Einzelbild herunterladen
 

welr.

it

i”S N

muagi

m.E Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Zugej, agf MftMat: 3* K»ch, llniverfitSttg-Buchwmckeni hi »«rbatfr Verantwortlich für bit Redaktton: Redakteur Han« Hupfer ta Marburg

rdt, i»tWbe.- Nrrkt 21. - Tüepho« 55. Redakttou: Markt 81. - Telephon 55.

jg bett militärischen Kontincntalstaaten, zumal in

geud

(21 Deutschland, wo durch die allgemeine Dienstpflicht

ße.

g-,

-)

Operationsfähigkeit

BF.

sagt ist, in militärischen Kreise herrsche die Ansicht, daß Lord Roberts der Volks stimmung nicht preiSgegeber- »tiben dürfe, so scheint sich auch an ihn bereits die

such in den weitesten Vollst: eisen eine gewisse Militärische Auffassung verbreitet ist, nicht wenig jchenaschen. Mitten im Kriege werden intime Vor liege in der militärischen Leitung ausführlich öffent­lich bekannt und der allgemeinen Kritik preisgegebe», Nlche sonst erst nach langen Jahren der größere» ffentlichkeit zugänglich werden. Ein solches Ver­fahre», welches nicht nur das Vertraue» des Heeres

die militärische Führung und den Geist der Disziplin bei Soldaten und Unterführern aufs be­denklichste erschüttern, sondern auch dahin führen muß, daß die verantwortliche» Führer neben rein militärische», such Rücksichten auf die öffentliche Meinung zu

tun

lfe».

Unterlassung einer derart zu bekundenden näheren Antheilnahme müßte geradezu als eine Brüskirung empfunden werden und würde die Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg arg getrübt erscheinen lassen.

mg gt: and« af. ■: l

Die Geschäftslage im Reichstage.

* Fast ohne Unterbrechung laufen neue Vorlagen im Reichstage ein, obwohl es dort an Berathuugs- stoff wirklich nicht mangrlt. Es sieht fast aus, als rechne die Regierung auf eine Sessiousdauer bis tief in de» Sommer hinein oder gar auf eine Vertagung. Zunächst aber hat der Reichstag außer der Flotten­vorlage noch eine ganze Reihe anderer wichtiger uud schwieriger Aufgaben zu erledige», eh« er an neue herantreten kann, und sollte die Kommisfionsberathung über die Flottenvermehrung rascher, als gedacht, ver­laufe», so wäre an eine Ausdehnung der Session bis über Pfingsten hinaus und cn eine Bewältigung des Stoffes überhaupt nicht zu denken.

Die „Kölnische Volkszeitung" nimmt bereits von einer Meldung Notiz, nach welcher alsbald nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags eine Verständigung mit der Regierung über dir Deckungsfrage zu er­warten fei und bemerkt dazu, im Falle der Richtigkeit dieser Meldung würde möglicherweise die Entscheidung über die Flottenvorlage, „falls die Regierung nicht hartnäckig auf allen ihren Forderungen bestehe, sondern auch materiell zu einer Verständigung geneigt sei", nicht lange auf sich warte» lasse» und dann würde die Session in der Hauptsache vorbei sein; den» über Pfingsten hinaus sei dann der Reichstag noch weniger in beschlußfähiger Anzahl zusammenzuhalten als sonst.

Auch wir haben den Eindruck aus dem ziemlich glatten Verlaufe der Generaldebatte in der Budget­kommission und aus den verschiedenen Aeußerungen tu der CeuttumSpresse gewonnen, daß die weiteren Berathuugen der Flottenvorlage rascher gefördert werden können, als man anfänglich annahm. Im Reichstage wird man also wohl jedenfalls, sobald sich die Sachen übersehen lassen, einen festen Arbeitsplan aufstellen, um zunächst diejenigen Vorlagen auf die Tagesordnung zu bringe», die noch erledigt werde» muffen und erledigt werden können, sofern die in Betracht kommende» Fraktionen voll­zählig zur Stelle find. Die Zahl der uner­ledigte» Vorlagen wird aber diesmal, auch wenn zuguterletzt noch mit größter Anstrengung gearbeitet würde, eine bedeutendere fein als in früheren Sessionen.

die Kriegführung gewinnt, wie es oft genug zum ßtaden für die Armee in den demokratischen Staats- Mfen der alten Geschichte der Fall gewesen ist. Die große Menge macht leicht, wenn erst die Kritik heraus- gefordert wird, bei jeder Schlappe unterschiedslos die Mhruvg verautworlich und verlangi nach neuen

öbel

Art

bereits Werren das Verhänxniß der Rückberufuvg ereilt haben, und Oberst Erosion soll auf halben Selb gesetzt sein Ferner sollen auch die Obersten Lroadwood und Pilcher ihres Kommandos enthoben norde» sein. Nach der scharfen Kritik, die Lord Roberts an Buller übte, scheint auch dessen Rück- derufvng mit ziemlicher Bestimmtheit in Aussicht zu ßehev, wenigstens ist nach unseren militärischen Be­griffen ein Heerführer, dem offen Mangel an Energie »der Durchsetzung seiner Anordnungen vorgeworfe» toitb, dadurch unmöglich geworden. Es ist ein Ver- hwgniß für die englische Armee, daß gerade jetzt, »» sie sich in einer wenig erfreulichen Situation de- fiibet, auch die allgemeine Kritik gegen die Trvppen- srhrung herausgefoldeit wird.

Aber auch auf die

mo re, bil (27

Wager

erreicht werden kann, wenn diejenigen Abgeordneten, welche d'e landwirtbschaftlichen Interessen im Reichstage zu ver­treten berufen sind, jede gou Berne mentale und persönliche Rücksichtnahme schwinden lassen und rein sachliche Politik treiben, eine Politik, vor der die Regierung der Linken gegenüber, wie die letzte Zett es wiederholt gezeigt hat, stets kapitulierte."

Anscheinend soll die in der „Korrespondenz des Bandes der Landwirthe" vom 12. April veröffent­lichte Auslassung „In Sachen des Fleischbeschau» gesetzes" den obige» schon von gegnerischer Seite auf einen Theil der konservativen Partei gemünzte» Satz kommeuttre». Es ist nämlich in der Bundeskoire- spondenz zu lesen:

»In den gouvernemental-konservativen Kreisen finden wir di« Auffassung vertreten, als ob das Be­harren b«8 Bundesausschuff«« aus bin Beschlüssen der zweien Lesung geeignet sei, für die dritte Lesung die bis» herig« groß« Majorität zum Schwinden zu bringen, und daß es der deutschen Landwirthschaft doch vor allen Dingen darauf ar kommen müsse, eine große Majorität für da» Fleifchbeschaugesetz (wenn auch in abgeschwächter Form) zu erzielen . . .

Hierauf ist zu bemerken: Die konservative Partei hat auch in den schwierigsten Lagen den Beweis er­bracht, daß ihre Mitglieder in voller Wahrung ihrer Unabhängigkeit, lediglich auf Grund sachlicher Er» Wägungen ihr Votum abzugeben gewohnt sind. Insonderheit find alle Mitglieder der konservative» Partei Warwe und überzeugte Vertreter der land- wirthschaftlichenInteresse»: jedegonvernementale n»d persönliche Rücksichtnahme ist bet ihnen ausgeschlossen: Sie treiben eine rein sachliche Politik; aber gerade deßhalv ist eine Anzahl von i^nen bereit, das der Landwirthschaft nützliche Gesetz zu stände zu bringen durch Konzessionen, die ihrer Reberzeugnng nach der Landwirthschaft nicht schade».

M r«r

t Sann

mittag! j Jfä 92 ch eh euch £

n iarte uScht öhler 12. : pfähl

Deutsches Reich.

* B-rUrr, 20. April.

— Zur Feier der Großjährigkeit des Kronpriuzen wird in Vertretung des Pruiz- regenten von Bayer» deffeu zweiter Sohn Prinz Leopold am 6. Mai in Berlin eintreffen.

— Die für die Ausschmückung der Straßen Berlins anläßlich des Besuchs des öfter» reichische» Kaisers vom Magistrat geforderte Summe von 50000 Mk. ist mit 94 gegen 20 Stimmen bewilligt worden.

— General der Kavallerie von Rosen» berg, der bekannte Sportsman, ist in Rathenow gestorben. General v. Rosenberg gehörte zu den bedeutendsten Kavalleristen und Reiterführer» in unserer Armee. Er hat die Reitkunst unseres Heeres gehoben und galt in allen einschlägigen Fragen als Autorität. Der Kaiser zeichnete ihn wiederholt durch Huld- und Gunstbeweise ans.

— Bei de» Marinestabsoffizieren (vom Korvettenkapitän aufwärts) soll nach einer neue« Bekleidungsvorschrift der schwarze lederne Mützenschirm am Rande mit einer breiten Goldstickerei versehen werden, wie es in der englischen Marine bereits der Fall ist. Bis zur Kieler Woche soll der neue Mützenschirm allgemein eingeführt fein. Der konservative „Reichsb." bemerkt dazu: Ganz abgesehen

Meldung, die überhaupt vom Kriegsschauplatz vor­liegt, lautet: „A»S Pretoria wird gemeldet, die Ent- satztiuppen unter Brabant seien zwischen Wittesprnit und Coesbeig umzingelt. Wepener kaptlu- lirte angeblich am letzte» Sonntage. Ein Buren- kornwando überschritt den Limpopo unb sucht Oberst Carrington, der mit seinem Korps von Beira kommt, abzuschueide». Roberts Bahnverbindung soll unter­brochen fein, da die Brücke über de« Oranfifluß bei Bethulie in die Luft gesprengt würbe." — Wir glaub«n »ichr an die Richtigkeit dieser Meldung, da dieselbe aus wenig zuverlässiger Quelle stammt.

Freiherr v. Reitzenfiein,

Major im Generalstabe der 11. Division, ist vom südafrikanische» Kriegsschal platze »ach Deutschland zurückgikehrt; er hat bekanntlich im Bmenlager einen Theil des Feldzuges miigemacht.

Eine Erklärung.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Bund der Landwirthe und der konservative» Partei nimmt ihren Fortgang; heute ist folgende als offiziös gekenn­zeichnete „Erklärung" der „Conservativen Corresp." zu erwähne»:

3» dem vom engere» Vorstände des Bundes der Landwirthe unter dem 6. April veröffentlichten Ar­tikel „Zur Klärung der Lage" heißt es u. «.:

»Das aber glauben wir sagen zu müssen, daß bi« B«- rücksichtigung, welch« die Landwirthschaft bei den nächsten Handelsverträgen verlangen kann, — «in Verlangen, dessen Berechtigung ja auch seitens der Regierung wiederholt auf das feierlichste anerkannt worden ist, — nach der Ent­wickelung, dir bi« Ding« jetzt genommen haben, nur bann

Umschau.

Der Besuch des Kaisers Franz Josef am deutschen Kaiserhofe ist nach mancher Richtung hin bedeutungsvoll. Der Anlaß znr Erneuerung und Befestigung der herzliche» Beziehungen d y - nastischer wie politischer Art zum deutsche» Kaiserhause ist von dem Tröger der alten Krone der Habsburger ebenso geschickt wie taktvoll gewählt. Die GroßjährigkeitkerklSrung des Thronerbe» im Kaiseihcuse der Hohenzell«n ist ei» Vorgang, der sowohl als ein bedeutsames Familienereigniß wie auch als ein Faktum von hoher politischer Bedeutung ins Gewicht fällt. Deshalb bietet gerade dieser Vorgang in besonderem Maße Gelegenheit, durch eine Art herzlicher Antheilnahme, wie sie Kaiser Franz Josef durch seine» Besuch in Berlin bekundet, vor der ganzen Welt Zeugniß dafür abzulegen, daß die persönlichen Beziehungen zwischen beiden Herrscher­häuser» wie die polityctzi n zwischen de» beide» große» Kaiserstaaten so sreundschaftliche und innige sind wie nur je.

Von begreiflichem Interesse ist es, wie Ruß­land sich gegenüber dem Feste der Großjährigkeits- etklärung des ThionfolgerS im HohenzollerrHause verhalten wird. I» Bezug darauf macht der „Hann. Cour." auf folgendes aufmerkscm: Als am 18. Mai. 1884 die Großjährigkeit des jetzt regierenden Kaisers von Rußland erfolgte, sandte Kaiser Wilhelm I. seine» Enkel, unsere» heutige« Kaiser, als feinen Vertreter zu der Feier. Die damit bezeugte, über das Maß konventioneller Höflichkeit hinausgehende, herzliche Antheilnahme an dem für dasHerrfcherhans wie dasReich gleich bedeutsame» Ereignisse fiel merklich ins Gewicht als eins der bemerkenswertheste» Momente im Verfolge dcS damalige« Austausches von entgegenkommenden Aufmerksamkeiten, die einen Bruch mit der Gorlschakoffschen Politik der französischen Allianz mit antideutscher Tendenz bedeuteten. Angesichts dieser Dinge liegt es nahe, aus dem Verhalten des russische« Hofes auch diesmal auf die Art der persönliche« und politischen Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg Rückschlüsse zu ziehe«. Zu erwarten wäre, daß der Zar, wen» er nicht persönlich kommt, doch wenigstens einen nahen Verwandten aus der kaiserliche« Familie als Vertreter entsendet. Die

Der südafrikanische Krieg.

Die Maßregelungen englischer Truppenführer.

DaS Maßregklnngsgericht, welches über eine An- Phl von britischen Armeeführern in Südafrika herein» gebrochen ist, vollzieht sich in Formen, welche keines­wegs geeignet sind, die Disziplin int Heere zu festigen xeb bas Vertraue» der Soldaten zu ihren Führern

per Ps Kritik schärfer heranzuwoge», nachdem sei« Vormarsch V«. A so ernstlich ins Stocken gerathen ist.

Außer Gataere soll, wie wir gestern mittheilten,

Männern. Da in einem Londoner Telegramme ge-

fast

Riaber, wenn ans den letzten Tagen überhaupt Itiee Nachrichten über Bewegungen der Eug- |[ Mer im Oranjestaat eingegangen sind. Die einzige

ewhe zu erhalten. Daß die scharfe Kritik, welche Lord reden Roberts an verschiedenen Führer» übte, der breiteste» llkssch Öffentlichkeit sogleich zugänglich gemacht wurde, muß

Ericheinr täglich außer an Werktagen nach Senn- »ttb Feiertag«». Anzeigen »«hrnen entgegen: dir Expedition dieser Blattes, die Annoncen»

Quartals-AbonttementS-PreiS bei der Expedition 3 Mk., bei allen U Bureaux von Haasenstein L Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde- 9-

Postämter« S,S5 Mk. (exll. Bestellgeld). Jnf«rtio»Sg«bühr: di« ge- , e e nnn bürg, Wien; Rudolf Masse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Kol«; vü.

fratow Zeil« oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: bit Zttl» 96 Pfg. Sl)Nll(ll)klld, 21. Ulpltl 19UU. 6. L. Daube * Co., Frankfurta. M., Berlin, Hannover, Paris ic.

l la einzelnen Armee mfiffen diese zahlreichen Maß- w. e gelungen ungünstig ein wirke». Darum ist es kein 'u tr ‘ ‘ ~ .....

*i

-nehmen suche», kann schließlich nur bewirken, daß die

LMstirnmung eine» verhängnißvollen Eitfluß auf

Nachdruck verbeten

3« Visen Schein.

'S

1% ff Wie entstellt sie aussah! O, da brauchte es % 1* ^iner Versicherung, sie war ohne Zweifel sehr krank, e $ei Schaffner sah erleichtert auf den alten Herr». E°itlob, er hatte schon Angst genug ansgestande». ”un könnte der gnädige Herr ja sage», wie es

Ziehen

hatte.

ISO1 Hi

|8 If

«8 U 881

% % % V.

i •H

'ft

1%

1* 1%

1* iit

Der Oberst sprang herzu, um im nächsten Ange», ölick ganz erschrocken in den Wagen zu starre». Aus ta Sesseln hatte Milla eine Art Bett gebildet, darin kfl die Erwartete.

.Aber Gräfin! Liebe Gräfin!" rief er.

. ,3a, da haben wir'S, mein guter Oberst! Dies abscheuliche Klima 1 Ich bi» krank, sehr krank. O, birst Stiche! Die Lunge, Oberst! Herr Gott, wie »it ist!'

Der alte Man» sah erschreckt i» dar von starkem Neber glühende Gesicht seiner Freundin.

Roman von L. Haid heim. (Fortsetzung.)

17

gjt Das ältliche Mädchen bemühte sich vergebens, •Ifta Fenster des Konpees zu öffnen.

wäE werden sollte; die Dame habe partout nicht in Berlin »cw1 »leiben wolle», obwohl sie da schon so krank auS-

Dazwische» warf die Jungfer unruhig ihre Be­merkungen.

Was die gnädige Fra» auch in Berlin gesollt habe? Hier hatte man doch die Bequeme Wohnung, und der Herr Oberst würden wohl das Telegramm erhalten haben?

„Natürlich! Sichet! Und alles in bester Ordnung! Aber nun brauchte man zunächst einen Wagen".

»Der ist schon da, lieber Freund!' tief eine warm und sympathisch klingende jugendliche Mädchen- stimme. „Aber nm Gott! teure Gräfin, was —?"

Unb eine schöne, schlank und blühend anssehende Dame stand mit erschrockene», weit offenen Augen am Koupee, »eben ihr die kleine, dicke Löben.

„Ach, Gisela! Maria! O, meine Lieben!"

Die Kranke hauchte es nut; ein paar schwere Thräne» riselten über ihre Wangen.

Es lag etwas Trauriges, Hoffnungsloses in ihrem Blick, waS alle erschreckte.

Eine halbe Stunde später ruhte sie in ihrem üppigen „Nest", wie Gräfin Raroline ihre schöne Mietwohnung, die beste der Stadt, immer genannt hatte; sie lag todesmatt auf dem Bette, und Doktor Wendelstein saß davor, ihr mit seinem vertrauener­weckenden Lächeln zu fegen: „Wir werden unser Bestes ihn», Gräfin, und wir werden siegen."

»Ich lebte so gern noch!" hauchte die Kranke hütend.

»Ei, was wollte« Sie auch nicht? Nur vor allem Muth! Der alte Hofrath pflegte zu sagen: Der Wille zum Leben ist die beste Arznei I Nu», Gräfin, er hatte in seinem Sinne recht."

Sie lächelte ihre» Arzt dankbar an. „Lasten Sie mir Gisela; die Löben ist so weinerlich!" bat sie mühsam und schien Muth zu faste». Er aber machte draußen ein ernstes Gesicht.

»Sie ist sehr krank!" bekannte er dem Oberst der ibn im Wohnzimmer der Gräfin erwartete.

Gisela trat in demselben Augenblicke ein.

»Ich finde es sehr unschön von meinem Schwager, daß er mich und Fräulein von Löben wie andere „Frauenzimmer" behandelt. Wir find keineswegs gewillt, uns die Pflege ans der Hand winden zu lasten!" sagte fie mit einem Versuch, zu scherzen, während fich in ihren großen blauen Augen doch die Unruhe malte.

ES lag in ihrem Wesen eine unbewußte Sicher­heit, die sehr verschieden war von der bange» Scheu jener Zeit, da sie als reiche Erbin ihr Glück so schwer trug.

„Es ist recht, Gisela, bn sollst hier bleibe». Aber hilf mir, die Löben fern zu hallen! Die Gräfin ist schwer krank und Maria hat wenig Selbst­

beherrschung!" erwiderte Dr. Wendelstein. Ei» tiefer ernster Blick traf ihn aus den Auge» seiner Schwägerin.

Sie hatte verstanden. ES drohte Gefahr.

„Sage Fräulein von Löben, Lisa bedürfe ihrer!" rieth fie ihm.

„Ja!" nickte Wendelstein, „das geht, und es ist auch was daran! Sie kann Lisa den Junge» für eine Nacht abnehmen, wir haben das Frauenzimmer, die Wärterin, neulich wegschicken muffen, well fie schlief wie ein Murmelthier und Lisa sich mit dem schreiende« Kinde plage« ließ."

„Arme kleine Lisa!" sagte mit leisem Lächeln Gisela.

„Na, da? würde fie ohne Protest nicht anhören, fie ist ihrer Meinung nach unbegrenzt reich ntti de« Jungen!" sagte er lächelnd.

„Glücklicher Papa! Beueidenswerther!" Der Oberst schlug ihm auf die Schuller.

Ja, Herr und Frau Doktor Wendelstein wäre» in der Thai sehr glücklich, sie hielte» sich ihrer eigene» Meinung nach für dir glücklichsten Leutchen der Stadt unb hätten jede« Zweifel daran lächerlich gefunden, einfach alber«.

(Fortsetzmlg folgt).