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r Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion: Markt 31. — Telephon 56.
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Mittwoch. 23. Mai 1900.
Anzeigen nehmen entgegen: di» Expedition dieses Mattes, bk Annoncen»
Lnreanx von Haasentzein & Bögler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde» nr cyrtt.„rt
berg, Wien: Rudolf Masse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; vt).
L. 5. Daube * Lo., Frankfurt e. M., Berlin. Hannover, Pari» re.
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Ende bereitet.
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Befprechnng der Parteien vorgeschlagen, dem Gesetz eatx Znsatzaitikel zu gebe», welcher daS k ü » ft l e r i s ch e
® das Kompromiß übernommen wird. Damit wird llar, daß es der Linken mehr auf eine Mrchprobe ankommt als darauf, ein wirklich brauch, tee» Gesetz zu schaffe«. Und auch aus diesem Grunde
f. Maßregeln, die eine solche Tendenz verfolgen, wirklich 1 »die Freiheit von Kunst und Wissenschaft" bedroht?
Der das behauptet, beweist entweder nur, daß er die bezüglichen Bestimmungen des Gesetzentwurfs nicht kennt oder falsch auffaßt, oder daß er mit Ab- ficht weite Kreise der Bevölkerung irrezuführen trachtet.
*" Deshalb würden wir es bedauern, wenn ein Kwpromiß in der Form, wir sie oben angegeben ist, geschlossen würde und man nicht de» Versuch invchte, die nicht ganz einwandSfreie Fassung der Paragraphen unter Aufrechterhaltung der Tendenz zu beseitigen. Präsident Graf Ballestrem hatte bei der
Die lex Heinze.
ggit wir in unserem Parlamentsbericht mittheile», heute wieder die lex Heinze im Reichstag zur Die gestrige Vertagung derselben hatte Zmeck, die Schaffung eines Kompromiffes zu Wen. Wie eS scheint, ist nun die mittlere Linie den worden, auf der sich die Parteien zusammen- werden. Die Konferenz der Vertreter aller !eien im Reichstage soll das Ergedniß gehabt an, daß daS Centrum und die Rechte auf die den angefochtenen Paragraphen der lex Heinze verzichten wollen, wen» dafür wenigstens eine Be- g in das Gesetz aufgenommen wird, wonach
W dehnbar ist. Merkwürdiger Weise aber scheint sie gleichzeitig damit einverstanden zn sein, daß der in Thal dehnbare Begriff „gröblich das Echawgefühl verletzen, ohne unzüchtig zu sein"
Derjenige bestraft wird, der Kindern unter sechzehn Till Jahren Darstellungen verkauft ober anbietet, die ohne * W ^zhchtiz zu sein, die Schamhaftigkeit gröblich ver. /g66f He». Die Parteien sollen bereit sein, das ein»
Miiimnen. Trifft daS zu, bann wäre dem un- Würdigen Schauspiel, baS bie Obstruktion bietet, ein
>0 Pfc ZllS Verständniß dieses Kompromisses wird ks „_z ’tgxt sein, wen» wir unS die umstrittenen Paragraphen ' h,'s Sedächtniß zurücklufe». Wie in der Commission Seraihung der lex Heinze ausdrücklich festgestellt den ist, geht die Tendenz der beiden graphen 184 a und b dahin zu treffen: „1) bie ab nnanstänbigeu Darstellungen, burch welche das m- und Sitelichkeittsgesühl verletzt wirb; 2) bie finkten Darstellungen, welche bie geschlechtliche einbeit wecken, ohne unter be» Begriff des lln- tig'N zu fallen." Kau» das „geistige Reaktion" k schlechten Sinne genannt werden? Wird durch
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schaffen schützt. Dem aber hat sich bie Linke wider- 1 fitzt, angeblich weil ihr der Ausdruck „künplerisch"
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(Nachdruck verboten.)
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Die kleine Lori.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortfetznng.)
»Ich wußte es, Du bist mein tapfere», geliebtes «me» Mädchen, — also das wäre abgemacht," ^ilte Johannes so laut, daß der Herr in 7? Wagenecke ans feinem Schlummer leicht er» anffuhr, sich aber sofort wieder zurücklehnte. |»”® das andere Lori," fuhr Johannes fort. K'i habe, wie ich ohne Ueberhebung sagen kann, 6 Tüchtiges gelernt. Gott set's gedankt. Das M Aich nun in den Stand, einen eigenen Herd zu Bleibt mein Vater unerbittlich, so suche tth §L-lle, — die ich anzunehmen im Begriffe stand «ei» Sätet mich zu sich berief, zu erhalte», rs die nicht, — nun dann ist es eine ,Ct» jedenfalls hoffe ich, Dir in nicht allzu- 1R Zeit gute Nachrichten sende» z» könne». Habe etwas erreicht, so theile ich es Dir sofort mit. ' wenn »eine Stellung eine fest gegründete ist, bann, — folgt hoffentlich auf diese trübe Zeit bester, bann komme ich, unb hole wein süßes Tantchen, meine kleine Loti, — was sagst Du W?"
31 den Augen des jungen Mädchens schimmerte swcht. Mft glücklichem Lächeln nickte eS bem Ge- zu, wortlos drückte Johannes die zierliche Ge- lest au sich, so saßen sie eine Weile, bann hielt y Zug.
^»34 muß jetzt fort, mein Lärchen," rief Johannes 2^8 ansspiiugenb. „Mau wirb »ich zn Hanse Mehar längst vermisten, ich muß sehr eilen, — also
wäre zu bedauern, wenn der Obstruktion ein so wetteS Estgeaeskowmen gezeigt würde, wie es im vorliegende» Kompromiß beabsichtigt wkd. Den» die Linke wird das zweifellos als einen Sieg der Obstruktion gebührend feiern. Hier heißt es Principiis obsta, damit nicht eine parlamentarische Unsitte einreißt, die schließlich wichtige öffentliche Jntereffe« bedroht.
Der Appetit kommt beim Essen, das ist eine alte Ei fadrung. Tiej-nige», die heute die Obstruktiv »Sorbett mit Wohlbehagen gesehen, vergessen ganz, daß das nämliche Mittel zu jeder Zeit und bei a 11 ea (gelegen» beiten angewandt werden kann. So bedeutet den» die Aaerkennimg der Obstruktion die Anerkennung des Prinzips, daß eine beliebige Minderheit das Recht hat, die Gesetzgebungsmaschine zum Stillstand zu bringe». Nehme» wir an, irgend eine Gruppe hätte sich zusammeugethau — weil sie sich in ihrem materiellen Interesse verletzt fühlte — um das Zustandekommen des bürgerlichen Gesetzbuches zu hintertreiben —, man müßte sich das gerate so gut gefallen lasten, wie jetzt die Obstruktion im Falle der „lex Heinze". Man braucht die Analogie nur im bescheidenste» Umfange auszudenken, um einzusehen, daß die Obstruktion dem Wesen des Parlamentarismus widerspricht. Darüber kommt man mcht hinweg. Was aber principiell unrichtig ist, ist eS auch im Special» falle der lex Heinze. Die künstlichen Versuche einzelner Blätter, für die Heinze - Obstruktion einen moralisch gerechtfertigten Specialfall zu konstruiren, müssen zurückgewirse» werden. Der deutsche Parla- meutarirmus giebt sich selbst auf, wenn er in einem Einzelfall eine Handlungsweise gut heißt, die, gcneralifirt, die Gesktzzebungsmaschine zum Stillstand dringt. Bis jetzt hat der Deutsche auch die parlamentarische Arbeit als eine ernste Sache betrachtet; möge man sich davor hüten, sie nach dem Beispiel von Slaven und Romane» bei alle» anständigen Charaktere» verächtlich zu machen.
Umschau.
Beendigung des Berliner Straßeuba h n st r e i k s.
(Bon unserem Berliner —» Mitarbeiter.)
Der große Straßenbahn-Streik, der am Sonntag so wilde Scenen herbeiführte, ist znm Glück, Dank der erfolgreiche» Vermittlung des Oberbürgermeisters Kirschner, bereit» zum Abschluß gelangt. Lauge wären auch die Sympathie» der Bevölkerung den Ausständigen kaum erhalten geblieben, denn wenn eine Stadt von solcher Ausdehnung mit einem Schlage des wichtigsten Verkehrsmittels beraubt ist, so empfindet das fast jeder als eine lästige Störung. Die Direktion der Straßenbahn hat gegen» Über den Hauptforderungen Entgegenkommen bewiese» »»b auch bie Streikeube» waren so besonne», ben Bogen nicht zu überspanne» uub sich mit bem Ge»
Lori," fügte er in ermnthigeudem Ton hinzu, „Kopf hoch, jetzt wirb nicht mehr geweint, Dn machst Dich sonst noch krank. Suche Dich zu beherrsche», damit ich Dich mit frischen, rothe» Backen finde, wenn ich komme, und »och ei»8, — vergiß bie Chiffer» zum Briefe nicht, unb schreibe balb, recht balb. Ich hege bie feste Zuverficht, daß wir in kurzer Zett ganz und für immer vereinigt fein werden. — Bis dahin aber verttaue mir!" —
Noch ein letzter Händedruck, ein heißer, inniger Kuß, Johannes sprang behend ans dem Wage», nahm sei» Velociped in Empfang, — und fort rollte bet Zug. —
Lori winkte, so lange fie bie hohe Gestatt bei Geliebte» zu sehe» vermochte, mit bem Taschentuch, dann setzte fie fich still ans Fenster, doch fie weint jetzt nicht mehr.
Zuverfichtlich und hoffnungSfreudig war ihr zu Mnthe, daS trübe Gesichtchen hellte sich nach unb nach anf. Mit heiterem Auge bettachtete fie zuletzt bie fich immer anmutiger gestaltenbell Landschafts- bilber, die draußen vorbei huschte».
VH.
Am Lahnhofe zn A . . . stand ein elegantes Gefährt mit zwei unruhig scharrenden Pferden be» spannt. Die Zügel hielt ein junger, recht hochmüthig dreinblickender Herr in der fein behandschuhte» Linke», während die Rechte eben ben goldene» Zwicker auf bet Nase befestigte. AuS bem bleichen, etwas verlebten Gesicht blickte» ei» Paar wasseiblane Augen, ein hellgrauer Hut saß anf bem braunen, hinten glatt» gescheiteltem Haar, der Hals steckte in einem steifen Stehkragen von unglaublicher Höhe.
botenen zu begnügen. Das Gehalt der SSaffner wie es*jetzt vereinbart ist, beginnend mit 85 Mk. unb steigend bis zu 120 Mk. mag ja auf de» ersten Blick nicht gerade bettächtlich erscheine». Aber es kommen zu dem Gehalt und dieser Punkt wird fast ganz außer Acht gelasseu — die vielfach seitens der Fahrgäste gespeudeten Trinkgelder. An diese „fieiwillige Steuer' haben sich nachgerade bie Empfänger bereit gewöhnt, daß man in den Berliner Straßenbahnen bei Nichtennichtung des Obolus fast so scheel angesehen wird, wie von bem Kellner, bet fich nicht genfigenb ausgezeichnet glaubt. Eher hätte» also bie Fahrer, bie zudem ben mühevolleren unb verantwortlicheren Dienst haben, unb denen Niemand etwas reicht, auf eine erheblichere Besserstellung Anspruch gehabt. Uebrigens muß hervorgehoben werden, daß bie Direktion bie Gehaltserhöhung schon vor bem Streik zugestanben hatte und ber einzige Hauptunterschied zwischen ben jetzigen Einigungsbestimmungen unb ben Vorschlägen der Direktion darin besteht, daß die tägliche Dienstzeit 9, nicht 10 Stunden betragen soll. Wie energisch die Regierung bet der Fortdauer der Streik - Unruhen eingegriffen haben würde, zeigt die heutige Erklärung des Ministers des Innern Frhr. v. Rheinbaben im preußische» Abgeorbnetenhause, wo eine Interpellation aus bem Stegreif übet die Ausschreitungen des Sonntag erfolgte. (Wir bringe» an anderer Stelle ausführlichen Bericht darüber. D. Red.). Herr v. Rheinbaben kündigte an, daß im Nothfalle mit militärischer Macht der „Janhagel" zu Bode» geworfen werden solle, und in demselben Sinne äußert fich heute Abend die osficiöse „Nordd. Allg. Ztg.": Die Regierung werde von den ihr gesetzlich zustehenden weitgehenden Machtbefugnissen rücksichtslos Gebrauch machen. Man darf erleichtert aufathm-n, daß der Streik beendet ist, beim bie Anwendung militärischer Machtmittel hätte in einer Stadl, wie Berlin, durchsetzt mit gewaltthätigen Elementen, Ereignisse von großer Tragweite herbeiführen können. Solange es irgend thunlich ist, sollten Ausschreitungen mit polizeilichen Kräften bekämpft werden. Das Erscheinen von Militär ist gewiß wttksam, aber es erhöht andererseits erfahrungsgemäß die Gefahren, die aus ben Zusammenrottungen, auch für Unbe- theiligte, entstehen.
Ueber diese Zusammenrottungen und die begangenen Exceffe muffen noch einige Worte gesagt werden. Anscheinend haben die Ausständigen selbst in der Hauptsache fich ruhig und besonnen benommen und das an dem Streik völlig unbetheiligte Publikum hat die Ruhestörungen begangen. Das aber ist zweifellos eine Folge der sozialdemokratischen Verhetzung und der Art und Weise, wie bie Presse über ben Streik berichtet hat. Wenn sozialdemokratische und demokratische Blätter aufteizende Artikel bringen und selbst bie unpolitischen Blätter bie Vorgänge i» einer bie Leibenschast reizenden Weise besprechen, ist es bann
Das geschniegelte Herrchen mit ben weiten, auf» fallcnb Hellen Beinkleibern warf dem Kutscher die Zügel zu, sprang aus dem Wagen und half galant seiner Bcgletterin, einer sehr zur Korpulenz geneigten Dame mit leicht ergrauten Lockenbuffern an be» Schläfen, beim Aus steigen.
„So, mein liebes Tantchen, da wären mir," sagte der junge Mann mit etwas schnarrender Stimme, „Du gestattest doch?" *
Mit diesen Worten reichte er her neben ihm schreitende» Dame den Arm, de» diese mtt einem Lächeln der Befriedigung ergriff; dabei tarn eine Reihe elftnbeinweißer Zähne zum Vorschein, an deren Echtheit man mit vollem Recht zweifeln konnte.
„Du bist doch bie Zuvorkommenheit selbst, mein lieber Theo," sagte bie Dame mit einschmeichelnder Stimme, „ich wnubere mich oft im Stillen darüber, daß Du mtt mtt alten Fran so viele Umstände machst."
„Aber Tante, ich bttte Dich", rief der Angeredete mit allen Zeichen des Entsetzens auf dem etwas faden geckenhaften Gesicht, „wie magst Du mit Deinem blühende» Aussehen von „alt" rede», Dn kannst es gettost mit jeder junge» Dame aufnehme»."
„Schmeichler Du," äußerte bie Dame, augenscheinlich sehr befriedigt, indem fie das leise rauschende Seidenkleid mit der Hand aufraffte, um es vor Staub zu schützen.
Die kleinen, etwas verschwommenen Auge» ließ fie nach allen Setten umherschweifen, da fie hoffte, ttgend einem Bekannten zu begegnen; fie liebte es sehr, wenn fie mit dem eleganten Neffen gesehen wurde, besonders wen» er ihr, wie heute, de» Arm bot.
ein Wunder, wenn bie Ausschreitungen fich zu förmlichen Straßenkämpfen steigern? Mitschuld an ben bebauerliche» Vorkommnissen tragen also zweifellos jene Zeitungen. Was soll man denn dazu sage», wenn z. B. der Nattonalsoziale v. Gerlach in der „Welt am Montag" das Publikum dttekt zu einem Ein greift« in den Streik auffordert. Er bezeichnet es als Pflicht ftd-s einzelnen, der die Straßen- bahn benutzt, die noch fahrenden Schaffner zur Betheiligung am Streik „nachdrücklich" zu „mahnen" und er fordert jeden Passanten auf, „jedem vorüberfahrenben Kutscher unb Schaffner die Aufforderung zum Stteik zuzurufen." Unter diesen Umständen kann man es doppelt f endig begrüßen, daß der Stteik beendet worben ist unb damit allen Hetz- versuche» unb allem demagogischen Treiben ein Riegel vorgeschoben ist.
Sozialdemokratie und Börsen- gefreute.
Ans der Sonnabend-Sitzung der Budgetkommisfio» des Reichstags berichtet die „D. TageSztg." über eine» sehr interessanten Vorfall: Zu Beginn fehtte» die vier sozialdemokratische» Mitglieder der Korn» Mission; sie waren jedoch im Reichstogsgebäude anwesend. Der nationalliberale Abgeordnete Büsing, ein eifriger Vorkämpfer der Börse und Bekämpser der Börsensteuer, stellte de» Antrag, de» llmsatzstcmpel auf Renten unb Schuldverschreibungen ausländischer Staaten nnb ausländischer Eisenbahn-Obligationen, für bie eine Erhöhung anf s/io vom Tausend vorgeschlagen war, auf 2/10 wie bisher zu belassen. Diesen Antrag bezeichnete der Abg. Müller (Fulda) als ein Geschenk an die Börse. Da der AuSgang zweifelhaft und von wenigen Stimmen abhängig war, wmde» die vier Sozialdemokraten von den Freifinnigen herbeigeholt, unb mit ihrer Hilfe gelang es denn auch, den Anttag Büflng glücklich zue Annahme zu bringen. Damit ist der Börse eine Liebesgabe von einigen hunderttausend Mark gemacht worden, und der angeblich .antikapitalistischen" Sozialdemokratie gebührt daS Verdienst, ber armen Börse zu einem Geschenk vrr- holfen zu habe». Nach der Abstimmung verschwanden die Sozialdemottaten unter Führung Singers schleunigst wieder mit vergnügte» Gesichtern.
Der südafrikanische Krieg.
Jetzt liegt endlich auch eine amtliche Meldung über den Entsatz von Mafeking vor. Eine Depesche MilnerS a» Chamberlain aus Kapstadt vom 21. Mai besagt: General Barto» telegraphirt aus Taungs, daß Mafeking am 17. Mai entsetzt worden sei. In der Depesche wird ferner berichtet, daß die Eatsatzkolonne etwa 2300 Mark stark gewesen sei und von dem Oberst Maho» befehligt wurde.
Die englische Regierung hat mtt ber Anerkennung für den Vertheidiger Mafekings nicht gezögert. Oberst
Langsam schritt baS ungleiche Paar auf dem Bahnsteig auf unb ab, der fich mehr und mehr mit Menschen füllte. Dem jungen Man» schien es doch etwas unbehaglich zu werden, er rückte unb zupfte nervös an ber feinen Krawatte, unb zwirbelte ben langen Schnurbart. Er hatte einige seiner Bekannte» entdeckt, nnb gesehen, wie fie fich lächelnd nach ihm umwanbten. Er schnitt eine Grimasse und suchte nach einem Grund, bie „Alle", wie er die Tante stets bei fich nannte, verlassen zn können.
Theo wußte längst, daß die Kamerade» fich über ihn lustig machten, — allein, — die Taute besaß das, was ihm fehtte, ein großes Vermögen, unb er sollte einst alles erben. Deshalb mußte man bett Zuvorkommenden spielen, und die Atte stets bei guter Laune erhallen. Sie war auch durchaus nicht knauserig ihm gegenüber, und lohnte seine Aufmerksamkeit stets mit funkelte» Goldstücken. So führte er ein äußerst angenehmes Leben, da die Tante ihm jede» Wunsch gern erfüllte, nur dmfte er sich niemals merken lasse», daß ihm seine Aufgabe, fie überallhin zu begleite», manchmal recht schwer wurde. Ihr Vermögen war groß genug, um ihu vor jeder Sorge zu schützen, und so gestaltete fich sei» Dasein zu einem recht be» neidenswertheu. Seine ganze Arbett bestand darin, ben Gesellschafter der Tante zu spielen, ihre Geldgeschäfte zu besorgen, kurz feine ganze Zeit ihr zu widmen. Daß ihm dies zuweilen recht langweilig vorkam brauchte fie ja nicht zn wissen.
„Nicht wahr, Tantchen," Begann er wieder, „Du entschuldigst mich eine» Augenblick; ich sehe dort drüben meinen Freund, und möchte ihm rasch einige Mittheilungen machen, ich bi» sogleich zurück."
(Fortsetzung folgte)