich thum des Kunstgewerbes und den Reichthum des Lande», welche» dieses Kunstgewerbe so zu hätscheln, so zu pflegen, so zu beschäftigen vermag, wie e» in Frankreich noch immer der Fall ist.

Nicht daß wir gerade viel Nene» sehen, denn diese» von so vielen politischen Umwälzungen heim gesuchte und sonst die Abwechslung so liebende Land ist ja in anderen Beziehungen das konservativste der Welt, aber wa» uns in so überraschender Fülle ge­boten wird, ist fast alles ersten Ranges und verdient die größte Anerkennung; billige, minderwerthige Sachen fehlen gänzlich. Ädn Wunder wer Gelegenheit hatte, sich in Frankreich umzuschauen, weiß, daß selbst der wohlhabende Miitelstand weit weniger behaglich und fteundlich eingerichtet ist, als bei uns die ärmeren Kreise, der Durchschnitts-Franzose giebi mehr auf ein zinstragendes Papier, wie auf ein gemüihliches Heim; in ben wirklich begüterten und reichen Ständen aber findet man einen desto größeren Luxus in den Wohnstätten, wobei auf Vornehmheit, auf Gediegen­heit gesehen wird nach Gipsfiguren, nach Bunt- druckoildern, nach Brüsseler Teppichen, nach Gegen­ständen an» unächtem Porzellan, aus Zinkguß und Alfenide wird man vergeblich Umschau halten. Nicht daß unser Kunstgewerbe heute etwa nicht das Gleiche und zu denselven Preisen zu leisten vermöchte, wie da» französische, nein, denn daß e» dazu im Stande ist, haben wir ja in den fremden Abteilungen ge­sehen, aber um seine volle Leistungsfähigkeit entfalten, nm mit dem französischen würdig wetteifern zu können, dazu fehlen ihm noch immer die genügende Unter­stützung jener Klaffen, welche die Mittel dazu haben, aber nicht den Trieb, sie geeignet zu verwenden!

Auf den Inhalt dieser linksseitigen Paläste deutet schon der monumentale Haupteiugarg hin, dess n Balkon von Karpatiden getragen wird, während in der hochbogigen Eintrittshalle Statuen und Brunnen aufgestellt find und schwere Vorhänge zu beiden Seiten der breiten, zum oberen Stockwerk führenden Topp: herabfallen. Link» öffnet stch der Zugang zur Ab- theilung der kirchlichen Kunst mit zahlreichen, mehr ober minder sorgsam ausgeführten Kruzifixen, mit Altären, deren Marmor - Reliefs Szenen aus der Heilandsgeschichte barstellen, mit kunstvoll geschnitzten hölzernen Kanzeln, mit Heiligenfiguren und schließlich mit einer sehr wirksamen, die ganze Schmalseite eines Saales einnehmenden plastischen Gruppe, deren Einzelgestalten in Lebensgröße gehalten sind: Christus, von römischen Soldaten vor Pilatus geführt, ge­lästert von den durch die Ligionäre zurückgedrängten Inden da» Ganze von großer, bewegender Lebenswahrheit. Mehr nach rechts öffnen fich in langer Flucht die lichten und freundlichen Räume, in denen wir zunächst auf all' das stoßen, was zur kunstvolleren Einrichtung bet Häuser und Wohnungen verwandt wird, von den farbigen Mosaikböden der Flure, von Tapeten an bis zu schmiedeeisernen Zier rathen der Dächer und mächtigen dekorativen Kämmen mit Holz- und Marmor-Gruppen als Krönung; an den Figuren der Jungfrau von Orleans in allen nut möglichen Metallen fehlt es ebenso wenig wie an Zimmer» und Gartenbrunnen, an gewaltigen

Portalen, an Vasen, Kronleuchtern rc. in mannig­fachster Gestaltung.

Von echt künstlerischem Reiz sind die oft von Meisterhand (so von PuviS de Chevanue) stammenden Entwürfe zu malerischen Darstellungen bestimmtet Erzeugnisse, u. A. das Cidre, des Benediktiner-Likörs, und gleich Gemälden wirken viele der wandbreiten, meist aufgespannten Teppiche, wie Gobelins mit auf­fallend zahlreichen graziösen Szenen aus der Maintenon- und Watteauzeit, lockere Jiyllen des Versailler Hof- lebenS vetanschanlichend. Sroffe darunter wunder­bare Brokate, Seiden und Damaste, ein Meter bis zu 3400 Franks, die zu Tapeten und Dekorations­zwecken, wie zur Bekleidung von Sitzmöbeln dienen, Ledertapeten, Stickereien rc, dann eine stark beschickie Abtheilung des Beleuchtungswesens mit häufiger Ver­wendung der Stilmuster Ludwigs XIV. und XV. leiten allmälig za den Möbeln und ganzen Zimmer« wie Wohnungseinrichtungen über, die zum Theil auch im oberen Geschoß Aufnahme gefunden.

Weich' ein Genuß, langsam diese Säle zu durch­wandern und vor den einzelnen Kojen in freudiger Betrachtung zu verweilen! Hier von diesem hellgelb getönten Schlafgemach mit dem Bett ans Rosenholz, über dessen Kopfende sich Ranken mit elektrischen Nämmcheu hinziehen und fich ein von goldenen Li­bellen gehaltener gelbseidener Baldachin spannt, dem mit dem Fuß des Bettes in eins verbundenen Divan sowie mit dem breiten Spiegel - Garderobenschrank, der von (Suitlanben mit Uhr und elektrischen Lichtchen umrahmt ist Preis 12 000 Francs. Oder vor jenem koquettesten aller japanischen Salons mit den bestickten Seidentapeten und den phantastisch geschnitzten Möbeln, dem benachbart ein orientalisches Zimmer mit farbenfrohen Teppichen, Vorhängen und reichstem Waffeu-Waudschmuck liegt. Was jener Schlasraum kostet mit den zierlichen Möbeln in Goldbronce und dem gewaltigen, aus gleichem Material gefertigten Bett, dessen Seiten be­deckt stad mit flachen Reliefdarstellungen der Spiele übermütiger Najadeu, wagt man garnicht zu fragen, nachdem man gehört, daß eine Schreibzimmereinlichtung nebenan tat prunkvollsten Stil Ludwigs X1V. mit allerdings fürstlich zu bezeichnenden ach: Gegenständen, die aus Cedernholz mit Einlagen und den kunstvollsten Broncezierrathen gefertigt sind, 400 000 Francs kost.t.

Das Vornehmste in vollständigen Wohnmrgs- einrichtungen stellten die großen Bazare aus, so der Louvre" u. A. einen Speiseraum, der auf der Veranda einer Billa am Mittelländischen Meer ge­dacht ist und durch eine geschickte, gut gemalte, rück­wärts beleuchtete Couliffeuwand die völlige Täuschung erweckt, als ob man hinausschane auf ben Zauder südlicher Natur; in derselben Weise ist auch eine Nische des anstoßenden, in gelber Seite mit echten weißen Spitzen becorirten Schlafgemachs couliffenartig aus­gefüllt worden: man glaubt von dem Bette aus den sonnenbestrahlten Golf von Necpel mit dem Vesuv dahinter zu erblicken. Ganz begreiflich der Ausruf eines neben mir stehenden reizenden Pariser Back- fischchenS:Ach, Mama, in dem Bette möcht' ich mal krank fein!" Die beiden MagazineBon Matche" undPrintemps" haben sogar zwei zierliche Villen, die auf der Hofseite dieser Ausstellungshallen errichtet wurden, mit einer ganzen Flucht von Z.mmern aber nur für die oberen Taufende! anSgestattet in g wähltestem modernem Geschmack, und ebenso hat fich dieVereinigung der dekorativen Künste" einen eigenen wunderhübschen Pavillon ge­baut mit Allem, was Kunst und Mode zur Aus­schmückung der Wohnräume hervorzubringen vermögen.

Ein großer Reiz der diesmaligen Weltausstellung liegt darin, baß jede umfangreiche Abtheilung eine lückfchauenbe SonderauSstellung besitzt, welche die im Laufe des letzten Jahrhunderts entstandenen besten und kennzeichnendsten W-rke der betreffenden Gruppe enthält und uns vertraut macht mit ben Wandlungen des Schönheitssinnes und ben Entwicktangen der verschiedenen Stilrichiungen. Auch in der Galerie der Möbel finden wir ein derartiges, äußerst sorg­fältig znsammengestellteS Museum, aus sechs Salons bestehend, welche thetls in Originalen, theils in ge­treuen Nachbildungen die Wohnungseinrichtungen von Ludwig XVI. bis zum zweiten Kaiserreich verköipern, mit Möbeln, Kunstgegeustäuden, Tapeten Beleucht­ungen rc. Am meisten interesstrt auch hier wieder der Woh .träum des etstenNapeleon, d-ssen gewaltiger Schatten seit einiger Zeit stch mächtiger und mächtiger in Frankreich aufreckt und manch' bängliches Gemüth mit Sorgen erfüllt; bo t unter seinem Ihn im Krönungs­ornat darstellenden SDelgemälbe von David, sehen wir feinen mit verschossenem, lichtblauen Sammet be­spannte«, mit Vronceverzietungeu versehenen Thron«

fessel in antiker Form, und da gegenüber eine kleine Polisanderholzwiege mit Btonzeadlern und grüner Sammetdecke einst Hai ein zarte», blondlockiges Kind darin geschlummert, mit dessen Geburt, die kühnsten Hoffnungen verknüpft waren: es ist die Wiege des Königs von Rom, de» späteren Herzogs von Reichstädt, der, halb verschollen, plötzlich auf der Bühne und im Roman;$u neuem Leben erweckt warb und dem nun Pläne und Gedanken angedichtet werden, die im Gegensatz stehen zu seiner einge- schüchterten, bescheidenen Persönlichkeit.

Weiter wandernd, gelangen wir zu ben Bronzen, unb ein Meer von Schönheit und Grazie thut sich damit vor uns auf. Alle Amoretten nnb Nymphen scheinen losgelasseu zu sei« und sich hier vereinigt zu haben, aber so groß auch die Fülle der entblößten Figuren ist, so kühn die Stellungen und Formen ge- wählt sind, nirgends trifft das Auge auf Häßliches und Verletzendes die wahre Kunst weiß auch ras Gewagteste zu adeln. Neben der Renaissance macht sich die Antike wieder geltend tu Gestaltung der Vasen, Leuchter, Säulen rc., in häufiger Verbindung steht man Bronze mit Marmor sowie mit Gold, Silber und anderen Edelmetallen. Als Bildhauerin lernen wir hier Sahrah Bernhardt kennen, die einen Schrank gefüllt Hai mit in Bronze ausgeführte Meer- ungethümirn, mit barocken Schüssen und Schalen und zwei recht guten Büsten, von denen die eine fle im Studium einer Rolle darstellt.

Nun blitzt und gleißt es vor uns auf wir sind zu ben Goldschmiede« gelangt. Auch hier, welch' Luxus, welch' Prunk, der all' das, was wir bisher gesehen, noch übertrifft. Aber es ist keine unonge» nehme verletzende Pracht, ttotz der vielen goldenen und silberne« Waschgeräthe, der vollständigen Tafel- aufbauten, der Theegeschirre, der Schalen und Schüsseln Teller und Basen aus schwerstem Silber, bezüglich auch Gold mit reicher figürlicher Zier. Etwas ganz Apartes sucht man freilich vergeblich, wohl trifft man zerstreut auf sehr hübsche moserne Sachen, so auf graziöse Silbergeräthe In farbigen Ablösungen, aber im allgemeinen wandelt die frar-zösstsche Goldschmiede tauft altgewohnte Bahnen, wie man aus dem in Schränken enthaltenenJahrhundert-Museum" erfährt, mit kostbaren Stücken aus fürstlichem, staatlichem und privatem Besitz, darunter prächtige Tafelaufsätze, Kaffee-Service, Bestecke, die einst die Tische in den Tuilerien während der Regierung des dritten Napoleon geschmückt. Besonderes Interesse erweckt eine aus Christofle-Silber bestehende, etwa einen Meter hohe und drei Meter lange g.oße Gruppe von Göttinnen mit Kriegs- unb Friedenswagen, beschirmt von dem auf einer Weltkugel thronenden französischen Genius gefunden im Schutte des Schlosses von St. Cloud", steht darunter. Sic transit gloria mundi!

Anfang» der Plauderei hatte ich erwähnt, welch' bedeutenden Kaufmarkt da» französische Kunstgewerbe besitzt, in dieser Gruppe nun erhall man einen kleinen Beweis davon: über einem mäßig großen Glas- schranke lieft man:Sammlung eines Liebhabers der modernen franzöfifchen Kunst", und in ben Ge­stellen fixbet man bie mannigfachsten Gegenstände, meist mäßige« Umfang», in Gold, Silber, Bronze, Elfenbein, Marmor, Holz, Email, edle« Steinen, und zwar Figuren, Geräthe, Base«, Dosen, Schüssel», Kannen, Ringe, aber auch Messer, Gabeln, Notiz büchet (tu Gold), Cigaretteubehäller (in Silber), Kruzifixe rc. jedes ift ein Kunstwerk, manches aus die Anregung des Sammlers entstanden, bei dem nicht der Gegenstand an sich entschied, sondern die Schönheit desselben.

Und wie wird uns erst dieser Kaufmarkt vor Augen geführt, wenn wir in die benachbarte Ab- theilung der Diamanten, der Edelsteine, Schmuckfachen gelangen das funkelt und flimmert und schill-.i tausendfach um uns herum wie in einem Feenreiche, und die Augen wissen nicht, was sie zuerst bewundern sollen. Bewundern und wundern sind hier Eins, wundern, daß der Reichthum in derartiger, geradezu unerhörter Fülle vertreten ist, wo das alte Won Wahrheit gewinnt:wer's nicht geseh n, glaubt'» nicht!" Da ist beispielweise der am meisten um­lagerte Pavillon eine» der ersten Bijoutiers (Boncheron), der Werthsachen für 5 Mill. France oirgt; und der Werth macht's ja nicht allein, sondern bje meisterhafte Ausführung in eigenartigster und gefälligster Stllistrung, die Selienhett der Steine (neben großen gelben Diamanten ein kostbar gefaßter blauer Diamant von 22y2 Karat), ihre kunstfertige Behandlung unb in letzter Beziehung erregen da» höchste Aussehen die gravtrten Diamanten, schöne Steine, welche in Bertiefung die zierlichste« Köpfchen vo« allerhand Göttinnen und ähnlichen reizvollen

Damen aufwcisen. Als einer unserer geschätzteste« Berliner Goldschmiede, der in der keuschen Abtheilung Schmucksachen vonnut* 100000 Francs ausgestellt, diesen Pavillon sah, äußerte er:Am liebsten möchte ich meinen ganzen Kram wieder einpacken und nach Hause fahren".

Dabei dürfen unsere Juweliere durchaus nicht den Wettkampf mit den französischen scheuen, der Unterschied besteht nut darin, daß das, wa» bei den Deutschen als Ausnahme, als große Kostbarkeit gilt, hier in Paris gleich in umfassendster Auswahl vor- liegt, als ob die Millionäre stets schockweise umher» liefen. In Berlin versteht man ja auch zu leben und das Geld spielt häufig keine Rolle, aber mit Respekt zu sagen brillantenbesetzte Strumpfbänder für 12 000 Franks und von Juwelen überfäete Fächer für 30 000 Franks find für de« Berliner Ben Akiba doch wohl etwas Neues, der Pariser dagegen lächelt bloS verschwitz: und flüstert vetständ- nißvoll:Alles schon dagewesen!"

Aber selbst für diesen an Vieles gewöhnten Pariser Weisen ist doch neu bet in einem Glaskasten (welcher Nacht» in einen unterirdischen stählernen Behälter gelassen wird) aufbewahrte Jubllee-Diamant, welcher, im Besitz des Diamanten-SyndlkatS von Jagersfontcin, als der größte Diamant der Welt gilt er wiegt 239 Karat und sein Werth wird auf 7 Millionen Franks geschätzt. Dafür wirb fich selbst in Paris nicht so leicht ein Käufer finben ja, wenn etwa Mr. Vanderbilt König wäre unb eine Krone trage« bürste, bau« würbe stch bie Sache schon leichter machen!

Wohl kein kunstgewerblicher Zw.lg wirb so von dem modernen Geschmacke beeinflußt wie jener bet Gold­schmiede- und Juweliertanst, unter enget Verwendung pflanzlicher Forme» unb starker Hervorhebung mannig­facher Farbenwirtangen, die man früher direkt al» verrückt* bezeichnet hätte. Das lehrt ein Vergleich mit der auch in dieser Gruppe enthaltenen rückfchauenden Ausstellung von Schmucksachen man denke nut an die ungefügten Brocheu, die goldenen Ohtbommeta unserer Großmütter! Und wer weiß, wie in siebzig, achtzig Jahren das Urtheil über die heutigen von uns freudig angeftaunten Zierrathe lautet!

Haben wir in diesen unteren Räumen viel Zeit nicht etwa versäumt (denn wer nur über etwa» längeren Urlaub verfügt, der richtet seine Schritte häufiger hierher und er wird stets Neues entdecken), sonder« zugebracht, so können wir bie Wanderung du ch die oberen (Saleriten destomeht beschleunigen, denn sie enthalten Gruppen, für die sich nur be­stimmte Besucher näher tatereiftren: Uhlmacherei, N.c ssaite- und Reise-Artikel, Papeterie, Lederwaaren, schließlich, wie schon erwähnt, noch Wohnungs­einrichtungen und Gobelins. In ben elfteren Gruppen flfseln die geschichtlichen AuLst.llnngen von Spezial- Sammlern, die besonders zahlreich auf dem Uhren» Gebiet sind, darunter Sammlungen von Hunden unb mehr Stück, mit den Uhren Heinrichs IIL, aus dem Jahre 1580 stammend, Ludwig's XVI. unb Marat's, des von Charlotte Cordatz ermo.beten Revolrttions- manne»; des letzteren fUoerne Taschenuhr, die man in seiner Badezelle fand, trägt bie Aufschrift:Nur bem Gesetz gehorchen, nur das Vaterland lieben!"

Auf welche Sachen Sammlet Verfüllen, zeigt die merkwürdigste aller Bibliotheken, die in der Papiet- ausstellung ihren Platz gesunden, den« obgleich sie tausend Bändchen umfaßt, ist sie in einem Schrank uniergebracht, bet kaum einen Meter im Geviert Hai besteht sie doch nut auB Miniatur-Büchlein, deren winzigste etwa» übet einen Gentimer (vier von ihnen bedecken gerade eine Briefmarke), deren größte fünf Zentimeter hoch sind. Die ältesten dieser Merkchen, unter d neu eine Zahl deuischer find, stammen au» dem Anfang des XVII. Jahrhunderts, viele enthalte« trefflichen Bllderschmuck.

Den Schluß der oberen Galeriee« macht die um» fangreiche Ausstellung bet National- Gobelin- Mamr- fatiur, unb in bet Thar ist's ein würdiger Schluß noch oll' dem Blendenden unb Verwirrenden vorher können sich in ben stillen Sälen die Augen ausruhen an diesen herrlichen Wanddekmatione«, die meist Nachbildungen älterer Werke sind, vorn Mittel­alter an bi» zum Beginn bei Revolution, an voller, harmonischer Wirkung ben farbenfrohesten Gemälde« gleichkommend. Zu den schönsten Stücken zählt jenes, welches aus Marie Antoinette mit ihren drei älteste« Kinder im vollsten Mutterglück zeigt e» ist eine Wiedergabe de» bekannten zettgenössische« Gemälde» der Madame Lebrun im Versailler Museum unb warb vom Präsidenten Fante al» Geschenk für bie Kaiserin vo« Rußland bestellt.