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vor Amerika, dir bei bei Beralhungcn zum Am druck
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1898 mit 5495,8 Mtlltoue« Mark eine Fleisch,
liche Lerbefferuug darstellt: Wenn auch die Regierung
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ein fuhr von 64,4 Millionen kam. In diese winzige kaum 1,2 Procmt der Sisammtetufuhr auSmacheuden Summe theilen sich Amerika, Belgien, Dänemark, Oesterreich-Ungarn, Frankreich und England. Ist es da nicht thöricht, nun an einen Zollkrieg zu glauben, zumal wenn man sich vor Augen hält, daß die Vereinigten Staaten für rnnd 700 Millonen Mark Maaren nach Deutschland einführen ? Bei einem Zollkrieg hätten die Amerikaner mehr zu verlieren als wir, und fie werden es sich wohl erst recht gründlich überlegen, ehe ste einen
wähnten KommisfiouSbeschlusteS machen und für alle Kunster^euguiste aus anderen Stoffen al» anS Trauben die Bezeichnung als Wein verbieten, so wäre des RäihfelS Lösung bald gefunden. Hentzutage gilt manches Getränk als »Wein', das auch uicht einen Tropfen Traubensast enthält, man darf nur cm täuschende Bezeichnungen wie »Mattouweiu' u. S. erinnern. Wo deutsche Namen den wahren Charakter einer Waare zn deutlich kennzeichnen würden, führt man fremdländische Bezeichnungen ein und — der deutsche Michel denkt, eS sei so etwa» ganz »aparte»'. ES wäre also auch erwägeuswerth, ob nicht die fremd, sprachliche Bezeichnung heimischer Produkte tu solchen Fällen, wo man eine Täuschung deS Publikums dahinter vermuthen muß, zu verbieten wäre.
auf ungefähr 120 Millionen Mark gestiegen nnb bat damit eine Höhe erreicht, die in keinem früheren Jahre zu verzeichnen war. ES wird hierdurch die Thatsache bestätigt, daß Dänemark beim Bezug ausländischer Fabrikate und Maaren in erster Linie auf Deutschlaud angewiesen ist und daß die beiderseitigen Handelsbeziehungen viel zu fest durch Gewohnheit und Bedürfniß begründet find, als daß sie durch politische Strömungen gestört und untergraben werden könnten. Auch unsere Einfuhr au» Dänemark weist im ver floffenen Jahre eine bedeutende Steigerung auf.
sich gegen diese CommisstonSfaffnng ausgesprochen, so ist doch zu hoffen, daß sie mit sich reden loffen wird und daß die wetteren Berathmrgm ein gedeihliches
Unsere Handelsbeziehungen zu Dänemark.
Die vor Jahresfrist in NordschleSwig angewandten politischen Maßnahmen, tuSbesoudere die Ausweisnng dänischer Staatsangehöriger, hatten der Linken zu der düsteren Prophezeiung Anlaß gegeben, daß da. durch unsere Handelsbeziehungen zu Dänemark geschädigt werden könnten. Diese Prophezeiung hat sich nicht nur uicht bewahrhettet, sondern unser Handel mtt Dänemark hat sogar im vergangenen Jahre eine int Allgemeinen befriedigende Entwickelung genommen. Bei einigen Artikeln ist allerdings gegenüber dem Vorjahre ein Rückgang des deutschen Exports nach Dänemark eingetreten. Hierher gehören z v. Maschinen, Locomotiven, Mühlenfabrikate, Stabeisen, Bretter, Hopfen; doch dürste dieser Rückgang in der Hauptsache auf ganz andere Umstände, auf Zufälligkeiten n. s. w. zurückzuführen sein. Bei einer großen Reihe von Fabrikaten und landwttthschastlichen Produkten hat dagegen die Ausfuhr beträchtlich zugeuommeu, so bei Texiilwaareu, Leder, Lederwaareu, Roggenmehl, Zucker, Oelkucheu, Confecttons-Arttkelu, Eiseuvaareu, Weizen, Roggen, Kleesaat u. s. w. Die deutsche Ge- sammtansfuhr uach Dänemark, die 1897 einen Werth von 106, 1898 einen solchen von 111 Millionen Mark hatte, ist, den »Hamb. Nachr.' zufolge, 1899
Samoa.
Dem Reichstag ist j-tzt daS Abkommen über die schiedsgerichtliche Regelung der Schadenersatzansprüche auf Samoa zugegangen. E» bestimmt, daß »alle Ansprüche, welche von Deutschen, von amerttanischeu Bürgern oder von britischen Uuterthaneu wegen Ersatzes von Schäden geltend gemacht werden, welche fie in Folge ungerechtfertigter militärischer Aktion deutscher (1), amerikanischer oder englischer Offiziere in dem Zeitabschnitt vom 1. Januar d. I. bi» zu dem Tage erlitten haben, an welchem die Ankunft der Commisston erfolgt ist, durch einen Schiedsspruch erledigt werden' sollen. Der König von Schweden und Norwegen wttd seitens der drei Regierungen ersucht werden, als Schiedsrichter zu fuugtteu. Durch diesen Schiedsspruch soll ferner entschieden werden, ob die eine oder die andere der drei Regierungen, allein oder in Verbindung mit einer der anderen Regierungen oder in Verbindung mit beiden anderen Regierungen diese Schäden zu ersetzen hat und eventuell in welchem Umfange. Jeder der drei Regierungen soll eS, nachdem fie in jedem Falle die Zustimmung der anderen Regierungen erlangt hat, gestattet fein, dem Schiedssprüche de» König» auch ähnliche Ansprüche von solchen nicht eingeborenen Personen zu unterbreiten, welche unter dem Schutze der betteffeudeu Macht stehen.
der zwingenden Logik der süddeutschen Redner entziehen können, die darauf hinwiesen, daß in den wenig bevölkerten Gebirgsgegenden eine Zwangs- Fleischbeschau sich überhaupt nicht durchführen lasse. 68 heißt auch bereits, daß die Regierung in dieser Beziehung einlenken und auch in das bisher abge- lrhnte Einfuhrverbot von Würsten unb Konserven einwilligen wirb. 3mdritten strittigen Punkt, der Einfuhr von Pökelfleisch unter den gesetz liehen Sicherhettsbestiwmungen, wolle fie aber, so wird offi.iöS mttgetheilt, auf ihrem Standpunkt ver- harren. Ferner dürfte die Reg,eruug darauf bestehen, daß her Reichstag davon abfieht, die Einfuhr frischen AeischeS vom 31. Dezember 1903 ab zu verbieten. Sie Üßt sich angeblich dabei von dem Gesichtspunkt leiten, daß diese Frage, unabhängig vom Fleischbeschauges'tz, bi» zum Jahre 1904 so wie so durch zollpolitische Verhandlungen geregelt werden muß. Die Au». ! sichten für eine Einigung find also vorhanden.
Auf der Linken wttd man e» natürlich der Re. gieruug äußerst Übel nehmen, wenn fie dergestatt ein Entgegenkommen gegen die bösen .Agrarier' zeigt. Hat man doch die Frage der Fleischschau wieder einmal weidlich zur Agrarierhetze anSgenutzt. Wie haben nicht die Manchesterlente über die „Begehrlich- kett' der Agrarier geschrien! Sie haben den Agrariern nachgesagt, daß ste die Fleischkouirolle dazu benutzen wollten, nm auf Kosten der Konsumenten die Preise künstlich hochzuschrauben, fie haben die Schatten eines Zollkriege» mit Amerika heraufbeschworen, ja selbst die Flottenftage mußte im Kampf gegen die Land wirthschast herhalten. Ueber das erste dieser Argu- mente kann man wohl mit Stillschweigen hiuweggeheu. ®» ist schon stark abgebraucht, da es mutatis mutandis bei jeder die Landwirthschaft berührenden Frage angewandt wttd. Man verlangt stet» von der Landwirthschaft, daß fie, ohne an stch selbst zu denken, den Interessen deS Handel», der Industrie und Schiff- sahtt Rechnung trage, daß aber auch andererseits M* einmal den Jutereffen der Lanbwttthschaft ge» Mt werden, daS zu fordern fällt Niemand ein. SW dem Fleischschaugesetz aber über die Agrarier zu schelten ist doppeü thörtcht, weil daS Gesetz kein ein» KWg agrarisches ist, sondern die Jntereffeu aller Produkttvstäude berückstchttgt. Ein Beweis dafür liegt wech in der kolossalen Mehrheit, mit der die «mmisfionsbeschlüfse zur Suuahme gelangten.
solchen beginnen. Der von Sozialdemokraten und Freifiunigeu au Amerika gerichteten freundlichen Auf- munterung, seine eignen Interessen Deutschland gegenüber rücksichtslos geltend zu machen, wird als- wohl kaum ein Erfolg blühen. Wir haben gar keinen Anlaß vor Amerika die »Flinte in da» Korn' zu werfen und wenn der Reichstag da» durch die Annahme der KommisfionSbeschlüsse den Amerikanern klar gemacht hat, so wird da» hoffentlich nicht ohne günstige Folgen für die Erneuerung der Handels- verttäge bleiben. Die veschlüffe geben dem Bundes- rath eine Waffe in die Hand, die er hoffentlich gründlich ausnutzen wttd.
Wenn in der Debatte über den Gesetzentwmf die Snficht ausgesprochen wurde, daß Deutschland der Vieheinfuhr bedarf, so ist diese Ansicht irrig. Im Jahre 1898 wieS die deutsche Biehproduktion an Rindvieh Schafen und Schweinen die Anzahl von 43,5 Millionen Stück auf, da» ist ein Werth, der hoch in die Milliarden geht. Außerdem ist zu be- berückstchtigen, daß die deutsche Viehproduktion in den Zeitraum von 1892—97 ihre Ziffern in den angegebenen Biehsorteu um etwa 2V2 Millionen Stück erhöht hat. ES dürste hierin der Beweis liegen, daß die deutsche Biehproduktion sehr wohl in der Lage ist, sich so zu steigern, daß der Fleischkonsum vom Inland beftiedigt werden kann, denn die fehlende Ziffer steht zu der Hauvtzohl in einem mehr als untergeordneten Verhältniß.
Damit dürfte der Beweis geliefert sein, daß die Mehrheit des Reichstags durchaus auf dem richtigen Wege war, al» fie den in Bezug auf die Volks- eruähruvg von der Linken vorgebrachten Bedenken keinen Raum gab und den sanitären und hygienischen Charakter der Vorlage nicht beeinträchtigen ließe.
Umschau.
Gegen Surrogate.
Kürzlich ist im Reichstage — allerdings erst in der Kommission — der Beschluß gefaßt worden, mit der Anwendung von Surrogaten bei der Bierbrauerei ein Ende zu machen. Al» »Bier' soll fortan nur
Der südafrikanische Krieg. Weiterer Vormarsch.
Lord Robert» setzt seine Vorwärtsbewegung auf Bloemfontein fort. Die Kavallerie-Brigade Broadwood stieß bei ihrem Vormarsch auf Burentruppen, welche auf den Kopses in der Nähe von Driefovtein eine feste Stellung inne hatten. Als die Division Kelly- Keuuy anlangte, entspann sich ein lebhaftes Gefecht. Die Buren tourben trotz tapferen Widerstandes ge- zwungen, ihre Stellungen im Centrum der Gefechts- linie aufzugeben unb ließen eine Anzahl Tobte und 40 Gefangene zurück.
Da» Warren'sche etwa 10000 Mann starke Corps soll Befehl erhalten haben, zu der Roberts'scheu Hauptarmee zu stoßen. Die Meldung ist dahin zu verstehen, daß kein Versuch gemacht werden soll, die Positionen der Suren an den DrakenS- und Ligger», bergen von Natal her zu nehmen; sonst würde man eine Schwächung der Buller'scheu Armee nicht gewagt haben.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Lome, und Feiertagen. OnartalS-LoonnementS-Prei» bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSaebühr: di« ge- spalten« Zeil« oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: bk Zeil« 25 Pfg.
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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. e^:Jllustrirtes Sonntagsblatt.
li« Ende finden werden. Die Regierung wttd stch wohl
—■ kaum auf die Dauer in bet Frage der Hausschlachtung
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Die Fleischschau.
ac. Die zweite Lesung de» Fleischschaugesetzes MinjiW hat erfreulicherweise damit geenbet, daß der Entwurf “ iu der Kommisfioussasiung angenommen worden Kyrroau ist, die gegenüber der Regierungsvorlage eine weseut- sieheii j barstellt' SR.ntt nn* M* 5ff.ni.ntnn
dÜrtvRl fyz* Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen»
O’*'**'ö Bureauxvon Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd«. o * o-vc.—
IQ 1QOO ^*rä’^n: Rudolf Müsse, Frankfurta. M„ Berlin, München, Köln; o4.
xytCtIjIuy,JLO. IVcUTg Ibyy. 6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris m.
Geradezu beschämend ist aber die Angstmeierei ein Settänk, das aus Malz, Hopfen, Heft und Master
■' _ . ' bereitet ist, gelten dürfen. ES ist Zett, daß man
Um fie recht zu würdigen, vergegenwärtige wieder einmal den Begriff »Bier' in so einfacher
mau stch, daß auf unsere Gesammteinfuhr im Jahre und natürlicher Weise definirt hat. Bi» jetzt hieß es
immer, dieser Begriff sei so schwer ftstzustellen, sdaß man die Surrogatverwendnng nicht fassen könne. Man thut so, al» wiffe man nicht, daß in Bayern schon längst die Anwendung jedes Surrogats beim Bierbrauen verboten ist. Hoffentlich tritt die Regierung dem Beschluffe, den das Plenum jedenfalls acceptireu wird, bet unb macht bet Bierpantscherei und der damit vielfach verbundenen Gesundhettsschädlichkett des »nationalen' Gettänk» ein Ende. Ebenso wünschenLwerth wäre es, wenn wir recht bald zu einem wirksamen Weingefttz kämen. Auch hier heißt eS, eS sei unmöglich, den Begriff »Wein' zu fahren. Würde man da» aber in dem Sinne des ebener»
Nachdruck verbot«
I« bösen Schein.
Roman von L. Haibheim.
(Fortsetzung.)
6ie wußte wohl, es lag in feiner Absicht, den- iatifle», die etwa Partei für Arno nahmen, zu ttotzeu, indem er feine Gunst für fie in solcher Weise gerade- in auffällig machte; aber er hatte fie schon gelehrt, alles Gerede de» Puklikums gering zu achten, und
ta ihr diese Bevorzugung deS alten Mannes besagte, ttitt lachte fie von Herzen mit ihm über alle diese Zeichen Nm Verwunderung. Neugier unb lleberraschung, die Woche sie bei Spazierfahrten ober seltenen gemeinsamen Spaziergängen durch bie Stabt bemerkten.
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6t.
Der Hoftath hatte nur eine einzige Nachbarin, ein alte» Fräulein, welche» in einem kleinen Sorten
Auch Gisela hatte das alte, sehr häßliche Habchen mtt den guthmüthigeu Augen auf diese Weise tonen gelernt.
Mit ihr hatte Fräulein Brenner öfter schon eine ärgere Unterhaltung anzuknüpftn versucht, und Gisela
wohnte, der de» vorbeifließenden JsabacheS wegen keine Mauer hatte. Das kleine Gärtchen deS Fräulein Brenner und der große Garten des Hoftathes stießen am Ufer zusammen, und so war es gekommen, toß stch ein gewisses NachbarschastsverhältniS ausge- dlc hattt zwischen dem alten Herrn unb der alten Dame, welches allerdings lediglich darin bestand, toß fie sich gelegentlich grüßten, vom Wetter sprachen *vd dann Wetter gingen.
bann jedesmal bemerkt, daß die ttenherzigen Blicke des alten Fräulein» forschend und fragend auf ihr ruhten. Was Gisela an der Nachbarin aber besonders sympathisch fand, war ihre hellseheude Feindschaft gegen das Ehepaar Franzen, von dem fie offen sagte, eS betrüge den Hoftath wo es nur könne.
Gisela begriff natürlich von Anfang an, Fräulein Brenner hätte gar zu gern gefragt unb sich von Gisela erzählen lasten, wa» diese nur irgend berichten konnte; aber da» »junge Ding" hatte bei aller liebenswürdigen Hetterkett doch eine An, welche jede Indiskretion ge. jährlich für den wetteren Verkehr machte.
Um so eifriger erzählte Fräulein Brenner selbst, um Gisela vertraut zu machen, alle» Stadtklatsch, und das junge Mädchen unterhielt stch dabei, ließ stch berichten, was Fräulein Brenner wußte, um nachher alles dem Hoftath zu berichten, der seinerseits keineswegs unempfindlich dafür, sondern sehr neugierig war und stch auch von Franzen in dieser Weise allerlei itttragcn ließ, immer aber jeden Versuch, ihm etwas, was ihn selbst beteaf, zu unterbreiten, schroff und mrßlaunig abwieS.
Ein einziges Mal hatte Fräulein Brenner Gisela gefragt: »Kennen Sie Herrn von Schill ar ?
Diese gab aber die so kurze wie bedeutsame Snttoort: Nur aus den Schilderungen des Herrn Hoftaih,' und blickte dabei plötzlich so kühl und ab» lehnend, daß Fräulein Brenner schnell ehr andere» Thema sand.
Eine Einladung in ihr Hänschen, die Fräulein Brenner an Gisela ergehen ließ, mußte diese auf be» Hoftathe» Wunsch ablehnen; so blieb e» also bei
flüchtigen Begegnungen, und es überraschte Gisela nicht wenig, als eines Tages, da fie von Lisa kam und mit dieser und Wendelstein die Ueberfiedlnng der Schwester auf die nächsten Tage festgesetzt hatte, fie Fräulein Brenner ihr mit einigermaßen aufgeregten Mienen vor deren Häuschen entgegenkommen sah.
Mein liebe» gnädiges Fräulein, ich habe Sie erwartet, nm Ihnen eine große Bitte an» Herz zu legen !* sagte das Fräulein befangen.
»Eine Bttte?' Gisela war sehr wohlwollend von Natur. Ihr fteuudlicher Blick machte e» leicht unb selbstverständlich für die Nachbarin, fortzufahren.
„Aber Sie müffen einen Augenblick eintreten!* bat Fräulein Brenner und nun fiel Gisela doch die zitternde Sttmme auf.
»Gewiß I' Sehr gern, wen» ich Ihnen dienen kann.'
Fräulein Brenner hatte ihre HauSthür geöffnet, Gisela in den sehr Heinen Flur und dann in eine ebenfalls kleine, aber sehr freundliche Stube treten lasten, unb hier stand diese plötzlich einem hohen, stattlichen Offizier in Husarenuniform gegenüber, bet fick' vor ihr höflich, aber mit einem so forschenden Blick verneigte, baß Gisela, bie jenes nur einmal flüchtig gesehene Lilb vergeben» im Hause gesucht hatte, sofort wußte, bie» war Arno von Schlltar. Hub jetzt stellte bie Brenner ihn ihr auch in aller Form vor.
Was sollte tiefe lleberraschung heißen?
Sein Blick mißfiel ihr. Sie fühlte ober ahnte den Argwohn darin, wenn fie auch nicht Zeit hatte, ihn zu erkennen.
Erschreckt, unwillig, war ste doch wie erstarrt stehen geblieben; ihr freundliches Lächeln machte kalter Abwehr Platz.
„Fräulein Brenner!' hatte fie auf den Lippen.
Amo von Schlltar kam ihr zuvor.
»Verzeihen Sie der übereifrigen Güte meiner alten Freundin diese wohl für nn» beide ungeahnte lleberraschung, gnädiges Fräulein,' sagte er kühl, mit sonorer Sttmme. »Fräulein Brenner meinte es gut mit mir und ich ahnte nicht, was fie beabfichtigte, al» fie eben hinaus eilte!'
Er wies energffch jeden Verdacht eine» eigenen Wunsche» zurück.
Jetzt hätte Gisela ehr einziges gute», fteundlicheS Wort sagen müffen. Sie fühlte das deutlich. Nur einen Blick, der nicht feindselig war, ihm gönnen.
llnd dabei stand fie, wie mit Blut übergossen, und hätte eS fie das Leben gekostet, fie konnte weder sprechen, noch aufbliden unb behielt so die ablehnende Miene.
Seine Angen hatten ste nicht »erlaffen.
Er richtet stch stramm auf.
»Sie werden begreifen, gnädige» Fräulein, daß meine liebe alte Freundin hier —*
Seine Freundin? flog es Gisela durch ben Sinn. Da» hatte ste aber nie geahnt. Ah — Verabredung? Falle?
„Meine Freundin,' fuhr .er fori, »meinte mir einen Liebesdienst zu erweisen, wenn fie mtt möglich machte, Sie um Ihre Vermittelung bei meinem Pflegevater zu bitten.'
(Fortsetzung folgt)