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KM: 3* "xg. »Ich. llMttfitLtt-Suchdmckmt ix Kirburg. Ver-utw-rttich für bte Redaktion: Redakteur Han, Hupst» ta Marburg

SWtau ettot 91. - T«l«ph.» 66. SSVlimUflVVKlU» Redaktion: Markt 91. - Telephon 68.

Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

M 83

Eckchen« täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Ouartal^LbonnemeiltS-Prei, bei der Expedition S Mk., bei all« WHoxfcnt 2,25 Mk. (eitl. Bestellgeld). Jnsertiou,gebühr: di« ge» fetitwu Zeile oder beten Raum 10 Pfg., Reklame»: die Zeil« 96 Pfg.

Marburg

Sonntag,8.April 1900.

Anzeigm n«hmrn entgeg«: di« Expedition diese, Blatte,, die Annoncen- Burraux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde­burg, Wien; Rudolf Masse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; E. L. Daub« & Co., Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.

35. Jchrg.

Zweites Blatt.

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für daS zweite Quartal auf die HSrrhrss. ZsitWg nebst deren Gratisbeilagen

KreiSblatt für die Kreise Marburg uni Kirchham",Illustriertes Sonntags' blatt" undVerloosungsliste der Kgl. preußischen Klassenlotterie" werden von allen Postanstalten, Landbrief- trägern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain und Neustadt entgegmgmommen.

Das Klima Südafrikas und der Krieg.

Man hit da, Klima Südafrikas mit dem von Italien und Spanien vergleichen wolle». Das ist falsch. ES gtebt, und kann auch auf der nördlichen Hemisphäre unserer Erde gar kein Land geben, dessen Klima mit demjenigen Südafrikas, und speziell mit dem der Boerenn publiken vergliche« werde» könnte.

Auf der rördUchcu Hemisphäre unserer Erde, und namentlich in der gewäßigteu Zone, welche, da die Boermrepublikcv, respektive di: derzciiige« Schlacht­felder Südafrikas i« der südlich gemäßigte» Zone liege», i» diesem Kapitel allein in Frage kommt, unterscheidet man vt-r markante Jahreszeiten, Früh­ling, Sommer, Herbst und Winter; und zu allen vier Jahreszeiten hat man gleichmäßig beträchtliche Menge» von Regen bezw. Schnee.

Auf der südlichen Hmisphäre dagegen unterscheidet mau nur zwei Jahreszeiten, die Regenzeit und die regenlose Z it. Allerdings gtebt es auch dort eine Zett deS Sprossens und Blühens, eine Zeit des R ifeus und der Ernte, sowie eine Zeit deS Winter­schlafes der Natur. Judess.n, diese einzeluen Phase« treten nicht so energisch in die Erscheiuung, wie auf der »ü.dllqen Hemisphäre; fie werden gewissermaßen übertrumpft durch die beide» großen Halbjahrswcchscl: Regenzeu und regenlose Zett.

jDie Regenzeit, oder der südafrikanische Sommer, beginnt mit dem Oktober und wählt bis zum Aprll. Mit ihrem Eintritt beginnt die Vegetation. Aber so etn afrikanischer Regen ist etwas anderes, als ein Regen auf der nördliches Hemisphäre. In Deutsch­land würde mau von etx<m Wolkenbruch rede». Und solcher gewalligen Regengüsse gtebt es bann, wenn auch nicht täglich, doch jeden zwette» oder drttten Tag. I» der Regel sind sie von schweren Gewittern be­gleitet. Ein sanfter Landregen kommt nicht vor. I« bes meiste« Fällen entlade» sich bte Wetterwolken beS Nachts. DaS ist dann grausig schön. Bos Minute zu Minute flammt bte rabenschwarze Nacht in grellem Blitzstrahl taghell auf. Ganze Häuf.« vo» Gewitte n scheinen aufeinander zu prallen. Die Donner krachen gegen einander an, und dazwischen rauscht der Regen mit einer Wucht hernieder, als ob er die Welt ersäufen solle. Wer da Liebhaber von einem Brausebad ist, der kann bi.8 in der Dunkelheit der Nacht vollauf genießk«, zugleich mit einer Massage, gegen welche die uachdrücklichste Bi-.k-mruthengeißelung ei« Kinderspiel. In der That: Sobald der Sturm, der jedem Gewitter vo:anzugehen pflegt, auSgdobt hat, ist die Luft wunderbar lind, fie lockt

den unter der Hitze des Tages erschlafften Körper söimlich hinaus. Ich habe es mir nie versagen mögen, in Adams Kostüm, ein paar Holzsandalen an den Füßen, solch ein Regenbad zu nehmen. ES gtebt nichts Köstlicheres. Aber natürlich nur dann, wenn man aus dem Regen wieder unter Dach und i»S Nest schlüpfe» kau«. Solch einen Regenguß ohne diese Bedingungen im Felde aushalten zu müssen, ist kein Spaß. Da schwellen die Flusse, deren Betten selbst in der Ebene, oft sechs, acht Meter tief find, nicht fetten in wenigen Minuten so an, daß fie ihre wildzmiffcnen Ufer meilenweit übetfluthen, ganze Ge- Höfte fortwaschen und der ganzen Gegend ein anderes Gepräge gebe».

Der Reisende, der von solch eixem Regen über­rascht, keine Anhöhe gewinne» kann, riSkirt, daß er selbst mit fortgrschwemmt wird.

Zuweilen kommt der Rege» auch als Hagel nieder. Dan» gießt es Schlossen von Wallnußgröße. Und Gnade dem, de« solch ein Wetter außerhalb eines schützenden Daches überrascht. Die stärksten Tropen­zelte zerschlägt der Hagel wie Zunder.

Das ist südafrikanischer Regen- und Hagelwetter.

Regnet eS nicht, dann ist eS am Tage sehr heiß. Aber die Hitze ist nicht drückend. Daz» ist die Lust zu dünn. Wenn man sich passend bekleidet, ist die Hitze auch gar nicht lästig. Wer den Schweiß nicht scheut, kann ganz gut in der Sonuengluth arbeiten.

Aber ohne zweckentsprechende Bekleidung ist der Aufenthalt in der Sonne um diese Jahreszeit selbst für wenige Minuten gefährlich. Sie brennt buch­stäblich auf den Scheitel nieder. Ei» paar Bekannte von mir, junge deutsche Männer, welche die Lust anwaudelte, um die Weihnachtszeit, wo die Sonne also im Zenith des Südafrikaners steht, im Pintas Rivier, einem kleinen Flüßchen des Transvaallandes, ein Bad zu nehmen, haben dieses Vergnügen bitter büßen müssen. Die glühende» Sonnenstrahleu hatte» den armen Herren vorn ganzen Oberkörper die Haut förmlich herunter gebraten. Sie konnte» vo» Glück sagen, daß im nächsten Burenhanse ein Sack Weizen­mehl vorhanden war, mit dem die verbrannte Haut dick eingepudert werden konnte. Das linderte die Schmerzen. Das Fell war bei beiden futsch; fie konnten es in Läppchen vom Körper herabziehen. Das ist der südafrikanische Sommektag, wenn'S nicht regnet.

Die Nacht? Entzückend schön . . . könnte sie sein, wenn'S keine Moskitos gäbe.

Früher hat man diese entsetzlichen kleinen Un­holde auf dem ganzen südafrikanischen Hochlande nicht gekannt. Sie waren nur in den Küsten- niederungen zu Hause. Und auf den fernab von den Bahnen liegenden Farmen kennt man fie auch heute noch nicht. Aber längs der Bahnlinien find sie schon überall heimisch. Alte Afrikaner sagen, die Bahnen hätten fie mitgebracht. Möglich! Auf jede» Fall sind es ganz nichtswürdige Teufelchen. Sie erscheinen mtt der Regenzeit. Am Tage find sie weder zu hören noch zu sehen. Jeder Winkel, jede Ritze dient ihnen als Schlupfort. Aber kaum ist eS dunkel geworden, dann komme» sie hervor. Im Zimmer ist ihr leiser Gesumme geradezu un­heimlich. Man grault sich, zu Bett zu gehen. Und kaum liegt man, da fallen sie auch schon über Ei»rn her. Das ist dann ein Schmerz; ich kenne kein In­sekt, daS einen nut annähernd ähnlichen verursachen könnte. Und kein Mittel ist dagegen wirksam. Selbst Pyrethrum roseum, daS von verschiedenen Reisenden als unfehlbar empfohlen wttd, hilft nichts. Das einzige ist, daß man fein Ruhelager ringsum mit von der Decke bis zur Erde gehenden Schleier- gardineu verhängt. Aber daS ist nur zu Hause möglich, auf der Reise nicht. Mit Tagesanbruch verschwinden die Moskitos und mit ihnen in der Regel auch jeder Schmerz. I» der Thal: bei Männern läßt der MoSkitostich nicht mal eta rothes Fleckchen zurück. Junge Dame» und Kinder haben allerdings «och stundenlang reihe.Quaddeln", aber Schmerzen habe» auch sie nicht mehr.

DaS ist die südafrikanische Nacht zur Regenzett, wen» es nicht regnet.

Und diese Zeit haben die Kämpen auf den Schlachtfeldern zwischen Kimberley und Ladysmith überstanden. Mit April beginnt die regenlose Zeit.

Vom April bis September fällt in ganz Süd­afrika nicht ein TrpHfen Regen. Nicht das leiseste Wölkchen zeigt sich Wder bei Tage noch des Nachts am Himmel. Die Vegetation stirbt. Die Flüsse versiegen oder fallen zu kleinen Wasserrinnen ab, und über das ganze Land lagert sich eine empfind­liche Dürre. Das Trinkwaffer wird sogar in manche« Gegenden knapp für Menschen sowohl wie für das Vieh.

Dabei ist die Sonne am Tage kaum viel minder sengend als zur Regenzett. Mittags in der Sonnen- gluth zu baden, würde ich auch jetzt »och keinem Europäer rathen.

Dahingegen wird es ganz empfindlich kalt, so­bald die Sonne untergegangen ist. Man merkt?, daß man 2000 Meter über dem Meeresspiegel in erheblich dünnerer Luft wohnt, als etwa in Berlin, Paris oder London. In den Monate« Juni, Juli und August fintt die Nachttemperatur sogar bis auf mehrere Grad unter den Gefrierpunkt, u«t> wo mal zufällig am Abend Wasser auf die Straße gegosien wurde, da kann man vor Sonnenaufgang Eis wahr- nehmeu. Ganz besonders kann man dies an den Eisenbahnbrunnen, auS bene» die Locomotiven ge­speist werde», sehe». Hier sieht mau vor Sonnen,

«usgang oft armlange Eiszapfen hänge». DaS ver­schwindet indeß mit dem ersten Sonnenstrahl.

We schnell die Abkühlung der Lust um diese Zeit in der Nacht vor sich geht, dürste am deut- lichsteu damit illnstrirt werde», daß Badewaffer, welches man am Morgen ans der Pretoria-Wasser­leitung entnommen hat, beim Vaden gegen die Luft­temperatur ganz inteusiv warm erscheint, während, wenn das Waffer schon am Abend der Leitung ent­nommen tonrbe unb über Nacht in ber offenen Wanne an der Lust stehen blieb, der umgekehrte Fall ein­tritt. Daun ist die Lust intensiv warm im Ver­hältnis zum Waffer. Sv sehr also entzieht die wasserarme Lust dem Badewasser die Wärme über Nacht.

Genau so sehr entzieht fie auch dem Körper Wärme. Daher stiert man in der südafrikanischen Winternacht bei minus 23 Grad mehr, als in Deutschland bei minus 810 Grad.

Aus diesem Srunbe zündet mau zum Abend in den Wohuräumeu gern ein Kaminfeuer an; und während man zur Regenzeit für sein Bett als Decke mit einem leinenen Laken fürlieb nimmt, wickelt man sich zur regenlosen Zeit über Nacht recht gern in dicke Wolldecken unb deckt sich mit Fellen oder Stepp­decken doppelt und dreifach zu.

Und diese regenlose Zeit, dieser südafrikanische Winter steht de» Krieger» noch bevor.

Die Buren sind ihn gewöhnt; sie werden iHv mit Leichtigkeit überstehen können, ohne an ihrer Kampffähigkeit Einbuße zu erleide». Auch die in den Reihen der Buren kämpfenden Deutschen, Hol­länder, Skandinavier «erde» ih» im Lagerleben bei einiger Vorsicht ertragen können, da sie ih» mit wenigen Ausnahmen schon lange Jahre httrdnrch kenne».

Die E»glä»der, welche aus ihrem »eblige» Vater­lande nach Südafrika gesandt wurden, werden sehr darunter zu leiden haben.

Vermischtes.

Eine Stndentensteundi« im besten Sinne des Wortes ist in Heidelberg gestorben, nämlich die frühere Ochseuwirthin von Handschuhsheim, Fräulein Felicitas Brunner. Sie war in stndentischen Kreisen unter dem Namendie Felix" eine bekannte Per­sönlichkeit. 74 Jahre ist die stühere WirthiuZum rothen Ochsen" alt geworden. Sie genoß wegen ihrer pfälzischen Geradhett, noch mehr aber wegen ihrer Herzensgüte, i» der fieAbgebrannten" gerne zu Hilfe kam, die Achtung und Zuneigung aller Heidelberger Studenten. Hierfür sprachen vor Allem auch die vielen Trauerkundgebnngen und prachtvollen Kranzspeudeu, welche der Verstorbeuen von den studeuttscheu Körperschaften zvgedacht wurden. Wohl manchem alten Herrn, der jetzt schon Jahrzehnte in Amt unb Würden sich befindet, werden angenehme Erinnerungen an die schöne Burschenzeit wachgerufen werden, wenn er von dem Tode derTante" hört.

Heitere- an» dem Gerichtssaal. 3mWiener Extrablatt" theilt Ednarb Seibel eine neue Serie nnfteiwillig kornischer Aussprüche mit, bie er im Ge- rtchtssaal gesammelt. Nachsteheub eine Blütheulese daraus:

Advokat (zu einem Kollege», der wegen feiner Mißerfolge bekannt ist):Herr Doktor, die Verhand­lung hat schon angefangen, gehe» Sie schnell hinein, sonst wird Ihr Klient am Ende freigesprochen".

*

Vorsitzender:H-rr Verteidiger, ich muß Sie bitten, dem Angeklagten seine Antwo.ten nicht eiuzuflüster». Laffe« Sie nur ih» fich verantworte», die Reihe kommt später auch au Sie!"

*

Bors.:Woher hatte» Sie den» de» Sperr- hake«, de» man Ihne» abgenommen hat?"

Ange kl.:Den habe ich auf ber Straße ge- fmtben".

Bors.:Merkwürdig, daß manche Diebe immer Sperrhaken finden I Ich habe noch nie einen gefunden".

* * *

Richter:Geben Sie dem Kläger eine Ehren­erklärung. Sie bedauern, daß Sie ihm eine Ohrfeige gegeben haben".

Ange kl.:Ja, ich bedauere, daß ich ihm eine Ohrfeige gegeben habe".

* * *

AuS den Plaidoyeis eines Bertheidigers: Ich will nicht de» Rebepinsel ber Bertheibigung in

de» Farbentopf der Beschönigung tauchen!"Mein Klient gehört einem Stande an, ber über jeben Ehren­punkt erhaben ist!"Ja, meine Herren Ge­schworenen, leben wir benn in ben Urwälder« Eentral- afrikas?"Der Angeklagte ist ber Quotient bet staatsfinanzielle« Division!"

AuS Nah und Fern. Bei Rettung seines Kinbes wurde in Nürnberg ber Ober-Expeditor Wirsching getöbtet. Er würbe nach beendetem Dienste von seinen Töchter» abgeholt. Sie überschritten die Geleise. Als nun Wirsching den Bamberger Schnell­zug daherkommen sah unb bemerkte, daß die eine Tochter in Gefahr kam, überfahren zu werden, riß er sie rasch weg und wurde dabei selbst von der Locomottve ersaßt und sofort getöbtet. In Kösen ist das Haus, in dem 1875 Ferdi­nande von Schmettan gestorben ist, die be­kanntlich 1813 ihr schönes Haar auf dem Altar des Vaterlandes opferte, auf Grund einer Schenkung jetzt als Diaconissenstation eingerichtet worden. Ein Opfer seines Berufes ist der Unter­arzt vr. Hugo Reißig vom 128. Infanterie-Regiment in Danzig geworden. Er zog fich bei der Unter­suchung eines nachträglich verstorbenen Soldaten eine Blutvergiftung zu. Kurz vor feinem Tode ließ er fich auf dem Sterbebette feine jugendliche Braut an« trauen.

Bergniigungsanzeiger.

Königliches Theater zu Cassel.

Sonntag, 8. April.Die Walküre."

Montag, 9. AprilJugend von heute."

Dienstag, 10. April.Der Pfarrer vo» Kirchfeld."

Mittwoch, 11. April.Joseph in Egypten." Donnerstag bis eluschl. Sonnabend geschloßen.

Sonntag, 16; April.Faust" (I. Theil), mit Prolog im Himmel.

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Baruch Strauss

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