tflttWrn «torft 21. - XeltoN* 85.
Zweites Blatt
Kugelwechsel fuhr der Prinz von Wale» um
11 Uhr nach Hamburg und Köln weiter.
dem Stuttgarter „Neuen Tagbl." (Nr. 91) hat auf de« deutsche» Chirnrgen-Kongreß zu Berit» i» Bezug auf die Behandlung do« Dickdarmkrebsen Prof. Körte (wa» wir übrigen» nicht glaube») gesagt: „Bet aller Schwierigkeit der Behandlung gerade dieser Leiden muß da» Hauptziel derselben auf volle Ausrottung
erläßt in der Presse ergreifende Schilderungen der Wassers» oth, wodurch die Stadt Dannenberg seit laugen Jahren und auch tu diesem Jahre schwer zu leiden hatte. In zwölf Jahren sei Dannenberg 15 Mal von lleberschwemmungeu heimgesucht worden, wodurch der Nothstand namentlich unter der ärmere« Bevölkerung von Jahr zu Jahr bedrohlicher werde. Der Ruin der Stadt Dannenberg sei besiegelt. Z« diese» Ausführungen wird als Antwort von einem hohen RegieruvgSbeamte» die Anregung zur Gründung einer neuen Stadt zwischen Marwedel-Hitzacker durch die Prefie verbreitet. Der Plan der Stadtverlegung ist der Regierung zu Lüneburg unterbreitet worden.
ständniß dürfte aber angesichts der erdrückende» Beweise, welche gegen ihn vorliegeu, nur noch eine Frage der Zeit sein. Abgesehen davou, daß bei ihm gänzlich mit Blut besudelte Kleidungsstücke und Wäsche, u. A. Hemd, Kragen und Manschetten, gefunden wurde», giebt Pfläging zu, daß er sich am Sonntag Nachmittag mit seiuer Schwägerin auf einem Spaziergang befunden hat und macht die völlig uuglaub- würdige Aussage, er habe sich dann von ihr getrennt und toiffe nicht, wohin sie sich gewendet habe. DaS Blut auf den Kleidungsstücke» sucht Pfläging durch Nasenbluten zu erkläre«. Er ist übrigeus ei» bereits mit Zuchthaus vorbestrafter Meusch, welchem die Thal sehr wohl zuzutrauen ist. — Spätere Nachrichten besage», daß Pfläging am Sonntag Nachmittag ei« Geständniß abgelegt und dte That in vollem Umfange zugegeben hat.
Fulda, 29. April. Die hiesige ReichSbank- Nebenstelle wird bereits vom 1. Juni an zu einer Reichsbankstelle erhoben.
Gießen, 29. April. De« ehemaligen Angehörige» der 116. — vormalig 2. Großh. Hess. — Infanterieregiments wird zur Erleichterung der Theilnahme au der am 10. Mat stattfindeude» Enthüllungsfeier des RegimentSdeukmalS in Güßen io der Zeit vom 6. bis 15. Mat für die Hin- und Rückreise innerhalb der Direkttonsbezirke Frankfurt a. M., Mainz, Köln und Erfurt die Benutzung der 3. Wagenklaffe aller Züge gegen Lösung einer Militärfahrkarte, der 2. Wagenklaffe gegen Lösung je zweier Militärfahrkarteu gestattet; für v Züge ist außerdem die tarifmäßige Platzkartengebühr zu entrichten. Die Militärfahrkarte» werden gegen Vorzeigung de» MilitärpasseS oder einer Bescheinigung des zuständigen LandwchrSbezirkS- kommandos verabfolgt, daß der Betreffende bei dem 116. Infanterieregiment seiner Militärpflicht genügt hat.
Eine neue Spielbank in Sicht. Das Schloß Achilleion auf Korfu, das die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich mit einem Aufwand von 7 Millionen Frauken errichtete, wurde au eine französische Aktiengesellschaft für eine Million Frauken verkauft. Der Käufer erlangte, ehe der Kauf vollzogen war, von der griechischen Regierung die Eoucession zu einer Spielbank großen Stils. ES werden schon alle Vorbereitungen zu dieser Umwaudlung getroffen. UebrigeuS wurden schon vorigen Sommer die schönsten Kunstschätze aus Achilleion nach Wie» gebracht. Nur zwei Zimmer si»d dort uoch in dem Zustande, in dem sie die Kaiserin verlassen hat; auch die Statue HeiueS steht uoch auf ihrem Platz.
Lustige ZeitungSenttn. In den Bremer „Nachrichten für Stadt und Land" (Nr. 90) macht der Besitzer des Restaurant» „Zum Kronprinzen" bekannt, daß die in seinem Lokal auftretende Spezialitäten-Gesellschaft Duveneck zwei große Sala- Abschieds-Vorstellungen „zum Besten der im Transvaal- kriege grfalleueu Buren gebe» wird. Die Absicht ist ja gut, aber wie soll der Erttag au seine Adresse besördert werde»? — Es ist erstaunlich, wie schlecht manche Blätter oft über eine» Vorgang unterrichtet sind, der sich vor viele» Zeuge» abgespielt hat. So schreibt die „Rheinisch.Westfälische Bürger-Zeitnng" (Nr. 92) über die Verabschiedung unseres Kaisers von dem Prinzen von Wales auf dem Hauptbahnhof in Altona: „Die Musik spielte wiederum de» Präseutirmärsch u»d Heil Dir im Siegerkranz*. Nach herzlicher Verabschiedung mit dreimaligem
>eS Kranken gerichtet sein/ Aehuliche Kurmethode» >at seiner Zeit der berühmte Dr. Eisenbarth empfohlen.
AuS Nah und Fern. Bei der Lichte»stein-Brücke n Berlin sprang eine 65 jährige Frau in den Landwehrkanal. Der vorbeireiteude frühere Commandeur >er Garde-Kavallerie-Division, Generalleutnant Graf Warteurleben sprang vom Pferd und in voller Uniform in den Kanal und brachte die Lebeusmüde an Land, welche jedoch bald darauf in der Charitö tarb. Der General bestieg wieder sei» Pferd und ritt nach Hause. Geueralleutucwt Graf WarteuSleben vollendete am 30. Januar sein 64. Lebensjahr. — : 3eim Brande eines Wohnhauses in Stralkovo । Prov. Posen), der durch mtt Streichhölzern spielende ! kiuder verursacht wurde, find ein drei- und ei« fünf- ähriger Knabe verbrannt.
Die Lerleguug der danuover'schen Stadt Dannenberg scheint allen Ernstes ins Auge gefaßt zu fein. Der Stadtvoigt von Dannenberg Lampe
Berzeichrritz
d» für das Sommerfemrster 1900 an hiesig« Universität neu immatrikulirten bezw. inskribirten Studirenden:
LIL. Lenkewitz, Paul, Krefeld, n. Spr, Wilhklmsrr. 81. .
213. Häckel, Wolfgang, Frankfurt a. M, Math., Markt 7.
214. Wigand, Julius, Fulda, n. Spr., Unlergaffe 7.
215. Scheffler, Otto, Quenstadt, Math. u. Natur«., Metzger- gaffe 4 a.
216. Bormann, Franz, Lathen, u. Spr., Wettergaffe 7.
217. Müller, Wilhelm, Heidhaufen, n Svr., Wettergaffe 7.
218. Eroon, Gustav, Aachen, u. Geich., Haspelstrahe 33.
219. Ariid, Wilhelm, Rinteln, n. Spr., Kaseruenstr. 36.
220; Lüdemann, Johannes, Treptow, n. Spr., Harpelstr. 33.
221. Kling, Joseph, Frankfurt a. M., N;Spr., Kasernenstr. 55.
222. Schmidt, Heinrich, Weilburg, n. Spr., Fianksorter- ftraße 40.
223. Ballaf, Rudolf, Mainzweiler, Math., Grün 56.
284. Norden, Maximilian, Hamburg, Math., Unterxaffe 7, 225. Wilm, Bruno Pr. Stargard, n. Spr, Lugelgaffe 15. 226; Fresenius, Ferdinand, Frankfurt tu M., Chem, Rent-
fsiffer &DiIler’s
ist als Kaffee-Zusatz fast jedem Haushalt unentbehrlich geworden. (Original-Maike in Dosen).
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen» Bureaux von Haasenstriu & Vogler, Frankfurt a. M., Caffel, Mägde- tarn, Wien; Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; Ou. t. L. Daube * So., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari» re.
ftraste 54.
230. Freilivg, Heinrich, Haffelbach, Math. u. Raturw., Kasernenstr. 14.
231. Paul, Ferdinand, Hersfeld, Math; u. Naturw., Bar- füßerstraße 88.
232. Wiedemann, Heinrich, Buxtehude, neu. Spr., Unter- gaffe 10.
283. Jochim en, Paul, Altona, neu Spr., Grün 16.
234. Lorey, August, Frankfurt a. M., neu. Spr., Haspel- fhafee 33.
235. Reuter, Leo, Frankfurt a. M;, Chem, Wilhelmstr. 8.
236; Hertlei», Georg, Hersfeld, Math.. Rinthof 4.
837. Seele, Rudolf, Erfurt, Chem., Zwischenhausen 21.
238. Müller, Hermann, Höchst, Chem., Steinweg 23.
239. Friedrichs, Carl, Unna, Math., Wörthstr 26.
240. Apel, Carl, Elberfeld, Math., Hirschberg 5.
241. Hengstenb«g, Hermann, Solingen, neu. Spr., Hofstadt 18.
242. Tolle, Carl, Fürstenwalde, neu. Spr., HaSpelstr. 16.
243. Lippe,, Hermann, Paderborn, Jura, Wettergaffe 30.
MchM MW.
f Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -le Kreise Marbmg nnd Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion: 3Radt 21. — Telephon 55.
Vermischtes.
Ein Uuglücköfall iv der Weltausstellung. Der gestrige strahlend schöne Sonntag, an dem sich ein festlich gekleidetes, ftoh gestimmter Publikum in der Weltausstellung tummelte, ist durch einen schwere» Inglücksfall getrübt worden. Um 4 Uhr 5 Minuten brach die hölzerne Brücke zusammen, die am Fuß de» EiffetthurmeS daS MarSfeld mit dem Globe eheste» Panorama verbindet. Die Verwirrung war unbeschreiblich. Hilfe war sofort zur Stelle. Polizei- präfekt Lepine leitete persönlich die Arbeiten. Bisher find sechs Tobte und etwa vierzig Verwundete aus den Trümmern hervorgezogen worden. Aber wer weiß ob nicht noch mehr Unglückliche unter dem Schutt und den Balke» begraben find. Der General- kommisiar Picard hatte noch das Betteten der Brücke untersagt. Es befand fich auch int Augenblicke des Zusammenstürze» Niemand auf der Brücke. Aber zahttetche Paffanten unter ihr wurden von den Trümmer« getroffen.
Hof 28.
«CT 287. Giüter», Max, Crefeld, Chem , Renthof 4.
Jiac» aS8. Kühner, Walter, Bühle, neu. Spr, Hakpelstr. 9.
229. Mischer, Ernst, Mohlscheid, neu. Spr., Barfüb«-
GchcheiM »glich außer em Werktagen nach Genu- uub Feiertagen. TXgT
Ouarlals-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei alle» y
^ststMtent 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertiousgebühr: die ge- t 1 nnn
fneSwM« -der deren Raum 10 Pf«., ReLame«- die Zelle 25 Pf«. DleNstag, I. MlN 1900.
| Hessen-NaffM und Nachbsrgebiete.
| Mardorf (Kr. Kirchhai»), 27. April. I» Ifefcei Gegend bringt man sden Plänen, die von »Marburg aus in den Ebsdoifer Grund zu bauende »Eisenbahn von Heskem an Über Wittelsberg, R. Holz- bause», Roßdorf, Mardorf, Ersmtihausen, Haarhausen «d «omerShausen i» die Ohmthalbah» zu führen, pttl kywpathie entgegen. Wie man hört, wir dem- Mst eine in hiefiger Gegend stattfindeude Ver. ftamlung sich mit der Bahnfrage befaffe».
Cassel, 29. April. Die Mordthat auf dem Juugferukopf" hat eine rasche Aufklärung gefunden. C« ist nunmehr sowohl die Persönlichkett der Er- «orditt», als auch diejenige des Mörders mit ge- Mendrr Sicherheit fepgestellt. Der muthwaßliche Thäter, welcher von der Polizei bereits heute Morgen stflgeuommeu wurde, ist der Arbetter G. Pfläging in Gaffel. Die Ermordete ist deffen Schwägerin, die verehelichte Anna Fuhrmann zu Caffel, aus Dago-
rtLhaufen, im Kreise Melsungen, stammend. Das ge Mädchen hatte eine Stellung als Dienstmädchen kim Kaufmann Koni ad Eimer am Holzmarkt in fiel und wurde laut Anmeldung bei der Polizei- örde seit vorigem Sonntag schon vermißt. Heute ormtttag machte fich ein junger Mann dort oben der Mordstätte angeblich verdächtig, indem er die i» der Nähe am Wasserreservoir arbeitenden t In auffallender Weise ausfragte. Dem Vor- _______ iter kam die Sache so verdächtig vor, daß er die ■■ Verhaftung des Mannes veranlaßte. Er wurde iu- , da sich bei seiner Vernehmung herausstellte, ß er sein Alibi nachzuweisen vermochte, wieder frei- ff«. Pfläging war bisher in der Farbenfabrik Rosenzweig n. Baumann am Bahnhof in Wil- lmShöhe in Arbeit. Er wurde Sonnabend Morgen rhastet. Der erste Verdacht soll dadurch auf ihn falle» sei», daß eine Postkarte bereits gestern bei er Polizeibehörde in Caffel einlief, worin ein Bahu- «amter a. D. Zaun in Heckershausen angeblich an- eigte, er liege eine Leiche mit durchschnittenem Halse n Wäldchen bei Heckershausen, man möge fie ab- !vle». Der angebliche Schreiber wußte aber nicht» ®» der eiugegangene» Postkarte, eine nähere Unter- uchung ergab inzwischen, daß die Handschrift der der N "wähnten Schwagers Pfläging ähnlich sei. Es g vmde» sofort in der Wohnung des Pfläging Erhebungen angestellt, Haussuchung abgehalten und dabei blutige Kleidungsstücke vorgefunde». Als Motiv des HMoideS wird angenommen, daß eS der angebliche ikhäter auf das Sparkassenbuch der Ermordeten ab« »eseh« hatte. DaS junge Mädchen soll 600 Mk. «nf der Sparkasse angelegt habe». Ein Geständniß hat Pfläging bis jetzt noch nicht abgelegt. Sein ®e»
llem
vstcin-
ra
t rtgen PI
(Nachdruck verboten.)
treifzüge durch die Panier Welt-
Bon Paul Lindenberg.
I.
gen über Klagen. — Ein Sonntag in bei AuS-
B- — Die Pariser VolkSmasse«. — Uuglaub- Beschaffenheit der Wege. — Fast alle» noch dvll«det. — Arbeitermangel. — Die arme« Lr- terstatter. — Wenig Fremde. - Wie fich die iser die Deutsche» und anbete Ausländer vorstelle«. »Nun fitzt max ba mit bem Talent uub kann eS T verwende»' — die» alte Berliner Kauplet kau» "it größter Berechtigung überaus in Paris an- werden. Alles schimpft auf die Unferttgkeit Ausstellung, alle» ist unzuftiede«, alle» sucht ch einem Sündenbock, um auf ihn den Aerger, die obzuladen, aber zu dieser dankbarex Rolle fich Niemand bequeme«. Dieser Tage traf ich «en der erste« Berliner Goldschmiede, der die Erreugxiffe seiner Kunst, tat «erthe Vox Je8 über hunderttausend Mark, seiner Zett in Berlin r^^^Estellt hatte: „In welcher Abiheilung werden _ fertig« ba» Ih^ Sachen zu finde» sein?" fragte ich. — »S' mein L eber, daran habe ich überhaupt noch Shell pacht', Hegte er mtt, „fett drei Tagen such v ** in den Güterschuppen des Nordbahn Hof» umher 16 kann meine Kisten nicht herausbekommen —
13,
Pf, S'
atpM* ») Wir eröffnen hiermit eine Serie von Attikeln über 2 war fier Weltausstellung an« der Feder eines unseres "«»nNsteu Feuilletouiften. D. Red.
von der Unordnung da haben Sie keinen Begriff !e — Mein Hotelier sagt mtt: „ES ist jammervoll. Wenn die Ausstellung fertig wäre, würden fich jetzt schon die Fremden einstelle», bei Anbiang vertheilte fich unb bliebe nicht nm auf ben Sommer beschränkt; jetzt find genug Zimmer leer, später weiß man nicht, wie man Raum schaffen soll". — Sehnlich lauten bie Klagen bet Restaurateure, welche bie doppelte, bie dreifache Mieihe bezahlen »äffen unb gehofft hatten, daß fich von Mitte April an die Fremden zu ungezählten Taufende« in Pari» ett finde« würden, und die nun ftoh find, wenn fie nnt ihre Stammgäste behalte», und diesen Jeremiade» schließen fich die Angehörige« all' jener Berufszweige an, die mit Beginn bei Ausstellung ben goldenen Rege« erwarteten, und ihrer find sehr, sehr viele.
Dabei meint'» Mutter Natur auch diesmal so gnt mit ihrem Schooßkinde Paris. Wie wundervoll find die gegenwärtigen Frühlingstage, warm und weich die Luft, goldig dar frohe Leuchten der Sonne, alle» sprießt unb blüht üppig empor, bie ganze weite, unendliche Stadt scheint erfüllt zn fein von übermüthiget Dasettrsrende denn wenn auch der bedrückenden Fragen noch so viele find, fie kriegen ben echten Pariser Leichtsinn, ben rechten Pariser Uebermuth nicht unter, im Gegentheil, bie schieße» «ui desto tollere Purzelbäume, je zahlreicher sich bie Sorgen erstellen.
DaS merkt man so recht, wen« ma» an einem Sonntage bie Ausstellung besucht. Born ftühe» Morgen an strömen ihr bie Menscheuschaaren zu; je mehr die Uhr vonäckt, desto lebhafter wttd der Andrang, am schlimmsten während der Nachmittags, wo man an dvr Hauptwegen nur langsam vorwärts gelangt. Dtt
billigeren Restaurant», in denen bei Bock 30 unb 40 Centimes kostet unb neben bem sehr mäßigen vier ebenso minberwerthige Mufik verzapft wttb, finb überfüllt, in ben befferen Lokalen, in benen man Speisekarten ohne Preise erwarten kann, machen bie Kellner Wetten, wer von ihnen am meisten hi einerStunde gähnt, mehrere biefet Servietteuschwiuger sollen au» Langeweile tobsüchtig geworden fein. Dafür ist jede» Plätzchen auf ben Bänken, jeher Stuhl besetzt, dort wo der Verkehr nicht gar zn gefährlich ist, werden die Treppenstufen, dir Ouaimauern, bie Schutt- uub Steinhaufen, bie Umfriedungen bet Cartenanlagen zum Ausruhen und znm Aus packe» benutzt, den» diese kleinen Bürgerfamilien find sparsam und tarnen ben Ausstellungspreisen nicht: Vater enthüllt bie Weinpulle aus bene Zeitungspapier unb setzt fie zu manch herzhaftem Schluck an, Mutter holt bie Präpeleie» hervor unb füttert fich, Vatern unb bie Kinder, unb man schwatzt, lacht unb ist guter Dinge, daß man de« sonst so langweiligen Sonntag so amüsant ver- bracht, daß man den Nachbar« und Freunde« erzähle« kann, wa» man bisher von der Ausstellung gesehen und wa» fie einst bieten wird, ach, einst, einst!
Ueber die Wohlerzogenheit, die Genügsam- und Harmlofigkeit dieser Pariser Volksmenge« empfindet man immer wieder anftichtige Freude. Biele, viele Tausende find auf engem Raum versammelt, und kein Geschrei, kein Lärm, kein Umherioben »»nutzer Jöhre», keine Betrunkenheit und kein Johle», wie wax'S im jeliebte» Berlin und auch ander«»» bei solchen Gelegenheiten vernimmt. An manche« Stelle« ist das Gedränge unheimlich, und doch wttd ma« nirgends axgerempelt, gefloßen, gedrückt, und ob ihr nun
deutsch oder englisch sprecht, italienisch ober türkisch, ob ihr einen gelbe« Cylinderhut aufhabt oder eine« grünen Regenschirm unter bem Arm tragt zu einem karmoifinrothen lleberzieher, ba» ist bieten Leutchen völlig gleich, ihr werbet kaum beachtet, am wenigste« aber belästigt, hier kann 3eber nach feiner Fac;on Ieben, und an Verrücktheiten in ber Toilette, na, daran find bie guten Pariser schon bnrch ba» Ewig- Weibliche gewöhnt.«- te* •»*
Die armen Samen, wie leib konnten fie einem am letzten Sonntag thun! Viele hatten sich chre hübschesten Fähnchen axgezoge« mtt ben «rißest« Spitzenröckchen (beim bie buntseidenen stehen auf dem Aussterbeetat) und den coquetteste» Stiefelchen darunter, mit den chicesten Frühjahr-Hüten auf den sorgsamen Frisuren, ach, wie mag dieser Staat am Abend ans- gesehen habe», wie mancher der spitzen Absätze mnßtt sein Leben taffe«, wie manche Schleppe an btt Ver- gänglichkeit alle» Jrbischen glauben, wie manche» Hütchen bekam ein immerwährende» Andenken I Den« ,och jetzt, zwölf Tage nach ber feierlichen vröffturn, bet AuSstellmrg, befindet fich bie Mehrzahl der Wege in einem wahrhaft schauderhafte» Zustand, überall spitze Steine, gelegentlich Felsblöcke und Sandkxhlen, häufig Erderhöhungen und Wasserlache», über dtt schmale Bretter gelegt find, bann Gerümpel, Baumaterialien, Schutt, nnb all' da» mit einer dicken Staub- unb GyPSschicht bedeckt, unb erhebt fich ein Wttbstoß, so ist man im Nu eingeschW von dicht« Wolke», bie einem ein »egerhasteS Aussehen »er- leiben, unb die jüngsten Errungerffchasten der neueste« Pariser Rode find einfach ftttsch, für immer ge- liefert! (Schluß folgt.)