•*b«i«t «tattch auict an Witta««, nach Cann« unb gtiartagen. 'HKT/tvA«
MA QO O«,rtalS»Lbonnements-Preir bei der Expedition 9 Mk,, Bei allen
•ML OO V-ftiKnte» 9,95 Mk. (exll. Bestellgeld). Jnsertion-gebühr: die ge- ~ . c
spchltmo ZMe oder dnon »«m 10 Pfg., Reklanm,: dü Zotte 95 Pfg. SüNNll!g^5.ApNl 1900.
Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. 8^ww*LL°L»L-'LL«"''"”"lTO
»geigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blatter, die Annoncen»
Bureau; von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde» rx^t.__
bnrg, Wien; Rudolf Masse, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln; DU.
C. 2. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris zt.
Osteru.
** Frühlingslüfte wehen, — nach dm grimmen Miene«, die der Winter jüngst noch bei seinem Scheiden anffttzte, find ste nns doppelt willkommen als Vorboten der schönen Jahreszeit, die das Herz weiten nnd die Sinne laben soll. Vorboten erst find es; noch rauschen sie um kahle Aeste und schüch. terne Knospen-Ansätze, nud noch immer versucht ab und zu der Winter seine Herrschaft geltend zu machen. Aber ob auch noch rauh die Luft und kahl die Flur, wir wiflen es und die Frühlingssonne bekräftiat es mit ihrem hellen Lichte: unbekümmert um alles Toben der winterlichen Mächte, naht ste doch, die neue, schöne Zeit. Und alles das, was wir Winterschlaf | nannten, war nur ein verborgenes Wirken der Lebens, kräste, ein unseren Auaen zwar entzogenes, aber darum doch existirmdes Vorbereiten des neuen Lebens.
In diese geheimnißvolle Zeit, in der ein Ahnen künftiger Herrlichkeit durch die ganze Natur geht, legt die Kirche das Fest der Auferstehung unseres Heilands. In schlichten Worten, aber so nachdrück- ilich wie selten ein Ereignis in der ganzen Heils- geschichte erzählt uns von diesem Auferstehungswunder das Buch der Bücher. Alle vier Evangelisten erzählen uns davon, Petrus verkündet es in seiner i Pfiugstpredigt, die Apostel berufen sich darauf. ES ist wohl ersichtlich, warum dieses Gewicht gerade auf ! das Auferstehuugswnnder gelegt wird, alle Hoffnung für Zeit und Ewigkeit beruht darauf. Ist Christus nicht auferstanden, so war er aber nur Mensch, der größte Mensch, den die Erde trug, aber doch einer, der irren konnte, dem jeden Tag ein noch größerer folgen kann und dem schließlich jeder Einzelne mit Fug »nb Recht seine eigene Weisheit entgegensetzen kann. Ist Christus nicht anferstandm, so haben wir auch keine Hoffnung einer Fortdauer nach dem s Tode, unser ganzes Leben ist nur ein kurzes Vorübergleiten, und ein Thor ist, wer es nicht möglichst ausnutzt zu sinnlicher Ergötzlichkeit. Dann haben allerdings diejenigen recht, die im Genuß Ziel und Zweck des Daseins suchen. Aber fteilich, wüste und trostlos wird dieses Leben dann als eine Stätte un» würdiger Sklaverei, in de; Nimmersatte Gier den ^ Menschen in Fesseln schlägt, und nicht werth ist es, gelebt zu werden.
Beweisen und ergründen läßt sich das Auf- erstehungSwunder nicht. Wem nicht durch die Kraft des Glaubens daS innere Auge aufgethan ist, der geht. zweifelnd daran vorüber. Aber beweisen und ergründen läßt sich daS ganze Frühlingswunder da draußen auch nicht; alles, was die Wissenschaft uns bietet, ist schöne Theotte, die aber immer nur auf Umschreibungen hinaus läuft, den letzten Gmnd der Dinge erfahren wir von ihr auch nicht. Wie eS zugeht, daß auf jenem 20 Millionen Meilen von nns entfernten Hefigen Feuerball Kräfte wirken, die
Nachdruck verbat«
: 3« bösen Schein.
Roman von L. Haidheim.
(Fortsetzung.)
»Aber »ein!* stammelte Gisela. »Du thatest j« so!"
»Thnst Dv nicht auch so? Meinst Du, ich wüßte nicht, daß —*
»Lisa! Lisa!» schrie Gisela auf und preßte die Hand ans der Schwester Mnnd.
»Ich sage ja nichts. Sei doch ruhig. Und nun gratuliere uns lieber!*
Lisa war ganz ans dem Hänschen vor Glück »nd Ueberwuth. Wmdelstei» überrascht von der hente erst in ihm zur Gewißheit werdendm Ahnung, daß Gisela Arno Hebe, gab sich weicher und gemüthsvoler, wie sie ihn jemals gesehen hatte.
»Wie freue ich mich, ich war so traurig, «IS Sie immer und immer schwiegen!*' sagte sie herzlich zu ihm.
Fräulein v. Löben war gar nicht Überrascht, gar nicht. Sie hatte daS tommen sehen.
AlS die Schwester» später als gewöhnlich zn Bette gingen, umarmte Lisa Gisela.
»Ich bin die Jüngere, Gisa, D» hättest znerst komme» soll«!*
»DaS Glück fragt nicht »ach dem Tavfschei»!' lächelte diese.
»Aber Dn wirst mir bald folgen! Bald, ich habe so eine Ahnung.*
»Ich nicht,* sagte Gisela.
* _ *
in regelmäßigen, alljährlichen Zeiträumen allerhand Kräste in unserer Erde Hervorrufen, daß Alles sich verjüngt, das toiffen wir trotz aller gelehrte» Aus- einandersktzungeu heute noch so wenig wie je. Man stellt geistreiche, scharfsinnige Theorien auf, die uns die Vorgänge anschaulich machen sollen, — den letzten Grund, auf ben es doch allein ankommt, w-nu eine Erklärung gegeben werden soll, kann man uns nicht nennen. So sehr sich die Wissenschaft dagegen sträubt, die ganze Schöpfung ist ein Wunder, in ihr Allerheiligstes ist noch kein sterbliches Auge gedrungen, nur im Vorhof stehen die Jünger der Wissenschaft. Aber den gewöhnlichen Sterblichen hindert das nicht, der Schöpfung sich ju freuen; ihm genügt es, daß er den Frühling rings um sich her wahrnimmt in feinen tausend Steuerungen. Den läßt er auf sich wirken und nun beginnt auch in ihm ein neues Leben, und das Knospen und Blühen rings umher wird zum Spiegelbild seines Ich, wie da neue Vorsätze keimen, neue Hoffnungen erwachen, neue Kraft sich regt.
Könnte das Weben und Wehen des Frühlings nicht auch ein Gleichuiß werde» unserer ganze» inner» Welt? Für ben, ber nicht aufgeht im Sorge» nnd Hasten des alltäglichen Lebens, gewiß Wer sich gewöhnt hat, nach innen zu leben, für den hat das Auferstehungswunder gar nichts so seltsames, denn er steht in hundert andern Dingen dem Unfaßbare» und Unbegreiflichen gegenüber, und doch ist's für ihn Wirklichkeit. Er nimmt es hin, wie jener ben Frühling, ben» er nimmt eS mit feinen inneren Sinnen wahr, es wird ihm unumstößliche Gewißheit, über allen Zweifel erhaben. Unb sogleich beginnt auch in seinem Innern ein neues Leben. Christus der Auferstandene bringt erst das rechte Frühlings wehen ins Herz. Da wird eS so weit, so sicher, so kräftig, wie nie zuvor. Da hat Alles, was in ihm sproßt unb grünt, erst ben rechten Nährboden gesunden, in d-m es fest wurzeln kann. DaS kann fein Sturm so leicht entwurzel», keine Hitze so leicht auSdorre». Das ist ein rechter Frühling, ber da einzieht, wo Christus, die Kraft und die Sicherheit für dieses unb jenes Leben, wieder lebendig geworden ist. In wie vielen Seele» schläft er noch den TodeSschl-f! Ach, waS wäre daS für ein herrliches Oster», wen» wir ihn alle in unfern Herzen auferwecken möchten, daß er uns grüßen könnte mit dem Gruße des Auf- erstandmen: Friede sei mit euch!
ES liegt an nnS, ob das geschieht. W, ein Herz sich sehnt, auS dem alte» kalte» Leben des Aeußerlichen hindurch zu bringen zu einem warme» Dasein boll Milde unb Sonnenschein, und wo es sich willig öffnet ben Strahlen, die von ber Licht gestalt des Heilands ausgehen, der Liebe und Stärke, Hoheit und Milde so wunderbar vereinigt, da kommt er auch mit seinem Frieden. Das Alte ist vergangen. Siehe, ich mache alles neu.
Heute wurde der letzte Theil der Sammlungen des HofrathS in das Museum überführt.
Jede freie Stunde hatte Arno benutzt, die ihm obliegenden Pflichten zu erfüllen. Er fand in trotziger Verbissenheit einen Ehre, punkt darin, auch seiuersests Gisela die starre Gleichgültigkeit zn geige», die er von ihr erfuhr.
Vergeblich hatte Lisa die jetzt i» ihrem bräut» lichen Glück Arno viel »»Befangener gegenüberftanb, ih« eingeladen, zu ihnm zu komme», de» Thee mit ihnen zu trinken, sie zu begleiten, wen» sie anSftrhre».
Er weigerte sich unter allerlei Ausflüchte» jedesmal, wie Gisela, dadurch immer tiefer verletzt, sich ebenso entschiede» weigerte, ihm auch »ur einen einzige» Schritt entgegen zu gehe».
Darüber wurde Lisa dm» doch zuletzt an beide» irre, und ihr Argument. »Ich könnte so nicht fein, wen» ich —* machte sogar Fräulein von Löben in letzter Zeit zweifeln an dem eigenen Scharfblick.
Gisela trug ben Kopf überhaupt jetzt stolzer und höher. Die fchme Zaghaftigkett unb Gedrücktheit hatte sich verloren in heimliche« Trotz.
Sie zeigte sich fast niemals heiter, wie Lisa, aber sicherer und energischer.
Es schim ihr »ach und nach das Gefühl des Besitzes zn behagen.
Im Anfang war sie der Löben vorgekommen wie ei» Fremdling, wie ei» Gast im eigenen Hanse.
DaS änderte sich. Sie begann Interesse an den häuslichen Vorgängen zu nehmen, dachte nach über die Verwendung der von den Sammlungen frei werdende» Räume, die Lisa und Wendelstein beziehen sollte», »nd zeigte sich überhaupt znm heimliche» Miß-
Umschau.
Nochmals das Fleischbeschaugesetz.
I» einer in der .Nord. ALg. Zig.* erschienene» offiziöse Auslassung über das Fleischbeschaugesetz und die deutsche Landwirthschaft wird der Standpunkt ber Regierung gegenüber ben Forderungen des Bundes der Landwitthe nochmals in entschiedener Weise dar- gelegt. Die Kundgebung schließt mit folgende» be- rnerkenswerthe» Satze»:
.Hervorragende Vertreter der La»dwirthschaft, an deren Sachkenntniß und warmem Jniereffe für das landwirthschastliche Gewerbe nicht zu zweifeln ist, haben offen anerkannt, daß der Gesetzentwurf gegenüber dem jetzigen Zustande vom laudwirthschastlichen Standpunkte aus einen wesentlichen Fortschritt bebrütet, und deshalb den biffentirenben Vertretern der Landwirthschaft den Abschluß eines Vergleiches nahegelegt. Jene Politiker haben damit dem lanb» wirthschaftlichen Gewerbe in Gegenwart und Zukunft jedenfalls einen größere» Dienst erwiesen, wie die- jeuigen Vertreter der Landwirthschaft, welche diesen Gesetzentwurf zu einer Kraf probe gegenüber den verbündeten Regierungen benutzen wolle». Wir wollen eS vorläufig vermeiden, auf neuerliche Kundgebungen ber agrarischen Presse Wetter eiuzugehen, eins aber glauben wir heute schon bestimmt versichern zu könne», daß die verbündeten Regierungen Beschlüssen des Reichstages zum Fleischschaugesetz ihre Zustimmung nicht erteilen werde», welche die zur Zeit »och noihwendige Einfuhr fremben Fleisches über daS unmittelbare hygienische Bedürfviß hinaus zum Schabe» ber Volkseruährung verhindern. Auf dem Wege intransigenter Drohungen gegenüber de» verbündeten Regierungen werden die unmittelbaren und dauernden Interessen der Landwirthschaft nicht gefördert werden. Alle weiierschanenden Freunde dieses wichtigen Erwerbszweiges sollten deshalb die Hand dazu bieten, ben Gesetzentwurf in einer für bte tierbflnbeten Regierungen annehmbare» Gestalt zur Verabschiedung z» bringen*.
Die Eröffnung der Pariser Weltausstellung.
Der letzte Tag der Charwoche ist von der französischen Regierung dazu auSersehen worbe», die Thore ber großen Welimefle bent Publikum zu öffnen. Während die ganze abendländische Christenheit nach Begehung des ernsten Tages, ber dem Sedächiniß an de» Krevziguugstod des Heilandes geweiht ist, sich zur Feier des AuferstehungS-Festes rüstet, wird in ber alten Seinestadt sich ei» Akt vollziehen, der seiner Bestimmung gemäß dem Ruhme Frankreichs und seines polittfche», wirthschaftlichen und geistige» Mittelpunktes zu neuem Glanze verhelfen soll. Frankreich wollte sich die Ehre nicht nehme» lassen, die Jahrhundertwende durch em Stelldichein des Ge-
vergnügen der Löbe» geneigt, ihre eigene» Wünsche zur Geltung zu bringen.
AuS der Passivität ihre» gehettneu HerzenskummerS war sie anfgewacht zn einer energischen WillenSan- strengung, denn sobald sie mtt tiefem Schrecken er» kannl hatte, ihre Umgebung glaubte an ihre Liebe zn Arno von Schiltar, war sie entschloffen zu beweise», eS sei nichts daran.
Zuweilen meinte sie das selbst, ja, sie begann Arno zu hassen, wie einen schlimmen Feind.
Dmch Lisas Verlobung mit Wendelstein wurden zuerst Besuche hier uud da nöthig; man beeilte sich, sie zu erwidern, und wo man bas Bram paar einlud, wurde Gisela selbstverständlich miteiegelaben.
Fräulein v. Löben war nicht unzufrieden, dadmch auch ihrerseits freie Zeit zu gewinnen, nnd die Schwestern ließe» sich wiederum gern gefallen, daß ihre .mütter- liebe Freundin* sich auf daS angelegentlichste um ihre Toilette bemühte.
Die Trauer schloß allerdings jede Farbe auS; aber diese weißen Seiden- oder Spitzenstoffe im Verein mit schwarzen Samtschleifen und Jettschmuck »dtten bei Gisela wie bei Lisa entzückend.
Die toeltfrembe» schönen Mädchen erregten längst mehr Aussehen, als sie ahnten; vom erste» Augenblick ihres Auftretens s» verzog man sie; sie wurde» Mode und obgleich Lisa als Braut weniger in Frage kam, so genoß daS junge, lebensfrohe Geschöpf diese unge» wohnten Freuden doch mit leidenschaftlichem Vergnüge».
ES war ganz unvermeidlich, hier n»d dort mit Arno v. Schiltar zusammenzutieffen.
Gisela wurde bann jedesmal roth und blaß; denn sie fühlte sich bei solche» Gelegenheiten stets beobachtet; nach und nach gewöhnte sie sich daran und vergalt die
werbfleißes und der Knust der ganzen Welt zu feier», in ber stillen Hoffnung, dem Laube burch die Veranstaltung nngezähtte Millionen zufließeu zu laffen und durch die Leistungen des einheimische« Schaffens die wirthschaftlichen Beziehungen zum Auslande zu fördern. Der große Erfolg der ersten Pariser Meltau-stelluug von 1867, welche zu ihre» Besuchern b-kanntlich auch unseren König Wilhelm I. sowie den Grafen Bismarck zählte und die französische Hauptstadt znm Wallfahrtsone des schau- und reiselustige» Publikums aller Nationalitäten machte, hat unsere westlichen Nachbarn mit wahrer Leidenschaft ben Gedanke« ergreifen lassen, baß sie in Europa gewissermaßen bas Monopol für Unternehmungen solcher Art zu beanspruchen Haden.
In Zettabständen von genau elf Jahre» stad fett 1867 in Paris Weltausstellungen veranstaltet worden; die Jahreszahlen 1878, 1889 unb 1900 reihen sich jener erste» an. Es ist, als ob die Franzose», die sich gerne als die Grieche» ber Neuzeit betrachte», »ach deren olympischem Vorbild die Weltausstellungen als Marksteine einer periodischen Zeitrechnung gewählt, um in der Erscheinungen Flucht, welche die französische Zettgeschichte in einen ewigen Wechsel von politische» Strömungen, Regierungssystemen unb Namen ohne bleibenden Klang auflösen, wenigsten» hier und ba einen ruhenden Pol zu besitzen. I» ber Thai würde die Wahl nicht einmal schlecht sein. Politische, wirthschaftliche, soziale, künstlerische und andere das Lölkerleben beeinflussende Momente spiegel« sich in dem Gelingen ober Mißlingen der Veranstaltungen, in deren ökonomischem Ergebniß für den einheimischen Gewerbe fleiß, in ber Rückwirkung ber internationalen Lage int Allgemeine« unb ber Weltstellung Frankreichs im Besonder», in den sozialen Folgewertungen »nd vielen andern Begleiterscheinungen wieder. Man denke nur an die beiden Jahreszahlen 1867 und 1878: welche Umwälzung der politischen Verhältnisse EnropaS und Frankreichs I Nach dem Urtheil ernster ftanzöfischer Politiker nehmen freilich die Weltausstellungen in ber Entwickelung ber Republik einen unerwünscht breiten Raum ein.
»Die Weltausstellung ist der Friebe* — diese Abwandlung des napoleonischen „l’Empire c’est la paix“ bildete nach Bekanntwerbe» des Planes, die Zeitwende durch eine Einladung ber Völker zu friedlichem Wettbewerb zu begehe», ben Grundtext bet Ausführungen, welche bie französische Presse dem Gedanken widmete. ES lag darin eine Art Selbst- bekeuntniß ber französische« Volksseele: unstteittg ist die Rücksicht auf die Weltausstellung sowohl für bie französische Regierung wie für die «attonalen Leidenschaften des französischen Volke» ein mäßigendes Moment gewesen. Insofern kann die Eröffnung der Weltausstellung auch jetzt noch als ein Ereigniß begrüßt werde«, welches für bie Dauer eines halben Jahres das ruhelose Temperament der moderne« Gallier auS ber Reihe derjenigen Faktoren ausschaltet,
ruhige Zurückhaftung ihre» Gegners mit anscheinender größter Unbekümmertheit. Gräfin Karoline lachte heimlich über dies .Bersteckspiele»* ber beiben und «och mehr über bie »Naivetät* ihrer liebe» Löben, die fich dabo» täusche» ließ.
Sah den« Matta garnicht, baß Gisela« Freundlichkeit gegen all diese anderen jungen Herr» einfach süßeS Eis war? Hatte den» wohl einer von ihnen sich jemals eines befonbere« Vorzugs zu rühme«?
Die Zett ging hin, ber Herbst nahte.
»Sie sollten ei« Seebad besuchen. Es würde Ihne» sehr gut thu», Fräulein Gisela,' tteth ihr ihr öfter Arzt.
»Wozu? Ich bin ja ganz wohl! wehrte sie ab. Sie mochte nicht fort »nd Lisa noch weniger.
Die Löben senfzte. Ihr hätte bie Seeluft sicher gut gethan, unb bann diese reizende Zestrennug.
In diesen Tagen fand eine große Gesellschaft bei dem Oberst beS Husaren-Regiments statt.
Da» herrliche Wetter der ersten Septembettage lockte gerade zu einem Gartenfeste, und an dem be» treffenden Abend war er, al» ob ber Himmel und die Erde ihren sommerlichen Reiz noch einmal verschwenderisch wirken laffen wollten.
Luch Gisela und ihre Schwester waren mit Fra« von Löben geladen.
Gisela hatte noch nie so schön auSgesehe», wie heute in dem Kleide von duftigen schwarze« Spitzen, deffe» einziger Aufputz in ftische», weißen Rosen bestand. ,
Sie tanzte der Trauer wegen niemals; ans besonderer Rückficht für sie ließ man den Tanz unter« brechen für irgendwelche anderen, weniger lebhaften Amüsements. (Fortsetzung folgt.)