Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
*• Jllustrirtes Sonntagsblatt. 8raB"d“4 " ""h* *
WM* MMH «*t m tofittetn »ch 6«n> 11> gtiertagtn. ’flff/wßttV/Y Inyigra nehmen entgegen: bi» Expedition dieses Blattes, bie Annoncen-
Q,»r»as>Ai»v«mtittr-Pr«0 bei der eiNbttUn $ SH., bti allen 5Ä%k4* VUvy Nnreaux von Haasenftein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd»» q-
MMw» »LS Mk (»tfl. 8«Meüb). bi« «■ (Yn.J_L. j- on cm • -«rxArx borg. Wien; Rudolf Masse, Frankfntt a. M., Berlin, München, Köln; ou. xMHjIg.
Ö*a**« be*n »*■ 10 Bf«.. Maw: bi» 5WI. SB Pf«. Mittwoch, 30. Mar 1900. r. S. Danb. » 6o„ Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari, «.
-U.U.
Durch,
Aßerh-ss. Leitung
Sescb
nebst deren Gratisbeilage«
E-reiSblatt für die Kreise Marburg uni
Oain", ^Illustriertes Sonntags
mute auf die Dauer nicht gut thuu. Wen» die btweger schon einmal Genossen haben sollen, so
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. (381 fc
(Nachdruck verboten.)
ta ste diese eher jenseits des Meeres als jenseits berge; mit den Dänen verbiad t sie Sprache StammeSgemeinschaft weit enger als mit de»
« ihnen fitzende» Schwede». Was mau in Stock- il und Chitstiauia gemeiusame Politik nennt, ist
n mc lcht.
tarn etwas anderes als eine ununterbrochene Reihe inseitiger Eifersüchteleien, und wenigstens in Nor- en macht mau gar kein Hehl daraus, daß man M skandinavische Union für ei» Nebel, aber für kein «thvendigeS, halte. Kommt nun noch irgend ein
6 dazu, der die Empfindlichkeit reizt, so können
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! 17. !
>rden von allen Postanstalten, Laudbrief- lgeru, in der Expedition (Markt 21), sowie n unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain L Neustadt entgegmgenommen.
Bestellungen
für den Monat Juni auf die
Mai, r,
vopMsatt* und „VerloosungS liste der UllllegL preußischen Klass enlotterie"
Norwegen.
DaS staatsrechtliche Verhält« iß der beiden skandi»
■ *1 jetzt eingetreten.
tOffd Et« Stelle deS erkrankte» Königs führt augeu- Mich der Kronprinz die Regierung nnb dieser * hat ein an sich ziemlich unwesentliches Gesetz betreffend (38! die Larechnung der Konsulatsteuer zu bestätigen ver- vkiznt. Das war ein wenig überlebter Schritt,
. «rischen Königreiche ist so ziemlich das Muster einer iHtt Vereinigung, die nur Uneinigkeit zur Folge hat. Seit »nid haben Schweden und Norwegen wenig
»achtet sür einander, und ihre Zusammekoppelung,
nein auch in der losen Form einer Personal Union,
(3g|kr«8 unabsehbare Folgen entstehen. Und ein solcher N ist, wie wir gestern bereits auseinandersetzten,
>erej.
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lhettMkve Verwicklungen m Schweden-
7T"T sende weil es sich nicht um einen Gegenstand von UJvl hvArrageuder Wichtigkeit handelte, und der Kronprinz» Ntit war » chl gut beratheu, als er diese» Entschluß enhauseZunächst darf man nicht vergessen, daß der (381 Aapünz selbst in Norwegen wenig beliebt ist.
——kommt, daß hier eine Angelegenheit der aus- rt •teigen Politik in Frage steht, also gerade das
baniusame Gebiet, auf dem sich der Eifersuchtskampf
Ins stell, stau» sch«! /- Uhl
Lirthsch einst«)! stand.
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jelforffl :amibe:
Die kleine Lori.
Sstr. U Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
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junge Mann hatte sie gar nicht wahrgenommeu, *?8 Ganze hatte sich überhaupt in einer Sekunbe
reÄst iTWli. Theo stürzte herzu, er hatte bei Schrei
*1«. ^öti. Mit Entsetzen bemerkte er das zwischen den -*T. ^lle» auftauchende bleiche Gesicht Loris. Rathlos ^f er am Ufer hin, — die Haare standen ihm zu
' * Z?8e' "h" was thim? Er konnte nicht schwimmen, auch eine feige Natur, und viel zu ängstlich um v* ^Ife, doch alles blieb still im »ächüicheu, weite»
»Darf ich von jenem Strauch dort eineu Strauß fkrfeu für Sie pflücke», Lori?* fragte Theo leise, mit vibrirender Stimme.
Sie nickte nur, ihr ward unheimlich unter feinen Wenden Blicken; sei» Athem streifte ihre Waage, ’M neigte er sich herab, um in die schönen Auge»
. öSr Milfen zu können.
.! ft trat etwas seitwärts und ging ri»gS um de» 11herum, die schönsten Blüthen auszusuchen. wW*i . Da plötzlich sprang, einer Katze gleich, Jemand
Wschen de» Bäume» hervor, Lori fühlte einen Wigen Stoß, und flog mit lautem Aufschrei ' *3 Mschend in da, Waffer, — dar hoch aufspritzte. ®a,n war eS lautlos still, wie zuvor. — Ehe flWB Theo noch begriffe» hatte, was eigentlich geschehe», •ar die dunkle Gestatt wie ei» Spuck verschwunden
der beide» Natione» von jeher abspielt. Wäre eS schon hiernach klüger gewesen, wenn gegen daS Gesetz so wichttge Bedenke» Vorlage», bie Entscheidung wenigstens so lange hinauszuschieben, bis sie vom Könige in Person gefällt werden konnte, so sind weiter auch noch Zweifel staatsrechtlicher Art vorhanden. Der Regent gilt nämlich in Norwegen nicht als Stellvertreter deS Königs, sondern nur als Statthalter, und eS wird bereits die Frage ei örtert, ob er das königliche Beto überhaupt ausüben dürfe. Ein absolutes Veto endlich steht in Norwegen selbst dem KSu'g überhaupt nicht zu, sonder» ein von den verschiedenen Storthinge» nach einander angenommener Beschluß wird auch ohne königliche Sanktion Gesetz.
In Norwegen scheint man entschlossen, de» Kampf sofort mit aller Energie aufzunehmen. Anders läßt fich der von dem Präsidium eingebrachte und von der große» Mehrheit des StorthingS auch bereits «»genommener Antrag nicht deuten, in dem das Ministerium Streen ei sucht wird, nicht — wie es beabsichtigte — infolge der Entschließung des Kronprinz" Regenten seine Demisstou zu gebe», sondern im Amte zu bleiben. Kommt die Regierung, wie nicht zu bezweifeln, diesem Beschlüsse, der schwerlich ohne ihr Einverstäudniß vorgeschlagen ist, nach, so steht sie damit Seite a» Sette mit dem norwegischen Parlament. Eine güüiche Lösung ist kaum anders möglich als durch die persönliche Intervention des Königs, die allein den Streitpnntt aus der Welt schaffen kann, freilich nicht, ohne den Kronprinzen zu deSavouireu. Geschieht das sicht, so wird mau alle« Ernstes mit dem Ende der skandinavischen Union, wenn nicht mit noch ernsteren Folgen rechnen müssen. fe
Umschau.
Eine neue Rede des Prinzen Ludwi g von Bayer».
* Wie wir gestern bereits in einem Telegramm gemeldet haben, hat Prinz Ludwig von Bayern abermals eine Rede gehalten und zwar in Nördlingen auf der Wanderversammlung bayrischer Landwirthe. Er kam dabei auch auf seine Sttaubinger Rede zu sprechen und wandte sich — wir geben den bett. Passus heute ausführlich wieder — gegen die laut gewordene Krittk. Er sagte:
Ich hab« tun eiv« Bitte und daS geht speziell di« Pnsie an. Ich bin ein Freund der Presse und wünsche,, daß die Reden, die ich halte, und die ich vollkommen frei halte, so wiedergegeben werden, wie ich sie gehalten habe, und daß nicke nur ein Auszug gegeben werde, der ein falsches Bild flieht. Wenn Sie nur einen Theil der Rede nehmen und die Schlußfolgerungeu nicht ziehen, die ich ziehe, ist das ganze Bild ein falsche». Ich habe die Gewohnheit, frei zu sprechen, ich verlange nicht, daß meine Reden mir zur Korrektur vorgelegt werden. Ich habe das Vertrauen, daß sie in der Hauptsache wiedergegeben werden, wie sie g-- iprochen sind. Aber da» bitte ich, baß aus meinen Reden keine Schlußfolgerungen gezogen werden, da» heißt, daß meinen Reden nicht Sachen untergeschoben werden, die ich nicht gesagt habe. Meine Herren, noch eine Bitte:
Garte«. Endlich erblickte er eine« Reche«, den der Gärtner stehe» gelaffe» habe« mochte, er versuchte, ih« Lori hiuzuhalle», doch die Entfernung war zu groß, sie konnte ihn nicht erfaffeu. Nu« gatt kein Zögern mehr, Lebe» und Tod hing von der nächsten Minute ab, Theo wmf seinen Rock auf die Erde, uud sprang all seine» Muth zusammennehmeud, der fich mühsam über Waffer haltenden Lori bei. Jetzt hatte er sie erreicht, — er schlang seine« Arm um die leichte Gestalt und suchte mit ihr das Ufer zu gewi«»e». Es war freilich keine leichte Arbeit für Theo. Er hatte gehofft, daß der Fluß a» dieser Stelle nicht so tief sei» würde, doch fühlte er keiaeu Bode» »»ter seine« Füße«. — Endlich, «ach vieler Mühe, gelmtg eS ihm, fich herauSzumbeite«, indem er einen Baumstamm erreichte, der i« das Waffer hiueimagte.
Er legte Lori, die iuzwische« ohnmächtig geworden war, sachte in daS hohe GraS, und hoffte, fie zum Bewußtsein bringen zu könne». Da ihm dietz doch nicht gelang, trug er fie, kurz entschloffeu auf seinen Arme» so schnell er konnte ivS Haus, wo daS schreckliche Eretgniß eine allgemeine Bestürzung hervorrief.
Taute Kathiuka war faffungLloS. Sie schickte gleich eiu paar jammernde Mädchen nach verschiedenen Aerzten; die alte erfahrene Köchin war die einzige die de» Kopf obe» behielt; fie war eS auch, die Lori rasch i»S Bett brachte. Ihr die Schläfe mit kölnischem Waffer rieb, und fie, ehe «och der Arzt kam, wieder zum Bewußtsciu brachte. Der
Studiren Sie bie deutsche Reichsverfassung. Sie werden sehen, daß, wo immer ich aufgetretm bin. ich Mick immer an die Reichsverfassnng gehalten habe. Die Reichsverfassnng beiuht auf den -Verträgen, b’e nach einem siegreichen Kriege der damalige Norddeutsche Bund mit den Verbündeten und mit siegreichen süddeutschen Staaten abgeschloffen hat. Wenn die deutsche Verfaffung b fier gekannt würbe, so würde man gar v eie falsche Ansichten in Reden und Schriften nicht hören und lesen Ich nenne mit Absicht keinen Namen, denn bann hätte man eine große Aufgabe zu etfüflen. Ueberall, an allen Orten und zu allen Zeiten find falsche Ansichten vertreten über die ReichSveriassung und in Folge deffen werden vielfach Ansichten geäußert, die fich mtt der Reichrverfaffung ab otut nicht decken.
Mau fragt sich erneut »ach b m Anlaß, baß Prinz Ludwig mit soviel Eindringlichkeit vou der Reichs verfaffung spricht. Am uächstliegeubeu bürste vielleicht bie Vermuthung sein, baß der Prinz auf bie Rechte Hinweise» will, bie ihm verfaffnngsgemäß zustehen, u»b baß er inSbesonbere das Recht unein- geschränkter Meinungsäußerung für fich in Anspruch nimmt. Ob dieser Hinweis für bie Blätter gilt, namentlich bie bayerischen, bie in aller Ehrerbietung an bei Sttaubinger Rede Kritik geübt haben, oder sich au amtliche Stelle» in Berlin richtet, von wo aus in der eine» oder andere» Form Kuodgebuage» a» Prinz Ludwig gelangt sei» möge», läßt fich nicht entscheiden. Daß aber in Berlin nunmehr eine etwas gettübte Stimmung obwaltet, und daß mau dort mehr und mehr aus der Reserve herausttitt, geht aus der Notiz in der heutige» .Norddeutsche» „Allg. Zig/ hervor, bie wir a» anderer Stelle des Bl. mittheileu. Diese Notiz dürfte weniger zum Zwecke der Richtigstellung verfaßt worden sei», als zur Anknüpfung der zweifellos von maßgebender Seite herrührenden Er- kläruug, daß von Berlin aus kein Anlaß zur Mißstimmung geliefert worden sei, und daß man de» Grund einer solchen so wenig kenne wie die Preffe ihn kennt.
ES kann nicht fehle», daß die Nördlivger Rede, die den Sachverhalt »och mehr verschleiert, auf daS Lebhafteste kommeutirt werden wird. Bo» de» heute bereits vorliegenden Preßstimmeu greife» wir die der „Tägl. Rdsch." heraus. Das genannte Blatt schreibt:
Nach bet Straubinger Rede konnte man annehmen, daß Prinz Ludwig entweder persönlich oder durch Andere irgend eine Unterlage seiner Aufsehen erregenden Worte nachweisen werde, allermindestens aber, daß eine Andeutung erfolgen werde, wie in her That ein bestimmter Vorgang den Prinzen zu seiner auffallenden Aeußerung veranlaßt habe. Statt deffen erfahren wir, daß der Prinz durch die allgemeine Verbreitung von falschen Ansichten über die Reichsverfaffung zu feiner Rede bestimmt worden ist. Er will keine Namen nennen, weil diese Ansichten eben überall vertreten seien Sehr merkwürdig! Daß Verletzungen der Reichsverfassung in solchem Umfange vorgekommen sein sollten, daß es nicht einmal möglich ist, ein Beispiel zu neunen, ist doch eigentlich nicht wohl anzunehmen. Denn wenn auch die falschen Ansichten über die Reichsverfassnng .überall" verbreitet sind — irgendwo in Bayern und Preußen und sonst im Deutschen Reich muß es doch noch außer dem Prinzen Ludwig einige maßgebende Persönlichkeiten geben, die die Reichkvnfaffung kennen......
Wenn es aber schließlich nur die weitverbreitete volks- thümliche Auffaffurg von der Gestaltung beb Deulschen Reichs ist, die die Mißstimmung des Prinzen erregt hat, — und e8 ist ja in der That nicht zu leugnen, daß das
Doktor ordnete daS Nöthigste an. Der Zustand der Patientin war keineswegs besorgnißerregend. Da sie «ur, zumeist wohl in Folge des großen Schreckens, ohnmächtig geworden, erholte ste fich bald wieder. Man rief »ach Wally, doch diese war nttgeuds zu entdecken. Ste blieb auch am folgenden Tage verschwunden. Lori die am andere« Morgen «och etwas fieberte, uud deshalb das Bett hüte« mußte, saun und grübelte umsonst, wohin Wally gegangen sein mochte, und wer eS wohl gewesen, der sie mit furchtbarem Stoß in de» Fuß geschleudert. Daß gerade Wally es gewesen, daran dachte fie am allerwenigsten, weil fie zu der Zett, wo e» geschehe» war, das Mädchen abwesend glaubte, um den Brief zu besorge», und woher sollte ihr auch eine solche Annahme komme». Sie hatte wohl gehört, daß Jemand «o» hinten auf sie zulief, doch in der Eile, mit der dies geschehen, und tu der Duukrlheü konnte Lori nichts unterscheiden.
Theo allein ahnte bat Zusammenhang, doch hütete er fich wohl, etwas laut werde» zu I affen, aus gute» Gründe». Loris Brief, de» Wally besorge» sollte, lag auf dem Tifch i« seinem Zimmer.
Lori fühtte fich sehr niedergeschlagen. DaS zarte Gesicht zeigte eine durchsichtige Bläffe, und fie äußerte in diesen Tage» mehrmals de» Wunsch, «ach Hause zurückkehren zu wolle». Dort hoffte sie, eher wieder völlig gesund werden zu könne». Al» fie eben den Entschluß gefaßt hatte, au bett Vater zu schreibe» wegen ihrer Heimkehr, da traf ein Brief von ihm ein, worin er sich bei Tarte Kathinka für längere» Besuch anmeldete. In etwa einer Woche wollte er
deutsche Nationalflefühl bereit» über den staatsrechtlichen Rar men des kühlen Bur.drSverhältniffeS der Einzelstaaten stark hinauSgewachsen ist, — dann ist erst recht nicht einzusehen, warum der Prinz feine Meinung an einen ganz unhaltbaren Gedanken knüpfie, der gerade in den Köpfen der für da» Reich begeisterten Norddeutschen niemals Raum gewonnen hat. Die Nördlivger Rede wird also nur noch mehr verdunkeln, was die Straubinger Rede schon mehr als gut war im Dunkeln gelassen halte.
Inzwischen beginnt die Sttaubinger Rede der Prinzen Ludwig auch im Auslände tüt gewisses Ausseh-u zu errege». Die französische Preffe begrüßt fie natürlich mit Hellem Jabel und scheint nicht übel Lust zu habe», de» Bei Yen, Prinzen als ihren Bundesgenosse» gegen das Reich auszuspielen. So meint der .Figaro*, die Rede sei eine Fortsetzung des bekannte» Moskauer Proteste» des Prinzen gegen eine Herabdrückang der deutsche» Bundesfürste» durch Preuße»; sie werde in ganz Süddeutschland begeisterte» Widerhall finden, wo man so wie so das Uebergewicht Preußens, auch in wirthschaftliche» Frage», als eine drückende Last empfinde. Jedenfalls sei nun aufgedeckt, daß Norddeutschland de» Kanalprojekten Bayerns stille», aber desto erbittertere» Widerstand entgegensetze.
Aehnlich äußert sich der officiöse „T em p 8". Er sagt, Prinz Ludwig sei daS Ventil an der deutsche» Dampfmaschine; er habe nur dem Ausdruck gegeben, was in Bay r», Württemberg, Bade» und Sachse» jeder sage. Wen» dies Sicherheitsventil nicht fei, würde es zu einer gewaltigen Explosion kommen. Kaiser Wilhelm suche 'Ne Unzufriedenheit im Reiche durch eine expauflve Politik »ach außen niederzuhalten und hierdurch gleichzeitig auch die deutschen Klein- staute» zur Bedeutungslosigkeit herabzudrücke»; auch hiergegen Hube Prinz Ludwig protesttrt.
Noch eine Rede eine» bayerische» Prinzen.
Im erfreuliche» Gegensatz zu der Rede des Prinzen Ludwig vou Bayern steht eine Rede, die Prinz Rupprecht von Bayern auf der am 27. Mai in München abgehaltenen Delegirtenversammlung des Bayerischen Landesverbandes des Deutsche» Flotten- Vereins gehalten hat. Der Vorsitzende, Reichsrath Freiherr v. Würtzburg theilte auf dieser Versammlung mit, daß bet Prinz - Regent ihm bie Versicherung gegeben habe, wie er alle» auf daS Wohl des gemeinsame» deutsche» Vaterlandes gerichtete» Le- strebuogen seine vollste Sympathie entgegeubringe und aufrichtigst wünsche, daß daS Verständniß für bie nationale» Ziele, die der Deutsche Flotteuveretti verfolgt, in immer weiteren Kreise» Bode» fasse. Schließlich ergriff Prinz Rupprecht selbst das Wort uud führte Folgendes aus:
„Herr ReichSrath Frhr. v. Würtzburg hat in beredter Weife alle die Gründe bargelegt, die Sie veranlassen, gemeinsam mit den übrige» Vereise» im Deutschen Reiche dahin zu wirke», daß immer größerr» Menge« des Volkes das Verständniß für die außerordentliche Wichtigkeit berFlotten- frage erschlossen werbe. ES ist erst eine verhättniß- mäßig kurze Zett, seit DeutschlanbS Industrie und
eintteffen. Bis dahiu hoffte er, die nöthigenMbette» bewältigt zu habe».
Nu» hieß eS dableiben, denn bet Vater schien fich auf feine» Besuch bei bet Schwester sehr zu freue», nnb Loti mochte ihm die Fteude nicht verderbe». Jedenfalls aber wollte fie -»gleich mit ihm nach nach Hanfe znrückkehre».
Dem Briefe, der bie Adteffe der Tante trug, lag »och ein besouderet Zettel bei, den Fräulein Kathinka unbemerkt wegnahm. Er schien in großer Eile geschrieben zu sei» und enthielt nut die weuige« Zeile»:
„tziebe Schwester! Mei» kluges Pflegetöchterchr» Helene hat eben aus gekundschaftet, daß Loris ehemaliger Verehrer, von dem ich Dir beretts schrieb, die Abficht hat, p rsöhulich nach A .... ,n reffe», um womöglich mit Lori jufammenju triften. Suche zu verhindern, daß die Beide» fich sehen, laß daS Mädel, die Lori, nicht aus de» Auge», der junge Mann wird morgen oder übermorgen bei Euch ein- treften. Wenn ich mich loSmachen Ian», so komme ich bis dahin selbst. Konrad/
„Nein, nein, bas darf nicht geschehe«, daß die Beide» fich Wiedersehen."
Kaihinka rief ihren Neffen und zog diesen zu Raihr.
„Das Beste ist, wir machen eine kletne Vergnügungstour," meinte Theo, „bann mag der schlaue Herr warte», bis wir zutückkommen. Et soll fich nur die Zeit nicht lang werden lassen. So find wir ganz sicher, daß Lori ihm nicht begegnet."
(Fortsetzung folgt.)