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Wöchentliche Bettage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

Jllustrirtes So««tagsblatt. 8""a-,w*",,ira

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MÄSÄÄ' iSKÄ »MI Sonnabend, 23. Juni 1900.

Ktgeigin «hmm «ntgegen: bi« Expedition dieses Blattes, die Annoncen-

Bnreaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd«» ok cv

birg, Wien: Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln: du.

C. L. Daube * So., Frankfurt«. M., Berlin, Hannover, Pari» re.

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Für Inserenten bietet dieOberhessische Zeitung

kreuz» »Fürst Bismarck' übernimmt am heutigen

de« Gesandtschaften verwundet oder getödtet, und daß gcettag Jen Seeproviaut. Das Kanonenboot »Lux

daS Tsungli Damen niedergebrannt sei. UebrigcnS

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^en- - Kt Vortheile eines gut eingeführten Provinzialblattes. Proz« Bereinjelte Leser in fremden Provinzen können den

Die Wirren in China.

Die allgemeine Lage.

* Die Spannung, mit der man zuverlässige ichrichteu auS China erwartet, wächst mehr und

«hr. Doch wird wohl noch geraume Zeit vergehen, r freie ein regelrechter Nachrichtendienst orgauifirt sein

vird. Erst wenn Truppen in genügender Zahl ge- Imdet sein werde», die die Verbindung mit Tientsin ab Peking offen halte», wird wohl die leidige Un- lewißheit aufhören. Alsdann wird man auch über sie politischen Ausstreuungen klar werden, die sich iitzt an das Eingreifen der Mächte zur Nieder- ichlagung deS Aufstandes «»hängen. Schon hört

tiung" beträgt w t bisher bei allen Postämtern 2,26 Mk., der Stadt Marburg 2 Mark pro Quartal.

Redaction nnd Verlag der Oberhessischcn Zeitung",

unter die Mächte aukündigeu. DaS ist aber eine völlige Verkennung der politischen Lage. Die Frage spitzt sich im Weseotlichen dahin zu, ob im Ernste bei dieser Gelegenheit Rußland und Japan die Er­werbung chinesische» Gebietes anstrebe», und ob Eng­land bereit und im Stande ist, diesem Bestreben erfols reich Widerstand zu leisten, od» seinerseits auch für sich eine Gebietserweiterung zu erziele». Falls Japan und Rußland eine Verständigung über ein eventuelles gemeinsames Vorgehe» erzielt Haber, dann könnte aus der Niederschlagung des Boxer-Aufstandes die Gefahr eines großen internattonalen Krieges ent- stcherk. Bis jetzt hat aber Rußland durch sitne diplomatische» Erklärungen bei de» Mächten den Eindruck zu befestigen gesucht, daß es bet der Entsendung starker Truppenkräfte nach China lediglich die gemeinsame« Jntcreffe» der durch den Aufstand in Mitleidenschaft gezogenen Staate» zu schütze» bfr absichtigt.

Unkontrollirbarc Gerüchte.

Was die Vorgänge i» China selbst anbetrifft, so schwirrt »ach wie vor eine Menge völlig unkon- trollirbare Gerüchte umher. ES hat gar keine» Werth sie im Einzelne» zu verfolge», da sie auf Muth- maßunge» nnd Klatsch beruhen. Als Probe sei aber eine kleine Blüihenlese hier mitgetheilt. So heißt es: Prinz Tua», der a» der Spitze der Verwaltung der Kaiserin steht, habe de» kaiserliche» Palast in Peking .verbrannt, den Kaiser und die Kaiserin getödtet und daun Selbstmord begaoge». Andererseits heißt es, die Kaiserin sei verschwunden; man glaube, sie habe sich das Leben geuomme». Ferner wird gemeldet, daß nach dem erste» Angriff sämmtliche Gesandtschaften sich in die stark gebaute briitsche Gesandtschaft zurück­zogen und rings um diese ihre Truppen konzenlrirte«. Dennoch besteht das Gerücht, daß zehn Leute von

scheint bereits fertig z« sein. Wenigstens wird ge­meldet, daß der Kaiser das Kanonenboot besichtigte und eine Ansprache an die scheidende Mannschaft hielt. Bemerkt sei an dieser Stelle »och, daß der Kreuzer »Gefion* in Tschifu ringe- troffen und sofort »ach Taku weit» gegangen ist.

Ueber die Rüstungen wird aus Kiel geschrieben: Die augenblickliche Lage erinnert unwillkürlich an die aufregende» Tage in Kiel »ach der Besetzung von Kiautschou. Unkontrollirbarc Meldungen über die Entsendung einer Reihe von Kriegsschiffe» wurden verbreitet; in de» KaseruemeutS herrschte eine auf­reibende 2 hätigkeit. Wahrheit und Dichtung waren kaum zu unterscheiden. Heute heißt es, daß mehrere im Auslände statiouirte Kreuzer Segelordre nach China erhalte» habe«. Bis zur Minute stud keine Ent- scheidungeu getroffen. Die Ausiüstungsarbeiten au »Fürst Bismarck* und »Luchs* werden mit großem Eifer fortgesetzt. Ma« beabsichtigt, einen Theil der in der Heimath noch versügbare« Kreuzer in See­bereitschaft zu setzen und nach China zu entsende». Außer de» ga»z veralteten sogenannten Panzerkreuzern »König Wilhelm*,Kaiser* und »Deutschland liegen in Kiel, Danzig und WilhelmShafen die großen

KreuzerFreya* undViktoria Luise" die kleine» KreuzerPrinzeß Wilhelm*,Sperber*,Bussard', Gazelle*, die veraltetenArkona undAlexandrine*, owie eine Anzahl wenig geeigneter ehemaliger AvisoS. Welche und wie viele dieser Schiffe ins Ausland gehe», dürfte in den nächsten Tagen bestimmt werden. S)ie Indienststellung der Neubauten »Niobe* und »Nymphe wird beschleunigt. Die Urlaubet sind cho» heute zurückgekehrt.

Der »JltiS*.

Anläßlich des Schicksals des neuen »Iltis* vor Taku, dem der Kaiser eingedenk des tragische» Unter­ganges des altenIltis* und seiner heldeumüthigen Besatzung ein lebhaftes Interesse seit Anbeginn ent­gegenbrachte, sei folgende Reminiszenz aufgefrischt. Der Monarch beauftragte seine drei ältesten Söhne kurz vor der Abfahrt beSIltis*, dem Kanonenboote und beste» Mannschaft in seinem Namen einen Besuch abzustatten. Er telegra- phirte dem Kommandanten, Korvettenkapitän LanS, als der »JltiS* am 6. Februar 1899 uach China abgiug: »Ich wiederhole den Abschiedsgruß, den ich durch den Besuch meiner drei älteste» Söhne an Bord meines Schiffes »Iltis* seiner Besatzung zum Ausdruck bringen wollte, und hoffe, daß diese dem klangvollen Namen »Illis* Ehre machen wird.* Wir werden*, antwortete Kapitän LanS,eingedenk der hohen Verpflichtung, die unS der NameJills* anferlegt, die Abschiedsworte unseres kaiserlichen Kriegsherrn als einen Segensspruch mit auf die Reise nehmen mit dem Gedanken, nicht schlechter sein zn wollen, als die Besatzung des altenJltiS*. Kommandeur und Mannschaften haben ihr Wort »ach deutscher Art gehalten.

aber von den 2000 Man« Rusten und anderen Wachen, die zum Schutz der Eisenbahn nach Dangtan» abgesandt waren, zurückgeworfe».

Die Missionare in Nordwest Schantung haben sich retten können. Sie haben sich sämmtlich an Bord eines besonders gemietheten Dampfers begebe», der an der Mündung des Gelbe» Flusses liegt. In Wusung, woselbst bekanntlich 3 englische Kriegs­schiffe liegen, find die Dinge auch einen Schritt weiter- gediehe»; die Engländer haben sich geuöthigt gesehen, zum Schutz der Telegraphenstation Marinemanuschaften zu lande».

Sonst ist »och z» erwähne», daß, nach aus Canto« eingetroffenen Meldungen Li-Hung Tschang auf die Vorstellungen der ftcmdeu Konsul» eingewilligt hat, in Canto» zu bleibe». Wie wir gester» meldeten, befürchtete man den Ausbruch von Unruhe» in Canto», sobald Li-Hung-Tschang seinen Posten verließe.

Unsere Rüstungen.

Das ist "aller, was sich über die Vorgänge in China berichten läßt. Um so mehr koncentriit sich die AufmerksAnkeit auf unsere Rüstungen. Ais Tag der Ausreise für die beiden zum Transport der Truppen nach China gecharterte» DampferWitte­kind* und 'Stuttgart* ist der 3. Juli in Aussicht genommen. Der Kaiser hat befohlen, daß auch ein Detachement Pioniere nach Maßgabe der verfügbaren Raumes in Stärke von etwa einer Kompagnie eiuge- schifft wttd. Die Truppen werden so orgauifirt, daß jedem Seebataillon für die Operationen im Gelände eine Feldbatterte, Pionier- und Handwerkerabtheilung zugethcllt werden. Die Ausreise selbst wird von Bremerhaven aus erfolgen.

Auf den zur Ausreise bestimmten Kriegsschiffen herrscht natürlich fieberhafte Thätigkeit. Der Panzer-

Umschau.

Graf Murawjew f.

Wie wir gestern bereits in unseren Telegrammen mittheilte», ist am Donnerstag früh der russische Minister deS Aeußrrn Graf Murawjew plötzlich verstorben. Graf M. Murawjew wurde zu Anfang Januar 1896 an Stelle des in einem Eisenbahnzuge auf der Fahrt »ach Petersburg plötzlich verstorbenen Fürsten Lobanow zum Minister des Auswärtige» ersannt, nachdem er seit dem Frühjahr 1893 Ge­sandter in Kopenhagen war. Seine Berufung von diesem relativ nicht hohen Poste« in bei Diplomatie zum leidenden russischen Minister erregte damals viel Aufsehen und wurde mit der besonderen Protektion der Kaiserin-Mutter, bekanntlich einer dänischen Prin­zessin, erklärt.

Graf Michael Murawjew ist 55 Jahre alt ge­worden. Sein Vater war Gouverneur von Lttthaue», sei» Großvater, der Unterdrücker der Polenaufstandes, General - Gouverneur von Wilna. Graf Michael Murawjew trat nach Absolvirung seiner Studien in Petersbmg in diplomatische Dienste. Er war zuerst als Sekretär der Gesandtschaft im Haag, dann der Botschaft in Paris attachttt. In den achtziger Jahren tarn er als Botschaftsrath nach Berlin.

neue Vierteljahr

die Spannung der Zeitungkleser in hohem wachhaltcn. DaS letzte, vc-zweiflungsvolle Ringen urenvolkes wird sich in ihm vollziehen; enberei»

hat sich bie Lage in China so zugespitzt, daß die Wjgnisie dort von der folgenschwerste» Bedeutung für die Mpüischen Mächte sein können. Die Veibmdurg der ^berhejstschen Zeitung* mit derContinental Telegraphen- inpagnie* hat sich im Burenkriege derart bewährt, daß X auch für die Folge unfern Lesern rasche und zu- »erlässige Orientierung über die Vorgänge in Süd- chika und in China versprechen könne«.

; . Besondere Aufmerksamkeit werden wir auch nach wie Xdem lokale» und provinziellenTheilwidmen. Dterstützt durch einen größeren, stets wachsenden Kreis von irk Ritarbeitern werden wir an dem weiteren Ausbau dieser I Heile unserer Zeitung stellg ar besten. Im fcuille- jenist i sch e n Theil werden wir aus der bewährten Feder

heißt eS gleichzeitig, daß die Boxer und die kaiser­lichen Truppe» einander in P-king in die Haare ge­rat Ij en seien. Ebenso wenig Werth hat natürlich eine Loudon» Depesche, daß Kapitän LanS vom deutschen KanonenbootJltiS* beim Kampf um die Taku - Forts gefallen und der Leutnant Kühne verwundet sei. Wenn dem so wäre, würde man auch in Berlin Nachricht habe».

Die Vorgänge in Tientsin. Die Missionare gerettet. Li-Hung-Tschang.

Was an Thatsächliche» berichtet werde» kann ist spärlich genug. Zunächst liegt eine ergänzende Nach­richt zu bei gestrige» Nachricht über bie Vorgänge in Tientsin vor. Danach zerstörten bie Insurgenten in bet Freitag-Nacht zunächst bie katholische Kathedrale und andere christliche Gotteshäuser, plü»d»teu und brannten den größeren Theil der Eingeborenenstadt nieder. Während chrer verzweifelte» Anstrengungen, die Bahnstation zu erstürme», stieße» die Boxer auf die russischen Truppen, die aus ihren schwere» Ge­schützen 15 Salven abfeuerte», wodurch üb« 300 Chiuese» getödet wurden. Die Boxer griffen darauf die Fremdenniederlaffung von zwei Seite» a», wurden

Han einen vollständigen Zerfall des chinesischen »fein" »eiches und eine unmittelbare Auftheilung desselben

icheus empfohlen werden.

wie* U D" AbonnemcntSprcis derOberhessischen

Daul Lindenbergs «tot weitere Serie Pariser Welt. aate i wSstellungS-Briefe bringen. Auch haben wir noch ver- 3er UeuHtbetit juristische Artikel aus dem Gebiet« deS neuen -geilichen Rechts erworben. So hoffen wir auch im en Vierteljahr das Wohlwollen reiferer Freunde uns zu alten; wir bitten dasselbe durch Empfehlung in !kannt»nkreisen zu betätigen.

Inserenten nichts nützen; er wird naturgemäß den größten 1 jn Erfolg seiner Anzeigen bei einem Blatte haben, daS nicht länbig tinen über ein weites Gebiet dünngesäten Leserkreis hat, sondern das mit seiner ganzen Auflage in Marburg md der ar den nahegelegenen Orten verbreitet wird. Da das bei der er ,K' .Oberhessischen Zeitung" der Fall ist und sie die größte mdigiy jafiage der in Ma bürg und der näheren Umgebung er­bens a Heimnden Zeitungen hat, kann st« als Jnsertionsorgan

(Nachdruck verboten.)

Die Ehestisterin.

Von H. Palme-Paysen.

lerfasserto von Marietta Tonclli, Mädchcnliebe, Am Mälarsee, Ein Hochzeitstag rc.

(Fortsetzung^)

Frau von Mingwitz hatte ThnSneldes Depesche, « der sie ihre heutige Ankunft meldete, rechtzeitig »halten unb sich mit ihrem Neffen um bie beireffenbe stunde zum Empfang persöhnlich »ach der mitte» im Ort gelegene» OmniLushalteßeSe begeben. Sie fühlte M durch das Ausbleiben ihres Gastes enttäuscht wd beunruhigt, konnte auch keine Erklärung dafür jsinden.

r Der Nachmittag ging bald in den Abend über, taä Mädchen servierte bereits den Theetisch auf bem Saftige« Balkon unb noch immer zeigte sich keine rLhusnelbe.

Ernst promenierte unten in bem sich ter rassen- «tig bis znr Straßenallee hinabziehenbeu Gatten un>

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geschah

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Sebulbig auf unb ab, beugte sich alle Augenblicke über ben niedrige» Gartenzaun, um uach sein«Zu- künftigen*, wie er ThuSvelde spottweise heimlich lannte, auszuschaue»' und rief endlich zur Veranda hinauf:

Tante Alma, jetzt sehe ich waS, ganz hinten auf der Straße, einen grauen Schmetterling, vielleicht ist sie das?'

Unsinn, sie wird doch nicht zu Fuß komme».

Wir wollen nicht länger mit bem Thee warten. Komm' herauf, Ernst!*

Der junge Mann ging trotzdem nochmals zurück und stellte sich mit einer lustige» Geber de, verschränkten Arme» und auseinander gespreizte» Seinen, als wolle er eine» Hund hindurchlaufen lassen, mtttcn auf bie Straße, um Ausschau zu halte».

Der graue Schmetterling kam in ber Thai immer näher. Purpurn schimmerte ber rothe Atlas am Hute herüber, darüber leuchtete das weiße Gesicht hervor.

Ein nicht übler Schmetterling*, dachte Ernst und änderte seine Halttng, indem « seine Arme und Seine wieder in salongerechte Position brachte.

Als ThuSuelde seinen Standort fast erreicht, er­kannte er sie an der Aehnlichkeit mit der Photographie.

Fräulein ThuSnelde Thiele?' fragte er, feinen Hut ziehend.

Die bi» ich und Sie vielleicht *

Leutnant Eiust von Malcho,* fiel « ein,der Neffe von Fra» von Mingwitz. Sie find sehnsüchtig erwartet wordeu. Darf ich Sie hinaifführen, gnädige» Fräulein? Aus welcher Weltgegend, komme» Sie eigentlich, wenn ich fragen darf?*

Direkt von der Heerstraße, als reisend« Hand- werkSbursche mit dem obligate» Staube nnd einem hungrigen Magen,* antwortete sie lustig.

ES folgte ei» scherzhaftes Wortgeplänkel, gleich darauf ifa Haufe zwischen den Damen eine Be­grüßung unter Küffe» und Umarmen, und darin ent-

puppte fich der graue Schmetterling, warf die un­scheinbare Hülle, den Staubmantel, von ben Schullern, unb vor bem anspruchsvollen, kritisierenden Äuge des durch Franenschüuhett verwöhnten Offiziers stand eine kräftige, schlankgebaute Blondine in einfach fein- wollenem Sommer kleide.

Ernst von Malcho durste wählerisch fein und war es auch. Er pflegte aber auf den inneren Werth einer Fran weniger Gewicht, als auf deren äußere Reize zu legen. So suchte « hi«, wo ihm «ich gleich ein Mangel in die Auge» sprang, mißtrauisch uach einem solchen, betrachtete ThuSuelde über» Haupt einzig mit dem Gedanken: WaS v«de ich an ihr auszusetzen finde», falls sie meine Frau werden dürste. Ob sie geneigt dazu wäre daS lag ihm ziemlich fern. Er hatte fich bis jetzt großer Frauenhuld erfreut und durfte fich sage», daß ihm überall, wo « anklopfen wolle, aufgethan würde. Warnm nicht auch hier hi« «st recht. DaS wußte er ja von seiner Tante. Sie ist hübscher alS das Bild, sagte er fich, sie hat kleine Füße, schlanke ging« kurze, dicke, wenn auch kleine Hände waren ihm zuwider, ihr Haar ist voll und goldig und scheint seidenweich, sie spricht nsb bewegt fich ungekünstelt, daS stimmt also.

Er schraubte bie Flamme der mitten auf dem Tisch stehenden Lampe etwas höher und rückte ben Schirm derselben tiefer, als gälte diese Fürsorge seiner Tante. So fiel gegenüber d« Lichtschein voll auf ThnSneldeS Gesicht.

Sie ist sehr blaß, wie die meisten Residenz!«-- inneu, ab« gottlob »»gepudert und ungeschmiuft, wie nicht viele jener, kritisierte er wett«, ob sie auch in ihrem Geschmacke, in ihren Wünschen, An­sprüche» und Anschauungen anders ist wie diese, das wttd fich zeige».

DaS Gespräch wurde sehr lebendig, den« alle Drei besaßen heiteren Sinn und den Wunsch, sich gegenseitig zu gefalle», waS der »»gezwungenen Uutn- Haltung in jed« Weise zugut kam.

ThuSuelde entzückte Tante Alma durch ihre prächtige» Eigenschaste», überttaf alle deren Er­wartungen. Sie hatte ThuSnelde vor zwei Jahre» zuletzt gesehen, und schon damals bei Gelegenheit ihres Besuches in der Residenz die Absicht gehabt, da» liebenswürdige Mädchen, dem gegenüber sie fich als Tante gaierte, fich auch von ihr so nenne» ließ, zu dauerndem Aufenthalt auf ihr Gut einzulade«- D« plötzliche Tob ihres JugeudsteuudeS, ThnSneldes Vater, ber als Mebizinalrath in der Residenz gelebt, vereitelte ben Plan.

Wohlgefällig blickte sie die jungen gesprächigen Leute a», und d« heimlich gehegte Wunsch, Beide ehelich »«einigt zu sehe», befestigte fich allen Ernstes in ihr.

(Fortsetzung folgt)