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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

-Jllustrittes Sonntagsblatt. Redaktion: Markt 91. Telephon 66.

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Gchchrint SsiUch mH« an Werkt»««« nach v»rm- und Feiertagen. Quartatt-AdonnementS-Prei« bei der Lrprditioa 9 ML, bei all« MNMm 9,96 ML (exfl. Bestellgeld). JnsntioalgebShr: di« «-

VattneeLeil« °d«r btwa Raum 10 $ft, Sieklanu,: die Zeil. 96

Sonntag, 22. April 1900.

Aryrigm nehmen entgegen: di« Expedition diese« Blatte«, die Annoncen» Boreaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Gaffel, Magde­burg, Wien: Rudolf Masse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; G. 8. Daube * Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari« re.

35. Jahrg.

Beftellimgen

str die Monate M a i und I u »i auf die Hkirhrss. Leitung webst deren »ratitbettagen

,Ärei6bIatt für die Kreise Marburg unl Kirchhain",Illustriertes Sonntags blatt* undVerloofungSliste der -gl. preußischen Klassenlotterie" Verden von allen Postanstalten, Landbrief- trägern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expedittonen in Kirchhain und Neustadt entgegengenommen.

Wochenschau.

b. Die verflossene Osterwoche war durch ein dem Gekiete friedlicher Kultur-Arbeit augehörendes Ereigoiß ««gezeichnet, das i» seiner Bedeutsamkest wohl ge­eignet ist, für de» Augenblick alle übrige» Dinge in de» Schatte» zu stelle» und vorübergehend die Auf- »erksamkeit selbst von dem Kriegs- und Schlachteu- liirm Südafrikas abzulenken: wir meine» die Er- jffnung der Pariser Weltausstellung. Der Handelsminister Millerand wie der Präfident der Republik, Loubet, leiteten deu feierlichen Akt mit länger» Rede» ei», i» denen fie die Arbest verherr- lichten uud die Segnungen des Friedens priese». Loubet schloß mit einem Ausdruck des Dankes an die ftemdeu Regicruugeu für die Förderung, die sie dem großen Unternehme» gewährt habe». Von diesem Danke darf auch Deutschland sei» vollgemessen Theil für sich i» Anspruch nehmen. I» vollendeter Gestalt tritt die deutsche Ausstellung bereits dem Be­scher entgegen, und alles ist geschehen, um die führende Stellung Deutschlands in deu Werke» des Friedens zu klarem Ausdrucke zu bringe».

Während so i» Europa ein friedliches Zusammen­treffen aller Nationen stattfindet uud Loblieder zum Preise des Friedens ertöne», wüthet in Südafrika der Kriegsbrand weiter. Der Schwerpunkt der kriegerische» Unternehmunge» liegt gegenwärtig bei Lepeuer im Südosteu vo» Bloemfontein. Dort ist der englische Oberst Dalgaiy von den Buren ringe- schloffen, und die Engländer machen große An­strengungen, ihn zu befteieu uud die Buren ent­scheidend zurückzuschlagen. Erst wenn ihnen die» gelingt, gewinne» fie die Möglichkest weiterer Operationen, während andersettS der Besitz vo»

Wepever die Buren in den Stand setze» würde, sowohl die feindliche Stellung bei Bloemfontein fort­gesetzt zu beunruhige» wie die rückwärtige» Ver­bindungen der Engländer zu störe». Im Weste» dauert die Belagerung von Mafekwg fort, während in Natal, woher Feldmarschall Roberts alle entbehr- lichc« D uppeu au fich zieht, die Bureu ebenso, wie bei Bloemfontein, zur Offensive übergegangeu find. Inzwischen hat sich eine Sonder- Gesandt­schaft der Buren-Republiken nach Europa begeben. Freilich ist nicht zu erwarten, daß sie in der Zurückhaltung, welche die sämmtlichen Regierungen beobachten, eine Wandlung herbeiführen wird.

Alle Gerüchte, welche über eine derartige Wandlung bisher in Umlauf gef tzt worden sind, entbehre» der thatsächlicheu Begründung, so insbesondere auch die sensationellen Nachrichten, welche fich in dieser Hinsicht jüngst an den Aufenthalt des Zareupaares in Moskau knüpften. Der Zar, so hieß es, »erde vom Kreml aus ein Ultimatum au England richten, um de» Friede» mit deu Bure» > Republiken zu erzwingen, und dergleichen mehr. I» Wirklichkeit ist an eine Aenderung der bisherigen »euttalen Haltung Rußlands nicht zu denken, und der russische Finanz- minister von Witte hat sich den» auch alsbald beeilt, amtlich zu erklären,daß alle Gerüchte über bevor­stehende wichtige Entscheidungen unbegründet seien."

Allerdings macht fich in der öffentliche» Meinung Englands trotzdem fortgesetzt eine starke nervöse Un­ruhe gegenüber de» Pläne» Rußlands bemerkbar. Zeuguiß legt hiervon neuerdings wieder der von der Times" abgedruckte angebliche Brief des Emirs von Afghanistan ab, in welchem dieser Klage darüber führt, daß er, der treue BuudeSgeuoffe Englands, fich jetzt, wo Afghanistan aufs äußerste bedrängt werde, von der britischen Regierung im Stich gelassen sehe. Daß fich die öffentliche Meinung in England geradezu augenblicklich nervös zeigt, ist freilich kein Wunder, wachse» doch der britische» Politik allenthalben Schwierigkeiten aus dem Bode». So hat fich zu der blutige» Erhebung der Aschanti in Westafrika, die ei» recht drohendes Ansehe» ge­winnt, nun auch »och ein Aufstand der Khanpur in Indien hinzngestellt, der unter Umständen ernstliche Gefahren heraufzubeschwöre» vermag.

Auch außerhalb des englische» Herrschafts-Gebietes aber gährt eS gegenwärtig vielfach uud zwar besouderS in Afrika. Die Besitznahme der Tuati uud Tidikell- Oasen durch Frankreich hat in Marokko große Erregung hervorgerufen, im Kongostaate find die Bunbja-Neger im Aufstande begriffe», und auS dem Nordosten Afrikas wird vo» Kämpfen zwischen Madhisten und Abessyniern berichtet. Dagegen lernten aus uuserm Kamerun die Nachrichten wieder beftiedigeud; die jüngsten Unruhen find dort beigelegt, und auch die Nachrichten über den Arbeiter- Mangel haben fich als stark übertrieben erwiesen.

UuMau.

Zur Flottenvorlage.

Auknüpfend an einen in mehreren Centrums­blättern veröffentlichten Artikel, der bezüglich der Flottenvorlage den Vorschlag macht, zunächst die Erbauung der Schlachtflotte zur Aus­führung zu bringen und die Vermehrung der Ans- landsschiffe einer späteren Regelnug vorzubehalten, schreiben dieBerl. Neu. Nachr.":

In gewiffem Sinne entspricht dieser Vorschlag der Regierungsvorlage oder ist wenigstens mit ihr vereinbar. Die Vorlage theilt die Beschaffung des Schiffsbedarfs in drei Bauperioden, von denen die erste von 19011905 für die Schlachiflottr, die zwette von 19661909 im Wesentlichen für die Auslandsflotte, die dritte Periode von 1910 bis 1916 für Ersatzbauten bestimmt ist. Es würde daher keinem Bedenken unterliegen, zunächst für die Aufgaben der ersten Bauperiode die nähere Verabredung zu treffe», sofer» die beide» andere» Bauperiode» gleichzeitig gesetzlich fest­gelegt werde». Der Gesawmtplcm ist ein so wohlerwogener und den gesammten militär­ische» , politische» und wirthschaftliche» Inter­essen deS Reiches so sorgfäüig angepaßter, daß die Regierung fich nur dann zunächst auf die Schlacht­flotte beschränken könnte, wenn die planmäßige Ver­mehrung der Auslands flotte gleichzeitig absolut gesichert wird. ES handelt fich dabei wesenttich um die zweite Bauperiode, da die Ersatzbauten der dritte» Bauperiode fich ohnehin nach dem Flotten­gesetz von 1898 regeln. Das Gleiche gilt auch von den in die erste Bauperiode gehörigen Kreuzer- und Torpedoboots-Ersatzbauteu, die unter das Gesetz von 1898 falle».

An Bermehrungsbauten auf Grund der neuen Vorlage entfallen in die erste Bauperiode 10 Linien­schiffe und 8 Kreuzer; es würde sich vielleicht empfehle», auch noch das elfte Linienschiff, das der Materialreserve angehört, in diese erste Bauperiode einzubezieheu, so daß mit dieser die Vermehrung der Schlachtflotte, bis auf 2 in die zweite Bauperiode fallende Kreuzer der Aufklärungsgruppe», abgeschlossen wäre. Die Einbeziehung auch dieser beiden Kreuzer, militärisch und polttisch gewiß sehr Wünschenswerth, wäre wohl mehr eine Frage der Leistungsfähigkeit der Werften."

Eine Gefahr für Deutsch-Südwestafrika.

Unter dem TitelDie De BeerS Company in Deutsch-Südwestaftika" bringt Dr. Paffarge in Nr. 16 derDeutschen Kolonialzeitung" auf Gründ einer Notiz derFrankfurter Zettung" einen Vertrag der South West Africa Co. mtt der De Beers Co. zur Sprache. In dem Gebiet von Gibeo» in Deutsch- Südwestafrika ist Llaugrund gefunden, und mau

durste hoffen, rentable Diamantminen zu entdecke» u»d damit da» Diamantmonopol der De Beers Co. und Rhodes Machtstellung zu breche». Die South West Africa Co. sucht nun dieses Gebiet, wie das ganze Namaland, in ihre Hand zn b e ko m m e n nnd wird, so behanptet Dr. Paflarge, in ihren Bestrebungen von der Regierung energisch unterstützt. In dem letzte» Direkttousbericht der De BeerS Co. hieß es »ach derFranks. Z.":

Der Besitz in South West Afrika Company-Akti« wurde auf 93 443 Stück erhöht, wodurch fich die Seiellschaft gleichzeitig da« Recht auf all« im Gebiet der South West Afrika Co. zu «tdeckenden Diamantmineu sichert«.

Mit diesem Vertrage würde alle Hoffnung ver­loren gehen, jemals das Diamantmonopol der De BeerS Co. zu breche». Ferner, da die De BeerS Co. immer nur einige Diamantminen abbauen läßt, um nicht selbst durch Ueberproduttion ben Preis zu drücken, so könnte eS pasflrcn, daß in unserer Kolonie Diamantminen gefunden werden, ohne daß sie der Kolonie etwas nütze», wen» die De Beers Co. fie abfichtlich unbebaut liegen ließe. Nachdem Dr. Passarge darauf hingewiesen, daß seine früheren Behauptungen, die South West Astika Co. fei eine im Rhodes'schen Interesse arbeitende Gesellschaft und für unsere Kolonie von großer polttischer Gefahr, durch diese» »ertrag bestätigt werde» würde», fährt er fort:

Obwohl der Originalbericht der De BeerS Co. »och nicht vorliegt, Habe ich eS doch für wünschens- werth gehalten, dir Notiz derFrankfurter Zeitung", welche durch die Geuauigkeit der finauzielleu Bericht­erstattung rühmlichst bekannt ist, deu kolouialeu Kreisen sofort bekanut zu gebe». Ich fordere hiermit die deutsche» Direktoren South West Aftika Co. auf, fich darüber zu äußern, ob ein solcher Vertrag mit der De Beers Co. besteht. Falls das der Fall sei» sollte, so dürsten die Henn vo» der South West Afrika Co. wohl kaum verwundert ober gekränkt fei», wenn fich angesichts eines solchen Vertrages Stimme» erheben sollten, welche deu Vertrag direkt einen Verrath an den nationalen und kolo­nialen Interessen des deutschen Volkes neunen würden. Auch würde dieser Vertrag ein eigeuthümlicheS Licht auf die die South West Afrika Co. beherrschende Sttömmung und vor alle« auch auf die heißeuBemühungen Herrn Dr. S ch a r l a ch 8 und feiner South West Astika Co. werfen, das Blau- grunbgebiet des Namalaudes in ihre und damit RhodeS Hand zu bringen.

ES ist leider gar nicht daran zu zweifeln, daß die Thaifachen, deren Entnahme aus dem Original­bericht der De BeerS Co. dieFranks. Zig." jetzt nochmals bestätigt und die auch wir schon früher be» rührt haben, richtig find. OfficiöS wird nun dazu erklärt:

Daß ein solcher Vertrag geschloffen wurde, ist in hohem Maße bedauerlich, aber die Regierung

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Roman von L. Haidheim.

(Fortsetzaug.)

Maria von Löben wurde vor die Nothweudigkeft Schellt, der junge« Mutter zur Seite zu stehe», u»d es war zum Lächeln, wie die gute Seele that, als ob sie durchaus bei Karoliue bleiben müsse, bann aber strahlend aufleuchtete, als Dr. Wendelstein ihr versicherte, der Junge schreie nach ihr und werde nicht eher ruhig »erbe», als bis er ihr in de» Braten liege.

Ach I Wie hat fich das Leben der armen Maria ben Löben so schön gewendet!

Bon einer Stelle zur andern war fie jahrelang gepstgert. Wo fie nicht gefiel oder nicht mehr uöthig war, schickte man sie weiter.

Gisela und Lisa aber schickte» fie nicht fort, sonder» schmiegte» sich immer enger a» daS Herz des alte», einsame» Mädchens, uud da war der Liebesquell in Maria v. Löbens Seele, der so lange versiegt schien, hervorgedroche» und ei» wahrhaft «ütterliche» Gefühl verband fie mtt ihren Schützlinge».

In Giselas Wage» fuhr die Löbe» zu Lisa; der Doktor und der Oberst blieben für die nächste Stunde

zusammen im Club, den» Wendelstein hatte heute feine Sprechstunde einem jüngere» Vertreter glücklicher- weise über trage». Die Gräfin bedurfte fehler am meisten; er wollte die Kranke vor Einbruch der Nacht

roch einmal sehe».

Inzwischen saß Gisela au ihrem Bett. Gräfin Karoliue hatte wieder Muth geschöpft.Plaudern Sie, Gisela," bat fie.

WaS Gisela zu berichten hatte, war nicht sonder­lich viel; aber es iuteresfierte Gräfin Karoliue, die sich nm so fester in ihren Kreis eiugelebt hatte, je mehr fie doch fühlte, daß fie altere. So nickte fie mtt lebhaft theUnehmeude» Blicke» zn Giselas Bericht.

Natürlich war das Häuschen, das Wendelstein für fich und seine Frau gemietet hatte, »uu doch nicht so angenehm und bequem, wie die beiden sich eingebildet hatte», eS zog durch die Fenster, es war sehr seuchtkali in deS Docktor» Zimmer, die Sammer für die Eltern und da» Kind zu eng

Sie hätten bei mir wohnen sollen! Nun habe» fie die thenre Miethe zu zahlen und'

brauchen de» vorausfallenden Schatten Ihres Zukünftigen nicht zu fürchten," zitterte Gräfin Karoliue mit mühsamem Lächeln Dr. Wendelstein» oft wiederholle Weigerung, zu Gisela ins Haus zu ziehen.

Diese zuckte die Achsel» u»d ei» flüchtiger, ttüber Ausdruck glitt über ihr Geficht.

Die Sräfi» hielt ihre« Blick fest dara«f gerichtet.

Nach einer Welle, während welcher Gisela ihr Arznei bot, sagte sie in eigenthümlicher Jdeenver» bindung:Eie glauben nicht, welch' ttostloses Lebe« er da führt."

Da ttat aber doch in der Machens ernstes An­gesicht eine bange Frage.

Warum ttostloS, SrSfiu!"

Weil! Ach »!"

Eine heftige Beänastiguug btftel die Kranke; Gisela schickte Milla, Wendelstein eiligst herbeirufeu

Am Morgen des dritten Tages war Gräfin Karoliue Richolsteiu eine Leiche: ein Lungenschlag hatte ihrem Beben ein Ende gemacht, nachdem eine anscheinend geringe Besserung eingetreten war.

Die ganze Stadt betrauerte die fröhliche alte Dame, die kaum einen anderen Zweck gekannt hatte, als be», sich besten» zu amüsiere», und die auch zu diesem Zwecke andere» stets so reichliche Gelege»heit geböte» hatte, fich mtt ihr de» Lebe»» zu frenen.

Einen große» WohllhStigkeitsfinn, eise besondere Liebeskraft hätte »iema»d ihr »achweffen könne»; ste gab wo fie es a»sta»dShalber mußte, uud war im große» uud ganze« immer zuerst und sorgsam auf fich selbst bedacht gewesen. Da» alle» hatte ste aber mtt viel Anmnth zn verkleide« gewußt. E» gab kaum eine«, de» fie je verletzt hätte. Jetzt aber war e», als habe die ganze Stadt an ihr eine Be­schützerin verlöre».

3» alle« Kreisen wurde ihr Tod beklagt:Sie war freundlich!" nun wurden ihre Beziehungen, die Ursache, warum fie tz. al» Wohnsitz gewählt, ihr vergebliches Bemühen, ihren Neffe« «ab Gisela Menlishofer zu verheirathe«, um ihm so baS verlorene Erbe des HoftatheS wieder zuzuwenden, Giselas so schroff vo« ihm zurückgewieseneS Wundpflaster," alles, alles wmde plötzlich vo« «entm besprochen, be» leuchtet und wieder beleuchtet uud ihr znm Verdienst gemacht.

Daß Gisela Menlishofer nicht gegen die Pläne

Die Krankheit spottete aller Mittel der Wissenschaft, «zähligemal gesehen.

der Gräfin war, bewies ja schon die intime Freund­schaft der beiden! Fräulein von Löben und Lisa, die Gräfin nnd Gisela, so hatte man die Damen «n-

zu lasten.

Zwei Tage ginge« ix grrfjer Aufregung hi«.

Nu«, wen« Herr vo« Schlltar der Ta«te Erbe wmde, so Ion«te er da», Sott sei Da«k jetzt ver­schmerze«, worum Gffela Menlishofer ihn so schlau gebracht.

Gisela w« die letzte, die fich mit dem Gerede der Leute befaßte; fie betrauerte ben Tod ber ihr so gütig gesinnte« Dame aufrichtig; aber fie konnte auch uicht bafflr, daß fie trotzdem in großer peinlicher Aufregung fich immer wieder erinnern mußte:Jetzt kommt er! Er wird kommen!"

War doch Arno der Gräfin nächster Erbel Ihr einziger naher Verwandter!

Unerwartet, ungeahnt wmde plötzlich der Druck der Armuih von ihm genommen!

So schmerzlich Gisela Menlishofer ihre wohl­wollende Freundin betrauerte, so unsagbar erleichtert athmeie fie auf um ArnoS willen.

Sie mar Gräfin Karoliue vielen Dank schuldig geworden 1 Die lebenslustige alle Dame «ahm sich ihrer und Lisa auch dann noch mit demselben Eifer an, al» ihr Projekt durch Gisela»unvernünftige» Eingreifen" gescheitert »ar. Und fie hatte Ehrlichkett genug gehabt, zu gestehen, eine Geselligkeü ohne jugendliche» Element sei überhaupt uudenkb«; Gisela und Lisa bilbeten den Schmuck ihres Heinen Salons und fie wollte fich dmch den dickköpfigen Eigensinn ihre» Neffen nicht zwflchen zwei Stühle gesetzt sehen. Sie sei nach H. gekommen, um angenehm zu leben und einen Kavalier zu haben, das letztere konnte er ihr verweigern und habe ja auch Grund dazu; aber sie fände ben Aufenthalt in ber guten Stadt H. an­genehm und halte es mit Cäsar, ber auch lieber in ber Provinz der Erste, al» in Rom der Zwette ge­wesen wäre.