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man an maßgebender Stelle sowohl eine Verstärkung
der des
Besatznng von Kiautschon wie anch eine solche KrenzergeschadelS in Erwägung.
Haftes Bravo.) Für eine Seestadt kann der Kaiser nur dann den Schutz übernehmen, wenn er ihre Flagge, fei eS die Wische, hamburgische bremische oder die preußische, bis in die entferntere Fernen bet Welt durch feine Kanonen schützen kann. (Er- uiuteS Bravo.) Möge eS uns denn vergönnt sein, durch den Ausbau unserer Flotte nach außen den Frieden mit erhalten zu können, möge es uns gelingen, durch den Ausbau unserer Kanäle im Innern eine Erleichterung des Verkehrs zu erreichen, deren wir bedürfenI Der Segen wird bei unseren Wasserstraßen niemals auS. bleiben I* (Lebhaftes Bravo und Hochrufe).
Auch können Maaren, die von Ostseeländern über Stettin auf der Oder und dem Finow.Kanal oder über Hamburg auf der Elbe nach gewissen Plätzen im Innern Deutschlands befördert wurden, nun weit billiger dorthin kommen. Bon diesem Waaren-AuS- tausch muß natürlich Lübeck Voriheil haben, nnb es kann sich j-tzt zu einem ungleich bebeutenbetn Handels- platz entwickeln.
Wie gesagt, hat Lübeck für den Kanal 16 Millionen Mark aufgewandt. Hierzu kommen noch verschiedene Ausgaben für Hafen-Anlagen, die mit dem Kanal in Verbindung stehen; ferner soll daS Fahrwasser von der See bis Lübeck auf 7,5—8,5 Meter vertieft werden, sodaß sich die Gesummt-Ausgabe» auf etwa 25 Millionen Mark belaufen. Möge es der alten Hansestadt durch diese großen Opfer gelingen, den Ruhm wiederzugewinnen, den ste zu einer Zeit gehabt hat, die zu den glanzvollsten Perioden unserer Geschichte zählt!
«h ffinttnm nnch Cra> nnk gttatagra. «ratest* bei bet «sedttton 8 Btt, M allen
Eine Kaiserrede
Unser Kaiser hielt bei Gelegenheit der Eröffnung des Elbe-Travekanals in Lübeck folgende Rede:
.Ich spreche ter Stadt Lübeck von ganzem Herzen Meinen Glückwunsch zum heutigen Tage aus. Voran sckicke ich Meinen herzlichen Dank für den wundervollen Empfang, den Sie Mir bereitet haben. Ich habe aus der Haltung Meiner Lübecker gelesen, wie freudig bewegt ihre Herzen heute sind; denn Sie wissen, daß auch Ich regen Antheil nehme an dem, was ihre Gemüther bewegt. Möge der Kanal, den Sie mit unverwüstlicher hanseatischer Thatkraft in Angriff genommen, in jeder Beziehung Ihren Er- Wartungen entsprechen! Ich hege die Ueberzeugung, daS wird et thun! Sie sehen an dem nun fertig- gestellten Werke, was es für Bedeutung hat, daß ein einiges Deutsches Reich besteht. Was Lübeck war, verdankt es deutschen Kaisern, was Lübeck j>tzt ist, verdankt es dem deutschen Reiche. So möge sich überall in unserem Reiche beim Volke die Ueberzeugung immer mehr Bahn brechen, daß durch das Wiedererstehen und Erstarken des Deutschen Reiches jene alten Aufgaben von neuem an uns herantreten, die durch die Uneinigkeit unserer Vorfahren leider verloren gingen und nicht gelöst werden konnten. Zuversichtlich hoffe Ich, daß unter Meinem Schutze Lübeck sich weiter entwickeln wird. Würde Ich diese Hoffnung nicht mit Freudigkeit aussprechen können, wenn Ich nicht jetzt vor Ihnen stände, freudig gehoben dadurch, daß wir Aussicht haben, einmal eine deutsche Flotte zu bekommen. (Leb-
Der Elbe-Trave-Kanal.
Am Sonnabend ist in Lübeck in Gegenwart des Vis-rS der Elbe > Trave - Kanal feierlich eingeweiht jrtben. Er verdankt seine Entstehung dem that- -ästigen Vorgehen eines verhältnißmäßig kleinen -emeinwesenS Lübecks, das dafür rund 16 Millionen Kork aufwandte und von Preußen eine Beihilfe von 7^2 Millionen erhielt. Die alte Hansestadt batte allerdings Grund genug, an ein so kostspieliges Werk jU gehen. Der mächtige Aufschwung in Handel und Industrie, dessen sich Deutschland seit dem Kriege mit Frankreich erfreute und der auch zur Entwickelung nuferer Hafenstädte beitrug, war an Lübeck so gut Vie spmloS borühergegangen. Es litt an der Nähe Hamburgs, daS, als eS sich durch den Kaiser» MhelmS-Kanal erfolgreich auch den Ostfek-Ländern zuwenden konnte, Lübeck den Lebensfaden zu unterbinden drohte. Die einzige Rettung war nur, sich die Elbe nutzbar zu machen und damit ein mächtiges, een vielen Millionen Einwohnern bevölkertes Hinterland zu erschließen. So schritt denn Lübeck dazu, ImS fehlende Glied, einen Kanal zur Elbe, zu schaffen. Auf Grund eines Staats-Vertrages mit Preußen vom 4. Juli 1893 wurde für den Kanal ^iie alte Linie des Siecknitz-Kanals von Lübeck über Noll» nach Lauenburg festgesetzt und am 31. Mai 1895 der Grundstein zu dem großartigen, 67 Kilometer langen Bau gelegt, der nun dem Verkehr übergeben ist.
Die neue Wasserstraße ist auf einen großen Verkehr berechnet; ihre Breite beträgt am Wasserspiegel 32 bis 39 Meter, an der Sohle 22 Meter, ihre Tiefe bei niedrigstem Wasserstaude 2 Meter, so daß die größten Elbfahrzeuge sie passieren können. Der Sanel bat nur 7 Schleusen. 30 Brücken, von denen allein 7 auf daS Lübeckische Stadtgebiet entfallen, führen über ihn. Eine Eigenthümlichkcit ist der Umstand, daß einige Stellen der Kanalsohle über der Oberfläche des Landes liegen, das der Kanal dutch- schneidet, beispielsweise bei Lauenburg, Büchen und Srummesse. Der Betrieb auf dem Kanal soll bis zur Einführung des elektrischen SchleppbettiebeS durch Staatsregie mit Schleppdampfern ausgeführt werden.
Zweifellos wttd die neue Wasserstraße die Lage Lübecks günstiger gestalten. Außer für alle Elbuser- 6taaten hat der Kanal auch für die Ostsee, also für «ufere dortigen Küsten-Gebiete, ferner für die skandinavischen Länder und für Rußland Bedeutung; z. B. wird er Massen-Artikeln, wie dem schwedischen Eisenerz, dessen Hauptabnehmer Deutschland ist, zu gute kommen.
Marburg
Dienstag, 19. Juni 1900.
Umschau.
Eine Verstärkung der deutschen Streitkräfte in Ostasie» beabsichtigt.
Es verlautet, daß infolge der weiteren Ausdehnung des Boxer-Ausstandes in China eine Ber- fiätfung der in Ostafien befindlichen deutschen Streitkräfte an maßgebender Stelle als unbedingt nöthig ins Auge gefaßt werde. Denn wenn zur Zeit die in Kiautschon stehenden Landtruppen stark genug seien, um im Verein mit den von dem Kreuzergeschwader zu landenden Abtheilungen jede aufrührerische Bewegung sogleich tot Keime schon zu ersticken, so dürfte sich doch die Nothwendigkett ergeben, bei einer weiteren Ausbreitung des Aufstandes größere Detachements — entweder allein, oder gemeinsam mit anderen internationalen Kontingenten — nach jenen Orten zu entsenden, wo Christen in Gefahr schweben. Hierdurch würde natürlich die Garnison von Kiautschon, wie auch die Besatzung des Kreuzergeschwaders derart geschwächt werden, daß beide unfähig feto würde, mit voller Kraft e inzugreifen, falls auch an fte direkt die Nothwendigkett herantreten sollte, aktiv vorzugehen. Namentlich aber hegt man in Marinekreisen Bedenken, größere Detachements von dem Kreuzergeschwader für Expeditionen landeinwärts abzugeben; man befürchtet — und wohl nicht mit Unrecht — daß hier- durch die Offenfivkraft der Kriegsschiffe allzu sehr geschwächt werd en, besonders da diese gelandeten Truppen- theile nie sofort wieder au Land genommen werden könnten, wenn man ihrer gerade bedürfe. Auch verhehlt man sich nicht, daß die Landungskorps der Geschwader wohl imstande seien, in flüftenfiäbten oder in der Nähe der Küste mit Erfolg e inzugreifen, daß sie sich jedoch weniger für länger dauernde Expeditionen landeinwärts eignen dürfen. Mit der Rücksicht auf diese beachtenSwerihen Momente zieht
DiellnrnheninChina.
In der chinesischen Hauptstadt scheint vollständige Anarchie zu herrschen; nach der Verbrennung von Kirchen hat man die Gefandschaften attakirt, und der deutsche Gesandte Frhr. v. Ketteier soll nach einigen Nachrichten dabei getöbtet worden feto. Lassans Bureau wttd wenigstens auS Hongkong telegraphttt: .Ein Telegramm ans Tientsin behauptet, alle Gesandtschaften in Peking seien zerstört und der deutsche Gesandte getöbtet. Das Kriegsschiff „Unbannteb" ging daraufhin sofort ab." Das Wolff'sche Telegraphenbureau bemerkt dazu:
Die Londoner Abendblätter veröffentlichen eine von der Exchange Telegraph Company mitgetheilte Depesche der Agentur Laffan aus Hongkong vom 16. d. Mts., nach welcher ein Telegramm aus Tientsin berichte, daß alle Gesandtschaften in Peking zerstört seien und daß der deutsche Gesandte getöbtet fei. Wir übergeben Ihnen diese Meldung mit dem Bemerken, daß hier an unterrichteter Stelle keinerlei Bestätigung deSJnhalts derselben vorliegt und der Vertteier der Agentur Laffan in Tientsin bisher der alleinige Gewährsmann für die Nachricht ist. Wir müssen eS Ihnen übet lassen, ob Sie die Agentur Laffan für zuverlässig genug halten, der Meldung Glauben beizumessen.
Wir wollen hoffen, daß LaffauS Bureau, dessen Unzuverlässigkeit bekannt ist, auch diesmal eine falsche Nachricht in die Welt gesetzt hat. Daß es aber in Peking sowohl wie in Tientsin recht ernst aussieht, steht fest. In Peking find die Gesaudten ber Mächte thatsächlich to ihren Häusern blcckttt Ihre Kundgebungen an die chinesische Regierung bleiben wirkungslos, weil sie ihnen bis zum Eintreffen ausreichender europäischer Truppen keinen Nachdruck verleihen können. Fanatische Volkshaufen dmchziehen die Sttaßen und drohen mit Zerstörung der Gesandt- fchaftsgebäude und Ermordung der Gesandten.
In Tientsin war der von dem gefährlichsten Theile ber Bevölkerung bewohnte Osttheil der Stadt der Schauplatz furchtbarer Greuelthaten. Bei Morgengrauen wurden die Telegraphendrähte zerstört, uns schon gegen sieben Uhr standen zwanzig von Ausländern bewohnte Häuser und mehrere Magazine in Flammen. Der Mob wurde mit dem Hetzrufe „Zu den Gotteshäusern der fremden H nudel* auf gereizt, die Kirchen der Engländer
ligdgen nehmen entgegen: bi« Expedition dieses Blattes, die Annoncen» Bitte.it von Hnasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde» nr
bürg, Wien; Rudolf Moss«, Franksiirt n. M., Berlin, München, Köln; OO.
6. L. Dano« * Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hamwv«r, Paris re.
Schentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. "■ "m,,bra
2 (Nachdruck verboten.)
Die Ehestisierin.
Von H. Palms-Paysen.
Verfasserin von Marietta Tonelli, Mädchenliebe, Am Mälarse«, Ein Hochzeitstag rc.
(Fortsetzungi)
Auf dem überdachten Balkon einer freundlichen, hochgelegenen Sommerwohnung im Badeort Misdroy a der Ostsee lehnte eine alte vornehme Dame behaglich im Sessel. In der Hand hielt sie einen Brief, Mfen Inhalt erfreulicher Art sein wußte. Sie lächelte sehr vergnügt, faltete das Schreiben zusammen «d sagte zu einem jungen eleganten Manne, der ihr tgenfiber eine Zigarre rauchte: „Karl läßt Dich Süßen — er ist so glücklich geworden in seiner Ehe.*
Die Worte wurde» mit einer besonderen Se» taung, mit einem Nachdruck gesprochen, der den lugen Mann stutzig machte.
De« dunklen, in der Hohe gezwttbette» Schnauz- bert drehend, der seinem hübschen, gebräunten Gesicht einen leien Ausdruck verlieh, bemerlte er im Scherz- ton:
„Hub hast Du, liebe Tante, an diesem Glück, an dieser Ehe, Dir einen Verdienst beizumessen?*
»Nun ja, nächst Gott hat er es mir zu bauten, Mfc er seine Ida betommen hat,' gab die alte Dame »h flüchtigem Erröthen zu. „Du erinnerst Dich ihrer doch noch, Ernst?*
„Wie sollte ich nicht — ich hatte jener Zett in diese gleichallrige Cousine, was man so nennt — rtnen Schuß. Eigenthümlich, daß Du statt des Karls nicht mich begünstigt, nicht mtt zu einer Verlobung verholfeu hast!*
„Wie häßlich das klingt! schäme Dich, Ernst!*
„Aber, Tantchen, Du kannst nicht leugnen, daß Du für Dein Leben gern* — er stockte — „wie soll ft mich ausdrücken* — die braunen Augen des tagen Mannes sahen die alte Fran lustig an.
„Schweig nur,' wehrte sie ab, „ich leugne es »icht, daß ich Liebenden gern zu ihrem Glücke helfe, aber —'
„Da hört man'S — ich brauche mich also meiner Bemerkung nicht zu schämen.*
„Deiner Ironie, Deines Spöttelns sollst Du Dich schämen, Junge, schalt die alle Dame, aber eS klang nicht ernsthaft. „Du könntest Dich freuen und mir danken, wenn ich Dtt, gleich meinen einstigen Schützlingen, zu einer Frau verhülfe.*
„In der That, das würde ich auch,* antwortete Ernst belustigt. Frau von Mingwitz sah ihren Neffen, Leutnant Ernst von Malcho, forschend au; sie nahm seine Worte völlig ernst.
„Du bist dreißig Jahre alt, führst ein ungemüth» licheS, ungeregeltes Junggesellenlebeu in der Residenz, verstehst finanziell nicht zu wttihfchafteu und schlägst alle guten Rathschläge Deiner verwitweten Tante, die Elterustelle bei Dir verttitt, in den Wind. Zu einem soliden Lebenswandel bringt Dich am ehesten eine Frau, es sei denn, daß Du meinen Wunsch erfüllst, Deinen Dienst quittierst und als Verwalter und zu» künftiger Besitzer zu mir auf mein Gut in Mecklenburg ziehst. Daun allerdings hätte das Heirathen noch Zett.*
„Allons, Allons, heirathen wir denn, ftimmte Ernst munter zu, „denn anss Land passe ich nun einmal nicht. Natürlich hat meine vortreffliche Tante schon eine Frau für mich in Aussicht genommen?*
„Ich muß doch erst nachdenken,* entgegnete Tante Alma nicht ohne Verlegenheit.
„Den jungen Offizier schien diese kleine Verstellung ebso sehr wie das Thema zu Umüfiereu. Mtt einem verschmitzten Lächeln sagte er, indem er seine leichte, in ein elegantes Civil gekleidete Gestalt, mtt dem srsschen, ftöhliche» Gesicht, im Schaukelstuhl znrück- legte und darin zu wiegen begann:
„Hübsch muß sie feto, Tantchen.*
„Natürlich.*
„Auch Hefter nnb vergnügt. Brummige ober sentimentale Leute find mir unausstehlich.*
„Mir auch, Ernst!*
„Auch von Nerven barf sie nichts wissen.*
„DaS ist recht.'
„Sie muß Talente besitzen, hansftäuliche nnb gesellschaftliche Talente, ein gutes Herz unb etwas Mitgift.'
„Die Mitgift ist unnöhthig, Du bist ja nein Erbe, das heißt —'
„DaS heißt,' fiel Ernst lachend ein, „wenn ich mich lammfromm von Dir tos Ehejoch spannen lasse, sonst nicht.'
„DaS heißt,' widerholle Frau Mingwitz mtt Nachdruck, „wenn aus dem Verschwender ein solider Mann wttd, der dem Trinken und Wetten Valet sagt, das vergißt und verlernt fich am ehesten an der Seite einer charaktervollen, sparsamen Fran.*
„Schaffe mtt solchen Engel zur Stelle, Tante, und ich heirathe ihn vom Fleck weg.'
Frau von Mingwitz erhob fich. Ihre hohe, elegante Gestalt, ihr feines, gütiges Gesicht, das trat den schmalen kleinen Mund aber einen festen, etwas eigensinnigen Zug zeigte, machten sie zu einer sehr angenehme» Erscheinung. Sie ttat an einen Schreibtisch und entnahm diesem eine Photographie.
„Wie gefällt Dir diese?' fragte sie, indem sie ihrem Neffen das Bild eines jungen Mädchens ent» gegenhiell.
Ernst sah eS fich aufmerksam au.
„Hm, nicht übel! Ei» ovales Gesichtchen, in dem eine breite, markige Siir» sonderbar zu dem fteundliche» weiche» Mund und der kleinen, gerade» Nase konttastiert, aber zu dem ausdruckvoll«, festge- t um bete» Kinn gut paßt. Teufel! was für Auge»! sie lachen eine» au, uud doch liegt etwas sehr Ernstes darin. Die könnte den Man» unter die Pantoffel kriegen, wen» er ihr nicht die Stange hält.'
„Das könntest Du ja ihn»,' meinte Frau von Mingwitz ganz ernsthaft.
„Hübsch wäre sie also, — wie heißt sie denn, wo weilt sie?'
„Thusnelde Thielen ist die älteste Tochter eines iheuren, "verstorbenen Freundes von mir. Ihre kränkliche Mutter lebt in ziemlich beschränkten Verhältnissen mtt noch zwei anderen Töchtern in der Residenz. Dort hat Neide auch ihre Erziehung erhallen.'
„Ah, hah, die Residenzdamen! Mtt fünfzehn Jahren find eS schon fertige reife, blasierte Modedämchen und mir unausstehlich. Von der Sorte kann ich Dntzende bekomme», wen» ich will. Bedanke mich, Tante Alma.'
Es giebt doch Ausnahmen, und Neide zählt zu diese». Ihre Briefe entzücke» mich immer. Sie ist jetzt zwanzig Jahre, hat zuletzt eine» Zeichen- und MalkurfuS besucht, um darin später unterrichten zu könne», und hat jetzt meine Einladung hierher angenommen. Eine Erholung, eine Sommerfrische ist ihr »ach dem fleißige» Studium «othweudig. Wen» wir uns gefaHen bleiben wir beieinander, es sei denn — daß —'
„Ich ste Dtt wegheirathe, Tantchen. Vielleicht bedankt sie fich aber für den leichtsinnigen, verschwenderische» Leutnant von Malcho.*
„Du lieber Gott — ein mittelloses Mädchen, wenn auch mtt einem hübschen Lärvchen, kann dank- bar sei», wenn es eine» so — na, ich will Dich eingebildete» Jungen nicht »och etil« machen — sagen wir also: kann dankbar sei», wen» eS überhaupt hettathet. Damit soll nicht gesagt sein, daß ich Neide eher als z» dieser Stunde in Gedank« mtt Dtt to Verbindung gebracht habe,* fuhr ste nicht ganz ohne Erröthen fort; „diese plötzliche Idee entsprang einzig dem Wunsche, daß Du überhaupt heiraten möchtest. Jedes von Dir erwählle achtbare Mädchen soll mir als Nichte und Pflegetochter Willkomm« sei«.'
(Fortsetzung folgt)