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öcherrtliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Zlluftrirtes Sonntagsblatt. emto,d"4 h”,,bro
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OM&iitt tügNch außer an Werkt»,ru nach Sam»» und Feiertagen. OuartalS-LbonuemeittS-PrM bei der Expedition S M , bei all« PastänNeru 2,35 Mk. (ejH. Bestellgeld). Jns«rttou»g«bühr: die ae- W&w Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklame»: bi« Zeil« 25 Pfg.
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Sonnabend, 7. April 1900.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese, Blatter, bk Annoncen- Bureaux von Haasmstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd«» barg, Wien: Rudolf Moflr, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; C. L. Dau« 4 Co.» Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.
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die Möglichkeit einer späteren Erweiterung sür alle Zeiten genommen wurde. Unter diese» Umständen muß Hephata in diesem Jahre besonders um Hülfe Andere bitte» uud hofft, daß ihm diese bei Selegev- heit der Kircheukollekte von manchem, der ei» Herz hat für arme, schwachstvuige Kinder, iu reichem Maße zu Tbeil wird. Schließlich wolle» wir »och besonders darauf Hinweise», daß viele Kinder wieder in der Anstalt geweckt und gefördert werden durfte». I» der oberste» Klasse der fünfklasfigen Anstalts-Schule find z. B. gegen 18 Zöglinge, die stützend lesen und schreiben könne». 10 Knaben habe» die Bürsten- und Besenmacherei, 4 die Korbmacherei, 3 die Schneiderei, 2 die Gärtnerei erlernt, viele Mädchen iu weiblicher Handarbeit erstaunliches Geschick und Fertigkeit sich angeeignet; — Auch um der gesegnete« Erfolge willen, die die Arbeit der Anstalt an de» Kinder» hat, möchten wir die Ktrchev- Collekte auch besonders warm empfehle».
Cassel, 4. April. Die ordentliche General- Versammlung der O'tsgruppe Cassel des Allgemeinen Deutsche» SchulveretuS beschloß, einen vom Vorstände bereits vor 2 Jahre» auf dem Marburger Verbands- tage eiugebrachteu Antrag, »ach welchem die Be- zeichnuug .Allgemeiner deutscher Schulvereiu" iu „Deutscher Schutzvereiu" abgeävdert werden soll, auch auf dem diesjährigen Verbaudstage wieder ein- zubriuge».
Harra«, 4. April. Der von der Marburger Schießaffäre bekannte Kaufmann H. hatte sich heute auch wegen einer hier verübten Gewaltthätigkeit vor de» Schranken ded Schöffengerichts zu verantworte». An einem Novembertage war derselbe hier in einem Cafe alsbald Wege« einer Geringfügigkeit mit dem Kellner in Wortwechsel geratheu uud schlug deu Kellner i»S Geficht. Der herbeieilende Cafetier, der sich das Benehmen verbat, erhielt von H. gleichfalls eine» Schlag ins Geficht, daß dar Blut floß. Für die Mißhandlung des Kellners erhielt H. 20 Mk. Geldstrafe, für die des CafetterS, die eine besonders schwere war, 1 Woche Gefäogniß.
Frankfurt a. M., 4. April. Die Stadtverordnete» erklärte» einstimmig, auf die Eingemeindung Niederrads verzichten zu müssen, wenn der Landtag deu § 3 deS EingemeinduugS - Gesetzes anuehme.
Zweites Blatt.
Heffen-Naffau und Nachbargebiete.
X Frankenberg, 5. April. Iu einer vortrefflichen Weise hat sich bis jetzt die neugelegte Wasserleitung bewährt. Dem Vernehmen uach ifl die Wassersteuer keine allzu drückende. Demzufolge wird die städtische Verwaltung die Wasser-Juteressenten je »och ihrem Verbrauch und Bedarf au Wasser iu drei Klasse» eiutheilev, deren Steuern sich in den Zahlen von 9, 15 und 18 Mk. etwa bewegen werde».
± Treysa, 6. April. Am nächsten Sonntag dm 8. d. M. soll i» de» evargelischen Kirche» «lsereS HeffenlaudeS eine Ktrchevkollekte zum Besten der iu gesegneter Arbeit stehenden Idioten - Anstalt Hephata zu Treysa erhoben werden. Die Anstalt ist in Folge ihres schnellen WachSthumS in de» letzte» Jahren fast ununterbrochen vor hohe außer- ordentliche Ausgaben gestellt uud bedarf darum in besonderem Maße der helfenden Liebe der hessischen Christenheit. Bis zum Schluffe des Jahres 94 warm 17, bis zum Schluffe des Jahres 95 waren 37, bis zum Schluffe des Jahres 96 warm 60, bis zum Schluffe des Jahres 97 waren 79, bis zum Schluffe der Jahres 98 waren 112 uud bis heute 154 arme schwachsinnige Kinder an» allen Thellm unseres HeffenlaudeS aufgenomme«. Biel Elend und Noth hat sich in dieser großen Kinder- schaar allmählich in Hephata zusammengesuuden. Segen 30 der Kinder find neben ihrem Schwachstnu »och mit allerlei leiblichen Gebrechen, Lerkrüppel- migen, Lähmungen u. s. w. behaftet, 10 können überhaupt nicht gehm, mehr denn 50 find der Sprache garuicht oder nur theilweise mächtig. ES liegt auf der Hand, daß diese vielen i» so hohem Grade hölfS- bedürftige» Kinder nicht nur besonders der fteundlichen, geduldigen Liebe bedürfen, sonder» auch eines sehr zahlreiche« Pflege- uud LehrpersoualS, um dm mancherlei Bedürfnisse» derselbe« gerecht zu werde«. So stehe« z. Z. in der LiebeSarbeit au de« schwachsinnige» Kindern beinahe 40 Angestellte. Wohl mag manchem diese Zahl hoch erscheine» — «vd doch könne« die Schwestern, Lehrerinnen, Brüder «. s. w., die den schweren uud doch so schöne» LiebeSdimft an dm schwachstunige» Kinder» verrichte», manchmal kaum deu vielen Anforderungen, die an ste herau- trete«, völlig genügen. Neben dm hohe« Unkosten, die die Verpflegung, Bekleidung u. s. w. der Zög- liege, die Besoldung der Angestellte» ». a. verur- fache», hat »»» die Anstalt in der letzten Zeit wiederholt durch Baute» sich erweitern müffeu, um für die zahlreiche» »m hiuzukommmden Kinder Platz zu schaffe», fie mußte überdies eine Anzahl an das Anstaltsgebiet grenzenden Aecker erwerbe», damit diese nicht i» fremde Hände komme» und dadurch der Anstalt au der einzige» iu Betracht kommende» Seite
Eingesandt.
(Ohne Verantwortung btt Redaktion.)
Vor Jahrekfrist bracht« die .Heff. LandeSzeitung' die Mittheilung, bei Bohrungen am Brunnen d«S hefigen Schlöffe- sei mau auf einen dir dahin nicht bekannt gewesenen Schacht mit höchst intereffanten Funden gestoßen. Daraufhin begaben sich viele Leute auf da- Schloß, um Nähere- zu erfahren und zu sehen. Dabei ergab es sich, daß die Zeitung auf Soßen ihrer Leser sich einen Scherz erlaubt hatte. Di« Leute waren „in deu April geschickt" worden. Das hat der Redaktion so gut gefallen, daß fie fich vor einigen Tagen wieder einen Aprilscherz leistet«; ei stand iu der Zeitung, bei der Niederlegung der alten Kirche im nahm
Cappel wär« «in maifiveS Gewölbe mit Sargresten und menschlichen Knochen zu Tage gekommen. In den Kreisen, welch« sich für solche Fund« aus alten Zeilen interesstreu, machte diese Nachricht «intgeS Aufsehen. Noch hmte geht in Cappel di« Sage, es habe daselbst in früheren Jahr- Hunderten ein Schloß gestanden. Der Theil b«S Dorfes, welcher nach Süben hin hinter dem Gasthaus« des Herrn Ronimi gelegen ist, führt noch heute di« Bezeichnung „auf dem Schloff«'. Da lag brr Gedanke nicht so weit ab, daß di» Bewohner diese» Schlöffe? in einem besonderen Gewölbe der dortigen Kirch« beigesetzt seien Erkundigungen ergaben, daß an der ganzen Mittheilung von dem Bloßlegen eiue» Gewölbes kein Wort wahr ist. Bei dem Fundammtiren des geplanten Neubau« stieß man stellenweise auf gewachsenen Boden, aber nicht au Gewölbe oder Mauerreste. Auf di«s« Zeitungsnachricht hin haben fich viel« in Cappel eingefunden und dabei die Reste der alten Kirche und d«n Beginn de« Neubau» der Kirche besehen: Von ersterer steht sitzt noch der Chor auf der Ostsett«. In dem Buche: „Die Baudenkmäler im Regierung«bezirk« Gaffel", von Herrn von Dehn-Rotfklser und Dr. Lotz aus 1870 ist von „dem seit Jahren der Restauration bedürfenden Kirchlein" nur gesagt: „Die stumpfspitzbergig« westlich« Thüre ohn« Gliederung aus dem 13. Jahrhundert, der gothische au« dem Achteck geschloffene Chor mit Kreuzgewölben aber ohne Streben. Der mächtige Dachitit« mit 4 Dächer kern andern 17. Jahrhundert?" ES ist zu beklagen, daß fich diese 2 Sachverständigen nicht auch über das Alter und namentlich übrr den architektonischen Werth des Chor«? geäußert Haden. Es scheint, daß der Chor erst in spätgothischer Zeit, etwa im 16. Jahrhundert erbaut worden ist. Jedenfalls darf man behaupten, daß er recht erbärmlich« Arbeit zeigt Die Gewölberippen find keineswegs genau auSgearbestet; ihre unteren Abschlüsse zeigen ganz dürftige Enden und Figuren, oho« vollen Geschmack; im Schlußsteine de» Gewölbes steht man «ii en Christus köpf von plumper Hand- wrrkSarbeit; dem ganzen Chore fehlt «ine Sockelmauer. Nachdem nun auch der sog. Triumphbogen abgetragen wurde, hat man Gelegenheit zu sehen, wie das Mauerwerk der Chores beschaffen ist. Von richtigen Quadersteinen, di« da» Gewölbe halten sollen und im Triumphbogen «iu» gemau«rt gewesen sein müßten, steht «en feite Spur. Da» Ganz« ist an» Steiubrockeo, di« in Kalk stecken, zusammengesetzt. Um die hohlen Räum« über den Gewölben au-zufüllen, hat man schichtenweise Schiefersteinr und Ruthenbündel von Weiden oder Ginster »der dergleichen werthlosem Zeug hingelegt. An der südlichen Mauerwand steht man «inen von oben nach unten gehenden Spalt, an» welchem zu entnehmen ist, daß das Chorgewölbe nicht organisch mit der Außenmauer verbunden ist. Aus der Beschaffenheit bei dermalen zu Tage liegenden Mauerwerks darf mit vollem Grunde geschloffen werden, daß alles übrig« Mauerwerk des Chores genau von derselben Güt« d. h. Dürftigkeit ist. wie das zu sehend«. Da» kann schon au» d«n Unebenheiten und lleintn Buckeln an der Tünche der Gewölbethitle zwischen den Gewölberitzen entnommen werden
Herr Maurermeister Groth von hier, welcher «S übernommen hat, den Neubau herzurichten, hat al» Sachverständiger «S für geboten erachtet, jetzt die Gewölbe mit vielen Balken von nuten recht» nach link» oben und von links nach recht» und im Lothe zn stützen, damit nicht während de» Baues das Ganze rinstürzt.
Da darf man wohl fragen, weshalb man nicht auch diesen Theil des „Kirchlein«, das seit Jahren der Restauration bedarf", abgetragen hat? Darüber, daß dies da» einzig Richtige gewesen wäre, sollen die kirchlichen und die baulichen Behörden in Cappel und in Marburg längstens einverstanden fein, aber--der Bau must „c o n s e r -
birt* werden. Nicht etwa weil er schön ist und e» deshalb verdient, der Nachwelt erhalten zu bleiben, nein — weil er alt ist. Alle Achtung vor dem Alten, «8 muß aber doh auch etwa« altehrwürdiges sein. DaS kann von diesem dürftigen Bauwerk beim besten Willen nicht gesagt werden. Wer hingeht und stch den Ban ansteht, ist
damit einverstanden Namentlich find Stimme« anS Cappel selbst dahin laut geworden. Gerade die Cappeler find habet stark interesfiit, denn diese sollen demnächst in ihre Kirche gehen und sich daran erfreuen.
Was wäre nun zu thnn? Es find bereit» so und s» viel 100 Mark für die Fundamentmauern ausgegeben; letztere müssen also stehen bleiben- Man lege aber rasch den erbärmlichen Chor nieder und errichte an seiner Stell« eh en neuen im Styl« de» alten, jedenfalls im Style der übrigen Kirche. Die vom alten Chore verbleibenden Reste der Verzierungen stellen fich als so minderwerthig dar, daß fie schwerlich der Aufnahme in die Sammlungen de» hesstschen GesckichlsvereinS auf dem diesigen Schlosse gewürdigt werd«; «8 müßte denn sein, daß man das oben erwähnte Christus- bild aufnähme, um eine Darstellung dafür zn haben, wie man ein Bild von Christus nicht aufstellen soll.
Dann kann der Chor dem Bebürfniß der Kirchenbesucher, namentlich der Abendmahlgäste entsprechend größer, Heller, freundlicher und so sicher hingestillt werden, daß man (wie dies Herr Groth bei hem jetzigen befürchtet) nicht einen Einsturz zu gewärtigen hat:
Dem Vernehmen nach soll eS am Gelbe für diese Bauerweiterung keineswegs fehlen, ebenso an der Neigung, mit dem Aufbau der Kirche im Nothsalle noch warten zu müssen.
E» hätten also die zuständigen Behörden sofort geeignete Schritte zu thun. E» möchte fich namentlich auch empfehlen, den jetzigen Zustand des Chores durch photographische Aufnahme festzulegen. Dadurch würde besser als durch obige oder sonsttge Beschreibung der richtigen Auffaffung und der Förderung des Planes gewidmet.
Ob diese Anregung Erfolg haben wird?
In LesstngS „Nathan der Weise" wurden dem Patriarchen gegenüber mehrfach Gründe der Vernunft und der Billigkeit zu Gunsten der Juden geltend gemacht, um eine» günstigen Beschluß für letzteren zu erwirken- Der Patriarch aber sagt im ruhigen, stegeSbewußteu Tone mit abwehrender Hand dreimal: „Thut nichts, der Jude wird verbrannt.'
SS ist zu fürchten, daß e» im Endresultat bei dem Chore in Cappel heißen wird: „Thut nichts, der Chor wird conservirt.' -1-.
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