Einzelbild herunterladen
 

> M

mMta: »edt 81. Xdtrte* 66.

cd, fe Hache.

ir d«r nrigs - unt wen,

SöechM Leitung.

öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Jllustrirtes Sonnlagsblatt. 8"**"*"ad"

geteilt

Jt» 41

Egkich «ufcer en ffittäee« <»«8» mck Fvttrtazm. Q»«rW*»Lrouurr»mr»-dr«tI bd b#r (tawMtte« L Mk, d»t all« ^diteesera 3.25 Mk. (cjß. Bcfteügtlb). Jei«rtion»ß»bühr: bie gt* i;cV#*rt AM« oder btren Nemo 10 Pfx., SidUmMi: bw AriU 25 Pfg.

Warburg

Sonntag, 18. Februar 1900

Ätydgtn nthmat «ntgtgen: bi« Expesttion dieses Blattes, bi« Annoncen» 6xt«<uy von Haaienstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- tota, Wien: Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; L. L. Daus« * ko., Frankfurt«. M., Berlin, Hannover, Paris «.

35. Jahrg.

Iber it,

mal

auch ander, nk z, reise,, habt, »an»

Wochenschau.

ac. Prinz Heinrich ist wieder in die Heimath zmSSgekchrt. Freudig hat das drnlsche Volk den Hohenzollerrprinze» begrüßt, der in fernen Meeren Deutschlands Flagge gezeigt, Deutschlands Ansehen gemehrt hat und wie sein kaiserlicher Bruder so hat auch daS deutsche Volk ihm ein herzliches Willkommen bereitet. Welche Eisolge die Reise deS Prinzen ge­zeitigt hat, wird sich tu vollem Umfange erst später zeigen, soviel aber steht heute schon fest, daß sie für Unsere Kolonie im fernen Osten von großem Nutz n sein wird. Seine Aufgabe hat der königliche See­mann gelöst und voll Zuversicht wird Deutschland auch größere Aufgaben in seine Hand legen, wenn er dereinst au der Spitze der deutschen Flotte steht.

Die Pläne unserer Regierung zur Vermehrung

-ager

2C.

ftinqt. iletoS, ioppe», Veste»

gierung und die Stimmung des Volkes entwickeln. Noch lassen sich über die AuSfichteu der Vorlage nur müßige Combinattoukn austellen; hoffe« wir aber, uxsk^baß der Reichstag stch der ihm gestellten nationale« _ Aufgabe gewachsen zeigt.

aoncir bet Flotte find nunmehr aus dem Stadium der allgemeinen Berathung in das der sachlichen Ber- t toy Handlungen getreten. Das Plenum hat die Vorlage i g(n an die Budgelkomwisston verwiesen, in der es fich Lage entscheiden muß, ob die Mehrheitsparteieu daS richtige Lerstäuduiß für die fürsorgenden Abstchten der Re-

schuh« Mit der Verweisung der Flottenvorlage an die Artik« kommisfion hat aber die frische Seedrise, die einen

mein« leuübe fei ai i Kauf «fahr« tüten usprei jeben'

A«, n Ui t!

f

Augenblick durch unser politisches Leben hindurchging, wieder abgeflaut. Waren in voriger Woche die Reichibotc« in so stattlicher Zahl imReichshause* erschienen, daß dem Zuschauer ob des ungewohnten Anblicks das Herz im Leibe lache« konnte, so brachte diese Woche schon wieder ein ander Bild, das alt­gewohnte: leer, öde der weite Sitzungssaal. Und doch waren einzelne der Sitzungen derart, daß die Herren Reichrboten wirklich nichts verloren hätten, wenn fie sich etwas pflichttreuer gezeigt hätten. Da war zunächst ein Gegenstand zur Beraihung gestellt, der lange Zeit die Herzen aller Pattioteu in Erregung versetzt hatte die Regelung der S a m o a f r a g e. Wenn nicht der Abgeordnete Dr. Haffe an die Erklärungen des Grafen Bülow einige Bemerkungen über den hohe« Preis Samoas angekuüpft hatte, so wäre die ganze Sache sang- und klanglos verlaufen.

Die Polen unternähme« diesmal im Reichstag de« Vorstoß, den sie gewöhnlich im Avgeordneten- hmse versuchen. Sie beklagten fich in einer Inter­pellation darüber, daß von preußische« Gerichten ihren Bolksgeuoffen nicht in der beansptnchte« Form und Zahl Dolmetscher bewilligt worden wäre». Sie hatte« aber mit diesen Klage« tet« Glück; das Haus war fich i» seiner Mehrheit darin einig, daß die

en, u> geb« öthig) ich nti

thät em st efchüs! Zahl- eutlic

:en i

Nachdruck verboten

Vor dem Balle.

Sine hellere Geschichte von I. Haydn (Mannheim).

Ma« hielt Nelly für hochmüthig. Das meinte« «der »wc die Fernstehenden. Wer sie näher kannte, der wußte, daß fie daS Herz auf dem rechte« Fleck hatte, wen« fie auch ihr griechisches Näschen ei« bischen hoch trug.

Das geschah aber ganz unbewußt, obwohl fie einige Ursache dazu gehabt hätte. War fie doch in ei» exqmfites Nest gelegt worden, hatte fie doch vom Papa, der auS kleinen Anfänge» eiaer der größte» Industrielle» geworden war, den Geist, die Energie, vo« Mama die einst durch die Macht deS SaugeS das Herz des Gatten eroberte, die Anmnth und die blonde Schönheit geerbt.

8

Nack

3

Nark

Solch ei« ideales Elternpaar sollte nicht eine mit Idealen behaftete Tochter großgezogen habe»?!

Und Nelly Sanden hatte Ideale! Sie hatte so- gar im geheimste» Schrei» ihres warmschlagesde« Herzens et» Ideal. Wie glücklich sie war, w.nn fie int Tanz mit ihm dahiu flog, wie stolz, wenn ihre Kreundinne» seine imposante Gestalt bewunderte», welche die Kavallerie-Uniform so vortheilhgft umschloß.

Wie fest stch das Bild des Leutnants von Jfen- dlltz in ihr Köpfchen festgesetzt hatte, obwohl er ihr »«h nie ei» schmeichelhaftes Wort gesagt.

Aber gerade das impovtrte ihr, zeichnete ihn in ihre» Augen vor den Andern aus, de» Mllgift. #80» und Schwadroneuren. Ihn glaubte fie ihrer Liede würdig, ihm glaubte fie ihr LebeuSschiff an» bairaue» zu könueu!

Sie war ja lein Backfisch mehr mit ihre» 24 Wa, sie wünschte zu heirathe», aber um dann.

erbe» 8 zur Her, n für

i, I ebrai

Wege, die in unserer Pole» Politik eingeschlagen worden find, die richtigen find.

Erwähnen wir »och, daß Abg. Bebel das Bcdmfniß süblt-, beim Kolonialetat über die Richter d°s Prinz en Ar en berg zu Gericht zu fitzen, etre ihm überhaupt das U'theil über diese von allen Parteien und der Regierung einmüthig gebrandmmkren Misscthat bekannt war, so wäre wohl damit die Revue über die Arbeiten des Reichstags im wesent­lichen ersitöpft. Zu registriren wäre noch, daß dem preußischen Abgeord»etenhause die lange geforderte Vorlage über die Besteuerung der Waarenhäuser zugegangen ist. Hoffentlich gelingt es, die schwierige Materie so zu meistern, daß ein wirksamer Schutz des Mittelstandes durch das neue Gesetz gewährleistet wird.

Im Urbrigen gehörte die Woche den Agrariern. Der Bund der Landwirthe hielt im Circus Busch in Berlin seine Generalversammlung ab und daran schloß fich eine ganze Zahl von landwllttz- schaftlichen beruflichen Versammlungen an. Die Berliner Straßen hallten wieder einmal wied-r von dem Mofievschrtit derAgrarbataillove*. Wohl 6- bis 7000 Mitglieder des Bundes waren nach derRuchs- hauplstadt gekommen, ein Zeichen der straffen Organi­sation des Bundes. Dieser selbst hat im letzte» Jahre wieder nicht »«bedeutend zugenommeu; fest geschlossen bildet er eine Macht im wirthschaft? politischen Leben, mit der man rechne» mvß. Und diese Macht wird fich ficherlich bei den nächsten Handelsverträgen be­merkbar mache». Um so erfreulicher ist es, doß auf der Generalversammlung auch die Rechte der Industrie betont wurde» xnb daß man gegen die Jndustri llen und den legitime» Handel ein Entgegenkommen zeigte, daS hoffentlich gute Früchte trogen wird. Eine be- merkevswerthe Erscheinung war auch, daß der erste Dorfitzeude des Bundes, Frhr. v. Wangenheim, von nationalen SefichtSpunkte» aus für die Flotten­vorlage eiuttat und damit de» thörichten Verhetzungs- Versuche» de» Boden entzog, zu denen leider die Flotte»Vorlage manche» Politiker» diene» muß. In dieser Beziehung war auch jetzt die glücklich einge­legte Affaire Hahn-Szmnla ungemein lehr­reich. ES ist wirklich kein Wunder, wen» sich mancher vom heutige« politischen Lebe» augeekelt fühlt. Es ist nicht unsere Aufgabe, Dr. Hahn zu veriheidigen, aber die Art und Weise, wie mau ein Privatgespiäch Abg. Hahn, der frühere Rational- liberale, gehört keiner Partei a», konnte als» auch nur für seine Person sprechen auszubeuten und gegen die Konservative» z« verwenden versucht hat, gab manches zu denke».

Im Ausla»d hat fich die allgemeine Lage nur wenig geäudertt Englands Lage i» Südafrika hat fich eher verschlimmert als verbessert. Wen» nicht alle Anzeichen trügen, find die Buren am

wen» fie Liebe gebe«, wen» fie Gegenliebe stade» würde, den» Fränlei» Sande» faßte die »he sehr ideal ans, entgegen ihrem einzige» Binder, der eine ganz andere Meinung davon hatte.

Liebe?!

Liebe fühlte er eigentlich nur in der Ober Prima, ; damals, als er »ocherrötheud ihre» Sputen* folgte. Als »aiverfitätsstubent hatte er schon ein Verhältmß*, später fontenirte er eine Ballertne, waS ihn aber durchaus nicht abhielt, mit einer MilliovärS- tochter einen glänzenden Ehekontrakt zu unterzeichne».

So wie ihr Bruder wäre« ja Viele!

Unb zu solch einem ausgebrannten Krater sollte auch fie einmal emporschaue»!?

Selldem aber Nelly de» lebenSfrische», flotte» Kavallerie-Leutnant von Jsenplitz kenne» gelernt, wies fie mit noch größerer Energie ihre Freier zurück, mochte» ste Papa und Mama auch »och so sehr be­fürworte«.

Selbst ein Krösus mit fürstlicher Billa und Marstall konnte nicht den schneidige« Offizier in de« Schatte« stellen, dessen ganze Revenue« auS nicht wentg wehr als feinet LeutnantSgage bestanden.

Welches Finanzgenie mußte dieser Kavallerist fein, bet so blühend aussah! ?

Oder sollte es von Jsenplitz Napoleon nachmachen, bet alS Leutnant zwar nur bei Artillerie stand, fich aber damals au den Tafel« feine« reichen Freunde satt?

Und die böse, böse Wett flüsterte das auch von Fräulein Sanden's Verehrer. In Wirklichkeit aber schrieb derselbe unter einem Pseudonym famose MilitärhumoreSken, prikelnde, meisterhaft stiltstrte Feuilletons, deren pikante Stoffe er ans dem High life holte und für die er einen nobel zahlenden Ver­leger gefunden hatte.

Tugela nunmehr zur Offensive Mergegangen und bedrohen ernstlich die RückengSlinie Bullers. Dieser soll einen eiligen Rückmarsch angetteten habe«, um dem Geschick zu entgehen, daS die Buren am Modder- fluß Lord M-lhuen berttid haben. Ladysmith wäre damit von den Engländer« seinem S chickial über lassen Word:» und dieses Schicksal wird fich wohl halb er­füllen, da die Lebevsmtttel sehr knapp geworden sind. Im Norde» des CaplavdeS habe« fich die Engländer wieder einmalrückwärts Icncentriren* müssen. Man spricht sogar davon, daß fie Rensburg nicht mehr halte» können. Klarheit kann man Lb-r die dortigen Vorgänge nicht gewinnen, da die eng­lische Zensurbehöcde wieder mit äußerster Strenge den Roihstift sühit. An der üblen Lage der Eng­länder kann auch der Umstand nichts ändern, daß eS General Fnnch gelungen ist, Kimberley zu erreichen.

All die Schlappen habe» aber die Engländer noch nicht zu belehren vermocht. Das zeigen die Maßnahme« an, die man euphemistisch als Heeres- resorm bezeichnet und die jüngst im Oberhaus bekannt gegeben wurden. Halbheit, nichts als Halbheit ist, waS die englische Militärbehörde vorschlägt. Mit solchen Mittelchen wird England seine Heeresmacht wahrlich nicht auf den Damm bringen könne». Uns soll er aber Recht sein! WM-

Umschau.

Zur WaarenhauSsteuer.

* Mit der Vorlage deS Gesetzentwurfs betreffend die WaarenhauSsteuer hat die königliche Staats­regierung einer langjährigen konservativen Forderung Rechnung getragen. Im großen und ganzen dürfte die konservative Partei »it dem Inhalt des Entwurfs und den Zielen, die er verfolgt, einverstanden fein. Wie auS der Begründung der Vorlage erfichllich ist, erkennt auch die Staatsregierung in dankenswerthet Weise die Verpflichtung, den Schäden, die dem Kleingewerbe durch das Waarenhausunwesen zugefügt werden, entgrpenzuttcten, an. Da es aber nicht angebt, den Waarenhausbetrieb anders als im Rahmen der Reichsgewerbeordnung zu behandeln, ist ein Prohiditiv Vorgehen dagegen von selbst ausgeschlossen. Dagegen er­scheint die Anwendung des Prinzips der Umsatzsteuer gegen Bazare, Versandgeschäfte und Konsumvereine, die mit den verschiedenartigsten Bedarfsartikeln handeln, ebenso berechtigt wie wirksam. Durch die schärfere Besteuerung dieser Geschäfte wird ein gewisser Aus­gleich zwischen diesen und de» Kleinbetrieben herbei­geführt; de» letzteren, durch den Zufluß der neuen Steuer in die Gemeindekaffe», ermäßigt Es recht fertigt fich auch durchaus, daß diejenigen Geschäfte, welche zwar ebenfalls hohe Umsätze erziele», aber nur bestimmte Spezialitäten vertreibe», vo» der Waareu- haur steuer verschont werde».

Würde Nelly da» geahnt haben, bann hätte ste seine Blicke, die im Theater »nd in Gesellschaft etwas keck herumschweiften und oft länger als fich ziemte, auf schönen Damen ruhten, nicht so mißdeutet. Sie hätte bann gewußt, daß er mit feiner Beobachtung Slubien machte, unb fie wäre nicht so eifersüchttg gewesen!

Nelly quälte stch ja schon mit Eifersucht ohue nur die Gewißheit seiner Gegenliebe zu haben, wenn fie auch schon manchmal in süßer Ahnung, seine Hand in der ihre» beben gefühlt hatte.

Und Jsenpl'tz?

Auch er stand völlig in ihrem Banne. Er durch, schaute mit seinem Dichterblick was fie quäle, aber mit männlicher Selbstbeherrschung verläuguete er seine Gefühle, denn wie konnte et hoffen, ihre» Eitern, die ganz andere Pläne für ihre Tochter hatte», ein willkommener Schwiegersohn zu sein?!

Sein Seh e-blick täuschte ihn ntchtt

Gar oft kostete e8 Nelly bei Mama, die mit den Jahren realistischer geworden war, einen Kampf, den Namen deS Kavallerieleutnants auf der EiulabungS- liste durchzusetze», ja fie strich sogar dafür manches Mal den eines Generals.

Auf diese Weise wurde Herr do« Jsenplitz zu alle» große» und kleine» Gesellschaften im Hause Sanden geladen.--

* *

A» ihrem Geburtstage, der in die Faschingszeit fiel, machte keines der kostbare« Geschenke auf N-lly solchen Eindruck, wie das Bouquet das ihr der Ange­betete überreichte und zwar mit der Litte um ben ersten Walzer auf dem, au demselben Abend statt­findende» Operndall.

Glückstrahlend sagte fie z», glückstrahlend nahm

Selbstverständlich könnm wir nus über die Einzel beite» deS vorliegenden Entwurfs noch nicht äußern Es wird die Angabe einer eingehenden KommiistonS- derarhung sein, auf der dalgeboteneu Grundlage zu einem praktischen und zweckmäßigen Ergebnisse z» ge­lange». Daselbst wirb man auch darüber in Er­örterungen einzutiete» haben, ob die Steuerskala an­gemessen und insonderheit ob der Höchstbetrag deS st-nerfteiin Umsatzes nicht zu hoch gegriffen ist. Ferner wird in Erwägung zu ziehen sein, ob eS fich nicht zum besseren Schutze des Kleingewerbes empfehle« dürste, auch noch die Biarchensteuer alS Ergänznugs- steuer inS Auge zu fasse».

Wie es in Wirklichkeit mit der britische» HeereSorganisatio» auSsieht.

Zu de» jüngste« Reformvorschlägen des englischen MintsteriumS äußert sich der oppositionelleMotning Leader*:Die Pläne des Ministeriums find in der Hauptsache eine ungeheuere nab kostspielige Täuschung, die dazu bestimmt ist, einerseits dem Lande einzuredc», daß man endlich an eine entschiedene Reform unseres MililärsytzemS gehe» will, unb andererseits den fremden Narione» Sand in die Augen zu strene». Wen» die Armee vergrößert werde» soll, so geschieht das nur, weil der Imperialismus es verlangt. Man könnte ebenso gut sage», daß das Reich »och ei» Dutzend neuer Batailloue braucht. Aber wird da« großbrstanische Reich auch berest sei«, übet eine Million jährlich zu zahlen? Nein nur nnser Eiland wird zahle» . . . Und bann werde« wir für diese Vergrößerung unserer Ausgabe» auch wirklich etwas erhalte»? Werde» wir, nachdem der Kriegs­trubel vorüber sei» wird, genug Rekruten habe«, nm die neuen Kavallerie-Regimenter, Batterie» und Bataillone auch wirklich aussüllen zu können? GS ist noch nicht zwölf Monate, daß die höchste» militärische» Behörden händeringend über die Unmög­lichkeit, Soldaten zu bekommen, klagten, trotzdem de» Landesverthetdiger» die größten Vortheile in Aussicht gestellt wurde». Die beabsichtigte Erweiterung der Genietruppen ist einfach eine skandalöse Geld­verschwendung. Ei» großer Thetl der bestehende« Genietruppen verrichtet Arbeiten, die fast ausschließlich von Civiliste» besorgt werde« können. Und dann die Freiwilligen. Sie solle» von 220 000 auf 360 000 Mann verstärkt werden. Aber die Sache hat eine« Hake». Alle Berichte zeigen bis jetzt, daß nicht die Hälfte der bestehende» Freiwilligentruppe zu schieße« versteht unb daß die große Anzahl vo» Freiwillige« in ben Städte« niemals jene Geschicklichkeit haben wird, die allein durch eifrige Hebung erlangt werden kann. Unb selbst wenn wir Offiziere genug für das vergrößerte reguläre Heer erhalten können, woher solle» wir genug Offiziere für die Freiwilligen Regimenter erhalte« ?*

fie den Strauß, ja er bemerkte sogar wie ihr frischer Mund die Blumen berührte.

Trotzalledem sprachen seine Lippen nicht daS ans, wovon sei» Herz voll war, ja er ließ sogar eine Viertelstunde des Alleinseins mtt der Angebeteten ver­streichen, ohne die von ihr so heiß ersehnte Erklärung.

Und als er fich gar beim Abschied anbot, Konfine Klara nach Hause zu begleiten, die kokette Clara, die fich schon lange alle Mühe gab, ihn zu erobern, da kämfte Nelly mit dem Weinen, denn wieder stieg die Eifersucht heiß in ihr auf. Sogar als Mama zu ihr sagte:

Wir erwarten Sie heute Abend zum Thee,* da blieb Nelly selbst bei ihrer Zusage ernst nnb zurück­haltend, obwohl diese Einladung ihr ganz spezieller Geburtstagswunsch war, dessen Gewährung fie erkämpft hatte.

Schon zur Theestunde hatte fich Nelly in den Ball­staat geworfen. Ihr rosa Crepe de Chine-Kleid umfloß in weichen Linien die hohe, graziöse Gestatt und hob die Frische unb Zartheit ihres ausdrucks­vollen Gesichtes.

Mit der Elastizität der Jugend, hatte fie das Intermezzo vom Vormittage schon wieder verschmerzt.

In glücklichster Erwartungsstimmuug stand fie am Fenster, sehnsüchtig nach ihm ausblickend.

Endlich sah fie ih», trotz der fich nieberfeilenben Dämmerung schon von Weitem, gefolgt von einem Kavalleristen, seinem Burschen, der ihm den Helm neebtrug.

Nelly entnahm noch rasch einige bet herrlichsten Tdeerrosen feinem Geburtstagsstranße, um fich damit zu schmücken.

Noch ein langer prüfender Blick in ben Spiegel, bann durcheilte ste Hochklopfenbett Herzens die Flucht