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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

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und dem Bunde der Landwirthe in Ostpreußen vermeiden.

durchaus versöhnlich sprachen, von dem Wunsche be­seelt, einen Bruch zwischen der konservativen Partei

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Freistuu und Wahlrecht.

Die Berliner Sradtverordueteuversammlnag gegenüber dem sozialdemokratischen Anträge

die geheime Stimmabgabe beseitigt seine Vorherrschaft bedroht worden k.

unter dem Vorwande, er hätte »ichr genug Futter- vorräthe. Die Folge dieses geradezu verbrecherische« Eigensinnes war, daß unsere bei Paardeberg ver­wundeten 800 Offiziere und Mannschaften drei Tage und drei Nächte, darunter zwei Regenuächte, in meist unverdeckte» Ochseuwaqen, bei glühender Hitze am Tage nnd bitterer Kälte in der Nacht und mit der ttaurigen Geschwindigkeit von zwei Meileu per Stunde herumgerüttelt wurden. Die Qualen dieser armen Menschen waren schrecklich, da das Stoßen der feder- lose» Wage» auf dem steinige» Felde ihre zer- schosseuen Knochen aneinander knittern ließ und fie i» die entsetzlichste Pein brachte, so daß ihr Wimmer» und Schreien Einem das Herz zer­schnitt. Dabei waren diese Verwundete» so zu- sammengcpfercht, daß fie nicht einmal liegen konnten/

Einführung deS allgemeine» gleichen direkten und ge­heimen Wahlrechts für Gemeindewahlev ablehnend verhalte» und sich zu dem von derSoff. Ztg." proklamirteu Grundsatz bekannt: Wer nicht mitthatet, soll auch nicht mitrathe». So zeigt fich der Frei­st»» und zwar der radikale Freistn» i» der Praxis. Ja der Theorie aber ist erunentwegt" für die allgemeinste, unbeschränkteste Wahlfreiheit. Beispielsweise erklärt dieFreisinnige Ztg." tu der­selben Nummer, in der sie über die bezügliche Stadt­verordnete, sttzung berichtet, daß die steifiunigeu Parteien bei der Gemeindewahlreform im Abge- ordnetenhausestets für dasjenige stimme» werde«, was am meiste» geeignet fei, das Uebergewicht der ersten u«d zweiten Klaffe abzuschwächen". Das würde aber dem obeurrwähnte» Grundsätze wieder- spreche«; denn die höheren Steuerzahler wäre» da­nach auch berechtigt, iu stärkerem Verhästnißmit» zurathen", weil fie »eit erheblichermitthateu". Das Organ des Abgeordneten Richter aber geht noch weiter, es bedauert, daß im Abgeordneteuhanse natürlichirgend ein freisinniger Antrag von grundsätzlicher Bedeutung beispielsweise zur Ein­führung der geheimen Abstimmung keinerlei Aussicht auf Annahme habe". Dieses Bedauern ist aber doch nur reintheoretischer" Natur; denn wen» der Freisinn die Macht hätte, so würde er fich hüten, für die von ihm beherrschte» Parlame»te die ge­heime Wahl einzuführeu. DaS lehrt schon das Vorgehen im Herzoglhum Gotha, wo der Frei-

DewttSdorp liegt immer noch keine englische Meldung vor; weShalb, wird klar, wen» man folgende aus vrmBnrenlager herrührende Reuterd-pesche lieft: .Die Commandanten Dewet und VillierS trafen in bet vergangene» Nacht i» Dcwetsdorp ein. Heute Mittag griffe» fie die Streitmacht Gatacres an, die anS etwa 3000 Man» und einer Batterie Artillerie bestand »nd einige KcpjeS bei Richters Farm, im Teste» von Dewetsdorp, besetzt hielt. Um 4 Uhr KachmÜtags mußte der linke englische Flügel znrückgehen. Das Gefecht war i» der Haupt­sache ein Schützengefecht und dauerte bis zum Ein­bruch der Nacht. Die Buren hatten einen Tobten md fünf Verwundete. Die Verluste der Engländer find unbekannt." Auch der Fortgang des Kampfes

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berichtet derSchwäbische Merkur", daß die Sozial­demokratie iu einer der letzte» Berathunge» des Karlsruher Bürgerausschusses, worin 8Gknoffen" Sitz und Stimme habe», fich gegen einen Beitrag zur bessere» Ausstattung der neuerbauten Christus- ktrche ausgesprochen hat und daß der sozialdemo- krattsche Wortführer u. A. äußerte:

Das Aottitz Heinrich Heimes sei ihm so lieb- wi« das Christi und uöthiger als die beantragte Auf­wendung sei es, daß in Sarlsruhe rin Hetnedeukmal er­richtet werd»."

Zu solchen Frechheiten versteigt sich selbst nicht die sozialdemokratische Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung.

«z.

Der südafrikanische Krieg.

Vom Kriegsschauplatz.

Die Engländer haben offenbar kein Glück

Nacht fortgesetzr. Mittwoch und Donnerstag Nacht hiett das Gewehrfeuer ohne Unterbrechung an. Die berittenen Schützen aus der Kapkolonie verloren von 500 Manu 120, darunter 5 Offiziere." Beiläufig fei erwähnt, daß nach einem Telegramm derDaily News" auS Lorenzo Marques der Burengeneral de Wei gefallen fein soll. Wir glaube» aber einst- weilen an diese völlig unbegründete Nachricht nicht.

Der Marsch nach Rhodesta.

Da der nu» begonnene Marsch der Division Carringto» von Beira durch Rhodesta viel Aufmerk­samkeit erregt, dürfte es von Jntereffe sein, die Ent­fernungen der möglichen Marsckromeu festzutzellen: Von Beira »ach Salisbury (Eisenbahn) 627 Kilo Meter, von Salisbury nach Bulawayo (Weg) 611 Kilometer, von Bulawayo «ach Mafeking (Eisenbahn) 798 Kilometer, zusammen 2036 Kilometer. Anderer­seits wird folgende wahrscheinlichere Marschroute an­gegeben: Beira nach Marandella (Eisenbahn) 547 Kilometer, Marandella nach Fort Carter (Weg) 56 Kilometer, Fort Carter nach Tuli (Weg) 519 Kilo­meter, zusammen 1122 Kilometer. Tuli liegt be­kanntlich an der Nordgrenze der Transvaal-Republik und beherrscht die Straße, die über Pietersburg »ach Pretoria führt. Vou Tuli bis Pretoria ist eine Entfernung von 563 Kilometer. Mau schätzt, daß Carringto» schwerlich vor Mitte Mai an dir Trans­vaal-Grenze gelangen kann.

Schwere Anklagen gegen Lord Kitchener.

lieber das brllische VerpflegungS- und TranSport- weseu schreibt der Kriegskorrespoudent derMidland News":

Sie machen fich keine Vorstellung, in welchem Maße dem Publikum die Wahrheit vorenthalten wird. Obgleich die Armee von Euslin bis Paardeberg so gut wie gar keine natürlichen Schwierigkeiten des Transportes zu überwinde» hatte und durch keine Flankenbewegungen des Feindes behelligt wurde, so waren unsere Mannschafteu doch auf halbe Rationen gefitzt, die Pferde dem Verhungern nahe und der Transport der Verwundete« geradezu schimpflich. Der Fehler liegt an der elenden Organisation des Transportes. Unsere Lente haben zu fechten und z» arbeite» bei einer Nahrung, die gerade ausreicht, um sie nicht vor völliger Erschöpfung zu- sammenbrechen zu lasten. Nachtmäische und TageS- kämpfe werden ihnen bei leerem Magen zugemuthet. Das Resultat ist, daß die Leute murreu uud unzufrieden werden. SolcheZnstände find eine dauernde Gefahr für die Moral der Armee. Und Alles das ist möglich, trotzdem wirden großen Organisator" Kitchener haben, der als Generalstabschef für die Organisation des Trans­portes verantwortlich ist! Auf die Indifferenz dieses Offiziers gegenüber den nothwendigsten Bedürfnifle» ist auch die abscheuliche Behandlung der Verwundete» zurückzuführe». Zunächst verweigerte er de» Ambu­lanzen die Erlaubniß, die Kolonnen zu begleiten,

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Zimmi reise.

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fein. Ein Reutertelegramm vom 22. d». aus Wakkerstroom besagt darüber:Die Buren ver­suchte» heute de» rechte» Flügel General RundleS zu umgehe«. Die Bewegung wurde von der Aeomamy- und der berittene« Infanterie beobachtet. Die drttische» Kanone« triebe» de» Feind zurück. Viele Buren gehe» nach dem Süden ab." DaS Telegramm gehört aber zu der Kategorie der Schönheitspflästerchen. ES beweist erstens, daß Snnble, der alle frischen Truppen Lord Roberts, i 9500 Mann, unter seinem Commando vereinigt hat, sich schon in der Defensive befindet. Dann aber geht daraus, daß fich die Buren nach Südenzurück- ziehen" hervor, daß ste ihre Angriffsbeweguug gegen den rechten Flügel RundleS fortsetzen; denn, wen» fie fich wirklich zurückgezogen hätte», hätte dies »ach ^Serben geschehen müssen.

Unter diesen Umstände« gewinnt folgende aller- dings aus sonst unzuverläsfiger Quelle stammendes Telegramm an Wahrscheinlichkeit:AuS Walkerstroom wttd gemeldet: General Rundle war nicht im Stande, die starken Stellungen der Föderirte» westlich Dewets­dorp zu nehmen. Er wurde am Sonnabend Nach- mittag gezwungen, fich zu verschanzen und, in die Defensive zurückgefallen, Verstärknngen zu erbttten. Die Buren halten ein domintreudes Kopfe gegenüber der nach Dewetsdorp sührendeu Straße. Die Föderirte« erhielte» Nachts Verstärkungen und fetzten energisch das Bombardement der Stadt Wepener, sowie des englischen Lagers bei Jammers­berg fort."

Daß das Bombardement bet Jammersberg fort- fchrettet, beweist auch folgendes Reutertelegramm aus dem Burevlager bei Tabanchu vom 22.:Der Kawpf bei der JammerSbergdrtft wird Tag und

ihre« Enlsatzversuchen. Wepener ist immer eingeschlossen. Ueber den Ausgang des Gefechts bet

Uchchttut ttigkich außer an Werktag« «ach Sorm- «nd Feiertagen.

-m O«»rtalD-Abonmm«tS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen U

JIS, eJv vo-iwue« 2,25 Mk. (»rkl. Bestellgeld). ZaserttonSgebühr: die ge- cifu -f nnn

spalw« Zeile oder der« Raum 10 Pfg., »eklam« - db Zelle 25 g. Mittwoch, 25. AMI 1900.

Umschau.

Zum Fleischbeschaugesetz.

* Am 21. dS. MtS. fand in Allensteiu die sehr zahlreich besuchteProvinzialversammluug der Mit­glieder des Bundes der Landwirthe vou Ostpreußen" statt.

Die Diskussion drehte fich, wie nicht anders zu erwarten war, im Wesentlichen nm dasFleisch, beschaugesetz". Der Direktor des Bundes, Dr. Hahn, vertrat den Standpunkt der Mehrheit des Vorstandes deS Bundes der Landwirthe. Darauf traten zunächst Graf Mirbach, dann Graf von Klinkowstroem für das Zustandekommen des Fleisch- beschaugesktz-S auf dem »oben einer Verständigung hinsichtlich deS Pökelfleiiches ein, indem fie auf die sehr wesentlichen Vorzüge der Vorlage gegenüber dem derzeitige» Zustand auf sanitärem Gebiete und der Entwicklung der heimischen Viehproduklio» auch ohne das vollständige Verbot der Einfuhr deS Pökelfleisches hinwiesen. Auch fei von einer besonderen Be­lastung der Landwirthschaft nicht die Rede, da das Gesetz in seiner gegenwärtigen Fassung von einer Untersuchung der Hausschlachtungeu absähe.

Nach den Ausführungen dieser Herren traten sämmtliche übrige» R.duer ohne Ausnahme für ben von bet» Grafe» Klinkowstroem und Mirbach einge­nommenen Standpunkt ehr. Beiden Herren wurde von der Versammlung wiederholt der Dank für ihr entschiedenes, zielbewußtes und erfolgreiches Eintreten für die heimische Landwirthschaft zum Ausdruck gebracht.

Die Angriffe, welche Freiherr vou Manteuffel und Graf Mirbach Sellens derKorrespondenz des Bundes der Landwirthe" und Sellens derDeutschen TageS- zellung" in letzter Zell erfuhren, obwohl ste ihre diflenttrende Stellungnahme ohne irgend welche Polemik zum Ausdruck gebracht haben, fielen hier auf ketueu empfänglichen Boden. Es muß als besonders erfteu- lich bezeichnet werden, daß alle Redner sachlich und

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Anzeig,n nehmen entgegen: die Expeditton dieses Blattes, dir Annoncen»

Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magdr- qk cv

bürg, Wien; Rudolf Moffe, Frankftirt a. M., Berlin, München, Köln; 00.

9. L. Daube & Co., Frankfurt <l M Berlin, Hannover, Paris rc.

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Nachdruck verboten

3« dösen Schein.

Roman von L. Haidheim.

(Schluß.)

Er schwieg, als warte er auf ei» Wort von ihr; da ste aber nicht sprach, sondern nur dachte, wie fie das »eben ihres Herzens verbergen könnte, sagte er: Ich will annehmen, Gisela, Sie hätten mir eir wenig Theiluahme zugehört".

Das habe ich l O, beurthelle» Sie mein Schweigen nicht falsch", bat fie leise.

Es ist mir auch ein so großes Herzensbedürfniß, von der Euffchlafenen zu rede»! Mir ist, als müßte M) lhr damit danke«, daß ste mich vor dem völlige» Versinken in meine Jrrthürner bewahrt hat. Schon chre Briefe wurde» mir mehr und mehr zu einem CineB des Glückes. Sehen Sie, es war damit nnmer, als brächte ich einem Verschmachtenden einen jnfgen Trunk. Und als fie nun selbst da war w meinem polnisch unordentliche» Quartter und hatte es auf einmal mll ihrer Jungfer ein wenig be­haglich für »ns gemacht, beim kochende» Samowar wb duftende« Thee, da sprach fie zu mir wie eine Offenbarung. Ich mußte es ihr wohl glauben, ob- »l«ch es fast zu schön war, was sie mir erzähtte. Sie war fest überzeugt vou dem was fie sagte, und Sie wissen wohl, Gffela, eiue feste Ueberzeuguug fludet immer Glauben, fie machte mir klar, daß ich nu Thor fei, ein beschränkter Starrkopf, und ich, Effela, ich lachte glücklich über diese eigentlich so be­samende Eerkeuntniß. Ach, daß fie nun sterben mußte 1

hatte ihr gelobt, daß ich nm Urlaub bitten, kommen wollte; nun haben wir fie begraben und ihre

ftöhliche Stimme -klingt mir noch im Ohr. Wifleu Sie, was fie mir sagte? ES sei für einen ordent- lichene« Mau« kein Schimpf, ein reiche» Mädchen um Herz nnd Hand zu bitten, wenn er es wahr­haft liebe".

Gisela athmete kaum noch. Sie fühlle wohin Arnos Rede ging. Eine Erschütterung ohnegleichen machte fie völlig unfähig zu denken, ja nur richtig zuzuhören.

Die gute Karoline!" begann er wieder, als er flüchtig mit den Blicken fie gestreift und ihre Hand fester durch seinen Arm gezogen hatte.Sie hatte den Bann von mir genommen, der mich elend machte. Und nun ist doch alles plötzlich anders geworden! Nach meine» frühere» Anfichte» könnte ich jetzt leichtere» Herzen» vor die Geliebte trete», und sonderbar, nun ist mir, als wäre alles Thorhett, Nichtigkeit! WaS kann den» überhaupt Geld und Gut ausmachen, wenn zwei fich wahrhaft lieben?"

Nichts!" sagte Gisela leise.

Nichts! Sie haben recht!"

Aber sehen Sie, da find wir bei dem liebe» alten «Sorten," brach er ab und sah mll leuchtendem Blick darüber hi».

Kommen Sie mit, bleiben Sie heute Abend bei u«S!" bat Gisela, alle Kraft zusammennehmend, zu einem Ewporraffen auS der wohligen ttaumhastrn Abspannung, in der fie dahin gegangen war.

Heute nicht! Ich muß allein fein! Die gute Löbe» würde mir ein Weimuthttopsen fein in dem Freudenreich, den ich heute ttiuke. Ist eS nicht sonderbar, Gisela, daß ich von Freude rede? Heute? Wen» die Leute aus dem Volke ein Liebes begrabe», bann kommen fie heim und schwemmen mit BegrSbniß-

welll dir Trauer hinweg. Mir bietet ihn ein gütiges Geschick am Grabe der einzige» Verwandte» und er nimmt dem Schmerz alle Herbigkeit."

Dann ging er, und mit dem Blicke, den er in ihre Augen senkte, nahm er ihr den geheimen Kummer dieser Jahre, indem er ihr Herz mit glückseligem Wissen füllte.

Sie saß hernach in ihrem Zimmer, hieft die Hände gefaltet, und es war ihr, al» hätte der Himmel fich vor ihr aufgethan.

Ihr Schwager Wendelstein bewies anch jetzt wieder seinen HerzenStaft. Er ließ ihr sagen, Lisa würde Fränlein von Löben bitten, bis morgen bei ihr zu bleiben. So konnte Gisela allein fein, allein mll ihrem Glück.

Am anderen Tage kam er.

Sie hatte ihn erwartet und es war beide», als ob er heimkehrte. Er sagte ihr zuerst, daß er um Verlängerung seines Urlaubs gebeten habe.

Es lag eine schöne, friedvolle Ruhe auf seinem Gesicht. Er errieth ihre Gedanken, als er einmal eine« Blick von ihr erhaschte.

Sie finden mich auch so verändert, wie die andern alle. Jetzt wissen Sie die Ursache!"

Daun, als ste tief erröthele, wollte er das liebe, alte Haus sehen, und so gingen fie von Zimmer zu Zimmer.

Wie schöu Sie den Charatter des Ganze» ge» wahrt haben!' Ma« fühlt überall die Pietät gegen unser» alte» Freund," lobte er fie mit Hellem Blick

Nur als ste in die Zimmer tarnen, in welchen einst die Sammlungen gestanden hatte», sagte er mit schwerem Ton:Hier habe ich manche schlimme Stunde gehabt."

Nun traten fie in seines Pflegevaters Zimmer.

ES war nichts verändert.

Er küßte schweigend ihre Hand; fie sühtte, daß ihm dieses ehrfurchtsvolle ErhaÜm des Bestehende« unendlich wohl that.

Auch in das Sterbezimmer führte er fie.

Wifleu Sie noch Gisela? jene Nacht vor seinem Tode?" fragte Arno.

Ob fie es wußte!

Später standen fie braten im Garten, er schaute mll einem langen liebevolle» Blick umher nnb an dem Hause hinauf.

Würden Sie da» HauS verkaufen?" fragte er Gisela plötzlich.

Sie erschrack sehr. Nie hatte fie an eine solche Möglichkeit gedacht.

Da er aber, aus Antwort wartend, ste anblickte, sagte fie beklommen:Doch nur Ihnen!"

DaS meine ich auch eben!" erwiderte er,nnb ich schäme mich Ihnen gegenüber nicht, zu gestehen, daß mir trotz befftrer Einsicht da» Erbe meiner Tante eine weientliche Erhöhung meines Glücke», eine Befreiung von quälende» Vorurthellen ist. Ich bin lei» Jdealmensch, Gisela, ich beke»»e offen, baß ich nicht so hochfinnig war, mich in meiner gebrückten Lage wohl zu fühlen."

Dann nahm er ihre» Arm wieder und sprach hn Gehen davon, daß er fich fein Leben von Kind­heit auf mit dem ölten Hause so innig verknüpft gedacht habe.

Sie werde» auch beg.elfen, Gisela, daß ich jetzt, wo ich unerwartet ei« wohlhabender Man« geworden bi«, mich sehne, mein eigentliches Heim mein zu nennen."