Einzelbild herunterladen
 

MchW Zeitttüfi.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

b *-'6w Jllustrirtes Sonntagsblatt.

J2 90

M*i«t «glich außer an Werktag» nach Vonn- nnb Vertagen. Ouattal»-»bonmment8-Pr«i» btt der Srptditton 2 Mk., btt allen VMMern 2,25 Ml. («ikl- Bestellgeld). Jns«rtion»,«bühr: bk ge» Ixetiaw Zeil« ebir bmn Raum 10 $fg R-klsmev. bfr Z«il, 25 Pfg.

Mlclröuvg

Donnerstag, 19. April 1900.

Anzeigen nehmen entgegen: bk Expedition diese» Blatter, die Annoncen» Bureau x von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde­burg, Wien; Rudolf Mosse, Frankfurt a. M Berlin, München, Köln; 4, 8 Daube Ä Co.. Frankfurt a. Berlin, Hannover, Paris re.

35. Jahrg.

Zweites Blatt.

-Der Delegirtentag des Kreis-Feuerwehrverbandes.

4- W-tt-r, 17. April.

Aus Anlaß des heute hier abgehaltcnen Delegirten- tageS des Kreis. Feuerwehrverbands erfreute sich unser Ort eines sehr zahlreichen FcemdeubesuchS. Um 3 Uhr Nachmittags halte die hiesige freiwillige Feuer­wehr, unter Vorautritt der Marburger Jägerkapelle, die mit dem Zuge von Marburg eintreffende» Feuer­wehrleute ab. Das Hauptkonttugent der Besucher stellten natürlich die Marburger, deren Zahl wohl niedrig geschätzt auf 150 angegeben werden kau». In ge­schloffenem Zuge ging es dann bis etwa in die Milte der Fuhrgcsfe, woselbst die hiesige Feuerwehr durch einen Seitenweg abschweukte und nach etwa 4 Minuten wieder mit sämmtlichen Geräth-.u zur Stelle war. Und nun begann die Uebung. Das Braud- object stellte das Haus des Schorusteinfegermeisters in der Fahrstraße. Zuerst traten die Steiger in Thättgkett. Sie kletterten an ihren Leitern bis zum oberste» Stocke hinauf und zogen auch den hier noch nicht benutzten RettungSfack hinter sich her. Nachdem einige Jungen und auch Feuerwehrleute den Rückweg durch de» Sack angetreten hatten, rettete sich zuletzt auch noch zum großen Gaudium der Umstehende» ein originelles Paar, eine alte Frau mit ihrem Kind. Ein Wetteraner Feuerwehrmann, der im B.sttz einer großen Strohpuppe war, hatte sich diese» Scherz ge­leistet. Später traten die Spritze» in Thättgteit. Dieselben fuuctionirten vortrefflich, sogar die Schläuche zeigten eine Dichtigkett, wie man sie selten gewohnt ist.

An die Uebung schloß sich bittet im Restaurant Weigel der D e l e g i r t e»t a g. In Abwesenhett des zur Gewerbekammer nach Cassel verreisten Vor­sitzende» Herrn Heuser-Marburg und des verhiuderte» Stellvertreters Herr» Gold-Marburg eröffnete Herr O. Pabst-Marburg die Versammlung. Derselbe begrüßte die Erschienenen und wünschte, daß die Verhandlungen der Feuerwehrsache zum Segen gereiche» möchte». Leider sei Herr Landrath v. Negeletu dnrch eine in Marburg tagende Versammlung anderwettig in An spruch genommen und hätte deshalb nicht komme» kün»eu. Als Stellvertreter desselben wohne jedoch Herr Kreissekretär Boß der Sitzung bei. Bet der Feststellung der Präsenzliste ergab sich, daß die Feuer- wehreu vou Marburg, Wetter, Amönau, Bürgeln, Caldern, Münchhausen, Oberndorf, Oberrosphe, Reddehausen, Schönstadt, Unterrosphe und Warzen­bach durch zusammen etwa 40 Delegtrte vertreten waren. Die Delegirteu der im Süden des Kreises belegeueu Fmerwehren fehlten gänzlich. Herr Schaaf- Marburg erstattete »unmehr den Jahresbericht. Demnach gehören jetzt 70 Feuerwehren im Kreise dem Verbände au; 20 haben sich bis jetzt noch nicht angeschlossen. An diese Mittheilungeu knüpfte man den Wunsch, daß sich doch möglichst alle Feuerwehren in ihrem eigenen Interesse dem Hessische» Feuerwehr- verbände sowohl, wie auch dem Kreis - Feuerwehr­verband anschließ n möchten. Die Hessische Staub» Versicherungsanstalt berücksichtige bei etwaigen Gesuchen die noch fernstehenben Feuerwehren nicht.

A«S dem Bericht über den am 15. bis 17. Juli vorigen Jahres in Hanau stattgehadteu Feuer­wehrtag des Regierungsbezrks Cassel wurde» besonders die vom hiesige» Kreisfeuerwehrtag gestellten Anträge erwähnt.

Dieselben lauteten wie folgt:

1) Di« Hessische Brandvetsicheiungsaustalt zu ersuchen, bei Abschätzung von Brandschäden sachverflänbig« Bürger zu der Kommission heranznziehem Auch möchten bei Ab­schätzung von Biandschädrn, bk bei AbräunmngSarbeiten vorgekommenen Schäden in Benutzung genommene- Privatgeräthe (Wagen re.) vergütet werden.

2) Der Königl. Regierur g zu empfehlen, bei einer Umarbeitung der ans den Fen er lösch dienst bezüg­lichen Verordnungen folgendes zu beiücksichtigen:

I. Daß Dispensationen vom Feuerlöschdknst wegen Krankheit nur vom Krttsphyfikus ausgestellte Älteste Geltung haben.

II. Das Alter der Dknftvflicht vom 17. bis 60. Lebens jahr festzufetzen und eS den Gemeindeu anheim zu geben, bi« Di«nstpsticht innerhalb dieser Grenzen rutsprechrnd ihrem Bedürfniß festzusetzen.

ES wurde mttgetheilt, daß der erstere Antrag zwar adgelehut worden sei, doch habe man tu Er­fahrung gebracht, daß mau bei neueren Bränden der Abschätzung des Schadens doch mehr Aufmerksamkeit schenke. Betreffs der Vergütung für Geräthe habe man die Mtttheilung erhalte», daß dies Sache der

s>etreff-ube» Gemeinden fei. Wege» der Feuerlösch ifltcht würde» wohl diesbezügliche Polizeioeiorduunge» nicht mehr so lange auf sich warte» lassen.

A» weiter: Mittheilungeu über die Ausstellung von Feurrlösch-Geräthe-r in Hanau knüpfte sich eine Besprechung über die wichtigste» Erlasse Sette»? der Regierung und der hessischen Braud- versicherungSanstalt. Dieselben seien in den Kreisblätter» Nc. 12 und 13 von diesem Jahr ausführlich zur Veröffentlichung gelangt. Aus dem bett. Fonds würden den Gemeinde» zu alle» mit dem Feuerlöschweseu in Verbindung stehende» An­gelegenheiten, z. B. Wasserleitung, Prämie» für gute Leistungen bei Bränden, Entdeckung von Brandstiftern n. s. w. Beihilfen bewilligt. Bei den Feuerwehren komme jedoch immer die Mttgliedschaft zum Ver­bände in Betracht. Eine Anstage dcS Herrn Hering- Marburg, ob schon Gemeinden im Kreise auS diesem Fonds Unterstützung erhalten hätten, beantwortete Herr Kreirsekretär Voß dahin, daß dies schon in einer ganzen Reihe von Fällen vorgekommen sei: Wen» eine Gemctnde in dies.r Beziehung ein An- liegen habe, möchte sie sich nur verttauenSvoll an das LandrathSamt wenden. Herr Hering wünschte, daß man gerade mit Hinweis auf diese Vortheile die noch fern­stehenden Feuerwehren zum Verbände hereinziehe» möchte. Herr Klingelhöfer-Wetter stellte den Antrag, dahin zu wirke», daß die S:an Waffe den nicht bemittelten Be­sitzern reparaturbedürftiger Gebäude einen Zuschuß bewillige. Die Brände würde» sich dann jedenfalls ganz erheblich vermindern. Der Gedanke sand An­klang und soll auch an anderer Stelle vorgetragen werde». Herr Klingelhöfer bedauerte ferner, daß so viele Ortschaften fehlte». Bei der »ächste» Versamm- lung möchte» doch die Bürgermeister durch das Land­rathSamt eine besondere Ladung erhalten. Herr KretSsettetär Voß versprach im Name» des Herrn Landraths dies in Zukunft so, wie gewünscht, zu halten. BetteffS des OrtS der nächsten Versammlung konnte man nicht schlüssig werden. Vorgeschlagen waren u. A.: Schönstadt, Niederweimar und Fron­hausen. Die Wahl de» OrtS soll dem Vorstände überlassen bleiben.

Zum Schluß lobte man noch das musterhafte Auftreten und die Präzision, mit welcher die Feuer­wehr von Wetter gearbeitet habe. Herr Klingelhöfer- Wetter als Kommandant sprach ferne» Dank aus und meinte, daß Sttllstaud immer Rückschritt bebeute. Auch die Feuerwehr müsse ma» stets den Zeilver- hältnissen anpasseu. Mit einem begeistert aufge- nommenen Hoch auf de» Kaiser fand bann bie Ver­sammlung ihre» Schluß. An biefelbe schloß sich im große» Saale ei» flotter CornmerS, bei welchem verschiedeniliche Toaste ausgebracht wurde». Die fremden Feuerwehrleute verließen erst mit dem 9 Uhr Zuge wieder unsere Stadt.

Vermischtes.

Ei« unbegreiflicher Jrrthn« eint- Arzte» hat tu Chicago einem junge» Mädchen da» Augen­licht gekostet. Der Patientin war durch ihren Bruder, der zu Weihnächte» eine Windbüchse erhalle» hatte, da» eine Auge mit einem Pfeil verletzt worden. Da »ach einiger Zett da» andere Ange in Mitleidenschaft gezogen wurde, sollte da» verletzte und nutzlos ge­wordene Auge herausgenommen werde». Der operii ende Arzt beging jedoch da» entsetzliche Versehen, daS ge­sunde Auge herauSzuuehme». Al» da» Rädchen auS der Narkose erwachte, war e» blind für'S ganze Leben. 1 > , \

lieber da» Recht der Prtffi,' öffentliche Hebel stände zu besprechen und zum Gegenstand ihrer Krtttk zu mache», hat daS Reichsgericht ein für die Presse wichtiges Uriheil gefällt, indem darin der Presse das Recht zuerkannt wird, llebelstände zur Sprache zu bringen. Einerseits werd.» dadurch de» Behörde» solche bekannt gegeben, andererseits wird ein gewisser moralischer Druck auf die vorgesetzte» Behörden auSgeübt, eine Untersuchung einzuleit-n, eventuell eine Abhülfe herbei- zuführen. Rügen in der Presse über wahrgenommene Mißstände handeln in Wahrnehmung deS berechtigten Jakeiesses, das jeder Staatsbürger daran hat, daß solche Handlungen nicht vorkommen.

Dik Unzulänglichkeit der Pariser »erkrhr»- mittel ttitt jetzt, wo die Ausstellung größerer An- ip.üche au sie stellt, mehr als je zu Tage. So be» richtet der .Motin", daß auf den Pariser Bahnhöfen fett mehreren Tagen 1100 mit AusstelluugSgegcufiänden belad »e Wagen stehen, da die nach der Ausstellung führende» Linie» unzureichend find. Die Lerlegenhett der Sisenbahngesellschasten wurde noch durch tea Befehl de» Direktor» der Ausstellung vermehrt, daß

vom 11. bis zum 18. April keinerlei Wagen auf dem Aurstellungsplotz zugelassen würde». Die Eisern bahngeseklschaftkn, bie ihr roll »des Material dringend gebrauche», erhebe» ebenso wie die Aussteller Be- schwrrde.

Im Birrspännrr von London nach Pari». Eine Gesellschaft excentrischer Engländer hat soeben auf eine höchst absonderlich erscheinende Weise bie Fahrt zur Pariser Weltausstellung unternommen. Wie aus London geschrieben wird, brachen dieser Tage von dort etwa zwölf bi» fünfzehn Personen in zwei mit je vier Pferden bespannten geräumigen Kutschen nach der Küste auf, die nach einer halben und einer ganzen TageStour erreicht wurde. Von dort auS er­folgte die Heberfahct nach Dieppe. Bon Dieppe soll bie Wagenfahrt in sechs- bis achtstündigen TageS- touren über Rouen und Nantes »ach Paris fortgesetzt werden, wo man am 17. d. M. einzutttffen gedenkt.

Ein chiuefijcher Schildbürgerstreich. Die Unruhen in Schantuug haben auch ihre humoristischen Seiten, wie aus einem Privatbriefe hervorgeht, der bet ,T. R." von dem Empfänger zut Verfügung gestellt worben ist. Es ist bekannt, baß bet San bet Eisen bahnen in btt Provinz Schantuug, welcher von beutsche» Ingenieuren geleitet wirb, zu allerhanb Wirrnisse» Anlaß gegeben hat, und dabei ereignete sich auch folgendes Vorkornmniß. Die Sahnlinie war vermessen und, wie üblich, durch Eintreibe» von Pflöcken tn de» Bode» bezeichnet worden. Nun war eS verschiedentlich vorgekomme», daß die anweseube» Chinese», um beu Fremdlingen einen Schabernack zu spielen, bie Pflöcke aus bei Erbe gezogen unb fortge- nommen hatten, so baß bie Strecke mehrere Male neu abgesteckt werden mußte. Der Chef-Ingenieur be­schwerte sich bei dem Taotai der Provinz und dieser versprach, daß dieses Stehlen der Pflöcke verhindert werden solle; er werde der Sache persönlich seine Aufmerksamkeit widme». Die Vermesser steckten die Linie also nochmals mit neuen Pflöcken ab. Als jedoch die Vermesser einige Wochen später wieder hinkamen, fanden sie zu ihr.m großen Aerger, daß meilenweit kein Pflock zu sehen war. Der Chef­ingenieur eilte sofort zum Taotai und machte seinem Zorn über die Wiederholung des Streiches Luft; der Beamte aber suchte ihn zu beschwichtigen, indem er mit verbindlichem Lächeln sagte: ,Op, die Pflöcke find gut aufgehoben; ich habe meine Leute auSgeschickt und sie herauSziehen lassen, damtt sie nicht wieder gestohlen würden. Ich habe sie hier alle in Bündel für Sie zusammeubinde» lassen!"

An» Rah und Fern. Unter dem Verdachte, an einem vor zwölf Jahren vollbrachten Morde be­teiligt zu sein, wurde in Berlin ei» Kutscher ver­haftet. Jrn Sommer 1888 wurde die Leiche eines Müllkutschers Roack aus Schöneberg auf einer Wiese mit zertrümmertem Schädel gefunden. Alle Nach- fotschuugeu nach dem Thäter sind bisher vergeblich geblieben. Als nun letzter Tage in einem Schank lokal die Rede auf die Ermordung des Noack kam, sagte der Kutscher plötzlich: .Nu», gethau habe ich eS nicht selbst, aber ich habe beim Etnpacken in den Sack geholfen und ihn noch ein Stück getragen". Die Behörde, der diese Aeußeruug hinterbracht wurde, ließ den Mann alsbald verhaften. Die Kaiserin von Rußland sieht einem glücklichen Familien- eteigniffe entgegen. Die vom Kaiscrpaar dcar fichligte Reise nach Moskau ist eine Wallfahrt zu den MoS- tauer Heiligenstätten behufs Erstehung eines männ­lichen Erben. Der Kopf des in Könitz er­mordete» Winter ist durch spielende Knaben in einem Grabe» aufgestmden worden Der Kopf, der in bie Erbe eingegraben war, ist ziemlich gut erhalten. Der frühere Abdecker JsaelSki ist als bei Mordes dringend verdächtig verhaftet worden. Bankier August Sternberg hat gegen dar Uitheil der 9. Sttafkawrner in Berlin Revision angemelbet. Der Schachtmeister Steinitz ist aus der Irrenanstalt entlassen. DieAerzie de» River Crest-Sanatoriums haben sich entschlossen, den Schachmatador auS der Anstatt zu entlasse», nachdem ihnen die Garantte gegeben wo.den war, daß Steinitz' Famttie für ihn sorge» würde, nnb daß üen Aerzttn, falls ihm wiebrr etwas zustoß.n sollt-, kein Vorwurf gemacht werden würbe.

Eingesandt.

(Ohv« S«ranttooitucg b«t Redaktion.)

Wie verlautet, soll das Pretbvterium der nformitten Semetnbt be chlosjen haben, bi« erst vor einigen Jahrrn u«ug«dauit Orgel bn Küche tn den östlichen Chor zu ver­legen, um mehr Raum zur Aufstellung eines größer«» Sängtrchort» in der Nähe der Orgel zu gewinnen. Diese

große, da» Inner« der Kirch« sehr ftirenb« Umwälzw sinder ganz bestimmt nicht die Zustimmung ber Mehrzai der Reso: mitten unserer Stadt Wenu man auch Heu

sich an so vieles Neu« g«wöhnrn muß, btnn es wird tast an alles Alte, auch das bewährte, di« Hand angele? so sollte man aber dies« Verlegung der Orgel an eim ganz ungeeigntttu Platz der Kirche kaum für möglich halte In kirchlichen Angelegenhettrn mach, man doch nicht leicht ohne triftige Gründ« Neu«rung«n, bleibe man hi konservativ bei feststehenden Sitten und bewährten Ei richtungen.

Di« Gründ« zu der geplant«» Berällderung find nie stichhaltig. Es soll «in größtrrr Raum für «inen groß, Sängerchor g>. schaffen werden Der refoimiette Kirchench, hatte bisher Raum genug entweder i» östlichen Chor, od auch neben der Orgel, Aufgab« de» Kirchenchor» ist «8 erster Linie, btn Gottesdienst an bin hohen, kirchlich Festtage» zu verschönern unb bk Ai dacht zu erhöhen; b< hat derselbe bisher recht gut geleistet und seinen vornehmst Zweck erfüllt, wozu also bauliche iheur« Veiänderunger Selbst wenn der Chor einmal ei» Concert zu wohlthätige Zwecke veranstaltet, genügt - wie di« Erfahrung gelehrt - der Raum jetzt neben der Orgel. Ist e» in her lutherisch Kirche nicht g«rad« so? Denkt wohl dort Jemand an solc große Umwälzungen?

Zu diesen große» P inen hat ja auch ei» ganz ander Grund Beranlaffung gegeben. E» soll durch dies« Be legung der Orgel für den akademischen Gesangverein e passender Raum zur Aufführung von Oratorien geschaff werd«». Ich fragt jeden ernst kirchlich Gesinnt« ist bk Kirch« dazu ba, ab unb zu auch zum Conceithans di«n«n? Da» lassen wir nimmer gilt«». Die Kirch« bar hiilige Gotteshaus, ba» jeb«m Eiutr«tenden zuru »Ziehe beiiir Schuhe aus, denn ber Ort, wo bu stehest, rin heiliger Ott." Wohl wr>ß ich btn Werth «in Oratoriums zu würbigen, wohl kirne ich bi« «rh«b«n Macht bet heiligen Mustka, bie bo8 Herz zur tiefsten A dacht stimmt, bk un8 emvorträgt zu lichtvollen Höhen, i unB auf Stunden dieser irdischen Welt entrückt, wohl hi ich solch« geistliche Musik g«ru an auch «in«m geweiht Otte, wenn «s bi« B«rhältuisse gestatten, z. B. «i Weihnachtrmotettizu W«thuacht«n,Matthäur- o»«r Johanne Passion am Charfreitag als «in« besonbnr Art Gotte bienst, abrr bamit ist noch nicht begrünb«t ein« solch «i schcibenbe bauliche V«ränbtiung «tnei Kirche zum eig« ausgesprochereu Zweck, akademisch« Concert« zeitweilig «i mal da abhalt«» zu könnt»

Noch Gründ« ganz anderrr Art sprechen geg«n ! brabstchtigl« V«iänd«rung. Unsere reformitte Kirche wi durch Verlegung der Orgel verunftattet. Denk« man f dr« Orgel im Ostchor, d«m einzig«» Th«ile, der im kir licheu Baustil ausgeführt ist, den» dem w«ftlich«n Th« fehlt der kirchliche Baustil, so wird man sosott erkenn, die Beilegung der Orgel stört den ganzen Eindruck t Kirche. Doch baB ist nicht alles. Man will ja neben i Orgel «Int groß« Buhne für «tuen großen gemtschkn CH und ein givst» Orchester haben. ES müßte also die ( wünschte Bühn« soweit im östl ch n Chor zwischen jetzig Professoren und Gymnastastenbühnt herauSgebaut werd, daß der größer« Raum b«» östlichen TheileS der Kir eingenommen würde. Den Plätzen unter dieser Büh würde das Licht fehlen, auch würde mau an dieser Ste den Prediger nur schwer verstehen.

Den größten Schaden aber nähme gewiß die schöi neue Orgel selbst. In wenig Jahren Ware das her tb Instrument verloren. Die scharfen Ostwind«, die n Macht zu den Fenstern hereim lasen, schädigen das Sffii auf alle Falle, dazu kommen dann noch im heißen Somrr die einfallenden Sonnenstrahl n. Tas Musikwerk muß Laufe der Jahr« verloren gehen. Wer sich die Sa, reiflich überlegt, muß unbedingt die Ueberzeugung gewinn, daß die vom Presbyterium g plante bauliche mernnberu für die reformute Kirche ein Nack.th il ist. Gegen dies Plan müssen die nfoimttttn Gtmeindrglitdrr protefttr, ES wär« zu wünsch«», daß all« bk R«foi mitten, bi« g«g solch« S«iänbtru»g«n find, bie8 ganz uuvtrhohl«» b beiden Geistlichen mittheile».

Ei» kirchlich gtsiuaitr Rtformirtir.

Bergnügungsanzeiger.

R«p«r t»ir-Entwurf der Franks, rtee 6tebtt6«at«r.

Optrnhau».

Donnerstag, 19. April: .Figaro;» Hochzeit".

Som adrttd, 21 April: .Tristan und Isolde", Sonntag, 22 April: .Margarethe".

Montag, 23. April: »Wilhelm Teil'.

Schauspielhau ».

Firitag, 28. April. »Wern wir Toten trvachei

Sonnabend, 21. April. .Cypttenne." Borh, .Flügellahm."

Sonntag, 22. April. .Chprienne." Vorher: .Flüg lahm.'

Braut-Seidenstoffe

in unerreichter Auswahl, als auch baB Neueste in weißen, schwarzen und farbigen Seidenstoffe» jeder Art. Nur erst­klassige Fabrikate zu billigsten Engros-Preisen Meter- u. robcnweise an Private porto- und zollfrei. Lausende von Anerkennungsschreiben. Von welchen Farben wünschen Sie Muster? Doppeltes Briefporto nach der Schweiz.

Seldensloff-Pabrlk-Üilon

Adolf Glieder & Cie., Zürich (Schweiz).

. Kgl Hoflieferanten. »