K*hrt kigNch aufttr an 28trttae«i nach V»m>- anb gtkrtagtn. w? 4ß7 ÜnatMie-HbonntmentS^rtil txi btt Sxntditian S 3Wt, bei allen JK lU I MNMra 2,26 Mk. («kl. BeMgeld). JnierN«n»,.bühr: di, «- ti*Mw »d« bann Sanni 10 $ffc, Stfitnu*: Ne Zeile 26 Pfg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. """" Jllustrirtes Sonntagsblatt.
’QCT nrfil trn Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieser Blatter, die Annoncen-
y Bureoux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M„ Cassel, Magd«. O- L
Mittwoch 9. Mai 1900. hÄÄÄXÄft 3o'
Der gegenwärtige Stand der Sozial- Reform in Deutschland.
I'® der »Sozialen Praxis" beleuchtet deren gzgeber Dr. Einst Franck- in seh: beachtenS- « Ausführungen den gegenwärtigen Stand der lreform in Deutschland. Sngstchts der von jener Wpchenschiist nahestehenden Seite lebhaft erleo, nach Paris einberufenen ivternatinualen aschutzkouferenz können diese Ausführnng-n den mH auf ein besonderes Interesse machen. Lader, daß das Foitschreiten uiserer Sozialreform von dem bekanniltch ziemlich radikal»sozialen i nicht überschätzt wird, wird man sicher sein i, und hoffentlich wird gerade darum der Aufsatz sranckeS auch auf diejenigen, die mit dem po" unserer sozialpolütschen Fortschritte gar recht zufrieden sein wollen, einen beruhigenden eck machen.
fir entnehmen auS den erwähnten Aulführuvgen M Folgende: Die Vertreter der Reichsregierung haben sich wiederholt gegen den Vorwurf verwahrt, daß die Sozialreform ins Stocken gerathen sei. Dies sei, so er- klärtenamentlick der Staatssekretär deS Inner», in einem Lande wie Deutschland überhaupt gar nicht möglich; die ganze wirthschaftliche und gesellschaftliche Entwickelung »erbiete das, lebe socialpolitische Maßnahme erfordere »eitere, und wie die Glieder einer Kette greife eine veAmwnng in die andere. Richtig ist jedenfalls, «6 rat Reichsamt deS Innern in den letzte» Jahren ine erhebliche Summe socialpolttischer Arbeit geleistet »erben ist. Ihre Flüchte waren zunächst die Revision er Jnvaltdenverficherung, die im Vorjahre zu Stande |ta, und die Novelle zur Unfallversicherung, die »offeitlick in den nächsten Monaten verabschiedet ■erben kann; ebenso ist eine Abänderung der Kranken- Mlsicherung angekündigt.
I Man mag über die Ergebnisse dieser Revision ■mb Erneuerung denken wie man will, so wenig sie W Enthusiasmus Veranlassung geben, so bieten sie Wch ein tüchtiges Stück ehrlicher sozialpolitischer Memarbeit, die den arbeitenden Klassen manche» Woitheil, manche Erleichternug bringt. Das hat auch jüt sozialdemokratische Fraktion des Reichstages da- kdmch anerkaunt, daß sie zum Schluffe einstimmig kfür die Invalidenversicherung eingetreten ist, während PÜHer jeder sozialpolitische Gesetz bei ihr auf ei»
Nein stt> ß. Einmüthig war auch der Reichs- p6 in der Forderung einer Wittwe». und Waisen- Wersichnung, hier machte die Regierung die Ein- Wendung za erheblicher Koste». — Nicht unerwähnt Heibe noch in diesem Zusammenhänge die endlich er» gjofc Erfüllung eines mehr als zehn Jahre alten MsnfcheS aller Parteien, die Errichtung eines Museums Wr soziale Praxi«.
Auch auf dem Gebiete des ArbeiterickutzrS verzeichnen wir Fort chrilte. Wir erblick-» solche i» der Seemanasordnung, so viele weiteroeh-nde berechtigte Wüasche sich auch an den Entwuif knüpfe» mören. Durch die Regelaug der ArbritsVerhältnisse i» Getreidemühle», denen die Bestimmungen für das Schank- und Gastwirthsgewerbe in absehbarer Zeit folgen werden, wird wenigstens den ä gsten Unsitten und Mißbräuchen gesteuert und der Begin» einet festen Ordnung in bisher ganz anarchischen Gewerben gemacht». ReichSgesetzliche Vorschriften gegen die Aus biutung der Arbeitskraft schulpflichtiger Kinder sind auf Grund einer Erqaete in sichere Aufsicht gestellt. Ebenso eine, freilich ungemein vorsichtig tastende Beff-rung der Zustände in der Hausindustrie, zunächst für die Tabakheimarbeiter. Endlich denkt man an eine Ausdehnung der Schutzvorschrifteu auf alle Motoreubettiebe der Kleioindustrie. Daneben gehen Schutzbestimmunge« für einzelne besovdnS gefährliche FabrtkatiouSzweige durch bundeSräthliche Verocd- nungen. Auch dem Bauarbeiterfchrtz wird größere Sorgfalt zugewendet. Die bedeutsamste Errungen, schäft aber ist die Novelle zur Gewerbeordnung, die nur »och des letzte« Wortes der Verabschiedung harrt; sie beschneidet die bisher üppig wuchernden Auswüchse deS gewerblichen Arbeitsnachweises, versucht — vielleicht mit nicht zulängliche» Mittel» — große Mißstände in der Konfektionsindustrie zu beseitigen und stellt vor allem eine ganz neue, viele Hundert- tausende zählende Kategorie von Personen, die Handlunzsgehilfe», unter den Schutz der Gewerbe, ordnung, indem sie ihre Arbeitszeit zu regeln unternimmt.
Regierungen und Parlamente in de» Einzelstaate» sind ebenfalls zur Z it nicht müßig auf dem Gebiete der Sozialreform. Ei» lehrreiches Beispiel, wie sich hier berechtigte und volksthümliche Fordetunge» trotz anfänglicher Widerstände doch durchsetze», ist die vo» Staat zu Staat fortschreitende Einführung weiblicher Gehilfe» der Gewerbeaufsicht; »och Boyer», Württemberg, Heffe» find diese nun auch Bade», Sachsen, Preußen hierzu geschritten. Aehnlich wird es mit dem Verlange» »ach Heranziehung von HilsSbeamte» aus der Arbeiterschaft, namentlich in Bergwerke» und auf Baute» gehen; für die Grubeukoutrolle hat man eine» kleine» Schritt »ach dieser Richtung i» Preußen, hinfichtlich der Baukontrolle eine» erheblich größeren i» Boyer» getha». DaS Personal der Fabrik, inspektio» wird, wen» auch vielfach »och io unzureichendem Maße, vermehrt, die zeitraubende Ksiel- revifiou ist in Preuße» ihr wieder abgevowme», eine energischere Ahndung von Verstöße» gege» die Schutz vorschrifte» wird angestrebt.
Mit besonderer Geuugthuung überblickt der 25er- faffer das Kapitel der kommunale» Sozialpolitik. I» immer mehr Gemeinde» wird die Verwaltung
vo» der Einsicht geleitet, daß sich ihre Pflichte» nicht bloß auf Bauordnung, Straßenbau und Straße». Polizei, nur Beleuchtung und Reiniaung, auf Be. schaffuug von gutem Wasser, auf Beseitigung der Abfallstoffe u. f. w. beschränke» mflffen, sondern daß sie vor allem auch für das Wohlergehen ihrer eigenen Arbeiter zu sorge» hat. „So sehe» wir — schreibt Dr. Stande — in Reick, Staat und Gemeinde neben tiefe» und großen Lücke», zu beten AuSMle» e» unausgesetzter und planmäßiger Arbeit bedarf, doch auch manche Fortschritte und Ergebniffe, die zu der pessimistische» Klage „Untröstlich ist'S" »och allerwärt» nicht berechtige». — Mit einem Punkte aber ist der Verfaffer nicht zufttede», mit dem Fort, schreite» der Arbeiterorganisation. In dieser Hinsicht weist Dr. Francke auf nut „einen einzelnen Schritt" bin: die Aufhebung des VereinsverbindungsvetbvteS. Uns scheint, daß auch einmal die Zeit kommen wird, wo die „Soziale Praxis" erkennt, wie wenig die Forderung der „Emanzipation der Arbeiter durch eigene Kraft" für unsere deutschen Verhältnisse paßt. Emanzipation der Arbeiter vo» der Sozialdemokratie — das ist es, was zunächst gefordert werde» muß; dann wird sich auch über Erleichterungen für Arbeiter» organisatiooeu rede» laffe».
Umschau.
Festakte im AnSland habe» auS Aulaß der Großjährigkeitserklärung des deutsche» Kronprinzen am Sonntag überall statt- gefunden, wo deutsche Botschaften und Gesandtschaften vorhanden find. Auf der deutschen Botschaft in Paris war großer Empfang. Neben dem Präfidente» der Teputirtenkammer Dekckanel waren auch die Minister DelciffS, Lanesian, LeygueS n»d Millerand mit ihren Dame», die Mitglieder deS diplomatischen Corps, der frühere Botschafter in Berlin Herbette erschiene». Aeh»liche Festlichkeiten werden gemeldet aus Kopenhagen, Madrid, Rio be Janeiro.
Auszeichnungen für ben Kronprinzen stnb in großer Zahl verliehen worben. Kaiser Franz Josef hat de» Kronprinzen zum Inhaber deS 13. Husaren > Regiments ernannt. Der Zar ließ dem Kronprinzen mit einem Glückwunschschreiben den AndreaSorden überreiche». Der KardinalstaatSsekretät Rampolla hat btm Kaiser die Glückwün che deS Papstes übetmitelt. Der Papst hege die aufrichtigsten Wünsche für das Wohlergeh-n des erhabenen Prinzen.
Der südafrikanische Krieg.
Bom Kriegsschauplatz.
Der Kampf ist nunmehr auf der ganzen Linie, westlich von Warrenton am Vaal bis östlich in der
Gegend vo» Ladybravd im Gange. Das größte Interesse richtet sich naturgemäß auf die Operationen der RobertSschen Hauptarmee an der Eisenbahn Bloemfontein-Kroonstad. Roberts hatte zuletzt amtlich gemeldet, daß er am 5. 5 Kilometer südlich vom Beiflusse eingetroffen sei. Neber den Kampf dortselbst und seine Folge» liegt jetzt folgendes ausführliche Reuiertelegramm vom Vetflusse vom 6. dS. vor: „Die Division Pole Carew tarn gestern (5 ) mit dem Feind in «erüh-ung, der den Oit und das Fluß- ufer besetzt hielt. Um 1 Uhr Nachmittags eröffnete der Feind das Feuer auS sechs Geschützen. ES entspann sich ein heftiges Artilleriegefecht. Bald nach deffe» Begin» fuhr der Feind auf seinem linke» Flügel noch mehr Geschütze auf, denen außer zwei britische» Feldbatterieen vier SchiffSgeschütze und zwei Belagerungskanonen gegenübertraten. Zeitweilig brachte» die Engländer zwei Gesckütze der Buren zum Schweigen, aber einzelne Schüsse fiele» »och bei Eintritt der Dunkelheit. Inzwischen war General Hutton abgesandt worden, um den Fluß auf einer weiter »ach Oste» gelegene» Furt zu überschreite». Diese Furt wurde vom Feinde mit zwei Feldgeschütze», etnerMaximkanone u»d einer Haubitze energisch vertheidigt. Der Feind bestrich eine Zeit lang die britische Feuerlinie mit seinem Maxim, die britischen Maxim« und Haubitze» gingen aber vor und trieben ben Feind aus dem Flußbett. Beim Verlassen der Stellung gerieth der Feind in ein furchtbares Feuer. Später überschritte» sämmtliche Truppen HuttonS den Fluß und bedroht» die rechte Flanke der Bure». Diese müssen etwa z» derselbe» Zeit die Nachricht von der Besetzung WinhurgS durch General Hamilton erhalte» habe». Heute (6.) früh wurde entdeckt, daß die ganze Buren- macht während der Nacht abgezogen war. Genei al Hutton erbeutete ein Maximgeschütz und machte ztröE Gefangene." ES hat fich auch hier wieder das während dieses Krieges schon so oft beobachtete Manöver wiederholt, daß der tapfere und wirkungsvolle Widerstand der Suren Bei einem Frontalangriffe durch Entwicklung der feindlichen Masse» auf den Flügel» und Bedrohung bet eigenen Flanke» gebrochen wirb. Die Burenhäuflei» — wenn wir sie Hochschätze», dürste» 10006 hier am Vetflusse gestanden habe» — sind eben nicht im Stande, der erdrückende» englische» Ueberzahl, wenn sie rtchttg verwerthet wird, ans die Dauer die Spitze z» biete». Wen» sich ihnen nicht grabe ein so günstiges Gelände bietet wie im nördlichen Theile von Natal, wo eine Hebet» flügelung durch feindliche Maffeu beinahe auSge- fchloffe» erscheint, so werde» sie immer wieder au« de» wen» auch vortrefflich gewählte» Stellungen herauSoperirt werden. Sie zeige» ihrerseits jetzt »ach dem Unglück CronjeS die größte Vorsicht, sobald die Gefahr der Umgehung droht. So wurde schon bei De Wels Dorp durch BothaS Eingreifen
l“ (Nachdruck verboten.)
I Die kleine Lori.
I Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
I (Fortsetzmig.)
I »Na jetzt wird mir's ober bald zu dumm rntt |$nae» NarrenSpofleu, Lori" — brummte der Alte aber doch die Auge», um so eher etwas zu er« '***■; er war wirklich selbst neugierig geworden.
Btti athmete hastig, und rief dann laut, doch mit ««abtt Stimme: „Ich habe mich verlobt, Batet, weißt Du" —
Weiter kam sie nicht. Berneck war -mporge- wvngen, er riß die Auge» weit auf, die Pfeife in
Hand zitterte leise, und et rief überrascht; «iäbel, Mädel, waS machst Du für Streiche, — ae kannst Du um, —---wie sieg den» das zu?"
,Ja, Batet, — die Hauptsache kommt aber erst, *■ »ämlich, — tathe einmal, — mit wem ich mich »lobt habe,--doch nein, — Du rächst es
V- ich, — ich werde es Dir sage» mflffen, wm liebes, gute«, einzige« Väterchen l"--
I »Nun, — heran« damit!" —
I »ES ist--Johannes Lindeman» l" —
1 8m Bode» log die Pfeife, klirrend war der schöne aus dem der alte Herr nun schon so lange fWe und der noch ei» Geschenk seiner selige» Frau g*’ Eus de» Diele» zerspru»ge». Wehwüchtg starrte gweck die Scherbe» an, eine Weile sprach keines
Wort, nur das hastige Athmen der beide» und ■^Rauschen des niedersttörnende» Regens mar Der» jFwübat.
L. Endlich sagte Berneck leise in dorwmfSvollem E1*: .Kind, Kind, wie konntest Du Deinem alten pt* so etwas authun?!"
Lori hing fich um feinen Hals und schluchzte.
„Wir habe» »nS doch so lieb, Väterchen verzeihe mir, ich — ich kann wirklich nicht« dafür, daß eS so gekommen ist. Glaube mir, Johannes ist ein guter, edler Mensch, o, ich bin so glücklich in feiner Liebe, ich würde sterben, müßte ich vo» ihm lasse» !*
»Also deshalb — deshalb wolltest D» erfahre», was uns entzweite, das ahnte ich allerdings nicht!"
„Erinnerst Du Dich noch," begann Lori zögernd, „als mein Mütterchen noch lebte und ihr täglich nach vollbrachter Arbeit auf ben Lindmannkhof hinüber» kamt? Wie oft bie Mutter sagte, ich unb Johannes würben einmal ehe Paar werben? Wie lebhaft fie das wünschte? O Vater, ich betrachte jetzt diese Worte meiner Mntter als ihr thenerstes Vermächniß. Gewiß, wenn sie noch lebte, fie würde mit Freuden unseren HerzenSbmld segne», deffe» bin ich sicher, unb wen» eS bet themen Verstorbenen möglich wäre, etwas vo» de» Vorgänge» auf bet Erde wahrzu- uehme», fie würde fich gewiß freue», daß ihr Herzenswunsch nun in Erfüllung gehe» soll, daß wir uns doch gefunden, ttotz alledem. — Ist eS nicht wie eine Füaung des Himmels zu betrachten, daß alle« so kam?"
Lori blickte gespannt ihre» Batet an, doch feine Auge» haftete» noch immer au den Scherbe» am Bode» unb so bemerkte keines vo» Beibe», wie der Vorhang, der das Zimmer von dem anstoßende» Schlafzimmer trennte, fich leise bewegte. Für einen kurzen Augenblick tauchte ein weißes, schönes Erficht auf, dann verschwand es in den Falten der Porttere.
„Run, Väterchen, Du sprichst ja gar nichts mehr," schmeichelte Loti.
„Mein liebes Rieb," begann dieser endlich in weichem, bittendem Ton, „gieb de» Gedanken an eine
Verbindung mit — j nem Manne auf. Daraus kau» nichts werten, glaube mir, Lori."
»Aber meine Mutter wünschte e« doch so sehnlich."
„Damals lag alles ganz anders; Deine Mutter hatte ihre besonderen Gründe, — ich kann Dir das nicht alles so aureinandersetzen."
„Meine Mutter wollte nie etwas, waS unrecht war, das weiß ick gewiß; und das, was damals ihr höchster Wnnsck war, sollte heute unmöglich sei»? O Vater, — Vater, mache Dein einziges Kind nicht unglücklich 1 Wenn es nur an einem Entgegenkommen ödh Deiner Seite liegen sollte, laß Dich erbitten, sprich Du zuerst bas Wort der Bersöhnnng zu Deinem einstigen Freunde, — er wirb, er kann bann nicht -Nein" sagen. Denkst Du nicht mehr der schönen Stunde», bie Du mit ihm verlebtest? Sie werben wieberkomme», wenn Ihr Euch auSsöhnt, Du wirst nickt mehr so etafarn hier fitz:», eS wirb alles anders und b-ffet sein. Johannes und ich, — wir werben'« Euch danke», daß Ihr es gewesen, die unser Glück begründete», ein scköner Lebensabend erwartet Euch dain Beide, wir 1> Iben eine einzige Familie nnb Mütterchen im Himmel wirb sich freue» I"
Der Alte schüttelte trübe den Kopf. „ES wirb nicht gehen, Kind, — ich habe kein Vertraue» zu dem ehemaligen Frennde mehr, — nnb da» läßt fich nicht erzwingen."
„Mit gutem Willen läßt fich viel, läßt sich alles auSrichten, Vater."
„Hier reicht der gute Wille allein nicht aus."
„Väterchen," schmeichelte Lori, bie Arme wiederum nm den HalS des Alten schlingend, „hast Du kein Lertrane» zu mix, Deinem Kinde, willst Du mir nicht endlich sage», wa« zwischen Euch trat nach dem Tode meiner Mutter? Habe ich nicht ein Recht
darauf, bie» zu erfahren? Vielleicht, daß fich doch ein Weg finden läßt, Euch auszusehnen."
„Du warst bisher wie ein sorgloses Kind, Lori; jetzt bist Du auf einmal ein ernstes, denkendes Mädchen, aber ich fürchte trotzdem, Du wirft mich uicht verstehe». Du bist so ju»g, hast »och nicht» erfahren im Leben, da kann man doch auch kein Ser» ständniß für so ernste Angelegenheiten erwarten."
„Probier'S nur erst einmal mit mir, Väterchen, und Du wttst finde», daß ich gar nicht so unverständig bi», wie Du denkst."
Der Alle antwortete nichts. Er schritt zu seinem Schreibttsch, einem altmodischen, vielbenutzten Möbel, dar in der Ecke des Zimmers stand, und entnahm dem untersten Fache ein kleines Päckchen Briefe, sowie eine Photographie unb legte beibe« vor Lori hin.
Diese griff mit einem Ausrufe der Uebeiraschnng »ach dem Bilde.
„DaS ist ja — Johannes, — wie kommst Du dazu?"
„Nicht Johannes, sonder» sein Vater," entgegnete Bem eck mit zitternder Stimme.
Ans der Rückseite des Bilde« stand mit blauer Tinte geschrieben: „Meinem geliebten Klärchen zur stete» Erinnerung."
Und darunter in zierlichen Buchstaben: „Die» mein Talisman. ">
Schweigend löste der Älte das Band, da» nm >ie Briefe geschlungen »ar, Lori begriff noch immer uicht, waS das bedeuten sollte.
„Aber so erkläre mir doch, Vater---*
»Dies alle« fand ich, nachdem Deine Mutter gestorben »ar," begann Berneck, feine Tochter fixirend.
(Fortsetzung folgt.)